Marshall McLuhans Medientheorie

Eine Analyse anhand von Franz Kafkas "Eine kaiserliche Botschaft"


Hausarbeit, 2018

14 Seiten, Note: 2,0

Anonym


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. McLuhans Medientheorie
2.1. Das Medium ist die Botschaft
2.2. Das globale Dorf
2.3. Heiße und kalte Medien

3. Franz Kafka: Eine kaiserliche Botschaft

4. Schluss

5. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Der erste Medientheoretiker war der kanadische Medienforschers Herbert Marshall McLuhan. Er veröffentlichte Anfang der 1960 Jahre das Buch „The Extension of Man“ und 1968 das Buch „Die magischen Kanäle: Understanding media“. Mit diesen Büchern gelang ihm, vor allem in Kanada und in den USA, der Durchbruch in der Medientheorie und somit waren die 1960er sein mit Abstand bedeutendste Jahrzehnt.

Er stellte die These, dass eine neue Ära der Elektronik entsteht und die Menschheit in einem „globalen Dorf“ miteinander vernetzt ist. Diese Aussage provozierte damals und spaltete die Öffentlichkeit. Dennoch befassen wir uns im 21. Jahrhundert noch mit dem prominentesten Pionier der Medientheorie, da mythologische Stoffe sich immer noch als beliebte Themen und Motive in Literatur und Kunst finden. Heute können wir über die mythentheoretischen Positionen auf sachlicher Ebene diskutieren.

Basis der Überlegungen sind die Ansätze aus dem Buch „Texte zur modernen Mythentheorie“ von Barner, Detken und Wesche (2003). Diese Lektüre war ebenfalls Textgrundlage im Seminar und liefert erste Ansätze inwiefern der Mythos in Beziehung zu den Massenmedien steht.

Im Fokus steht außerdem das Buch von Sven Grampp (2011). In dieser Arbeit geht es primär darum, woher McLuhans Thesen kommen und welche Bedeutung sie auch heute noch haben. Außerdem geht er auf die Kritik an McLuhan ausführlich ein und betrachtet seine Werke aus verschiedenen Perspektiven.

Meine Arbeit gliedert sich in zwei große Teile. Zuerst gehe ich auf die Medientheorien von Marshall McLuhan ein, wobei ich meine Schwerpunkte auf drei Thesen von ihm gelegt habe. „Das Medium ist die Botschaft“, „das globale Dorf“ und „heiße und kalte Medien“. Als nächstes habe ich mir ein literarisches Beispiel gesucht, um die Nutz- und Anwendbarkeit McLuhans Theorie nachzugehen. Als Beispiel dient der Text „Eine kaiserliche Botschaft“ von Franz Kafka. Anhand diesem kurzen Text sieht man, dass dort einige wichtige Thesen von McLuhan Bedeutung finden. Er spiegelt die heißen Medien wieder und ist in die Epoche der oralen Stammeskultur einzuordnen.

2. McLuhans Medientheorie

Marshall McLuhan verfasste verschiedene Theorien über die Medien. Die Bedeutung des Wortes „Medium“ ist weit gefächert, es kann beispielsweise das phonetische Alphabet, welches die Übersetzung des Hörbaren ins Sichtbare erlaubt, ein Kinofilm, die Fotografie oder Radio und Fernsehen sein. Um die Medien einzuordnen teilt er die menschliche Geschichte in vier Epochen ein: die orale Stammeskultur, die literale Manuskriptkultur, die Gutenberg-Galaxis und das elektronische Zeitalter.

