Schule ist schon längst nicht mehr der Ort, an dem lediglich Wissen vermittelt wird – wenn er es denn jemals war. Das Unterrichten, also die Vermittlung des Wissens im Unterricht, findet sich inzwischen neben Erziehungs- und Sozialisationsaufgaben wider. So ist auch die Werteerziehung inzwischen wesentlicher Bestandteil des Aufgabenbereichs von Lehrkräften.
Bereits im alten Preußen spielten Werte eine besondere Bedeutung. Insbesondere die Werte - oder Tugenden -, die von gesamtgesellschaftlicher Bedeutung sind, spielen eine verstärkte Rolle in der Schule:
- Fleiß
- Ordnungssinn
- Pflichtbewusstsein
- Pünktlichkeit
- Toleranz und Respekt
- Höflichkeit
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Die Rolle der Schule bei der Wertebildung
2.1 Einflussfaktoren außerhalb der Schule
2.2 Das Neutralitätsgebot und die Grenzen der Wertevermittlung
2.3 Konstruktivistische versus technologische Modelle
3. Wertevermittlung im Unterricht
3.1 Fachspezifische Umsetzung am Beispiel Geographie
3.2 Die Vorbildfunktion der Lehrkraft
4. Die Institution Schule als Normengeber
5. Fazit und Ausblick
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht kritisch die These, dass Schule lediglich die Reflexion von Werten übt, anstatt diese aktiv zu lehren, und beleuchtet dabei das Spannungsfeld zwischen pädagogischem Erziehungsauftrag und institutioneller Neutralität.
- Rolle der Schule in der Werteerziehung
- Konstruktive Auseinandersetzung mit dem Neutralitätsgebot
- Vergleich zwischen Reflexion und aktiver Vermittlung
- Die Bedeutung der Vorbildfunktion von Lehrkräften
- Interaktion zwischen familiärer Sozialisation und schulischem Umfeld
Auszug aus dem Buch
Wertevermittlung findet in jedem Unterricht statt.
Fragen des guten und richtigen Lebens werden im Unterricht eines jeden Schulfaches immer wieder aufgegriffen. Aufgabe des Unterrichts sollte deshalb sein, Werte aufzugreifen, und „werthaltig[e] Aspekte der Sachverhalte wieder stärker in den Mittelpunkt des Unterrichts zu rücken“. Es gilt, im Unterricht nicht bloß die bisherige Wertbildung der Kinder und Jugendlichen zu reflektieren, sondern diese durch die Thematisierung bestimmter Werte zu ergänzen. Dies lässt sich in den unterschiedlichen Unterrichtsfächern auf verschiedene Art und Weise realisieren.
Der Geographieunterricht beispielsweise wird als besonders werte- und handlungsorientiert beschrieben. Es kombiniert Themen wie Umweltbildung, Aufgaben der globalen Entwicklung und die Grundlagen für eine nachhaltige Entwicklung und vermittelt so zukunftsorientierte Werte für die Kinder und Jugendlichen.
Schülerinnen und Schüler, die bisher noch keine Berührung mit Werten wie Nachhaltigkeit hatten, lernen im Geographieunterricht also neue Werte kennen, haben aber gleichzeitig die Freiheit, diese Werte in Handlung umzuwandeln. Schule konfrontiert Kinder und Jugendliche also mit Werten und Normen und regt sie zur Auseinandersetzung mit diesen an.
Unterricht kombiniert die Wertereflexion bei denjenigen, die bereits eine eigene Wertehaltung haben, mit der Werteklärung bei denjenigen, die noch keinen Berührungspunkt mit einem konkreten Wert hatten.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Einführung in die Thematik der Werteerziehung und die kritische Auseinandersetzung mit der These zur rein reflexiven Aufgabe von Schule.
2. Die Rolle der Schule bei der Wertebildung: Untersuchung der externen Einflussfaktoren, der Grenzen des Neutralitätsgebots und theoretischer Modelle der Wertevermittlung.
3. Wertevermittlung im Unterricht: Analyse der praktischen Umsetzung im Fachunterricht sowie der prägenden Rolle der Lehrkraft als Vertrauensperson.
4. Die Institution Schule als Normengeber: Betrachtung der Schule als Ort, der durch Regeln und Routinen kollektive Verbindlichkeit erzeugt.
5. Fazit und Ausblick: Zusammenführende Bewertung der Rolle der Schule und Plädoyer für eine verstärkte Erziehungskompetenz im Schulalltag.
Schlüsselwörter
Werteerziehung, Schule, Wertebildung, Sozialisation, Reflexion, Wertevermittlung, Neutralitätsgebot, Vorbildfunktion, Demokratie, Erziehungskompetenz, Nachhaltigkeit, Konstruktivismus, Normen, Unterricht, Wertehaltung
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit thematisiert die Rolle der Schule bei der Vermittlung von Werten und prüft kritisch, ob Schule lediglich zur Reflexion von Werten anregen soll oder auch in der Pflicht steht, diese aktiv zu vermitteln.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zu den Schwerpunkten zählen der Einfluss des sozialen Umfelds, die Grenzen der Neutralität im Unterricht, die Vorbildrolle von Lehrkräften und die Funktion der Schule als Institution zur Normenbildung.
Was ist die primäre Forschungsfrage?
Die zentrale Forschungsfrage lautet, inwieweit die These zutrifft, dass Schule keine Werte lehrt, sondern lediglich deren Reflexion übt, und welcher Beitrag zur Werteerziehung tatsächlich möglich ist.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine theoretische Arbeit, die auf Literaturanalyse sowie pädagogischen Modellen (konstruktivistisch vs. technologisch) basiert, um die Praxis der Werteerziehung zu fundieren.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil analysiert, wie Unterrichtsfächer Werte integrieren, welche Bedeutung das soziale Umfeld der Schüler hat und wie die Vorbildfunktion der Lehrkräfte sowie institutionelle Regeln auf die Wertebildung einwirken.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit wird durch Begriffe wie Werteerziehung, Sozialisation, Reflexion, Neutralitätsgebot, Erziehungskompetenz und Vorbildfunktion geprägt.
Warum spielt das Neutralitätsgebot eine so große Rolle?
Das Neutralitätsgebot setzt Lehrkräften Grenzen, da sie dazu angehalten sind, "unterhalb der weltanschaulichen Grundentscheidungen zu operieren", was die Vermittlung eines einzigen "korrekten" Wertes problematisch macht.
Inwiefern hat der Geographieunterricht eine Sonderstellung?
Der Geographieunterricht wird als besonders handlungsorientiert hervorgehoben, da er Themen wie Nachhaltigkeit und globale Verantwortung direkt mit Handlungsoptionen verknüpft und so Werte erfahrbar macht.
Wie unterscheidet der Autor zwischen sozialem Lernen und Werteerziehung?
Giesecke, auf den sich die Arbeit bezieht, trennt das soziale Lernen als bloße Auseinandersetzung mit Regeln von der weitergehenden Werteerziehung ab, wobei Schule primär Hilfe zur Wertbildung leisten soll.
Welches Fazit zieht der Autor zur Zusammenarbeit mit Eltern?
Der Autor fordert eine stärkere Zusammenarbeit zwischen Schule und Elternhaus, um eine einheitliche Wertebildung zu gewährleisten, da die Schule den Erziehungsauftrag in ihrer begrenzten Zeit nicht allein erfüllen kann.
- Arbeit zitieren
- Bachelor of Arts Kevin Ruser (Autor:in), 2019, Werteerziehung in der Schule am Beispiel des Geographieunterrichts, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/493512