Wachstum für den Osten? Lässt sich die Produktivitätslücke zu den alten Bundesländern schließen?


Studienarbeit, 2019
23 Seiten, Note: 1,3

Leseprobe

I.

Inhaltsverzeichnis

I. Inhaltsverzeichnis

II. Abbildungsverzeichnis

1 Einleitung

2 Der Produktivitätsbegriff

3 Produktivität ost- und westdeutscher Betriebe im Vergleich
3.1 Das Ausmaß der Produktivitätslücke
3.2 Die Determinanten zur Steigerung der Arbeitsproduktivität
3.3 Die Einflussgrößen der Produktivität: Ermittlung des Status quo sowie von Verbesserungsmaßnahmen
3.3.1 Wirtschaftsstruktur
3.3.2 Humankapital
3.3.3 Innovationen, Investitionen

4 Schlussbetrachtung und Ausblick
4.1 Zusammenfassung der Hauptergebnisse
4.2 Ausblick

III. Literaturverzeichnis

II. Abbildungsverzeichnis

Abbildung 1: Bruttoinlandsprodukt je Erwerbstätigem, jeweilige Preise, alte Bundesländer ohne Berlin = 100 Prozent

Abbildung 2: Arbeitsproduktivität 2015, nach Größenklassen, in Euro

Abbildung 3: Verteilung der Unternehmen in der gewerblichen Wirtschaft nach detaillierten Größenklassen und West- und Ostdeutschland sowie Berlin (in Prozent, 2010),

Abbildung 4: Unternehmen mit Investitionen und Investitionsintensität in Ost - und Westdeutschland 2000 bis 2016 Quelle: Müller et al. 2017, S

Abbildung 5: Art der Produktinnovationen in Ost- und Westdeutschland

1 Einleitung

Ein außenpolitisches Meisterstück, aber eine wirtschaftspolitische Fehlleistung – diese Meinung vertreten viele Kritiker in Bezug auf die Deutsche Einheit. Tatsache ist jedoch, dass sich die Politik ab dem 9. November 1989 in einer historisch einmaligen Zwangslage befand. Der Grund dafür lag in der Mobilität der Menschen. Nach dem Fall der Mauer konnte jeder ostdeutsche Arbeitnehmer als deutscher Staatsbürger in den nahe gelegenen Westen abwandern. Der Anreiz für diese Abwanderung war ungeheuer groß: In Westdeutschland gab es einen hochmodernen Kapitalstock, eine auf dem Weltmarkt bewährte Produktpalette und vor allem höhere Löhne, die im globalen Vergleich an der Spitze lagen. An natürlichen Mobilitätshindernissen fehlte es dagegen fast völlig: gleiche Kultur, gleiche Sprache, gleiche industrielle Tradition. Es drohte folglich ein Massenexodus, vor allem von Fachkräften und Leistungsträgern. „Erweiterung West“ statt „Aufbau Ost“ war zu dieser Zeit keine Fantasie von Schwarzmalern, sondern ein ganz reales Szenario, welches politisch niemand wollte (vgl. Paqué et al 2010, S. 355).

Seit 1990 ist die Arbeitsproduktivität ostdeutscher Betriebe, gemessen als Bruttowertschöpfung pro Beschäftigten in jeweiligen Preisen, gestiegen und hat sich dem Durchschnittswert für westdeutsche Betriebe angenähert (vgl. Bellmann und Brussig 1998, S. 648). Nach wie vor ist jedoch ein erheblicher Rückstand ostdeutscher Betriebe zu konstatieren: Die neuen Bundesländer haben ihre Arbeitsproduktivität zwar vergleichsweise schnell auf etwa 74% bis 79% des westdeutschen Niveaus anheben können seitdem verharrt sie jedoch auf diesem Wert (vgl. Müller et al. 2017, S. 16). Hinzu kommt, dass westdeutsche Unternehmen von einem hohen Ausgangsniveau aus ebenfalls produktiver werden. Für ostdeutsche Unternehmen geht es also um eine Angleichung auf ein bewegliches Ziel (vgl. Bellmann und Brussig 1998, S. 648).

Doch wo liegt der Schlüssel, damit Ostdeutschland bei der Arbeitsproduktivität zum Westen aufschließen kann?

