Die spartanische und die nationalsozialistische Jungenerziehung. Darstellung und Vergleich


Hausarbeit, 2018
24 Seiten, Note: 1,3

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Entwicklung und sozio-kultureller Hintergrund des klassischen Spartas

3. Spartanische Erziehung
3.1 Agoge
3.2 Weiteres Leben unter dem Erziehungseinfluss der Polis

4. Allgemeine Pädagogik des Nationalsozialismus
4.1 Hintergründe und Wirkungsweise der Hitlerjugend
4.2 Erziehung im nationalsozialistischen Lager

5. Vergleich der spartanischen und nationalsozialistischen Erziehungstheorie

6. Fazit

7. Literaturverzeichnis

8. Abkürzungsverzeichnis

1. Einleitung

Sowohl die spartanische als auch die nationalsozialistische Erziehungsweise werden gemeinhin als eine auffallend extreme Form der Pädagogik angesehen.

Das Ziel dieser Arbeit ist, der Frage nachzugehen, wie sich die spartanische und nationalsozialistische Jungenerziehung gestaltet. Anschließend sollen die Grundzüge der beiden Erziehungsformen vergleichend gegenübergestellt werden.

Das behandelte Thema ist in den geschichtlichen Bereich der Pädagogik zu verorten, da es sich mit der Darstellung und dem Vergleich von historischen Bildungs- und Erziehungsansätzen beschäftigt.

Zu Beginn soll dargestellt werden, wie die antike Polis Sparta entstanden ist und was ihre sozio-kulturellen Hintergründe sind. Dabei wird auf die spartanische Geschichte, Politik und Geographie eingegangen. Die inhaltlichen Schwerpunkte der Arbeit bilden zum einen die Darstellung der Erziehung im antiken Sparta sowie zum anderen eine Beschreibung der Pädagogik im nationalsozialistischen Deutschland.

Die Präsentation der spartanischen Pädagogik umfasst die Erziehung der Knaben in der Agoge und in den darauffolgenden Syssitien-Mitgliedschaften des Erwachsenenalters. Dadurch soll ersichtlich werden, dass das Individuum lebenslang unter dem Erziehungseinfluss des griechischen Staates bleibt.

Anschließend folgt eine Beschreibung der allgemeinen, nationalsozialistischen Pädagogik. Dabei werden insbesondere die erzieherischen Funktionen der Hitlerjugend und des Lagerlebens untersucht.

Im letzten Teil der Arbeit erfolgt die Gegenüberstellung der spartanischen und nationalsozialistischen Pädagogik. Dabei wird auf Gemeinsamkeiten sowie Unterschiede zwischen den beiden Erziehungssystemen eingegangen.

Das methodische Vorgehen ist ausschließlich hermeneutisch. Die Bearbeitung des Themas erfolgt durch Literaturstudien.

2. Entwicklung und sozio-kultureller Hintergrund des klassischen Spartas

Im Zuge der dorischen Wanderung entsteht 900 v. Chr. durch die Zusammenlegung mehrerer Dörfer die Stadt Sparta. Die griechische Polis, auch Lakonien genannt, befindet sich im Süden der griechischen Halbinsel Peloponnes (vgl. Zwick 2004, S. 35).

Nach zwei erfolgreich geführten Kriegen gegen das verfeindete Messenien im 8. und 7. Jh. v. Chr., werden die Besiegten unterworfen und zu Heloten, staatlichen Leibeigenen, gemacht und zur Bewirtschaftung der Felder für die Spartiaten eingesetzt. Sie bilden damit die unterste Schicht der dreigeteilten Bevölkerung Spartas. Sie sind völlig rechtlos und werden von der über ihr stehenden Gruppe, den Spartiaten, unterdrückt. Die dritte Gesellschaftsschicht besteht aus freien, jedoch politisch rechtlos Bewohnern, den Periöken (vgl. Castle 1965, S. 15-17). Die Periöken sind hauptsächlich für den Handel und das Handwerk zuständig (vgl. Hooker 2003, S. 157). Da die Heloten die zahlenmäßig größte Gruppe darstellen, geht von ihnen auch die größte Gefahr eines Aufstandes gegen die herrschende Gruppe der Spartiaten aus. Letztere versuchen diesem Ansinnen durch alljährliche Kriegserklärungen entgegenzutreten, die das Töten von Heloten legalisieren (vgl. Zwick 2004, S. 37). Die stetige Bedrohung ihrer Vormachtstellung hat tiefgreifende Veränderungen im Staatswesen und der Erziehung zur Folge. Von nun an beginnt sich Sparta immer mehr von den anderen griechischen Staaten zu unterscheiden (vgl. Castle 1965, S. 15-17). Zunehmend entwickelt sich aus dem archaischen Sparta ein totalitärer Militärstaat (vgl. Thommen 2003, S.1).

