Janusz Korczak. Ist seine Pädagogik heute noch anwendbar?


Hausarbeit, 2005
22 Seiten, Note: 1,7

Leseprobe

Inhalt

1. Einleitung

2. Biographische Daten Janusz Korczaks

3. Korczaks Überlegungen als Pädagoge
3.1. Korczaks Menschenbild
3.2. Der Erzieher
3.3. Die Rechte des Kindes
3.3.1. Das Recht auf den heutigen Tag
3.3.2. Das Recht auf den Tod
3.3.3. Das Recht so zu sein wie es ist

4. Praktische Pädagogik am Beispiel des Waisenhauses „Dom Sierot“
4.1. Das Kameradschaftsgericht (Parlament der Kinder)
4.2. Die Tafel
4.3. Die Zeitung
4.4. Der Briefkasten

5. Schulpädagogik
5.1. Die „alte“ Schule
5.2. Korczaks Schulexperiment
5.3. Die „neue“ Schule

6. Ist seine Pädagogik heute noch anwendbar oder längst überholt?

7. Literatur

1. Einleitung

Es wird mir nicht möglich sein alle Facetten Korczaks Pädagogik zu beleuchten, aber ich möchte wenigstens einige vorstellen. Schon seit ich das erste Mal vor Jahren von Janusz Korczak gehört habe, bin ich von seiner Pädagogik und der Art, wie er sie umgesetzt hat begeistert. Seine Bücher sind für Erzieher gut verständlich und lebhaft geschrieben aber auch die Kinderbücher sind faszinierend.

Natürlich hat es mich mehr als beeindruckt, dass er 1942 mit „seinen“ Kindern nach Treblinka gegangen ist, auch wenn es für ihn selbstverständlich war und es für ihn wahrscheinlich nicht nachvollziehbar wäre, warum heute so viel Aufhebens darum gemacht wird. Aber auch seine Worte „Ich bin ein Mensch, dessen größte Sorge es ist, das Leben der Kinder zu verbessern.“ haben mich bewegt. (Korczak in Lifton, 1991, S.51) Zeit seines Lebens hat er sich um die Sorgen und Nöte der Kinder gekümmert und ich hoffe dies wird auch in der vorliegenden Arbeit deutlich.

„Mit vielen Reformpädagogen glaubte auch Korczak: “die Welt zu reformieren“ heiße, “das Erziehungssystem zu reformieren“. (...) Anders aber als viele andere Reformpädagoginnen und –pädagogen hatte er keinen Plan, kein System, kein Regelwerk, keine Strategie zur Beantwortung der Frage, wie die Reform der Erziehung und der Schule zu erfolgen habe.“ (Skiera, 2003, S.436)

Um den Kontext seiner Arbeit besser verstehen zu können, habe ich einige biographische Daten aufgelistet. Im Vordergrund dieser Arbeit steht natürlich der Pädagoge Korczak und einige seiner pädagogischen Überlegungen. Sein Menschenbild, seine Überlegungen wie ein Erzieher sein sollte und die Rechte der Kinder nutze ich, um seine Arbeit vorzustellen. Am Beispiel des Waisenhauses „Dom Sierot“ möchte ich dann die Methoden zur Umsetzung seiner Überlegungen darstellen. Im Waisenhaus „Nasz Dom“ wurde eine Schule integriert. Um Korczaks Überlegungen, wie eine Schule sein sollte, besser zu verstehen, werde ich die „alte“ Schule, wie sie die Reformpädagogen seiner Zeit gesehen haben, vorstellen. Wie eine „neue“ Schule sein sollte, wird ein weiterer Teil meiner Arbeit sein. Am Ende der Arbeit versuche ich zu resümieren, inwiefern seine Überlegungen heute noch für Erzieher von Nutzen sein könnten und ob man diese Pädagogik überhaupt noch umsetzen kann.

Im Verlauf der Arbeit sind mit „Erzieher“ immer auch die Eltern mit inbegriffen, da diese ja die ersten Erzieher der Kinder sind. Ich werde in der vorliegenden Arbeit ausschließlich die männliche Form nutzen, beide Geschlechter sind allerdings implizit.

2. Biographische Daten Janusz Korczaks

„Ich bin Arzt von Beruf, Pädagoge aus Zufall, Schriftsteller aus Leidenschaft und Psychologe aus Notwendigkeit „

( Korczak in Lifton, 1991, S. 169)

22. 07. 1878 o. 79 * als Henryk Goldszmit

1898 Medizinstudium, Arzt in einem Warschauer Kinderkrankenhaus im Arbeiterviertel, Erzieher in Sommerkolonien

1899 Janusz Korczak als Künstlername

1911 - 1914 Leiter des Jüdischen Waisenhauses „Dom Sierot“ (Haus der Waisen)

Stefania Wilczynska

1919 Entstehung eines zweiten nach seinem System geführtes Wahrschauer Kinderheim für verwaiste oder verwahrloste Arbeiterkinder.

