Filmanalyse "Napola–Elite für den Führer"


Seminararbeit, 2019
31 Seiten, Note: 1,7

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Filmanalyse: „Napola – Elite für den Führer“
2.1. Allgemeine Informationen zum Film
2.1.1. Produktion, Kosten & Besetzung
2.1.2. Inhaltsangabe
2.1.3. Filmkritik & Filmwirkung
2.1.4. Genre
2.2. Narrative Ebene
2.2.1. Grundthema, Schlüsselsatz, Grundkonflikt & Filmaussage
2.2.1.1. Grundthema
2.2.1.2. Grundkonflikt
2.2.1.3. Schlüsselsatz
2.2.2. Filmtitel, Zeit & Ort der erzählten Geschichte
2.2.3. Dramatische Struktur
2.2.3.1. Exposition
2.2.3.2. Konfrontation
2.2.3.3. Auflösung
2.2.4. Die Archetypen
2.2.4.1. Der Held
2.2.4.2. Der Mentor
2.2.4.3. Der Herold
2.2.4.4. Der Schwellenhüter
2.2.4.5. Der Gestaltwandler & Schatten
2.2.4.6. Der Trickster
2.3. Visuelle Ebene
2.3.1. Einstellungs-/ & Kameragrößen
2.3.1.1. Super-Totale/Panorama/Weit (extreme long shot)
2.3.1.2. Totale (long shot)
2.3.1.3. Halbtotale (medium long shot)
2.3.1.4. Amerikanisch (american shot)/Halbnah (medium shot)
2.3.1.5. Nah (medium close-up)
2.3.1.6. Groß (close-up) & Detailansicht
2.3.2. Kameraperspektiven
2.3.2.1. Extreme Untersicht (extreme low camera) & Untersicht/Froschperspektive (low shot)
2.3.2.2. Normalsicht (normal camera high)
2.3.2.3. Aufsicht (high shot)
2.3.2.4. Extreme Aufsicht/Vogelperspektive (extreme high shot)
2.3.3. Platzieren und Ernten (planting & payoff)
2.4. Auditive Ebene
2.4.1. Ebenen des Tons
2.4.2. Funktion von Filmmusik
2.4.3. Sprache im Film

3. Vergangenheit im Spielfilm-Ist „Napola“ ein Erinnerungsfilm? 19
3.1. Die ethischen Kriterien
3.1.1. Opferperspektive
3.1.2. Authentizität
3.1.3. Moralische Positionierung
3.1.4. Soziale Kontextualisierung
3.2. Angemessene Darstellung der Vergangenheit

Literaturverzeichnis

1. Einleitung

„Meine Pädagogik ist hart. Das Schwache muss weggehämmert werden. In meinen Ordensburgen wird eine Jugend heranwachsen, vor der sich die Welt erschrecken wird. Eine gewalttätige, herrische, unerschrockene, grausame Jugend will ich.“ 1

Als Adolf Hitler im Jahre 1933 mit der NSDAP an die Macht kommt, war es nicht nur sein Ziel das politische System nach seiner Ideologie auszurichten, sondern ebenso auch die gesamte deutsche Gesellschaft. Hierbei spielten das Bildungssystem und die zukünftige deutsche Generation eine wichtige Rolle in Hitlers Plänen. Keine andere Altersgruppe beanspruchte das Regime in einer vergleichbaren Form für ideologische Indoktrinationen, wie die damaligen Kinder und Jugendlichen. Das komplette Bildungssystem wurde mit den politischen Vorstellungen der Nationalsozialisten synchronisiert und zielte darauf ab, eine neue politische Elite für die Zeit nach dem Endsieg heranzuziehen. In sogenannten Nationalpolitischen Erziehungsanstalten (NPEA) sollten die zukünftigen Führer des deutschen Weltreichs ausgebildet und indoktriniert werden. Wenngleich es viele Filme über die Zeit des Dritten Reichs gibt, so thematisieren nur die wenigen im Schwerpunkt das damalige deutsche Bildungssystem. „Napola – Elite für den Führer“ war somit einer der ersten Filme, welcher die NPEA in den Mittelpunkt des Geschehens rückte.

Die Absicht dieser Seminararbeit besteht darin, diesen genauen Film zu analysieren. Hierfür ist der Beitrag in zwei Hauptkapitel gegliedert. Zuerst sollen dem Leser die allgemeinen Informationen über das Werk nähergebracht werden, bevor in jeweils einzelnen Unterkapiteln die narrative, visuelle sowie auditive Ebene betrachtet wird. In einem letzten Kapitel soll im Schwerpunkt geklärt werden, warum es sich bei „Napola“ um einen Erinnerungsfilm handelt.

