Die Bedeutung des Geldes in modernen Volkswirtschaften

Entwicklung eines Modells einer Volkswirtschaft ohne Bargeld


Bachelorarbeit, 2018

59 Seiten, Note: 1,0


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Inhaltsverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

Tabellenverzeichnis

Abkürzungsverzeichnis

1 Einleitung
1.1 Problemstellung
1.2 Zielsetzung und Vorgehensweise

2 Theoretische Grundlagen
2.1 Geschichtlicher Rückblick
2.2 Funktionen des Geldes
2.3 Geldschöpfungsprozess
2.4 Rolle der Zentralbanken
2.5 Bargeldloser Zahlungsverkehr

3 Vorteile der Bargeldabschaffung
3.1 Bekämpfung von Kriminalität
3.2 Senkung der Transaktionskosten
3.3 Expansive Geldpolitik
3.4 Stabilität des Finanzsektors

4 Risiken einer bargeldlosen Volkswirtschaft
4.1 Datenschutz
4.2 Alternativen zum Bargeld sind risikohaft
4.3 Bargeldabschaffung als Nachteil für arme und alte Menschen
4.4 Ausgabenkontrolle
4.5 Beispiel Schweden

5 Fazit

Literaturverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

Abbildung 2-1: Römischer Denar

Abbildung 2-2: Die Geldmenge im Euro-Währungsraum

Abbildung 2-3: Informationsfluss von Instant Payments

Abbildung 2-4: Anzahl der Transaktionen im bargeldlosen Zahlungsverkehr in Deutschland

Abbildung 2-5: Umsatz im bargeldlosen Zahlungsverkehr in Deutschland in den Jahren 2010 bis 2016

Abbildung 3-1: Intensität der Barzahlung als Indikator für die Größe einer Schattenwirtschaft

Abbildung 3-2: Häufige Bargeldnutzung und Korruption im öffentlichen Sektor 2014

Abbildung 3-3: Kosten der Anschläge der letzten 20 Jahre in Europa

Abbildung 3-4: Veränderung des HVPI in Deutschland und der Eurozone

Abbildung 3-5: Sichteinlagen bei Banken und deren Zinssätze

Abbildung 4-1: Verwendung von Bargeld nach Nettoeinkommen 2014

Abbildung 4-2: Verwendung von Zahlungsinstrumenten nach Altersklassen 2014

Tabellenverzeichnis

Tabelle 1: Entwicklung der Zinssatze der EZB seit Oktober 2008

Abkürzungsverzeichnis

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

1 Einleitung

„Wer in Schweden mit Münzen und Scheinen bezahlt, ist ein Außenseiter. Sogar die Kirche sammelt die Kollekte lieber bargeldlos ein. Sieht so unsere Zukunft aus?“

Sebastian Balzer

1.1 Problemstellung

Im Mai 2016 hat die EZB beschlossen die Herstellung und Ausgabe der 500 Euro Banknoten einzustellen. Damit ist die Diskussion um eine mögliche Bargeldabschaf- fung in der Euro-Zone angekommen.1 Das Bundesministerium der Finanzen (BMF) hat empfohlen, Bargeldzahlungen zu begrenzen. Der Grund dafür ist die Minimie- rung von Geldwäschen. Hierfür wurde ein Prüfauftrag des Finanzministerrats der EU (ECOFIN) an die EU-Kommission erteilt, ob eine EU-weit einheitliche Ober- grenze für Barzahlungen notwendig ist.2

In vielen Ländern gibt es bereits bestimmte Obergrenzen für die Bezahlung mit Bar- geld. Die Bargeldbeschränkung gibt es in Italien schon seit 2011. Hier können die Bürger ihre Einkäufe nur bis zu 999,99 Euro bar bezahlen. In Frankreich liegt die Grenze für Bargeldnutzung bei 1.000 Euro. So möchte auch die Bundesregierung in Deutschland Bargeldgeschäfte begrenzen. Ab einem Betrag von 5.000 Euro sol- len die Zahlungen per Überweisung abgewickelt werden.3 In den USA wird ebenso über eine Abschaffung von bestimmten Banknoten diskutiert, wie zum Beispiel die 500-Dollar oder die 100-Dollar Banknote.4 Nicht nur Industrienationen schränken den Bargeldumlauf ein, sondern auch Regierungen von Schwellenländern. Die in- dische Regierung hat am 8. November 2016 die 500- und 1.000-Rupien-Scheine für ungültig erklären lassen. Diese Scheine konnten bis Ende Dezember gegen neue Noten eingetauscht werden.5

