Das Wort Trauma stammt aus dem Griechischen und bedeutet Wunde oder Verletzung. Die Ereignisse, die ein psychisches Trauma auslösen können, sind vielzählig. Die Verarbeitungen solcher Schicksalsschläge sind ebenfalls individuell und hängen stark vom sozialen Umfeld ab.
Victoria Fischer verdeutlicht in ihrer Publikation, welche Folgen schwere Kriegsereignisse haben können. Sie geht auf Reaktionen in den verschiedenen Lebensphasen ein und veranschaulicht Lebensaufgaben sowie Bewältigungsstrategien. Im Zentrum steht hierbei die Frage, wie Menschen im Alter mit einem Kriegstrauma umgehen.
Im Anschluss daran setzt Fischer sich mit dem Thema Biografiearbeit im Alter auseinander. Dazu stellt sie Methoden und Rahmenbedingen für eine gelingende Biografiearbeit vor. Sie gelangt so zu hilfreichen Handlungsempfehlungen für die Soziale Arbeit in vollstationären Pflegeeinrichtungen.
Aus dem Inhalt:
- Traumabewältigung;
- Therapie;
- Traumatisierung;
- Spätfolgen;
- Retraumatisierung
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Psychisches Trauma
2.1 Definition und Verlauf
2.2 Folgen
2.3 Kriegstraumata
2.4 Kriegstrauma und Gesellschaft
3 Biografiearbeit im Alter
3.1 Begriffsklärung
3.2 Methoden des biografischen Arbeitens
3.3 Rahmenbedingungen
3.4 Ziele des biografischen Arbeitens
3.5 Gefahren und Grenzen der Biografiearbeit
4 Kriegserfahrungen im Kontext Pflege
4.1 Trauma im Alter
4.2 Trauma-Reaktivierung und Retraumatisierung im Alter
4.3 vollstationäre Pflegeeinrichtung
4.4 Biografiearbeit als Methode der Sozialen Arbeit mit kriegstraumatisierten alten Menschen
5 Fazit
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht die Bedeutung und Notwendigkeit von Biografiearbeit in vollstationären Pflegeeinrichtungen, um kriegstraumatisierten alten Menschen eine angemessene Unterstützung zu bieten und retraumatisierende Erlebnisse im Pflegealltag zu vermeiden.
- Psychische Traumata und ihre langfristigen Folgen im Alter
- Methoden und Herausforderungen der Biografiearbeit in der Altenpflege
- Kriegserfahrungen als spezifischer Kontext für Pflegebedürftige der "Kriegskinder-Generation"
- Vermeidung von Retraumatisierungen im stationären Pflegealltag
- Praktische Interventionsmethoden (biografisch narrative Gesprächsführung und "Vertellekes")
Auszug aus dem Buch
4.4.1 biografisch narrative Gesprächsführung
Die biografisch narrative Gesprächsführung findet ihren Ursprung in der von Schütz 1983 entwickelten narrativen Interviewmethode. Ergänzend sind die von Rogers nondirekten Nachfragentechniken charakteristisch für narrative Interviews. Es handelt sich hierbei um eine offene Gesprächsform zwischen Erzähler*in und Zuhörer*in und nicht wie üblich, um eine reine Abfragung biografischer Daten. Diese Methode eignet sich gut für Gespräche in vollstationären Pflegeeinrichtungen da sie keiner großen Erklärung für den/die Erzähler*in bedarf.
Die eigentlichen Aufgaben bei der biografisch narrativen Gesprächsführung liegen wie im Punkt 3.4 angedeutet beim Zuhörer, der den Erzählprozess ohne große Nachfrage in eine zusammenhängende Geschichte mit Anfang und Ende lenkt (vgl.Specht-Tomann, 2018, S. 101f.). Die narrative Gesprächsführung bedient sich der Alltagssprache des Erzählers. Welches das erzählen der eigenen Lebensgeschichte enorm erleichtert, weil auf fachsprachliche Kenntnisse keine Rücksicht genommen werden muss. Bei dieser Gesprächsführung wird bewusst auf vorgefertigte Fragen verzichtet, damit die Lebensgeschichte in ihrer individuellen Wahrnehmung vom Erzählenden präsentiert werden kann. Es wird davon ausgegangen, dass durch diese Erzählweise mehr Biografie zu erfahren ist als im gezielten Nachfragen.