„ Nasz Dom „ ( Unser Haus )

geleitet von Maryna Falska

1931 – 39 Radioplaudereien eines alten Doktors

1940 Zwangsverlegung von Dom Sierot in das Warschauer Ghetto

1942 am 5. August werden Korczak, Stefania Wilczynska und die Kinder des Waisenhauses nach Treblinka deportiert, dort verlieren sich ihre Spuren Er folgte freiwillig seinen Schutzbefohlenen in die Gaskammern von Treblinka (Meyers Neues Lexikon)

1972 erhielt er postum den Friedenspreis des Börsenvereins des Deutschen Buchhandels (Brockhaus Enzyklopädie)

Vgl. Korczak, 1995, S.358ff

3. Korczaks Überlegungen als Pädagoge

3.1. Das Menschenbild

Der Pädagoge ist ein Begleiter der zu erziehenden Kinder und Jugendlichen. Genaues Hinschauen und Verstehen ist die Grundlage allen pädagogischen Handelns.

Das Kind hat die gleichen Rechte wie ein Erwachsener, weil es die gleiche Würde hat.

Kinder können allerdings ihre Rechte weniger einfordern, deshalb besteht eine besondere Verantwortung des Pädagogen, die Rechte der Kinder zu achten.

„Für Korczak war Pestalozzi einer der größten Wissenschaftler des neunzehnten Jahrhunderts. Viele seiner späteren Ideen zur Erziehung, zur Würde der Arbeit und zur Bedeutung der klaren Beobachtung für ein klares Denken zeigten den Einfluß dieses engagierten Schweizers.“ (Lifton, 1991, S.54)

„Das Kind soll nicht länger als „unfertiger Erwachsener“ behandelt werden, sondern die Würde eines vollwertigen Menschen mit seinen Fehlern, Fähigkeiten und Wünschen zugestanden werden“ (Thiel in Hörner u.a. Hg., 2004, S. 73)

Dieses antrophologische Bild eines Kindes hat er mit den Reformpädagogen seiner Zeit gemein. Korczak hatte dennoch andere Methoden zur Umsetzung seines Ziels einer besseren und gerechteren Gesellschaft.

Seine Pädagogik ist das Ergebnis genauer Beobachtungen der Kinder. Er zieht Parallelen zu seiner eigenen Kindheit und versucht sich in die Köpfe der Kinder hineinzudenken und hineinzufühlen. (Vgl. Thiel in Hörner u.a., 2004, S.74f )

3.2. Der Erzieher

„Die ganze moderne Pädagogik trachtet danach, bequeme Kinder heranzubilden, sie strebt konsequent und Schritt für Schritt danach, alles einzuschläfern, zu unterdrücken und auszumerzen, was Willen und Freiheit des Kindes ausmacht, seine Seelenstärke, die Kraft seines Verlangens und seiner Absichten.“ (Korczak, 1995, S.12)

„Erziehung steht bei Korczak im Dienste des Kindes als eines voll geachteten (Mit-) Menschen in einer konkreten Situation. Im Erziehungsprozess muss ein Weg der Vereinbarung und Verständigung gefunden werden, der jeglichen Zwang und Willkür verdrängt.“ (Thiel in Hörner u.a., 2004, S.80)

Nicht die pädagogischen Theorien und Methoden machen für Korczak einen guten Erzieher aus sondern seine Persönlichkeit. Erziehung ist für ihn Berufung.

In seinen Lehrbüchern für junge Erzieher „Das Internat“ und „Die Sommerkolonie“ sowie in seinen Lehrveranstaltungen gab er seine Theorie weiter. In einer Zeit wo Kinder zu gehorsamen „Ja - Sagern“ erzogen wurden und Autoritäten ehren sollten, versuchte Korczak den zukünftigen Erziehern nahezubringen, dass das Kind das Recht auf die gleiche Achtung habe wie ein Erwachsener. Auch Kinder sollten als vollwertige Menschen betrachtet und behandelt werden. In den Waisenhäusern, „Dom Sierot“ und „Nasz Dom“, konnten die Erzieher dann praktische Erfahrungen sammeln. „Die Praktikanten wurden ohne größere Einweisung sofort mit der Waisenhausroutine konfrontiert.“ (Thiel in Hörner u.a., 2004, S.87)