Die Internetgroßkonzerne wie Apple, Google, Amazon, Facebook oder Paypal wollen den privaten Zahlungsverkehr der Zukunft bestimmen. Mobile Zahlungssys- teme, die das Bezahlen per Smartphones ermöglicht, sollen die bestehenden Zah- lungsmittel ersetzen. Viele Ökonomen wollen eine Abschaffung des Bargelds mit der Hoffnung den Zahlungsverkehr zu vereinfachen, die Kosten zu senken und die Schattenwirtschaft sowie den Drogenhandel abzuschaffen.6

Diese Arbeit setzt sich mit der Bedeutung des Geldes in modernen Volkswirtschaf- ten sowie den Vor- und Nachteilen der Bargeldabschaffung auseinander.

1.2 Zielsetzung und Vorgehensweise

Zu Beginn werden theoretische Grundlagen vermittelt. Unter anderem der ge- schichtliche Rückblick, die Funktionen des Geldes und der Geldschöpfungsprozess. Des Weiteren wird die Theorie der Zentralbanken und der bargeldlose Zahlungsver- kehr erläutert.

Der inhaltliche Schwerpunkt der Arbeit liegt in Kapitel drei und vier. Hier werden die Vor- und Nachteile eines bargeldlosen Zahlungsverkehrs untersucht. Kapitel drei legt die wichtigsten Argumente dar, die für eine Bargeldabschaffung sprechen. Da- bei werden die Punkte Bekämpfung von Kriminalität, Senkung der Transaktionskos- ten, Expansive Geldpolitik und die Stabilität des Finanzsektors betrachtet.

Die Nachteile der Bargeldabschaffung werden in Kapitel vier erläutert. Hier wird auf- gezeigt, dass die Menschen durch unbare Zahlungsmittel ihre Daten nicht schützen können und die Alternativen zum Bargeld risikohaft sind. Im nächsten Punkt wird festgestellt, dass die Bargeldabschaffung für arme und alte Menschen ein Nachteil ist. Darüber hinaus wird erläutert, dass Personen die Kontrolle über ihre Ausgaben verlieren würden.

Im fünften Kapitel werden die Ergebnisse der Arbeit zusammengefasst.

2 Theoretische Grundlagen

In unserer heutigen Gesellschaft ist unter Geld das gesetzliche Zahlungsmittel zu verstehen. Geld spielt in der heutigen Gesellschaft eine wichtige Rolle.

Nicht das Geld an sich hat eine hohe Bedeutung, sondern das, was man mit dem Geld machen kann und welche Auswirkungen der Besitz für uns hat. Geld gibt ei- nem Menschen mehr Kontrolle. Das Wissen sich etwas leisten zu können, wenn man es möchte, verleiht ein Gefühl von Sicherheit. Darüber hinaus bedeutet Geld mehr Möglichkeiten zu haben. Wenn man genügend Geld verfügt, kann man sich leisten zu entscheiden, wieviel man arbeitet. Geld dient sozusagen als Wunsch- erfüller. Zuletzt muss erwähnt werden, dass das Geld ein Maßstab für den Erfolg ist, trotz Unzugänglichkeiten und Ungerechtigkeiten.7

In diesem Kapitel wird die Geschichte und die Entwicklung des Geldes betrachtet. Darüber hinaus werden die Funktionen erläutert, gefolgt vom Geldschöpfungspro- zess und der Rolle der Zentralbanken. Zuletzt werden die verschiedenen Arten vom Mobile Payment betrachtet.

