Ein Roman, der das Leben in einer faschistischen Diktatur unter der erdrückenden Macht der Nationalsozialisten im kleinsten Detail geradezu realitätsnah schildert. Eine Autorin, die am eigenen Leib erfahren hat, wie es ist, ständig bedroht und bespitzelt zu werden und die ihren einzigen Ausweg in der Flucht aus ihrem geliebten Deutschland ins Exil gesehen hat. Eine Handlung, die uns von Anfang an berührt und in ihren Bann zieht. Ein Werk, das wohl für immer eine außerordentlich große Bedeutung haben wird.
Für mich war es von Anfang an klar, einen Roman über das „Dritte Reich“ für meine Seminararbeit zu wählen, da ich mich für die nationalsozialistische Diktatur und deren Ideologie unter Adolf Hitler interessiere. Bei meiner Recherche für einen passenden Roman der Exilliteratur bin ich durch einen Zeitungsartikel auf den Klassiker „Das Siebte Kreuz“ gestoßen. Es handelte sich um die Ankündigung, dass der bekannte Roman von Anna Seghers im Jahr 2018 im Mittelpunkt des Events „Frankfurt liest ein Buch“ stehen wird.
An Anna Seghers faszinierte mich von Anfang an, dass ihr als Frau zu Zeiten des Nationalsozialismus ein derart großer Welterfolg mit ihrem Roman „Das Siebte Kreuz“ gelungen ist, der heute, 81 Jahre nach dem Erscheinen, immer noch aktuell ist. Insbesondere beeindruckten mich ihre Schreibweise und ihre bemerkenswerte Fähigkeit, sich in die Romanfiguren hineinzuversetzen und ihre Gefühle bis ins kleinste Detail zu schildern.
Das Besondere an ihrem Roman „Das Siebte Kreuz“ ist, dass jeder der den Roman heutzutage liest, sich ein Bild des nationalsozialistischen Deutschlands und dessen Bevölkerung im Jahr 1937 bilden kann.
Denn das Gefährlichste ist und bleibt über das bisher dunkelste Kapitel der deutschen Geschichte zu schweigen, zu verdrängen und schließlich zu vergessen. Die Autorin schafft es durch die spannende Fluchthandlung diesem Vergessen entgegen zu wirken, um nachfolgende Generationen zu erinnern wie wichtig es ist, die Fehler der Vergangenheit nicht zu wiederholen und aufs Stärkste zu vermeiden. Deutschland hat daher mehr als jedes andere Land die Pflicht, eine angemessene Erinnerungskultur zu schaffen und zu bewahren.
Inhaltsverzeichnis
1. Vorwort
2. Historisch-Biographische Bezüge
2.1 Zeitgeschichtlicher Hintergrund
2.2 Leben und Wirken von Anna Seghers im Exil
2.3 Bedeutung des Romans in der Literatur
3. Analyse und Interpretation des Romans
3.1 Kurzer inhaltlicher Überblick
3.2 Titelmetapher und Widmung
3.3 Aufbau und Struktur
4. Personen und ihre Rolle
4.1 Georg Heisler als wichtiger Protagonist
4.2 Die Sieben Flüchtlinge – Opfer des Nationalsozialismus
4.3 Die Unterstützer der Flucht von Georg Heisler
4.3.1 Die Hauptfiguren
4.3.2 Der besondere Fall – Fritz Helwig
4.3.3 Die Nebenfiguren
4.4 Die Repräsentanten des Nationalsozialismus
4.4.1 Das Lagerpersonal
4.4.2 Die Mitläufer des Nationalsozialismus
5. Das moralische Problem
6. Der Flüchtling als Prüfstein
7. Die Aktualität des Romans
Zielsetzung & Themen
Diese Seminararbeit analysiert Anna Seghers' Roman „Das Siebte Kreuz“ mit dem Fokus auf die soziale Dynamik zwischen Anpassung und Widerstand im nationalsozialistischen Deutschland. Die Forschungsfrage untersucht dabei, wie der Fluchtversuch des Protagonisten Georg Heisler als Katalysator fungiert, der bei verschiedenen Gesellschaftsschichten moralische Entscheidungsprozesse auslöst und die Wirkmacht von Humanität und Solidarität trotz eines totalitären Terrorsystems beleuchtet.
- Literarische Aufarbeitung der NS-Diktatur und des Widerstandes
- Die moralische Verantwortung des Einzelnen in einem totalitären System
- Analyse der Romanfiguren zwischen blinder Anpassung und Zivilcourage
- Bedeutung der Erinnerungskultur im Kontext aktueller gesellschaftlicher Herausforderungen
Auszug aus dem Buch
4.3.2 Der besondere Fall – Fritz Helwig
Nicht alle Romanfiguren sind sich jedoch von Anfang an sicher, Georg Heisler zu unterstützen und sich somit selbst in Gefahr zu begeben. Viel bedeutungsvoller sind jene Charaktere, die eine moralische Entwicklung durch die Konfrontation mit dem Flüchtling durchlaufen und sich von einer nahezu blinden Anpassung an die nationalsozialistischen Diktatur auf die Seite des antifaschistischen Widerstands schlagen.
