Interkulturelles Lernen in der Grundschule


Hausarbeit, 2019
11 Seiten, Note: 1,7
Anonym

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Einleitung

Die Bedeutung von Bildung im Integrationsprozess

Sprachliche Identität

Das Unterrichtsprinzip „Interkulturelles Lernen“

Umsetzung des Unterrichtsprinzip „Interkulturelles Lernen“ in der schulischen Praxis

Lösungsansätze

Zusammenfassung

Literaturverzeichnis

Einleitung

Ein zentraler Bestandteil meiner Arbeit als Grundschullehrerin wird sein, Schülerinnen und Schüler mit einer anderen Erstsprache als Deutsch das Gefühl zu geben, sicher in der deutschen Sprache zu werden und dabei aber ihre Erstsprache wertzuschätzen, sowie mit zu berücksichtigen.

Die deutsche Gesellschaft unterliegt einem dauerhaften Wandel in sozialen, demografischen, kulturellen und sprachlichen Strukturen. Wobei die Migrationen einen nicht unerheblichen Beitrag dazu leisten. Im Bereich der Schule zeigen Schulleistungsstudien, wie PISA; IGLU u.a., dass eine systematische Benachteiligung von Kindern und Jugendlichen mit Migrationshintergrund vorliegt.1 Nicht erst zum jetzigen Zeitpunkt ist es eine Tatsache, dass zunehmend mehr Kinder mit unterschiedlichen Erstsprachen und verschiedenen soziokulturellen Hintergründen öffentliche Schulen besuchen. Die Institution Schule und ihr Personal muss auf die zunehmend sprachliche und kulturelle Vielfalt fachlich qualifizierte Antworten für die pädagogische Arbeit entwickeln. Leider bezeichnen die Bildungspolitik und Bildungstheorie Abweichungen von einer virtuellen Norm als Defizite, oder sogar Störung.2 Schülerinnen und Schüler haben nicht nur ein sprachliches Defizit, sondern zusätzlich auch ein Kulturdefizit.3 Das Schulsystem reagiert auf diese Pluralität nur durch kompensatorische Maßnahmen, Differenzierungen und teilweise auch mit Ausgrenzung.4

Die Vielfalt als Bereicherung anzusehen und nicht den Schwerpunkt auf das Erlernen der deutschen Sprache und Kultur zu legen, um in das Muster des deutschen Schulsystems zu passen, ist leider noch nicht ausreichend passiert.

Die Bedeutung von Bildung im Integrationsprozess

Bildung ist in Deutschland die Grundlage, um Partizipationschancen im Beruf und im gesellschaftlichen Leben zu erlangen. Außerdem ist Bildung eine Voraussetzung für die Zukunftsfähigkeit einer Gesellschaft, sowie durch Bildung in Deutschland die Chancengerechtigkeit geschieht.

In öffentlichen Debatten über Integration ist die sprachliche Bildung der Kern der Problematik. Doch diese isolierte Ausrichtung auf die deutsche Sprache greift in mehrerer Hinsicht zu kurz. So sollte neben der sprachlichen Bildung auch die individuelle und gesellschaftliche Mehrsprachigkeit berücksichtigt und positiv bewertet werden. Genauso wie alle anderen Kenntnisse, Fertigkeiten, Fähigkeiten und Einstellungen berücksichtig werden sollten, die für die Persönlichkeitsentwicklung des Einzelnen und auch für eine pluralistische, demokratische Einwanderungsgesellschaft unerlässlich sind.5 Nicht nur für die Einwanderungsgesellschaft, sondern für die gesamte Gesellschaft ist eine konstruktive Auseinandersetzung mit sprachlicher, kultureller, religiöser Pluralität mit unterschiedlichen Formen von Diversitäten wichtig. Somit ist die Interkulturelle Bildung zusammenhängender Bestandteil von Allgemeinbildung.6

Sprachliche Identität

Die Erstsprache spielt für die Identität und die positive Selbstidentifikation eines Menschen eine wichtige Rolle. Auch für die Spracherwerbsfähigkeit ist die Erstsprache entscheidend. Doch in Schulen werden diese Sprachkompetenzen überhaupt nicht beachtet, da die deutsche

