Drogenberatung als Methode der sozialen Arbeit

Sollte die Aufklärung in der Beratung einen erhöhten Schwerpunkt erhalten?


Hausarbeit, 2018
21 Seiten, Note: 1,3

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1.0 Einleitung
1.1 Geschichte der Sucht
1.2 Geschichte der Drogenberatung

2.0 Drogen, Abhängigkeit & Sucht
2.1 Definition von Drogen
2.1.1 Arten von Drogen
2.2 Definition von Abhängigkeit oder doch Sucht?
2.2.1 Beispiele von Abhängigkeiten
2.3.0 Ursachen von Sucht

3.0 Beratung, allgemeine Definition und ihre Formen
3.1 Beratung in der sozialen Arbeit
3.1.1 Personzentrierung
3.1.2 Systemorientierung
3.1.3 Lösungsorientierung
3.2 Suchthilfe, Drogenhilfe, Prävention & Beratung
3.2.1 Sucht- und Drogenhilfe
3.2.2 Drogenberatung
3.2.2 Phasen und Methoden der Drogenberatung

4.0 STEP Hannover
4.1 Leitbild der STEP

5.0 Fazit

6.0 Literaturverzeichnis

1.0 Einleitung

In Deutschland starben 2017, 1272 Menschen an den Folgen illegaler Substanzen (vgl. BKA 2017). Jedes Jahr sterben um die 120.000 Menschen an den Folgen des Rauchens. 74.000 sterben jährlich an den direkten und indirekten Folgen des Alkoholkonsums (vgl. dhs 2018). Solch hohe Zahlen küren immer wieder die deutschen Schlagzeilen. Es sind jedoch nicht nur die Todesfälle, die schockieren, sondern auch Gewaltakte, die mit illegalen oder legalen Drogen in Verbindung gebracht werden. Erst vor kurzem ist in Hannover auf der Limmerstraße ein Fußgänger von einem Fahrradfahrer zu Tode geprügelt worden. Der Täter soll angeblich unter Drogeneinfluss gewesen sein (vgl. HAZ 2018).

Auch volkswirtschaftlich gesehen ist Sucht ein großer Faktor. Dabei spielen nicht nur die offensichtlichen Dinge, wie Unfälle, Krankenhausaufenthalte und Personen- und Sachschäden eine Rolle. Auch Frühberentung wäre ein volkswirtschaftlicher Faktor, den es zu berücksichtigen gilt (vgl. Fischer et al 2017).

Kinder suchtkranker Eltern haben ein erhöhtes Risiko später selbst an einer Sucht oder an anderen psychischen Erkrankungen zu erkranken. Aus einer Metastudie, welche vom Bundesministerium für Gesundheit in Berlin in Auftrag gegeben wurde, ging außerdem hervor, dass Kinder suchtkranker Eltern häufiger aggressiv und/oder hyperaktiv sind, sowie oftmals Defizite in schulischen Leistungen oder auch in ihrer Wahrnehmung aufweisen. Insgesamt lebt in Deutschland jedes fünfte Kind in einer suchtbelasteten Familie (vgl. trialog 2007).

Heutzutage spielen Selbstverantwortung und Vernunft eine riesige Rolle, getrieben vom Druck der Leistungsgesellschaft ist es eigentlich nicht verwunderlich, dass Menschen in Abhängigkeiten verfallen. Ob nun Bänker*innen mit einer 70 – 120 Stunden Woche auf der einen Seite oder die netten Mitarbeiter*innen an der Kasse im nächstgelegenen Supermarkt. Wir alle haben eines gemeinsam, wir müssen funktionieren. Drogen sind ein Teil dieser Welt, sie sind, ob nun legal oder illegal, leicht erreichbar. Was der Lebensunterhalt für den/die eine/*n ist, ist für den/die andere/*n das Loch der Sucht bis hin zum Tod.

All diese Dinge lassen vermuten, dass Drogenkonsum- missbrauch, sowie- abhängigkeit nicht private Probleme, versteckt hinter den Türen einzelner Personen, sind. Sie betreffen die gesamte Gesellschaft und vorallem die Soziale Arbeit, sowie die Politik.

