Können Klassenregeln zu einer gelingenden Klassenführung beitragen?


Hausarbeit, 2018

15 Seiten, Note: 2,7

Anonym


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 Erwartungen der Institution Schule an die Schüler und Schülerinnen

3 Erwartungen der Lehrkräfte an die Schüler und Schülerinnen
3.1 Einführung von Klassenregeln
3.2 Umsetzung von Klassenregeln

4 Schluss

Literaturverzeichnis

1 Einleitung

Jede Schule und jede Lehrkraft macht es sich zur Aufgabe gute Voraussetzungen für einen störungsfreien Unterricht zu bieten, um so eine optimale Klassenführung zu gewährleisten. Doch was bedeutet eine optimale Klassenführung?

Die Klassenführung, auch Classroom Management genannt, zielt auf eine gute Beziehung zwischen Lehrkräften und ihren Schülern und Schülerinnen (SuS), einer guten Unterrichtsorganisation und auf ein angenehmes Klassenklima. Ohne gute Klassenführung gibt es folglich keinen guten Unterricht.

Gerade die frühzeitige Etablierung von Klassenregeln, in den „ersten Tagen und Wochen eines Schuljahres“ (Nolting 2013: S.47) oder bei Übernahme einer neuen Klasse, spielt dabei eine große Rolle. Wie wichtig sie jedoch genau ist, erkläre ich in dieser Arbeit.

Klassenregeln tragen einen großen Teil zum störungsfreien und reibungslosen Unterricht dar. Sie zeigen den SuS was für Erwartungen man an sie stellt und was sie zum guten Klassenklima beitragen können. Die SuS müssen die Regeln selbstverständlich nachvollziehen können, dies geschieht am einfachsten, indem sie die Klassenregeln selbst aufstellen und keine Liste mit Regeln von den Lehrkräften gestellt bekommen. Die Lehrkräfte sollten diese ebenfalls einhalten, damit die SuS ein Gefühl von Gerechtigkeit haben.

Damit ein Regelsystem wirklich zu einer gelingenden Klassenführung beitragen kann, müssen die Lehrkräfte auch mit Regelverstößen umgehen können, dies geschieht beispielsweise durch nonverbale, z.B. Augenkontakt mit einem Schüler herstellen, oder verbale, z.B. den Namen des störenden aussprechen, Signale. Dies sollte auch konsequent durchgesetzt werden, damit die SuS lernen sich daran zu halten und nicht öfter Störungen auftreten.

Die Arbeit gliedert sich in 2 Teile. Zuerst werden die Erwartungen der Institution Schule an die SuS thematisiert, wobei es sich hauptsächlich um Verhaltensregeln handelt. Diese Regeln zielen auf die soziale Interaktion der SuS. Danach widme ich mich den Erwartungen der Lehrkräfte an die SuS und gehe dabei genauer auf die Einführung und die Umsetzung von Klassenregeln ein.

2 Erwartungen der Institution Schule an die Schüler und Schülerinnen

Die Schule hat als Institution keine gezielten Erwartungen an eine Schulklasse und entwickelt daher für sie auch keine spezifischen und individuellen Klassenregeln, jedoch hat sie Erwartungen an die einzelnen SuS der Schulgemeinde. Diese Erwartungen werden von der Institution vorgegeben, aufgeschrieben und als Schulregeln bezeichnet, welche nicht nur für alle SuS, sondern auch für alle Personen der Schulgemeinde verbindlich gelten. Die Regeln sollten daher so formuliert sein, dass sie in allen Altersklassen verstanden und umgesetzt werden können.

Die Schulregeln sind keine willkürlichen Regeln, die erstellt werden um Macht der Schule zu demonstrieren oder um die SuS zu ärgern. Ganz im Gegenteil. Es handelt sich um Alltagsregeln, welche als selbstverständlich angesehen werden sollten. Sie gelten in der Schule genauso wie zu Hause oder im Sportverein.

Die Schule hat als Institution hauptsächlich einen Bildungsauftrag, doch immer wichtiger wird auch ihr Erziehungsauftrag. Wie sollen die Lehrkräfte überhaupt Unterricht führen, wenn alle SuS zu spät kommen? Hier muss versucht werden, die Lücken, die in der Erziehung zu Hause hinterlassen wurden, zu füllen. Daher ist die Einführung von Schulregeln unabdingbar.