Die erste Epoche, die orale Stammeskultur, sieht Marshall McLuhan als eine ,,Welt des Ohres". Dieser Begriff kommt daher, da der Mensch nur das Medium der gesprochenen Sprache nutzen kann. Da alles sprachlich stattfindet, also Geräusche und Klänge akustisch über das Ohr wahrgenommen werden, ist das Ohr, zu dieser Zeit, das mit Abstand wichtigste Sinnesorgan. Der Mensch lebt in einem akustischen Raum. Anhand der Töne kann er sich nicht orientieren, da sie schwer zu lokalisieren sind. Es ist jedoch möglich einzelne Töne aus den Geräusche und Klänge zu isolieren und sich gezielt darauf zu konzentrieren. Es findet dadurch eine Überbeanspruchung des Ohres statt. Die Kommunikation und die Überlieferung von Wissen finden akustisch statt. Die orale Phase endet mit dem Beginn der Schrift.

Die nächste Epoche benennt McLuhan als die literale Manuskriptkultur, welche als Medium die Schrift sieht, dazu gehört unter anderem das phonetische Alphabet. In dem phonetischen Alphabet werden die einzelnen Zeichen bedeutungslos und es findet ein Wechsel vom Ohr zum Auge statt. Es geht nicht mehr um orale Kulturen, sondern um die Schrift als visuelle Komponente. „Das Auge nimmt, anders als das Ohr, diskrete Erscheinungen in räumlicher Ordnung wahr.“ (Kloock 60) Der Mensch passt sich dem Medium Schrift an, liest das Geschriebene und verändert somit sein Denken. Laut McLuhan steht die literale Manuskriptkultur zwischen der oralen Kultur, welche die Wahrnehmung auf das Ohr reduzierte und der Kultur des Buchdrucks, welcher visuelle Eigenschaften zeigt. Am Anfang fand noch eine Verknüpfung zwischen den beiden ersten Epochen statt. Dies liegt daran, dass im Mittelalter nur wenige Menschen lesen konnten und ihnen daher Literatur vorgetragen wurden. Durch akustisches Vorlesen fand eine Kopplung zwischen Ohr und Auge statt. Nun stellt sich die Frage, was McLuhan mit Manuskripten meint. Manuskripte sind handgeschriebene Bücher, welche kopiert werden mussten. Nur selten wusste man genau, wer der Verfasser war, daher motivierten solche literarischen Texte zum Weiterschreiben.

Der Buchdruck revolutionierte anschließend Kultur und Gesellschaft in der Zeit der Gutenberg-Galaxis. Diese Zeit wird als „Mechanisierung der Schreibkunst“ (Kloock 62) gesehen, da es nun möglich war, Wissen in Form von Büchern massenhaft zu drucken. Auch konnte die Literatur schneller und flächendeckender zu verbreite werden und jeder konnte daran teilhaben. Der Druck entstand um 1450 mit der Einführung der Druckerpressen mit beweglichen Lettern von Johannes Gutenberg. Das Medium des Buchdrucks führte zu einer Dominanz des Auges, da der Druck sich ausschließlich auf diesen einen Sinn bezieht. Der Mensch beansprucht nämlich beim stumpfen Lesen der Literatur nur seine Augen. Ebenfalls führt dieser zu einer Standardisierung der Sprache, da unterschiedliche Sprachgewohnheiten aufgehoben werden. McLuhan ist der Auffassung, dass mit der Etablierung des Buchdrucks „endgültig die Betonung des Visuellen und die Abwertung des Auditiven verbunden“ ist. (Grampp 109) Die visuelle Wahrnehmung ist eine wichtige Weiterentwicklung in dieser Zeit. Nun ist es möglich einzelne Phänomene, wie das Wetter oder die Zeit, zu visualisieren und damit zu analysieren. Während der oralen Stammeskultur war dies nicht möglich, da diese eine Zeit der Akustik war.

Die Gutenberg-Galaxis findet sein Ende mit dem Beginn der Mechanisierung im späten 19. bzw. frühen 20. Jahrhundert. Diese Epoche bringt eine einschneidende Veränderungen für die Menschheit mit sich. Während früher die Ausweitung des Körpers sich ausschließlich auf Ohr und Auge bezog, finden wir jetzt eine Ausweitung des Menschen in den Raum. Dabei stellt die Elektrizität einen wichtigen Zusammenhang her. In dieser Epoche ist es dem Menschen erstmals möglich „das Wesen der Technik und damit seine eigene Lage zu erkennen.“ (Kloock 69) Die Ausweitung des Körpers kann nun bewusst erlebt werden. Durch die Elektrizität, wie die Erfindung der Telegrafie, des Radios oder des Fernsehers, ist es möglich, dass Menschen sich überall auf der Welt miteinander vernetzen können.