In dieser Hausarbeit soll es vor allem um die Beratung als Methode der sozialen Arbeit für Suchterkrankte und die Prävention gehen. Dabei wird sich die Autorin vor allem mit der Frage beschäftigen ob die Aufklärung in der sozialen Arbeit einen erhöhten Schwerpunkt erhalten soll. Hierzu wird als erstes beschrieben aus welcher Geschichte heraus die Drogenberatung entstanden ist. Im nächsten Schritt wird definiert welche Art von Drogen es gibt, danach wird spezifisch auf die Sucht und ihre Ursachen eingegangen, wobei es hier zu erwähnen gilt, dass in dieser Hausarbeit die substanzgebundenen Süchte eine zentralere Rolle spielen als die nicht- substanzgebundenen, wobei auch diese kurz erklärt werden. Anschließend wird die Beratung als solche definiert und im weiteren Schritt wird die Drogenberatung beschrieben. Um ein Beispiel zu erläutern wird die „STEP Hannover vorgestellt. Ein Fazit wird die Beobachtungen zusammenfassen.

1.1 Geschichte der Sucht

Sucht als Begriff gibt es schon seit mehr als 500 Jahren. Damals wurde er für abnormales Verhalten verwendet. Es hat sich kontinuierlich verändert, wie die Gesellschaft mit dem Ereignis „Sucht“ umgegangen ist, wie es bewertet und wie es gedeutet wurde. Dies zeigt sich bis heute wieder auf, wenn man Sucht im Kontext verschiedener Kulturen und Regionen betrachtet. Bemerkenswert jedoch war, dass bis ins frühe Mittelalter, Rauschmittel zu konsumieren völlig legitim war. Es gab verschiedenste Rituale, bei denen man sich unter Aufsicht eines Spezialisten im Kollektiv berauschte. Dies diente dazu, sich den Göttern zu nähern und sich im Zentrum seiner selbst zu fühlen. Konsumierte man außerhalb der Ritualzeiten, galt man keinesfalls als süchtig oder krank, man musste sich lediglich den moralisch höchsten Instanzen unterziehen, den Priestern, Schamanen und Kirchen. Um die Unruhestifter auf den Pfad der Tugend zurückzuführen, mussten diese mehr beten, beichten und büßen (vgl. Barsch 2010 S. 109f).

Zu Beginn des 16. Jahrhunderts jedoch, war die Welt durch lange Winter und nasse Sommer von Nahrungsmittelkarenz und Seuchen wie der Pest geplagt. Der Glaube daran, dass Gott die Menschheit für Schandtaten bestrafte, verbreitete sich. Kräuter und Pflanzen, die früher für Berauschungsrituale gebraucht wurden, galten nun als Hexenkräuter und die, die sie benutzten wurden verfolgt, gefoltert und/oder getötet. Auch übermäßiger Alkoholkonsum wurde eingeschränkt. Menschen die sich nicht an die Schankordnungen hielten wurden ebenfalls bestraft. Im Zuge dessen veränderte sich auch die Behaftung des Begriffes Sucht. Er wurde zwar immernoch für abnormales Verhalten verwendet, jedoch wurden die Dinge die jeder praktizierte und von einigen übermäßig angewendet wurden wie z.B. Eifersucht oder Ruhmessucht, als Süchte bezeichnet. Auch das Anheften des Wortes „Pest“, an übermäßigem Konsum, war neu. Als das inflationäre Trinken von Branntwein auftrat, nannte man dies damals „Branntwein pest “ (vgl. Barsch 2010 S. 112). Nun wurde gefordert, dass in der Gemeinde die „guten“ Bürger vor den „schlechten“. „unsittlichen“ Bürgern, durch Gesetze und die Polizei geschützt werden müssten (vgl. u.a. Martin Luther 1539).