2.1 Geschichtlicher Rückblick

Geld gab es früher nicht in der Form, wie wir es täglich und selbstverständlich nutzen. Heute können wir bequem mit Kreditkarten oder Schecks bezahlen, während früher mit Naturgegenständen oder Nutztiere gezahlt wurde, was wir als „Naturalgeld“ bezeichnen. Dabei hatten Güter wie Getreide, Vieh, Muscheln, Silber oder Gold einen hohen Wert.8

Natural- oder Warengeld

Vor tausenden Jahren wurden verschieden Güter als Tauschmittel verwendet. „Was die Menschen jagten, fischten und sammelten gehörte immer allen aus der Gruppe.“9 Mit der Zeit wurde es komplizierter, da sich Ackerbau und Viehzucht weiterentwickelte. Die Menschen hatte zu viel von einem Gut aber es fehlten ihnen andere Dinge. Somit fingen sie an Güter zu tauschen und mussten nicht alles, was sie zum Leben benötigten, selbst herstellen. Durch den Tauschhandel wurde die Arbeitsteilung gefördert.

Mit der Zeit wurde aber auch der Tauschhandel zu einem Problem, denn mit der steigenden Vielfalt der Güter stiegen auch die Grundbedürfnisse der Menschen und es wurde schwieriger einen Tauschpartner zu finden. Nicht jeder war interessiert an Hirsebrei oder einem Fellkleid. Man musste über mehrere „Ecken“ tauschen und dabei die Säcke mit dem Gut mitschleppen, was nicht sehr praktisch war. Zum an- deren war es schwer einen Wert für ein Gut festzulegen. Es wurde individuell fest- gelegt wie viel Hirse zum Beispiel eine Kuh wert ist.

Um dieses Problem zu beheben hat man sich auf bestimmte Tauschmittel geeinigt, die als Währung dienten. Jedes Land bestimmte selbst welche Güter als Tausch- mittel zum Einsatz kommen sollten. Es wurde auch ein Wert für Naturalien festge- legt, was den Tauschhandel vereinfachte – „also zum Beispiel wie viel ein paar Le- derschuhe kostete oder wie viel Pfeffer man für einen frischen Fisch bezahlen musste.“10 Aber auch das wurde mit der Zeit zu einem Problem, denn die Naturalien waren verderblich. Bis der Fischer einen Handelspartner gefunden hatte, verdarb vielleicht ein Teil des Fangs. Es mussten also Gegenstände verwendet werden die länger haltbar, nicht fälschbar und knapp sind. Zum Beispiel ergab es wenig Sinn eine Muschel als Tauschmittel zu verwenden, wenn es in einer Gegend viel davon gab. Vor etwa 3500 Jahren wurde im alten China Kauri- Schnecken als Tauschmittel eingesetzt. Der Grund dafür war, dass das Häuschen sehr lange haltbar war und somit ihren Wert behielt. Die Kauri- Schnecke war sozusagen das erste richtige Geld.11

Die Entstehung der Münze

Mit der Erfindung der Balkenwaage wurde die Grundlage für Geldmünzen geschaf- fen. Man bestimmte den Wert der Münzen nach ihrem Gewicht, und nach dem Ma- terialwert, also dem Metall, aus dem sie hergestellt waren. „Damit war das Metall- geld die nächste, praktischere und weitverbreitete Entwicklungsstufe“.12 Das Prob- lem hierbei war, dass man immer eine Waage mit sich tragen musste.

Etwa 650 Jahre vor Christus wurde im Königreich Lydien – in der heutigen Türkei- die ersten Münzen geprägt. Hergestellt wurden die Münzen aus Gold und Silber. Um den Wert eindeutig zu machen, wurden sie mit einem Stempel versehen.13 Als die Perser Lydien eroberten, wurde diese Art der Münzherstellung übernommen und von ihnen lernten auch die Griechen und die Römer. Später kamen die Münzen nach Mitteleuropa und zu den Germanen. In China entstand zur selben Zeit das Münzgeld mit runden und viereckigen Löchern.

