Lieferantenmanagement. Ziele, Aufbau und Anpassung auf die verschiedenen Lieferantentypen


Hausarbeit, 2019
15 Seiten, Note: 2,0

Leseprobe

Inhalt

1. Einleitung
1.1 Themeneinführung
1.2 Zielsetzung
1.3 Vorgehensweise

2. Grundlagen des Lieferantenmanagements
2.1 Definition „Lieferantenmanagement“
2.2 Ziele des Lieferantenmanagements

3. Aufbau des Lieferantenmanagements
3.1 Lieferantenidentifikation
3.2 Lieferanteneingrenzung
3.3 Lieferantenanalyse und -bewertung
3.4 Lieferantenauswahl
3.5 Lieferantencontrolling
3.6 Steuerung von Lieferantenbeziehungen

4. Anpassung auf die verschiedenen Lieferantentypen
4.1 Klassifizierung der Lieferantentypen
4.2 Anpassung mit Hilfe der ABC-Analyse
4.3 Entwicklungsstrategien der Lieferanten
4.3.1 Vom Teilefertiger zum Produktionsspezialisten
4.3.2 Vom Teilefertiger zum Entwicklungspartner
4.3.3 Vom Teilefertiger zum Wertschöpfungspartner

5. Fazit

6. Quellenverzeichnis

1. Einleitung

1.1 Themeneinführung

Das Lieferantenmanagement gewinnt in den vergangenen Jahren zunehmend das Interesse von Praxis und Wirtschaft. Die Abhängigkeit von Lieferanten wird durch Trends, zunehmende Globalisierung oder das Outsourcing von Dienstleistungen und Produkten zunehmend erhöht.1

Unter dem modernen Beschaffungsmanagement wird nicht mehr nur das Einkaufen zu niedrigen Preisen gesehen. Vielmehr ist es erforderlich, dass die Beschaffung als starker Partner in der Wertschöpfung positioniert wird, damit die Unternehmen im Wettbewerb bestehen können. In der heutigen Zeit steigen nicht nur die Anforderungen der Kunden, sondern auch die der gesetzlichen, gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Rahmenbedingungen.2 Aus diesem Grund „muss ein gezieltes Lieferantenmanagement den Kundenwert durch Innovationen, Qualität und Sicherstellung rechtzeitiger Markteinführung maximieren“.3

Demnach fordert die industrielle Entwicklung durch die Verbesserung der Wertschöpfungsketten eine stetig zunehmende Effizienz, auch über die Unternehmensgrenzen hinweg. Der bisher als `Einkauf` benannte Funktionsbereich kann dieser Bedeutung nicht mehr genügen. Die mit der traditionellen Einkaufsfunktion assoziierten rein operativen und dispositiven Tätigkeiten (Anfragestellung, Bestellwesen, Angebotsvergleich und Preisverhandlungen) haben sich im Laufe der Zeit stark verändert und erweitert.4 „Das Beschaffungsmanagement umfasst auch strategische Überlegungen und ist auf effizienzsteigende Prozessorientierung ausgerichtet“.5

Das moderne Beschaffungsmanagement zeichnet sich dadurch aus, dass strategische Partnerschaften mit den Lieferanten etabliert werden und dass langfristige Beziehungen eingerichtet werden.6 „Dass die Beschaffung eine hohe Bedeutung für die Wertschöpfung hat, zeigt die Tatsache, dass der Zukaufanteil von produzierenden Unternehmen bezogen auf den Umsatz im Durchschnitt bei rund 55 Prozent liegt und die Beschaffung somit signifikant zum Unternehmenserfolg beiträgt“.7

1.2 Zielsetzung

Ziel dieser Arbeit ist es, das Lieferantenmanagement als wichtigen Bestandteil des Beschaffungsmanagements vorzustellen. Hierbei sollen die Ziele und der grundsätzliche Aufbau eines Lieferantenmanagements dargestellt werden. Darüber hinaus soll erläutert werden, wie das Lieferantenmanagement auf die verschiedenen Lieferantentypen (vom Teillieferant bis zum Entwicklungspartner) angepasst werden sollten.

