Traditionelle und moderne Landwirtschaft in Spanien


Seminararbeit, 2004
24 Seiten, Note: ohne

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Allgemeines

2. Trockenfeldbau
2.1 Getreideanbau im Trockenfeld
2.1.1 Drei – Felder – Wirtschaft
2.1.2 Zwei – Felder – Wirtschaft
2.2 Anbau von Dauerkulturen
2.2.1 Der Olivenbaum
2.2.2 Weinbau

3. Bewässerungswirtschaft
3.1 Der Huerta – oder Vega – Typ
3.2 Der Enarenado – Invernadero – Typ
3.3 Der Marisma – Typ.

4. Viehzucht

5. Anhang

6. Literaturverzeichnis

1. Allgemeines

Bevor 1960 die Industrialisierung in starkem Maße einsetzte, war Spanien ein Agrarland. Die Zahl der Arbeitnehmer und der Beitrag dieses Sektors zum Bruttosozialprodukt sind seitdem ständig zurückgegangen.[1] Heutzutage werden in Spanien, bei einer Gesamtfläche von annähernd 510.000 qm2 ,19 Millionen Hektar als landwirtschaftliche Anbaufläche genutzt. Die spanische Landwirtschaft produziert 3% des Bruttoinlandprodukts und beschäftigt mit 720.000 Personen 6,4% der Erwerbstätigen. Aber auch zu Beginn des 21. Jahrhunderts zählt die Landwirtschaft noch zu den stärksten Sektoren der spanischen Wirtschaft. Aufgrund des facettenreichen Klimas und der dadurch bedingten sehr unterschiedlichen Bodenstruktur ist es in Spanien möglich, eine große Vielzahl von verschiedenen landwirtschaftlichen Produkten anzubauen. Mediterrane sowie tropische Erzeugnisse, aber auch die Produkte der gemäßigten Klimazone gedeihen prächtig.[2] Vor allem die bewässerten Gebiete, welche 19% der Anbauflächen darstellen, sind Standort für eine hochintensive landwirtschaftliche Produktion. An der Mittelmeerküste und im andalusischen Binnenland werden vor allem Gemüse und die für den Export wichtigen Zitrusfrüchte angebaut.[3]

Die historisch bedingte Agrarstruktur ist im Wesentlichen von dem Gegensatz zwischen Minifundien und Latifundien geprägt. Während im Norden des Landes Klein- und Kleinstbesitz vorherrscht, dominiert in Mittel- und Südspanien der extensiv bewirtschaftete Großgrundbesitz. Die landwirtschaftlichen Betriebsgrößen sind gleichzeitig mit bestimmten agrarsozialen Strukturen verknüpft. Während die Kleinbetriebe des Nordens überwiegend auf Selbstversorgungswirtschaft ausgerichtet sind, produzieren die Großbetriebe ausschließlich marktorientiert. Zurückzuführen sind diese verschiedenen Besitze auf die unterschiedlichen Kolonisationsvorgänge der mittelalterlichen Reconquista. Der Großgrundbesitz entstand, als sich die Reconquista nach und nach vom Norden nach Süden verlagerte. Die Streitkräfte, die an dieser Wiedereroberung teilgenommen hatten, erhielten von den Königen als Lohn für ihre Dienste weite Landflächen zugewiesen. Somit befand sich ein großer Teil des Bodens in den Händen des Adels, der Kirche, der Militär- und Ritterorden. Die Güter der Kirche wuchsen aufgrund von Schenkungen mit der Zeit immer weiter an und bei den Adligen verhalf das Erstgeburtenrecht den Besitz zu halten, da die erstgeborenen Söhne den Boden zugesprochen bekamen. Aus diesem Grund erhielten die Kirche, die Gemeinden und der Adel die Bezeichnung „Tote Hand“, da ihr Besitz unveräußerlich war. Das hatte zur Folge, dass die Bodenerträge abnahmen und das Land entvölkert wurde. Diese Bodenverteilung blieb in Spanien bis in die Hälfte des 19. Jahrhunderts hinein erhalten.

Erst die Wirtschaftsfachleute der Aufklärung setzten sich für eine Aufteilung der Güter der „Toten Hand“ ein, damit der Boden besser genutzt werden konnte. Gleichzeitig stimmten sie für eine Beschränkung der Rechte der Grundbesitzer zugunsten der Pächter. Jedoch wurde die in Angriff genommene Agrarreform durch Franco rückgängig gemacht. Seit Francos Tod versucht man, diese wirtschaftliche Strukturprobleme zu lösen. Die Sozialisten setzten sich für die Agrarreform ein, die sich auf die „Zwangsverpachtung“ beschränkte. Es war natürlich voraussehbar, dass es zu Auseinandersetzungen mit den Großgrundbesitzen kam, die nicht freiwillig auf ihren Anteil verzichten wollten. Die Reform sollte dafür sorgen, dass der Landbesitz wieder gleichmäßig verteilt wurde: „Das Gesetz sieht vor, dass alle Güter mit mehr als 50 Hektar bewässerbaren oder mehr als 300 Hektar trockenen Landes nicht enteignet, sondern erst auf die Produktivität untersucht werden soll. Eine „mittlere Produktionsquote“ gilt als Maßstab, ob der Großgrundbesitz so wie bisher geleitet wird, zu Produktionssteigerungen verpflichtet, mit einer Sondersteuer belastet oder zwangsverpachtet wird“[4]