Der Fokus dieser Arbeit liegt dabei auf den noch immer deutlich messbaren Unterschieden zwischen Ost-und Westdeutschland. Ziel dieser Untersuchung ist es demnach, u.a. mit Hilfe des IAB-Betriebspanels, das Ausmaß und die Ursachen der Produktivitätslücke ostdeutscher Unternehmen zu ermitteln. Darüber hinaus soll der Frage nachgegangen werden, in wie weit die bestehenden strukturellen Unterschiede eine Bedeutung für die Erklärung der Produktivitätsunterschiede zwischen beiden Regionen haben. Konkret soll dabei untersucht werden, ob die Produktivitätslücke zu den alten Bundesländern geschlossen werden kann und falls ja, wie.

2 Der Produktivitätsbegriff

Das Wohlergehen einer Volkswirtschaft hinsichtlich ihres Lebensstandards wird durch ihre Produktivität bestimmt. Seit der Industriellen Revolution konnten vor Allem westliche Länder von einer teils rasant gesteigerten Produktivität profitieren, was sich unter anderem in verbesserten Sozialleistungen und medizinischer Versorgung, sowie einem erhöhten materiellen Wohlstand äußert (vgl. Müller et al. 2017, S. 15).

Allgemein formuliert ist Produktivität das Verhältnis von Output und Input, wobei Output als Ergebnis wirtschaftlicher Tätigkeiten im Sinne der Produktion von Gütern und Dienstleistungen verstanden wird. Der Input beinhaltet die dafür eingesetzten Ressourcen. Produktivität bezeichnet die Menge an Dienstleistungen oder Waren, welche in einer Arbeitsstunde durch eine Arbeitskraft hergestellt werden. Je mehr Waren und Dienstleistungen eine Volkswirtschaft produzieren kann, desto höher ist der Lebensstandard (vgl. Mankiw und Wagner 2004, S. 583–584). Zur Messung der Menge aller produzierten Güter und Dienstleistungen nutzt man das Bruttoinlandsprodukt (BIP). Eine mögliche Definition besagt, dass es sich beim BIP um den Marktwert aller in einer bestimmten Periode hergestellten Güter und Dienstleistungen handelt, welche zum Endverbrauch bestimmt sind. Der Marktwert wird dabei durch die am Markt bestehenden Preise bestimmt, welche die Konsumenten zahlen. Eingerechnet werden keine Zwischenprodukte, um Dopplungen zu vermeiden, außer es handelt sich um Produkte, welche den Lagerwert eines Unternehmens erhöhen, da sie nicht sofort verbraucht werden (vgl. Mankiw und Wagner 2004, S. 542–546). Eine Erhöhung der Arbeitsproduktivität kann demanch nur durch Eingriffe in die Sachkapital- oder Humankapitalausstattung erreicht werden. Dazu zählen unter anderem die Menge und Qualität eingesetzter Maschinen (Sachkapital) oder die Arbeitszeit und Qualifikation der Mitarbeiter (Humankapital) (vgl. Müller et al. 2017, S. 14–15).

In der vorliegenden Arbeit werden die Begriffe “Produktivität” und “Arbeitsproduktivität” synonym verwendet. Die Umsatzproduktivität, welche weitere Kosten, wie Vorleistungen Dritter, Miete, Pacht und Weitere enthält, soll nicht Gegenstand der Untersuchung sein (vgl. Frei et al. 2018, S. 114).

