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Wie lässt sich die Mehrheitstyrannei nach Alexis de Tocqueville und John Stuart Mill begrenzen?

Titel: Wie lässt sich die Mehrheitstyrannei nach Alexis de Tocqueville und John Stuart Mill begrenzen?

Hausarbeit , 2019 , 18 Seiten , Note: 1,0

Autor:in: Markus Lüske (Autor:in)

Politik - Grundlagen und Allgemeines
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Zusammenfassung Leseprobe Details

Die Demokratie gilt seit den totalitären Infernos faschistischer und kommunistischer Prägung im 20. Jahrhundert in weiten Teilen der Welt als beste Regierungsform, die wir kennen. In der Praxis demokratischen Regierens stellt dabei das Mehrheitsprinzip eine wichtige Entscheidungsregel dar; dennoch ist Demokratie mit dem Prinzip der Mehrheitsherrschaft allein nicht ausreichend beschrieben. Heutzutage zeigt sich demokratische Herrschaft häufig als ein Wechselspiel zwischen dem Mehrheitsprinzip, Schutz von Minderheitsrechten und grundlegenden Individualrechten.

Ein Defizit der Demokratie - die Gefahr der Tyrannei der Mehrheit - soll in dieser Arbeit näher untersucht werden. Dabei wird auf die Demokratietheoretiker Alexis de Tocqueville und John Stuart Mill Bezug genommen, die sich bereits im 19. Jahrhundert mit diesem Strukturproblem der Demokratie auseinandergesetzt haben.

Wie lässt sich die Gefahr der Tyrannei der Mehrheit nach Tocqueville und Mill begrenzen? In dieser Arbeit als Forschungsfrage formuliert, lässt sich deren Relevanz daran ermessen, dass in demokratischen Entscheidungsprozessen häufig der Vorwurf erhoben wird, die Überhöhung des Mehrheitsprinzips leiste sozialem Konformismus Vorschub. Und schließlich: "Die Demokratie ist - wie kaum ein anderes politisches System - anfällig für gesellschaftliche Polarisierung sowie für Destabilisierung infolge von Komplexitätssteigerungen" (Mannewitz 2018a, S. 19).

Im Rahmen dieser Hausarbeit wird zunächst der Begriff der Tyrannei der Mehrheit in Anlehnung an Sartori definiert; er stellt diese Demokratieschwäche im Zusammenhang mit der Verfassung, mit Wahlen und mit der Gesellschaft dar und betrachtet in diesen drei Kontexten die Beziehung zwischen Mehrheit und Minderheit. Tocquevilles Analyse der Mehrheitstyrannei in "Über die Demokratie in Amerika" wird in Kapitel 3 beschrieben, bevor im Anschluss seine vielfältigen Präventionsideen gegenüber diesem strukturellen Funktionsproblem zusammengefasst werden. Es schließen sich Mills Ausführungen zur Tyrannei der Mehrheit in "Über die Freiheit" an, die in Kapitel 5 vorgestellt werden; erkennbar ist eine inhaltliche Nähe zu Tocquevilles Überlegungen.

Die ergänzende Beantwortung der Forschungsfrage erfolgt im letzten Kapitel des Hauptteils; hier werden Mills Vorschläge zur Begrenzung der Gefahr der Tyrannei aus "Betrachtungen über die repräsentative Demokratie" erläutert.

Leseprobe


Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 Die Bedeutung des Begriffs der Tyrannei der Mehrheit

3 Alexis de Tocquevilles Erkenntnisse über die Mehrheitstyrannei in „Über die Demokratie in Amerika“

4 Tocquevilles Präventionsideen

5 John Stuart Mills Sicht auf die Tyrannei der Mehrheit in „Über die Freiheit“

6 Mills Vorschläge zur Begrenzung der Mehrheitstyrannei in „Betrachtungen über die repräsentative Demokratie“

7 Fazit

Zielsetzung & Themen

Die vorliegende Arbeit untersucht die Gefahr der „Tyrannei der Mehrheit“ als zentrales Strukturproblem der Demokratie. Ziel ist es, die theoretischen Ansätze von Alexis de Tocqueville und John Stuart Mill gegenüberzustellen und deren spezifische Vorschläge zur Begrenzung dieser Gefahr kritisch zu analysieren, um so die Relevanz für den Schutz individueller Freiheitsrechte innerhalb demokratischer Systeme zu beleuchten.