1.3 Vorgehensweise

Die Arbeit gliedert sich in fünf Teile. Nach einer Einleitung in das Thema Lieferantenmanagement im ersten Kapitel, werden im zweiten Kapitel mit einer Begriffsdefinition und dem Ziel des Lieferantenmanagements die Grundlagen des Lieferantenmanagements dargestellt. Im folgenden dritten Kapitel wird der Aufbau des Lieferantenmanagements vorgestellt und erläutert. Anschließend folgt im vierten Kapitel ein Überblick über die Anpassung des Lieferantenmanagements auf die verschiedenen Lieferantentypen. Zuerst betrachte ich die Klassifizierung der verschiedenen Lieferantentypen und gehe anschließend auf die Anpassung mit Hilfe der ABC-Analyse ein. Daran schließen sich die Entwicklungsstrategien der Lieferanten an. Zum Schluss folgt im fünften Kapitel ein Fazit.

2. Grundlagen des Lieferantenmanagements

2.1 Definition „Lieferantenmanagement“

Sowohl in der Literatur als auch in der wirtschaftlichen Praxis wird der Begriff des Lieferantenmanagements differenziert verwendet. Daher empfiehlt es sich, zunächst eine Begriffsbestimmung durchzuführen. Die Differenzierungsmöglichkeiten sind hierbei durch die Merkmale der Beschaffungsprozessschritte definiert, welche mit dem Lieferantenmanagement in Beziehung stehen. Adäquate Ansätze hierfür finden sich u.a. bei Arnold, D./ Iseermann, H./ Kuhn, A./ Furmans, K./ Tempelmeier, H., welche das Lieferantenmanagement als eine marktorientierte Planung, Steuerung und Kontrolle der Lieferanten-Abnehmer-Beziehungen und des Lieferantenstammes innerhalb des marktorientieren Beschaffungsmanagements beschreiben. Wagner, S. grenzt das Lieferantenmanagement als Koordination der Zulieferer ab, durch welche eine effiziente Gestaltung, Lenkung und Entwicklung der Lieferanten und der Lieferantenbeziehungen eines Unternehmens entsteht. Eine weitere Definition stammt von Large, R., welcher das Lieferantenmanagement als externen Teil des Beschaffungsmanagements interpretiert. Er bezeichnet das Lieferantenmanagement somit als das Beschaffungsmanagement, welches sich an den Lieferanten orientiert.8

Aus den oben genannten Definitionen lässt sich die Zugehörigkeit des Lieferantenmanagements zu dem Beschaffungsmanagement erkennen. Auch lässt sich ableiten, dass die Gestaltung und Lenkung des Lieferantenstammes, inklusive der Lieferanten-Abnehmer-Beziehungen ausgeprägte Eigenschaften des Lieferantenmanagements sind.9

Plümpe, J. definiert das Lieferantenmanagement wie folgt: „Das Lieferantenmanagement ist der auf den Lieferanten ausgerichtete Teil des Beschaffungsmanagements und beinhaltet die Entwicklung, Gestaltung, Steuerung und Kontrolle des Lieferantenstammes sowie der damit verbundenen Lieferantenbeziehungen“.10

2.2 Ziele des Lieferantenmanagements

Das Unternehmen wird von dem Lieferantenmanagement bei der optimalen Versorgung des Unternehmens und bei der Planung, Steuerung und Informationsbereitstellung über mögliche Lieferanten unterstützt. Die beiden obersten Ziele des Lieferantenmanagements sind zum einen die Sicherstellung der Versorgungsleistung und zum anderen die Minimierung der Versorgungskosten.11 Hierbei unterscheidet man zwei Ziele: Die operativen Ziele und die strategischen Ziele.

