VORWORT
Die wirtschaftliche Situation Berlins hat sich nach der deutschen Wiedervereinigung 1989 grundlegend verändert. Während in der Vergangenheit fehlende Steuereinnahmen durch Bundeshilfe im Rahmen der Berlin-Förderung kompensiert wurden, zeigten sich schon wenige Jahre nach der deutschen Einheit die strukturellen Probleme der Berliner Wirtschaft.
Die geringe Wirtschafts- und Steuerkraft und in Folge eine hohe Arbeitslosigkeit und Verschuldung sind heute kennzeichnend für den Standort Berlin. Die Ursache dafür ist in der Strukturschwäche der Berliner Wirtschaft, als Erbe aus der 40-jährigen Teilung der Stadt zu finden. Das Image Berlins als Wirtschaftsstandort ist unbefriedigend, die Unternehmensansiedlungen zu gering und die Zahl der Einwohner sogar sinkend.
Die dringend notwendige Verbesserung der Wirtschafts- und Steuerkraft Berlins ist neben der Bestandswahrung und -pflege jedoch nur durch die Akquisition neuer Unternehmen aus dem In- und Ausland zu realisieren. Dies erfordert umfassende Maßnahmen, die zum Ziel haben müssen, die Rahmenbedingungen für Investitionen zu verbessern, und im zunehmenden Standortwettbewerb um mobile und finanzstarke Einwohner und Unternehmen, die Attraktivität Berlins gegenüber vergleichbaren Städten und Regionen zu steigern. „Klassische“ kommunale Maßnahmen zur Verbesserung der Standortqualitäten stoßen hier an ihre Wirkungsgrenzen.
Im Verlauf der vorliegenden Arbeit soll Stadtmarketing als ergänzendes Instrument einer umfassenden Standortaufwertung untersucht werden. Ziel der Arbeit ist es, das Prinzip eines erfolgreichen Stadtmarketingprozesses zu verdeutlichen, in dessen Verlauf die endogenen Potentiale Berlins aktiviert und in einem Leitbild gebündelt werden, mit der Absicht, die Herausbildung einer starken Identität der Stadt zu fördern.
Berlin braucht ein Image, ein Markenzeichen, das Menschen und Unternehmen anspricht und das Interesse für die Hauptstadt weckt. Auf diese Weise kann eine neue wirtschaftliche Basis in der Stadt entstehen und den notwendigen Spielraum für eine zukunftsfähige Stadtentwicklung schaffen.
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Inhaltsverzeichnis
KAPITEL I - GANG DER ARBEIT
1.1 Gliederung
1.2 Roter Faden
1.3 Fokus
1.4 Bibliographische Erläuterungen
KAPITEL II - DIE STADTENTWICKLUNG BERLINS
2.1 Einleitung
2.2 Die wirtschaftliche Entwicklung Berlins
2.2.1 Berliner Realität - Arbeitslosigkeit und Einwohnerschwund
2.2.2 Strukturelle Probleme der Berliner Wirtschaft
2.3 Die ökonomischen Rahmenbedingungen
2.3.1 Wirtschaftlicher Strukturwandel
2.3.2 Europäischer Binnenmarkt
2.3.3 Globalisierung
2.4 Die Ubiquität von Standorten
2.4.1 Das Ende der Stadt?
2.4.2 Zentrenbildung
2.4.2.1 Global Cities
2.4.2.2 Fühlungs- und Agglomerationsvorteile
2.5 Gesellschaftliche Veränderungen
2.5.1 Wertewandel
2.5.2 Demographische Entwicklung
2.6 Wandel der politischen Aufgaben
2.6.1 Public-Private Partnership
2.7 Internationale Standortkonkurrenz
2.8 Fokus
2.9 Roter faden
KAPITEL III - KOMMUNALE HANDLUNGSMÖGLICHKEITEN
3.1 Einleitung
3.2 Kommunale Maßnahmen zur Stärkung der Standortbedingungen
3.3 „Harte“ Standortfaktoren
3.3.1 Input-bezogene Standortfaktoren
3.3.1.1 Ost-West-Kompetenz
3.3.1.2 Wissenschaft
3.3.1.3 Berliner Technologie- und Innovationsfelder
3.3.1.4 Weitere input-bezogene „harte“ Standortfaktoren
3.3.2 Throughput-bezogene Standortfaktoren
3.3.2.1 Bundeshauptstadt Berlin
3.3.2.2 Dienstleistungen
3.3.2.3 Weitere throughput-bezogene „harte“ Standortfaktoren
3.3.3 Output-bezogene Standortfaktoren
3.4 „Weiche“ Standortfaktoren
3.4.1 Kultur
3.4.2 Tourismus
