Diese Arbeit untersucht die Einflüsse der Leitzinssenkungen im Euroraum auf die europäischen Bankaktien. Nach der Finanzkrise 2007 steuern weltweit die Zentralbanken über ihre Geldpolitik gegen eine mögliche Deflation und versuche, durch Geldmengenerhöhung sowie Zinssenkungen die Konjunktur anzufachen und die Inflation nahe 2% zu halten.
Besonders der Euroraum wurde stark getroffen und mit Zinssenkungen bisher nie gesehenen Ausmaßes belegt. Diese Geldpolitik könnte bestimmte Auswirkungen auf die Wertentwicklung von Bankaktien haben, dessen Ertragslage durch Zinsmargen abhängig ist.
Aus diesem Grund wird in dieser Arbeit mit Hilfe einer Event-Studie untersucht, ob abnormale Renditen abseits der Marktmodellprognose auftreten. Die Event-Studie für die Untersuchung wird dabei nach Campbell et al. durchgeführt und nach dem dort beschrieben 7 Schritte Plan aufgebaut.
Zum genauen Aufbau der Arbeit folgt im nächsten Kapitel eine genaue Beschreibung. Inhaltlich orientiert sich diese Arbeit an Ricci, die die Auswirkungen von Ankündigungen der EZB zum Thema Geldpolitik auf den Bankenmarkt untersucht. Hierbei ist der Kernfund, dass Zinsentscheidung zur Änderung des Leitzinses signifikante Auswirkungen auf Aktienkurse von Banken haben.
Diese Evidenz dient als Basis für die Arbeit und eine Event-Studie soll auf die geldpolitische Ankündigung der EZB vom 10.03.2016, bei dem der Zinssatz für die Hauptfinanzierungsgeschäfte des Eurosystems von 0,05 auf 0,00% gesenkt wurde, angewendet werden. Zusätzlich wurde das Anleihen Kaufprogramm auf 80 Mrd. € ausgeweitet, um die Konjunktur zu befeuern.
Dieses Event wird auf eine Stichprobe von 100 Bankaktien in der Eurozone angewendet. Nach der Untersuchung des Events wird mithilfe des Capital Asset Pricing Models (CAPM) und des 3-Faktormodells nach Fama und French mehrere Signifikanztests durchgeführt, um die Güte der Ergebnisse zu validieren. Im nächsten Kapitel wird das Vorgehen genau definiert.
Inhaltsverzeichnis
Einleitung
Methodik
Event Zeitraum
Daten
Empirische Analyse
Signifikanztest
Bootstrapping
Kolgmogorov-Smirnov Test
Jarque-Beta Test
Wilcoxon-Signed-Rank Test
Anderson-Darling test
Ergebnisse der Verteilungstests
Ergebnisse der Signifikanztests
Zusammenfassung und Ausblick
Zielsetzung & Themen
Diese Arbeit untersucht mittels einer Event-Studie die Auswirkungen der Leitzinssenkungen der Europäischen Zentralbank vom 10. März 2016 auf die Aktienkurse von 100 europäischen Banken, um festzustellen, ob hierdurch signifikante abnormale Renditen abseits der Marktmodellprognose entstanden sind.
- Analyse der geldpolitischen Auswirkungen auf den Bankensektor
- Anwendung einer Event-Studie nach Campbell et al. (1997)
- Verwendung des Capital Asset Pricing Models (CAPM) zur Renditeberechnung
- Validierung der Ergebnisse durch diverse Signifikanz- und Verteilungstests
- Vergleich von empirischen Renditen mit theoretischen Marktmodellprognosen
Auszug aus dem Buch
Methodik
Eine Event-Studie ist ein empirischer Prozess, der die Effekte von neuen Informationen auf Preise von Vermögenswerten misst. In der Praxis befassen sich Wissenschaftler mit der Hypothese, dass ein Event Auswirkungen auf Firmen und auf deren Wert haben werden. Dies folgt in einem Effekt auf den Aktienpreisen der jeweiligen Unternehmen. Welche Event-Studien es gibt und welche Auswirkungen sich mit Ihnen untersuchen lassen beschreiben KOLARI und PYNNÄNEN (2011).
Die Event-Studie wird im Kern nach CAMPBELL et al. (1997) durchgeführt. Die Autoren legen folgenden 7 Punkte Plan fest um eine erfolgreiche Event-Studie durchzuführen.
1. Event Definition: Die Initial Aufgabe umfasst die Auswahl eines klar abzugrenzenden Ereignisses, welches aus einem klar definierbaren Zeitpunkt und oder Zeitraum beschrieben werden kann. Dieser Zeitpunkt und oder Zeitraum sollte im sinnvollen Zusammenhang mit der zu untersuchenden Stichprobe an beispielsweise Aktien und deren Kursentwicklung stehen.
2. Selektionskriterien: Nach der Auswahl des Events sind die Kriterien für die vom Event betroffenen Aktienunternehmen sinnvoll abzugrenzen. Mehr dazu um folgendes Kapitel über die verwendeten Daten.
