Der Further Drachenstich. Die Darstellung von "Gut " und "Böse" im ältesten Volksschauspiel Deutschlands


Bachelorarbeit, 2016
34 Seiten, Note: 1,3

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung
1.1 Ziel der Arbeit
1.2 Methodisches Vorgehen

2. Geschichte des Volksschauspiels Further Drachenstich

3. Der Ursprung vom Motiv Gut gegen Bose

4. Legenden auf die der Further Drachenstich referenziert
4.1 Die Lindwurm-Sagen
4.2 Die Georgslegenden vom heiligen Sankt Georg

5. Vergleich von Bauers und Schmidts Fassung des Further Drachenstichs
5.1 Die Handlung der beiden Fassungen und ihre Haupt - und Nebenrollen
5.2 Symbolik der Figuren
5.3 Zeitgenossisch-historische Hintergrunde der beiden Fassungen
5.4 Hussiten in Bauers Fassung
5.5 Der Further Drache, Fakten uber das alte und neue Drachenmodel
5.5.1 Der Drache als Symbol der Gefahr in Schmidts Spiel
5.5.2 Der Drache als Symbol der Gefahr in Bauers Spiel
5.6 Dramaturgie beider Fassungen

6. Schlussbetrachtung

7. Literaturverzeichnis

Anmerkung der Redsaktion: Der Anhang dieser Arbeit kann aus urheberrechtlichen Grunden nicht veroffentlicht werden.

1. Einleitung

Das Volksschauspiel besteht schon seit dem Mittelalter und ist ein Spiel fur das Volk im Sinne des Dritten Standes. Das Volksschauspiel ist somit ein Spiel vom Volk fur das Volk, da nur regionale Schauspieler in einem Volksschauspiel auftreten.1 Auch im altesten Volksschauspiel Deutschlands, dem Further Drachenstich, durfen nur echte Further auftreten.

Der Further Drachenstich ist das alteste Volksschauspiel Deutschlands und vereint geschichtlichen Hintergrund, Mythologie und das Motiv Gut gegen Bose.

Doch inwiefern werdendas Gute und das Bose in dem Volksschauspiel selber, in dem geschichtlichen Hintergrund und in den Legenden, aufwelchen das Schauspiel basiert, vertreten?

Die vorliegende Arbeit „Der Further Drachenstich" beschaftigt sich mit dieser Frage und untersucht ihre Entstehung.

Im ersten Teil wird eine Ubersicht uber die Geschichte des Further Drachenstichs gegeben. Ein weiterer Teil widmet sich dem Motiv Gut gegen Bose und wie dieses in verschiedenen Legenden vertreten wird. Der letzte Teil vergleicht Heinrich Schmidts und Josef Martin Bauer's Schauspiel des Drachenfurther Stich's.

Besonders hilfreich fur die Geschichte des Volksschauspiels waren die Aufsatze „Altestes deutsches Volksschauspiel" von Jurgen Friedl2, „Der Drachenstich im Further Wald" von Perlinger Werner3, „Uber 500 Jahre Kampf gegen den Drachen"4, „ Der Further Drachenstich urn 1850“ von Fritz Markmiller5 und das Buch „Studien zum deutschen Prozzesionspiel" von Elizabeth Wainwright6.

Fur den zweiten Teil waren die Bucher ,,Das Salzburger Sagenbuch" von Josef Brettenthaler und Matthias Laireiter7, „Bayerische Sagen" von Alexander Schoppner8, „Die deutschen Mirakelspiele des Spatmittelalters Studien und Texte" von Elke Ukena9 und „St. Georg und sein Drache" von Erich Fried.10

Fur den Vergleich der beiden Fassungen wurden neben der Primarliterartur „Der Drachenstich zu Furth im Wald" von Heinrich Schmidt11 und „Drachenstich Festspiel Furth im Wald"12 von Josef Martin Bauer, der Aufsatz „ Josef Martin Bauer, sein Drachenstich und das Bild der Hussiten" von Milada Krausnova13 und die Bucher „Vergangenheitsdiskurse zwischen Deutschen und Tschechen" von Lukas Novotny14 und „Geschichte Deutschlands im 20. Jahrhundert" von Herbert Ulrich15 herangezogen.

