Die Königspfalz bildete im Mittelalter eine wichtige Grundlage für die Verwaltung des Reiches und die Herrschaftssicherung. Bereits zu den Zeiten der Merowinger gab es sie, meist in Form von größeren Gutshöfen, über das ganze Frankenreich verteilt. So war es dem König möglich, mit Gefolge in die verschiedenen Regionen seines Reiches zu reisen und eine seinen Ansprüchen angemessene Unterkunft vorzufinden. Traditionell verbrachte der König die Sommermonate im Zeltlager bei seinem Heer und überwinterte in einer der Pfalzen seines Reiches, ohne sich zu weit vom Kriegsschauplatz entfernen zu müssen.
Unter Karl dem Großen wandelte sich die Gestalt der Königspfalz. Die einfachen Gutshöfe wurden zu ausgebauten Pfalzanlagen, die repräsentativen Anlässen gerecht werden konnten. Zentral wichtige Pfalzen bildeten sich heraus. Auf Karl den Großen gehen unter anderem Pfalzbauten in Ingelheim, Nimwegen, Aachen, Frankfurt am Main und Paderborn zurück.
Die Aachener Pfalzanlage nimmt dabei eine Sonderstellung ein. Sie wurde ab 794 zum festen Sitz des Hofes und zu Karls Residenz, die er ab dem Jahr 806 bis zu seinem Tod 814 kaum noch verließ. Mit ihr begann die Entwicklung vom wandernden Königtum zum Monarchen mit festem Herrschersitz. Ungewöhnlich war nicht nur die monumentale Größe der Anlage und die überwiegende Errichtung der Gebäude aus Stein, sondern auch die verwendeten Bauformen. Statt im in der fränkischen Bautradition weit verbreiteten Typ der Saalkirche wurde die Pfalzkapelle in Form eines überkuppelten Zentralbaus errichtet, der in seiner Größe alle bisherigen Kirchenbauten im Frankenreich übertraf. „Dieser Bau lässt sich aus keiner vorhandenen fränkischen Bautradition ableiten.“, schreibt dazu Werner Jacobsen (Jacobsen 1994, S. 38).
Gegenstand der vorliegenden Arbeit wird die Frage sein, in welches geschichtliche Umfeld der Bau der Aachener Pfalzkapelle einzuordnen ist, wie sich die gewählte Bauform erklärt, an welchen Vorbildern sie sich orientiert und welche machtpolitischen Intentionen sie zum Ausdruck bringt.
Die Literatur zu diesem Thema ist umfangreich und widersprüchlich. Dies ist auch auf die lückenhafte Quellenlage zur Geschichte und Kunstgeschichte der Karolinger zurückzuführen, was Raum für viele Meinungen lässt. Diese Arbeit stützt sich auf die im Literaturverzeichnis aufgeführte Literatur, dabei hauptsächlich auf die Publikationen von Günther Binding und Matthias Untermann.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Geschichtlicher Hintergrund
2.1 Der Aufstieg der Karolinger
2.2 Die Zeit Karls des Großen
2.3 Hofgelehrte und Berater
3. Karolingische Renaissance
4. Baugeschichte
4.1 Die Besiedlung des Gebiets bis zum Baubeginn der Pfalz
4.2 Entstehung der Pfalzkapelle und spätere Umbauten
4.3 Baumeister
5. Baubeschreibung
5.1 Gesamte Pfalzanlage
5.2 Pfalzkapelle
5.2.1 Allgemein
5.2.1 Außenbau
5.2.2 Innenbau
6. Organisation der Pfalz
7. Ausstattung des Baus
8. Funktion und Interpretation des Baus
8.1 Funktion des Baus
8.2 Vorbilder und Intention des Baus
9. Zusammenfassung
10. Literatur
Zielsetzung & Themen der Arbeit
Die vorliegende Arbeit untersucht das historische und machtpolitische Umfeld der Aachener Pfalzkapelle, analysiert die gewählte architektonische Form des Zentralbaus und hinterfragt die Intentionen Karls des Großen bei der Errichtung dieses monumentalen Bauwerks.
- Historische Einordnung des Aufstiegs der Karolinger und der Ära Karls des Großen
- Die architektonische Baugeschichte sowie spätere Umbauten der Pfalzkapelle
- Detaillierte Analyse der baulichen Konzeption, der Ausstattung und der handwerklichen Ausführung
- Untersuchung der Funktion der Kapelle als Residenz-, Stifts- und Krönungskirche
- Interpretation der symbolischen Bezüge zu byzantinischen und römischen Vorbildern
Auszug aus dem Buch
4.2 Entstehung der Pfalzkapelle und spätere Umbauten
Die Baugeschichte der Aachener Pfalzkapelle lässt sich nur anhand weniger bekannter Daten rekonstruieren. In einem auf das Jahr 787 datierten Brief von Papst Hadrian I. wird Karl die Einführung von Marmorsäulen aus dem vormaligen Palast des byzantinischen Statthalters in Ravenna gestattet. Möglicherweise befand sich die Kirche zu diesem Zeitpunkt also schon im Bau oder war zumindest vollständig konzipiert.