2. Filmanalyse: „Napola – Elite für den Führer“

2.1. Allgemeine Informationen zum Film

2.1.1. Produktion, Kosten & Besetzung

„Napola – Elite für den Führer“ ist ein von Olga Film und Seven Pictures produzierter deutscher Spielfilm aus dem Jahr 2004. Der 110-minütige Bildstreifen feierte am 13. Januar 2005 sein Kinodebüt in Deutschland für Besucher ab 12 Jahren. Er erzählt die Geschichte einer Freundschaft zwischen zwei Jugendlichen während ihrer Ausbildung in einer Nationalpolitischen Erziehungsanstalt.2 Die Produktionskosten beliefen sich dabei auf insgesamt 4.5 Millionen US-Dollar, wobei der FilmFernsehFonds Bayern und die FFA – Filmförderungsanstalt, die Hauptstifter des Projektes waren. Der Film war mit 481.141 Zuschauern weltweit einer der erfolgreichsten deutschen Kinofilme im Jahre 2005.3

Anfänglich hatte der Regisseur Dennis Gansel die Absicht, die Hauptrollen mit unbekannten Laien zu besetzen, um dem Publikum eine bestmögliche Identifikation mit den Charakteren zu ermöglichen. Da aber keiner der ausgewählten Schauspieler gut genug war, verwarf er diese Idee wieder und griff auf filmerfahrene Jungschauspieler, wie Max Riemelt und Tom Schilling zurück. Auch die älteren Filmfiguren wurden mit gestandenen und etablierten deutschen Schauspielern besetzt: Devid Striesow, Joachim Bißmeier oder Justus von Dohnányi. Das Drehbuch stammte ebenfalls von Dennis Gansel, in Zusammenarbeit mit Maggie Peren. Die Kameraführung oblag Torsten Breuer, wohingegen Normand Corbeil, sowie Angelo Badalamenti für die musikalische Untermalung des Filmes verantwortlich waren.4

2.1.2. Inhaltsangabe

Zwei ungleiche Jungen, der kräftige, blonde Friedrich und der schmächtige, dunkelhaarige Albrecht, werden Freunde, doch ihre Freundschaft hat keine Zukunft. Sie lernen sich 1942 auf dem Höhepunkt des Hitler-Regimes in der Napola-Schule Allenstein kennen, einer der Erziehungsanstalten, in denen Hitler seine politische Elite für die Zeit nach dem Endsieg heranziehen will. Es sind nicht nur die unterschiedlichen Milieus, die den Jungen im Wege stehen. Friedrich, der aus dem Berliner Arbeiterviertel Wedding kommt, hat die Schule bereits beendet und verdient sich etwas Geld in einem Kohlekeller. Nach dem Willen seines Vaters soll er eine Lehre beginnen. Als großes Boxtalent wird Friedrich von einem Erzieher der Napola umworben, während sein Vater strikt gegen die Aufnahme ist. Albrechts Vater dagegen ist Gauleiter und ein glühender Anhänger des Regimes. Sein Sohn erfährt eine privilegierte Behandlung an der Schule. Doch der sensible Albrecht entspricht so gar nicht dem neuen Menschenbild des NS-Staates und zerbricht als Schöngeist an den grausamen Erziehungszielen. Damit bringt er auch Friedrich zum Nachdenken und zu einer Entscheidung, die ihn gegen das System stellt und die das Ende seiner Jugend bedeutet.5

2.1.3. Filmkritik & Filmwirkung

Insgesamt erhielt „Napola“ sechs Auszeichnungen, darunter den Deutschen Filmpreis (2003) für das beste unverfilmte Drehbuch sowie den Bayrischen Filmpreis (2004) für die beste Regie.6 Der Film wurde durch Filmkritiker als insgesamt „sehr gut“ bis „gut“ bewertet. Die deutsche Internetseite „Cinema.de“ bewertet den Film hierbei mit vier von fünf möglichen Sternen. Die Redaktion der Internetseite, sowie ihre „Community“ waren sich in der Bewertung mehr als einig, wobei sie insbesondere, dass gelungene tiefe Einfühlen in die damalige Zeit, sowie die durch die Filmcharaktere erzeugte Stimmung und Realitätsnähe im Film lobten:

„Wütender und bedrückend inszenierter Rückblick auf die Terrorschulen des Nazi-Reichs.“ 7

