Vergleich der Goodwill Bilanzierung nach HGB, IFRS und US GAAP


Bachelorarbeit, 2017

41 Seiten, Note: 2.0


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

Abkürzungsverzeichnis

1 Problemstellung

2 Begriffserläuterung und Erstbilanzierung
2.1 Originärer Goodwill
2.2 Derivativer Goodwill
2.3 Negativer Unterschiedsbetrag

3 Folgebilanzierung des derivativen Goodwills
3.1 Planmäßige und außerplanmäßige Abschreibung nach HGB
3.2 Impairment Only Approach nach IFRS
3.3 Impairment Only Approach nach US GAAP

4 Gesamtvergleich der Folgebilanzierung
4.1 Zusammenfassung der Unterschiede und Probleme
4.2 Kritische Würdigung

5 Thesenförmige Zusammenfassung

Literaturverzeichnis

Gesetzes- und Regelwerksverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

Abb. 1: ökonomische Goodwillkomponenten

Abb. 2: Prüfung einer außerplanmäßigen Abschreibung des GoF nach DRS 23.

Abkürzungsverzeichnis

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

1 Problemstellung

Durch die anhaltende Globalisierung steigt die Anzahl der Untemehmenszusam- menschlüsse und Akquisitionen national und insbesondere international rapide an. Oft werden dabei hohe Preise gezahlt, die weit über dem Wert des erworbenen Reinvermögens liegen.1 Die daraus resultierende Differenz wird als Goodwill (Ge­schäfts- oder Firmenwert) bezeichnet und spiegelt in gewisser Sicht das Zu­kunftspotenzial des erworbenen Unternehmens wider.2 Parallel zu den vermehrten Transaktionen, steigt auch die Höhe der kumulierten Geschäfts- oder Firmenwerte über die Jahre kontinuierlich an und erreichte unter den DAX-Untemehmen 2014 einen Spitzenwert von 243,5 Mrd. €.3 Als wichtiger Grund für den absoluten An­stieg des Goodwills, kann unter anderem die Abkehr von der planmäßigen Good­will-Abschreibung in der internationalen Rechnungslegung genannt werden.4 An­stelle dessen wurde derjährliche Werthaitigkeitstest {Impairment Only Approach) eingeführt, wonach außerplanmäßige Abschreibungen nur dann vorgenommen werden, wenn ein durchzuführender Niederstwerttest eine Wertminderung erfor­dert.5 Die Einführung wurde damit begründet, dass das Verfahren entscheidungs­nützliche Informationen über die Vermögens-, Finanz- und Ertragslage eines Un­ternehmens generieren könne.6 Empirische Studien stellten allerdings fest, dass die Abschreibungsquote auf den Goodwill bei deutschen bzw. europäischen kapital­marktorientierten Unternehmen lediglich bei zwei bis fünf Prozent jährlich liegt7, welches einer realitätsfernen Nutzungsdauer von über 50 Jahren entsprechen würde. Selbst zu Zeiten der Wirtschafts- und Finanzkrise befanden sich wider Er­warten die Abschreibungen nahezu auf dem Niveau der Vor-Krisenjahre.8 Inwie­weit eine solche Abschreibungspraxis die tatsächlichen wirtschaftlichen Verhält­nisse der Unternehmen widerspiegelt und somit entscheidungsnützliche Informati­onen liefert, ist zweifelhaft. Die praktische Ausführung des Impairment Only Ap­proaches muss daher kritisch hinterfragt werden. Ferner gilt es zu untersuchen, ob die Empfehlung einiger nationaler und internationaler Forscher, zur planmäßigen Abschreibung zurückzukehren,9 als sinnvoll erachtet werden kann.

Die vorliegende Arbeit untersucht hierzu die Goodwill-Bilanzierung, insbesondere die Folgebilanzierung, nach dem deutschen Handelsgesetzbuch (HGB), nach den International Financial Reporting Standards (IFRS) und nach den United States Generally Accepted Accounting Principles (US GAAP). Zunächst wird für das grundlegende Verständnis der Begriff Goodwill und dessen Entstehung erläutert. Darauf folgt eine detaillierte Beschreibung der Erstbilanzierung eines originären, derivativen und negativen Goodwills. Im Anschluss findet eine ausführliche Unter­suchung der Folgebilanzierung nach den drei Rechnungslegungsstandards statt, in­dem die jeweiligen Bewertungsverfahren, Bewertungsobjekte und Wertmaßstäbe erläutert werden. Das anschließende Kapitel fasst die Unterschiede zwischen den Verfahren sowie Vor- und Nachteile zusammen und würdigt diese kritisch. Schluss­endlich werden die wesentlichen Erkenntnisse in einer thesenförmigen Zusammen­fassung dargestellt.

