Diese Arbeit versucht zu beantworten, ob die Dolchstoßlegende für das Scheitern der Weimarer Republik nur zwölf Jahre nach ihrer Gründung verantwortlich war.
Damit auf die Forschungsfrage akkurat geantwortet werden kann, wird zunächst der terminologische Unterschied zwischen einer Legende beziehungsweise Lüge, mit Bezug auf die Dolchstoßlegende, erläutert. Anschließend geht der Autor auf die Entstehungsgeschichte der Weimarer Republik ein. Im Schwerpunkt werden hierbei all die Begebenheiten besprochen, die für die Ausgangsposition der Dolchstoßlegende besonders wichtig waren. Danach wird die Entstehungsgeschichte sowie die hinter der Dolchstoßlegende stehende Absicht vonseiten der Obersten Heeresleitung aufgezeigt. Abschließend soll beantwortet werden, warum sich die Legende so wirkungsvoll in der Weimarer Republik ausbreiten konnte und was ihre genaueren politischen Auswirkungen waren.
Die Dolchstoßlegende ist noch bis heute eine der wirkungsvollsten Verschwörungstheorien der neueren deutschen Geschichte. Die Entstehungsgeschichte der Dolchstoßlegende geht auf die deutsche Kriegsniederlage im Ersten Weltkrieg und ihre verheerenden Auswirkungen auf die deutsche Gesellschaft zurück. Doch konnte eine derartige Lüge einen solch immensen Einfluss entfalten, um damit letztlich den Staat in die Knie zu zwingen?
Inhaltsverzeichnis
1. EINLEITUNG
2. DER DOLCHSTOß
2.1. LEGENDE ODER LÜGE?
2.2. „DER DOLCH“: URSPRUNG SEINER NEGATIVEN KONNOTATION IM DEUTSCHEN SPRACHGEBRAUCH
3. DIE ENTSTEHUNG DER WEIMARER REPUBLIK
4. DIE DOLCHSTOßLEGENDE
4.1. DIE ENTSTEHUNG
4.2. DIE ABSICHT
5. DIE AUSWIRKUNGEN
5.1. DIE GRÜNDE FÜR DIE WIRKSAME AUSBREITUNG DER LEGENDE
5.2. POLITISCHE AUSWIRKUNGEN
6. FAZIT
Zielsetzung & Themen
Diese Arbeit untersucht die Entstehung und Verbreitung der Dolchstoßlegende nach dem Ersten Weltkrieg und analysiert deren verheerende Auswirkungen auf die Stabilität und politische Kultur der Weimarer Republik. Dabei wird insbesondere der Rolle der Obersten Heeresleitung bei der gezielten Instrumentalisierung dieses Mythos nachgegangen.
- Terminologische Abgrenzung von Legende und Lüge
- Entstehungsgeschichte der Weimarer Republik und ihrer Belastung durch den Versailler Vertrag
- Analyse der Rolle von Hindenburg und Ludendorff bei der Konstruktion der Legende
- Untersuchung der psychologischen und politischen Gründe für die Akzeptanz des Mythos in der Bevölkerung
- Auswirkungen der Dolchstoßlegende auf die Demokratiefeindlichkeit und politische Radikalisierung
Auszug aus dem Buch
4.1. Die Entstehung
Der anscheinend erste nachweisbare Beleg für die Behauptung, die Heimat habe die Front nicht nur im Stich gelassen, sondern wäre dieser auch im entscheidenden Moment in den Rücken gefallen, stammt aus einem Artikel der „Neuen Züricher Zeitung“ vom 17. Dezember 1918. Der Bericht mit dem Titel: „Ein englischer General über die Ursachen des deutschen Zusammenbruchs“, war eine anonyme Zusammenfassung zweier englischer Zeitungsartikel des englischen Generals Sir Frederick Maurice über den Zusammenbruch der deutschen Armee. Der damalige Report schließt dabei mit dem folgenden Satz:
„Was die deutsche Armee betrifft, so kann die allgemeine Ansicht in das Wort zusammengefaßt werden: Sie wurde von der Zivilbevölkerung von hinten erdolcht.“
Ferner untermauerte der anonyme Korrespondent im weiteren Verlauf seines Artikels, dass die angebliche Meinung des Generals Maurice bezüglich des deutschen Versagens im 1. Weltkrieg auch von anderen Personenkreisen geteilt wird:
„In anderer Form habe ich so ziemlich überall, in den verschiedensten Kreisen dieselben Ansichten […] gefunden, wie sie General Maurice aussprach.“
Der Text erweckte gegenüber dem Leser den irrigen Eindruck, nicht der unbekannte Journalist, sondern der britische General selber habe diese Worte gesprochen. Die Tatsache, dass ein ehemaliger Kriegsgegner sich die deutsche Niederlage nur durch den Verrat der Heimat an der Front erklären konnte, war Wasser auf die Mühlen derer, die in den nächsten Monaten und Jahren den „Linken“ in Deutschland vorwarfen, sie und nicht das Militär hätten die Kriegsniederlage verschuldet. Sie hätten der heldenhaft kämpfenden Front mit ihren revolutionären Umtrieben den Dolch in den Rücken gestoßen.