Vereinzelt gab es aber auch negative Bewertungen. Die „Frankfurter Allgemeine Zeitung“ und „Die Zeit“ kritisierten u. a. die „Normalisierung“ der damaligen Tatbestände sowie die Popularisierung der nationalsozialistischen Vergangenheit. Der Journalist Hans Günther Pflaum (Süddeutsche Zeitung) verglich den Film mit den „Persilfilmen“ der fünfziger Jahre über die Zeit des Nationalsozialismus, in denen sich Protagonisten „schuldlos in Schuld“ verstrickten.8 Eine durch den Film erwirkte öffentliche Debatte, wie es bei dem ein Jahr zuvor erschienen Film „Der Untergang“ (2004) der Fall gewesen war, entstand nicht. Dennoch existieren viele Materialen für den Schulunterricht, wobei sich diese gründlich mit der Filmhandlung, sowie den damaligen historischen Gegebenheiten befassen.

2.1.4. Genre

Als Genre bezeichnet man eine Gruppe von Filmen, die Gemeinsamkeiten in ihren Motiven oder der Charakterisierung ihrer Figuren aufweisen. Insgesamt existieren zwölf Hauptgenre, in welche Filme eingeteilt werden können.9 Ein Genre ist jedoch nicht nur eine analytische Kategorie, es bildet darüber hinaus auch einen in spezifischer Weise sinnstiftenden Rezeptionsrahmen für das Publikum, welches um Genrekonventionen weiß und Ähnlichkeiten dieser Stereotypen erkennt.10 Jedoch verfügen die verschiedenen Genrebegriffe auch über einige Probleme, wie z.B. ihre Zirkularität, Kategorienvermischung, Sujetverhaftetheit und Eingrenzung.11

Bei dem Film „Napola – Elite für den Führer“ handelt es sich um ein typisches Filmdrama. Im Zentrum dieses Genre stehen Charaktere, die in ihrem Leben vor Entscheidungen gestellt werden, die für ihr zukünftiges Schicksal ausschlaggebend sind. Die im Film dargestellte Handlungsthematik kann dabei durch Verlust, Tod oder Glück geprägt sein.12 In „Napola“ erhält die Hauptfigur Friedrich Weimer dank seines boxerischen Talentes, die Möglichkeit auf eine Napola-Einrichtung aufgenommen zu werden. Zwar kann er hierdurch eine beträchtlich gute schulische sowie sportliche Ausbildung erfahren, doch auf der anderen Seite muss er sich voll und ganz dem nationalsozialistischen System verschreiben, welches für Demütigung, Unrecht und Gewalt steht.

2.2. Narrative Ebene

2.2.1. Grundthema, Schlüsselsatz, Grundkonflikt & Filmaussage

Die erste filmische Analyseebene zielt, auf die im Film dargestellte Thematik sowie seine allgemeine gesellschaftliche Bedeutung, ab. Dadurch haben Spielfilme einen Inhalt, welcher sich in bestimmter Form auf die soziale Welt bezieht. Ferner ist bei dieser Art der Betrachtung darauf zu achten, in welcher Prägung der Inhalt hierbei präsentiert wird und welchen Einfluss er damit auf seine Betrachter hat. Das Grundthema des Filmes spielt dabei eine übergeordnete Rolle. Gemeinsam mit der Filmaussage und dem Schlüsselsatz bilden sie die Grenzen des filmischen Geschehens.13

2.2.1.1. Grundthema

Jeder neuzeitliche Spielfilm verfügt über ein Thema, welches ihn auf ein Kernproblem reduziert. Dieses Thema kann dabei dem Zuschauer in einem kurzen Satz bzw. in einem einzigen Wort offenbart werden. Zusätzlich bringt das Thema zum Ausdruck, wovon die Erzählung im Kern handelt und welches Problem im Zentrum der Handlung steht.14 Das Grundthema im Film „Napola – Elite für den Führer“ handelt von der Verführbarkeit der damaligen deutschen Jugend, durch die scheinbaren verlockenden Attribute des Nationalsozialismus. Der Protagonist Friedrich Weimer muss während seines Abenteuers zwischen Moral und Erfolg abwägen. Auf der einen Seite bietet ihm die NPEA die Möglichkeit, eine gute Ausbildung zu erfahren, doch auf der anderen Seite muss er hierfür einen hohen Preis bezahlen. Diesen Zwiespalt rückt der Regisseur erkennbar von Anfang an in den Fokus des Filmes. Die Dramaturgie, sowie die Illustration bauen sich letztlich drum herum. Dennoch zeigt Dennis Gansel dem Zuschauer nicht nur die Verführbarkeit, sondern reflektiert auch die Wege eines friedlichen Widerstandes gegen ein diktatorisches System.