1.1 Ziel der Arbeit

Die Arbeit befasst sich mit dem Volksschauspiel als eine Literatur, in der zeitgenossische historische Hintergrunde mit Anleihen aus in der Bevolkerung weithin bekannten - wie im vorliegenden Fall oft biblischen - Geschichten verschmelzen und eine unterhaltende Handlung wiedergeben, urn zur Zerstreuung beizutragen.

Dies geschieht, indem zwei Fassungen des Further Drachenstichs insbesondere mit besonderem Augenmerk auf das darin verwandte Motiv Gut gegen Bose einander gegenuber gestellt und naher betrachtet werden.

1.2 Methodisches Vorgehen

Als erstes wird die Geschichte des Volksschauspiels beschrieben, urn einen Uberlick zu bekommen. Daraufhin wird das Motiv Gut gegen Bose hinsichtlich seiner unterschiedlichen Darstellung in den Religionen und des jeweiligen historischen Hintergrund genauer analysiert. Nach der Analyse des Motivs werden die Legenden, auf denen das Festspiel basiert, auf das Motiv untersucht und mit dem Festspiel verglichen.

In dem Hauptteil werden die beiden Fassungen, Schmidt und Bauer, auf unterschiedliche Aspekte untersucht.

Am Ende bietet die Schlussbetrachtung eine Zusammenfassung uber das Motivs Gut gegen Bose und dessen Erscheinung in derjeweiligen Fassung.

2. Geschichte des Volksschauspiels

„Ein grauenvolles Untierwird sich erheben und Tod und Verwustung bringen“,so kundet eine uralte Prophezeiung".16

Dies horen die Besucher seit 500 Jahren jedes Jahr im Further Wald, wenn dort jahrlich das beruhmte Volksschauspiel Drachenstich aufgefuhrt wird. Mehr als 40.000 Besucher pro Jahr besuchen das traditionsreiche Schauspiel im Landkreis Cham.17 Jedes Jahr aufs Neue sind die Besucher fasziniert von den 1400 Kostumen und mehr als 1500 Akteuren, die bei dem Spiel mitwirken.18

Der genaue Zeitpunkt der Entstehung des Volksschauspiels ist jedoch nicht bekannt.19 „Der alteste Hinweis" auf das Spiel, das eine uber 500 Jahre alte Tradition hat, stammt aus dem Jahr 1590 aus einem Gerichtsprotokoll. Dies besagt, dass ein Ritter mit seiner Rustung wahrend des Umgangs geflohen sei. Der Umgang war die damalige Fronleichnamsprozession, die auch als „Ursprung des Drachenstichs gilt".20 Die Fronleichnamsprozession ist ein Hohepunkt des katholischen Fronleichnamsfestes, mit dem die Gegenwart Christi auf Erden gefeiert wird. Dast Fest steht in engem Zusammenhang mit dem letzten Abendmahl, bei dem Jesus Christi seinen Jungern den Leib des Herrn in Form von Brot und Wein ubergeben hat.21

Die ersten Hinweise auf das Drachenstichgeschehen stammen aus dem Jahr 1646 aus einer Kirchenrechnung. Diese erlautert, dass ein Burger wahrend der Prozession einen Drachen mit sich trug und dafur einen kleinen Verdienst von zwei Gulden bekam.22 Den ersten Einschnitt fur den Further Drachenstich brachte das Jahr 1754. Bis dahin hatte sich der Drache als fester Bestandteil der Prozession offenbar etabliert hatte. Uber dieses Jahr belegen verschiedene Schreiben das Hin und Her zwischen Stadtverantwortlichen und Regierenden uber die Auffuhrung des Drachenstechens. Die Auffuhrung war fur die „kirchliche und weltliche Obrigkeit" unertraglich, da der „geistliche Aspekt der Fronleichnamsprozession in den Hintergrund gedrangt" worden sei.23 Somit wurden das Mittragen und spatere Spiele mit dem Drachen noch im selben Jahr vom bischoflichen Konsistorium verboten. Die Further argumentierten dagegen und teilten dem bischoflichen Konsistorium mit, dass sowohl in Munchen als auch in Straubing bei der Prozession ein Drache mitgetragen werde und auGerdem eine Nachstellung des Drachentotens durchaus erlaubt sei.24 Dieses Argument nutzte jedoch nichts. Weder die kirchliche noch die weltliche Fuhrung lied sich davon umstimmen und die Auffuhrung des Drachens blieb weiterhin verboten. Die Further lieGen sich nicht beirren und kampften weiter gegen das Verbot an, indem sie einen Drachen bei der Prozession mittrugen, obgleich sie eine beachtliche Geldstrafe an das Bischofliche Konsistorium bezahlen mussten. Im Juni des Jahres 1754 wurde „ein weiteres Gesuch an die Regierung gerichtet, in welchem betont wird, dass das Drachenstechen „bey hiesiger Stadt schon uber zweihundert Jahr ohne Unterbrechung observiert werde.25 Das Spiel war schon derart ins kommunale Brauchtum integriert, dass die Bevolkerung keine Verbote hinnehmen wollte. Die Regierungsbeamten in Straubing und Munchen beharrten dennoch auf dem Verbot und erlegten im Jahre 1788 eine weitere Geldstrafe von 50 Talern auf. Die erneute Strafe brachte zunachst den von der Obrigkeit gewunschten Erfolg und das Drachengeschehen wurde zukunftig aus der Fronleichnahmsprozession entfernt.26 Erst im Jahr 1887 kam es schlieGlich zu einem Kompromiss. Die Auffuhrung des Drachen wurde von der Fronleichnamsprozession getrennt und auf den zweiten Sonntag im August geschoben.27 „1890 ubernahm erstmals ein Theaterverein"28 die Verantwortung fur die Auffuhrung des Spiels und 1896 bildete sich ein Komitee, welches von da an die Verantwortung ubernahm.29

