Diese Hausarbeit zeichnet die wichtigsten Entwicklungslinien der neueren Spiritualitätsgeschichte seit der Reformationszeit am Leben und Wirken ausgewählter Persönlichkeiten nach. Diese sind unter anderem Franz von Sales, Vinzenz von Paul, John Henry Newman, Thérèse de Lisieux, Edit Stein, Madeleine Delbrêl, Karl Rahner und Thomas Merton. Diesen spirituellen Meistern ist es gelungen, die "Zeichen der Zeit" zu deuten und die genannten Herausforderungen anzunehmen. Dadurch können sie uns und künftigen Generationen als Vorbilder dienen.
Mit seiner "Erfolgsgeschichte" stellt der Säkularismus die einflussreichste philosophische Weltanschauung unserer westlichen Zivilisation dar. Dies macht Taylors Buch "A Secular Age" zu einem lohnenden Objekt ideengeschichtlicher Studien für spirituelle Theologen, hängt doch die Zukunft der christlichen Kirchen in der westlichen Welt auch davon ab, wie wir als Christen und als Theologen auf die Herausforderungen des Säkularismus antworten.
In der christlichen Spiritualität geht es in erster Linie darum, den Glauben zu praktizieren, zu "leben" und dadurch auch mit Leben zu füllen. Ohne Spiritualität würde der christliche Glaube zu einem bloßen Gedankenspiel reduziert. Und bei aller Tradition und Historizität will der christliche Glaube im Hier und Jetzt gelebt werden, überzeitlich und doch zeitgemäß.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Charles Taylors: „A Secular Age“
3. Franz von Sales
4. Vinzenz von Paul
5. Die Bewegung des Jansenismus
6. Die Quietismus-Krise
7. Spiritualität ab dem 17. Jahrhundert – Neuevangelisierung und Erneuerung der Frömmigkeitsformen
8. Spiritualität im 18. und 19. Jahrhundert
9. Kardinal Newman und die Oxford-Bewegung
10. Thérèse de Lisieux
11. Edit Stein
12. Madeleine Delbrêl
13. Karl Rahner
14. Thomas Merton
15. Zusammenfassung und Ergebnis
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht die Entwicklung der christlichen Spiritualität in den letzten 500 Jahren vor dem Hintergrund der zunehmenden Säkularisierung. Ziel ist es, aufzuzeigen, wie große spirituelle Persönlichkeiten auf die Herausforderungen ihrer jeweiligen Zeit reagiert haben, um den christlichen Glauben authentisch im Alltag zu leben und zu erneuern.
- Analyse des säkularen Zeitalters nach Charles Taylor
- Darstellung bedeutender spiritueller Akteure und deren Antwort auf ihre Zeit
- Reflexion über das Verhältnis von christlicher Spiritualität und kirchlicher Institution
- Untersuchung von spirituellen Reformbewegungen und deren Wirkung
- Beleuchtung der Relevanz christlicher Lebenspraxis in einer modernen Welt
Auszug aus dem Buch
1. Charles Taylors: „A Secular Age“
Das Thema des Buches „A Secular Age“, geschrieben von dem eingangs bereits erwähnten kanadischen Philosophen und Politikwissenschaftler Charles Taylor (*1931 in Montreal), ist die philosophische bzw. geistesgeschichtliche Auseinandersetzung mit der Entstehung und Entwicklung des säkularen Zeitalters, in welchem wir uns heute befinden.
Kennzeichen dieses Zeitalters ist, dass Gott weitgehend an den Rand unserer alltäglichen Lebenswelt, d.h. die der Gesellschaften des westlichen Kulturkreises, gedrängt wurde. Taylor teilt das Aufkommen des Säkularismus in drei Entwicklungsstufen ein:
1. An erster Stelle steht der Rückzug des Religiösen aus dem öffentlichen Raum als Folge einer „Entzauberung der Welt“. In einer „verzauberten“ Welt teilten Wissenschaft, Politik und Religion noch dieselbe Weltsicht. Eine Entzauberung der Welt erlaubte es der Wissenschaft jedoch, ihre eigenen Wege zu gehen bzw. ihrer eigenen Rationalität zu folgen und diese auch auf die uns umgebende Lebenswirklichkeit zu übertragen.
2. Dem gesellt sich ein Niedergang des religiösen Engagement bzw. der religiösen Praxis des Einzelnen hinzu, was dessen Rückzug aus der religiösen Gemeinschaft zur Folge hatte und immer noch hat. Persönliche Sinnfindung verlagerte sich von äußeren Quellen hin zur eigenen, freien Auswahl unter verschiedenen Möglichkeiten.
3. Die jüngste Stufe entspricht der Fragmentierung unseres Verständnisses einer sozialen Ordnung. Dabei wird der religiöse Glaube innerhalb einer Kultur bzw. Gesellschaft nicht mehr als selbstverständliche „Norm“ für den Einzelnen angesehen, bzw. als Richtlinie dessen, wie er sein Leben zu gestalten hat. Der Glaube ist nunmehr eine Option unter mehreren. Damit dreht sich unser soziales Universum nicht mehr um den einen weltanschaulichen Dreh- und Angelpunkt für alle.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung analysiert die gegenwärtige säkulare Gesellschaft und führt in die Notwendigkeit ein, christliche Spiritualität als lebendigen Anpassungsprozess zu begreifen.