2. Trockenfeldbau

Unter den klimatischen Bedingungen Spaniens ist für jede landwirtschaftliche Nutzung vor allem der Faktor Wasser entscheidend.[5] Deshalb muss dem mehr oder weniger starken sommerlichen Niederschlagsdefizit durch spezielle Nutzpflanzen bzw. Wirtschaftsweisen begegnet werden. Neben dem Bewässerungsfeldbau hat sich für das Problem der Anpassung an den hygrischen Klimagang der so genannte Trockenfeldbau (spanisch „cultivo secano“) entwickelt, bei dem sich der Anbau der Kulturpflanzen, wie Getreide, Ölbäume und Wein, auf dem natürlich fallenden Niederschlag gründet.

Der mediterrane Trockenfeldbau sicherte in Verbindung mit der Weidewirtschaft eine autarke Nahrungsmittelproduktion. Dabei haben sich in Spanien im Laufe der Jahrhunderte mehrere Wirtschaftsformen entwickelt, die durch ihre spezifische Wirtschaftsweise und ihr Wirtschaftsziel die ländlichen Räume typenhaft prägen.[6]

2.1 Getreideanbau im Trockenfeld

Da der Getreideanbau im Trockenfeld, je nach Dauer der sommerlichen ariden Phase, mehr oder weniger gefährdet ist und als eine Dauerkultur von der Variabilität der winterlichen Niederschläge unmittelbar betroffen ist, kommt den bodenverbesserten Maßnahmen im Regenfeldbau eine besondere Bedeutung zu. Während jedoch in unseren Breiten infolge des Überangebots an Niederschlag Nährsalze aus dem Oberboden nach unten gespült werden, werden die Nährsalze in den Trockengebieten kapillar nach oben geführt, können aber infolge von Wassermangel an der Oberfläche nicht gelöst werden, sondern reichern sich im Oberboden an. Alle Bodenbearbeitenden Maßnahmen müssen somit das Ziel der Speicherung von Feuchtigkeit im Boden verfolgen.[7] Das gilt in besonderem Maße für die so genannte Trockenbrache, die weniger die Aufgabe hat, die Bodennährstoffe zu regenerieren, als viel mehr die Feuchtigkeit für das nächste Anbaujahr zu speichern.[8] Dabei wird das Land für die Dauer eines Jahres (oder länger) nicht eingesät, das Brachland aber in dieser Zeit durch mehrfaches Eggen und Pflügen bearbeitet, um die Fähigkeit des Bodens zur Wasserspeicherung zu verbessern.[9]

„Die Trockenbrache ist ein wesentlicher Bestandteil aller traditionellen Fruchtfolge – Systeme bei den Wechselkulturen im Trockenfeldbau.“[10] Der Nutzungswechsel von Brache- und Anbaujahren auf der Fläche hat zwei Spielarten:

2.1.1 Drei – Felder - Wirtschaft

Ursprünglich war in Spanien das System „cultivo al tercio“, eine spezielle Form der Drei – Felder – Wirtschaft, weit verbreitet, bei der auf ein Anbaujahr (überwiegend mit Winterweizen, seltener Gerste) zwei Brachejahre folgten.[11]

Die Bracheparzelle wurde im zweiten Jahr des dreijährigen Zyklus beweidet (Weidebrache) und im dritten Jahr bearbeitet (Trockenbrache). Bei einem Dreijahresrhythmus war stets nur ein Drittel der betrieblichen Ackerfläche tatsächlich mit einer Feldfrucht bebaut.[12]

Die Anfänge dieser Drei – Felder – Wirtschaft liegen vermutlich im 16. Jahrhundert, als nach Abschluss der Reconquista die Schafhaltung immer größere Ausmaße annahm.[13]

Zu Beginn des 19. Jahrhunderts vollzieht sich jedoch, wegen des vehementen Bevölkerungswachstums, des Rückgangs der Transhumance und der stärkeren Marktorientierung von Region zu Region mit unterschiedlichem Tempo die Umstellung auf den Fruchtwechsel. Nun werden Brache- und Weideparzelle angebaut, während z.B. das Wintergetreide seine Stellung beibehält. Auf der Weidefläche erscheinen Hafer und Gerste als nachnutzende Halmfrüchte und auf der Trockenbrache verbesserten verschiedene Leguminosen für den Selbstverbrauch (Kichererbsen, Erbsen) bzw. Futterpflanzen (Saubohnen, Linsenwicken usw.) die Nährstoffbilanz.[14]

Da sich die Erträge der Brachekulturen bald als reich und so konstant erwiesen, wurde die klassische Trockenbrache in den 50er Jahren aufgegeben.