Bis zur heutigen Zeit entwickelten sich verschiedene Fassungen des Volksschauspiels. Der ursprunglich aus der Barockzeit stammende Text lehnte sich inhaltlich sehr stark an die alte Georgslegende an. Die Sankt-Georg Legende besagt, dass der Ritter Georg eine vom Drachen bedrohte Konigstochter rettet.30 Ab 1920 stammen Fassungen von Dr. Heinrich Schmidt, Dr. Heinzschauweckerund Eugen Hubrich.31 Bis 1951 wurde hauptsachlich die Version von Heinrich Schmidt aufgefuhrt. Ab 1952 wurde sie von der Version Josef Martin Bauers abgelost, die die fur Furth im Wald verhangisvollen Hussitenkriege zum historischen Hintergrund hat. Die Hussitenkriege fanden in den Jahren 1419-1434 statt und waren religios motiviert.32

Im Festspiel tritt das Kreuzheer der Oberpfalz gegen die Hussiten-Armee bei Taus, einer Stadt in Tschechien, an. Als die Schlacht fast gewonnen scheint, erscheint ein Drache, der versucht das Dorf zu verwusten. Im Stuck gibt sich der Drache zufrieden und verschont das Dorf, wenn sich nur ein reiner Mensch freiwillig opfert. Die Further Schlossherrin erklart sich schlieGlich selbstlos dazu bereit. Indes kommt der totgeglaubte Ritter Udo, gerade rechtzeitig von der Schlacht heim, stellt sich dem Drachen entgegen, stoGt ihm sein Schwert in den Rachen und rettet somit die Schlossherrin und die gesamte Dorfbevolkerung vor dem sicheren Ende.33

Der Kampf zwischen dem Drachen und Udo, welcher die Georgsfigur verkorpert, „wird jedes Mai zu einem eindeutigen Sinnbild".34 Der Kampf stellt den Sieg des Guten uber das Bose dar. Wie die motivliefernde Georgslegende, ist das Volksschauspiel Further Drachenstich eine klassische Adaption des auf vielerlei Arten und Weisen dargestellten Kampfes des tadellos und rechtschaffen Guten gegen alles bedrohlich Bose und zerstorerisch Schlechte.

3. Ursprung des Motivs Gut gegen Bose

Ein Ursprung des prototypischen Bosen und Guten liegt in der Schopfungsgeschichte von Adam und Eva. Adam isst von einer verbotenen Frucht und hintergeht damit Gott. Die Schlange, die Adam dazu verfuhrt und das Bose verkorpert, entspricht dem Drachen als Symbol des Bosen in den Volksschauspielen.35 Da Adam die Schranken von Gott nicht beachtet, sind der Sunde Tur und Tor geoffnet.36

Jedoch wird das Bose „nicht als eigenes Sein" angesehen, sondern nur in „Relation zum Guten", somit ist das Bose der „Mangel am Guten".37 Das Gute wird als selbstlos bezeichnet wie der „Verzicht auf das eigene Leben". Bei dem Guten handelt es sich „nicht urn Selbsterhaltung". Somit kommt meistens das Bose immer im Zusammenhang mit dem Guten vor.38