„Als Grundvoraussetzung jedes Erziehers sah Korczak die uneingeschränkte, verständnis- und achtungsvolle Liebe zum Kind.“(Thiel in Hörner u.a., 2004, S. 84)

Erzieher sollten die Kinder beobachten, nur so lernen sie das Kind besser kennen und können auf das jeweilige Kind abgestimmte Hilfestellungen geben. Ein guter Erzieher darf nicht „zu den Kindern“ sprechen, sondern „mit den Kindern“. Auch sollte er nicht darüber sprechen wie das Kind seiner Meinung nach sein sollte, sondern wie es selbst sein möchte und sein kann. Diese Überzeugung Korczaks spiegelt sich auch im Recht des Kindes, so zu sein wie es ist, wider.

„Wer die Frage von Verboten und Geboten nicht gründlich durchdenkt, solange es nur wenige sind, ist verloren, sobald ihre Zahl größer wird.“ (Korczak zit. nach Thiel in Hörner u.a., 2004, S.86)

Wenn Verbote und Gebote nicht durchdacht sind, führen sie zur Desorientierung des Kindes, welches dann nicht mehr reagiert. Wohingegen mit Maß aufgestellte Verbote die Phantasie des Kindes, seine Selbstbeherrschung und seine Kritikfähigkeit entwickeln.

Um Kinder vor dem Lügen zu bewahren, gibt Korczak die Empfehlung dem Kind das Recht zu zustehen, Geheimnisse zu haben. „Ich weiß es, aber ich sag es nicht“. (Vgl. Korczak nach Thiel in Hörner u.a., 2004, S.86)

Das Kind darf also offen seine Gefühle äußern ohne zu lügen. Erwachsene sagen häufig „ich weiß es, aber ich sag es nicht“, wenn auch nur mit Blicken. Ich bin sicher sie würden es laut sagen, wenn es nicht den Geboten der Gesellschaft widersprechen würde. Warum sollten Kinder nicht dasselbe Recht haben?

„Im Gegensatz zu dogmatischen Erziehungstheorien, der Verplanung und Technologisierung des Erziehungsprozesses, ist für Korczak ein stetiges Suchen, Forschen, Analysieren, Fragen und Offensein für alles Unvorhergesehene, Unvermutete und Überraschende eine Selbstverständlichkeit.“(Thiel in Hörner u.a., 2004, S. 86)

„Ich kann als Erzieher nur wecken, was in der Seele schlummert, aber ich kann nicht neu schaffen (Korczak zit. nach Thiel in Hörner u.a., 2004, S.78)

Bei Korczak steht die Persönlichkeit des Kindes im Vordergrund, weil jede Erziehung Grenzen hat.

Beiner hat sechs Dimensionen dessen, was einen guten Erzieher ausmacht, aus Korczaks „erzählender Pädagogik“ herausgestellt:

1. Mit den Kindern fühlen.
2. Die Kinder begleiten, statt sie zu bevormunden.
3. Die Realität nicht beschönigen – aus Fehlern lernen.
4. Die Menschenrechte der Kinder achten.
5. Beobachten und reflektieren.
6. Phantasie- und humorvoll eine demokratische Lebenswelt schaffen.

(Vgl. Beiner nach Thiel in Hörner u.a., 2004, S.87)

3.3. Die Rechte des Kindes

Das Kind soll als vollwertige Persönlichkeit angesehen werden und hat einen Anspruch auf Gleichberechtigung und soll als selbständiges Wesen mit eigenem Willen anerkannt werden, so Korczaks Vorstellung von einem mündigen Kind.

Er fordert eine Magna Charta Libertatis, eine Charta der Rechte des Kindes. Diese sollte ein Grundgesetz für die Kinder sein, welche die Grundrechte der Kinder beinhaltet.

(Vgl. Korczak, 1995, S,.40)

[...]

Ende der Leseprobe aus 22 Seiten

Details

Titel
Janusz Korczak. Ist seine Pädagogik heute noch anwendbar?
Hochschule
Ernst-Abbe-Hochschule Jena, ehem. Fachhochschule Jena
Note
1,7
Autor
Jahr
2005
Seiten
22
Katalognummer
V49166
ISBN (eBook)
9783638456883
Dateigröße
856 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Janusz, Korczak, Pädagogik
Arbeit zitieren
Mandy Dietrich (Autor), 2005, Janusz Korczak. Ist seine Pädagogik heute noch anwendbar?, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/49166

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