Moll Flanders zwischen Reue und "being a gentlewoman"


Hausarbeit, 2005

18 Seiten, Note: 2


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis:

1. Einleitung
1.1. Verbrecherliteratur im 18. Jahrhundert
1.2. Aufbau der Arbeit

2. Definition wichtiger Begriffe
2.1. Repentance
2.2. Gentlewoman

3. Zweifel an Molls Reue
3.1. Handlungsebene
3.2. Charakterebene
3.3. Sprachliche Ebene

4. Zusammenfassung

Quellenverzeichnis

„What murder was,

is Merit call’d to Day.“[1]

1. Einleitung:

1.1. Verbrecherliteratur im 18.Jahrhundert

Verbrecherbiographien waren im 18. Jahrhundert sehr beliebt. Defoe nahm an dieser Gattung Veränderungen vor und entwickelte ein neues Genre, das im Laufe des Jahrhunderts immer mehr Anhänger gewann und bald den Geschmack des Publikums dominierte: den (pikaresken) Roman. Defoe veränderte dafür nur ein Element. Er tauschte reale Personen durch fiktive Helden aus. Genau das hat er auch beim Verfassen des Romans Moll Flanders getan. Moll ist eine fiktive Person, denn eine Diebin namens Moll Flanders ist in den Jahren 1721 oder 1722 nach Kenntnis der Leser des 18. Jahrhunderts nicht hingerichtet worden.[2] Reue und Bekehrung sind Hauptelemente in der Tradition der Verbrecherbiographien und finden sich auch in dem Roman Moll Flanders.

1.2. Aufbau der Arbeit

Um Molls Reue zu erläutern und sich Molls Traum einer „gentlewoman“ besser vorstellen zu können, ist es zunächst wichtig, die Begriffe „Repentance“ und „Gentlewoman“ genauer zu untersuchen.

Diese Definitionen werden in Kapitel 2 dieser Arbeit gegeben.

In Kapitel 3 widmet sich die Arbeit dem wichtigsten Punkt, nämlich den Zweifeln an Molls Reue. Mit Blick auf Handlungs-, Charakter- und

sprachliche Ebene wird Molls Reue unter Heranziehung von Textstellen auf ihre Glaubwürdigkeit überprüft. Es wird überprüft, ob Molls Handeln, ihre Charakteristika und die von ihr verwendete Sprache Rückschlüsse auf wahre Reue zulassen oder diese eher verwehren.

Den Schluss meiner Arbeit bildet die Zusammenfassung. Die Ergebnisse dieser Arbeit werden dort noch einmal resümiert, und es wird eine

abschließende Einschätzung vorgenommen, ob Moll am Ende ihres Lebens reuig, gentlewoman oder sogar beides ist.

2. Definition wichtiger Begriffe:

2.1. „Repentance“

Allgemein gesehen bedeutet “Repentance” „ the state of being sorry for something you have done”.[3]

Da im 18. Jahrhundert Religion eine erhebliche Rolle im Leben der Menschen spielte und Einfluss auf die Reue der Gläubigen und Nichtgläubigen nahm, lohnt sich an dieser Stelle ein Blick in die Bibel. Gemäß dieser ist „Repentance“ erstens die Entscheidung, mit dem Sündigen aufzuhören und zweitens das Praktizieren von Gerechtigkeit anstatt von Sünde.[4] Reue ist also weder nur ein mentaler Prozess noch die bloße Umstellung des Lebens. Vielmehr ist sie die Verbindung von beidem.

Ein Stufenschema der Bekehrung in der puritanischen Theologie zeigt drei Stadien, die die Sünder auf dem Wege zur wahren Reue durchlaufen müssen: das Sündenbewusstsein, den Glaube an die religiösen Wahrheiten und die wahre Reue.[5]

2.2. „Gentlewoman“

Unter diesem Begriff versteht man allgemein eine Frau, der es an Bekanntheit, Ansehen, Reichtum und desgleichen nicht fehlt und einer hohen Gesellschaftsschicht angehört.

[…] to live Great, Rich, High, and I know not what[6]

Woman belonging to the upper classes; woman who has good manners and some claim to social position[7]

Doch Moll definiert diesen Begriff auf ihre eigene Weise. Für sie bedeutet das „being Gentlewoman“[8] vielmehr, dass sie in der Lage ist, für sich selbst zu sorgen und selbstständig zu arbeiten, und dass sie nicht bei anderen eine Anstellung antreten muss.

[…] all I understood by being Gentlewoman, was to be able to work for my self, and get enough to keep me without that terrible Bug-bear going to service […][9]

Moll wollte immer schon eine “gentlewoman” nach ihren eigenen Vorstellungen werden. Dafür nahm sie alle erdenklichen Mittel und Wege in Kauf. Dieses Ziel verliert sie nie aus den Augen und hält alle Ereignisse wie durch ein unsichtbares Band zusammen. Da sie im Laufe ihres Lebens ihren Lebensunterhalt selbst „verdienen“ kann, hat sie sich diesen Traum offensichtlich erfüllt.

Jedoch wird ihr in dieser Frage keiner zustimmen, da man niemals eine Diebin als „gentlewoman“ bezeichnen würde.

4. Zweifel an Molls Reue:

4.1. Handlungsebene

Um Molls Reue und Umkehr zu erläutern, ist es nötig, ihren Lebensabschnitt im Newgate-Gefängnis genauer zu betrachten. Denn Molls Reue tritt gerade dann ein, als sie kurz vor ihrer Hinrichtung steht.

Vor der Einlieferung in Newgate ist bei ihr selten ein Funken Reue zu erkennen. Als sie mit dem Bankangestellten verheiratet ist, überkommt sie zwar für einen kurzen Moment ein Gefühl von Reue („I was really a penitent“[10] ), doch kurze Zeit später beginnt sie ihre „Karriere“ als Diebin. Es kann sich also nicht um wahre Reue gehandelt haben.

[...]


[1] Arnold, Christof K.: Wicked Lives. S.211.

[2] Ebd., S.215.

[3] Longman: Dictionary of Contemporary English. S.1205.

[4] http://www.bible-infonet.org/bin/short_articles/Salvation/repent.htm - 27.09.2005.

[5] Borinski, Ludwig: Der englische Roman im 18. Jahrhundert. S.35.

[6] Michael, Steven C.: Thinking Parables: What Moll Flanders does not say. S.386.

[7] Simpson, J.A. [u.a.]: The Oxford English Dictionary. S.470.

[8] Defoe, Daniel: Moll Flanders. Wordsworth. S.7.

[9] Ebd.

[10] Ebd., S.183.

Ende der Leseprobe aus 18 Seiten

Details

Titel
Moll Flanders zwischen Reue und "being a gentlewoman"
Hochschule
Universität Hamburg
Note
2
Autor
Jahr
2005
Seiten
18
Katalognummer
V49347
ISBN (eBook)
9783638458238
Dateigröße
576 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Moll, Flanders, Reue
Arbeit zitieren
Sabrina Arndt (Autor), 2005, Moll Flanders zwischen Reue und "being a gentlewoman", München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/49347

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