Die mythische Gestalt des Lykurg soll zwischen dem 9. und 7. Jh. v. Chr. die spartanische Ordnung verfasst haben. Deren Hauptaufgabe ist es von da an, die innere Struktur der Polis zu regeln (vgl. Zwick 2004, S. 35f.). Ziel ist die hohe militärische Leistungskraft Spartas, daher wird auch die Erziehung durch Lykurg streng geregelt und zur Aufgabe des Staates gemacht. Eine Besonderheit der lykurgischen Verfassung ist, dass diese aus aristokratischen, monarchischen und demokratischen Bestandteilen aufgebaut ist (vgl. Thommen 2003, S. 1). Die Volksversammlung, „Ekklesia“, zeigt das demokratische Element des Staates. Bei der monatlich stattfindenden Ekklesia dürfen alle männlichen Bürger Spartas teilnehmen, die mindestens das 30. Lebensjahr erreicht haben und sich im Besitz ihrer Vollbürgerrechte befinden. Sodann können sie ihre Zustimmung oder Ablehnung gegenüber vorgelegter Anträge kundtun. Das Doppelkönigtum Spartas stellt monarchische Element der Verfassung dar. Die beiden lakedaimonischen Könige unterliegen allerdings der Kontrolle der aristokratischen Instanzen, der Gerusia, einem aus 28 mindestens 60-jährigen bestehenden Ältestenrat sowie den jährlich wählbaren fünf Ephoren, die eine Aufseherfunktion innehaben (vgl. Zwick 2004, S. 36). Letztere bilden zudem ein tyrannisches Element des Staates (vgl. Hooker 1982, S. 281).

Verdienstvolle und vorbildliche Bürger können sich zur Wahl stellen, um Mitglied der Gerusia zu werden. Die Geronten besitzen einen herausragenden Ehrenposten und werden sozusagen als „adelig“ betrachtet. Die Ratschläge der Alten werden als besonders gewichtig und wegweisend angesehen (vgl. Baltrusch 2007, S. 73).

Die Spartiaten strebten die vollkommene Gleichheit ihrer Bürger an, wobei der Einzelne nur durch die Gemeinschaft seinen Wert erhielt (vgl. Reichert 1996, S. 23). Zur Betonung ihrer Ebenbürtigkeit nannten sie sich deswegen die „Homoioi“, die Gleichgestellten (vgl. Thommen 2003, S. 1).

Sparta zielt auf wirtschaftliche Unabhängigkeit und die vollkommene Ausrichtung auf den Krieg. Zudem wird ausschließlich unhandliches Eisengeld als Währung verwendet, um Besitzgier unter den Spartiaten zu verhindern (vgl. Baltrusch 2007, S. 77).

Die Epoche des sogenannten klassischen Spartas umfasst den Zeitraum von etwa 550 bis 371 v. Chr. (vgl. Baltrusch 2007, S. 11). Zu jener Zeit stellt Sparta neben Athen die zweite mächtige Polis der griechischen Staaten dar (vgl. Thommen 2003, S. 1). Der Niedergang Spartas und somit das Ende der klassischen Epoche nimmt seinen Anfang 371 v. Chr., als die Polis eine Schlacht gegen Theben bei Leuktra verliert (vgl. Baltrusch 2007, S. 79).

3. Spartanische Erziehung

Sparta ist stolz darauf, eine „Stadt der halben Unbildung“ zu sein (Marrou 1957, S. 31). Das zeigt sich darin, dass sie nur wenig Wert auf die akademische Ausbildung ihrer Söhne legt und mehr auf die Ausbildung zu einem widerstandfähigen, gehorsamen Soldaten bedacht ist (vgl. Castle 1965, S. 17-19). Dazu gehört, dass die Spartaner, selbst bei ihren Frauen, eine weichliche und weibliche Lebensführung verachten (vgl. Reichert 1996, S. 24). Vorrangige Aufgabe der spartanischen Frauen ist, einen robusten, sportlichen Körper zu besitzen. Damit soll die Voraussetzung geschaffen sein, kräftige und gesunde Kinder zu gebären (vgl. Marrou 1957, S. 43).

