Der Sturz Heinrichs des Löwen im Blick zeitgenössischer Geschichtsschreibung zwischen 1180 und 1239


Seminararbeit, 2004
19 Seiten, Note: 1,3

Leseprobe

Inhalt

1. Einleitung

2. Der böhmisch-pfälzische Krieg

3. Der niedersächsisch-dänische Krieg

4. Das Restitutionsedikt

5. Der schwedische Krieg und der Prager Frieden

6. Der französisch-schwedische Krieg

7. Der Westfälische Friede

8. Soldaten und Bevölkerung

9. Die Frage nach dem Religionskrieg

10. Anhang

11. Literaturliste

1. Einleitung

„Er strebte, […], nach Selbstbeherrschung und Ehrenhaftigkeit, vor allem aber nach Strenge; mit dem Tüchtigen wetteiferte er in Tüchtigkeit, mit dem Bescheidenen an Sittsamkeit, mit dem Unschuldigen an Enthaltsamkeit; er wollte lieber gut sein als scheinen. Um so weniger er nach Ruhm verlangte, um so mehr erwarb er sich ihn. Bei allen rühmlichen Unternehmungen tat er das meiste, aber redete am wenigsten von sich“[1]

Diese Worte über Heinrich den Löwen, Herzog Sachsens und Bayerns, stammen von Otto von Freising, der zum Hof des Kaisers Friedrich I. Barbarossa gehörte. Man kann also davon ausgehen, dass diese Charakteristik im Sinne des Kaisers war.

Das Verhältnis zwischen dem Herzog und dem Kaiser basierte nicht nur auf Verwandtschaft und Freundschaft. Heinrich bildete eine wichtige Stütze innerhalb des Reiches, während sich Friedrich in Italien aufhielt und gegen die lombardischen Städte kämpfte. Der Kaiser beschwichtigte lange Zeit die Fürsten, die aufgrund Heinrichs skrupelloser Territorialpolitik aufgebracht waren, so dass der Herzog seinen Machtbereich stetig erweitern konnte. Heinrich der Löwe unterstützte Barbarossa sehr erfolgreich bei seiner Italienpolitik. Heinrich war bald der mächtigste Herzog im Reich und stand dem Kaiser weitgehend ebenbürtig gegenüber.[2]

Das Zerwürfnis zwischen Heinrich dem Löwen und Friedrich I. Barbarossa, kann demnach nicht aus dem staufisch-welfischen Gegensatz entstanden sein.[3]

Der Kaiser strebte ein zentralistisch geführtes Reich an. Der Herzog jedoch verwaltete sein Herrschaftsgebiet mehr und mehr unabhängig. Heute geht man davon aus, dass es zu einem Bruch kommen musste, da sich das deutsche Reich weg von den alten Stammesherzogtümern hin zu den jüngeren Fürstentümern entwickelte. Die Auflösung des Herzogtums des Löwen bildete dabei die letzte Etappe.[4] Trotz der Gefahr, die von der Machtstellung des Löwen ausging, wollte der Kaiser ihn keinesfalls vernichten, wie es schließlich von den sächsischen Fürsten erreicht wurde, sondern wollte ihn nur schwächen, um seine eigene Position zu sichern.[5]

Mit dem strukturellen Wandel in dieser Zeit werde ich mich nicht befassen, da das an anderer Stelle[6] bereits ausführlich getan wurde.

In dieser Arbeit nehme ich mich der Frage an, warum wir in der zeitgenössischen Chronistik nur knappe Aussagen über die Vorfälle in Chiavenna finden und erst nach dem Tod von Friedrich I. Barbarossa und Heinrich dem Löwen ausführliche und dramatische Darstellungen darüber in der Geschichtsschreibung auftauchen.

Zunächst werde ich den Prozess gegen Heinrich den Löwen kurz darstellen. Ich werde verschiedene Quellen vorstellen und auf die Textstellen, die den Sturz des Herzogs behandeln, genauer eingehen. Als erstes werde ich die Gelnhäuser Urkunde betrachten, die uns die offizielle Version der Ereignisse gibt. Danach werde ich auf die Annalen von Magdeburg und die Chronik von Stederburg eingehen, die beide auch vor 1200 entstanden sind. Als Nächstes werde ich mich den Quellen, die nach 1200 entstanden, widmen (die Chroniken von Otto von St.Blasien und von Arnold von Lübeck, die Marbacher Annalen und die Chronik von Pöhlde).