Sie betreffen unter anderem das Miteinander der SuS untereinander, vor allem mit anderen Schülern und deren Sachen behutsam umzugehen (z.B. „Wir hören einander zu und lassen uns ausreden.“, „Wir verhalten uns anderen gegenüber freundlich.“, „Wir nehmen Rücksicht aufeinander und helfen uns gegenseitig.“), sowie das Miteinander mit den Lehrkräften und den anderen Angestellten der Schule. Alle Schulgebäude, Schulräume und Einrichtungsgegenstände sollten verantwortungsvoll und pfleglich benutzt werden (z.B. „Der Raum wird sauber hinterlassen.“, „Wer Abfall herumliegen sieht, hebt ihn auf und wirft ihn in einen Mülleimer.“, „Ich verhalte mich im Schulgebäude leise, um niemanden zu stören.“), damit sich jeder an dem Ort wohlfühlt und eine angenehme Lernumgebung zustande kommt. Die SuS sollten außerdem das Eigentum andere, in diesem Fall das Eigentum der Institution Schule, achten (z.B. „Es wird von den SuS erwartet, dass sie mit der Einrichtung der Schule sowie mit den Lehr- und Lernmitteln schonend umgehen. Mutwillige und fahrlässige Beschädigung verpflichtet zum Schadenersatz.“). Es gibt noch einige weitere wichtige Regeln, die in der Schulordnung fest verankert sind (z.B. „Die SuS besuchen den Unterricht und alle Pflichtveranstaltungen der Schule pünktlich und regelmäßig.“, „Das Rauchen auf dem Schulgelände ist untersagt.“), unter anderem auch Regeln, welche für Sicherheit und Ordnung sorgen (z.B. „In den Schulgebäuden sind Ball- und Fangenspiele, Seilhüpfen etc. untersagt.“, „Das Werfen von Schneebällen ist verboten.“, „Jede Schülerin ist anhand der in den Klassen aushängenden Pläne verpflichtet, sich über die Sicherheitsmaßnahmen und die Fluchtwege bei Feueralarm zu informieren.“, „Kaugummikauen im Unterricht ist untersagt.“).

Einige dieser Erwartungen der Institution Schule, welche sich auf den Erziehungsauftrag beziehen, lassen sich jedoch ebenfalls gut von den Lehrkräften in das Regelsystem ihrer Klasse integrieren, gerade wenn es um den Umgang der SuS miteinander, mit den Lehrkräften oder anderen Angestellten der Schule geht. Zwar bedeutet dies, dass einzelne Regeln doppelt vorkommen, als Schulregel und als Klassenregel, jedoch ist dies nicht schlimm. Die Schulregeln haben nicht immer alle SuS im Kopf und daher werden sie meistens vergessen. Es handelt sich dabei häufig um mehrere Seiten von Regeln in den verschiedensten Bereichen von Erwartungen, welche zwar bei der Bewerbung an die Schule mitgeliefert, aber oft nicht mehr besprochen werden.

3 Erwartungen der Lehrkräfte an die Schüler und Schülerinnen

Nicht nur die Institution Schule hat Erwartungen an ihre SuS, sondern auch ihre Klassen- und Fachlehrer. Ihre Erwartungen beziehen sich jedoch häufig auf ihren Unterricht, da dieser effizient sein sollte, in dem gut mitgearbeitet wird. Ebenso wollen sie ein lernförderliches Klassenklima schaffen und störendes Verhalten unterbinden. Nur so werden eine gute Lernatmosphäre für alle SuS und ein reibungsloser Unterricht geschaffen. Dies gelingt jedoch nur, wenn zur Vorbeugung bzw. zur Bekämpfung von aktiven und passiven Unterrichtsstörungen gleich am Anfang vom Schuljahr Klassenregeln erklärt und eingeführt werden.

Aktive Unterrichtsstörung ist eine auffällige Störung des Unterrichts von Seiten SuS. Sie sind unruhig und unaufmerksam. Das zeigen sie durch laute Privatgespräche mit ihren Sitznachbarn, sie melden sich laut oder gar nicht und rufen einfach rein. (Nolting 2013: S.12) Dies stört nicht nur die Lehrkraft, die den Unterricht durch Unruhe unterbrechen und die Störung unterbinden muss, sondern auch manche Mitschüler, die am Unterricht aktiv teilnehmen wollen.

Im Gegensatz dazu stehen die passiven Unterrichtsstörungen, welche „nicht in einem Übermaß an unerwünschten Aktivitäten, sondern im einem Mangel an erwünschten Aktivitäten“ (Nolting 2013: S.12) bestehen. Dazu gehört das Vergessen von Unterrichtsmaterial oder Hausaufgaben. Hierbei handelt es sich nicht um eine direkte Störung des Schulunterrichts, jedoch kann so die Lehrkraft keinen guten Unterricht gewährleisten. Die Motivation und die Bereitschaft etwas zur Lernatmosphäre beizutragen fehlt bei der passiven Unterrichtsstörung von Seiten der SuS.

Regeln, also verbindliche Abmachungen, sind die Erwartungen an ein Verhalten in bestimmten Unterrichtssituationen. Sie „dienen der Gerechtigkeit, bieten die Möglichkeit auf Verstöße zu reagieren und machen Ermahnungen vorhersehbar.“ (Kiel/Frey/Weiss 2013: S.70) Wenn SuS nicht genau wissen, was von ihnen erwartet wird, können hieraus Unterrichtsstörungen entstehen, welche das Arbeitsklima belasten. Um diesen Unterrichtsstörungen vorzubeugen, sollten Lehrkräfte ihren SuS immer ihre Erwartungen transparent erläutern.