Zudem kann die narrative Erzählweise eine heilende Wirkung für Betroffenen erzeugen, weil sie dem Erzählenden Raum bietet prekäre Lebensereignisse neu zu deuten, Zusammenhänge zu erkennen und unterdrückt Erinnerungen wieder bewusst zu machen. Auch wenn der/die Zuhörer*in bei dieser Erzählweise in den Hintergrund rückt sollte er/sie doch ständig das Gefühl von Interesse an der Lebensgeschichte des Erzählenden vermitteln. Das vertiefende Nachfragen sollte erst nach Beendigung der Erzählung angewendet werden. Da in Pflegeeinrichtungen oft nicht die Zeit für ausführlich erzählte Lebensgeschichten besteht, gibt es bei der biografisch narrativen Gesprächsführung auch Nachfragetechniken, die während des Erzählens angewendet werden dürfen.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Die Einleitung beleuchtet die Relevanz der Biografiearbeit bei kriegstraumatisierten alten Menschen und definiert die Zielsetzung der Bachelorarbeit.
2 Psychisches Trauma: Dieses Kapitel erläutert die Definitionen, Verlaufsformen und Folgen von psychischen Traumata, mit einem spezifischen Fokus auf Kriegstraumata bei der betroffenen Kohorte.
3 Biografiearbeit im Alter: Es werden der Begriff, die Methoden, Rahmenbedingungen sowie Ziele und Grenzen der Biografiearbeit im Kontext der Altenpflege dargestellt.
4 Kriegserfahrungen im Kontext Pflege: Dieses Kapitel verknüpft die Thematik der Kriegstraumata mit dem Alltag in vollstationären Pflegeeinrichtungen und stellt konkrete Interventionsmethoden vor.
5 Fazit: Das Fazit fasst die Ergebnisse zusammen und unterstreicht die Pflicht der Sozialen Arbeit, auf die Auswirkungen von Kriegsereignissen bei alten Menschen aufmerksam zu machen.
Schlüsselwörter
Biografiearbeit, Kriegstrauma, Altenpflege, Trauma-Reaktivierung, Retraumatisierung, vollstationäre Pflege, Kriegskinder, narrative Gesprächsführung, Vertellekes, Soziale Arbeit, Lebensgeschichte, Alter, Pflegeprozess, Psychische Gesundheit, Traumapädagogik.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der Bedeutung von Biografiearbeit bei kriegstraumatisierten alten Menschen in vollstationären Pflegeeinrichtungen.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zentrale Themen sind psychische Traumata, die Identifizierung von Kriegstraumata im Alter, die Durchführung und Herausforderungen der Biografiearbeit in Heimen sowie die Vermeidung von Retraumatisierung.
Was ist das primäre Ziel der Forschungsarbeit?
Das Ziel ist es, ein Bewusstsein für die lebensgeschichtlichen Hintergründe von Pflegebedürftigen der Kriegskinder-Generation zu schaffen, um Pflegeabläufe traumasensibel zu gestalten.
Welche wissenschaftliche Methode wurde verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer fundierten Literaturrecherche und der Verknüpfung theoretischer Konzepte der Traumaarbeit mit der praktischen Arbeit in Pflegeeinrichtungen.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil analysiert theoretische Aspekte von Traumata, die Rahmenbedingungen für Biografiearbeit sowie die spezifischen Anforderungen an Personal in stationären Pflegeeinrichtungen im Umgang mit kriegstraumatisierten Bewohnern.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind Biografiearbeit, Kriegstrauma, Retraumatisierung, Altenpflege, Trauma-Reaktivierung und Soziale Arbeit.
Welche Rolle spielt die biografisch narrative Gesprächsführung?
Sie dient als Methode des Einzelsettings, um durch eine offene Erzählweise ohne vorgefertigte Fragen ein tieferes Verständnis für die Lebensgeschichte und die emotionale Wahrnehmung von Betroffenen zu erlangen.
Was ist das "Vertellekes"-Spiel?
Es handelt sich um ein biografisches Frage- und Antwortspiel für Gruppen, das speziell für ältere Menschen entwickelt wurde, um spielerisch positive Erinnerungen zu wecken und das Gemeinschaftsgefühl zu stärken.
- Arbeit zitieren
- Victoria Fischer (Autor:in), 2019, Kriegstrauma im Alter. Warum ist Biografiearbeit in vollstationären Pflegeeinrichtungen wichtig?, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/491931