2. Der Prozess gegen Heinrich den Löwen

Wie bereits in der Einleitung erwähnt, bestand zwischen Heinrich dem Löwen und Friedrich I. Barbarossa eine enge Bindung. Da Friedrich I. häufig in Italien auf Feldzügen unterwegs war, benötigte er einen mächtigen und angesehenen Verbündeten, der innerhalb des Reiches für Ordnung sorgte. Diese Rolle erfüllte Heinrich der Löwe, wenn er den Kaiser nicht persönlich nach Italien begleitete.

Heinrich der Löwe nutzte die Gunst und die Unterstützung des Kaisers, seine Macht in seinen Herzogtümern Sachsen und Bayern zu erweitern. Doch seine rücksichtslose Territorialpolitik verschaffte ihm etliche Feinde in den Reihen der Fürsten.[7] Zu seinen Hauptwidersachern zählten der Erzbischof Phillip von Köln, sowie Bischof Ulrich von Halberstadt.

Nur den Vermittlungsbemühungen des Kaisers verdankte Heinrich der Löwe, dass er mit seinen Gegnern nicht in ständige Kämpfe verwickelt war.

1176 in Chiavenna trat Friedrich I. Barbarossa an Heinrich den Löwen mit der Bitte heran, ihn nochmals auf einem Feldzug nach Italien zu begleiten. Trotz des Fußfalls des Kaisers weigerte sich der Herzog, im Hinblick auf seine innenpolitischen Interessen und der damals brenzligen Situation in Sachsen, der Bitte Folge zu leisten. Dem „Erpressungsversuch“, ihm für seine Hilfe Goslar, die reichste Stadt Sachsens, als Lehen zu überlassen, wollte nun seinerseits der Kaiser nicht nachkommen.

Friedrich I. Barbarossa brach nun ohne die Hilfe Heinrichs des Löwen nach Italien auf und erlitt eine schwere Niederlage in Logano, schloss den Frieden von Venedig und versöhnte sich mit Papst Alexander III. Währendessen brachen die Kämpfe in Sachsen gegen Heinrich den Löwen aus, der sich des Schutzes des Kaisers beraubt hatte.

Nach der Rückkehr des Kaisers aus Italien klagte Heinrich der Löwe auf dem Reichstag zu Speyer (1178) den Erzbischof von Köln wegen Plünderung in seinem Herrschaftsbereich an. Doch der Angeklagte antwortete selbst mit einer Klage wegen Landfriedensbruchs, bei der ihn die anderen sächsischen Fürsten unterstützten. Der Kaisers gab der Gegenklage statt und eröffnete ein gerichtliches Verfahren. Die Verhandlung sollte auf einem spätern Reichstag in Worms abgehalten werden. Doch zu diesem Reichstag erschien Heinrich der Löwe nicht, ebenso wenig auf den weiteren Reichstagen, die aus diesem Grund einberufen wurden. Nachdem er also seiner Lehnpflicht, auf den Reichstagen zu erscheinen, nicht nachgekommen war, und auch das Angebot des Kaisers, eine Buße von 5000 Mark zu zahlen, ablehnte, wurde die Acht über ihn verhängt. Damit war der landrechtliche Prozess abgeschlossen und ein lehnrechtlicher, an dessen Ende die Oberacht stand, wurde begonnen. Der Kaiser war an das Urteil, das von den Fürsten gefällt wurde, gebunden. Dies war durchaus im Sinne der anklagenden Fürsten, die damit nicht mehr befürchten mussten, dass der Kaiser im Falle einer Unterwerfung des Herzogs diesem Zugeständnisse machte.

Während der gesamten Zeit des Prozesses dauerten die Kämpfe zwischen den Fürsten und dem Herzog an.

Nachdem der Herzog auch den letzten Aufforderungen nicht Folge leistete wurde eine Heerfahrt gegen ihn beschlossen und die Oberacht über ihn verhängt.

Jetzt erkannte Heinrich der Löwe den Ernst der Lage und unterwarf sich auf dem Reichstag von Erfurt im November 1181 mit einem Fußfall der Gnade des Kaisers. Seine Territorien Bayern und Sachsen waren schon zuvor aufgeteilt worden. Da der Kaiser die Acht und die Oberacht aufhob, erhielt er seine Erblande und die rechtmäßig angeeigneten Allodialgüter zurück.[8]

In der Folge ging er für drei Jahre ins Exil an den Hof seines Schwiegervaters König Heinrich II. von England.