Der Denar, eine Silbermünze von mittlerem Wert, und der Siliqua, eine sehr dünne römische Silbermünze von geringem Wert, waren die meist verbreiteten Münzen der damaligen Zeit.14

Der Denar galt im 1.Jahrhundert als einheitliches Zahlungsmittel in Europa. Jedoch wurde sie nach einem Jahrhundert wieder abgeschafft.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildun g 2-1: Römischer Denar

Quelle: Archaelogie-online.de (2012).

Die Entstehung des Papiergeldes

Etwa 1000 nach Christus wurde in China mit Münzen aus Eisen bezahlt. Da diese Münzen sehr schwer waren mussten sie im Laden deponiert werden. Der Wert der Eisenmünzen wurde auf ein Stück Papier geschrieben. Dies gilt als das erste Pa- piergeld in der Geschichte.15

Im 15.Jahrhundert kam das Papiergeld auch nach Europa. Jedoch kam es bei der Bevölkerung nicht gut an, da die Werte, die aufgedruckt waren, nicht mit den tat- sächlichen Papierwerten übereinstimmten.16 „Dauerhaftes Vertrauen der Bevölke- rung in Papiergeld zu schaffen, gelang erst der Bank of England in Großbritan- nien.“17

Der Euro

Am 1. Januar 2002 wurde der Euro in Europa als einheitliche Währung eingeführt. Der Euro wurde von den Teilnehmerstaaten unterschiedlich aufgenommen. Viele trauerten um die verlorene nationale Währung aber auf der anderen Seite hat die gemeinsame Währung viele Vorteile wie zum Beispiel bei grenzüberschreitenden Zahlungen oder der Wegfall von Währungsschwankungen.

2.2 Funktionen des Geldes

Es gibt drei wesentliche Funktionen des Geldes. Um diese Funktionen zu erfüllen, sind verschiedene Eigenschaften notwendig.

An erster Stelle dient das Geld als Tausch-und Zahlungsmittel, wodurch der Aus- tausch von Gütern vereinfacht wird. Das Geld ist also ein Tauschmittel, das den indirekten Tausch von Dienstleistungen und Waren erlaubt. Der größte Vorteil hier- bei ist die Flexibilität. Man kann mit dem Geld, was man verdient, kaufen was man möchte. Aus dem direkten Naturaltausch entsteht ein indirekter Tausch.

Des Weiteren dient das Geld zur Schuldentilgung und Kreditgewährung, wobei es sich hier nicht um den Austausch von Gütern handelt, sondern um Finanz-transak- tionen. In diesem Fall spricht man von der Geldfunktion als Zahlungsmittel. Um diese Funktion zu erfüllen, muss die jeweilige Form des Geldes allgemein akzeptiert werden.

Darüber hinaus wird das Geld als Recheneinheit bzw. als Wertmaßstab verwendet. Die Güter- und Vermögenswerte können in einer allgemeinen Bezugsgröße ausge- drückt werden. Das führt dazu, dass die Austauschverhältnisse aller Güter unterei- nander nicht mehr bestimmt werden müssen. Zum Beispiel gibt es bei 100 Gütern 4.950 Austauschrelationen (allgemein n(n-1) / 2 Austauschrelationen bei n Gütern). Durch die Recheneinheit Geld werden nur 100 Preise berücksichtigt und nicht 4.950 Austauschrelationen. Die Voraussetzung hierbei ist, dass Geld ausreichend teilbar ist.18

Eine weitere Funktion des Geldes ist die Wertaufbewahrungsfunktion. Es geht hier darum, dass der Kauf und Verkauf zeitlich getrennt werden. Dies ist der Fall, wenn das erworbene Geld erst zu einem späteren Zeitpunkt ausgegeben wird bzw. ge- spart wird. Der Wert des Geldes wird somit „gespeichert“ und erst zu einem späte- ren Zeitpunkt wieder eingetauscht. Das gesparte Geld kann man in der Zwischen- zeit auch einer Bank überlassen, wofür man Zinsen bekommt, die als Entschädi- gung dafür gesehen werden können, dass man für eine bestimmte Zeit auf sein Geld verzichtet. Die Voraussetzung der Wertaufbewahrungsfunktion ist, dass Ma- terial und Wert des Geldes beständig sind.19

