Pressekonzentration in Deutschland


Seminararbeit, 2004

16 Seiten, Note: 1,5


Leseprobe

Inhalt

1 Einleitung
1.1 Aktuelle Situation im Zeitungsmarkt

2 Phasen der Pressekonzentration
2.1 Entwicklung der Pressekonzentration
2.1.1 Die Pressestatistik
2.2 Presse in der DDR
2.3 Privatisierung der DDR-Presse

3 Formen der Pressekonzentration
3.1 Die Publizistische Konzentration
3.2 Die Verlagskonzentration
3.2.1 Gründe für Konzernbildungen
3.3 Die Auflagenkonzentration
3.4 Die Lokalkonzentration
3.4.1 Folgen der Lokalkonzentration

4. Maßnahmen gegen die Pressekonzentration
4.1 Die „Michel-Kommission“
4.2 Die „Günther-Kommission“
4.3 Pressefusionskontrolle
4.3.1 Novellierung der Presseklausel im Kartellrecht

5 Ausblick

Literaturverzeichnis

1. Einleitung

1.1 Aktuelle Situation im Zeitungsmarkt

Die Krise im Zeitungsmarkt hält an, und die Rezession im Werbemarkt ist noch nicht überwunden. Allerdings haben die Zeitungs- und Zeitschriftenverlage in den ersten Monaten dieses Jahres keine weiteren Einbrüche bei den Werbeumsätzen gemeldet und einige Verlage sogar wieder leichte Zugewinne verzeichnen können.[1] Wie lange es aber noch dauert, bis das Anzeigengeschäft wieder deutlich zunehmen wird, ist noch nicht absehbar. Prognosen zufolge werden Tages-, Wochen- und Sonntagszeitungen jedoch noch bis zum Jahr 2007 die stärkste Werbeträgergruppe in Deutschland bleiben.[2]

Trotzdem waren die meisten Verlage seit Beginn der Werbekrise im Jahr 2001 zunächst ausschließlich mit Kostenbegrenzungen beschäftigt, um sich der neuen Situation anzupassen. Etliche Lokalausgaben sind inzwischen eingestellt und immer mehr Verlagsunternehmen schließen sich zusammen, indem Verlage Anteile anderer Verlage kaufen oder sie ganz übernehmen. Die jüngsten Fälle betrafen die Frankfurter Rundschau, die von der SPD-Medienholding Deutsche Druck- und Verlags GmbH zu 90 Prozent übernommen worden ist, die beim Kartellamt angemeldete mehrheitliche Übernahme der Rhein-Zeitung in Koblenz durch den Saarbrücker Zeitungsverlag und damit durch den Holtzbrinck-Konzern sowie den zunächst minoritären Einstieg des Springer-Konzerns beim Westfalen-Blatt in Bielefeld.[3] So hat die Medienkrise die ohnehin schon seit über drei Jahrzehnten anhaltende Konzentration des Pressewesens mithin verschärft.

Im Vergleich zum ersten Quartal 2002 sind die Konzentrationswerte für den Zeitungsmarkt im ersten Quartal 2004 allerdings weitgehend gleich geblieben. Der Marktanteil der fünf größten Verlagsgruppen bei den Abonnementzeitungen liegt mit 28,8 Prozent exakt auf dem gleichen Niveau und beträgt bei den Boulevardzeitungen 95,1 Prozent gegenüber 94,6 Prozent im Jahr 2002. Im Gesamtmarkt ist der Anteil der zehn auflagenstärksten Verlagsgruppen aufgrund von Auflagenverlusten bei Boulevardzeitungen (BILD, Express) sogar erstmals seit vielen Jahren leicht rückläufig und liegt bei 56,1 Prozent (56,3 Prozent im Jahr 2002).[4]

In der folgenden Seminararbeit werden die verschiedenen Formen, Ursachen, Entwicklungen und Auswirkungen der Pressekonzentration seit der Gründung der Bundesrepublik aufgezeigt und die aktuelle Entwicklung im Zeitungs- und Zeitschriftenmarkt geschildert. Letztlich werde ich auf die derzeitig vom Bundeswirtschaftsminister geplanten Neuregelungen des Kartellrechts für die Presse eingehen.

2. Phasen der Pressekonzentration

2.1 Entwicklung der Pressekonzentration

Das Ende des zweiten Weltkrieges bedeutete auch die „Stunde Null“ des deutschen Pressewesens. Nachdem die alliierten Besatzungsmächte (die USA, Großbritannien, Frankreich und die Sowjetunion) Anfang Mai 1945 die Herrschaft über Deutschland übernommen hatten, schlossen sie alle bestehenden Druckereien und lösten die Redaktionen auf. Die Herausgabe von Zeitungen war vorübergehend verboten, bis dafür ein Lizenzzwang eingeführt wurde. Lizenzen erhielten nur nationalsozialistisch „unbelastete“ Personen. Die Verleger, die vor 1945 Zeitungen herausgebracht hatten, waren von der Lizenzvergabe ausgeschlossen.[5] So wurden bis 1948 insgesamt 178 Tageszeitungen, die in 753 Ausgaben erschienen, lizenziert.[6]

Erst zwischen Juni und September 1949 wurde der Lizenzzwang in den westlichen Besatzungszonen wieder aufgehoben und auch die so genannten Altverleger durften wieder Zeitungen herausbringen. Sogleich kam es zu zahlreichen Zeitungsneugründungen, in deren Folge die Zahl der Tageszeitungstitel explosionsartig auf über 600 Titel anstieg.[7]

1954 konnte der größte Zeitungsgesamtbestand der Bundesrepublik gezählt werden: Es gab 225 redaktionell selbständige Tageszeitungen (sogenannte publizistische Einheiten), die in 1500 Ausgaben erschienen und zusammen von 624 Verlagen herausgegeben wurden.[8] Eine so große Zahl von Tageszeitungen wurde in Deutschland nie wieder erreicht.