Zu diesen Klassenregeln gehören vor allem die Besprechung der Verfahrens- und Verhaltenserwartungen.

Verfahrensregeln betreffen organisatorische Abläufe, wie das Mitbringen von Unterrichtsmaterial, beispielsweise Bücher, Hefte und Stifte. Ein Verstoß dieser Regeln, betrifft nicht nur die SuS, welche durch das fehlende Material oft nur eingeschränkt oder gar nicht am Unterricht teilnehmen können, sondern sie betreffen vor allem auch die Lehrkräfte. Bei fehlenden Büchern teilen sich die Sitznachbarn dann eines und es kommt dabei öfter zu Diskussionen oder Gesprächen untereinander. Dies stört aktiv den Unterricht und die Lehrkräfte können ihn nicht mehr so führen, wie sie es geplant haben. Nolting (2013) schreibt, dass zu den Verfahrensregeln beispielsweise die Beantwortung folgender Fragen gehört:

- Mit welchem Signal beginnt der Unterricht?
- Welche Folgen hat die Nichterledigen von Aufgaben?
- Was ist zu tun, wenn die Lehrkraft verspätet kommt?
- Wann darf man von seinem Sitzplatz aufstehen?
- Ist das Unterhalten mit den Sitznachbarn erlaubt?
- Was ist zu tun, wenn ich mit der Stillarbeit fertig bin?

Basierend auf diese Fragen können sinnvolle Klassenregeln erstellt werden. Jedoch gibt es noch eine Paar weiterer guter Verfahrensregeln, wie z.B.:

- „Ich halte den Klassenraum sauber und ordentlich.“ An einem sehr unordentlichen und unaufgeräumten Ort lernt es sich nicht gut. Man muss um Stühle und Tische, welche nicht zurückgestellt werden, rumlaufen, der Müll wird nicht richtig entsorg, weshalb es unangenehm riecht und die Einrichtungsgegenstände, welche Eigentum der Schule sind, werden schmutzig. Dies allem kann man entgegenwirken, indem jeder SuS seinen Platz ordentlich hinterlässt und seinen Müll in die vorhandenen Mülleimer wirft.
- „Ich erscheine pünktlich zum Unterricht.“ Wenn die SuS alle erst nacheinander in den Klassenraum eintreffen, entsteht jedes Mal, wenn die Tür aufgeht Unruhe und Ablenkung. Bis sich dann der Zuspätkommende auf seinen Platz gesetzt und seine Materialien rausgeholt hat, vergehen ein paar Minuten. Der Lärmpegel der Klasse steigt und die Lehrkraft wird jedes Mal unterbrochen, wenn ein weitere Schüler den Raum betritt.

„Verhaltensregeln gestalten die soziale Interaktion zwischen den Schülerinnen und Schülern sowie zwischen Lehrperson und Schülerschaft.“ (Kiel/Frey/Weiss 2013: S.70) Dabei handelt es sich um Werte wie Höflichkeit, Respekt und Friedfertigkeit. Also Verhaltenserwartungen, welche auch außerhalb der Schule gelten sollten. Zu guten Verhaltensregeln können folgende zählen:

- „Ich melde mich und warte, bis ich aufgerufen werde.“ Diese Regel ist sinnvoll, da der Lautstärkepegel in einem kleinen Klassenraum bei teilweise bis zu 30 SuS schnell ansteigen kann. Wenn alle durcheinander reden, versteht weder die Lehrkraft noch die Mitschüler, was gesagt wird. Der Unterricht kann so nicht wie geplant fortgeführt werden.
- „Ich höre zu, wenn andere sprechen.“ Gerade wenn die Lehrkraft eine Aufgabe an die Klasse verteilt, sollten alle SuS ruhig sein und zuhören. Sonst verstehen sie womöglich nicht, was sie machen sollen, werden unruhig und reden wild durch den Klassenraum. Dies verzögert den Unterricht, da die Lehrkraft jedem noch mal alles erklären muss. Auch können die SuS so wichtige Sachen verpassen, die in der Klasse besprochen werden. Außerdem sollten die SuS sich auch gegenseitig aussprechen lassen, da sie dies ebenfalls von anderen erwarten.

[...]

Ende der Leseprobe aus 15 Seiten

Details

Titel
Können Klassenregeln zu einer gelingenden Klassenführung beitragen?
Hochschule
Johann Wolfgang Goethe-Universität Frankfurt am Main  (Institut für Pädagogik der Sekundarstufe)
Veranstaltung
Klassenführung aus pädagogischer Perspektive
Note
2,7
Jahr
2018
Seiten
15
Katalognummer
V491514
ISBN (eBook)
9783668961685
ISBN (Buch)
9783668961692
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Klassenführung, Classroom Management, Klassenregeln, Regeln, Pädagogik, Schule
Arbeit zitieren
Anonym, 2018, Können Klassenregeln zu einer gelingenden Klassenführung beitragen?, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/491514

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