Heinrich der Löwe erlangte seine ehemalige Machtposition nie wieder, nutzte allerdings in seinen letzten Lebensjahren sein Vermögen, um Kunst und Kultur zu fördern.[9]

3. Die offizielle Sicht der Dinge: Die Gelnhäuser Urkunde (1180)

Drei Monate nach dem Ende des Verfahrens um die Absetzung Heinrichs des Löwen, am 13.4.1180, wurde ein Diplom erstellt, das die Belehnung des Erzbischofs Philip von Köln mit dem westlichen Teil Sachsens behandelt: die Gelnhäuser Urkunde.[10] Sie wurde von dem kaiserlichen Kanzleinotar Gottfried geschrieben. Die Gelnhäuser Urkunde stellt ein wichtiges Dokument für die deutsche Verfassungsgeschichte im Hochmittelalter dar.

[...]


[1] Schmale, Franz-Josef: Ausgewählte Quellen zur deutschen Geschichte des Mittelalters. Freiherr-vom-Stein-Gedächtnisausgabe, Mittelalterliche Reihe, Bd. 17, Ottonis episcopi Frisingensis et Rahewini Gesta Frederici seu rectius Cronica, Darmstadt 21974, S.602, Z.17-29. lateinisches Original: ebd.: S.602 Z.15-20. „ Eius studium,[…], modestie, decoris, sed maxime severitatis erst; cum strennuo virtute, cum modesto pudore, cum innocente abstinentia certabat; esse quam videri bonus malebat. Ita, quo minus appetebat gloriam, eo magis illam assequebatur. In omnibus gloriosis plurimum facere et minimum ipse de se loqui.“.

[2] Jordan, Karl: Heinrich der Löwe. Eine Biographie, München 1979, S.191.

[3] Biegel, Gerd: Heinrich der Löwe. Kaiserenkel – Kaiserfreund – Kaiserfeind, Braunschweig 1995, S.167.

[4] Mayer, Theodor: Friedrich I. und Heinrich der Löwe. Sonderausgabe. Darmstadt 1957, S.7ff. ebenso in: Weinfurter, Stefan: Die Entmachtung Heinrichs des Löwen. In: Luckhardt, Jochen/Niehoff, Franz (Hg.): Heinrich der Löwe und seine Zeit. Herrschaft und Repräsentation der Welfen 1125-1235, Katalog der Ausstellung, Braunschweig 1995, S.180-189.

[5] Weinfurter, Stefan: Die Entmachtung Heinrichs des Löwen. In: Luckhardt, Jochen/Niehoff, Franz (Hg.): Heinrich der Löwe und seine Zeit. Herrschaft und Repräsentation der Welfen 1125-1235, Katalog der Ausstellung, Braunschweig 1995, S.180-189, S.187.

[6] siehe dazu: Jordan, Karl: Heinrich der Löwe. Eine Biographie, München 1979.Und: Mayer, Theodor: Friedrich I. und Heinrich der Löwe. Sonderausgabe. Darmstadt 1957.

[7] Jordan, Karl: Heinrich der Löwe – Leistung und Persönlichkeit. In: Mohrmann, Wolf-Dieter (Hg.): Heinrich der Löwe. Göttingen 1980, S.496-509.

[8] Jordan, Karl: Heinrich der Löwe. Eine Biographie, München 1979, S.209.

[9] ebd.: S.235f.

[10] Appelt, Heinrich: Die Urkunden Friedrichs I. 1168-1180. Band 10/III., Die Gelnhäuser Urkunde, S.360-363, Hannover 1985.

Ende der Leseprobe aus 19 Seiten

Details

Titel
Der Sturz Heinrichs des Löwen im Blick zeitgenössischer Geschichtsschreibung zwischen 1180 und 1239
Hochschule
Albert-Ludwigs-Universität Freiburg
Veranstaltung
Proseminar
Note
1,3
Autor
Jahr
2004
Seiten
19
Katalognummer
V49275
ISBN (eBook)
9783638457644
ISBN (Buch)
9783656899150
Dateigröße
498 KB
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
Die Arbeit behandelt Quellen aus Chroniken die während der Jahrhundertwende (12./13.Jh.) entstanden und sich mit dem Sturz Heinrich des Löwen befassen.
Schlagworte
Sturz, Heinrichs, Löwen, Blick, Geschichtsschreibung, Proseminar
Arbeit zitieren
Sophia Freund (Autor), 2004, Der Sturz Heinrichs des Löwen im Blick zeitgenössischer Geschichtsschreibung zwischen 1180 und 1239, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/49275

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