Die Alternative für Deutschland (AfD). Partei der Unterschicht?

Eine Analyse anhand der Sinus-Milieus


Hausarbeit (Hauptseminar), 2018
21 Seiten, Note: 2,3

Leseprobe

Inhalt

1 Einleitung

2 Die Alternative fur Deutschland (AfD)
2.1 Die Partei
2.3 Das Wahlprogramm der AfD fur die Bundestagswahl 2017

3 Analyse der Wahlergebnisse anhand der Sinus-Milieus
3.1 Die Sinus-Milieus
3.2 Die Ergebnisse der AfD bei der Bundestagswahl 2017 unterteilt in die Sinus-Milieus
3.3 Auswertung der Wahlergebnisse der AfD nach den Sinus - Milieus

4 Fazit

Literaturverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

1 Einleitung

Die im Jahr 2013 gegrundete Alternative fur Deutschland (AfD) polarisiert seit ihrer Grundung die politische Debatte in Deutschland. Vor allem die undurchsichtige Abgrenzung zu rechtspopulistischen und rechtsextremen Positionen, hauptsachlich hervorgerufen durch umstrittene Aussagen der fuhrenden Parteimitglieder in der Offentlichkeit und in sozialen Medien, fuhren zu oftmals hitzigen Diskussionen, die der Partei offentliche Aufmerksamkeit bringt. Schon zur Bundestagswahl 2013 erzielte die AfD, obwohl sie erst wenige Monate zuvor gegrundet wurde, einen Anteil von 4,7 % (Bundeswahlleiter2013) der Wahlerstimmen und verfehlte somit nur knapp den Einzug in den Bundestag (5 %-Hurde: Eine Partei braucht mindestens 5% der Zweitstimmen um in den Bundestag einzuziehen, vgl. Bundeszentrale fur politische Bildung 2009). Bis zur Bundestagswahl 2017 gelang es der AfD in fast alle Landtage der Bundeslander einzuziehen und ist mittlerweile (Stand: Januar 2018) in allen Landtagen der Bundesrepublik Deutschland vertreten. Auch die Bundestagswahl 2017 konnte die AfD als Erfolg verbuchen. Durch ihre „nationalkonservative, neurechte und rechtspopulistische" (Hausler 2016, S.1) Positionierung, konnte die AfD viele Wahlerstimmen gewinnen und mit 12,6 % (Bundeswahlleiter 2017) der Wahlerstimmen in den Bundestag als drittstarkste Partei einziehen.

In der offentlichen politischen Debatte bildet sich oft eine Darstellung der AfD als Partei der unteren Mittelschicht und Unterschicht heraus („Viele AfD Wahler aus unterer Mittelschicht" vgl. Stuttgarter Zeitung, 2017 oder „Prekare Schichten oder Professoren - wer wahlte AfD?" vgl. Kaiser, 2017). Doch kann man die Wahler der AfD so undifferenziert einfach einteilen?

In der vorliegenden Hausarbeit erfolgt eine Analyse der Wahlerschaft der AfD mit Hilfe der in der Soziologie beheimateten und entwickelten Sinus-Milieus eine Erorterung der Verteilung der Wahlerstimmen bei der Bundestagswahl 2017 anhand dieser gesellschaftlichen Einordnung. Erganzend werden Beweggrunde der AfD-Wahler basierend auf dem Wahlprogramm der AfD bei der Bundestagswahl 2017 analysiert, um die aufgestellte These „Die Alternative fur Deutschland (AfD) - Partei der unteren Mittelschicht und Unterschicht" zu diskutieren. Hierzu wird die Partei selbst und deren Wahlprogramm kurz vorgestellt, um die Beweggrunde der Wahler darlegen zu konnen, die die Partei gewahlt haben.

