Mobbing in der Schule


Vordiplomarbeit, 2005

33 Seiten, Note: 2,0


Leseprobe

INHALTSVERZEICHNIS

1. Einleitung

2. Definition des Begriffs „Mobbing“
2.1. Herkunft
2.2. Die Mobbinghandlungen nach H. Leymann
2.3. Mobbing unter Schülern

3. Charakteristika von Opfern und Tätern
3.1. Persönlichkeitsmerkmale von Opfern
3.1.1. Der passive Opfertyp
3.1.2. Der provozierende Opfertyp
3.2. Persönlichkeitsmerkmale von Tätern

4. Ursachen
4.1. Erziehungsstile und Elternverhalten
4.2. Leistungsdruck in der Schule
4.3. Äußerliche Auffälligkeiten
4.4. Der Einfluss von Gruppenmechanismen und Gruppenzwang

5. Auswirkungen
5.1. Folgen für das Opfer
5.2. Folgen für den Täter

6. Prävention und Intervention
6.1. Ein Interventionsprogramm von Dan Olweus
6.2. Maßnahmen
6.2.1. Maßnahmen auf Schulebene
6.2.2. Maßnahmen auf Klassenebene
6.2.3. Maßnahmen auf persönlicher Ebene

7. Fazit

1. Einleitung

Ich habe mich für das Thema „Mobbing in der Schule“ entschieden, weil dieses Problem an Schulen immer aktueller wird. Dramatische Meldungen gehen durch die Medien und erregen die Aufmerksamkeit in der Öffentlichkeit. Dabei ist Gewalt unter Schulkindern ein altes Thema und lange Zeit gab es kaum Studien oder Interventionsprogramme.

Ich habe mich vor allem gefragt, welche Ursachen Mobbing unter Schülern hat und ob es einen bestimmten Opfer- und Tätertyp gibt.

In meiner Hausarbeit gehe ich zuerst auf die Herkunft und Bedeutung des Begriffs „Mobbing“ im Allgemeinen ein. Dann sage ich etwas zu Mobbing unter Schulkindern und grenze den Begriff gegen „Bullying“ ab.

Im dritten Kapitel beschreibe ich typische Charaktereigenschaften von Tätern und Opfern.

Einer der beiden Hauptaspekte in meiner Hausarbeit sind die möglichen Ursachen für Mobbing in der Schule. Dabei gehe ich zunächst auf das Elternhaus ein und beschreibe welche Erziehung einen Opfer- oder Tätertyp begünstigt. Als nächstes nenne ich Ergebnisse aus einer Studie von Olweus, die untersucht, welchen Einfluss Leistungsdruck und Zensuren auf Gewalt hat. Eine weitere Studie von ihm klärt die Bedeutung von äußerlichen Auffälligkeiten in bezug auf Mobbing. Im Anschluss gehe ich auf den Zusammenhang von Gewalt unter Schulkindern und Gruppen-zwang ein, wobei ich vor allem Studien von Schäfer heranziehe.

Das fünfte Kapitel behandelt mögliche Auswirkungen für Opfer und Täter. Dabei orientiere ich mich an einer Untersuchung von Schäfer.

Der zweite zentrale Punkt beschreibt das Interventionsprogramm von Olweus und gibt erfolgreiche Maßnahmen auf Schulebene, Klassenebene sowie persönlicher Ebene an.

2. Definition des Begriffs „Mobbing“

2.1. Herkunft

Der Begriff „Mobbing“ ist von dem englischen Wort „mob“ abgeleitet und bedeutet Pöbel. Ursprünglich bezeichnete man damit ein Tierverhalten, bei dem sich mehrere Tiere zusammentun und einen Feind abwehren (vgl. Kasper 1998, S. 21). Heutzutage findet der Begriff vor allem in der Arbeitswelt Verwendung.

2.2. Die Mobbinghandlungen nach H. Leymann

Der Arbeitspsychologe Heinz Leymann hat sich jahrelang mit diesem Phänomen beschäftigt. Seiner Definition nach wird Mobbing über längere Zeit und kontinuierlich ausgeübt und ist somit von sporadischen Konflikten und Gemeinheiten abzugrenzen: „Der Begriff Mobbing beschreibt negative kommunikative Handlungen, die gegen eine Person gerichtet sind (von einer oder mehreren anderen) und die sehr oft und über einen längeren Zeitraum hinaus vorkommen und damit die Beziehung zwischen Täter[1] und Opfer kennzeichnen“ (Leymann 1994, S. 21). Leymann fand in seinen Untersuchungen heraus, dass Manipulation das Ziel des Mobbing ist. Er hat 45 verschiedene Mobbinghandlungen definiert, die sich auf fünf Kategorien verteilen. Diese Handlungen werde ich aus Platzgründen hier nur beispielhaft aufführen. Die Attacken zielen ab auf