Sprache in unserem Schulsystem einen sehr hohen Stellenwert zugeschrieben bekommt.7 Schülerinnen und Schüler dürfen oftmals in der Schule und den Pausen nur die deutsche Sprache anwenden. Denn die Institution und dessen Personal ist der Meinung, dass dies der einzige Ort ist, an dem die Kinder eine Chance haben Deutsch zu lernen.8 Die Fachliteratur betont die Erstsprache, da diese dem Menschen den Zugang zum Weltbild eröffnet.9 Auch die Kommunikation der Kinder mit Migrationshintergrund läuft meistens in einer „Kommunikationssprache“ ab, die auf der jeweiligen Erstsprache basiert, aber multiethnische Ausformungen erhält.10 So ergeben sich „ neue Funktionswörter wie „lassma“ und „musstu“ („lass uns mal“ und „musst du“) und Zusammenziehungen wie „ischwör“ („ich schwöre“), mit dem eine Aussage bekräftigt wird – ganz ähnlich, wie umgangssprachlich die Zusammenziehung „glaubich“ eine Aussage abschwächt. Das Wort „so“ wird nicht nur zum Vergleich verwendet, sondern auch zur Betonung („Ich höre Alpa Gun, weil er so aus Schöneberg kommt.“), so entsteht ein neues Funktionswort, das wir übrigens auch außerhalb von Kiezdeutsch finden. Das ist nicht schlampig formuliert, sondern hat System.“11 Oft wird der Identitätsbegriff so formuliert, dass ein „Ich-Kern“ das Zentrum der Persönlichkeit bildet, dieser an eine bestimmte Herkunft und Sprache gebunden ist. Identität ist hier somit eine wechselseitige Beziehung zwischen einem dauernden Sich-Selbst-Gleichsein und eine dauernde Teilhabe an bestimmten gruppenspezifischen Charakterzügen. So klingt es, als würde Identität als eine Eigenschaft gedacht werden, die den Menschen sein ganzes Leben begleitet.12 Denkt man dieses nur aus dieser Sicht, hört es sich an als würden Menschen mit Migrationshintergrund alle unter Identitätsproblemen leiden. Zusätzlich entsteht die Vorstellung, dass die Herkunftsländer durch ihre Sprache repräsentiert werden und sich alle Menschen mit ihrem Herkunftsland, sowie ihren Vorfahren positiv identifizieren. So kommt

es dazu, dass die Sprache verdinglicht wird und sie allein dazu führt, dass sich die Sprecherin/ der Sprecher wohl fühlt. Judith Butler betrachtet Identität aus der Perspektive, dass sie sich nicht abschließen lässt, sondern sich das ganze Leben dynamisch weiterentwickelt. Und sich Identität nicht bei der Geburt festlegt.13

Das Unterrichtsprinzip „Interkulturelles Lernen“

Interkulturelles Lernen bedeutet nicht andere Kulturen lediglich kennenzulernen. Es soll gemeinsam gelernt werden, sowie kulturelle Werte begriffen, erlebt und mitgestaltet werden. Auch soll das Interesse und die Neugier an kulturellen Unterschieden geweckt werden, um die Vielfalt und nicht nur die Einheit wert zu schätzen. Somit trägt Interkulturelles Lernen dazu bei, dass sich Schülerinnen und Schüler, Lehrkräfte und auch Eltern besser gegenseitig verstehen und auch wertschätzen. Dadurch werden Gemeinsamkeiten erkannt und Vorurteile abgebaut. Diese Form des Lernens schafft gleiche Möglichkeiten für alle. Das heißt nicht nur gleiche Voraussetzungen für die Bildung des jeweiligen Fachwissens, sondern auch für die Bildung der eigenen Persönlichkeit mit all ihren Facetten. Die Grundlage für all dies ist natürlich, dass die Lehrkräfte die Hintergründe ihrer Schülerinnen und Schüler kennen, wertschätzen und in ihren Unterricht mit einbeziehen.14 Damit dieser Einbezug bestmöglich geschieht, müssen die Lehrkräfte auch sich selbst reflektieren. Somit spielt diese Selbst- und Fremdreflexion im Interkulturellen Lernen eine wichtige und grundlegende Rolle.

Interkulturelles Lernen kann nicht nur in bestimmten Unterrichtsfächern gelehrt, bzw. eine Rolle spielen. Die gesamte Schule braucht eine gewisse Grundhaltung gegenüben kultureller Heterogenität und Mehrsprachigkeit. Die einzelnen Klassen müssen heterogen zusammengestellt sein, sowie die Lehrkräfte mit ihren heterogenen Klassen einen pädagogisch wertvollen Umgang zeigen sollten. Über angemessene Fördermaßnahmen für Schülerinnen und Schüler mit einer anderen Erstsprache als Deutsch sollte sich Gedanken gemacht werden und ob diese integrativ, oder segregativ stattfinden. Doch auch die Muttersprache dieser Kinder und Jugendlichen sollte berücksichtigt werden, indem verschiedener Muttersprachenunterricht angeboten werden sollte. Und nicht zuletzt ist auch darauf zu achten, Themen und Lerninhalte zu unterrichten, die kulturelle Heterogenität zum Thema machen.