2.3 Geldschöpfungsprozess

Geldschöpfung ist die Schaffung neuen Geldes. In modernen Volkswirtschaften sind im Normalfall nur folgende Institutionen für die Geldschöpfung verantwortlich: In einem Währungsraum hat die Zentralbank die Aufgabe Geld zu schaffen. Im Eu- roraum ist es die Aufgabe der Europäischen Zentralbank.20

Der Euro ist wie fast alle Währungen, die heute am Markt sind, eine Fiat-Währung. Es handelt sich um Geld, welches durch die Zentralbanken der Länder ausgegeben und als offiziell anerkanntes Tauschmittel gehandelt wird.21 Die ausgebende Zent- ralbank hat zwar einen Anspruch auf die Banknoten, jedoch ist der Besitzer einer Banknote nur zu einer theoretischen Erstattung in Form von neuen Banknoten oder einer Gutschrift auf einem Zentralbankkonto berechtigt.

In einem Fiat-Währungssystem kann eine Zentralbank nicht zahlungsunfähig werden, da sie prinzipiell keiner Beschränkung der Geldschöpfung unterliegt. Die Zentralbanken emittieren ihr Geld in Form von Bargeld und Bankreserven. Bankre- serven sind Guthaben, welche die Geschäftsbanken auf ihren Konten bei der Zent- ralbank haben. Für private Haushalte und Unternehmen ist Bargeld die einzige Art von Zentralbankgeld die ihnen zur Verfügung steht, da nur Banken bei der Zentral- bank Konten unterhalten dürfen.22

Es gibt verschiedene Geldmengenabgrenzungen, um die Geldmenge zu messen. Die Geldmenge ist der Geldbestand in Händen der Nichtbanken. Sie ist eine wich- tige ökonomische Größe, da sie Hinweise auf die Preisentwicklung auf längerer Sicht liefert. Das Bargeld zuzüglich der Einlagen von Geschäftsbanken wird als Geldbasis definiert.

Es wird unterschieden zwischen den drei Geldmengen M1, M2 und M3. Dabei zählen zur Geldmenge M1 die Sichteinlagen der Nichtbanken bei den Ge- schäftsbanken, da sie kurzfristig in liquides Bargeld umgewandelt werden können.23

Die Geldmenge M2 erhält man, indem man zur Geldmenge M1 die Spareinlagen mit einer Kündigungsfrist von bis zu drei Monaten und Termineinlagen mit einer Laufzeit von bis zu zwei Jahren addiert. Die Geldmenge M3 beinhaltet zusätzlich weitere kurzfristige Geldanlagen wie zum Beispiel kurzfristige Bankschuldverschrei- bungen (mit einer Ursprungslaufzeit von bis zu zwei Jahren), Geldmarktfondsanteile und Repogeschäfte.24

Die nachfolgende Abbildung zeigt die Geldmenge im Euro-Währungsgebiet im Mai 2017.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 1-2: Die Geldmenge im Euro-Währungsraum

Quelle: Deutsche Bundesbank (2015).

Die Abbildung 2-2 zeigt, dass die Geldmenge M1 aus dem Bargeldumlauf und den Sichteinlagen der Nichtbanken im Euro-Währungsraum. Die Geldmenge M1 betrug im Mai 2017 7.476 Milliarden Euro. Im Mai 2017 belief sich die Geldmenge M2 auf 10.932 Milliarden Euro. Die Geldmenge M3 ist die weiteste Geld-mengenabgren- zung und betrug 11.608 Milliarden Euro. Mit 6.384 Milliarden Euro machen die Sicht- einlagen den größten Teil der Geldmenge aus.

