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Die Humanität als Leitidee in Goethes Schauspiel "Iphigenie auf Tauris". Das Götterbild der Protagonistin

Title: Die Humanität als Leitidee in Goethes Schauspiel "Iphigenie auf Tauris". Das Götterbild der Protagonistin

Term Paper , 2005 , 10 Pages , Grade: 19/20 Punkten (= Note 1)

Autor:in: Alexander Haroshka (Author)

German Studies - Modern German Literature
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Der mythologische Stoff der Iphigenie wurde mehrere Male zum Gegenstand der Literatur. Die aus der Antike erhaltene Fassung "Iphigenie bei den Taurern" des Euripides sowie dessen posthum erschienene "Iphigenie in Aulis" bilden dabei die Bezugspunkte beim Wiederaufgreifen des Iphigenie- Mythos bei unter anderem Racine und Gluck, und auch Goethe orientierte sich am euripideischen Werk für sein Schauspiel "Iphigenie auf Tauris", das er 1779 für den Weimarer Hof zum Anlass der Taufe der herzoglichen Tochter Luise Auguste Amalie fertigte. [gl. Morsch, Hans: Aus der Vorgeschichte von Goethes Iphigenie, in: Vierteljahrsschrift für Literaturgeschichte 4 (1891), S. 114]
Diese Fassung, in rhythmischer Prosa geschrieben, erfuhr 1786 eine letzte Überarbeitung durch Goethe auf dessen Italienreise, welche in der Literaturgeschichte den Übergang in die Weimarer Klassik markiert.
Die allgemeine Beschäftigung mit der vor allem griechischen Antike und ihren Objektivationen und Subjektivationen in dieser Zeit resultierte aus dem klassischen Verständnis, diese als Zustand der Vervollkommnung von Einheit und Harmonie im gemeinschaftlichen Zusammenleben sowie auch in der Individualität anzusehen, was der deutsche Idealismus aufgriff. Das für die Weimarer Klassik Wesentliche an dieser philosophischen Einstellung ist dessen Fokussierung auf den Menschen und dem ihm immanenten seelischmoralischen Vermögen - die Humanität. [Für einen Epochenüberblick vgl. die Begriffe "Humanismus", "Klassik" und "Weimarer Klassik" in: Metzler Literatur Lexikon. Begriffe und Definitionen. Herausgegeben von Günther und Irmgard Schweikle. Zweite, überarbeitete Auflage. Stuttgart 1990.]
Menschlichkeit und die freie Entfaltung der Persönlichkeit sind demnach als die Leitideen dieser Richtung der Literatur zu bezeichnen. Goethes Schauspiel "Iphigenie auf Tauris" dahingehend zu analysieren, ist Aufgabe und Anspruch dieser Arbeit. Dabei soll die endgültige goethische Fassung der "Iphigenie auf Tauris" Gegenstand der sich anschließenden Rezension sein.

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Formanalyse

2.1. Aufbau und formale Aspekte

2.2. Analyse der semantischen Räume

3. Der Humanitätsgedanke am Beispiel Iphigenies Götterverständnisses

4. ‚Iphigenie auf Tauris’ – Ideendrama der Humanität

Zielsetzung und Themen der Arbeit

Die vorliegende Arbeit setzt sich zum Ziel, Goethes Schauspiel „Iphigenie auf Tauris“ unter dem Aspekt der Humanität zu analysieren. Dabei wird insbesondere untersucht, wie die Protagonistin durch ihr spezifisches Götterverständnis und ihr Handeln die Leitidee der Menschlichkeit innerhalb des Dramas verkörpert und zur Geltung bringt.

  • Analyse der symmetrischen, geschlossenen Dramenstruktur nach aristotelischen Vorbildern
  • Untersuchung der semantischen Räume (Griechenland vs. Tauris) und deren symbolische Bedeutung
  • Reflexion des Götterverständnisses als Ausdruck menschlicher Ethik und Autonomie
  • Beleuchtung der „Iphigenie auf Tauris“ als exemplarisches Ideendrama der Weimarer Klassik

Auszug aus dem Buch

Der Humanitätsgedanke am Beispiel Iphigenies Götterverständnisses

Das Verhältnis zu den Göttern ist zu Beginn von einer scheinbar devoten Haltung Iphigenies geprägt, wenn Iphigenie von einem hohen Willen spricht, dem sie sich ergibt (vgl. IAT 8). Dass es sich nur um eine äußerliche Fügung des Götterwillens handelt, wie es W. Rasch konstatiert, zeigt die Beurteilung ihrer Rettung durch die Göttin als ein „feindlich Schicksal“ (IAT 32), das sie „in die Ferne treibt [...]“ (ebd.). Somit fällt auch nicht Thoas die Schuld an den beklagten „heil’gen Sklavenbanden“ (IAT 34) zu, sondern der Göttin als Verursacherin ihres Schicksals. Daran schließt sich wie ein Lehrsatz „Mein Leben sollte / Zu freiem Dienste dir gewidmet sein.“ (IAT 37f.) an, wozu W. Rasch bemerkt: Dieses „sollte“ kennzeichnet Iphigenies Verhältnis zu den Göttern. Sie sagt nicht, sie wolle gern aus eigenem Entschluß das Priesteramt verwalten, sondern sie erklärt: so sollte es sein, so wäre es recht und gut.