3.4.3 Weitere „weiche“ Standortfaktoren
3.5 „Harte“ UND „Weiche“ Standortfaktoren
3.6 Fokus
3.7 Roter Faden
KAPITEL IV - STADTMARKETING IN BERLIN
4.1 Einleitung
4.2 Stadtmarketing – Wege aus der Krise
4.2.1 Stadtmarketing in Berlin
4.2.2 Das Unternehmen „Stadt“
4.3 Basiswissen
4.3.1 Basiswissen Marketing
4.3.2 Basiswissen Stadtmarketing
4.3.3 Unterschiede zwischen Marketing und Stadtmarketing
4.3.4 Das Stadtmarketing-Mix-Instrumentarium
4.3.5 Der Verlauf eines Stadtmarketingprozesses
4.4 Die Konzeptphase – Stärken/Schwächen-Analyse
4.4.1 Ergebnis der „harten“ Stärken/Schwächen-Analyse
4.4.2 Ergebnis der „weichen“ Stärken/Schwächen - Analyse
4.5 Die Konkretisierungsphase - Visionen und Ziele
4.5.1 Initial- und Folgefunktionen
4.5.1.1 Initialfunktionen in Berlin
4.6 Die Realisierungsphase
4.6.1 Die Akteure des Berliner Stadtmarketing
4.6.1.1 Wirtschaftsförderung Berlin GmbH
4.6.1.2 BAO Berlin-Marketing Service GmbH
4.6.1.3 Messe Berlin GmbH
4.6.1.4 Berlin Tourismus Marketing GmbH
4.6.1.5 Partner für Berlin
4.6.2 Struktur des Berliner Stadtmarketing - Bewertung
4.7 Erfolgsfaktor Stadtmarketing
4.8 Fokus
4.9 Roter Faden
KAPITEL V - BERLIN, STADT DER WISSENSCHAFT UND INNOVATION
5.1 Einleitung
5.2 Das Leitbild: Berlin, Stadt der Wissenschaft und Innovation
5.2.1 Vorsprung durch Technik und Wissenschaft
5.2.2 Standortfaktor Humankapital
5.3 Die Strategie: Schaffung eines Kompetenzzentrums
5.3.1 Technologie- und Gründerzentren
5.3.2 Informations- und Kommunikationstechnik
5.4 Berliner Innovations- und Technologiepolitik
5.4.1 Technologiestiftung Innovationszentrum Berlin
5.4.2 Beitrag der Stadtmarketinggesellschaften
5.5 Stadt der Wissenschaften – Entwicklungsperspektiven
5.6 Fokus
5.7 Roter Knoten - Zusammenfassung
5.8 Schlusswort
Zielsetzung und Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht den Status quo und die Perspektiven des Stadtmarketings in Berlin vor dem Hintergrund der wirtschaftlichen Krise nach der Wiedervereinigung. Das Ziel besteht darin, den Stadtmarketingprozess als notwendiges Instrument zu verdeutlichen, um Potenziale zu aktivieren, ein konsistentes Leitbild zu etablieren und Berlin im Standortwettbewerb als zukunftsfähigen Wirtschafts- und Lebensraum zu positionieren.
- Analyse der wirtschaftlichen Strukturschwäche Berlins seit 1989.
- Untersuchung klassischer kommunaler Handlungsmöglichkeiten im Vergleich zum ganzheitlichen Stadtmarketing-Ansatz.
- Bewertung der Akteure des Berliner Stadtmarketings und ihrer Rollenverteilung.
- Entwicklung eines strategischen Leitbildes mit Fokus auf "Berlin als Stadt der Wissenschaft und Innovation".
Auszug aus dem Buch
Die wirtschaftliche Entwicklung Berlins
Als am 9. November 1989 die Mauer fiel, war klar, dass sich sehr schnell gravierende Auswirkungen auch für die Wirtschaft ergeben mussten. Zunächst schürte die 1991 für Berlin gefallene Hauptstadtentscheidung, die prognostizierte Funktion Berlins als „Ost-West-Drehscheibe“ und die Anknüpfung an historische Berlin-Bilder die Hoffung, die Stadt könne ohne Umwege als wirtschaftliches und politisches Zentrum eines vereinigten Deutschlands wiederaufleben. Die durch den Vereinigungsboom geprägte Wirtschaftsentwicklung in der unmittelbaren Nachwendezeit entwickelte sich entgegengesetzt der 1990 in eine Rezession gleitenden Weltwirtschaft und beflügelte optimistische Zukunftsentwürfe. West-Berlin erlebte Wachstumsraten wie seit den 50er Jahren nicht mehr. Die offensichtlichen durch die deutsche Teilung verursachten strukturellen Probleme der Berliner Wirtschaft rückten in der Zeit des Vereinigungs- und Berlin-Booms in den Hintergrund.