Das Verständnis von Sucht veränderte sich ab dem 19. Jahrhundert rabiat. Es waren vorallem die Mediziner, die das Bild welches wir heute über Sucht kennen, prägten. Süchtige versuchten seitdem etwas zu kompensieren, was ihnen im Leben fehlte und werden von ihren Trieben gesteuert. Sie werden als „Kranke“ gesehen und gehören in die Therapie und nicht ins Gefängnis. Bis Mitte des 19. Jahrhunderts schrieb man Süchtigen eine emotionale Bindung gegenüber „Giften“ (Giftsucht) zu, weshalb der Kranke seine Würde und persönliche Freiheit einschränke. Danach kamen Unterschiede zwischen verschiedenen Stoffen wie Alkohol, Opium (1836), Morphium (1873) Kokain, (1884), und später auch Nikotin und Kaffee zustande.

Mittlerweile weiß man, dass Süchte durch biochemische Prozesse im Hirn zustande kommen und dass je nach Substanz, auch eine körperliche Abhängigkeit bestehen kann. Eine emotionale Bindung, wie sie im 19. Jahrhundert vermutet wurde, ist also nur bedingt richtig. Heute unterscheidet man zwischen physischer und psychischer Abhängigkeit.

1.2 Geschichte der Drogenberatung

Auf den ersten Blick könnte man davon ausgehen, dass es sich bei der Institution Drogenberatung um einen Ort handelt, bei dem man genau über das beraten wird – Drogen. Der Begriff Beratung geht mit Institutionen einher, die meistens etwas verkaufen, wie bei Geschäften oder finanziellen Entscheidungen. Doch natürlich handelt es sich bei der Drogenberatung, wie auch bspw. bei der Eheberatung um eine Stelle zu der Menschen gehen können, wenn sie bereits ein Problem haben.

Die Drogenberatung gehörte seit den 60er Jahren ursprünglich in den Verantwortungsbereich der Fachärzte für Psychiatrie und Neurologie. Durch ihre Erfahrung mit bereits länger bestehenden Abhängigkeiten von Morphin und Alkohol, waren sie die erste Anlaufstelle. Das Problem war nun jedoch, dass Abhängige erst beim Arzt landeten wenn sie schon einen gesundheitlichen Schaden davontrugen und Ärzte nur diese behandeln konnten. Sich der Droge oder dem Alkohol zu entziehen lag immernoch einzig und allein in der Verantwortung der Patienten. Zudem kam noch dazu, dass Ärzte in den Augen von Abhängigen, eher als abmahnender, wissender Mensch gesehen wurde, der ihm/ihr „nur“ aufzeigte, welche Folgen sein/ihr Verhalten haben würde (vgl. Sayer 1986, S.13 f.).

Die Entwicklung der Drogenberatungsstellen mit Sozialarbeiter*innen und Sozialpädagogen fand ihren Anfang mit dem ersten vermehrten Aufkommen des Missbrauchs von Drogen in den 70er Jahren und den daraus resultierenden Problemen. In den meisten Fällen entstanden die Drogenberatungsstellen aus bereits bestehenden Alkoholberatungsstellen der freien Wohlfahrtverbände. Die damaligen Methoden und Konzepte jedoch, ließen sich eher schwierig übertragen und waren eher undurchdacht. Man wusste nicht, wie man mit dieser neuen Form von Sucht umgehen sollte. Seit Mitte der 80er sind Drogenberatungsstellen durch neue Gesetze und die damit verbundene Verantwortungsübertragung auf den Staat, wirtschaftlich, sowie inhaltlich durchdachter und mehr oder weniger zu dem geworden, was wir heute kennen (vgl. Sayer 1986, S. 13ff.).

2.0 Drogen, Abhängigkeit & Sucht

2.1 Definition von Drogen

Der Begriff Droge kommt aus dem niederländischen droog = trocken ; droge = trocknen und wurde bzw. wird heute noch als pharmazeutischer Begriff verwendet. Ursprünglich waren Drogen getrockntete Pflanzen, Sekrete oder Tierteile die für Arzneimittel und Drogerieartikel weiterverwendet wurden.

Nach Definition der WHO gilt jede aktive Substanz die in einem lebenden Organismus Veränderungen in seinen Funktionen hervorrufen kann als Droge (vgl. WHO 1981, S.225ff).

2.1.1 Arten von Drogen

Die Unterteilung von Drogen findet meistens in „hart“ bzw. illegal und „weich“ bzw. legal statt. Da die Gesetzgebung eher weniger mit dem Abhängigkeitspotenzial zu tun hat, werden die Arten im folgenden über die Wirkstoffklassen eingeteilt.