Das Bose wird im Alten Testament in zwei Ebenen unterteilt. Zum einem in das psychische, zum anderen das moralischen Bose. Das psychische Bose ist das „konkrete Leiden", durch welches das Leben einer Person beeintrachtig werden kann. Das moralische Bose bezeichnet das Leiden, fur welches niemand Verantwortung ubernehmen kann bzw. verantwortlich zu machen ist.39

Die neutestamentliche Forschung untersuchte vorallem die Damonen und Exorzismen Jesu im Neuen Testament und unterteilt diese in zwei Theorien. Die erste Theorie ist die psychologische in der, der Damon, das Bose darstellend, ins Innere des Kopfes verlegt wird. Die andere Theorie ist die soziopolitische, in der sich der Mensch durch die auGeren Umstande identifiziert.40 Bei der psychologischen Theorie gelangt das Bose in Form von mentalen Krankheiten wie beispielsweise Schizophrenie, familiaren Konflikten und Suchterkrankungen ins Innere des Menschen. Diese durch mentale Erkrankungen entstehende Besessenheit eines Menschen erklart die psychologische Theorie als „geistesgestort“.41

Die zweite Theorie besagt, dass die „Besessenheit samt Jesu Exorzismen" durch auGerliche Umstanden wie „gesellschaftliche Konflikte, wirtschaftliche Ausbeutung und koloniale Unterdruckung" ausgelost wurden. In dem Sinne wird die imperiale Macht der Romer als heidnische Fremdherrschaft wahrgenommen. Diese Fremdherrschaft der romischen Besatzung lost eine Personlichkeitsspaltung bei den kolonialisierten Volker aus, da die Herrschaft einerseits als Unterdruckung, aber auch als Bewunderung der Macht angesehen werden kann.42 Somit sind die Exorzismen und die Besessenheit „eine symbolische Revolution" welche die Fremdherrschaft und Unterdruckung der Romervon auGen symbolisiert.43

Das Bose wird somit entweder durch auGerliche Oder innerliche (Mentale Krankheiten) ausgelost. Das Gute dagegen wird mit Selbstlosigkeit assoziiert.

4. Legenden auf die der Further Drachenstich referenziert

In diesem Teil der Arbeit werden die Legenden untersucht, auf welchen das Further Volksschauspiel basiert. Die Lindwurm und die Sankt Georg Legende werden mit dem Volksschauspiel verglichen um herauszufinden, welcher Part in dem Further Drachenstich ubernommen wird. Zudem wird das Motiv Gut gegen Bose in den beiden Legenden analysiert.

4.1 Die Lindwurm-Sagen

Eine der beiden Legenden auf die der Further Drachenstich referenziert sind die Lindwurm-Sagen.

Eine Lindwurmsage ist Der Lindwurm von Tappenkar. Tappenkar ist ein Tal in Salzburg. Die Sage erzahlt, dass inmitten des Tales ein tiefdunkler See liegt. Jede Nacht aufs Neue erhob sich das Ungetier aus dem See und verschlang Rinder, Pferde und Menschen, so lange bis sich keiner mehr auf die Weideflachen hinaus traute. Endlich trafen sich ein paarjunge, mutige Manner zusammen und bildeten ein lebendiges Rind nach. Mithilfe der Haut einer verstobenen Kuh, die mit Pulversacken gefullt wurde, sah die Nachbildung des Rindes sehr real aus. Sie stellten das Rind ans Ufer des Sees als Lockbeute fur den Lindwurm und warteten darauf, dass er sich seine Beute schnappen wurde. Wie geahnt, fing der See an zu rauschen und bildete rieGige Wellen - der Lindwurm stieg ans Land und sturtzte sich auf das Tier. Als er seine Lockspeise mit festem Biss im Maul hat, ertonte ein ohrenbetaubender Knall und der Lindwurm „waltze sich in seinem eigenen Blute"44. Das Ungeheuer verschwand fur immer in den Tiefen des Sees und kam nicht mehr zuruck. Das Volk bejubelte die tapferen Manner und von nun an konnte das Vieh wieder auf die Weide.

„Das Sudufer des Sees wird zur heutigen Zeit noch das Wurmfeld genannt".45

Eine weitere Lindwurm Sage ist Der Lindwurm in Volkach, einer kleinen Stadt in Bayern.

