Ein zentraler Bestandteil meiner Arbeit als Grundschullehrerin wird sein, Schülerinnen und Schüler mit einer anderen Erstsprache als Deutsch das Gefühl zu geben, sicher in der deutschen Sprache zu werden und dabei aber ihre Erstsprache wertzuschätzen, sowie mit zu berücksichtigen.
Die deutsche Gesellschaft unterliegt einem dauerhaften Wandel in sozialen, demografischen, kulturellen und sprachlichen Strukturen. Wobei die Migrationen einen nicht unerheblichen Beitrag dazu leisten. Im Bereich der Schule zeigen Schulleistungsstudien, wie PISA; IGLU u.a., dass eine systematische Benachteiligung von Kindern und Jugendlichen mit Migrationshintergrund vorliegt. Nicht erst zum jetzigen Zeitpunkt ist es eine Tatsache, dass zunehmend mehr Kinder mit unterschiedlichen Erstsprachen und verschiedenen soziokulturellen Hintergründen öffentliche Schulen besuchen. Die Institution Schule und ihr Personal muss auf die zunehmend sprachliche und kulturelle Vielfalt fachlich qualifizierte Antworten für die pädagogische Arbeit entwickeln. Leider bezeichnen die Bildungspolitik und Bildungstheorie Abweichungen von einer virtuellen Norm als Defizite, oder sogar Störung. Schülerinnen und Schüler haben nicht nur ein sprachliches Defizit, sondern zusätzlich auch ein Kulturdefizit. Das Schulsystem reagiert auf diese Pluralität nur durch kompensatorische Maßnahmen, Differenzierungen und teilweise auch mit Ausgrenzung.
Die Vielfalt als Bereicherung anzusehen und nicht den Schwerpunkt auf das Erlernen der deutschen Sprache und Kultur zu legen, um in das Muster des deutschen Schulsystems zu passen, ist leider noch nicht ausreichend passiert.
Inhaltsverzeichnis
Einleitung
Die Bedeutung von Bildung im Integrationsprozess
Sprachliche Identität
Das Unterrichtsprinzip „Interkulturelles Lernen“
Umsetzung des Unterrichtsprinzip „Interkulturelles Lernen“ in der schulischen Praxis
Lösungsansätze
Zusammenfassung
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die Herausforderungen und Potenziale der Integration von Kindern mit Migrationshintergrund im deutschen Grundschulwesen. Das primäre Ziel ist es, den Stellenwert interkulturellen Lernens zu beleuchten und aufzuzeigen, wie Schule und Lehrkräfte durch eine wertschätzende Haltung gegenüber Mehrsprachigkeit und kultureller Vielfalt zur Chancengerechtigkeit beitragen können.
- Interkulturelles Lernen als pädagogisches Prinzip
- Die Rolle der Erstsprache für Identitätsbildung und Schulerfolg
- Herausforderungen in der schulischen Praxis und Lehrerausbildung
- Strategien zur Förderung einer multikulturellen Schulkultur
- Kritik an defizitorientierten Ansätzen des Schulsystems
Auszug aus dem Buch
Das Unterrichtsprinzip „Interkulturelles Lernen“
Interkulturelles Lernen bedeutet nicht andere Kulturen lediglich kennenzulernen. Es soll gemeinsam gelernt werden, sowie kulturelle Werte begriffen, erlebt und mitgestaltet werden. Auch soll das Interesse und die Neugier an kulturellen Unterschieden geweckt werden, um die Vielfalt und nicht nur die Einheit wert zu schätzen. Somit trägt Interkulturelles Lernen dazu bei, dass sich Schülerinnen und Schüler, Lehrkräfte und auch Eltern besser gegenseitig verstehen und auch wertschätzen. Dadurch werden Gemeinsamkeiten erkannt und Vorurteile abgebaut. Diese Form des Lernens schafft gleiche Möglichkeiten für alle. Das heißt nicht nur gleiche Voraussetzungen für die Bildung des jeweiligen Fachwissens, sondern auch für die Bildung der eigenen Persönlichkeit mit all ihren Facetten. Die Grundlage für all dies ist natürlich, dass die Lehrkräfte die Hintergründe ihrer Schülerinnen und Schüler kennen, wertschätzen und in ihren Unterricht mit einbeziehen. Damit dieser Einbezug bestmöglich geschieht, müssen die Lehrkräfte auch sich selbst reflektieren. Somit spielt diese Selbst- und Fremdreflexion im Interkulturellen Lernen eine wichtige und grundlegende Rolle.