Die operativen Ziele befassen sich damit, die Leistung der Lieferanten zu erhöhen und die Beschaffungskosten zu minimieren. Steht dem Unternehmen eine transparente Lieferantenbasis und eine objektive Vergleichbarkeit zur Verfügung, kann dieses die Aufmerksamkeit auf die besten Lieferanten richten und nicht wettbewerbsfähige Lieferanten entfernen. So können auch die existierenden Lieferantenbeziehungen mit den Eventuellen verglichen werden.12

Die strategischen Ziele befassen sich mit der mittel-bis langfristigen Aufwertung der Lieferantenbasis eines Unternehmens. Es werden präzise Entwicklungsmaßnahmen definiert, die einen stetigen Anstieg der Lieferqualität oder eine Minimierung der Beschaffungskosten bewirken sollen.13

Um ein Versorgungsrisiko zu vermeiden, sollten unternehmensübergreifende Prozesse nachhaltig reduziert und Alternativlieferanten frühzeitig bestimmt werden. Darüber hinaus sollte die Beziehung zu strategisch wichtigen und schwer austauschbaren Lieferanten durch kooperative und integrative Maßnahmen intensiviert werden, damit die Wettbewerbsfähigkeit des Unternehmens gesichert wird. Des Weiteren sollten die Prozesse regelmäßig kontrolliert und gegebenenfalls angepasst werden.14

3. Aufbau des Lieferantenmanagements

Das Lieferantenmanagement ist ein Prozess, welcher mit der Identifikation von möglichen Lieferanten beginnt und mit der strategischen Steuerung von Lieferantenbeziehungen endet.15 Auf die einzelnen Teilprozesse des Lieferantenmanagements wird nachfolgend eingegangen.

3.1 Lieferantenidentifikation

Nachdem der Beschaffungsbedarf ermittelt wurde, müssen diejenigen Lieferanten ermittelt werden, die das geforderte Beschaffungsgut zur Verfügung stellen können. Hier kann das Unternehmen entweder auf bereits bekannte Lieferanten Bezug nehmen oder neue Lieferanten suchen. Auf bereits bekannte Lieferanten kann dann zurückgegriffen werden, wenn genügend Lieferanten zur Verfügung stehen und wenn über diese ausreichend Informationen vorliegen. Stehen keine oder nicht genügend potenzielle Lieferanten zur Verfügung, muss auf dem Beschaffungsmarkt nach neuen Lieferanten gesucht werden.16

3.2 Lieferanteneingrenzung

Nach erfolgter Lieferantenidentifikation werden die ausgewählten Lieferanten in Bezug auf ihre Eignung als Zulieferer betrachtet. Diesen Schritt bezeichnet man als Lieferanteneingrenzung. Bei einer Vielzahl von ausgewählten, potenziellen Lieferanten ist es einem Unternehmen in der Regel nicht möglich, alle zu bewerten. Aus diesem Grund werden bei der Lieferanteneingrenzung diejenigen Zulieferer ausgewählt, die bestimmten Anforderungen des Unternehmens entsprechen. Üblicherweise wird für die Eingrenzung ein sogenanntes Checklistenverfahren mit K.o.-Kriterien angewendet. Zulieferer, die nicht geeignet sind, werden somit aussortiert (beispielsweise, weil Mindestkriterien nicht erfüllt werden konnten). Dieses Verfahren ist einfach und kostengünstig, verfügt allerdings ausschließlich über eine zweidimensionale Kriterienausprägung, sodass es lediglich für eine grobe Vorauswahl der potenziellen Zulieferer geeignet ist.17

3.3 Lieferantenanalyse und -bewertung

Im darauffolgenden Schritt folgen die Analyse und Bewertung der vorausgewählten Lieferanten. In der Lieferantenanalyse werden relevante Informationen über die Zulieferer ermittelt, aufbereitet, verarbeitet und dargestellt. Auf Grund dieser Analyse sollen genaue Kenntnisse über die potenziellen Zulieferer, in Hinsicht auf die technische und wirtschaftliche Leistungsfähigkeit gewonnen werden, sodass eine Grundlage für die anschließende Lieferantenauswahl geschaffen wird. Die relevanten Daten werden durch Lieferantenbefragungen und Lieferantenaudits zusammengetragen.18

Nachdem die Lieferantenanalyse durchgeführt wurde, findet anhand der ermittelten Daten die Lieferantenbewertung statt. An dieser Stelle werden diejenigen Zulieferer ermittelt, die aufgrund ihrer Transparenz über aktuelle und zukünftige Leistungsfähigkeit, für das Unternehmen aussichtsreich sind. Mithilfe ausgewählter Entscheidungs- und Bewertungskriterien wird eine Rangfolge gebildet. In diesem Fall ist es von Vorteil, mehrere unterschiedliche Entscheidungskriterien auszuwählen.19