2.2.1.2. Grundkonflikt

Der im Film dargelegte Grundkonflikt deckt sich überaus eng mit dem Grundthema. Der Protagonist Friedrich äußert zum Anfang des Filmes, dass es sein Ziel ist, seiner sozialen Herkunft zu entfliehen, um ein Teil der zukünftigen deutschen Oberschicht zu werden:

„Das ist die Chance. Da kann ich hinterher alles werden. […] Ich könnte Abitur machen und richtig was werden.“ 15

Jedoch verspielt Friedrich diese Möglichkeit, da er in Folge einer bewusst herbeigeführten Boxniederlage, von der Schule verwiesen wird. Dass er in dem Konflikt zwischen Erfolg und Moral letztendlich doch recht behält, macht die Schrifteinblendung im Epilog deutlich.16

2.2.1.3. Schlüsselsatz

Der Schlüsselsatz des Filmes entstammt aus dem Aufsatz, welchen Albrecht Stein nach den traumatischen Erlebnissen der letzten Nacht, im darauffolgenden Deutschunterricht verfasst. Dabei kritisiert er insbesondere, die durch das System ausgehende Gewalt:

„Als wir zurückkamen, da war mir klar geworden, dass ich selbst Teil des Bösen bin, vor dem ich die Welt immer bewahren wollte.“ 17

Durch seine offene Ablehnung gibt er gleichzeitig zu verstehen, dass er nicht länger Teil dieses verbrecherischen Systems sein möchte. Der Schlüsselsatz korreliert dabei, mit dem im Grundthema angesprochenen friedlichen Widerstand, da Albrecht seine Kritik nicht durch physische Gewalt offenbart, sondern mithilfe eines „harmlosen“ Gedichtes.

2.2.2. Filmtitel, Zeit & Ort der erzählten Geschichte

Mit dem Filmtitel „Napola – Elite für den Führer“ verschafft der Regisseur dem Interessenten sowohl erste Informationen sowie gewisse Erwartungen an den Film. Speziell der Nebentitel: „Elite für den Führer“, gibt eindeutig den zeitlichen Rahmen des filmischen Geschehens vor. Bei gleichzeitiger Betrachtung des Filmplakates erfährt der Betrachter, dass es sich um Jugendliche im Dritten Reich handeln muss.

Der Film beginnt im Spätsommer 1942 im Berliner Arbeiterviertel Wedding, wo die Hauptfigur Friedrich arbeitet und noch im Elternhaus wohnt. Nachdem Friedrich aus Berlin in Richtung Allenstein davonläuft, spielt die restliche Handlung im Internat bzw. in seiner näheren Umgebung. Zum Zeitpunkt der Geschichte wütet der 2. Weltkrieg über Europa und die deutsche Wehrmacht befindet an der Ostfront inmitten ihrer Sommeroffensive. Die deutsche Kriegsmoral ist zu diesem Zeitpunkt recht hoch, da vieles auf den baldigen Endsieg hindeutet.18

2.2.3. Dramatische Struktur

Ein erfolgreicher und viel rezipierter Film basiert meistens auf einer spannenden Geschichte. Heutzutage gibt es viele Drehbuchratgeber, welche mithilfe verschiedener Anleitungen aufzeigen, wie ein gutes Drehbuch entstehen kann. In diesem Sinne hat sich innerhalb des Drehbuchschreibens eine Grundstruktur herauskristallisiert, welche der amerikanische Drehbuchanalytiker Syd Field als Paradigma des filmischen Erzählens bezeichnet. Seiner Einschätzung nach ist ein populärer Film gemäß der „Drei-Akten-Struktur“ aufgebaut, welche aus Exposition, Konfrontation und Auflösung besteht.19

2.2.3.1. Exposition

Im ersten Akt werden die Hauptfigur sowie ihre Lebenssituation vorgestellt. Dabei soll der Zuschauer erfahren, in welcher „Welt“ die Begebenheiten spielen und welches Ziel die Hauptfigur verfolgt. Am Ende der Exposition soll das grundlegende Hindernis, welches den Weg der Hauptfigur versperrt, benannt, und der zentrale Konflikt des Filmes präsentiert, werden. Die Exposition hat darüber hinaus die Funktion, den Zuschauer für das Geschehen zu begeistern. Hierdurch soll er aus seinem alltäglichen Denken herausgerissen werden und sich voll auf den Film einlassen.20