Bei der Geldschöpfung wird unterschieden zwischen dem Geldschöpfungsprozess der Zentralbanken und der Geld- bzw. Kreditschöpfung der Geschäftsbanken. Um das Zentralbankgeld zu erhöhen gewährt die Zentralbank Kredit an die Geschäfts- banken oder kauft die Vermögenswerte der Geschäftsbanken an. Somit erhöht sich das Bargeld und die Zentralbankeinlagen der Kreditinstitute. Durch Kreditgewäh- rung erfolgt also die Geldschöpfung der Geschäftsbanken und eine weitere Kredit- gewährung der Banken kann durch das entstandene Giralgeld erfolgen. Die Geld- menge wird erhöht indem die Gelder als Einlagen, die die Geldmengen-definition erfüllen, gehalten wird. Die Giralgeldschöpfung wird oft als aktive Geldschöpfung bezeichnet, wohingegen der Tausch weniger liquider Kapitaleinlagen in Geldeinla- gen, die den Geldmengenaggregaten zuzurechnen sind, als passive Geldschöp- fung bezeichnet wird.25

Es lässt sich also zusammenfassen, dass die umlaufende Geldmenge dann steigt, wenn Kreditinstitute zusätzliche Aktiva im Geschäft mit Nichtbanken aufbauen und die Nichtbanken dafür Bankguthaben einräumen. Die Kreditinstitute könnten damit eigentlich unbegrenzt Einlagen schaffen, die in die Geldmengenabgrenzung einge- hen, jedoch ist dies aus folgenden drei Gründen nicht möglich:

- Das Kreditinstitut muss eine Relation von Bargeld zu Einlagen, die Bargeld- haltungsquote, beachten, da ihre Kunden einen Teil ihrer Einlagen als Bar- geld halten.
- Darüber hinaus müssen die Kreditinstitute in einem festgelegten Verhältnis zu ihren reservepflichtigen Kundengeldern, Einlagen bei der Zentralbank hal- ten (Mindestreserven).
- Als letztes brauchen die Kreditinstitute Eigenmittelanforderungen bei risiko- behafteten Geschäften, wie zum Beispiel der Kreditvergabe. Durch diese Ei- genmittel kann die EZB die Geldschöpfung begrenzen.26

2.4 Rolle der Zentralbanken

Die Zentralbanken haben einen großen Einfluss auf das Finanzmarktgeschehen und am Devisenmarkt. Sie sind die Quelle der Währungen. Aus diesem Grund sollte das Verhalten der Zentralbanken mit hoher Aufmerksamkeit beobachtet werden. Wichtig sind hierbei die Notenbank-Sitzungen und die Pressekonferenzen, denn diese haben einen entscheidenden Einfluss auf die Währungskurse.27

Die Aufgabe der Verwaltung des Euros wurde am 1.Januar 1999 an die Europäi- sche Zentralbank gegeben. Es setzt sich zusammen aus der EZB und den nationa- len Zentralbanken der Euroländer zusammen. Die Zusammenarbeit der EZB mit den Zentralbanken der Euroländer wird als Europäisches System der Zentralban- ken bezeichnet.

Die Geldpolitik ist der Verantwortungsbereich der EZB und sie zählt als Notenbank der Währungsunion. Die wichtigste Aufgabe ist die Preisstabilität im Euroraum si- cherzustellen und somit den Wert des Euros stabil zu halten und die Kaufkraft zu erhalten. Die Preisstabilität ist nicht nur das Ziel der EZB, sondern auch der Euro- päischen Union als Ganzes. Es gibt eine klare Rangfolge der Ziele für das Eurosys- tem, die im Vertrag über die Arbeitsweise der Europäischen Union genannt sind.

Gemäß Artikel 127 Absatz 2 des AEU-Vertrags ist die EZB für folgende Aufgaben verantwortlich:

- Festlegung und Ausführung der Geldpolitik für das Euro-Währungsgebiet
- Durchführung von Devisengeschäften
- Portfoliomanagement – also alle Mitgliedstaaten des Eurogebiets mit Wäh- rungsreserven auszustatten
- Sicherstellen, dass die Zahlungssysteme reibungslos Funktionieren28

Geldpolitik

„Das vorrangige Ziel des Europäischen Systems der Zentralbanken […] ist es, die Preisstabilität zu gewährleisten.“ 29

Die Zielgröße der Geldpolitik ist eine Inflationsrate von knapp unter zwei Prozent. Somit sollen die Risiken einer Deflation und die Gefahren einer Inflation minimiert werden.