2 Die Alternative fur Deutschland (AfD)

2.1 Die Partei

Der 6. Februar 2013 gilt als der Tag der formellen Parteigrundung der Alternative fur Deutschland (AfD). Kritiker, darunter viele aus der CDU, die die Europapolitik der Bundesregierung bzw. die Politik Angela Merkels in Frage stellten, grundeten zuvor die „Wahlalternative 2013" aus der an diesem Tag die AfD entstand (vgl. Kleinert 2018, S.17). DerGrundungsparteitag fand am 14. April 2013 statt. (vgl. Amann 2017, S.59). Deraktuell bekannteste Vertreter dieses Grundungszeitraums ist Alexander Gauland, der heute einer der Fraktionsvorsitzenden der Bundestagsfraktion der AfD ist und sich zusammen mit Jorg Meuthen das Amt des Bundessprechers der AfD teilt. Die damaligen „Fuhrungspersonlichkeiten“ und Bundessprecher der Partei waren Bernd Lucke, Konrad Adam und Frauke Petry. Der Ursprung des Namens selbst stammte schon aus dem Jahre 2010, als Angela Merkel das „Rettungspaket“ fur Griechenland als „alternativlos“ bezeichnete (vgl. Kleinert 2018, S.18). „Der konkrete Anlass fur die Grundung der AfD ist die europaische Wirtschaftskrise, die zu einer Entzweiung der Unternehmensverbande in Deutschland hinsichtlich der Griechenlandpolitik fuhrte" (vgl. Kemper (in Hausler) 2016, S. 82). Durch die „Anti-Europa“-Haltung und dem offentlich-wirksamen Grundungparteitag konnte die Partei, die am Grundungsparteitag die zuvor Genannten zu ihren Bundessprechern wahlten, einen groRen Mitgliederzustrom verbuchen. Allerdings zeigten Gegner und ein GroRteil der Offentlichkeit hier schon Beruhrungspunkte der AfD mit der rechten Szene auf. Diese Vorwurfe ziehen sich bis heute wie ein Roter Faden durch die junge Geschichte der Partei.

Die Bundestagswahl 2013, die nur wenige Monate nach der Grundung stattfand, konnte trotz des verpassten Einzugs in den Bundestag als Erfolg verbucht werden. Mit 4,7 % (Bundeswahlleiter 2013) scheiterte man denkbar knapp an der „5 %-Hurde“. Die Hauptthemen, die die Partei aufgriff um Mitglieder zu mobilisieren, waren die Kritik an der aktuellen Europapolitik der Bundesregierung und viele weitere Felder, die gegen die Regierung Merkel gerichtet waren (z. B.: die Rolle des Islams in Deutschland). Ein erster Wahlerfolg konnte bei der Europawahl im Mai 2014 verbucht werden, bei der der AfD mit 7.1 % der Stimmen den Einzug ins Europaparlament gelang (vgl. Kleinert 2018, S.1).

Die Landtagswahlen in den darauffolgenden Jahren konnten aus Sicht der AfD alle positiv gestaltet werden. Bis zur Bundestagswahl 2017 gelang es der AfD in allen Landtagen vertreten zu sein, die in diesem Zeitraum gewahlt wurden. In einigen Bundeslander konnten beachtliche Ergebnisse mit teilweise uber 20 % der Stimmanteile verbucht werden (siehe Abb. 1). In die Landtage der Bundeslander Bayern und Hessen zogen sie im Oktober 2018 ein und erreichten somit ihr Ziel in allen Landtagen vertreten zu sein.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 1: Wahlergebnisse der AfD bei den letzten Landtagswahlen bis 2018 (Quelle: eigene Darstellung nach Zicht/Cantow)

In den Jahren zuvor zeigte sich die Partei oftmals aber nicht als einheitlich. Streitigkeiten uber die Ausrichtung der Partei und personelle Differenzen fuhrten zu vielen meist offentlichen Streitigkeiten innerhalb der AfD. Die Differenzen mundeten unter anderem in einer Spaltung der Partei im Jahr 2015. Bernd Lucke, der Parteigrunder der Alternative fur Deutschland, der eher dem gemaRigt-konservativem Flugel angehorte, musste eine herbe Niederlage an einem Parteitag in Essen am 03.Juli 2015 gegen Frauke Petry, die die Partei rechtskonservativer anlegte, hinnehmen und spaltete sich mit Anhangern seiner eurokritischen Haltung von der Partei ab. Circa 20 % der Mitglieder traten mit Bernd Lucke aus der Partei aus (vgl. Pfahl-Traughber 2019, S. 6). In der Offentlichkeit wurde diese Spaltung als deutliche Schwachung und als „Rechtsruck“ der AfD interpretiert (vgl. Schneider, 2015). Jedoch forderte die Fluchtlingskrise im Herbst 2015, verbunden mit der Grenzoffnung der Regierung, den Unmut nennenswerter Teile der Bevolkerung (vgl. Kleinert 2018, S. 2). Die AfD richtete ihre Programmatik, wie schon fur die Bundestagswahl 2017, dementsprechend aus und zog somit viele Wahler auf seine Seite. Aber auch Frauke Petry und ihr Ehemann Marcus Pretzell konnten durch diverse interne Streitigkeiten (z. B.: Umgang mit den „Grenzfallen“ Gedeon und Hocke) und unterschiedlichen Ansichten, vor allem bezuglich Jorg Meuthen, Alexander Gauland und Beatrix von Storch, den Bundesvorsitz der AfD nicht bis zur Wahl 2017 innehalten.