- die Kommunikation (z.b. ständige Kritik, Anschreien oder ständiges Unterbrechen durch den Mobber)
- die sozialen Beziehungen (z.b. nicht mit dem Opfer reden oder sich nicht von ihm ansprechen lassen)
- das Ansehen (z.b. Gerüchte verbreiten, den Ruf schädigen oder sich über das Opfer lächerlich machen)
- die Arbeitssituation (z.b. dem Opfer keine oder erniedrigende Aufgaben geben) und auf
- die Gesundheit des Opfers (z.b. dem Opfer Gewalt androhen oder es körperlich misshandeln) (vgl. Leymann 1994, S. 22f.).

Einige der Mobbinghandlungen können auch in der normalen Kommunikation oder bei alltäglichen Konflikten vorkommen. Ausschlaggebend ist die Häufigkeit und die Dauer. Diese Übergriffe werden erst dann zum Mobbing, wenn sie oft und langfristig gegenüber einer anderen Person eingesetzt werden (vgl. Leymann 1994, S. 32ff.). Für die Opfer bedeuten diese Angriffe Psychoterror, welcher schwerwiegende Folgen haben kann (vgl. Leymann 1994, S. 22).

2.3. Mobbing unter Schülern

Mobbing findet aber nicht nur am Arbeitsplatz statt, sondern immer mehr auch an Schulen. Anfang der 70er Jahre gewann Gewalt an Schulen zunehmendes Interesse in der Öffentlichkeit. Zuerst in Skandinavien, später dann auch in anderen Ländern. Der norwegische Professor Dan Olweus hat sich diesem Problem, mit Hilfe von großangelegten Längs-schnittstudien, angenommen. Weiterhin hat er ein Interventionsprogramm gegen Gewalt unter Schulkindern entwickelt (vgl. Olweus 2004, S. 15f.).

Olweus benutzt die Begriffe Mobbing und Gewalttätigkeit in derselben Bedeutung und definiert sie wie folgt: „ Ein Schüler oder eine Schülerin ist Gewalt ausgesetzt oder wird gemobbt, wenn er oder sie wiederholt und über eine längere Zeit den negativen Handlungen eines oder mehrerer anderer Schüler oder Schülerinnen ausgesetzt ist “ (Olweus 1986,1991,2004, S. 22, Hervorheb. im Original). Negative Handlungen können Unannehmlichkeiten und Verletzungen, sowohl auf verbaler Ebene als auch durch körperliche Angriffe, sein. Zu Mobbing zählt aber beispielsweise auch ein dauerhaftes Ausschließen und Übergehen eines Schülers (vgl. Olweus 2004, S. 22f.). Mobbing kann sowohl durch eine einzelne Person als auch durch eine Gruppe von Schülern ausgeübt werden. Meistens mobben zwei oder drei Kinder ein einzelnes Kind. Für die Verwendung der Begriffe Gewalt oder Mobbing muss nach Olweus` Definition ein kräftemäßiges Ungleichgewicht (physisch wie psychisch) vorliegen (vgl. Olweus 2004 S. 23).

Die Psychologin und Aggressionsforscherin Dr. Mechthild Schäfer benutzt den Begriff „Bullying“. Diese Bezeichnung wird vor allem im englischsprachlichen Raum verwendet. Schäfer differenziert in aktives und passives Bullying, sowie in verbales, körperliches und indirektes Bullying. Aktives Bullying bedeutet, dass ein Schüler einen anderen schikaniert oder einschüchtert. Passives Bullying beschreibt die Opferperspektive, also das Erleiden von aggressivem Verhalten durch Mitschüler. Die Hälfte aller Bullying-Handlungen in der Schule finden zwischen zwei Schülern statt. Genauso oft findet man aber auch ein Opfer, welches von mehreren Mitschülern schikaniert wird. Während Jungen mehr körperliches Bullying (z.b. schlagen, spucken, treten) betreiben, ziehen die Mädchen verbales (z.b. hänseln oder drohen) und hauptsächlich indirektes Bullying (z.b. schlecht über jemanden reden oder Gerüchte verbreiten) vor. Das indirekte Bullying, auch Beziehungsaggression genannt, soll soziale Beziehungen manipulieren, also das Opfer von der Gruppe ausschließen. Dazu werden auch andere Personen „benutzt“ und Aktionen in die Wege geleitet, die diesen Ausschluss des Opfers erreichen. Körperliches und verbales Bullying führt der Täter vor allem aus, um seine Macht über das Opfer zu demonstrieren. Studien zufolge werden mehr Jungen als Mädchen schikaniert (vgl. Schäfer 1996a, S. 2ff.).

