Die vorliegende Arbeit legt vorerst die Zielsetzung von Solvency II und verdeutlicht die volkswirtschaftliche Bedeutung der Lebensversicherer. Anschließend werden die Anforderungen an die Lebensversicherungen durch die Darstellung der 3-Säulen-Struktur von Solvency II dargestellt. Des Weiteren werden im dritten Ka-pitel die Kapitalanlagegrundsätze für Lebensversicherer beleuchtet, wobei im Vorfeld die Regelungen unter Solvency I beschrieben werden, um den grundlegenden Wandel durch Solvency II hervorzuheben.
Anschließend werden die Kapitalanlagegrundsätze unter Solvency II erläutert. Da Solvency II einen risikobasierten Ansatz vorsieht, müssen zur Bestimmung des erforderlichen Kapitals alle Risikoarten berücksichtigt werden. Um die Bedeutung der Eigenmittelunterlegung für Kapitalanlageentscheidungen zu veranschaulichen, wird im vierten Kapitel die Wechselwirkung der Aktiva und Passiva der Bilanz von Lebensversicherer unter Solvency II beschrieben. Des Weiteren wird die Berechnung des erforderlichen Kapitals (Solvenzkapitalanforderung) und die einzubeziehenden Risiken dargestellt. Die Solvenzkapitalanforderung fordert von den Versicherungen eine Unterlegung ihrer versicherungstechnischen Risiken sowie ihrer Kapitalanlagerisiken.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Solvency II
2.1 Ziele
2.2 Die 3-Säulen-Struktur
3 Kapitalanlagevorschriften
3.1 Anlagegrundsätze
3.1.1 Solvency I
3.1.2 Solvency II
4 Kapitalanlageentscheidungen unter Solvency II
4.1 Auswirkung von Solvency II auf die Attraktivität von Kapitalanlagen
4.1.1 Wechselwirkung von Aktiva und Passiva
4.1.2 Zinsrisiko
4.1.3 Aktienrisiko
4.1.4 Spreadrisiko
4.2 Umstrukturierung des Anlageportfolios
4.3 Kritische Würdigung
5 Fazit
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht die Auswirkungen der Solvency II-Regulierung auf die Kapitalanlagepolitik deutscher Lebensversicherungsunternehmen. Im Zentrum steht dabei die Frage, ob die geänderten Kapitalanforderungen zu einer veränderten Anlagestrategie führen und wie sich Versicherer im Niedrigzinsumfeld positionieren.
- Die 3-Säulen-Struktur von Solvency II
- Vergleich der Kapitalanlagevorschriften zwischen Solvency I und Solvency II
- Analyse von Marktrisiken (Zins-, Aktien- und Spreadrisiko)
- Wechselwirkung zwischen Aktiva und Passiva
- Empirische Einordnung der tatsächlichen Kapitalanlagestruktur
Auszug aus dem Buch
4.1.1 Wechselwirkung von Aktiva und Passiva
Lebensversicherer erhalten für abgeschlossene Versicherungsgeschäfte Prämienzahlungen. Aufgrund der typischerweise im Voraus gezahlten Prämienzahlungen und dem tatsächlichen Schadenseintritt zu einem späteren Zeitpunkt, entsteht Kapital, welches angelegt werden muss. Die Kapitalanlagen bestehen im Wesentlichen aus Immobilien, Anleihen, Aktien, Fonds etc. und stehen auf der Aktivseite der Bilanz eines Versicherungsunternehmens. Auf der Passivseite stehen ihnen versicherungstechnischen Rückstellungen und die Eigenmittel gegenüber. Risiken, denen Versicherungsunternehmen unterliegen, können zu potentiellen Verlusten führen und die eigene Solvenz gefährden. Die mit Solvency II eingeführte Solvenzkapitalanforderung fordert von den Versicherungen eine Unterlegung ihrer versicherungstechnischen Risiken sowie ihrer Kapitalanlagerisiken und bewirkt eine Wechselwirkung zwischen Aktiva und Passiva im Versicherungssektor. Unter Solvency II werden sechs Risikoklassen mit mehreren Teilmodulen in die Berechnung der quantitativen SCR einbezogen. So hat der Betrag der Basis-Solvenzkapitalanforderung (Basic Solvency Capital Requirement - BSCR) mindestens die folgenden Risiken abzudecken: das nicht-lebensversicherungstechnische, das lebensversicherungstechnische, das krankenversicherungstechnische Risiko sowie das Markt- und Gegenparteiausfallrisiko, wie in Abbildung 2 dargestellt.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Diese Einleitung führt in die volkswirtschaftliche Bedeutung der Lebensversicherer ein und skizziert die Problematik des Übergangs von Solvency I zu Solvency II.