2 Begriffserläuterung und Erstbilanzierung

Die Bezeichnungen „Goodwill“ und „Geschäfts- oder Firmenwert“ werden in der Regel für ein und denselben Sachverhalt verwendet, wobei die IFRS und US GAAP in ihren Regelungen vom Begriff „Goodwill“ und das Handelsgesetzbuch vom Be­griff „Geschäfts- oder Firmenwert“ Gebrauch macht. Im Folgenden wird auf die Entstehung eines originären, eines derivativen und eines negativen Goodwills ein­gegangen sowie die Erstbilanzierung nach den drei Rechnungslegungsvorschriften erläutert. Da diese nach allen Regelwerken überwiegend gleichartig erfolgt, wird sie nachfolgend zusammenfassend beschrieben.

2.1 Originärer Goodwill

Der originäre oder aber auch selbst geschaffene Goodwill stellt betragsmäßig in­nerhalb der immateriellen Vermögenswerte eines Unternehmens eine dominierende Komponente dar. Sein absoluter Wert lässt sich aus der Differenz zwischen Ertrags­und Substanzwert ermitteln. Er entsteht im Laufe der Untemehmenstätigkeit und umfasst nicht bilanzierungsfähige selbstgeschaffene immaterielle Vermögens­werte.10 Dazu gehören „Technisches Know-How, eine reibungslose Organisation, geschultes, motiviertes Personal, die Kenntnis günstiger Bezugsquellen, ein gutes Produktimage und ein hoher Bekanntheitsgrad am Markt, ein fester Kundenstamm, Produktionsgeheimnisse“11 und weitere hinzukommende Faktoren, die Auswirkun­gen auf den Wert eines Unternehmens haben. Alle drei Rechnungslegungsvor­schriften sehen ein Aktivierungsverbot des originären Goodwills vor.12 Dieses Ver­bot ist auf Bewertungsprobleme und mangelnde Objektivierbarkeit zurückzufüh- ren.13

2.2 Derivativer Goodwill

Im Vergleich dazu entsteht ein derivativer Goodwill einzig durch einen Untemeh- menserwerb, welcher entweder über einen Asset Deal oder einen Share Deal statt­findet. Bei Ersterem kauft das erwerbende Unternehmen einzelne oder alle Vermö­genswerte und Schulden eines anderen Unternehmens und erfasst diese in seiner Bilanz.14 Werden demgegenüber lediglich Anteile an einem anderen Unternehmen erworben, spricht man von einem Share Deal. Entsteht hierbei ein beherrschender Einfluss, wird das erworbene Unternehmen in den Konsolidierungskreis des Mut- teruntemehmens aufgenommen und der Goodwill ergibt sich im Konzemabschluss aus der Kapitalkonsolidierung.15 Im Einzelabschluss stammt der ausgewiesene Goodwill demzufolge vorwiegend aus einem Asset Deal, während ein im Konzem­abschluss ausgewiesener Goodwill aus einem Share Deal in Folge der Kapitalkon­solidierung entsteht.

Die Kapitalkonsolidierung wird nach allen drei Rechnungslegungsvorschriften ge­mäß der Erwerbsmethode vorgenommen.16 Die IFRS definieren dazu explizit not­wendige Teilschritte, die ebenso in den beiden anderen Rechnungslegungsvor­schriften anzuwenden sind, auch wenn sie nicht separat beschrieben werden. Zum einen ist es erforderlich, den Erwerber zwischen den beteiligten Unternehmen ein­deutig zu bestimmen, um festzulegen, welches Unternehmen als Mutterunterneh­men das andere in den Konsolidierungskreis aufnimmt. erworbenen Vermögenswerte und Schulden zum Fair Value des Zeitpunktes er­folgt. Im letzten Schritt soll dann der Goodwill oder gegebenenfalls ein negativer Unterschiedsbetrag bilanziert werden.17