2. Charles Taylors: „A Secular Age“: Dieses Kapitel erläutert die drei Entwicklungsstufen des Säkularismus nach Charles Taylor und dessen Bedeutung für das Verständnis moderner Religiosität.
3. Franz von Sales: Das Kapitel porträtiert Franz von Sales als Reformer, der Spiritualität und Gottesliebe für Menschen aller Stände im Alltag zugänglich machte.
4. Vinzenz von Paul: Fokus auf Vinzenz von Paul als Begründer einer neuzeitlichen Caritas, der durch seine Verbindung von Gebet und tätiger Nächstenliebe das Leben von Laien aufwertete.
5. Die Bewegung des Jansenismus: Eine Untersuchung des Jansenismus als rigoristische, durch augustinische Gnadenlehre geprägte Reform- und Oppositionsbewegung innerhalb der Kirche.
6. Die Quietismus-Krise: Analyse des Quietismus als mystische Strömung, die eine komplette Selbstaufgabe in der Liebe Gottes anstrebte und lehramtlich verurteilt wurde.
7. Spiritualität ab dem 17. Jahrhundert – Neuevangelisierung und Erneuerung der Frömmigkeitsformen: Überblick über die Phase der Stagnation und das Aufkommen neuer Devotionsformen wie Herz-Jesu- und Marienverehrung.
8. Spiritualität im 18. und 19. Jahrhundert: Beschreibung der geistesgeschichtlichen Umwälzungen durch die Aufklärung und deren Auswirkungen auf die kirchliche Spiritualität und Ausbildung des Klerus.
9. Kardinal Newman und die Oxford-Bewegung: Würdigung der Oxford-Bewegung als Erneuerungsversuch innerhalb des Anglikanismus und Newmans anschließender Konversion zum Katholizismus.
10. Thérèse de Lisieux: Vorstellung des „kleinen Weges“ der Thérèse de Lisieux als Antwort auf moralistische Übersteigerungen der damaligen Zeit.
11. Edit Stein: Darstellung des Lebensweges Edith Steins, ihrer Konversion und ihrer konsequenten Nachfolge Christi bis zum Martyrium.
12. Madeleine Delbrêl: Fokus auf Madeleine Delbrêl, die als Sozialpädagogin christliche Spiritualität mitten in einer säkularisierten Arbeiterwelt lebte.
13. Karl Rahner: Analyse der Theologie Karl Rahners, insbesondere der „anthropologischen Wende“ und der Verwurzelung seiner Theologie in der spirituellen Erfahrung.
14. Thomas Merton: Betrachtung von Thomas Mertons Suche nach Kontemplation im monastischen Leben und seiner Offenheit für außerchristliche mystische Traditionen.
15. Zusammenfassung und Ergebnis: Abschließende Synthese, die betont, dass christliche Spiritualität im Dialog mit der Welt auch heute ein lebendiger und notwendiger Prozess bleibt.
Schlüsselwörter
Spiritualität, Säkularisierung, Christentum, Charles Taylor, Franz von Sales, Jansenismus, Quietismus, Kirche, Nachfolge Christi, Frömmigkeit, Theologie, Gottesliebe, Moderne, Kontemplation, Ordensgemeinschaften
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der Geschichte der christlichen Spiritualität der letzten 500 Jahre und beleuchtet, wie bedeutende Denker und Heilige auf die Herausforderungen der Säkularisierung reagiert haben.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zentrale Themen sind die Entstehung des Säkularismus, die Bedeutung innerlicher Frömmigkeit, das Verhältnis von Glaube und Vernunft sowie die praktische Umsetzung des Evangeliums im Alltag.
Was ist das primäre Ziel der Forschungsfrage?
Das primäre Ziel ist es aufzuzeigen, dass das Christentum durch stetige Anpassung und Erneuerung der Spiritualität lebendig bleibt und Antworten auf die Fragen der jeweiligen Zeit bieten kann.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine ideengeschichtliche und spirituell-theologische Analyse, die Biographien und Werke verschiedener Protagonisten im jeweiligen historischen Kontext untersucht.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil widmet sich ausführlich den Biographien und spirituellen Ansätzen prägender Gestalten wie Franz von Sales, Kardinal Newman, Karl Rahner oder Thomas Merton sowie spezifischen Bewegungen wie Jansenismus und Quietismus.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit wird maßgeblich durch Begriffe wie Spiritualität, Säkularisierung, Nachfolge Christi, christliche Tradition und Moderne charakterisiert.
Welche Rolle spielt Charles Taylor für die Arbeit?
Charles Taylor dient als wichtiger theoretischer Gewährsmann, dessen Analyse des „säkularen Zeitalters“ den intellektuellen Rahmen vorgibt, um die spirituellen Antworten der Protagonisten einzuordnen.
Wie unterscheidet sich der „kleine Weg“ von Thérèse de Lisieux von anderen Ansätzen?
Der „kleine Weg“ setzt moralistischen Übersteigerungen und einem komplizierten Leistungsdenken ein radikales, kindliches Vertrauen auf die unbedingte Liebe Gottes in den alltäglichen Verrichtungen entgegen.
- Arbeit zitieren
- Frank Drescher (Autor:in), 2019, Katholische Spiritualität in einem säkularen Zeitalter, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/491948