Zunächst müssen Zwischenzielgrößen definiert werden, da die Inflationsrate nur in- direkt kontrolliert werden kann. Die EZB verfolgt daher eine Strategie, die sowohl auf monetären Zwischenzielen als auch auf der Bewertung realwirtschaftliche Indikatoren beruht. Dies wird als Zwei-Säulen Strategie bezeichnet.30

Bei der Zwei-Säulen-Strategie geht es darum verschiedene Indikatoren zu be- obachten und zu analysieren, die auf Risiken für die Preisstabilität hinweisen. Zu den Faktoren zählen zum Beispiel die konjunkturelle Entwicklung oder die außen- wirtschaftliche Lage. Von Bedeutung ist zunächst die „wirtschaftliche Analyse“ (1.Säule). Die zweite Säule ist die „monetäre Analyse“.31 Die monetären Ziele be- stehen aus Geldmengen-, Zins- und Wechselkursentwicklung. Zu den realwirt- schaftlichen Indikatoren zählt das Einkommen, die Fiskalpolitik und die Wirt- schaftstätigkeit. Diese sollen auf Veränderungen im Wirtschaftskreislauf hinweisen und signalisieren, ob eine Reaktion der Geldpolitik notwendig ist.32

Um das Geldangebot zu steuern versucht die EZB die Geldmenge zu bestimmen, die für die Konsumnachfrage erforderlich ist. Hierbei spielen die Geldmengenab- grenzungen bzw. Geldmengenaggregate eine große Rolle. Die Geldmenge M3 zeigt den deutlichsten Zusammenhang zur zeitverzögert auftretenden Inflation auf, weshalb die Zentralbank die weite Geldmengenabgrenzung als Steuerungsgröße gewählt hat. Es wird ein Referenzwert von 4.5 Prozent für diese Geldmenge ge- wählt, die die Transparenz der Geldpolitik erhöhen soll.

Darüber hinaus ist das Zinsniveau ein weiteres monetäres Ziel der Geldpolitik. Die Geldmarktzinsen werden durch Beteiligungen der Zentralbank an den Geldmarkt- geschäften beeinflusst. Dies erfolgt durch die attraktive Verzinsung der Einlagen der Geschäftsbanken bei der Zentralbank und durch die Bereitstellung zusätzlicher Li- quidität nur bei hohen Zinsen. Durch niedrige Geldmarktzinsen kann eine Geldmen- genausdehnung entsprechend gefördert werden.33 Durch solch eine Zinspolitik kann die EZB die Geldmenge und somit die Inflationsrate beeinflussen.

Zuletzt ist ein stabiler Wechselkurs als Zwischenziel der Geldpolitik möglich.

Devisengeschäfte

Zu den Devisengeschäften, die die EZB durchführt gehören Devisenmarkt-interven- tionen und Geschäfte wie der Verkauf von Zinserträgen aus Währungsreserven.

Portfoliomanagement

Es ist wichtig, dass die EZB über genügend liquide Mittel verfügt, um bei Bedarf Devisengeschäfte durchzuführen. Für die Verwaltung der EZB-Währungsreserven sind folgende Kriterien aufgelistet- Liquidität, Sicherheit und Rentabilität.

Diese Währungsreserven sind in US-Dollar, chinesischen Renminbi, japanischen Yen sowie Gold und Sonderziehungsrechten angelegt.

Zahlungssysteme

Die EZB fördert das reibungslose Funktionieren der Zahlungssysteme indem sie Zahlungsverkehrs- und Wertpapierabwicklungssysteme zur Verfügung stellt, ein Großbetragszahlungssystem für Euro-Zahlungen und einen Mechanismus zur grenzüberschreitenden Nutzungen von Sicherheiten betreibt.