Während das HGB die Neubewertungsmethode als einzige Variante der Erwerbs­methode zulässt, sehen die US GAAP bei der Durchführung die Full-Goodwill- Methode vor. Die IFRS hingegen räumen ein Wahlrecht zwischen diesen beiden Methoden ein.18 Im Wesentlichen unterscheiden sich beide Varianten nur in der Hinsicht, dass die Full-Goodwill-Methode im Gegensatz zur Neubewertungsme­thode ebenso Anteile Dritter am erworbenen Unternehmen zum beizulegenden Zeitwert bewertet.19 Grundsätzlich werden aber bei beiden Ansätzen die Vermö­genswerte und Schulden statt zu ihren Buchwerten zu ihren Fair Values zum Er­werbszeitpunkt bewertet,20 wodurch stille Reserven und Lasten aufgedeckt werden. Im Gegensatz zu den materiellen Vermögenswerten ist die Abgrenzung der sonsti­gen immateriellen Vermögenswerte zum Goodwill hierbei als deutlich problemati­scher anzusehen. Die internationalen Rechnungslegungsnormen sehen bei Unter­nehmenszusammenschlüssen allerdings wesentlich weniger restriktive Ansatzvo­raussetzungen als bei selbst erstellten immateriellen Vermögenswerten vor, da sie das Ziel verfolgen, den Goodwill im Hinblick auf die Folgebilanzierung so gering wie möglich zu halten.21

Der derivative Goodwill ergibt sich sodann als Residualgröße, wenn im Zuge der darauffolgenden Kaufpreisallokation der überbrachten Gegenleistung nicht in glei­cher Höhe identifizierte Vermögenswerte und Schulden gegenüb erstehen.22 Die Ur­sache dafür, dass ein höherer Preis für ein Unternehmen gezahlt wird als sein Rein­vermögen wert ist, kann „einen rationalen Grund allein darin haben, dass das Un­ternehmen als spezifische, einmalig vorhandene Kombination von Produktionsfak­toren über Wettbewerbsvorteile verfügt, über das zurechenbare Wertgrenzprodukt der eingesetzten Faktoren hinaus eine Überrendite zu erzielen.“23 Der derivative Goodwill stellt folglich ein Konglomerat aus verschiedenen, vor allem immateriel­len Vermögenswerten dar, die nicht einzeln bestimmbar und separat angesetzt wer­den können. Demzufolge wird ersichtlich, dass in Folge eines Untemehmenskaufs, aus einem originären Goodwill durchaus ein derivativer Goodwill werden kann, auch wenn beide oft nicht deckungsgleich sind.

Durch den Versuch den Goodwill dennoch in einzelne Bestandteile aufzuteilen, las­sen sich folgende ökonomische Komponenten feststellen: Going-Concern-Good­will, Synergie-Goodwill, Restrukturierungs-Goodwill und Strategie-Goodwill.24 Ersteres entspricht dem originären Goodwill und fasst somit die nicht bilanzie­rungsfähigen Werttreiber des akquirierten Unternehmens zusammen. Dazu zählen z.B. Standortvorteile, die Belegschaftsqualität, der Kundenstamm oder sonstige Wettbewerbsvorteile.25 Um einen Synergie-Goodwill handelt es sich, wenn Syner­gien aus einem Unternehmenszusammenschluss realisiert werden, welche sich aus der Konzentration von Aktivitäten oder der Übertragung von Know-How ergeben.26 Meistens erfolgt nach einem Untemehmenserwerb eine Restrukturierung des Un­ternehmens, um es konkurrenzfähiger zu machen und somit zukünftiges Ertragspo­tenzial zu generieren. Dies geschieht durch effizientere Nutzung von Ressourcen und führt zu einem Restrukturierungs-Goodwill.27 Demgegenüber setzt sich der Strategie-Goodwill aus dem Beitrag des Unternehmenszusammenschlusses zur ge­planten Strategieumsetzung zusammen, der z.B. in der Durchbrechung von Ein­trittsbarrieren in neue Märkte besteht.28

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 1: ökonomische Goodwillkomponenten29