Die Bundestagswahl 2017 ist der bisherige Hohepunkt der Parteigeschichte. Mit 12,6 % (vgl. Bundeswahlleiter 2017) konnte die Partei als drittstarkste Partei in den Bundestag einziehen. Das Wahlprogramm der AfD zur Bundestagswahl 2017 wird im Kapitel 2.3 naher erlautert. Die aktuellen Fraktionsvorsitzenden sind Alice Weidel und Alexander Gauland. Den Parteivorsitz teilen sich Alexander Gauland und Jorg Meuthen. Immer wieder sorgt die AfD durch ihre politischen Haltungen und Handlungen im Bundestag seitherfur Aufsehen (z. B.: Aufforderung zur Einhaltung der parlamentarischen Ordnung und geschlossenes Verlassen des Bundestags).

2.3 Das Wahlprogramm der AfD fur die Bundestagswahl 2017

Um die Wahl im spateren Teil der Arbeit zu analysieren ist es erforderlich das Wahlprogramm der Alternative fur Deutschland kurz vorzustellen. So wird nachvollziehbar, inwieweit die AfD durch ihr Programm bewusst verschiedene Milieus angesprochen hat. Deshalb werden im Folgenden die zentralen Punkte des Wahlprogramms der AfD fur die Bundestagswahl 2017 dargestellt.

Wirtschaftspolitisch zielt die AfD auf europaischer Ebene zwar auf einen europaischen Binnenmarkt ab, mochte aber keineswegs, dass Deutschland fur die Staatschulden anderer europaischer Lander aufkommen muss. Der Austritt aus dem Euroraum sowie die Abschaffung des Euros und die Einfuhrung einer starken, nationalen Wahrung sind ein zentrales Ziel der Partei. (vgl. Zudilin 2017). AuRen- und Sicherheitspolitisch soll Deutschland seine eigenen Interessen in den Vordergrund stellen, das Verhaltnis mit anderen Staaten uberdenken und wieder eine starke Armee zur Verfugung haben (vgl. AfD 2017, S.11). Deshalb soll auch die Wehrpflicht wieder eingefuhrt werden. Der wohl im Nachhinein wichtigste Punkt des Parteiprogramms, ist die Einstellung zur Fluchtlingspolitik, obwohl der Hohepunkt dieser Krise zur Bundestagswahl hin schon verflachte. Schnellere Abschiebungen, „Kontrollen an deutschen Grenzen und auch die „SchlieRung“ dieser" (vgl. Lemonakis 2017) sind zentrale Forderungen der AfD. Des Weiteren soll auch die „Einwanderung in die Sozialsysteme" (vgl. AfD 2017, S. 17) und die Ausbreitung des Islams in Deutschland verhindert werden. Das Familienbild der AfD ist traditionell und konservativ durch die Gemeinschaft von Mutter, Vater und Kind/ern gekennzeichnet und die Familie soll starker, u.a. durch Sozialsysteme, unterstutzt werden. Des Weiteren sprechen sie sich fur eine hohere Grundsicherung bzw. (hoherer) Mindestlohn, eine Senkung der Mehrwertsteuer und gegen die Einfuhrung einer Vermogenssteuer aus. So will die AfD, die ursprunglich mit einem okonomischen Hintergrund gegrundet wurde, sich auch als eine Partei darstellen, der die soziale Gerechtigkeit am Herzen liegt (vgl. Fiedler 2017) und besonderen Wert auf Tradition und Kultur des Landes legt.

Dies sind die zentralen Aspekte des Wahlprogramms der AfD, die, wie man am Wahlergebnis der Bundestagswahl 2017 sehen kann, viele Wahler angesprochen haben und bei der nachfolgenden Analyse der Wahlerschaft eine entscheidende Rolle spielen.

[...]

Ende der Leseprobe aus 21 Seiten

Details

Titel
Die Alternative für Deutschland (AfD). Partei der Unterschicht?
Untertitel
Eine Analyse anhand der Sinus-Milieus
Hochschule
Technische Universität Kaiserslautern
Note
2,3
Autor
Jahr
2018
Seiten
21
Katalognummer
V492611
ISBN (eBook)
9783668990135
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Deutschland, Prekär Milieu, AfD, Alternative, Prekär
Arbeit zitieren
Patrick Schulze (Autor), 2018, Die Alternative für Deutschland (AfD). Partei der Unterschicht?, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/492611

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