2 Solvency II: Das Kapitel beschreibt die Ziele des neuen Aufsichtssystems und erläutert detailliert die dreigliedrige Struktur von Solvency II.
3 Kapitalanlagevorschriften: Hier werden die regulatorischen Rahmenbedingungen unter Solvency I und Solvency II gegenübergestellt, um den Wandel in den Anlagegrundsätzen aufzuzeigen.
4 Kapitalanlageentscheidungen unter Solvency II: Dieser Hauptteil analysiert die Auswirkungen auf verschiedene Risikoarten sowie die daraus resultierende Umschichtung des Anlageportfolios unter kritischer Würdigung.
5 Fazit: Die Arbeit schließt mit einer zusammenfassenden Betrachtung der Forschungsergebnisse und einer Diskussion über die Wirksamkeit der regulatorischen Anreize auf die Kapitalanlagen.
Schlüsselwörter
Solvency II, Lebensversicherungsunternehmen, Kapitalanlage, Kapitalanforderungen, Marktrisiko, Zinsrisiko, Aktienrisiko, Spreadrisiko, Solvenzkapitalanforderung, SCR, Anlageportfolio, Aktiva, Passiva, Aufsichtsrecht, Versicherungsregulierung
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Bachelorarbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit den Auswirkungen der Solvency II-Regulierung auf die Kapitalanlagen von Lebensversicherungsunternehmen in Deutschland.
Was sind die zentralen Themenfelder der Publikation?
Zentrale Themen sind die Anforderungen von Solvency II, der Vergleich zu Solvency I, die Berechnung quantitativer Risiken wie Zins- und Spreadrisiken sowie die Analyse der tatsächlichen Portfoliostruktur der Versicherer.
Was ist das primäre Ziel oder die zentrale Forschungsfrage?
Ziel ist es, zu untersuchen, ob die verschärften Kapitalanforderungen unter Solvency II die Anlagepolitik von Lebensversicherern maßgeblich beeinflussen und zu einer Umschichtung der Portfolios führen.
Welche wissenschaftliche Methode wird in der Arbeit verwendet?
Die Arbeit nutzt eine literaturbasierte Analyse sowie die Auswertung von Jahreszahlen und Statistiken der BaFin und des Gesamtverbandes der Deutschen Versicherungswirtschaft, ergänzt durch mathematische Rechenbeispiele zur Veranschaulichung der Risikomodelle.
Was wird im Hauptteil der Arbeit primär behandelt?
Im Hauptteil werden die Kapitalanlagevorschriften und die spezifischen Auswirkungen der Solvenzkapitalanforderungen (SCR) auf die Attraktivität einzelner Anlageklassen wie Anleihen und Aktien detailliert dargestellt.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren diese Arbeit?
Die Arbeit wird primär durch Begriffe wie Solvency II, Kapitalanforderungen, Lebensversicherungsunternehmen, Marktrisiken und Anlageportfolio charakterisiert.
Wie wirkt sich das Zinsrisiko konkret auf die Versicherer aus?
Das Zinsrisiko entsteht durch das Auseinanderfallen der Laufzeiten von Aktiva und Passiva (Durationslücke) und erfordert eine entsprechende Kapitalunterlegung, um die dauerhafte Erfüllbarkeit von Garantiezusagen zu gewährleisten.
Führt Solvency II zwangsläufig zu einer Portfolio-Umschichtung?
Obwohl regulatorische Anreize bestehen, zeigt die Arbeit, dass in der Praxis Renditeaussichten oft die Kapitalanlageentscheidungen dominieren und nicht zwingend eine unmittelbare Portfolioumschichtung im Sinne des Modells stattfindet.
Welche Rolle spielt das Spreadrisiko bei Staatsanleihen?
Die Arbeit erläutert, dass die Berechnung des Spreadrisikos einen wesentlichen Einfluss auf die Attraktivität von Anleihen hat und Versicherer motivieren kann, ihre Investitionen in kurzfristige oder bonitätsstarke Titel anzupassen.
- Arbeit zitieren
- Viola Kastrati (Autor:in), 2017, Auswirkung von Solvency II auf die Kapitalanlagen von Lebensversicherungsunternehmen, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/491553