Der Markt war damit jedoch völlig überfordert. Es entstand ein scharfer Konkurrenzkampf zwischen den Alt- und Neuverlegern, der zum ersten Pressekonzentrationsprozess in der Bundesrepublik Deutschland führte und sich in vielfachen Einstellungen, Übernahmen und Zusammenschlüssen manifestierte.[9]

Die Folge war, dass bereits 1976 der absolute Tiefstand des Zeitungsgesamtbestandes in Westdeutschland zu verzeichnen war. Es gab nur noch 121 publizistischen Einheiten, die in 1229 redaktionellen Ausgaben erschienen und von nur noch 403 Verlagen herausgegeben wurden.[10] Umgekehrt stieg jedoch die Auflage der Tageszeitungen zwischen 1954 und 1976 von 13,4 Mio. auf 19,5 Mio. an. Zugleich bildeten sich große Verlagsgruppen heraus.[11] (siehe Auflagenkonzentration und Verlagskonzentration in Kapitel 3)

2.1.1 Die Pressestatistik

Im Jahr 1954 begann der Pressestatistiker Walter J. Schütz erstmals, das Zeitungswesen statistisch zu erfassen. Anhand seiner Statistiken können die Konzentrationstendenzen festgehalten werden. Schütze war es auch, der die (bisweilen kritisierte, aber allgemein doch anerkannte) Differenzierung nach „publizistischer Einheit“, „(redaktionellen) Ausgaben“, und „Verlagen als Herausgeber“ prägte.[12]

Als publizistische Einheit versteht man dabei redaktionell selbständige Tageszeitungen mit Vollredaktionen. Dazu gehören alle Blätter, die den gesamten redaktionellen Teil (und damit sämtliche Ressorts) wie auch den Anzeigenteil selbständig erarbeiten und verantworten – ungeachtet ihrer verlegerischen Struktur.

Als (redaktionelle) Ausgabe bezeichnet man Zeitungen, die in ihrer Berichterstattung eindeutig Bezug nehmen auf ihr vorwiegendes lokales Verbreitungsgebiet, den Zeitungsmantel (Politik-, Wirtschafts- und Kulturteil ect.) jedoch aus einer Vollredaktion übernehmen.

Unter der pressestatistischen Kategorie Verlage als Herausgeber lassen sich alle redaktionellen Ausgaben zusammenfassen, bei denen im Impressum der gleich Verleger oder Herausgeber aufscheint.

Beispiel: Der „Donau Kurier“ (publizistische Einheit) aus Ingolstadt erscheint als Regionalzeitung mit fünf Lokalausgaben. Eine dieser Ausgaben ist der „Eichstätter Kurier“ (redaktionelle Ausgabe), der eine eigene umfassende Lokalberichterstattung für seinen primären Verbreitungsraum (Eichstätt und Umgebung) enthält, den Zeitungsmantel jedoch vom „Donau Kurier“ übernimmt. Herausgegeben wird diese publizistische Einheit von der „Donaukurier Verlagsgesellschaft (an der z.B. über eine Beteiligungsgesellschaft auch der Süddeutsche Verlag mit 25 Prozent beteiligt ist).

[...]


[1] Vgl. http://www.prognos-mediareports.com/offen/index.php?zt2007 Zugriff am 10.08.2004 und Röper, Horst: Bewegung im Zeitungsmarkt 2004. In: Media Perspektiven, 6/2004, Seite 268 - 283

[2] Vgl. www.prognos-mediareports.com a.a.O., Abstract

[3] Vgl. Röper, a.a.O., S. 268 - 283

[4] Vgl. ebd., S. 268

[5] Vlg. Pürer, Heinz: Publizistik- und Kommunikationswissenschaft. Ein Handbuch. Konstanz 2003. S. ????

[6] Vgl. Koszyk, Kurt: Presse unter alliierter Besatzung. In: Wilke, Jürgen (Hg.): Mediengeschichte der Bundesrepublik Deutschland. Bonn 1999, S. 31 – 58.

[7] Vgl. Wilke, Jürgen: Presse. In: Noelle-Neumann, Elisabeth/ Schulz, Winfried/ Wilke, Jürgen (Hg.): Fischerlexikon Publizistik/ Massenkommunikation. Frankfurt am Main 2002, S. 423.

[8] Vgl. Schütz, Walter J.: Deutsche Tagespresse in Tatsachen und Zahlen. Ergebnisse einer Strukturuntersuchung des gesamten deutschen Zeitungswesens. In: Publizistik 1, 1956, S. 31-48.

[9] Vgl. Tonnemacher, Jan: Kommunikationspolitik in Deutschland. Konstanz 2003.

[10] Vgl. Wilke, Jürgen: Presse. In: Noelle-Neumann, Elisabeth/ Schulz, Winfried/ Wilke, Jürgen (Hg.) 2002, a.a.O., S. 423

[11] Vgl. Pürer 2003, a.a.O., S. 234.

[12] Vgl. ebd., S. 232 f.

Ende der Leseprobe aus 16 Seiten

Details

Titel
Pressekonzentration in Deutschland
Hochschule
Katholische Universität Eichstätt-Ingolstadt
Veranstaltung
Grundlagen der Kommunikationswissenschaft
Note
1,5
Autor
Jahr
2004
Seiten
16
Katalognummer
V49208
ISBN (eBook)
9783638457217
Dateigröße
711 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Pressekonzentration, Deutschland, Grundlagen, Kommunikationswissenschaft
Arbeit zitieren
Alexander Göbel (Autor:in), 2004, Pressekonzentration in Deutschland, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/49208

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