Im Gegensatz zum originären ist für den derivativen Goodwill eine Ansatzpflicht sowohl nach HGB als auch nach IFRS und US GAAP geboten.30 Diese unterschied­liche Behandlung rührt daher, dass die Normensetter der Ansicht sind, dass der im Rahmen eines Untemehmenserwerbs resultierende Goodwill infolge der Marktbe­wertung objektiver festgestellt werden kann.31 Obwohl der derivative Goodwill die Kriterien der verlässlichen Messbarkeit und der Separierbarkeit, in der Form, dass er unabhängig vom Unternehmen veräußerbar wäre, nicht erfüllt und auch handels­rechtlich nicht abstrakt aktivierungsfähig ist, wird er im Wege einer Fiktion nach allen drei Rechnungslegungsvorschriften zum Vermögensgegenstand erhoben. Da ohne die Aktivierung des Goodwills der Gesamtbetrag als Aufwand zu erfassen wäre und dies im Erwerbsjahr das Ergebnis mindern würde, hat dieser Vorgang einen positiven Einfluss auf die Bilanz des Erwerbers.32 Allerdings könnte es bei der Höhe des Goodwills zwischen den Regelwerken zu Unterschieden kommen, da die internationale Rechnungslegung, wie bereits erläutert, einen breiteren Ansatz der immateriellen Vermögenswerte vorsieht als das nationale Recht, um hinsicht­lich der Folgebilanzierung den Goodwill möglichst klein zu halten.33

2.3 Negativer Unterschiedsbetrag

Ist der Wert der übertragenden Gegenleistung indessen kleiner als der Zeitwert des Nettovermögens, so ergibt sich ein sogenannter Badwill oder auch negativer Unter­schiedsbetrag. Hierbei unterscheidet sich die bilanzielle Behandlungjeweils in den Rechnungslegungsnormen. Das nationale Handelsrecht hält folgende Ursachen für einen negativen Betrag für möglich:34

- Passiver Unterschiedsbetrag mit Fremdkapitalcharakter: Es existieren nega­tive Zukunftsaussichten, die bspw. auf geplanten Sanierungsmaßnahmen beruhen und zu einer Verringerung des Kaufpreises der Beteiligung führen.
- Passiver Unterschiedsbetrag mit Eigenkapitalcharakter: Hierbei handelt es sich um einen günstigen Kauf, einem sogenannten lucky buy., der möglich­erweise auf das Verhandlungsgeschick des Erwerbers oder auf seine Ver­handlungsposition basiert.
- Technischer passiver Unterschiedsbetrag aus der Kapitalkonsolidierung: In­folge von Gewinnthesaurierungen, neuen stille Reserven oder Lasten in den Vermögensgegenständen und Schulden des Tochterunternehmens oder au­ßerplanmäßigen Abschreibungen auf die Beteiligung, die sich ergeben ha­ben, während bereits ein Mutter-Tochter-Verhältnis bestand, bevor die Erst­konsolidierung erfolgt ist.

Grundsätzlich ist nach HGB ein negativer Unterschiedsbetrag auf der Passivseite gesondert als Unterschiedsbetrag aus der Kapitalkonsolidierung nach dem Eigen­kapital auszuweisen.35 Handelt es sich um einen Unterschiedsbetrag mit Fremdka­pitalcharakter wie oben beschrieben, so ist dieser bei Anfall der erwarteten künfti­gen Aufwendungen oder Verluste ergebniswirksam aufzulösen.36 Ein Unter­schiedsbetrag mit Eigenkapitalcharakter ist „planmäßig über die gewichtete durch­schnittliche Restnutzungsdauer der erworbenen abnutzbaren Vermögensgegen­stände zu vereinnahmen.“37 Besteht der Großteil des erworbenen Vermögens aller­dings aus nicht abnutzbaren Vermögensgegenständen, lehnt die Behandlung des negativen Unterschiedsbetrags am Verbrauch oder Abgang der nicht abnutzbaren Vermögensgegenstände an.38 Beruht ein technischer passiver Unterschiedsbetrag auf Gewinnthesaurierungen, ist er unmittelbar in die Konzerngewinnrücklagen ein­zustellen. Ansonsten ist dieser Unterschiedsbetrag „nach Maßgabe der Fortschrei­bung der Konzembuchwerte der erworbenen Vermögensgegenstände oder über­nommenen Schulden des Tochterunternehmens ertragswirksam aufzulösen“.39 Spe­zifikationen dazu erläutert der DRS 23.149.