Im Jahr 798 kommt der Gelehrte Alkuin in zwei Briefen an Karl auf die sich im Bau befindliche Pfalzkapelle zu sprechen. Er erwähnt dabei, dass die genannten Marmorsäulen bereits in den Oktogonarkaden aufgestellt worden sind: „Auch haben wir ein Gespräch über die Säulen geführt, die in dem allerschönsten und bewundernswerten Bau der Kirche, die Eure Weisheit angeordnet hat, aufgestellt sind.“ (Binding, Günther: Deutsche Königspfalzen. Darmstadt 1996. S.76). Daraus kann man schließen, dass die Bauarbeiten zu diesem Zeitpunkt größtenteils abgeschlossen waren.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Darstellung der Bedeutung der Königspfalzen und Einführung in die Fragestellung zur Aachener Pfalzkapelle.
2. Geschichtlicher Hintergrund: Überblick über den Aufstieg der Karolinger, die Zeit Karls des Großen sowie dessen Hofgelehrte und Berater.
3. Karolingische Renaissance: Erläuterung der kulturellen Erneuerung unter Karl dem Großen und der politischen Bedeutung des Rückgriffs auf die Antike.
4. Baugeschichte: Analyse der Besiedlung Aachens, des Baus der Kapelle und der beteiligten Baumeister.
5. Baubeschreibung: Detaillierte Darstellung der Pfalzanlage sowie des Außen- und Innenbaus der Pfalzkapelle.
6. Organisation der Pfalz: Beschreibung der Verwaltungsstrukturen und der Ämter am karolingischen Hof.
7. Ausstattung des Baus: Untersuchung der liturgischen Gegenstände, Altäre, Bronzegitter und Reliquien.
8. Funktion und Interpretation des Baus: Analyse der liturgischen Nutzung sowie der Intentionen hinter der architektonischen Gestaltung.
9. Zusammenfassung: Synthese der Ergebnisse zur Bedeutung und symbolischen Wirkung des Pfalzbaus.
10. Literatur: Verzeichnis der verwendeten wissenschaftlichen Quellen.
Schlüsselwörter
Karl der Große, Aachener Pfalzkapelle, Karolinger, Karolingische Renaissance, Pfalzbau, Zentralbau, Byzanz, Antikenrezeption, Einhard, Alkuin, Residenz, Architekturgeschichte, Machtpolitik, Reliquien, Sakralbau
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der Aachener Pfalzkapelle Karls des Großen als zentralem Monument der karolingischen Architektur und Ausdruck kaiserlicher Machtpolitik.
Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?
Zu den Schwerpunkten zählen die historische Einbettung der Karolingerzeit, die Bau- und Funktionsgeschichte des Aachener Pfalzbezirks sowie die kunsthistorische Interpretation der Kapelle im Kontext byzantinischer und römischer Vorbilder.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Die Forschungsfrage konzentriert sich darauf, in welches geschichtliche Umfeld der Bau einzuordnen ist, warum die spezifische Form des Zentralbaus gewählt wurde und welche machtpolitischen Absichten Karl damit verfolgte.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit stützt sich auf eine fundierte Literaturanalyse, die Auswertung zeitgenössischer Schriftquellen sowie die Interpretation kunsthistorischer und baugeschichtlicher Befunde.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Bereiche Baugeschichte, Baubeschreibung, Ausstattung, Organisation der Pfalz sowie eine ausführliche Interpretation der architektonischen Vorbilder.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind unter anderem Karolingische Renaissance, Zentralbau, Machtanspruch, Antikenrezeption und die Rolle Karls des Großen als europäischer Herrscher.
Welche Rolle spielten die Marmorsäulen für die Kapelle?
Die Säulen wurden aus Ravenna aus einem byzantinischen Palast nach Aachen überführt, um den Herrschaftsanspruch Karls im Sinne einer Renovatio imperii zu unterstreichen.
Was besagt die Theorie zum "Himmlischen Jerusalem"?
Die Theorie besagt, dass die Maßverhältnisse der Kapelle, etwa die Addition der Seitenlängen in karolingischen Fuß, symbolisch auf die Dimensionen des Himmlischen Jerusalems aus der Offenbarung des Johannes verweisen.
- Quote paper
- Anja Riedeberger (Author), 2005, Die Pfalzkapelle Karls des Großen in Aachen, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/49320