  • Definition der Tyrannei der Mehrheit in verschiedenen Kontexten
  • Tocquevilles Analyse des sozialen Konformitätsdrucks und institutionelle Gegenkräfte
  • Mills Konzept der Freiheit und das Schadensprinzip
  • Institutionelle Reformvorschläge zur Stärkung der repräsentativen Demokratie
  • Bedeutung der politischen Bildung und staatsbürgerlicher Tugenden

Auszug aus dem Buch

3 Alexis de Tocquevilles Erkenntnisse über die Mehrheitstyrannei in „Über die Demokratie in Amerika“

Geboren wird Tocqueville 1805, zu einer Zeit, als sich Napoleon auf der Höhe seiner Macht befindet. Er entstammt einer normannischen Adelsfamilie, deren konservative Einstellungen er in jungen Jahren übernimmt. Nach dem Jurastudium wird er zunächst Richter in Versailles, später Abgeordneter (1839) und schließlich für kurze Zeit Außenminister unter Louis-Napoleon (1849) (Herb und Hidalgo 2005, S. 5).

1831 betraut ihn das Justizministerium zusammen mit seinem Freund Gustave de Beaumont mit der Aufgabe, die amerikanischen Einrichtungen des Strafvollzugs zu untersuchen. Doch jenseits des offiziellen Anlasses verfolgt Tocqueville mit seiner Reise andere Ziele, die im Kontext der politischen Situation in Frankreich zu sehen sind: Nach der Revolution von 1830 beginnt sich die Dominanz des Bürgertums über den Adel abzuzeichnen. Vor diesem Hintergrund sieht Tocqueville in der amerikanischen Staats- und Gesellschaftsordnung ein Modell für die Zukunft seines Landes, er will in Amerika die Demokratie als Staatsform und als Zustand gesellschaftlicher Gleichheit in ihrer fortgeschrittenen Gestalt kennen lernen (Brocker 2007, S. 461).

In den Vereinigten Staaten von Amerika, in denen erstmals eine Demokratie in einem Großflächenstaat erfolgreich etabliert worden ist, erblickt Tocqueville das Anschauungsobjekt einer Entwicklung, die die gesamte zivilisierte Welt erfassen wird: „Ich gestehe, dass ich in Amerika mehr gesehen habe als Amerika; ich habe dort ein Bild der reinen Demokratie gesucht, ein Bild ihrer Neigungen, Besonderheiten, ihrer Vorurteile und Leidenschaften; ich wollte sie kennen lernen, und sei es nur, um wenigstens zu erfahren, was wir von ihr zu erhoffen oder zu befürchten haben“ (Tocqueville 1997, S. 30f.).

Dabei interessieren Tocqueville neben den demokratischen Institutionen und Prinzipien vor allem die spezifischen Einstellungen und Verhaltensmuster, die diese Ordnung hervorbringt, die sie stützen, aber auch gefährden können. Tocqueville erkennt den Zielkonflikt, der in der Demokratie zwischen den Prinzipien der Freiheit und der Gleichheit besteht: Politische Freiheit gibt es nur, wenn die Gleichheit gewährleistet ist.

Zusammenfassung der Kapitel

1 Einleitung: Die Einleitung führt in die Problematik der Tyrannei der Mehrheit ein und umreißt die theoretischen Ansätze von Tocqueville und Mill als Grundlage der Untersuchung.

2 Die Bedeutung des Begriffs der Tyrannei der Mehrheit: Dieses Kapitel definiert den Begriff der Mehrheitstyrannei im Kontext von Verfassungsstrukturen, Wahlen und dem gesamtgesellschaftlichen Zusammenleben.

3 Alexis de Tocquevilles Erkenntnisse über die Mehrheitstyrannei in „Über die Demokratie in Amerika“: Es werden Tocquevilles Beobachtungen zur amerikanischen Gesellschaft und die daraus resultierende Gefahr eines sozialen Konformitätsdrucks analysiert.

4 Tocquevilles Präventionsideen: Hier werden die institutionellen und kulturellen Mechanismen wie Gewaltenteilung und Dezentralisierung beschrieben, die Tocqueville zur Mäßigung der Mehrheitsmacht vorschlägt.

5 John Stuart Mills Sicht auf die Tyrannei der Mehrheit in „Über die Freiheit“: Das Kapitel erläutert Mills liberalen Ansatz, der den Schutz des Einzelnen durch das Schadensprinzip in den Fokus rückt.

6 Mills Vorschläge zur Begrenzung der Mehrheitstyrannei in „Betrachtungen über die repräsentative Demokratie“: Der Fokus liegt auf Mills institutionellen Reformen, darunter das Verhältniswahlrecht und das Mehrfachwahlrecht, zur Förderung einer kompetenten Führung.