Im Gegensatz zum HGB sehen die internationalen Standardsetter die Ursachen für einen solch negativen Unterschiedsbetrag vor allem in Bewertungsfehlern. Sie ver- treten die Meinung, dass bei einem Unternehmenserwerb Leistung und Gegenleis­tung übereinstimmen, sodass bei ordnungsgemäßer Bewertung ein negativer Unter­schiedsbetrag nie möglich wäre. Ein Untemehmenskauf zu einem Preis unter dem Marktwert ist daher als eher ungewöhnliche Transaktion anzusehen und kommt pri­mär im Zuge von Zwangsverkäufen vor.40

Gemäß IFRS 3.36 muss bei Feststellung eines passiven Unterschiedsbetrags daher vorerst eine erneute Überprüfung stattfinden, die beurteilt, inwieweit alle Vermö­genswerte und Schulden identifiziert und richtig bewertet wurden. Verbleibt den­noch ein passiver Betrag, so wird dieser in voller Höhe erfolgswirksam erfasst.41 Auch die US GAAP sehen zunächst eine erneute Überprüfung vor. Besteht danach weiterhin ein negativer Unterschiedsbetrag, muss dieser proportional mit den auf­gedeckten stillen Reserven verrechnet werden. Verbleibt nach vollständiger Min­derung der stillen Reserven weiterhin ein Differenzbetrag, so wird dieser erfolgs­wirksam aufgelöst.42

3 Folgebilanzierung des derivativen Goodwills

Da der derivative Goodwill, wie bereits oben beschrieben, nach allen drei Regel­werken als immaterieller Vermögenswert in der Bilanz angesetzt wird, muss dem­nach auch eine Folgebilanzierung in Form von notwendigen Abschreibungen erfol­gen. Gemäß den nationalen Rechnungslegungsvorschriften muss der aktivierte Ge­schäfts- oder Firmenwert über eine bestimmte Nutzungsdauer planmäßig abge­schrieben werden und bei voraussichtlich dauernder Wertminderung ist eine außer­planmäßige Abschreibung vorzunehmen.43 Von diesem Verfahren wendeten sich die internationalen Standardsetter Anfang des 21. Jahrhunderts ab, indem sie den Impairment Only Approach einführten, wonach bei Vorliegen von bestimmten In­dikatoren nur noch eine außerplanmäßige Abschreibung erfolgt.44 Im Folgenden werden beide Konzepte gemäß den Rechnungslegungsvorschriften detailliert be­schrieben und erläutert.

3.1 Planmäßige und außerplanmäßige Abschreibung nach HGB

Gemäß §246 Abs. 1 S. 4 HGB handelt es sich bei dem entgeltlich erworbenen Ge­schäfts- oder Firmenwert um einen zeitlich begrenzt nutzbaren Vermögensgegen­stand. Demzufolge unterliegt dieser einer planmäßigen Abschreibung und bei Not­wendigkeit einer außerplanmäßigen Abschreibung.45 Grundsätzlich ist zum Zeit­punkt der Erstkonsolidierung ein Abschreibungsplan zu erstellen, der die Abschrei­bungsmethode und die Nutzungsdauer festsetzt.46 Der DRS 23.119 schreibt vor, den Geschäfts- oder Firmenwert generell linear abzuschreiben, es sei denn, es lie­gen objektive Nachweise für eine alternative Abschreibungsmethode vor, die bele­gen, dass hierdurch der Abnutzungsverlauf exakter repräsentiert werden kann. Die Nutzungsdauer ist zudem anhand objektiver Kriterien zu bestimmen. In den DRS 23.121 werden dazu einige Anhaltspunkte genannt, die gegebenenfalls bei der Schätzung bedeutsam und demnach zu beachten sind. Dazu gehören „der Lebens­zyklus der Produkte des erworbenen Unternehmens, die voraussichtliche Dauer der Tätigkeit wichtiger Schlüsselpersonen für das erworbene Unternehmen, die Bran­che und deren erwartende Entwicklung“47 und einige weitere festgelegten Punkte. Gläubigerschutz gilt im HGB als wichtiger Grundsatz, weshalb bei Unsicherheiten bezüglich der festzulegenden Nutzungsdauer gemäß DRS 23.120 ein kürzerer Zeit­raum zugrunde gelegt werden soll. Kann die Nutzungsdauer trotz allem nicht zu­verlässig bestimmt werden, ist die planmäßige Abschreibung über einen maximalen Zeitraum von zehn Jahren durchzuführen.48

Kommt es bei dem Buchwert des Geschäfts- oder Firmenwerts zu einer voraus­sichtlich dauernden Wertminderung, so muss dieser außerplanmäßig abgeschrieben werden. In den DRS 23.126 sind auch dafür Anhaltspunkte aufgeführt, die die Be­urteilung der Frage, wann genau eine solche dauernde Wertminderung besteht, un­terstützen sollen. Hinweise für eine dauernde Wertminderung liegen demnach unter anderem darin, dass sich „durch den unvorhergesehenen Wegfall von Teilmärkten [...] das Marktpotential wichtiger Produktlinien wesentlich verringert“49

[...]