2.1.2 Zwei – Felder – Wirtschaft

Mit Aufgabe der klassischen Trockenbrache vollzog sich damit der Wechsel vom „cultivo al tercio“ zum „cultivo ano y vez“, einer Zwei – Felder – Wirtschaft, bei der sich auf günstigen Böden Getreide und Brachefrüchte auf einer Nutzungsparzelle alternierend abwechselten. Ist der Boden hingegen karg, wie z.B. in der Nordmeseta, liegt die Brachparzelle tatsächlich brach.

Mit der Einführung des Systems „cultivo ano y vez“ war ein drastischer Rückgang der Schafhaltung verbunden, da mit dem Verschwinden der ganzjährig unbearbeiteten, beweideten Brache, die Weideflächen im Mittel nur noch rund 7 Monate (zwischen der Ernte des Getreides im Mai/Juni und dem 1. Tiefpflügen im Rahmen des Trockenbrachens im Januar) zur Verfügung standen.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 1: Schema des „Ano y vez“ im Trockenfeldbau;

Quelle: Breuer 1982, S. 72

Durch die regional unterschiedliche Handhabung der Brache und die große Zahl der gebräuchlichen Brachpflanzen ist ihr aktuelles Erscheinungsbild aber vielfältiger als jemals zuvor, und somit ist die Zwei – Felder – Wirtschaft „ano y vez“ in spanischen Trockenfeldern gegenwärtig das bestimmende Fruchtwechselsystem.[15]

2.2 Anbau von Dauerkulturen

Eine andere Möglichkeit, die sommerliche Trockenzeit ohne zusätzliche Wassergaben zu überbrücken, ist der Anbau von Dauerkulturen. In Spanien gehören vor allem der Olivenbaum und die Weinrebe zu den klassischen mediterranen Dauerkulturen. Zwar bedecken die Dauernutzungssysteme eine viel kleinerer Fläche als die Getreidesysteme, jedoch sind sie gegen Niederschlagsschwankungen weniger anfällig und gedeihen selbst dort, wo die Bodenfeuchte für einjährige Anbaugewächse nicht mehr genügt. Mit ihrem tief reichenden und weit verzweigten Wurzelwerk erschließen sie noch Wasser, das flach wurzelnde Feldpflanzen nicht nutzen können. Dies hat zur Folge, dass sie die aride Jahreszeit besser überdauern können.

2.2.1 Der Olivenbaum

Olivenbäume bzw. Ölbäume sind schon seit rund 8000 Jahren bekannt und sind nicht zuletzt deshalb zum Synonym des mediterranen Trockenfeldbaus geworden, weil sie außerordentlich wassergenügsam sind. Andererseits sind sie jedoch auch sehr frostempfindlich, so dass sie in den zentralen Hochebenen und Gebirgen des nördlichen Spaniens nicht mehr vorkommen, da der Olivenbaum längerfristig eine Minimumtemperatur von – 7°C nicht verträgt.[16]

[...]


[1] vgl. hierzu: Hanle 1985, S. 2525

[2] vgl. hierzu: http://www.spain-online.de/costablanca/gesundheit/landwirtschaft/landwirtschaft.htm

[3] vgl. hierzu: Harenberg 1998, S. 965

[4] vgl. hierzu: http://www.hausarbeiten.de/rd/faecher/hausarbeit/gog/5200.html

[5] vgl. hierzu: http://www.fh-niederrhein.de/~agyviers/europa/spanien.htm

[6] vgl. hierzu: Breuer 1982, S. 71

[7] vgl. hierzu: Breuer 1982, S. 71f.

[8] vgl. hierzu: Rother 1993, S.132

[9] vgl. hierzu: Breuer 1982, S. 72

[10] Breuer 1982, S. 72

[11] vgl. hierzu: Breuer 1982, S. 72

[12] vgl. hierzu: Rother 1993, S.132

[13] vgl. hierzu: Breuer 1982, S. 72

[14] vgl. hierzu: Rother 1993, S. 132f.

[15] vgl. hierzu: Breuer 1982, S. 73

[16] vgl. hierzu: Breuer 1982, S.74; Wagner 2001, S. 274

Ende der Leseprobe aus 24 Seiten

Details

Titel
Traditionelle und moderne Landwirtschaft in Spanien
Hochschule
Katholische Universität Eichstätt-Ingolstadt
Note
ohne
Autor
Jahr
2004
Seiten
24
Katalognummer
V49348
ISBN (eBook)
9783638458245
Dateigröße
4701 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Traditionelle, Landwirtschaft, Spanien
Arbeit zitieren
Ines Adam (Autor), 2004, Traditionelle und moderne Landwirtschaft in Spanien, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/49348

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