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Eine Busfahrt. Anzeigen und Einhalten der physischen und geistigen Umgebung

Empirische Forschungsarbeit angelehnt an Erving Goffmans "Territorien des Selbst" und sein Konzept der "Civil inattention"

Title: Eine Busfahrt. Anzeigen und Einhalten der physischen und geistigen Umgebung

Term Paper , 2019 , 36 Pages , Grade: 1,3

Autor:in: Anonym (Author)

Sociology - Miscellaneous
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Bei Beobachtung alltäglicher Begegnungen von Fremden trifft man vor allem im städtischen Leben auf eine zunehmende Anonymität. An öffentlichen Orten, wie Cafés, Einkaufszentren oder Parks wird soziale Interaktion für gewöhnlich vermieden, stattdessen üben die Menschen ihre Aktivitäten allein aus und bleiben für sich. Zum Aufrechterhalten dieser Anonymität gehört jedoch mehr, als das passive Ausweichen und Meiden anderer, es erfordert aktive Anstrengungen der Einzelpersonen. Dabei scheint ein stillschweigender Konsens über unausgesprochene Verhaltensregeln und Situationsnormen zu herrschen, welche es den Menschen erlauben, ihre Identitäten zu schützen und soziale Ordnung herzustellen.

Ein alltäglicher dieser öffentlichen Räume, in denen Menschen dazu neigen, sich von anderen zu isolieren, ist der des Busfahrens. Im Rahmen meines Studiums, sowie zu Freizeitzwecken bin ich diesem Raum nahezu täglich ausgesetzt. Dabei fiel auf, dass in Bussen ganz eigene Routinen und Verhaltensregeln herrschen, die von jedem Fahrgast verstanden und eingehalten werden. In jedem Fall gilt es in erster Linie, den persönlichen Freiraum der anderen zu respektieren – Fahrgäste tun so, als seien sie unsichtbar und als seien andere für sie unsichtbar (Kim, 2012). Um diese Unbekanntheit aufrechterhalten zu können, scheint es, als bilden Nutzende des öffentlichen Stadtverkehrs eine Barriere um ihre unmittelbare Umgebung, die durch Verhaltensweisen oder Gegenstände angezeigt werden können und dessen Missachtung Folgen nach sich ziehen kann.

Aus diesem Grund wird in der folgenden Arbeit angelehnt an Erving Goffmans „Territorien des Selbst“ (1974, S. 54) der These nachgegangen, dass Fahrgäste der öffentlichen Verkehrsmittel bestimmte Methoden anwenden, um die jeweils eigene physische sowie geistige Umgebung vor Beeinträchtigung durch Mitfahrende zu schützen. Als eine Methode wird dabei das ebenfalls von Goffman entworfene Konzept der „höflichen Gleichgültigkeit“ („civil inattention“, 1971. S. 83) vorgeschlagen. Dazu werden anfänglich theoretische Grundlagen, sowie die Forschungsmethodik dargelegt. Im Anschluss folgt die Interpretation des Datenmaterials, die sich an der Chronologie einer Busfahrt orientiert, sodass zuletzt ein Fazit gezogen werden kann.

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Theoretische Grundlagen

2.1 Territorien des Selbst

2.2 „Civil Inattention“

3. Methodisches Vorgehen

4. Analyse

4.1 Warten und Einstieg

4.2 Platzwahl und Stehordnung

4.3 Blickkontakt

4.4 Gespräche und Lautstärke

4.5 Ausstieg

5. Schluss

Zielsetzung & Themen

Die vorliegende Arbeit untersucht das soziale Verhalten von Fahrgästen in öffentlichen Bussen, um aufzuzeigen, mit welchen Methoden Individuen ihre physische und geistige Umgebung vor Beeinträchtigungen durch Fremde schützen. Zentral ist dabei die Forschungsfrage, inwieweit Goffmans Konzepte der „Territorien des Selbst“ und der „höflichen Gleichgültigkeit“ im städtischen Nahverkehr Anwendung finden.

  • Analyse territorialer Verhaltensweisen und Markierungen im öffentlichen Raum.
  • Untersuchung von Interaktionsmustern wie der „höflichen Gleichgültigkeit“.
  • Empirische Beobachtung von Routinen beim Warten, Einsteigen, Platzwählen und Aussteigen.
  • Reflektion über die Einhaltung und Sanktionierung von sozialen Abstandsregeln.

Auszug aus dem Buch

4.2 Platzwahl und Stehordnung

Sobald der Bus betreten ist, wird im Hinblick auf bevorstehende Fahrt eine Entscheidung zugunsten einer Stehposition oder einem Sitzplatz gefällt (Hirschhauer, 1999). Bei kurzer Fahrt entscheiden sich Fahrgäste somit auch schon mal trotz freier Plätze für die Stehposition in der Nähe der Bustüren (Beobachtungsprotokoll V, Z. 15f; 45f; Beobachtungsprotokoll VIII, Z. 36ff.), um schnellstmöglich wieder aussteigen zu können. Meist wird beim Einstieg in der Mitte mit einem schnellen Blick nach links und rechts eine Einschätzung über freie Plätze vorgenommen und sich aufgrund dieser für eine Richtung entschieden (Beobachtungsprotokoll V, Z. 17f; Beobachtungsprotokoll VIII, Z. 14-26).