Außerdem werden Großbetrags- und Massenzahlungssysteme, Wertpapierabwick- lungssysteme und Zahlungsinstrumente überwacht. Dafür wird beobachtet ob die Regeln und Standards eingehalten werden und gegebenenfalls werden Änderun- gen herbeigeführt.34

2.5 Bargeldloser Zahlungsverkehr

Unter bargeldlosem Zahlungsverkehr wird die Übertragung von Geldbeträgen ohne Bargeld (rein rechnerisch) von einem Konto auf ein anderes Konto verstanden. Man spricht hierbei von Buchgeld anstatt von Bargeld. Das Buchgeld bezeichnet das verfügbare Guthaben auf einem Konto.35

Es gibt zahlreiche Methoden für bargeldloses Zahlen. Das Bankensystem sorgt da- für, dass das Buchgeld zwischen den Konten hin und her fließen kann, damit es seine Zahlungsmittelfunktion erfüllen kann. Die Kunden haben die Wahl zwischen Überweisung und Lastschrift.

Eine Überweisung wird immer vom Zahler ausgelöst während bei einer Lastschrift der Zahlungsempfänger den Vorgang beauftragt, indem er erst die Zahlung geneh- migt und später den Betrag vom Konto des Zahlers abbuchen lässt.

Bei einer Überweisung wird vom Zahlungspflichtigen der Auftrag erteilt, von seinem Konto den Betrag auf das Konto des Zahlungsempfängers zu übertragen. Dabei wird das eigene Konto belastet, während das Konto des Empfängers eine Gutschrift als Sichteinlage erhält. Für Überweisungen in Euro gibt es seit 2008 ein einheitliches europaweites Verfahren, die SEPA-Überweisung. Es dauert in der Regel einen Tag, bis der Betrag dem Empfänger zur Verfügung steht.

[...]


1 Vgl. EZB (2016).

2 Vgl. BMF (2016, S. 13).

3 Vgl. kredit-aufnehmen.de (01.04.2017)

4 Vgl. Sands (2016, S. 1).

5 Vgl. FAZ (2016).

6 Vgl. Krieger (2015, S. 359).

7 Vgl. Geld-Welten.de (o.J)

8 Vgl. Wikipedia (o.J)

9 planet schule (o.J)

10 planet schule (o.J)

11 Vgl. planet schule (o.J)

12 MDM (o.J)

13 Vgl. planet schule (o.J)

14 Vgl. MDM

15 Vgl. Was War Wann (o.J)

16 Vgl. finanzen-heute.de (o.J)

17 Bayerischer Rundfunk (2015)

18 Vgl. Deutsche Bundesbank (2015).

19 Görgens, Ruckriegel (2005, S.109).

20 Vgl. Deutsche Bundesbank (2017).

21 Vgl. Coinvestoren (o.J).

22 Vgl. Deutsche Bank Research (2017, S.5).

23 Vgl. Tolkmitt (2007, S. 37).

24 Vgl. Deutsche Bundesbank (2015).

25 Vgl. Tolkmitt (2007, S. 47)

26 Vgl. Gischer/Herz/Menkhoff (2012, S. 71)

27 Vgl. Broker-Tester.com (o.J.)

28 Vgl. Europäische Zentralbank (o.J)

29 Artikel 127 AEU-Vertrag

30 Vgl. Tolkmitt (2007, S. 37)

31 Vgl. Deutsche Bundesbank

32 Vgl. Tolkmitt (2007, S. 39)

33 Vgl. Tolkmitt (2007, S. 37 ff.)

34 Vgl. Europäische Zentralbank (o.J.)

35 Vgl. Zinsen-berechnen (o.J.)

Ende der Leseprobe aus 59 Seiten

Details

Titel
Die Bedeutung des Geldes in modernen Volkswirtschaften
Untertitel
Entwicklung eines Modells einer Volkswirtschaft ohne Bargeld
Hochschule
Fachhochschule Hof
Note
1,0
Autor
Jahr
2018
Seiten
59
Katalognummer
V491577
ISBN (eBook)
9783346004758
ISBN (Buch)
9783346004765
Sprache
Deutsch
Schlagworte
volkswirtschaft, bargeld, bargeldlos, digital, abschaffung, geld, bedeutung
Arbeit zitieren
Kübra Bicer (Autor), 2018, Die Bedeutung des Geldes in modernen Volkswirtschaften, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/491577

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