Als totalitärer Staat nimmt Sparta die Erziehung seiner Jugend komplett in die eigene Hand. Erziehung ist nicht Sache der Eltern und Familien, sondern des Staates und seiner Institutionen. Auch die Kinder werden nicht als ihrer Familie zugehörig betrachtet, sondern ausschließlich als auszunutzendes Staatsmaterial (vgl. Reichert 1996, S. 24). Ein Privatleben ist ohnehin nicht vorgesehen, da jeder nur für den Staat lebt und keinerlei Recht auf ein individuelles Dasein hat (vgl. Baltrusch 2007, S. 64).

Die Einflussaufnahme des Staates auf den Einzelnen geschieht erstmals bei seiner Geburt, wenn das Kind dem Ältestenrat zur Begutachtung dargebracht wird. Die Geronten entscheiden über Leben und Tod des Kindes. Gesunde und kräftige Kinder werden den Eltern zur Aufzucht zurückgegeben. Bei Akzeptanz bekommt das Kind ein Landlos zugeteilt. Schwächliche Kinder, die den Anforderungen des Staates nicht genügen, werden in einer Schlucht im Taygetos-Gebirge ausgesetzt (vgl. ebd., S. 65).

Die ersten sieben Lebensjahre verbringt der Knabe noch vollständig im Elternhaus. Dort findet das einer Aufzucht vergleichbare Aufwachsen statt, denn die Kinder werden schon von frühester Kindheit nicht sehr zärtlich behandelt und der raue Umgang mit ihnen verschärft sich mit jedem Jahr, welches sie älter werden (vgl. Castle 1965, S. 18).

Im Folgenden soll die Erziehung der männlichen Bevölkerung Spartas vom Eintritt in die Agoge bis zum Austritt aus dem aktiven Soldatenleben dargestellt werden.

3.1 Agoge

Die spartanische Erziehung, die „Agoge“, zielt darauf ab, die männlichen Nachkommen der Spartiaten zu Hopliten zu formen. Unter einem Hopliten wird ein schwer bewaffneter Fußsoldat des Heeres verstanden. Die Hauptausbildung der Knaben geschieht von ihrem 7. bis zu ihrem 20. Lebensjahr. Das erfolgreiche Durchlaufen der Agoge stellt die grundlegende Voraussetzung für den späteren Erhalt der Vollbürgerrechte dar (vgl. Marrou 1957, S. 38f.). Das straff militärisch ausgerichtete Erziehungswesen ist essentieller Staatsbestandteil. Der antike Schriftsteller Xenophon beschreibt für die Erziehung in der klassischen Zeit drei aufeinander aufbauende Altersstufen: Paides, Paidiskoi und Hebontes, wobei die 20-30- jährigen Hebontes nicht mehr Bestandteil der klassischen, spartanischen Agoge sind, da diese mit 20 Jahren offiziell endet (vgl. Thommen 2003, S. 126f.). Laut den Ausführungen des französischen Historikers Marrou ist die Agoge Spartas dagegen in drei Abschnitte eingeteilt. Von acht bis elf Jahren seien die Knaben in der Gruppe der „kleinen Jungen“, von Zwölf bis 15 Jahren in der Gruppe der Knaben und von 16 bis 20 Jahren der Gruppe der Jünglinge, „Eiren“ genannt (vgl. Marrou 1957, S. 39). Im Folgenden erfolgt die Beschreibung der Agoge nach den Schriften Xenophons.