Zusammenfassung der Kapitel
1. EINLEITUNG: Einführung in die Thematik der Dolchstoßlegende als einflussreiche Verschwörungstheorie und Darstellung der zentralen Forschungsfrage zur Stabilität der Weimarer Republik.
2. DER DOLCHSTOß: Untersuchung der terminologischen Unterschiede zwischen Legende und Lüge sowie die Analyse der negativen sprachlichen Konnotation des Begriffs Dolch.
3. DIE ENTSTEHUNG DER WEIMARER REPUBLIK: Überblick über das Ende des Ersten Weltkrieges, die Auswirkungen des Versailler Vertrages und die gesellschaftlichen Umbrüche, die zur Gründung der neuen Staatsform führten.
4. DIE DOLCHSTOßLEGENDE: Analyse der Ursprünge der Legende in der Berichterstattung sowie die gezielte Verbreitung durch die Oberste Heeresleitung unter Hindenburg und Ludendorff.
5. DIE AUSWIRKUNGEN: Erörterung der Gründe für die Wirksamkeit des Mythos in der Bevölkerung und Darstellung der massiven politischen Folgen für das demokratische System.
6. FAZIT: Zusammenfassende Bewertung der Dolchstoßlegende als Instrument zur Diskreditierung der Demokratie und Einordnung ihrer historischen Bedeutung.
Schlüsselwörter
Dolchstoßlegende, Weimarer Republik, Erster Weltkrieg, Paul von Hindenburg, Erich Ludendorff, Verschwörungstheorie, Versailler Vertrag, Novemberrevolution, politische Radikalisierung, OHL, deutsche Geschichte, Heimatfront, Demokratie, Propaganda, Verrat.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundlegend?
Die Arbeit analysiert die historische Entstehung und die politische Instrumentalisierung der sogenannten Dolchstoßlegende nach dem Ersten Weltkrieg und deren schädigende Wirkung auf die junge Weimarer Republik.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zentrale Themen sind die psychologische und propagandistische Nutzung der Kriegsniederlage, die Rolle der militärischen Führung und die Destabilisierung der parlamentarischen Demokratie durch rechtsextreme Akteure.
Was ist die primäre Forschungsfrage?
Die Forschungsfrage befasst sich damit, wie eine Lüge einen derart immensen Einfluss entfalten konnte, um eine gesamte Staatsform wie die Weimarer Republik in die Knie zu zwingen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit stützt sich auf eine fundierte Literaturanalyse und die historische Aufarbeitung von Primärquellen, Zeitungsartikeln und Memoiren der damaligen Zeit.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil beleuchtet die Entstehungsgeschichte der Legende, die Absichten der führenden Generäle sowie die Gründe für die breite gesellschaftliche Akzeptanz des Dolchstoß-Mythos.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit wird durch Begriffe wie Dolchstoßlegende, Weimarer Republik, Hindenburg, Ludendorff, Propaganda, Schuldzuweisung und Demokratiefeindlichkeit charakterisiert.
Welche Rolle spielt die Oberste Heeresleitung bei der Verbreitung der Legende?
Die OHL unter Hindenburg und Ludendorff nutzte die Legende gezielt, um die Verantwortung für die Kriegsniederlage auf demokratische Politiker und die „Linken“ abzuwälzen und sich selbst als „unbesiegt“ darzustellen.
Wie wurde das Motiv des Dolchstoßes kulturell verankert?
Das Motiv wurde durch literarische Parallelen, etwa zum Nibelungenlied, und durch eine gezielte Kampagne in den Medien und auf Flugblättern tief in das kollektive Bewusstsein der deutschen Bevölkerung eingebettet.
Warum war die Dolchstoßlegende für die Weimarer Republik so gefährlich?
Sie schuf einen Teufelskreis aus Diskreditierung und Misstrauen, der die junge Demokratie handlungsunfähig machte, Anhänger radikalisierte und schließlich den Weg für die Machtübernahme der Nationalsozialisten ebnete.
- Arbeit zitieren
- Georg Rosenkranz (Autor:in), 2019, Ist die Dolchstoßlegende für das Scheitern der Weimarer Republik verantwortlich?, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/492376