Dort wird behauptet dass ein Lindwurm sich in einem See aufhielt und Menschen und Tiere vergiftet hatte. Da das Wasser aber vom Dorf abgelassen wurde und der Graben austrocknete, konnte sich der Lindwurm dort nicht mehr aufhalten und zog fort. Seitdem herrscht Ruhe in Volkach. An der Stelle des Sees steht nun eine Martyrersaule. Auf der einen Seite werden Jesus Christus und kniende Burger dargestellt, auf der anderen Seite ist der heilige Ritter St. Georg abgebildet wie er einen Drachen totet. Der Ritter Georg ist somit „das Schutzpatron der Stadt", auch wenn er in der Sage selber nicht vorkommt.46

Die Lindwurm Sagen deuten also auf einen Drachen, der aus einem See kommt, ans Land steigt und die nahgelegenen Dorfer tyrannisiert. Dies geschiet uber die Totung von Mensch Oder Vieh, die sich zu nah an das Ufer des jeweiligen Sees wagen und durch den Lindwurm verschlungen werden.

Das Volksschauspiel Further Drachenstich ubernimmt nicht viel von den Lindwurm Sagen. Der Drache im Festspiel erscheint aus einem nahegelegenen Wald und nicht aus einem See. AuGerdem zeigt der Drache im Volksschauspiel „Gnade“ und lasst das ganze Dorf in Ruhe, sobald sich ihm eine reine Person freiwillig ihm opfert. Diese Kommunikation zwischen Mensch und Drache gibt es in den Lindwurm Sagen nicht. Der Akt des Totens ist auch unterschiedlich. Im Further Drachenstich kommt ein Ritter und sticht dem Drachen mit seiner Lanze ins Maul. In den Lindwurm Sagen wird entweder das Wasser aus den Seen rausgelassen, der Drache wird von der Flut selber getotet47 Oder ein ausgestopftes Tier, welches von tapferen Burschen gemacht worden ist, totet den Lindwurm.

Abgesehen von den vielen Unterschieden zum Further Drachenstich basiert das Volksschauspiel auf dem Grundgedanken der Lindwurm Sagen und zwar, dass der Drache ein wildes und totendes Ungeheuer ist. Der Drache reprasentiert in den Lindwurm Sagen wie auch in dem Further Spiel das Bose. In beiden Fallen verwustet der Drache Dorfer und totet Menschen. Somit reprasentieren die Lindwurm Sagen auch das Motiv des Guten gegen das Bose. Das Bose ist eindeutig immer der Lindwurm. Das Gute variiert jedoch in den Sagen. Einmal sind es die tapferen Burschen, ein anderes Mai ist es ist es die Flut selber Oder das Dorf.

Somit basiert das Further Volksschauspiel auf dem Grundgedanken der Lindwurm Sagen, dass der Drache beziehungsweise der Lindwurm das Bose verkorpert, von dem das Gute erlost werden soil.

4.2 Die Georgslegenden vom heiligen Sankt Georg

Der heilige Georg wird seit dem Mittelalter verehrt und hat zwei verschiedene Bedeutungen.

Das Georgslied von Otfrid von WeiGenburg im elften Jahrhundert handelt von ihm als Martyrer und Wundertater.48

Erst ab dem zwolften Jahrhundert mit den Kreuzzugen wird Sankt Georg in Verbindung mit dem Drachentoten gebracht.49 50

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Eine Sankt Georg Legende besagt, dass der Ritter Georg aus Kappadokien, einer Landschaft in der heutigen Turkei, kam und eine Bindung zu einem Drachen aufbaute, der sich in einer Stadt niedergelassen hatte. Georg kannte den Drachen seit seiner Kindheit. Er spielte mit ihm indem er seinen „Schweifschlagen und Klauen lachend ausgewichen"51 ist. Durch diese Beziehung entfernen sich seine Mitburgervon ihm, da diese den Drachen als Ungeheuer ansehen. Sie verstanden nicht, wie Georg Zeit mit diesem „Wurm“ verbringen konnte. Georg sah in dem Drachen aber mehr als nur ein Ungeheuer. Er wusste mehr von ihm als seine Mitburger wie zum Beispiel, dass der Drache Angst vor Spinnen hatte. Georg wird immer weiter abgestoGen von den Leuten, so dass er weder etwas isst noch etwas trinkt und Geborgenheit bei dem Drachen sucht. Er versuchte die Leute davon zu uberzeugen, dass der Drache kein Ungeheuer sei. Dies gelang ihm leider nicht. Somit ging Georg eines Tages alleine zu seinem Drachen. Der Drache spiegelte sich in Georgs Rustung und griff ihn an, woraufhin Georg den Drachen totete. Von der Konigstochter ,die vor dem Drachen gerettet wird, wird in dieser Legende nichts erzahlt.52