1 Vgl. Kienzle (2006), S. 16.

2 Vgl. Zülch (2016), S. 262.

3 Vgl. Lehmann (2015), S. 5.

4 Vgl. Zülch (2016), S. 262.

5 Vgl. IAS 36.104; ASC 350-20-35-11.

6 Vgl. Böckmg/Gros/Koch (2015a), S. 13.

7 Vgl. Booking (2014), S. 33.

8 Vgl. Glaum/Wyrwa (2011), S. 83.

9 Vgl. Böcking (2014), S. 34.

10 Vgl. Baetge/Dittmar/Klönne (2014), S. 3.

11 Wöhe/Döring (2013), S. 529.

12 Vgl. § 248 Abs. 2 HGB; IAS 38.48E; ASC 805-30.

13 Vgl. IAS 38.49; IAS 38.50.

14 Vgl. Aschfalk-Evertz (2011), S. 91.

15 Vgl. Aschfalk-Evertz (2011), S. 93.

16 Vgl. § 301 Abs. 1 Satz 2 HGB; IFRS 3.4; ASC 805-30.

17 Vgl. IFRS 3.5.

18 Vgl. IFRS 3.19.

19 Vgl. IFRS 3.19 (a).

20 Vgl. IFRS 3.18.

21 Vgl. Alka (2008), S. 85.

22 Vgl. § 301 HGB; IFRS 3.32.

23 Kühner (2005), S. 18.

24 Vgl. Sellhorn, T. (2000), S.889.

25 Vgl. Sellhorn, T. (2000), S.889.

26 Vgl. Sellhorn, T. (2000), S.889.

27 Vgl. Sellhorn, T. (2000), S.889.

28 Vgl. Sellhorn, T. (2000), S.889.

29 Quelle: Pellens u. a. (2011), S. 735.

30 Vgl. § 301 Abs. 1 Satz 3 HGB; IFRS 3.32; ASC 805.

31 Vgl. Alka (2008), S.83.

32 Vgl. Aschfalk-Evertz (2011), S. 93.

33 Vgl. Alka (2008), S. 85.

34 Vgl. DRS 23.142-DRS 23.150;Da DRS 23 die Vorschriften in DRS 4 ersetzt und auf alle Konzemabschlüsse für Geschäftsjahre anzuwenden ist, die nach dem 31.12.2016 be­ginnen, wird sich diese Arbeit auf den DRS 23 und nicht auf den DRS 4 beziehen.

35 Vgl. DRS 23.91; § 301 Abs. 3 Satz 1 HGB.

36 Vgl. DRS 23.143.

37 DRS 23.145.

38 Vgl. DRS 23.146.

39 DRS 23.149.

40 Vgl. Focken/Maren (2006), S. 60.

41 Vgl. IFRS 3.34.

42 Vgl. ASC 805-30.

43 Vgl. §309 Abs. 1 l.V.m. §253 Abs.3 HGB.

44 Vgl. IAS 36.104; ASC 350-20-35-11.

45 Vgl. § 253 Abs. 3 HGB.

46 Vgl. DRS 23.115.

47 DRS 23.121.

48 Vgl. § 309 Abs. 1 HGB l.V.m. § 253 Abs. 3 HGB.

49 Vgl. DRS 23.126 j).

Ende der Leseprobe aus 41 Seiten

Details

Titel
Vergleich der Goodwill Bilanzierung nach HGB, IFRS und US GAAP
Hochschule
Johann Wolfgang Goethe-Universität Frankfurt am Main
Note
2.0
Autor
Jahr
2017
Seiten
41
Katalognummer
V491515
ISBN (eBook)
9783668988415
ISBN (Buch)
9783668988422
Sprache
Deutsch
Schlagworte
vergleich, goodwill, bilanzierung, ifrs, gaap
Arbeit zitieren
Hien Vu (Autor:in), 2017, Vergleich der Goodwill Bilanzierung nach HGB, IFRS und US GAAP, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/491515

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