3 Produktivität ost- und westdeutscher Betriebe im Vergleich

3.1 Das Ausmaß der Produktivitätslücke

Im Jahr 2015 betrug die Arbeitsproduktivität, also das Bruttoinlandsprodukt je Erwerbstätigem, in den neuen Ländern (ohne Berlin) 79% der westdeutschen Produktivität. Wird Berlin in die Betrachtung involviert, so erhöht sich der Anteil der neuen Länder auf 82% (vgl. Abb. 1). Berechnet man die Stundenproduktivität, so ergab sich für Ostdeutschland 2013 eine noch größere Differenz durch einen Wert von 74%, was den durschnittlich längeren Arbeitszeiten im Osten geschuldet ist (vgl. Brenke 2014, S. 943). Um das Ausmaß der Produktivitätslücke, sowie im weiteren Gang der Arbeit auch deren Ursachen besser zu verstehen, muss an dieser Stelle ein Blick auf den historischen Hintergrund der betrachteten Größen erfolgen. Der Fall der Mauer am 09.11.1989 war der Beginn einer beispiellosen Herausforderung für Politik und Wirtschaft: es ging um nicht weniger als das Zusammenwachsen zweier nicht nur in Hinblick auf die Produktivität grundverschiedener Wirtschaftssysteme und damit die Verbesserung des Lebensstandards der Bürger der ehemaligen DDR. Durch die Währungs-, Wirtschafts-, und Sozialunion am 01.07.1990 folgte die Politik dem Verlangen der Bürger der ehemaligen DDR nach einer Angleichung an westdeutsche Verhältnisse, an denen man sich nunmehr ohne Einschränkungen orientieren konnte. Damit konnte eine drohende Abwanderungswelle abgewendet werden (vgl. Brenke 2014, S. 939). Dies waren politisch notwendige und alternativlose Handlungen, welche wirtschaftlich betrachtet jedoch bis heute Teil der Ursachen der Konvergenzlücke zwischen Ost und West sind (vgl. Paqué et al. 2010, S. 355). Abbildung 1 zeigt den Anstieg der Produktivität Ostdeutschlands von 1990 bis 2015.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Zu Beginn der 90er Jahre betrug die Arbeitsproduktivität der neuen Bundesländer ohne Berlin 34% der Produktivität der alten Bundesländer. Bis zur Mitte der 90er Jahre stieg dieser Wert auf ca. 66%, was eine höchst bemerkenswerte Steigerung darstellt. Einer der Hauptgründe dafür lag in der Rationalisierung vieler unproduktiver Arbeitsplätze (vgl. Holtemöller und Schuhmann 2014, S.7). Desweiteren erfolgte eine erhebliche staatliche Förderung sowie Investitionen in den maroden Kapitalstock der DDR durch ausländische und westdeutsche Investoren (vgl. Müller et al. 2017, S.16). Zu großen Teilen waren dies Folgen der Arbeit der Treuhandanstalt, welche zwischen 1990 und 1994 in Kraft trat. Sie hatte die Aufgabe, die vorhandenen ostdeutschen Unternehmen zu privatisieren. Betriebe, welche nicht verkauft werden konnten, wurden geschlossen, was zum Abbau von ca. 2,5 Mio. zumeist industrieller Arbeitsplätze führte (vgl. Paqué et al. 2010, S. 356). Bei den Käufern der restlichen Betriebe handelte es sich in den meisten Fällen um westdeutsche Unternehmen, welche bereits in Westdeutschland Unternehmenssitze in der entsprechenden Branche hatten (vgl. Holtemöller und Lindner 2018, S. 4). Zwischen 1994 und 1995 kam es zu einem kurzen Aufbau der Beschäftigungsverhältnisse, im Anschluss folgten jedoch bis 2004 weitere zehn Jahre, in denen die Beschäftigung zurückging. Dadurch kam es zu einem konstanten Wachstum der Produktivität, welches stärker als das im Westen Deutschlands war, denn die Produktivitätslücke verringerte sich auf ca. 27% (Ostdeutschland ohne Berlin) (vgl. Brenke 2014, S. 943). Seit 2005 steigt die Zahl der Beschäftigten an, bei einem parallelen Rückgang des Erwerbstätigenpotentials, bedingt durch den demografischen Wandel (vgl. Holtemöller und Schuhmann 2014, S. 24). Die Produktivität stieg in beiden Landesteilen gleichermaßen auf einem niedrigen Niveau weiterhin an. Dadurch hat sich der Aufholprozess der ostdeutschen Länder hinsichtlich der Arbeitsproduktivität verlangsamt und stagniert nun seit ca. 2005 zwischen 74% bis 79% (Abb.1).

Bei der Betrachtung der Entwicklung der Produktivität Ostdeutschlands in Verbindung mit den Asuwirkungen der dazugehörigen ökonomischen und politischen Entscheidungen, werden mögliche Ursachen für die fehlende Konvergenz sichtbar. Dabei handelt es sich zum Einen um das vorhandene Humankapital. Auf der anderen Seite müssen die Unternehmen im Osten hinsichtlich ihrer Struktur und Leistungsfähigkeit untersucht werden.