2.1. Das Medium ist die Botschaft

Seit dem Jahr 1958 verwendet der kanadische Medientheoretiker McLuhan die Phrase „Das Medium ist die Botschaft“ in seinen Vorträgen und seinen Büchern. Doch was genau meint der Medienforscher mit dieser These, dass die Wirkung eines Mediums wichtiger ist als dessen Inhalt? Was ist eigentlich die Form des Mediums und wie kann das Medium zugleich die Botschaft sein?

Dazu muss man sich erst klarwerden, was an diesem Jahrzehnt so bedeutend war. Der Buchdruck lieferte für alle Menschen einen schnellen und einfachen Zugang zu Künstlern und Wissenschaftlern. Doch die Form des Buchdrucks gilt als Verringerung der Dimensionalität. Der Leser kann sich gut in die beschriebenen Charaktere hineinversetzen und bekommt so den Eindruck, dass er an den Geschichten teilnimmt. Die Gutenberg-Ära war jedoch nun zu Ende und ein neues elektrisches Zeitalter brach an. Wir leben „heute in einer postliteraten und elektronischen Welt.“ (Barner 126) Neue Technologien, wie Elektronik und die Massenkommunikation, bewirken eine Veränderung der Wahrnehmung und der Denkweise der Menschen. Sie stellen sozusagen neue Wirklichkeiten her und liefern Verständnishilfen. Die Technik veränderte also die Dimensionen von Zeit und Raum und gibt eine Form von Zugang zu privaten Bewusstseinsbereichen, welche vorher nicht existiert haben. Allerdings entstand auch eine negative Aufbruchsstimmung durch die Pop-Art und durch die Entstehung einer Protest-Jugendkultur.

McLuhan selbst liefert hierfür einige Antworten um sein Zitat „Das Medium ist die Botschaft“ verstehen zu können.

Zuerst fällt auf, dass McLuhans berühmter Slogan nur eine Abwandlung von der These von dem britisch-amerikanischen Anthropologe Ashley Montagu ist, welche „Die Methode ist die Botschaft“ lautet. Ashley Montagu hielt „in den 1950ern einen Vortrag, […] den auch McLuhan besucht haben soll.“ (Grampp 122-123) Dieser Vortrag habe McLuhan inspiriert die These aufzunehmen und weiterzuentwickeln. Montagus These bezieht sich im Kern auf die psychischen und gesellschaftlichen Auswirkungen der Medien auf den Menschen. Er meint mit dieser Aussage, dass nur über Erfolg und Misserfolg entscheidet, wie ein Lehrer den Unterrichtsverlauf plant und welche Methoden er wählt, um den Unterrichtsstoff für alle Lernenden verständlich zu vermitteln. Dies bedeutet, dass es nicht darauf ankommt, was der Lehrende sagt und ihnen beibringen möchte, also was der Inhalt der Methode ist, sondern wie er handelt. Die Botschaft eines Mediums ist also das, was es mit Menschen macht.

McLuhans These bedeutet im Grunde dasselbe. Er ist jedoch nicht der Auffassung, dass der Inhalt überhaupt keine Rolle spielt. Der Inhalt ist nur für die Forschung uninteressant, da man bestimmte Faktoren außer Acht lassen muss, um sich auf den Forschungsschwerpunkt zu fokussieren. Die neuen Medien bestimmen das Leben enorm, man kann ihnen nicht aus dem Weg gehen, sondern begegnet ihnen überall im Alltag. Medien bestimmen also vollständig die Sozialstrukturen der Menschen. Man darf die Relevanz der Medien nicht unterschätzen, sie bestimmen die Kommunikation, die Wahrnehmung und das Denken der Menschen. Jedoch sind die neuen Massenmedien und Technologien auch beinflussbar. Dies merkt man daran, da sie das Denken und die Wahrnehmung nicht vollkommen eingenommen haben. Die Medientheoretiker, wie Marshall McLuhan es ist, wollen nämlich diese neuen Technologien beeinflussen.