Ebenso wie die Lindwurmsagen wird auch die Legende urn Sankt Georg als Grundlage fur das Volksschauspiel herangezogen. Die Grundlage der Legende wurde im Volksschauspiel ubernommen. Der heilige Georg sticht wie Udo den Drachen mit seiner Lanze und totet ihn so. Einen Unterschied gibt es jedoch. In der Legende besteht ein innerer Konflikt des Ritters Georg: Er baut eine Bindung zu einem Drachen auf, welche von seinen Mitburgern verabscheutwird.

Urn die Anerkennung von seinen Mitburgern wieder zu erlangen und nicht weiterhin ausgeschlossen zu werden, muss er den Drachen toten. Im Volksschauspiel wird dieser innere Konflikt nicht angesprochen. Dort totet Ritter Udo den Drachen, urn seine geliebte Schlossherrin und das Volk zu retten. Somit totet Udo den Drachen urn sein Volk zu bewahren, aber nicht urn seine Anerkennung wieder zu bekommen.

Ein weiterer Unterschied befindet sich am Ende des Volksschauspiels. In der Legende wird kein Wort uber die entfuhrte Prinzessin berichtet, im Volksschauspiel heiraten der Ritter und die Schlossherrin.

Eine weitere Sankt Georg Legende ist das Georgsspiel „Ain hupsch Spil von sant jorigen vnd des kungs von libia tochter vnd wie sy erlost ward"53 aus Augsburg.

[...]


1 Vgl. Schmidt, Leopold, Das deutsche Volksschauspiel, Berlin, 1962, S.llf.

2 Friedl, Jurgen, Altestes deutsches Volksschauspiel, in: Der Oberpfalz - Kalender, Amberg, 2009.

3 Perlinger, Werner, Der Drachenstich im Further Wald, in: Barbel Kleindorfer - Marx, Oberpfalz und Bohmen, Regensburg, 1998.

4 Uber 500 Jahre Kampf gegen den Drachen, in: Altbayerische Heimatpost, Trostberg, 2006.

5 Markmiller, Fritz, Der Further Drachenstich um 1850, in: Heimat Ostbayem, Grafenau, 1989.

6 Wainwright, Elizabeth, Studien zum deutschen Prozessionspiel, Bachenhausen, 1974.

7 Brettenthaler, Josef,/Laireiter, Matthias, Das Salzburger Sagenbuch, Salzburg, 1976.

8 Schoppner, Alexander, Bayerische SagenErsterBand, Munchen, 1803.

9 Ukena, Elke, Die deutschenMirakelspiele des Spatmittelalters Studien und Texte, Frankfurt, 1975.

10 Fried, Erich, St.Georg und sein Drache, in: Hans Peter Ecker, Legenden - Heiligengeschichten vom Altertum bis

zur Gegenwart, Stuttgart, 2001.

11 Schmidt, Heinrich, Drachenstich zu Furth im Wald, Furth im Wald, 1920.

12 Bauer, Josef-Martin, Drachenstich Festspiel Furth im Wald, Furth im Wald, 1953.

13 Krausova, Milada, JosefMartin Bauer, sein Drachenstich und das Bild der Hussiten, in: Jahrbuch, Furth im Wald, 2000.

14 Novotny, Lukas, Vergangenheitsdiskurse zwischen Deutschen und Tschechen, Baden-Baden, 2009.

15 Ulrich, Herbert, Geschichte Deutschlands im 20. Jahrhundert, Munchen, 2014.

16 Vgl. http://www.drachenstich.de/index.php/das-festspiel.

17 Vgl. Ebd.

18 Vgl. Friedl, Jurgen, Altestes deutsches Volksschauspiel, in: Der Oberpfalz - Kalender, Amberg, 2009, S.59.

19 Vgl. Perlinger, Werner, Der Drachenstich im Further Wald, in: Barbel Kleindorfer - Marx, Oberpfalz und Bohmen, Regensburg, 1998, S.179.

