Globalisierung und Werte - ökonomische Expansion und kulturelle Konflikte am Beispiel des Iran


Hausarbeit, 2004
18 Seiten, Note: 2,0

Leseprobe

Gliederung

1. Einleitung

2. Globalisierung und Wertetransfer

3. Islamische Gesellschaften und die westliche Moderne
3.1 Westliche Werte, moderne Wissenschaft und Traditionalismus
3.2 Sozialökonomische Verwerfungen in der Folge der Globalisierung

4. Weltmarktanpassung, soziale Desintegration und fundamentalistische Revolution – Das Beispiel Iran.
4.1 Die Bodenreform des Schah
4.2 Die Industrialisierungspolitik des Schah
4.3 Der Wandel der städtischen Sozialstruktur und ihre Folgen

5. Fazit

6. Literatur

1. Einleitung

Kaum ein anderes Wort hat die Debatten in den neunziger Jahren so geprägt, wie das der Globalisierung. Der Terminus Globalisierung steht dabei für einen im Kern ökonomischen Prozess, in dem multinationale Unternehmen als zentrale Akteure Produktion und Absatz im weltweiten Maßstab organisieren und territoriale Grenzen eher Grenzen verschiedener Rechtssysteme aber nicht verschiedener ökonomischer Systeme darstellen. Die Durchdringung vieler Regionen durch Produkte und Produktionsstätten der multinationalen Konzerne vollzieht sich dabei nicht immer reibungslos und konfliktfrei, werden doch mit den Waren und Dienstleistungen auch Konsummuster und Werteinstellungen mit transportiert. Das Schlagwort von der MacDonaldisierung oder, wie es Benjamin Barber genannt hat, der McWorld[1] steht dabei stellvertretend für einen Konflikt oder mindestens den Zusammenprall unterschiedlicher Kulturen und zwar zwischen marktwirtschaftlich, dem Wert der Freiheit (auch des Konsums) verpflichteten „westlichen“ Einstellungen und Werten und den z. T. traditionalen Werten und Einstellungsmustern in den nichtwestlichen Ländern. Dieser Zusammenprall vollzieht sich nicht immer nur lautlos durch Werbung und schleichende Involvierung der nichtwestlichen Regionen in den Prozess der Globalisierung. Widerstand macht sich häufig immer dort breit, wo etablierte Wertesysteme durch die Konfrontation mit der Konsumwelt der McWorld in Widerspruch zu den transportierten Konsum- und Wertemustern geraten und die ökonomische Durchdringung nicht nur Gewinner sondern auch Verlierer erzeugt. In Afrika aber vor allem in den muslimischen Ländern des Nahen und Mittleren Ostens wird dieser Konflikt besonders deutlich. Die Freizügigkeit und die z. T. frivole Lust am Leben, die dort über die Werbung auf traditionale Gesellschaften und deren Werte und Glaubenssysteme trifft, erzeugt eine z. T. gewalttätige Spannung, die die Konflikthaftigkeit der Globalisierung nur allzu deutlich unterstreicht.

Darum beschäftigt sich auch diese Arbeit mit dem Spannungsverhältnis von ökonomischer Globalisierung und regionalen Wertemustern am Beispiel der islamischen Länder. Dabei soll der Frage nachgegangen werden, welchen Beitrag die ökonomische Durchdringung dieser Länder zu den Abwehrreflexen islamischer Gesellschaften auf die westlichen Werte der Modernisierung leistet.

In einem ersten Schritt wird dazu der Prozess der Globalisierung definiert und beschrieben, um dann den ihn begleitenden Prozess des Werte- und Konsummusterexports dieser Entwicklung zu verdeutlichen. Im nächsten Schritt werden die Auswirkungen dieses Prozesses auf islamische Länder am Beispiel des Iran genauer untersucht.

2. Globalisierung und Wertetransfer

Unter dem Terminus Globalisierung wird im Kern ein ökonomischer Prozess weltweiter Durchdringung der Nationalstaaten durch multinationale Unternehmen verstanden. I. e. S. meint Globalisierung „eine Tendenz zunehmender Internationalisierung im Bereich der Ökonomie, genauer des Kapitals und der Form der Produktion, der Kommunikation und der Verkehrslogistik, eine Universalisierung der Konsumnormen, eine Tendenz zur Angleichung der Wertesysteme sowie die globale Dominanz der neoliberalen Ideologie.“[2] Dieser scheinbar unaufhaltsame Prozess erzeugt allerdings auch gegenläufige Tendenzen, vor allem in den so genannten nicht-westlich geprägten Staaten. Die Gegenbewegung wird als Fragmentierung aufgefasst, welche die Determinierung alter oder die Entstehung neuer vertikaler und horizontaler wirtschaftlicher Disparitäten zwischen und innerhalb den Industrie- und Entwicklungsländern einschließlich der uns hier interessierenden kulturellen und sozialen Implikationen umfasst, wie z. B. „die Renaissance von Nationalismen, Ethnizismen und Tribalismen oder die Erscheinung der religiösen Fundamentalisten.“[3]