Bei den Medien ist „das soziale Handlungsmoment dieser Formen auf lange Sicht auch im wahrsten Sinne des Wortes ihre Botschaft oder Bedeutung.“ (Barner 122) Die Wirkung eines Mediums ist unabhängig von seinem Inhalt und muss daher von dieser getrennt betrachtet werden. Nur so hat man die Möglichkeit die Botschaft überhaupt zu erkennen. Nach McLuhan ist der Inhalt eines Mediums immer ein anderes Medium. Diese Aussagen kann man interpretieren indem man sagt, dass neue Medien immer aus einem anderen Medium entstehen. Beispielswiese in dem Sinne, dass die Sprache der Inhalt der Schrift ist und diese wiederum ist der Inhalt des Buchdrucks oder der Fernseher, welcher das Radio übernommen hat. Diese Aussage kann man verdeutlichen, indem man zur Erklärung als Beispiel das Medium Buch nimmt. Um dieses Medium Buch im Buch selbst aufzuheben erschafft man eine Collage aus Zitaten oder Fotos. „Die heterogenen Elemente dieses Mosaiks ergänzen einander und ermöglichen die mehrdimensionale Auffassung der Botschaft.“ (Kloock 45) Wichtig ist es jedoch, dass der Leser zum selbstdenken angeregt wird, beispielsweise durch fehlende Seitenzahlen oder durch ein wechselndes Layout. Genau so gestaltet McLuhan auch seine Schriften, er fordert die völlige Geduld von den Lesern. Man findet in seinen Werken viele „Aphorismen, Anspielungen, Metaphern und plakative Aussagen, die an Werbeslogans erinnern.“ (Kloock 45) Es spielt also die Wahrnehmung eine große Rolle. Diese fungiert, laut McLuhan, als Zusammenspiel der verschiedenen Sinne.

Ein weiterer Forschungsansatz ist die Carpenter-McLuhan-Hypothese. Dabei wird die Grammatik der unterschiedlichen Medien auf ihren Einfluss auf die Wahrnehmung der Menschen erforscht und untersucht. Alles wird in Bezug zur Grammatik gesetzt. McLuhan und der Anthropologe Carpenter formulieren ihre Hypothese aus. Sie sagen, dass die Grammatik der jeweiligen Medien das Denken und die Wahrnehmung der Welt präformieren würde. Aus einem linguistischen Relativitätsprinzip wird ein mediales Relativitätsprinzip. (Barner 123) Der kanadische Medienforscher versucht Medien lesbar zu machen, indem er unter anderem Lektüren schreibt und sie dort versucht zu erklären.

McLuhans bekanntester Satz „Das Medium ist die Botschaft“ bedeutet in diesem Fall also, dass das Medium den Zugang zur Welt bestimmt.

[...]

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Details

Titel
Marshall McLuhans Medientheorie
Untertitel
Eine Analyse anhand von Franz Kafkas "Eine kaiserliche Botschaft"
Hochschule
Johann Wolfgang Goethe-Universität Frankfurt am Main  (Institut für deutsche Literatur und ihre Didaktik)
Veranstaltung
Mythenrezeption – theoretische Texte und literarische Beispiele
Note
2,0
Jahr
2018
Seiten
14
Katalognummer
V491512
ISBN (eBook)
9783668975170
ISBN (Buch)
9783668975187
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Mythologie, Mythenrezeption, Marshall McLuhan, Marshall, McLuhan, Massenmedien
Arbeit zitieren
Anonym, 2018, Marshall McLuhans Medientheorie, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/491512

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