Des Weiteren ist anzumerken, dass die Gestaltung der Lieferantenbewertung in der wirtschaftlichen Praxis unternehmensspezifisch und äußert variantenreich ist. Eine einheitliche Arbeitsweise vorzugeben ist nicht sinnvoll.20

3.4 Lieferantenauswahl

Bei der Lieferantenauswahl wird schließlich aus der vorab getroffenen Lieferantenvorauswahl eine Selektionsauswahl getroffen. Diese Auswahl ist durch die gegenständliche Beteiligung konkreter Lieferanten an der Versorgung des Gesamtbedarfs gekennzeichnet. Sie stellt ein Problem bei der Entscheidung dar, da diejenigen Lieferanten auszuwählen sind, die das vorgegebene Ziel bestmöglich erfüllen können.21 „Für den Rahmen einer Lieferantenauswahl bestehen grundsätzlich zwei Handlungsalternativen: Die unmittelbare Auswahl eines oder mehrerer Lieferanten sowie die Zuteilung von Liefermengen zu einem oder mehreren Lieferanten“.22

3.5 Lieferantencontrolling

Unter Lieferantencontrolling versteht man den immerwährenden Abgleich der Zielerfüllungsgrade, sodass eventuelle Schwächen frühzeitig erkannt und behoben werden können.23 Hierbei werden Veränderungen beispielsweise in der Leistungsfähigkeit der Lieferanten frühzeitig erkannt, sodass diese beim Lieferanten transparent gemacht werden können. Dadurch können gezielt Maßnahmen eingeleitet werden.24

[...]


1 Vgl. Helmold 2010, S.14 (Vorwort)

2 Vgl. Hofbauer/ Mashhour/ Fischer 2012, Vorwort

3 Hofbauer/ Mashhour/ Fischer 2012, Vorwort

4 Vgl. Hofbauer/ Mashhour/ Fischer 2012, S. 1

5 Hofbauer/ Mashhour/ Fischer 2012, S. 1

6 Vgl. Hofbauer/ Mashhour/ Fischer 2012, S. 1

7 Hofbauer/ Mashhour/ Fischer 2012, S. 1

8 Vgl. Plümpe 2010, S. 29

9 Vgl. Plümpe 2010, S. 29

10 Plümpe 2010, S.29 f.

11 Vgl. Plümpe 2010, S. 30

12 Vgl. https://www.lieferanten-management.com/ziele-des-lieferantenmanagements/

13 Vgl. https://www.lieferanten-management.com/ziele-des-lieferantenmanagements/

14 Vgl. https://www.lieferanten-management.com/ziele-des-lieferantenmanagements/

15 Vgl. Plümpe 2010, S. 30 f.

16 Vgl. Plümpe 2010, S. 36

17 Vgl. Plümpe 2010, S. 36f

18 Vgl. Plümpe 2010, S. 37 f.

19 Vgl. Plümpe 2010, S. 38 f.

20 Vgl.Plümpe 2010, S. 40

21 Vgl. Plümpe 2010, S.40 f.

22 Plümpe 2010, S. 41

23 Vgl. http://www.online-lehrbuch-bwl.de/lehrbuch/kap2/liefmgt/liefmgt.pdf

24 Vgl. https://www.weka.de/einkauf-logistik/so-sieht-erfolgreiches-lieferantencontrolling-aus/

Ende der Leseprobe aus 15 Seiten

Details

Titel
Lieferantenmanagement. Ziele, Aufbau und Anpassung auf die verschiedenen Lieferantentypen
Hochschule
AKAD University, ehem. AKAD Fachhochschule Stuttgart
Note
2,0
Autor
Jahr
2019
Seiten
15
Katalognummer
V491783
ISBN (eBook)
9783668989368
Sprache
Deutsch
Schlagworte
lieferantenmanagement, ziele, aufbau, anpassung, lieferantentypen
Arbeit zitieren
Yvonne Senger (Autor), 2019, Lieferantenmanagement. Ziele, Aufbau und Anpassung auf die verschiedenen Lieferantentypen, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/491783

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