Die Hälfte aller Bullying-Handlungen in der Schule finden zwischen zwei Schülern statt. Genauso oft findet man aber auch ein Opfer, welches von mehreren Mitschülern schikaniert wird. Das Ausmaß von vor allem körperlichen Bullying nimmt mit zunehmendem Alter ab. „Das heißt, das Ausmaß an Bullying in der Grundschule liegt definitiv über dem in der weiterführenden Schule und enthält außerdem einen höheren Anteil physischer Aggression als zu späteren Zeiten“ (Schäfer 1996a, S. 2).

3. Charakteristika von Opfern und Tätern

3.1. Persönlichkeitsmerkmale von Opfern

Nach Schäfer (1996a) kann zwar nicht jeder zum Täter werden, aber jeder Schüler kann Opfer von Mobbingattacken werden. Es gibt jedoch einige Persönlichkeitsmerkmale, die es wahrscheinlicher machen, Opfer von aktivem Bullying zu werden.

Mobbingopfer haben häufig überprotektive Eltern. Ihr Selbstwertgefühl ist im Vergleich zu dem von Gleichaltrigen gering und sie sind lieber allein als mit anderen zusammen. In der Klasse sind sie unbeliebt und zeigen sich allgemein oft ängstlich und körperlich schwach, was anderen signalisiert, dass sie Probleme haben sich zu wehren (vgl. Schäfer 1996a, S. 6).

Für Olweus weisen Mobbingopfer meistens einige der im Folgenden genannten Merkmale auf. Er unterscheidet zwischen dem passiven und dem provozierenden Opfertyp (vgl. Olweus 2004, S. 42).

3.1.1. Der passive Opfertyp

Diese Schüler sind ruhiger, sensibler und unsicherer als der Durchschnitt. Sie haben ein schlechtes Selbstwertgefühl und sehen sich eher als minderwertig an. Diese Schüler sehen sich auf der Verliererseite. In der Schule sind sie allein und haben meistens keine Freunde. In den Pausen suchen sie die Gesellschaft von Lehrern, um sich vor Angriffen zu schützen. Ihr Auftreten ist ruhig und schüchtern und Gewalt lehnen sie ab. Wenn sie gemobbt werden, weinen sie meistens und ziehen sich zurück (vgl. Olweus 2004, S. 42).

Dieser Typ signalisiert den Tätern, dass er ängstlich und unsicher ist und sich wahrscheinlich nicht wehrt, wenn er angegriffen wird. Oft sind diese Schüler ihren Schulkameraden körperlich unterlegen und reagieren auf Angriffe ängstlich. Vor allem Jungen haben, wahrscheinlich durch ihre körperliche Schwäche bedingt, nicht gelernt, sich bei Gleichaltrigen durchzusetzen. „... Schwierigkeiten, sich in der Gruppe Gleichaltriger zu behaupten“ (Olweus 2004, S. 42). Besonders zur meist überbehütenden Mutter haben die Jungen einen guten Kontakt. Ihre Eltern beschreiben sie als sensibel, vorsichtig und anhänglich. Werden sie jetzt auch noch gemobbt, steigert das ihre Selbstunsicherheit und Angst noch mehr. Ein Teufelskreis entsteht (vgl. Olweus 2004, S. 42f.).

3.1.2. Der provozierende Opfertyp

Diese weitaus kleinere Gruppe von Schülern reagiert sowohl scheu als auch angriffslustig. Häufig haben sie Probleme sich zu konzentrieren und erzeugen durch ihr Verhalten eine Spannung, die in der Klasse negative Reaktionen hervorruft. Ein Teil dieser Kinder kann auch als hyperaktiv bezeichnet werden (vgl. Olweus 2004, S. 43).

3.2. Persönlichkeitsmerkmale von Tätern

Nach Schäfer sind Mobbingtäter oft unberechenbar und haben Probleme ihre Aggressionen zu beherrschen. In ihrer Erziehung haben sie meistens nicht gelernt Konflikte anders als mit Gewalt auszutragen. Täter sind sich der Wirksamkeit ihrer Mobbingstrategien sicher und haben ein Gespür für potentielle Mobbingopfer (vgl. Schäfer 1996a, S. 6).

[...]


[1] Aufgrund der besseren Lesbarkeit habe ich durchgehend die männliche Form verwendet

Ende der Leseprobe aus 33 Seiten

Details

Titel
Mobbing in der Schule
Hochschule
Universität Bielefeld
Note
2,0
Autor
Jahr
2005
Seiten
33
Katalognummer
V49215
ISBN (eBook)
9783638457255
ISBN (Buch)
9783638597876
Dateigröße
475 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Mobbing, Schule
Arbeit zitieren
Julia Deppe (Autor), 2005, Mobbing in der Schule, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/49215

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