Eine Strukturanalyse von Niccolò Ammanitis Roman "Come Dio Comanda" (2015)


Hausarbeit, 2019
15 Seiten, Note: 1,7

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Strukturalismus und Erzähltheorie
2.1 Analysekategorien nach Gérard Genette
2.1.1 Stimme
2.1.2 Zeit
2.1.3 Modus

3. Das Aktantenmodell von Algirdas J. Greimas

4. Strukturanalyse

5. Der Stil der verwendeten Sprache

6. Das Wettermotiv in "Come Dio comanda"

7. Fazit

8. Literaturverzeichnis

9. Internetquellen

1. Einleitung

Niccolò Ammaniti ist einer der bekanntesten zeitgenössischen Schriftsteller Italiens. Eine große Inspiration für seine Werke war die Pulp-Literatur, welche in den neunziger Jahren nach dem Erfolg von Quentin Tarantinos "Pulp Fiction" geboren wurde. Darüber hinaus war der Autor Teil der "giovani cannibali", eine Gruppe junger italienischer Schriftsteller, die eine Revolution der Italienischen Literatur anstrebte. Die Hauptmerkmale dieser beiden literarischen Stränge sind die vulgäre und antiakademische Sprache, nicht-literarische Phänomene wie Comics und Werbung und die Jugendsprache. Seinen Durchbruch erlangte der Autor im Jahr 1994 mit dem Roman "Branchie". Zudem wurden einige seiner Werke als Vorlagen für Filme genutzt wie beispielsweise "Io non ho paura" (2001). Im Jahr 2006 veröffentlichte Ammaniti sein Buch "Come Dio comanda", wofür er im darauffolgenden Jahr mit dem italienischen Literaturpreis "Premio Strega" ausgezeichnet wurde. Der Roman zählt, neben "Io non ho paura", zu seinen bekanntesten Werken und soll im Rahmen dieser schriftlichen Arbeit, anhand der Analysekategorien nach Gérard Genette (Stimme, Zeit und Modus) und des Aktantenmodells von Algirdas J. Greimas, analysiert werden. Ferner soll untersucht werden, ob die Erscheinungen des Wetters in der Erzählung mit der dispositio der Handlung in Zusammenhang stehen.

2. Strukturalismus und Erzähltheorie

Bei dem Begriff "Strukturalismus" handelt es sich um eine literaturwissenschaftliche Theorie, die ihren Höhepunkt um 1960 erreichte.1 Der Strukturalismus fand seine Anfänge im russischen Formalismus aus dem Jahr 1914.2 Er beruft sich vor allem auf Erkenntnisse des Linguisten Ferdinand de Saussure. Ein literarisches Werk wird als autonomer Zeichenkomplex verstanden. Im Mittelpunkt steht hier nicht länger die Bedeutung des Werks, wie beispielsweise in der Hermeneutik oder dem Positivismus, sondern die einem Werk zugrundeliegende Struktur. Nicht das Signifikat, die Inhaltsseite, sondern der Signifikant, also die Ausdrucksseite, ist für die strukturalistische Literaturwissenschaft interessant. Das Ziel der strukturalen Analyse eines literarischen Textes ist es, die Beziehung seiner Einheiten, oder auch Zeichen, untereinander herauszuarbeiten, sie zu klassifizieren und zu beschreiben, ohne dass dabei äußere Faktoren wie das Entstehungsjahr, der soziale Hintergrund oder die Biografie des Autors berücksichtigt werden. Das sprachliche Material und seine Anordnung erhalten eine gesteigerte Bedeutung.

Der Strukturalismus übte einen großen Einfluss auf die Erzähltheorie aus, welche auch als "Narratologie" bezeichnet wird. Diese hat das Erarbeiten und Untersuchen der erzählerischen Darbietung und des Verhältnisses zwischen Geschichte und Erzählung zum Gegenstand und kann auf so gut wie jede Narration angewendet werden.3 Der französische Literaturwissenschaftler Gérard Genette war einer ihrer bedeutendsten Vertreter. Die Grundzüge seines Ansatzes sollen nun kurz erläutert werden, da diese später als "Werkzeug" zur Strukturnalyse von Ammanitis Werk "Come Dio comanda" genutzt werden.