7 Fazit: Das Fazit fasst die Gemeinsamkeiten und Unterschiede der beiden Theoretiker zusammen und reflektiert deren Bedeutung für die moderne politische Kultur.

Schlüsselwörter

Demokratie, Tyrannei der Mehrheit, Alexis de Tocqueville, John Stuart Mill, Mehrheitsprinzip, Minderheitenschutz, Konformitätsdruck, Freiheit, Gleichheit, Repräsentative Demokratie, Schadensprinzip, Politische Bildung, Rechtsstaatlichkeit, Liberalismus, Partizipation.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundlegend?

Die Arbeit untersucht das strukturelle Problem der „Tyrannei der Mehrheit“ in einer Demokratie und analysiert, wie zwei einflussreiche Denker des 19. Jahrhunderts – Alexis de Tocqueville und John Stuart Mill – dieses Risiko bewerten und welche Lösungsansätze sie formulieren.

Welche zentralen Themenfelder werden in den Texten behandelt?

Die Schwerpunkte liegen auf dem Spannungsfeld zwischen Freiheit und Gleichheit, dem sozialen Konformitätsdruck, der Funktion demokratischer Institutionen und der Frage, wie man die Macht der Mehrheit begrenzen kann, um Minderheiten und Individuen zu schützen.

Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?

Die Forschungsfrage lautet: „Wie lässt sich die Gefahr der Tyrannei der Mehrheit nach Tocqueville und Mill begrenzen?“ Ziel ist es, aufzuzeigen, welche institutionellen und gesellschaftlichen Vorkehrungen beide Philosophen für notwendig erachten.

Welche wissenschaftliche Methode kommt zum Einsatz?

Es handelt sich um eine deskriptive und vergleichende Analyse politikwissenschaftlicher Klassiker, die durch eine fundierte Literaturrecherche gestützt wird, um theoretische Konzepte in einen historischen und systematischen Kontext zu setzen.

Was sind die Inhalte des Hauptteils?

Der Hauptteil gliedert sich in die Untersuchung von Tocquevilles Amerika-Studien, seiner Präventionsideen, Mills Liberalismustheorie aus „Über die Freiheit“ sowie seine institutionellen Reformvorschläge aus den „Betrachtungen über die repräsentative Demokratie“.

Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit?

Zu den prägenden Begriffen zählen „Mehrheitsherrschaft“, „Konformitätsdruck“, „Schadensprinzip“, „Repräsentative Demokratie“ und der Schutz der „individuellen Freiheit“.

Warum sieht Tocqueville in den USA nicht nur ein Anschauungsobjekt?

Für Tocqueville waren die USA ein Modell für die unausweichliche Demokratisierung der gesamten zivilisierten Welt; er wollte an diesem Beispiel frühzeitig lernen, welche Chancen und Gefahren eine moderne demokratische Gesellschaft mit sich bringt.

Was genau versteht John Stuart Mill unter der „falschen“ Demokratie?

Mill bezeichnet eine reine Mehrheitsregierung ohne ausreichenden Minderheitenschutz als „falsche“ Demokratie, da sie nach seiner Ansicht zur „Klassendiktatur“ der ungebildeten Massen führen kann.

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Details

Titel
Wie lässt sich die Mehrheitstyrannei nach Alexis de Tocqueville und John Stuart Mill begrenzen?
Hochschule
Bayerische Julius-Maximilians-Universität Würzburg  (Institut für Politikwissenschaft und Soziologie)
Veranstaltung
Seminar: Ausgewählte klassische und moderne Demokratietheorien
Note
1,0
Autor
Markus Lüske (Autor:in)
Erscheinungsjahr
2019
Seiten
18
Katalognummer
V492831
ISBN (eBook)
9783668991293
ISBN (Buch)
9783668991309
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Demokratie Theorie Demokratietheorie Mehrheit Tyrannei Mehrheitstyrannei Tocqueville Mill Alexis de Tocqueville John Stuart Mill Amerika Freiheit Begrenzung Einschränkung repräsentative Demokratie Prävention moderne Demokratietheorie klassische Demokratietheorie
Produktsicherheit
GRIN Publishing GmbH
Arbeit zitieren
Markus Lüske (Autor:in), 2019, Wie lässt sich die Mehrheitstyrannei nach Alexis de Tocqueville und John Stuart Mill begrenzen?, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/492831
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Leseprobe aus  18  Seiten
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