In der wissenschaftlichen Literatur unterscheidet man beim interkulturellen Lernen drei Formen. Zuerst gibt es einen Blickwinkel aus Sicht der Mehrheitsbevölkerung. Interkulturelles

Lernen richtet sich aus dieser Perspektive an Schülerinnen und Schüler aus Migrationsverhältnissen. Um Ungleichheit auszugleichen sollen Fördermaßnahmen helfen. Eine andere Betrachtung des interkulturellen Lernens betrachtet die Gesamtgesellschaft. Diese interkulturelle Gesellschaft ist das Ideal. Grundlage sind somit interkulturelle Kompetenzen. Durch diese Kompetenzen erlangen Menschen gegenseitigen Respekt. Die dritte Betrachtung zielt darauf ab, dass das Grundprinzip des interkulturellen Lernens der Prozess an sich ist. Interkulturelles Lernen braucht Flexibilität und Anpassung, da in einer Gesellschaft immer neue Gegebenheiten entstehen und sich so auch die schulischen Bedingungen parallel dazu anpassen sollten. Vielleicht nicht die einzelnen Betrachtungen an sich, sondern die Verknüpfung dieser sollten beim Interkulturellen Lernen eine Rolle spielen.15

[...]


1 Karakaşoğlu, Yasemin; Bandorsk, Sonja. Schwerpunkt “Interkulturelle Bildung”. Jahrgang 5. Ausgabe 1. Bremen 2008, S.1

2 Lanfranchi, Andrea. Interkulturelle Kompetenz als Element pädagogischer Professionalität – Schlussfolgerungen für die Lehrerausbildung. In: Interkulturelle Kompetenz und pädagogische Professionalität4. Aufl.. Hrsg. v. Auernheimer, Georg. Wiesbaden 2013, S.233

3 Binder, Susanne. Schule und Migration: Einblicke in die Praxis des interkulturellen Lernens. In: SWR-Rundschau. Heft 42. Wien 2002, S. 427

4 Lanfranchi, Andrea. Interkulturelle Kompetenz als Element pädagogischer Professionalität – Schlussfolgerungen für die Lehrerausbildung. In: Interkulturelle Kompetenz und pädagogische Professionalität4. Aufl.. Hrsg. v. Auernheimer, Georg. Wiesbaden 2013, S.233

5 Neumann, Ursula; Schneider, Jens. Schule mit Migrationshintergrund. Göttingen 2011, S.47

6 Ebd., S.48

7 Binder, Susanne. Schule und Migration: Einblicke in die Praxis des interkulturellen Lernens.
In: SWR-Rundschau. Heft 42. Wien 2002, S. 436

8 Ebd. S. 437

9 Szatmari, Petra. Interkulturalität und Sprachidentität. In: Sprachwissenschaft und Fremdsprachendidaktik im Spannungsfeld interkultureller Vielfalt Hrsg. v. Bergerová, Hana; Lenore Schiewer, Gesine u. Schuppener, Georg. Band 11. Ústí nad Labem 2017, S.213

10 Ebd., S.221

11 Szatmari, Petra. Interkulturalität und Sprachidentität. In: Sprachwissenschaft und Fremdsprachendidaktik im Spannungsfeld interkultureller Vielfalt Hrsg. v. Bergerová, Hana; Lenore Schiewer, Gesine u. Schuppener, Georg. Band 11. Ústí nad Labem 2017 zit. n. Wiese 2012, S.222

12 Dirim, İnci. Sprachliche Identität. Zur Problematik Einer Normativen Referenz. Österreichisches Religionspädagogisches Forum, Vol 24, Iss 2, Pp 25-31. Universität Graz, 2016, S.26

13 Dirim, İnci. Sprachliche Identität. Zur Problematik Einer Normativen Referenz. Österreichisches Religionspädagogisches Forum, Vol 24, Iss 2, Pp 25-31. Universität Graz, 2016, S.27

14 Binder, Susanne. Schule und Migration: Einblicke in die Praxis des interkulturellen Lernens. In: SWR-Rundschau. Heft 42. Wien 2002, S.425

15 Binder, Susanne. Schule und Migration: Einblicke in die Praxis des interkulturellen Lernens. In: SWR-Rundschau. Heft 42. Wien 2002, S.426

Ende der Leseprobe aus 11 Seiten

Details

Titel
Interkulturelles Lernen in der Grundschule
Hochschule
Europa-Universität Flensburg (ehem. Universität Flensburg)  (DaF/DaZ)
Veranstaltung
Migration und Mehrsprachigkeit
Note
1,7
Jahr
2019
Seiten
11
Katalognummer
V492648
ISBN (eBook)
9783668994386
ISBN (Buch)
9783668994393
Sprache
Deutsch
Schlagworte
interkulturell, interkulturelles Lernen, Grundschule, DaZ, Deutsch als Zweitsprache
Arbeit zitieren
Anonym, 2019, Interkulturelles Lernen in der Grundschule, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/492648

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