Im ersten Akt von „Napola“ geht es um die Darstellung des Lebens von Friedrich Weimer. Dabei wird dieser eingangs, bei seiner Arbeit in einem Kohlekeller gezeigt. Daraufhin begibt er sich zum Boxen, wobei er gegen einen Napola Schüler kämpfen soll. Trotz seiner Niederlage weckt Friedrich das Interesse von Heinrich Vogler, Lehrer für Deutsch und Boxen auf der Napola in Allenstein. Dieser ist von Friedrichs Boxtalent überzeugt und lädt ihn deshalb, für die am nächsten Tag stattfindende Musterung für die Nationalpolitischen Erziehungsanstalten ein. Nach dem erfolgreichen Abschluss der Musterung untersagt jedoch Friedrichs Vater, seinem Sohn den Wechsel auf eine solche Schule. Ungeachtet dessen reist Friedrich noch in derselben Nacht nach Allenstein.21

Das Ende des ersten Aktes bildet immer der erste Wendepunkt (Plot Point 1). Darunter wird ein überraschendes Ereignis verstanden, welches in die Geschichte eingreift, sie in eine neue Richtung lenkt und das Interesse des Rezipienten verstärkt. Dabei findet eine Umorientierung des Protagonisten statt, weil er vor einer grundlegenden Entscheidung steht.22

Im Film stellt der erste Plot-Point den Abschnitt dar, in welchem Friedrich in Allenstein ankommt. Nach dem Wiedersehen mit Heinrich Vogler begibt sich der Held zur Einkleidung in die Kleiderkammer. Danach erfolgt das Beziehen seiner Stube sowie das Kennenlernen seiner Stubenkameraden. Nach dem Einräumen seiner Ausrüstung, schaut sich Friedrich ein letztes Mal, nun in schwarzer Uniform mit Armbinde gekleidet im Spiegel an und salutiert lächelnd mit Hitlergruß vor dem Spiegel.23

2.2.3.2. Konfrontation

Im zweiten Akt (Konfrontation) lernt der Rezipient die Hauptfigur und seine Handlungsmotivation immer besser kennen. Hierbei muss sich der Protagonist den Schwierigkeiten und den scheinbar unüberwindbaren Hindernissen stellen. Dieser nimmt deshalb den Konflikt auf und versucht diesen, trotz aller Widerstände, zu lösen. Erst wenn sich die Figur auf die neue Situation vollkommen einlässt und bereit ist zu lernen, wird sie auch in der Lage sein, die zahlreichen Aufgaben zu bewältigen, um letztendlich ihr persönliches Ziel zu erreichen. Die Auseinandersetzung des Protagonisten mit den antagonistischen Kräften ist hierbei der leitende Handlungskern während der Konfrontation. Gegen Ende des zweiten Aktes werden die Hindernisse dichter und schier unüberwindbar.24

Der zweite Akt beginnt mit der Bekanntschaft zwischen Friedrich und Albrecht, deren Freundschaft sich im Laufe des Filmes immer weiter verfestigt. Zugleich lernt die Hauptfigur auch die Härten des Systems, sowie die geforderten Ansprüche der NPEA näher kennen. Friedrich muss sich dabei den alltäglichen Konfrontationen stellen, zu welchen insbesondere Disziplin, Stärke, Leistungsbereitschaft sowie Erniedrigungen und Bestrafungen gehören. Friedrich stellt sich seinen Herausforderungen und wächst immer weiter, mit voller Entschlossenheit in das System hinein. Insbesondere die praktisch bezogene Ausbildung erfüllt er mit mehr Leichtigkeit, als die theorielastigen Unterrichte. Doch seine Freundschaft zu Albrecht hilft ihm dabei, auch diese zu meistern. Ferner setzt er sich das Erreichen der Napola-Boxmeisterschaft im kommenden Winter als persönliches Ziel. Mit dem Voranschreiten der Geschichte bannt sich jedoch auch immer mehr die Konfrontation an, welcher sich Friedrich stellen muss. Diese wird hierbei durch verschiedene Ursachen, sowie einem Auslöser gebildet. Als Ursache kann zum einem, der Appell von Albrecht an Friedrich, zu mehr Barmherzigkeit gezählt werden. Zum anderen erfährt der Protagonist spätestens bei dem Unfall am Granatenwurfstand bzw. beim Boxkampf gegen Albrecht, zu welchen Entscheidungen ein Mensch durch permanente Erniedrigungen oder äußeren Druck gebracht werden kann. Der letztliche Auslöser für die Konfrontation und der damit einhergehende Bruch mit dem System erfolgt bei der Erschießung der unbewaffneten russischen Kriegsgefangenen.25

[...]