3. Normale und abnormale Renditen: Um die Auswirkungen eines Events zu messen vergleicht man die abnormalen Renditen, die empirisch über die Kumulation der Renditen über den Event-Zeitraum messen kann, mit den normalen Renditen. Das sind die Renditen, die ohne Auftreten eines Events entstehen sollten. Diese werden mit einem Marktmodell geschätzt.
4. Schätz-Prozess: Stellt die Messung der abnormalen Rendite und normalen Rendite mit dem Marktmodell über den festgelegten Event Zeitraum von beispielsweise 150 Tagen. Dazu später mehr.
5. Test-Prozess: Nach dem Schätzprozess wird das Rahmenwerk für den Hypothesentest auf Signifikanz festgelegt. Wichtig hierbei stellt die Definition der Null Hypothese und die Aggregation der abnormalen Renditen dar.
6. Empirische Ergebnisse: Punkt 6 umfasst die anschauliche Darstellung.
7. Interpretation und Zusammenfassung: Zum Schluss stellen die zusammengetragenen Ergebnisse idealerweise neue Erkenntnisse über ein Event und dessen Auswirkung dar. Zusätzlich kann die Arbeit Diskussionsgrundlage für weitere Arbeit bieten.
Zusammenfassung der Kapitel
Einleitung: Einführung in die Thematik der Leitzinssenkungen und die Definition der Forschungsfrage anhand einer Event-Studie.
Methodik: Darstellung des theoretischen Rahmens und des 7-Punkte-Plans nach Campbell et al. zur Durchführung der Event-Studie.
Event Zeitraum: Definition des Untersuchungszeitraums, einschließlich des Event-Fensters und der Vor- bzw. Nachbetrachtungszeiträume.
Daten: Erläuterung der Datengewinnung über Reuters-Datastream und der angewendeten Filter zur Stichprobenbereinigung.
Empirische Analyse: Mathematische Herleitung der abnormalen Renditen unter Verwendung des CAPM und der Fama-French-Faktoren.
Signifikanztest: Beschreibung der statistischen Testverfahren zur Validierung der Ergebnisse, inklusive Bootstrapping und diverser Verteilungstests.
Ergebnisse der Verteilungstests: Darstellung und Auswertung der Ergebnisse bezüglich der Normalverteilung der Renditen.
Ergebnisse der Signifikanztests: Gegenüberstellung der Ergebnisse aus verschiedenen Testverfahren zur Bestimmung der Signifikanz abnormaler Renditen.
Zusammenfassung und Ausblick: Fazit der Untersuchung mit Interpretation der Ergebnisse und Vorschlägen für weiterführende Analysen.
Schlüsselwörter
Event-Studie, Leitzinssenkung, Europäische Zentralbank, Bankenmarkt, Abnormale Rendite, CAPM, Signifikanztest, Bootstrapping, Finanzmarktforschung, Aktienkurse, Geldpolitik, Portfolioanalyse, Renditeberechnung, Marktmodell, Finanzkrise.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert die Auswirkungen geldpolitischer Maßnahmen, insbesondere von Leitzinssenkungen der EZB, auf die Wertentwicklung von europäischen Bankaktien.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Felder sind die empirische Kapitalmarktforschung, die Anwendung von Event-Studien auf Finanzdaten und die Bewertung von geldpolitischen Ankündigungen.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Ziel ist es, mittels einer Event-Studie zu prüfen, ob die Zinssenkung vom 10. März 2016 zu statistisch signifikanten abnormalen Renditen bei Bankaktien geführt hat.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es wird eine Event-Studie nach Campbell et al. (1997) durchgeführt, wobei zur Berechnung der erwarteten Renditen das Capital Asset Pricing Model (CAPM) herangezogen wird.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil umfasst die methodische Definition, die Datenselektion und -filterung, die mathematische Berechnung abnormaler Renditen sowie die statistische Validierung durch Signifikanztests.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit wird maßgeblich durch Begriffe wie Event-Studie, Leitzinssenkung, abnormale Rendite und Finanzmarkt-Signifikanz geprägt.
Warum wird neben dem CAPM auch das 3-Faktor-Modell erwähnt?
Das 3-Faktor-Modell nach Fama und French wird als alternative Referenz diskutiert, um bekannte Schwächen des CAPM, wie die alleinige Berücksichtigung des Beta-Faktors, auszugleichen.
Wie interpretieren die Ergebnisse das Event vom 10.03.2016?
Die Ergebnisse zeigen zwar eine messbare Schwankung der Renditen am Tag des Events, jedoch liefern die verschiedenen statistischen Tests teilweise widersprüchliche Signifikanzaussagen, was eine eindeutige Interpretation erschwert.
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- Florian Meyer (Author), 2019, Auswirkungen der Leitzinssenkungen auf den europäischen Bankenmarkt, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/492239