Der seit den 80er Jahren verstärkt ablaufende ökonomische Prozess der Globalisierung kennt nämlich in seiner Entwicklung und Durchdringung nicht nur Gewinner, denn die Relationen sind weltweit sehr unterschiedlich verteilt. Nahezu 83 Prozent aller weltweiten Direktinvestitionen sind auf die nördliche Hemissphäre und hier im Kern auf die sogenannte Triade aus Europa, USA und Japan konzentriert. Auch der Welthandel wird zu über 80 % zwischen diesen Regionen abgewickelt.[4] Den Rest teilen sich Schwellen- und Entwicklungsländer, die von diesem Vorgang eher als Absatz- denn als Produktionsstandort betroffen sind.[5] Damit ergibt sich auch eine ungleichgewichtige Aufteilung der Gewinner und Verlierersituation. Während von der wachsenden ökonomischen Durchdringung der Welt vor allem die multinationalen Unternehmen der nördlichen Hemissphäre profitieren, sind die übrigen Länder nur als Rohstofflieferanten, Absatzmärkte oder allenfalls als Produktionsstandorte mit niedrigem Lohniveau (Lohnveredelung) interessant. Innerhalb der nachrangig in die Globalisierung eingebundenen Länder profitiert dabei nur eine kleine elitäre Schicht von dieser marginalen Anknüpfung an den weltweiten Prozess, was zu einer Verstärkung der innergesellschaftlichen Lohnspreizung führt und (verteilungs-) konfliktbeladen ist.[6] Vor allem die in der Regel über dem lokalen Lohniveau liegenden Einkommen der an dem Globalisierungsprozess beteiligten Firmen erzeugen bei den übrigen Einwohnern nicht nur Neid und Missgunst, sondern entwertet deren traditionelle Arbeitsleistung und bedroht mithin deren sozialen Status.

Die Globalisierung transportiert aber nicht nur Waren und Dienstleitungen sondern auch ein ganzes Set an „weichen“ Begleiterscheinungen, die für diese Entwicklung ebenso wichtig und zentral sind wie Güter und Service. Diese so genannte kulturelle Ebene umfasst dabei vor allem den Effekt der Universalisierung der Konsumnormen. Coca-Cola, McDonalds, Levis-Jeans, Malboro-Zigaretten sind hierbei nur der offensichtliche warenmäßige Ausdruck der Ausbreitung. Denn mit der Ausdehnung des Absatzes „westlicher“ Güter werden gleichzeitig Lebensstile und Wertesysteme transportiert, die häufig nicht mit den endemischen Verhaltensweisen korrelieren. Die Vehikel der Ausbreitung stellen dabei vor allem die dominante Hollywood-Filmindustrie, westliche Fernseh- und Videoproduktionen[7], die Werbung aber auch Musikvideos von MTV dar. Hier werden Ansichten, Meinungen und Werte über vor allem westliche Lebensweisen verbreitet, die auf die einheimische Bevölkerung und hier insbesondere die Jugendlichen einen prägenden Einfluss ausüben und nicht immer im Einklang mit den tradierten Wertemustern der Elterngeneration stehen. Dies hat natürlich Folgen: Treffen die westlichen Muster auf eine Situation, die mit sozialökonomischen Krisen behaftet ist,

[...]


[1] Vgl. Barber, Benjamin: Coca-Cola und heiliger Krieg. Der grundlegende Konflikt unserer Zeit., Bern (usw.) 20012, S. 27ff

[2] Fricke, Dietmar: Globalisierung und Bürgerkriege. Eine theoriegeleitete Analyse von Globalisierungsprozessen und ihrem Verhältnis zu regionalen Konflikten., Berlin (Diss.) 2000, S. 34

[3] Vgl. Fricke, Dietmar, a.a.o., S. 34

[4] Vgl. Bonder, Michael/Röttger, Bernd/Ziebura, Gilbert: Deutschland in einer neuen Weltära. Unbewältigte Herausforerungen. Opladen 1992, S. 331ff

[5] Vgl. Fricke, a.a.o., S.35ff

[6] Vgl. Fricke, a.a.O., S. 106ff

[7] So ist die deutsche Krimiserie „Derrick“ mittlerweile in weit über 100 Sprachen übersetzt und wird weltweit ausgestrahlt. Die dort transportierten Werte über was erlaubt und was nicht erlaubt ist, werden dabei implizite mitgeliefert. Vgl. Barber, a.a.O., S. 89ff

Ende der Leseprobe aus 18 Seiten

Details

Titel
Globalisierung und Werte - ökonomische Expansion und kulturelle Konflikte am Beispiel des Iran
Hochschule
Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg
Note
2,0
Autor
Jahr
2004
Seiten
18
Katalognummer
V49236
ISBN (eBook)
9783638457378
ISBN (Buch)
9783638751148
Dateigröße
442 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Globalisierung, Werte, Expansion, Konflikte, Beispiel, Iran
Arbeit zitieren
David Beer (Autor), 2004, Globalisierung und Werte - ökonomische Expansion und kulturelle Konflikte am Beispiel des Iran, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/49236

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