Kaum ein anderes Wort hat die Debatten in den neunziger Jahren so geprägt, wie das der Globalisierung. Der Terminus Globalisierung steht dabei für einen im Kern ökonomischen Prozess, in dem multinationale Unternehmen als zentrale Akteure Produktion und Absatz im weltweiten Maßstab organisieren und territoriale Grenzen eher Grenzen verschiedener Rechtssysteme aber nicht verschiedener ökonomischer Systeme darstellen. Die Durchdringung vieler Regionen durch Produkte und Produktionsstätten der multinationalen Konzerne vollzieht sich dabei nicht immer reibungslos und konfliktfrei, werden doch mit den Waren und Dienstleistungen auch Konsummuster und Werteinstellungen mit transportiert. Das Schlagwort von der MacDonaldisierung oder, wie es Benjamin Barber genannt hat, der McWorld steht dabei stellvertretend für einen Konflikt oder mindestens den Zusammenprall unterschiedlicher Kulturen und zwar zwischen marktwirtschaftlich, dem Wert der Freiheit (auch des Konsums) verpflichteten „westlichen“ Einstellungen und Werten und den z. T. traditionalen Werten und Einstellungsmustern in den nichtwestlichen Ländern. Dieser Zusammenprall vollzieht sich nicht immer nur lautlos durch Werbung und schleichende Involvierung der nichtwestlichen Regionen in den Prozess der Globalisierung. Widerstand macht sich häufig immer dort breit, wo etablierte Wertesysteme durch die Konfrontation mit der Konsumwelt der McWorld in Widerspruch zu den transportierten Konsum- und Wertemustern geraten und die ökonomische Durchdringung nicht nur Gewinner sondern auch Verlierer erzeugt. In Afrika aber vor allem in den muslimischen Ländern des Nahen und Mittleren Ostens wird dieser Konflikt besonders deutlich. Die Freizügigkeit und die z. T. frivole Lust am Leben, die dort über die Werbung auf traditionale Gesellschaften und deren Werte und Glaubenssysteme trifft, erzeugt eine z. T. gewalttätige Spannung, die die Konflikthaftigkeit der Globalisierung nur allzu deutlich unterstreicht.
Darum beschäftigt sich auch diese Arbeit mit dem Spannungsverhältnis von ökonomischer Globalisierung und regionalen Wertemustern am Beispiel der islamischen Länder. Dabei soll der Frage nachgegangen werden, welchen Beitrag die ökonomische Durchdringung dieser Länder zu den Abwehrreflexen islamischer Gesellschaften auf die westlichen Werte der Modernisierung leistet.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Globalisierung und Wertetransfer
3. Islamische Gesellschaften und die westliche Moderne
3.1 Westliche Werte, moderne Wissenschaft und Traditionalismus
3.2 Sozialökonomische Verwerfungen in der Folge der Globalisierung
4. Weltmarktanpassung, soziale Desintegration und fundamentalistische Revolution – Das Beispiel Iran.
4.1 Die Bodenreform des Schah
4.2 Die Industrialisierungspolitik des Schah
4.3 Der Wandel der städtischen Sozialstruktur und ihre Folgen
5. Fazit
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht das Spannungsverhältnis zwischen ökonomischer Globalisierung und regionalen Wertemustern am Beispiel islamischer Länder, mit einem besonderen Fokus auf dem Iran, um zu verstehen, wie ökonomische Durchdringung Abwehrreflexe gegenüber westlichen Modernisierungswerten auslöst.
- Prozess der Globalisierung und der damit einhergehende Export westlicher Konsummuster und Werte.
- Sozialökonomische Krisen als Nährboden für die Entstehung von Fundamentalismus.
- Die Rolle der Bodenreform und Industrialisierungspolitik im Iran als Katalysatoren sozialer Desintegration.
- Der Konflikt zwischen traditionellen islamischen Werten und westlicher Moderne als Ursache politischer Radikalisierung.
Auszug aus dem Buch
1. Einleitung
Kaum ein anderes Wort hat die Debatten in den neunziger Jahren so geprägt, wie das der Globalisierung. Der Terminus Globalisierung steht dabei für einen im Kern ökonomischen Prozess, in dem multinationale Unternehmen als zentrale Akteure Produktion und Absatz im weltweiten Maßstab organisieren und territoriale Grenzen eher Grenzen verschiedener Rechtssysteme aber nicht verschiedener ökonomischer Systeme darstellen. Die Durchdringung vieler Regionen durch Produkte und Produktionsstätten der multinationalen Konzerne vollzieht sich dabei nicht immer reibungslos und konfliktfrei, werden doch mit den Waren und Dienstleistungen auch Konsummuster und Werteinstellungen mit transportiert.