2.1 Analysekategorien nach Gérard Genette

Nach Genette lassen sich narrative Textkonstitutionen auf drei Ebenen unterscheiden:

- pragmatische Ebene: Sie bezeichnet den Akt des Erzählens (narration) durch eine Sprecherinstanz.
- semantische Ebene: Sie ist die Ebene der Geschichte (histoire) und bezieht sich somit auf den Inhalt, also das "Was" der Erzählung.
- syntaktische Ebene: Diese ist die Ebene des Diskurses (discours), die Art wie der Inhalt gestaltet wird, also das "Wie" der Erzählung.4

Zur Beschreibung der Beziehung der drei Ebenen hat Genette die drei Genettschen Kategorien ins Leben gerufen, diese heißen Stimme, Zeit und Modus.

2.1.1 Stimme

Die Kategorie "Stimme" erfasst den Bezug des Erzählers zur Handlung, demzufolge wie sehr er an den Geschehnissen beteiligt ist. Sie kann von einer an der Geschichte beteiligten Person stammen, oder von einer, die von außen auf die Handlung blickt. Man spricht von einem heterodiegetischen Erzähler, wenn das Geschehen aus Sicht der dritten Person erzählt wird. Der Erzähler ist nicht Bestandteil der erzählten Welt. Ein homodiegetischer Erzähler liegt vor, wenn der Erzähler als Nebenfigur auftritt und somit Teil der erzählten Welt ist. Ist der Erzähler die Hauptfigur der Geschichte, ist von einem autodiegetischen Erzähler die Rede.

Des Weiteren wird unterschieden, auf welcher narrativen Ebene erzählt wird. Der Vorgang des Erzählens kann außerhalb oder innerhalb der erzählten Welt stattfinden. Richtet sich der Erzähler an ein Publikum außerhalb der erzählten Welt, spricht man von einer extradiegetischen Erzählung. Es besteht auch die Möglichkeit einer intradiegetischen Erzählung, hier ist der Erzählakt Teil der Handlung.

Auch der Zeitpunkt des Erzählens wird mit der Kategorie "Stimme" erfasst, dieser liegt relativ zum erzählten Geschehen. Ist der Zeitpunkt bestimmbar, so kann dieser später, gleichzeitig oder früher als das Erzählte sein. Er wird durch die entsprechende Tempusverwendung markiert. Es besteht jedoch auch die Möglichkeit eines unbestimmbaren Erzählzeitpunkts.5

2.1.2 Zeit

Mit dieser Kategorie wird das zeitliche Verhältnis von histoire und discours definiert. Hierbei gilt es zwischen Erzählzeit (die Zeit, die zum Lesen der Geschichte benötigt wird) und erzählter Zeit (die Dauer der erzählten Geschichte) zu unterscheiden. Wie sich diese zwei Arten der Zeit zueinander verhalten, lässt sich anhand der drei Unterkategorien Ordnung, Dauer und Frequenz beschreiben.

Die Ordnung bezieht sich auf die Anordnung des discours. Der discours muss nicht gezwungenermaßen in der gleichen Reihenfolge erfolgen wie die histoire. Oftmals werden Ereignisse im discours rückblickend erzählt, was als Analepse bezeichnet wird. Ereignisse können aber auch vorausschauend erzählt werden. Dieser Vorgang wird Prolepse genannt.6