Nach dem Eintritt in die Agoge erfolgt die Zuteilung der siebenjährigen Knaben in eine Schar, der „Agelai“ (vgl. Hooker 1982, S. 161). Nun sind die Jungen der Paides zugehörig, bis sie 14 Jahre alt sind. Aus den tüchtigsten Männern Spartas wird der „Paidonomos“ bestimmt, welcher die Oberaufsicht über die Paides innehat. Zu dessen Unterstützung werden ihm „Mastigophoroi“, die Peitschenträger, beigestellt, deren Aufgabe es ist, die Knaben bei Fehlverhalten zu bestrafen. Zudem ist es jedem Spartiaten erlaubt, die Knaben nach eigenem Ermessen zu bestrafen, falls dieser sie bei fehlerhaften Handlungsweisen antreffen sollte. Bei Absenz des Paidonomos übernimmt ein talentierter junger Mann, „Eiren“, aus der Gruppe der 20-Jährigen die Aufsicht (vgl. Thommen 2003, S. 127). Die Paides sind zusätzlich unterteilt in weitere Gruppen. Jedes dieser Gebilde wird vom jeweils kämpferischsten Knaben angeführt. In Sparta ist jeder dem ihm Übergeordneten zu absolutem Gehorsam verpflichtet (vgl. Castle 1965, S. 19). Die jüngeren Klassen der Paides beschäftigen sich in den ersten Jahren überwiegend mit Kampfspielen und leichteren körperlichen Abhärtungsübungen, wie beispielsweise Barfußlaufen (vgl. Baltrusch 2007, S. 66). Mit zunehmenden Alter wird das Leben als Angehöriger der Paides härter. Ab dem Alter von zwölf Jahren dürfen die Heranwachsenden nur noch ein einfaches, dünnes Gewand tragen. Zudem schlafen sie in dürftig eingerichteten Gemeinschaftslagern. Die Kinder bekommen nur kärgliche Mahlzeiten. Als Ausgleich dazu ist das Stehlen von Nahrung erlaubt. Allerdings wird derjenige hart bestraft, der sich bei Diebeszügen erwischen lässt. Da ein geschicktes und listiges Vorgehen bei dieser Art der Nahrungsbeschaffung geübt wird, gilt in Sparta das Stehlen als eine gute Vorbereitung für das spätere Soldatenleben. Eine Möglichkeit schon in jungen Jahren Ruhm zu erlangen, ist das Ritual des Käsestehlens vom Altar der Stammesgöttin Artemis Orthia. Bei diesem Brauch gilt es unter Peitschenschlägen einer möglichst großen Menge Käse habhaft zu werden. Der Erfolgreichste steigt im Ansehen der anderen. Die erzieherische Intention dieser Sitte ist, den Jugendlichen zu zeigen, dass das tapfere Ertragen von Schmerzen positive Auswirkungen für sie hat (vgl. Castle 1965, S. 19f.).

Den jungen Spartanern werden nur die notwendigsten Aspekte des Lesens und Schreibens beigebracht. An Kunst und Musik wird lediglich das aufgenommen und weitergegeben, von dem sich ein militärischer oder moralischer Nutzen versprochen wird (vgl. Marrou 1957, S. 40f.).

Mit 14 Jahren kommen die Jugendlichen von der Paides in die Paidiskoi. Hier verbleiben sie bis zum 20. Lebensjahr. Von da an wird ihnen erstmals gestattet sporadisch an den Speisegemeinschaften der Älteren, „Syssitien“, teilzunehmen (vgl. Thommen 2003, S. 128). Dort erhalten sie Lektionen über die spartanischen Sitten, um sich Tugenden eines guten Spartaners anzueignen (vgl. Baltrusch 2007, S. 66). In den allabendlichen Zusammenkünften, den Symposien, werden den Jünglingen auch Lakonismen als die spartanische Ausdrucksweise nähergebracht. Bei diesen geht es darum, sich möglichst kurz und knapp zu fassen sowie schnelle Urteile für aktuelle Probleme zu finden (vgl. Castle 1965, S. 22).

Durch die häufigen und teilweise innigen Kontakte der sich in der Agoge befindlichen Jungen zu älteren Männern, ist Päderastie in Sparta eine alltägliche Erscheinung. In diesen homosexuellen Beziehungen zwischen pubertierenden Jungen und den deutlich älteren „Erastai“, zu Deutsch: Liebhabern, geht es vordergründig mehr um geistige als körperliche Zuwendung. Häufig bleibt diese innige Beziehung viele Jahre lang bestehen. Zudem wird der Liebhaber in vielen Fällen als Familienmitglied angesehen. Dies hat zur Folge, dass der ältere Vollbürger für die Erledigung der Angelegenheiten des Jüngeren seine Bürgerrechte zur Verfügung stellt, um diesen zu unterstützen. Denn der Vollbürgerstatus eines Spartiaten und damit das Erlangen seiner politischen Rechte wird erst im 30. Lebensjahr und mit dem erfolgreichen Abschluss der Agoge erreicht (vgl. Hooker 1982, S. 158f.).

Mit Beginn des 20. Lebensjahres werden die Jugendlichen anhand eines Initiationsritus, der Krypteia, in das Erwachsenenleben aufgenommen. Bei der Krypteia zieht sich der Jüngling für einige Zeit aus der menschlichen Gesellschaft zurück und begibt sich in die freie Natur. Dort unterzieht er sich im ständigen Überlebenskampf Bewährungsproben und Abhärtungsübungen, wie Schlafen auf nacktem Boden (vgl. Thommen 2003, S. 129f.). Nachdem die Heloten im Jahre 464 v. Chr. einen Aufstand durchführen, entsteht eine noch härtere Version der Krypteia, in welcher ausgewählte junge Spartiaten des Aufruhrs verdächtige Heloten aufzuspüren und zu töten haben (vgl. Hooker 1982, S. 165).