Das Schlagwort von der MacDonaldisierung oder, wie es Benjamin Barber genannt hat, der McWorld steht dabei stellvertretend für einen Konflikt oder mindestens den Zusammenprall unterschiedlicher Kulturen und zwar zwischen marktwirtschaftlich, dem Wert der Freiheit (auch des Konsums) verpflichteten „westlichen“ Einstellungen und Werten und den z. T. traditionalen Werten und Einstellungsmustern in den nichtwestlichen Ländern.
Darum beschäftigt sich auch diese Arbeit mit dem Spannungsverhältnis von ökonomischer Globalisierung und regionalen Wertemustern am Beispiel der islamischen Länder. Dabei soll der Frage nachgegangen werden, welchen Beitrag die ökonomische Durchdringung dieser Länder zu den Abwehrreflexen islamischer Gesellschaften auf die westliche Werte der Modernisierung leistet.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Diese Einleitung führt in die Problematik der Globalisierung als ökonomischen Prozess ein, der westliche Werte und Konsummuster exportiert und dabei häufig auf kulturellen Widerstand stößt.
2. Globalisierung und Wertetransfer: Das Kapitel definiert Globalisierung als Prozess weltweiter ökonomischer Durchdringung und beleuchtet die damit verbundenen kulturellen Effekte wie die Universalisierung von Konsumnormen, die oft zu Spannungen führen.
3. Islamische Gesellschaften und die westliche Moderne: Hier wird die gespaltene Einstellung islamischer Länder gegenüber der Moderne analysiert, wobei der Begriff des „Traums von der halben Moderne“ als Ablehnung kultureller Werte bei gleichzeitiger Akzeptanz technischer Errungenschaften erläutert wird.
4. Weltmarktanpassung, soziale Desintegration und fundamentalistische Revolution – Das Beispiel Iran.: Anhand der historischen Beispiele der Bodenreform und der Industrialisierungspolitik des Schah wird aufgezeigt, wie ökonomische Reformen soziale Strukturen destabilisierten und den Weg für den Fundamentalismus ebneten.
5. Fazit: Das Fazit fasst zusammen, dass die ökonomische Globalisierung durch die damit verbundene kulturelle Entwurzelung zur Entstehung fundamentalistischer sozialer Bewegungen beigetragen hat.
Schlüsselwörter
Globalisierung, Islamische Gesellschaften, Fundamentalismus, Wertekonflikt, westliche Moderne, Iran, Bodenreform, Industrialisierung, soziale Desintegration, Konsummuster, Kulturkonflikt, Schahregime, Reislamisierung, ökonomische Expansion, kulturelle Entwurzelung.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht, wie die ökonomische Globalisierung und der damit einhergehende Export westlicher Lebensstile in islamischen Ländern zu kulturellen Spannungen und der Entstehung von Fundamentalismus führt.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zentral sind der Zusammenhang zwischen ökonomischer Durchdringung, der Erosion traditioneller Wertemuster und der darauf folgenden sozialen Radikalisierung.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Das Ziel ist zu klären, welchen Beitrag die ökonomische Globalisierung und die daraus resultierende soziale Verunsicherung zu den Abwehrreflexen gegenüber westlichen Werten in islamischen Gesellschaften leisten.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine theoriegeleitete Analyse, die den Prozess der Globalisierung definiert und dessen Auswirkungen anhand einer Fallstudie zum Iran detailliert untersucht.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil befasst sich mit der theoretischen Verknüpfung von Globalisierung und Wertetransfer, der spezifischen Situation islamischer Gesellschaften und den konkreten wirtschaftspolitischen Maßnahmen im Iran vor 1979.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind Globalisierung, Fundamentalismus, westliche Moderne, soziale Desintegration, kulturelle Entwurzelung und das Beispiel des Irans.
Warum wird gerade der Iran als Beispiel herangezogen?
Der Iran gilt als „Urmutter“ des modernen islamischen Fundamentalismus und bietet ein deutliches Beispiel für die fatalen sozioökonomischen Folgen verfehlter Modernisierungspolitik.
Welche Rolle spielte die Bodenreform des Schahs für die Radikalisierung?
Die Bodenreform führte zur Verarmung der Kleinbauern und erzwang eine Landflucht, wodurch ein sozialer Sprengstoff in den Städten entstand, der die Basis für revolutionäre Bewegungen bildete.
Kann man westliche Technik ohne westliche Werte importieren?
Die Arbeit diskutiert dies als „Traum von der halben Moderne“, kommt jedoch zu dem Schluss, dass die globale Kommunikation und der Konsum westlicher Waren zwangsläufig auch westliche Werte und Lebensweisen mit sich bringen.
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- David Beer (Author), 2004, Globalisierung und Werte - ökonomische Expansion und kulturelle Konflikte am Beispiel des Iran, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/49236