Die Dauer beschreibt, inwieweit das Erzähltempo der erzählten Zeit von dem der Erzählzeit abweicht. Verhält sich das Erzähltempo neutral zur Dauer der Ereignisse in der Geschichte, so handelt es sich um zeitdeckendes Erzählen (auch "Szene" genannt). Werden in der Geschichte geschehene Ereignisse zusammengefasst, um die Erzählzeit zu verkürzen, bezeichnet man diesen Vorgang als Raffung. Werden Ereignisse im Diskurs ganz ausgelassen beziehungsweise übersprungen, das Erzähltempo also weiter beschleunigt, spricht man von einer Ellipse. Verlängert sich die Erzählzeit im Vergleich zur erzählten Zeit, liegt eine Dehnung vor. Es kann auch vorkommen, dass ein Autor mehrere Seiten lange, detaillierte Beschreibungen von beispielsweise Landschaften oder Gefühlsempfindungen seiner Protagonisten in sein Werk einbaut, was zum Stillstand der Geschichte führt und als deskriptive Pause bezeichnet wird. In den meisten Erzählungen wird zwischen verschiedenen Erzähltempi gewechselt.

Die Frequenz definiert die Wiederholungsbeziehung zwischen discours und histoire. Es sind drei verschiedene Arten der Frequenz möglich: singulatives Erzählen (ein Ereignis, dass einmalig geschieht wird einmal erzählt), repetitives Erzählen (ein Ereignis, dass einmalig geschieht wird mehrfach erzählt) und iteratives Erzählen (ein Ereignis, dass mehrfach geschieht wird einmal erzählt).

2.1.3 Modus

Auch der Modus beschreibt das Verhältnis von histoire und discours. Diesen kann man in zwei Unterkategorien gliedern: Distanz und Fokalisierung.

Die Distanz beschreibt den Grad der Mittelbarkeit einer Erzählung, es sind verschiedene Stufen möglich. Der Erzähler kann bis zur scheinbaren Abwesenheit hinter die erzählte Geschichte zurücktreten, das bedeutet, dass längere Passagen eines narrativen Textes indirekter Rede wiedergegeben werden. Für den Leser ist in solchen Passagen kein Erzähler erkennbar, der die Darstellung kontrolliert ("unmittelbare Darstellung"). Die Distanz zu den Geschehnissen ist gering, er hat den Eindruck er sei in die Handlung mit eingebunden. Man spricht in diesem Fall vom "dramatischen Modus", wie er in Theaterstücken verwendet wird. Die Distanz zwischen Leser und Geschichte nimmt zu, sobald die Gegenwärtigkeit des Erzählers stärker wird. Erfolgt keine wörtliche Wiedergabe der Figurenrede, wird diese also zusammengefasst, spricht man von einer mittelbaren Erzählung. Die Distanz ist hoch, da der Erzähler als vermittelnde Instanz zwischen Geschichte und Leser hervortritt. Zwischen der unmittelbaren und der mittelbaren Darstellung gibt es unterschiedliche Übergangsformen wie die zitierte Rede, diese ist durch Anführungszeichen gekennzeichnet und die transportierte Rede, diese kann als indirekte7 oder erlebte Rede8 erfolgen.

[...]


1 Gröne et al. 2007: 208.

2 Ebd.: 9.

3 Ebd.: 138.

4 Liebermann/Kuhn (2014): 222.

5 Gröne et al. (2007): 139.

6 Ebd.: 141.

7 Die Figurenrede wird in den Satz einer anderen Figur eingebaut und ist isoliert erkennbar.

8 Ihr geht ein einleitender Satz voraus.

Ende der Leseprobe aus 15 Seiten

Details

Titel
Eine Strukturanalyse von Niccolò Ammanitis Roman "Come Dio Comanda" (2015)
Hochschule
Johannes Gutenberg-Universität Mainz
Note
1,7
Autor
Jahr
2019
Seiten
15
Katalognummer
V493048
ISBN (eBook)
9783668994461
ISBN (Buch)
9783668994478
Sprache
Deutsch
Schlagworte
eine, strukturanalyse, niccolò, ammanitis, roman, come, comanda
Arbeit zitieren
Giulia Reinhart (Autor), 2019, Eine Strukturanalyse von Niccolò Ammanitis Roman "Come Dio Comanda" (2015), München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/493048

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