1 Rauschning, Hermann und Adolf Hitler: Gespräche mit Hitler, 2. Aufl., Wien: Europa-Verl 1988, S. 237.

2 Weyrich, Franz Günther: Filmbegleitheft: Napola – Elite für den Führer, 1. Aufl., München 2005, S. 9.

3 „Top 100 Filme 2005“, 04.12.2012, http://www.insidekino.com/DJahr/D2005.htm (zugegriffen am 20.12.2018).

4 Weyrich: Filmbegleitheft: Napola – Elite für den Führer, S. 5.

5 Conrad, Verena: Napola–Elite für den Führer–Filmheft (Materialien für den Unterricht), München: Springer 2005, S. 4.

6 Weyrich: Filmbegleitheft: Napola – Elite für den Führer, S. 7f.

7 „Napola – Elite für den Führer“, 2005, https://www.cinema.de/film/napola-elite-fuer-den-fuehrer,90470.html (zugegriffen am 20.12.2018).

8 Pflaum, Hans Günther: „Härtetest der Geschichte“, Süddeutsche Zeitung, 13.01.2005, S. 12, hier S. 12.

9 „Filmgenres“, 2006, https://www.film-lexikon.de/Filmgenres (zugegriffen am 20.12.2018).

10 Hesse, Christoph u. a.: Filmstile, Film, Fernsehen, Neue Medien, Wiesbaden: Springer VS 2016, S. 36.

11 Faulstich, Werner: Grundkurs Filmanalyse, UTB Medien- und Kommunikationswissenschaft 2341, 2. Aufl., Paderborn: Fink 2008, S. 30.

12 „Das Filmdrama“, http://www.film-fokus.de/filme/drama/ (zugegriffen am 20.12.2018).

13 Mikos, Lothar: Film- und Fernsehanalyse, UTB Medien- und Kommunikationswissenschaft, Literaturwissenschaft 2415, 2. Aufl., Konstanz: UVK Verl.-Ges 2008, S. 44ff.

14 Bohrmann, Thomas: „Die Dramaturgie des populären Films“, in: Bohrmann, Thomas, Werner Veith und Stephan Zöller (Hrsg.): Handbuch Theologie und populärer Film, Paderborn: Schöningh 2007, S. 15–36, hier S. 14.

15 Filmsequenz zu: Gansel, Dennis: „Napola – Elite für den Führer“, Drama, 15.01.2005: Time Code 0:08:00–0:08:30.

16 Filmsequenz zu: Ebd.: Time Code 1:43:57.

17 Filmsequenz zu: Gansel: „Napola – Elite für den Führer“, Time Code 01:20:40.

18 Scriba, Anulf: „Die deutsche Sommeroffensive 1942“, 19.05.2015, https://www.dhm.de/lemo/kapitel/der-zweite-weltkrieg/kriegsverlauf/sommeroffensive-1942.html (zugegriffen am 20.12.2018).

19 Bohrmann: „Die Dramaturgie des populären Films“, S. 15.

20 Ebd., S. 15f.

21 Gansel: „Napola – Elite für den Führer“: Time Code 0:00:00–0:13:20.

22 Bohrmann: „Die Dramaturgie des populären Films“, S. 16.

23 Gansel: „Napola – Elite für den Führer“: Time Code 0:13:20–0:18:08.

24 Bohrmann: „Die Dramaturgie des populären Films“, S. 17.

25 Gansel: „Napola – Elite für den Führer“: Timecode 0:23:40–1:16:27.

Ende der Leseprobe aus 31 Seiten

Details

Titel
Filmanalyse "Napola–Elite für den Führer"
Hochschule
Universität der Bundeswehr München, Neubiberg
Note
1,7
Autor
Jahr
2019
Seiten
31
Katalognummer
V492375
ISBN (eBook)
9783668994805
ISBN (Buch)
9783668994812
Sprache
Deutsch
Schlagworte
filmanalyse, napola–elite, führer
Arbeit zitieren
Georg Rosenkranz (Autor), 2019, Filmanalyse "Napola–Elite für den Führer", München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/492375

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