Die Unterweisungen in athletischem Sport, Jagd, Waffenumgang und Kriegspflichten stellen den größten Hauptteil der körperlichen Erziehung. Die mentale Vorbereitung zum Hopliten erfolgt zum einen durch Askese, Abhärtung und Widerstandsfähigkeit gegen Schmerzen. Zum anderen durch Entwicklung der charakterlichen Eigenschaften, wie Kampfgeist und Disziplin. Der Gemeinschaftssinn soll durch das jahrzehntelange Leben mit Gleichaltrigen geweckt werden. Der Gehorsam gegenüber Vorgesetzten wird durch das ständige Eingereiht sein in eine Hierarchie eingeübt.

Diese Maßnahmen zielen darauf ab, Aufopferungsbereitschaft und vollkommene Unterordnung des Spartiaten unter den Staat zu Gunsten des Erhalts der Polis zu erreichen (vgl. Marrou 1957, S. 41-43).

Im antiken Sparta wird dem Leben in Härte und Schonungslosigkeit das höchste Gewicht beigemessen, wie der weitere Lebenslauf, nach Abschluss der Agoge zeigt (vgl. Castle 1965, S. 18-23).

3.2 Weiteres Leben unter dem Erziehungseinfluss der Polis

Nach Abschluss der 13-jährigen Agoge folgt mit 20 Jahren die letzte Phase der Erziehung: der Eintritt in die Gruppe der Hebontes. Dort verbleiben die Männer bis zum 30. Lebensjahr, während sie sportliche und choregische Wettkämpfe untereinander ausfechten. Sie stehen weiterhin unter erzieherischer Aufsicht, doch die Bestrafung bei Vergehen wird nicht mehr von dem Paidonomos, sondern von den Ephoren übernommen (vgl. Thommen 2003, S. 128). Mit Antritt des Kriegsdienstes, werden die 20-jährigen Männer in eine der Syssitien, den Essgemeinschaften, aufgenommen. Die wahrscheinlich in Zelten stattfindenden Syssitien haben die erzieherische Aufgabe, gesellschaftliche Normen einzuüben, indem die jüngeren von den älteren Teilnehmern lernen. Ein Syssition umfasst ca. 15 Mitglieder. Die unter 30- jährigen speisen nicht nur miteinander, sondern übernachten auch gemeinschaftlich. Nach geheimer Wahl und ausschließlich einstimmig wird ein neues Mitglied aufgenommen. Jeder Spartiate, einschließlich der beiden Könige, ist zu Diskretion über Inhalte und der täglichen Teilnahme an den Syssitien verpflichtet. Darüber hinaus ist von jedem Angehörigen der Syssitien monatlich eine festgelegte Menge an Lebensmitteln und Geld abzuliefern. Wer diesen Beitrag nicht leisten kann, wird von den Syssitien ausgeschlossen und verliert seinen Bürgerstatus (vgl. Thommen 2003, S. 130-132). Die Mitglieder konkurrieren untereinander um Ehrenplätze in den Syssitien, welche diejenigen innehaben, die dem Staat besonders achtungswürdige Dienste erwiesen haben. Trotz des Wettbewerbs um hohe Ränge innerhalb der Syssitien soll den sozialen Unterschieden dort keine große Bedeutung beigemessen und eine innere Verbundenheit sowie ein starker Zusammenhalt erzeugt werden (vgl. Baltrusch 2007, S. 70).

[...]

Ende der Leseprobe aus 24 Seiten

Details

Titel
Die spartanische und die nationalsozialistische Jungenerziehung. Darstellung und Vergleich
Hochschule
Universität Augsburg  (Philosophisch-sozialwissenschaftliche Fakultät)
Veranstaltung
Erziehungs- und Bildungstheorien
Note
1,3
Autor
Jahr
2018
Seiten
24
Katalognummer
V492658
ISBN (eBook)
9783668993006
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Griechische Antike, Sparta, Agoge, Jungenerziehung, Nationalsozialismus, Erziehung, Pädagogik, Schwarze Pädagogik, Hitlerjugend, Erziehungstheorie, Vergleich, Hausarbeit, Nationalsozialistische Lagererziehung
Arbeit zitieren
Myrthe Prell (Autor), 2018, Die spartanische und die nationalsozialistische Jungenerziehung. Darstellung und Vergleich, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/492658

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