Dieser Gedanke, wenn auch abgemildert durch Formulierungen wie „O wie beschämt gesteh ich [...]“ (IAT 35) und „[m]it stillem Widerwillen [Hervorhebung, A.E.)“ (IAT 36), spiegelt eine gewisse Humanitätsvorstellung von dem Recht auf individuelle Selbstbestimmung wieder, das sie von den Göttern beansprucht.

Zusammenfassung der Kapitel

1. Einleitung: Die Einleitung verortet das Werk im Kontext der antiken Vorlagen des Euripides sowie der Entstehungsgeschichte für den Weimarer Hof und definiert das Ziel der Untersuchung im Hinblick auf die Humanität.

2. Formanalyse: Dieses Kapitel behandelt die symmetrische Struktur des Dramas, die Einhaltung der aristotelischen Einheiten sowie die symbolische Aufladung der Schauplätze Griechenland und Tauris.

3. Der Humanitätsgedanke am Beispiel Iphigenies Götterverständnisses: Hier wird analysiert, wie Iphigenie ihr Verhältnis zu den Göttern reflektiert und durch ihr Handeln eine ethische Autonomie entwickelt, die das klassische Humanitätsideal prägt.

4. ‚Iphigenie auf Tauris’ – Ideendrama der Humanität: Das abschließende Kapitel fasst das Werk als Ideendrama zusammen, in dem das göttliche Wesen am Modell der menschlichen Güte neu entworfen wird.

Schlüsselwörter

Iphigenie auf Tauris, Johann Wolfgang von Goethe, Humanität, Weimarer Klassik, Götterverständnis, Autonomie, Ideendrama, Menschlichkeit, Antike, Symmetrie, Ethik, Selbstbestimmung, Euripides, Dramenstruktur, semantische Räume

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundlegend?

Die Arbeit untersucht Goethes Schauspiel „Iphigenie auf Tauris“ und beleuchtet die darin zentrale Leitidee der Humanität.

Welche zentralen Themenfelder werden bearbeitet?

Die Schwerpunkte liegen auf der formalen Dramenstruktur, der Raumsemantik und insbesondere der ethischen Dimension des Götterverständnisses der Hauptfigur.

Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?

Ziel ist es, aufzuzeigen, wie Iphigenie durch ihre geistige Auseinandersetzung mit göttlicher Fügung und menschlicher Moral zum Träger des Humanitätsgedankens wird.

Welche wissenschaftliche Methode kommt zum Einsatz?

Es handelt sich um eine literaturwissenschaftliche Analyse, die unter Heranziehung von Primärtexten und einschlägiger Sekundärliteratur die zentralen Motive des Werkes interpretiert.

Welche Inhalte werden im Hauptteil behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in eine formale Analyse des Dramas sowie eine detaillierte Auseinandersetzung mit dem religiös-ethischen Weltbild der Protagonistin.

Was sind die maßgeblichen Schlüsselwörter der Analyse?

Die zentralen Begriffe umfassen Iphigenie, Humanität, Klassik, Ethik und das Verhältnis zwischen göttlichem Willen und menschlicher Selbstbestimmung.

Inwieweit spielt das „Lied der Parzen“ für die Argumentation eine Rolle?

Das Lied der Parzen dient im Text als Beleg für Iphigenies kritisches Hinterfragen einer als inhuman empfundenen Göttlichkeit und unterstreicht ihre Suche nach einem humanen Gottesbild.

Wie bewertet die Autorin die Bedeutung des Schauplatzwechsels von Griechenland nach Tauris?

Der Autorin zufolge erfahren die Räume eine neue Semantisierung, bei der das Meer nicht mehr nur als physische Grenze, sondern als Raum für unterschiedliche gedankliche Positionen fungiert.

Warum wird das Stück als „Ideendrama“ bezeichnet?

Aufgrund der sentenziösen Ausdrucksweise und der Tatsache, dass das göttliche Wesen konsequent nach dem Idealbild des guten Menschen entworfen wird, stuft die Analyse das Werk als Ideendrama ein.

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Details

Title
Die Humanität als Leitidee in Goethes Schauspiel "Iphigenie auf Tauris". Das Götterbild der Protagonistin
College
Christian-Albrechts-University of Kiel
Grade
19/20 Punkten (= Note 1)
Author
Alexander Haroshka (Author)
Publication Year
2005
Pages
10
Catalog Number
V49176
ISBN (eBook)
9783638456968
ISBN (Book)
9783638597852
Language
German
Tags
Humanität Leitidee Goethes Schauspiel Iphigenie Tauris Beispiel Protagonistin Iphigenie auf Tauris Thema Parzenlied
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Alexander Haroshka (Author), 2005, Die Humanität als Leitidee in Goethes Schauspiel "Iphigenie auf Tauris". Das Götterbild der Protagonistin, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/49176
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