20 Vgl. Uber 500 Jahre Kampf gegen den Drachen, in: Altbayerische Heimatpost, Trostberg, 2006, S.3.

21 Vgl. Wainwright, Elizabeth, Studien zumdeutschen Prozessionspiel, Bachenhausen, 1974, S.25f.

22 Vgl. Perlinger, Werner, Der Drachenstich im Further Wald, in: Barbel Kleindorfer - Marx, Oberpfalz und Bohmen, Regensburg, 1998, S.179.

23 Vgl. Uber 500 Jahre Kampf gegen den Drachen, in: Altbayerische Heimatpost, Trostberg, 2006, S.3.

24 Vgl. Ebd.

25 Vgl. Markmiller, Fritz, DerFurther Drachenstichum 1850, in: Heimat Ostbayem, Grafenau, 1989, S.67.

26 Vgl. Perlinger, Werner, Der Drachenstich im Further Wald, in: Barbel Kleindorfer - Marx, Oberpfalz und Bohmen, Regensburg, 1998, S.182.

27 Vgl. Markmiller, Fritz, DerFurther Drachenstichum 1850, in: Heimat Ostbayem, Grafenau, 1989, S.67.

28 Vgl. Perlinger, Werner, Der Drachenstich im Further Wald, in: Barbel Kleindorfer - Marx, Oberpfalz und Bohmen, Regensburg, 1998, S.182.

29 Vgl. Ebd.

30 Vgl. Ebd.

31 Vgl. Perlinger, Werner, Der Drachenstich im Further Wald, in: Barbel Kleindorfer - Marx, Oberpfalz und Bohmen, Regensburg, 1998, S.182.

32 Vgl. Brendle, Franz; Schindling, Anton, Religionskrieg im Alten Reich und in Alteuropa, Munster, 2006, S.60.

33 Vgl. Perlinger, Werner, Der Drachenstich im Further Wald, in: Barbel Kleindorfer - Marx, Oberpfalz und Bohmen, Regensburg, 1998, S.182.

34 Vgl. Ebd.

35 Vgl. Ebner, Martin, Das Bose, Neukirchen- Vluyn, 2012, S. X|||.

36 Vgl. S.23.

37 Vgl. S.9.

38 Vgl. Barth, Friederike, Die Wirklichkeit des Guten, Tubingen, 2011, S.140.

39 Vgl. Ebner, Martin, Das Bose, Neukirchen - Vluyn, 2012, S.9.

40 Vgl. S.1401F.

41 Vgl. Ebd.

42 Vgl. Ebd.

43 Vgl. Ebd.

44 Vgl. Brettenthaler, Josef,/Laireiter, Matthias, Das Salzbuiger Sagenbuch, Salzburg, 1976, S.220.

45 Vgl. Ebd.

46 Vgl. Schoppner, Alexander, Bayerische Sagen Erster Band, Munchen, 1803, S.224f.

47 Vgl. Brettenthaler, Josef,/Laireiter, Matthias, Das Salzbuiger Sagenbuch, Salzburg, 1976, S.250.

48 Vgl. Perlinger, Werner, Der Drachenstich, in: Der Bayerwald, Straubing, 2010, S.41.

49 Vgl. Ebd.

50 Vgl. Ebd.

51 Vgl. Fried, Erich, St.Georg und sein Drache, in: Hans Peter Ecker, Legenden - Heiligengeschichten vom Altertumbis zur Gegenwart, Stuttgart, 2001, S.333.

52 Vgl. Ebd.

53 Vgl. Ukena, Elke, Die deutschen Mirakelspiele des Spatmittelalters Studienund Texte, Frankfurt, 1975, S.386.

Ende der Leseprobe aus 34 Seiten

Details

Titel
Der Further Drachenstich. Die Darstellung von "Gut " und "Böse" im ältesten Volksschauspiel Deutschlands
Hochschule
Universität Augsburg
Note
1,3
Autor
Jahr
2016
Seiten
34
Katalognummer
V493597
ISBN (eBook)
9783668996380
Sprache
Deutsch
Schlagworte
further, drachenstich, darstellung, böse, volksschauspiel, deutschlands
Arbeit zitieren
Eva Frischmuth (Autor), 2016, Der Further Drachenstich. Die Darstellung von "Gut " und "Böse" im ältesten Volksschauspiel Deutschlands, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/493597

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