Eine Romanfigur, die sich in einem typischen Konflikt zwischen Anpassung und Widerstand befindet, ist Fritz Helwig, ein junger Gärtnerlehrling und Mitglied der Hitler-Jugend. Georg stiehlt am ersten Tag der Flucht aus dem KZ Westhofen Helwigs neue „Manchestersamtjacke“. Fritz reagiert anfangs geradezu „kindlich vor Zorn und Kummer“ und droht dem Dieb aus Wut, ihn totzuschlagen wenn er ihn finden würde. Gerade hier wird deutlich, wie wenig menschliche Werte wie Solidarität, Nächstenliebe und Menschlichkeit gegenüber Schwächeren in der nationalsozialistischen Jugendpolitik, oder generell im Faschismus, vermittelt wurden.
Kurz darauf wird Fritz Helwig von der Gestapo verhört, um den Flüchtling anhand der Jacke besser identifizieren zu können. Auf die Frage des alten Gärtners Gültscher, ob er ausgesagt hat, antwortet Fritz, dass er „doch gemusst [habe]“, da es für ihn selbstverständlich als „Hitler-Junge“ ist, alle Befehle ohne Rückfragen zu befolgen. Durch die darauffolgenden Blicke des Gärtners stutzig geworden, beschäftigen den Jungen mit den „aufgeweckten Augen“ fortan Fragen über das Häftlingslager Westhofen. Da das KZ schon „immer dagewesen [war]“, hatte er es deswegen als Selbstverständlichkeit hingenommen und nicht weiter hinterfragt.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Vorwort: Die Autorin erläutert ihre Motivation, sich mit Anna Seghers' „Das Siebte Kreuz“ auseinanderzusetzen und unterstreicht die bleibende Relevanz des Werkes für die Erinnerungskultur.
2. Historisch-Biographische Bezüge: Dieses Kapitel beleuchtet den zeitgeschichtlichen Kontext der 1930er Jahre sowie Seghers' Leben im Exil und die literarische Einordnung ihres Romans.
3. Analyse und Interpretation des Romans: Hier werden der Inhalt, die symbolische Bedeutung des Titels sowie der erzählerische Aufbau und die Montagetechnik des Romans detailliert analysiert.
4. Personen und ihre Rolle: Dieser zentrale Abschnitt untersucht das soziale Spektrum des Romans, von Georg Heisler als Protagonist über die Unterstützer der Flucht bis hin zu den Repräsentanten des NS-Regimes.
5. Das moralische Problem: Das Kapitel diskutiert die zentrale ethische Frage des Romans, ob es moralisch vertretbar und notwendig ist, Menschenleben durch Solidarität mit einem Flüchtling zu gefährden.
6. Der Flüchtling als Prüfstein: Hier wird analysiert, wie die Flucht Heislers die Mitmenschen zur moralischen Selbstreflexion zwingt und als moralische Bewährungsprobe dient.
7. Die Aktualität des Romans: Das letzte Kapitel schlägt die Brücke zur heutigen Zeit, indem es Parallelen zwischen der Fluchtthematik im Roman und der aktuellen gesellschaftlichen Situation sowie der Bedeutung der Erinnerungskultur zieht.
Schlüsselwörter
Anna Seghers, Das Siebte Kreuz, Nationalsozialismus, Flucht, Widerstand, Solidarität, Exilliteratur, Zivilcourage, Erinnerungskultur, Moral, Humanität, Faschismus, Konzentrationslager, Mitläufertum, Identität
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert Anna Seghers' Roman „Das Siebte Kreuz“ und untersucht, wie die Flucht eines KZ-Häftlings die Haltung der deutschen Bevölkerung zwischen 1937 und der Gegenwart widerspiegelt.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Felder umfassen den Widerstand gegen den Nationalsozialismus, die menschliche Solidarität unter Lebensgefahr und die Bedeutung von Zivilcourage.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Die Arbeit fragt danach, wie Seghers durch die Fluchthandlung die gesellschaftliche Struktur des NS-Staates aufrollt und welche moralischen Wandlungsprozesse die Romanfiguren dabei durchlaufen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine literaturwissenschaftliche Analyse, die sowohl den historischen Kontext als auch eine detaillierte Interpretation der Romanfiguren und Symbolik nutzt.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil konzentriert sich auf die Analyse der Charaktere, differenziert zwischen Unterstützern der Flucht, Repräsentanten des NS-Systems und Mitläufern sowie auf das moralische Problem der Solidarität.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Schlüsselwörter wie Widerstand, Solidarität, Zivilcourage, Exilliteratur und Erinnerungskultur prägen die inhaltliche Ausrichtung.
Welche besondere Bedeutung kommt der Figur Fritz Helwig zu?
Fritz Helwig verkörpert den Konflikt der Jugend im NS-Staat; seine Entwicklung vom angepassten Hitler-Jungen zum heimlichen Helfer des Flüchtlings zeigt, wie moralische Zweifel auch tief geprägte Generationen erreichen können.
Warum ist das "Siebte Kreuz" für die heutige Erinnerungskultur relevant?
Der Roman dient als zeitloses Mahnmal gegen Intoleranz und Diktatur und verdeutlicht, dass eine funktionierende Erinnerungskultur eine aktive Auseinandersetzung mit der Geschichte erfordert, um aktuelle antidemokratische Tendenzen zu erkennen.
- Arbeit zitieren
- Anonym (Autor:in), 2019, Die Unterstützer der Flucht. Figuren des Romans zwischen Anpassung und Widerstand in Anna Seghers "Das Siebte Kreuz", München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/493601