Sedativa, Hypnotika und Narkotika (Beruhigungs- Schlaf- und Narkosemittel):

– Benzodiazepine wie z.B. Diazepam, Oxazepam oder Lorazepam (Rezeptpflichtig). Werden als Schlaf- und Beruhigungsmittel verschrieben und machen sehr schnell abhängig.
– Barbituriate, kurz-, mittel- und langwirkend wie z. B. Amobarbital und Cyclobarbital (Rezeptpflichtig). Werden je nach Wirkungsdauer als Schlaf- und Narkosemittel eingesetzt und tragen ein sehr hohes Abhängigkeitspotenzial.
– Alkohol (legal). Sehr hohes Abhängigkeitspotenzial.

Halluzinogene

– LSD Lysergsäurediethylamid (illegal). Geringes psychisches Abhängigkeitspotenzial
– Cannabis (Betäubungsmittelrezept). Wird unter anderem bei Tourette, depressiven Episoden, MS und chronischen Schmerzen verschrieben. Psychisches Abhängigkeitspotenzial und mildes körperliches Abhängigkeitspotenzial.
– 2CB (illegal). Hohes Abhängingkeitspotenzial.
– Psylocibin (illegal). Geringes Abhängigkeitspotenzial.

Opioide (zentralwirkende1 Schmerzmittel)

– Morphin (Betäubungsmittelrezept). Wird bei sehr starken Schmerzen verschrieben. Starkes Abhängigkeitspotenzial.
– Opium (Betäubungsmittelrezept). Wird bei sehr starken Schmerzen verschrieben. Starkes Abhängigkeitspotenzial.
– Heroin (illegal). Stärkstes Abhängigkeitspotenzial.
– Codein (verschreibungspflichtig). Mäßiges Abhängigkeitspotenzial.

Stimulanzien

– MDMA (illegal). Starkes Abhängigkeitspotenzial.
– Oxytocin (verschreibungspflichtig). Wird bei Geburten und teilweise auch bei Autismus verschrieben. Abhängigkeitspotenzial vorhanden.
– Kokain/Crack (illegal). Kokain hat ein starkes psychisches Abhängigkeitspotenzial, während Crack ein starkes psychisches und physisches Abhängigkeitspotenzial mitherbringt.

Aufputschende Mittel

– Amphetamin (illegal). Starkes Abhängigkeitspotenzial
– Methamphetamin (illegeal). Sehr starkes Abhängigkeitspotenzial
– Ritalin (Betäubungsmittelrezeptpflicht). Wird bei ADHS vorallem bei Kindern verschrieben. Starkes Abhängigkeitspotenzial.

2.2 Definition von Abhängigkeit oder doch Sucht?

Sucht ist in vielerlei Hinsicht ein extrem schlecht behafteter Begriff. Menschen, die süchtig nach etwas sind, haben in den Köpfen der anderen ihr Leben nicht mehr unter Kontrolle. Abhängigkeit dagegen hat viele Gesichter. Klar weiß eigentlich jeder, dass es nicht gut ist Heroinabhängig zu sein, jedoch wird man nicht verurteilt, wenn man seine Terminplanung abhängig der Infrastruktur legt (vgl. Barsch 2010, S.137).

[...]


1 *zentralwirkend = im Zentralen Nervensystem wirkend. In diesem Fall stillen Schmerzmittel nicht dort wo der Schmerz entsteht, sondern verhindern, dass er im Gehirn ankommt.

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Details

Titel
Drogenberatung als Methode der sozialen Arbeit
Untertitel
Sollte die Aufklärung in der Beratung einen erhöhten Schwerpunkt erhalten?
Hochschule
Hochschule Hannover
Note
1,3
Autor
Jahr
2018
Seiten
21
Katalognummer
V491772
ISBN (eBook)
9783668978218
Sprache
Deutsch
Schlagworte
drogenberatung, methode, arbeit, sollte, aufklärung, beratung, schwerpunkt
Arbeit zitieren
Anna Eggers (Autor), 2018, Drogenberatung als Methode der sozialen Arbeit, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/491772

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