Die Platzwahl in einem Bus wird jedoch nicht isoliert und allein im Hinblick auf persönliche Vorlieben oder Vorteile getroffen, sondern vor allem durch Anforderungen der Interaktionsordnung bestimmt. Eine der Hauptregeln ist dabei, wie schon beim Warten auf den Bus, jene über angemessenen Abstand zu Mitfahrenden. Nähe bedeutet eine potentielle „Beziehungsmarkierung“ („tie sign“, Goffman, 1971, S. 194), die zu Fremden möglichst vermieden werden sollte (Maiwald & Sürig, 2017). Gleichzeitig stellt Nähe eine situative Einschränkung des persönlichen Raums dar, ein Eindringen in diesen imaginären Schutzraum, der uns umgibt, erzeugt Missgunst und die Tendenz zum Rückzug (ebd.). Mit anderen Worten herrscht das Prinzip der „Distanzmaximierung“ (Hirschhauer, 1999, S. 230), das sich besonders bemerkbar bei der Platzwahl in einem leeren Bus macht, wenn Fahrgäste sich so im Bus verteilen, dass zwischen ihnen immer einige Sitzreihen frei bleiben (Beobachtungsprotokoll I, Z. 41ff.).

Zusammenfassung der Kapitel

1. Einleitung: Die Einleitung führt in die Problematik der Anonymität im städtischen Nahverkehr ein und formuliert die These, dass Fahrgäste gezielte Methoden zur Wahrung ihrer persönlichen Territorien anwenden.

2. Theoretische Grundlagen: Dieses Kapitel erläutert die soziologischen Konzepte von Erving Goffman, insbesondere die Territorien des Selbst und das Prinzip der höflichen Gleichgültigkeit als notwendige soziale Mechanismen.

3. Methodisches Vorgehen: Hier wird die empirische Erhebung durch teilnehmende Beobachtung in Tübinger Buslinien beschrieben, inklusive der Reflexion der Rolle des Beobachters im Feld.

4. Analyse: Die Analyse detailliert die beobachteten Verhaltensweisen vom Warten an der Haltestelle über die Platzwahl und Blicksteuerung bis hin zu Gesprächen und dem Ausstieg.

5. Schluss: Der Schluss fasst die Ergebnisse zusammen und bestätigt, dass die beobachteten Handlungsweisen eine einheitliche, gesellschaftlich anerkannte Vorstellung über soziale Distanz in der Öffentlichkeit widerspiegeln.

Schlüsselwörter

Öffentlicher Nahverkehr, Erving Goffman, Territorien des Selbst, Civil Inattention, höfliche Gleichgültigkeit, Distanzmaximierung, soziale Interaktion, teilnehmende Beobachtung, Interaktionsordnung, persönlicher Raum, städtische Anonymität, Busfahrt, Verhaltensregeln, Kontaktminimierung, Situationsnormen.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Forschungsarbeit grundlegend?

Die Arbeit untersucht das alltägliche soziale Verhalten von Menschen in öffentlichen Verkehrsmitteln, insbesondere wie Fahrgäste versuchen, durch ungeschriebene Regeln ihre Privatsphäre zu schützen.

Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?

Die zentralen Felder sind die Wahrung des persönlichen Raums, die Dynamik von Sitz- und Stehpositionen sowie die nonverbale Kommunikation in einer Umgebung mit vielen Fremden.

Was ist das primäre Ziel der Studie?

Ziel ist es zu belegen, dass Buspassagiere aktiv Methoden anwenden, um ihre physische und geistige Umgebung vor Beeinträchtigung durch Mitfahrende zu schützen, angelehnt an Goffmans Theorien.

Welche wissenschaftliche Methode wurde verwendet?

Die Autorin nutzte die Methode der teilnehmenden Beobachtung, bei der sie selbst als Fahrgast in Bussen des Verkehrsverbundes Neckar-Alb-Donau agierte und ihre Beobachtungen protokollierte.

Was wird im Hauptteil der Arbeit analysiert?

Im Hauptteil werden die einzelnen Phasen einer Busfahrt – vom Warten über den Einstieg, die Platzwahl und das Blickverhalten bis hin zum Ausstieg – soziologisch interpretiert.

Welche Begriffe charakterisieren die Arbeit am besten?

Die wichtigsten Konzepte sind „Territorien des Selbst“, „Civil Inattention“ (höfliche Gleichgültigkeit) und „Distanzmaximierung“.

Wie gehen Fahrgäste mit der Verletzung ihres persönlichen Raums um?

Meist wird dies durch demonstratives Desinteresse, Ausweichen oder, falls dies nicht ausreicht, durch subtile Sanktionen wie missbilligende Blicke kompensiert, um die soziale Ordnung aufrechtzuerhalten.

Welche Rolle spielen Gegenstände wie Taschen oder Rucksäcke?

Diese dienen oft als „zentrale Territoriumsmarkierungen“, mit denen Fahrgäste unbewusst oder bewusst einen Anspruch auf den neben ihnen liegenden Sitzplatz geltend machen.

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Details

Title
Eine Busfahrt. Anzeigen und Einhalten der physischen und geistigen Umgebung
Subtitle
Empirische Forschungsarbeit angelehnt an Erving Goffmans "Territorien des Selbst" und sein Konzept der "Civil inattention"
College
University of Tubingen
Course
Mikrosoziologie
Grade
1,3
Author
Anonym (Author)
Publication Year
2019
Pages
36
Catalog Number
V491908
ISBN (eBook)
9783668994256
ISBN (Book)
9783668994263
Language
German
Tags
Goffman Territorien des Selbst Civil Inattention Busfahren
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Anonym (Author), 2019, Eine Busfahrt. Anzeigen und Einhalten der physischen und geistigen Umgebung, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/491908
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