Zusammenfassung der Kapitel
Einleitung: Die Einleitung thematisiert die Notwendigkeit, Schülerinnen und Schüler mit Migrationshintergrund sicher in der deutschen Sprache zu fördern, ohne dabei deren Erstsprache abzuwerten.
Die Bedeutung von Bildung im Integrationsprozess: Dieses Kapitel erörtert Bildung als Grundlage für gesellschaftliche Partizipation und kritisiert die einseitige Fixierung auf die deutsche Sprache in öffentlichen Integrationsdebatten.
Sprachliche Identität: Es wird die zentrale Rolle der Erstsprache für die Identitätsbildung und den Spracherwerb dargestellt sowie die Vernachlässigung dieser Ressourcen im deutschen Schulsystem kritisiert.
Das Unterrichtsprinzip „Interkulturelles Lernen“: Hier wird der theoretische Rahmen für interkulturelles Lernen definiert, das als ganzheitlicher Prozess zur wechselseitigen Wertschätzung und Vorurteilsreduktion verstanden wird.
Umsetzung des Unterrichtsprinzip „Interkulturelles Lernen“ in der schulischen Praxis: Das Kapitel beleuchtet die praktischen Defizite in der Lehrerausbildung und den Mangel an interkulturell ausgerichteten Schulmaterialien im Schulalltag.
Lösungsansätze: Der Abschnitt präsentiert Forderungen für ein neues Gesamtkonzept, das Machtverhältnisse kritisiert und eine multikulturelle Ausrichtung der Schullandschaft sowie eine bessere Unterstützung der Lehrkräfte einfordert.
Zusammenfassung: Die Arbeit resümiert, dass interkulturelles Lernen eine grundlegende Öffnung der Schule erfordert, bei der Vielfalt als Normalität begriffen wird.
Schlüsselwörter
Interkulturelles Lernen, Migration, Mehrsprachigkeit, Erstsprache, Integration, Identität, Schule, Chancengerechtigkeit, Diversität, Schulleistungsstudien, Pädagogische Professionalität, Inklusion, Schulsystem, Kulturdefizit, Sprachbildung
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit den Anforderungen an das deutsche Grundschulwesen im Kontext von Migration und der notwendigen pädagogischen Implementierung interkulturellen Lernens.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Felder sind die Förderung von Mehrsprachigkeit, die Bedeutung der Erstsprache für die Identität und die Notwendigkeit, Schule als multikulturellen Raum zu gestalten.
Was ist das primäre Ziel der Forschungsfrage?
Ziel ist es zu untersuchen, wie interkulturelles Lernen als Prinzip dazu beitragen kann, Schülerinnen und Schüler mit Migrationshintergrund besser zu fördern und Diskriminierung abzubauen.
Welche wissenschaftliche Methode wurde verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer fundierten Literaturanalyse bestehender Studien und bildungstheoretischer Ansätze zur Migrations- und Integrationspädagogik.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil analysiert die theoretischen Grundlagen der kulturellen Identität, das Konzept des interkulturellen Lernens sowie die Diskrepanz zwischen diesem Ideal und der aktuellen schulischen Praxis.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit lässt sich durch Begriffe wie Interkulturelles Lernen, Migration, Mehrsprachigkeit, Identität und Chancengerechtigkeit charakterisieren.
Warum wird die isolierte Ausrichtung auf Deutsch als problematisch erachtet?
Der Autor argumentiert, dass eine rein auf die deutsche Sprache fokussierte Bildung die individuelle Mehrsprachigkeit missachtet und somit wichtige kognitive und identitätsstiftende Potenziale der Kinder vernachlässigt.
Welche Rolle spielt die Lehrerausbildung für das interkulturelle Lernen?
Die Arbeit betont, dass Lehrkräfte im Studium unzureichend auf heterogene Klassen vorbereitet werden und eine explizite Auseinandersetzung mit Diversität sowie eigene Reflexionsprozesse dringend erforderlich sind.
Welche Forderungen werden bezüglich der Schulsystem-Struktur gestellt?
Gefordert wird ein Gesamtkonzept, das weg von kompensatorischen Maßnahmen hin zur Anerkennung von Vielfalt führt, inklusive Team-Teaching und einer bewussteren Auswahl von Lernmaterialien.
- Arbeit zitieren
- Anonym (Autor:in), 2019, Interkulturelles Lernen in der Grundschule, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/492648