Das vom Senat 1992 veröffentliche Szenario der wirtschaftlichen und demographischen Entwicklung prognostizierte, dass die Bevölkerung der Gesamtregion bis 2010 um 1 Mio. auf 5,3 Mio. steigen würde. Die Erwartungen für die ökonomische Entwicklung Berlins waren entsprechend optimistisch. Bis 2010 wurde mit einer Expansion der Erwerbstätigenzahl um 400.000 auf insgesamt 2 Mio. gerechnet. Ansiedlungsbekundungen aus Wirtschaft und Wissenschaft lagen diesen Prognosen zugrunde. Aus internationalen Unternehmensbefragungen ging Berlin als eine der bevorzugten Großstädte für angestrebte Geschäftserweiterungen hervor.
Zusammenfassung der Kapitel
KAPITEL I - GANG DER ARBEIT: Das Kapitel erläutert den strukturellen Aufbau der Diplomarbeit und definiert die methodische Vorgehensweise des Verfassers.
KAPITEL II - DIE STADTENTWICKLUNG BERLINS: Hier werden die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen, der Strukturwandel und die zunehmende Standortkonkurrenz analysiert, die Berlin unter Druck setzen.
KAPITEL III - KOMMUNALE HANDLUNGSMÖGLICHKEITEN: Dieses Kapitel betrachtet klassische städtische Maßnahmen zur Standortverbesserung durch „harte“ und „weiche“ Faktoren.
KAPITEL IV - STADTMARKETING IN BERLIN: Der Schwerpunkt liegt auf der Vorstellung des Stadtmarketings als ganzheitlichem Prozess zur Profilschärfung und Ansiedlungsförderung.
KAPITEL V - BERLIN, STADT DER WISSENSCHAFT UND INNOVATION: Das Kapitel entwickelt eine Vision für Berlin, die auf der exzellenten Forschungs- und Wissenschaftslandschaft als wirtschaftlichem Motor basiert.
Schlüsselwörter
Stadtmarketing, Berlin, Standortwettbewerb, Wirtschaftsförderung, Strukturwandel, Innovationspolitik, Humankapital, Standortfaktoren, Public-Private Partnership, Leitbildentwicklung, Kompetenzzentrum, Wissenschaftsstandort, Stadtentwicklung.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Diplomarbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert den Status quo und das Entwicklungspotenzial des Standorts Berlin und untersucht, wie Stadtmarketing dazu beitragen kann, die wirtschaftliche Krise zu überwinden.
Was sind die zentralen Themenfelder der Analyse?
Die Themen umfassen die wirtschaftliche Entwicklung Berlins nach der Wende, den globalen Standortwettbewerb, die Rolle kommunaler Steuerungsinstrumente sowie die Notwendigkeit einer klaren Leitbildbildung.
Welches primäre Ziel verfolgt die Forschungsarbeit?
Das Ziel ist es, den Prinzipien eines erfolgreichen Stadtmarketingprozesses nachzugehen, um die endogenen Potenziale Berlins, insbesondere im Forschungs- und Wissenschaftssektor, zu bündeln und eine starke Identität zu fördern.
Welche wissenschaftliche Methode wird in der Arbeit verwendet?
Der Verfasser nutzt eine strukturierte Analyse von Rahmenbedingungen, Stärken-Schwächen-Profilen (SWOT) und die Untersuchung vorhandener Akteursstrukturen der Berliner Wirtschaftsförderung.
Was wird im Hauptteil der Untersuchung behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Analyse der Stadtentwicklung, die Bewertung klassischer kommunaler Handlungsmöglichkeiten, die detaillierte Vorstellung von Stadtmarketing-Instrumenten und die Strategie einer "Stadt der Wissenschaft und Innovation".
Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit am besten?
Wichtige Begriffe sind insbesondere Stadtmarketing, Standortprofilierung, Wissensgesellschaft, Kompetenzzentrum und die Neustrukturierung der Verwaltung zum Serviceunternehmen "Stadt".
Warum reicht laut Autor die bisherige Hauptstadtfunktion zur Profilierung nicht aus?
Die Untersuchung zeigt, dass die Hauptstadtrolle allein kein Garant für die Ansiedlung von Unternehmen ist, da Berlin im internationalen Wettbewerb noch zu sehr als politische Zentrale und zu wenig als dynamische Wirtschaftsmetropole wahrgenommen wird.
Welche Rolle spielen die Stadtmarketinggesellschaften für den Erfolg Berlins?
Sie fungieren als Exekutive für das Stadtmarketing, indem sie spezifische Bereiche wie Tourismus, Messewesen oder Wirtschaftsförderung bearbeiten, wobei der Autor eine stärkere Bündelung dieser Akteure unter einem Dach empfiehlt, um Doppelstrukturen abzubauen.
- Quote paper
- Manuel Dillinger (Author), 2002, Stand und Perspektive des Stadtmarketing in Berlin, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/4931