3.2 Die Determinanten zur Steigerung der Arbeitsproduktivität

Die folgenden Ausführungen zur Produktivität basieren auf Mankiw und Wagner (2004). Demnach wird die Produktivität durch vier Größen bestimmt – dem Realkapital (im Folgenden als Sachkapital bezeichnet), dem Humankapital, technologischem Wissen und natürlichen Ressourcen. Alle diese Größen dienen der Herstellung von Waren oder Dienstleistungen. Das Sachkapital kennzeichnet den Umfang und Zustand von Poduktionsmitteln wie Maschinen oder Werkzeugen. Das Humankapital beschreibt ebenfalls ein „Produktionsmittel“ – es kennzeichnet Arbeitskräfte hinsichtlich ihres Wissens und ihrer Fähigkeiten. Technologisches Wissen beschreibt die Art und Weise, wie z.B. Güter hergestellt werden. Durch Optimierung dieser „Art und Weise“ können Ressourcen geschont und zur Herstellung anderer Güter verwendet werden. Natürliche Ressourcen sind aus der Natur stammende Produktionsfaktoren wie Land oder Erdöl. Da Mankiw und Wagner zu dem Schluss kommen, dass natürliche Ressourcen kein limitierender Faktor der Arbeitsproduktivität ist, soll diese Größe im weiteren Verlauf der Arbeit ebenfalls nicht betrachtet werden. Mankiw und Wagner verdeutlichen den Zusammenhang zwischen den Größen anhand einer Produktionsfunktion mit konstanten Skalenerträgen:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 1: Bruttoinlandsprodukt je Erwerbstätigem, jeweilige Preise, alte Bundesländer ohne Berlin = 100 Prozent Quelle: Müller et al. 2017, S.16

Die Menge an Outputs wird durch Y gekennzeichnet. Die rechte Seite der Gleichung beschreibt die Inputs. Dabei ist A eine Variable, die den Grad des technologischen Wissens beschreibt. Wird A größer, führt dies zu einem Anstieg der Outputs, ohne dass mehr Input nötig ist. Bei F( ) handelt es sich um eine Funktion, welche die Produktionsfaktoren Arbeit L, Sachkapital K und Humankapital H enthält. Konstante Skalenerträge sind gegeben, wenn eine Verdopplung der Inputs der Produktionsfaktoren zu einer Verdopplung der Outputs führt. X kennzeichnet die Verdoppelung bzw. Vervielfältigung der Faktoren.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Die Arbeitsproduktivität kann bei dieser Form der Produktionsfunktion mit konstanten Skalenerträgen ausgedrückt werden, indem man für x den Wert 1/L wählt.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

So ergibt sich auf der Seite des Outputs Y/L, was die Produktivität ausdrückt. Die rechte Seite der Gleichung beschreibt, von welchen Größen die Produktivität abhängt: vom Kapital pro Arbeiter (K/L), vom Humankapital je Arbeiter (H/L) sowie weiterhin vom technischen Fortschritt.

Da die drei genannten Größen durch Investitionen gesteigert werden können, soll auch die Bedeutung der Unternehmensgröße im Fokus der folgenden Betrachtungen stehen, da Größenvorteile denkbar sind.

3.3 Die Einflussgrößen der Produktivität: Ermittlung des Status quo sowie von Verbesserungsmaßnahmen

3.3.1 Wirtschaftsstruktur

Für die Produktivität ist die Wirtschaftsstruktur von großer Bedeutung. Dabei spielen nicht nur die bereits in vorigen Kapitel genannten Skaleneffekte eine Rolle, sondern auch der Umgang mit Investitionen. Große Unternehmen haben bessere Chancen, Fremdkapital für Investitionen in produktivitätssteigernde Maßnahmen zu beschaffen. Darüber hinaus ist die Bereitschaft, in kapitalintensive Bereiche wie F&E zu investieren, höher, da der Schaden im Falle von Fehlinvestitionen leichter kompensiert werden kann. Das Fehlen von Großunternehmen mit anspruchsvollen Arbeitsplätzen hat zudem eine Abwanderung gut qualifizierter Arbeitnehmer zur Folge (vgl. Fuchs et al. 2014, S. 20). Abbildung 2 verdeutlicht die Relevanz von Großunternehmen: Diese können einen Wert von 87.000€ pro Beschäftigtem erwirtschaften, wohingegen Kleinstbetriebe in etwa die Hälfte erreichen.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 2: Arbeitsproduktivität 2015, nach Größenklassen, in Euro

Nach Arnold et al. werden in Abbildung 3 folgende Betriebsgrößenklassen unterschieden: Kleinstbetriebe mit 1-9 Beschäftigten, kleine Unternehmen mit 10-49 Beschäftigten, mittlere Unternehmen mit 50-249 Beschäftigten, sowie Großunternehmen mit über 250 Beschäftigten. Sowohl in Ost- als auch Westdeutschland ist der Anteil an Klein- und Kleinstunternehmen mit ungefähr 80% ähnlich hoch. Werden die mittleren Unternehmen hinzugerechnet, ergibt sich ein Anteil von 99% der Unternehmen – ebenfalls in beiden Landesteilen. Für Großunternehmen verbleibt ein Anteil von um 1%. Dabei fällt auf, dass der Anteil von Großunternehmen in Ostdeutschland ohne Berlin mit 789 Unternehmen deutlich niedriger ausfällt, als im Westen mit 7.341 Unternehmen. Selbst unter Hinzurechnung der 250 in Berlin ansässigen Großunternehmen liegt Ostdeutschland diesbezüglich weit zurück.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 3: Verteilung der Unternehmen in der gewerblichen Wirtschaft nach detaillierten Größenklassen und West- und Ostdeutschland sowie Berlin (in Prozent, 2010), Quelle: Arnold et al. 2015, S.6

Der Anteil von Unternehmen mit über 650 Beschäftigten ist mit 0,24% in Westdeutschland dreimal so hoch wie in Ostdeutschland (ohne Berlin). Diese relativ niedrigen Werte haben starke Auswirkungen auf die Beschäftigungsverhältnisse: in Westdeutschland arbeiten 30% der Erwerbsfähigen in Großunternehmen mit über 650 Beschäftigten, ebenfalls dreimal mehr als im Osten. Dementsprechend sind in Ostdeutschland 80% der Beschäftigten in Kleinst-, kleinen sowie mittleren Unternehmen tätig – gegenüber 55% in Westdeutschland (vgl. Arnold et al. 2015, S. 7–8).

Neben der rein zahlenmäßigen Überlegenheit von Großunternehmen in Westdeutschland, gibt es auch einen qualitativen Aspekt, denn bei Großunternehmen mit über 500 Beschäftigten liegt der Umsatz um bis zu 90% höher als bei vergleichbaren ostdeutschen Unternehmen (vgl. Arnold et al. 2015, S. 10–11). Die fehlende Produktivität großer ostdeutscher Unternehmen basiert auf der Tatsache, dass es sich dabei oftmals um Tochtergesellschaften handelt, deren Hauptsitz sich außerhalb Ostdeutschlands befindet.

Im Börsenleitindex DAX-30 ist zum Beispiel kein ostdeutsches Unternehmen zu finden (vgl. Bundesministerium für Wirtschaft und Energie (BMWi) 2018, S.10). Dadurch mangelt es an Produktivitätstreibern wie Investitionen in Innovationen oder F&E, da diese zumeist am Hauptsitz stattfinden. Darüber hinaus gibt es in diesen Fällen wenig Bewusstsein für die Belange der Region, in der sich solch eine Zweigstelle befindet (vgl. Ragnitz 2016, S.19). Die geschilderten Strukturen haben zur Folge, was man als „Vorleistungswirtschaft“ bezeichnen könnte. Vor allem im produzierenden Gewerbe werden zumeist Vorleistungsgüter produziert, welche den Anfang der Wertschöpfungskette darstellen und deshalb zur Bruttowertschöpfung als Teil der Produktivität wenig beitragen (vgl. Fuchs et al. 2014, S. 19).

[...]

Ende der Leseprobe aus 23 Seiten

Details

Titel
Wachstum für den Osten? Lässt sich die Produktivitätslücke zu den alten Bundesländern schließen?
Hochschule
Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg  (Fakultät für Wirtschaftswissenschaften)
Veranstaltung
Praxisseminar 1
Note
1,3
Autor
Jahr
2019
Seiten
23
Katalognummer
V491564
ISBN (eBook)
9783668963726
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Ostdeutschland, Westdeutschland, Produktivität, Produktivitätslücke
Arbeit zitieren
Claudia Schiefler (Autor), 2019, Wachstum für den Osten? Lässt sich die Produktivitätslücke zu den alten Bundesländern schließen?, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/491564

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