Die vorliegende Arbeit beschäftigt sich mit verschiedenen Zeichentechniken- und methoden sowie der Anwendung von Zeichnen im Schulunterricht. Wenn die Frage danach gestellt wird, was Zeichnung sei, so scheint eine befriedigende Antwort angesichts der schier unendlichen Möglichkeiten, die sich in diesem Medium eröffnen, ausgeschlossen. Dennoch kann man sicher sein, dass jeder eine spontane Meinung dazu hat und mit hoher Wahrscheinlichkeit die Zeichnung mit dem Gebrauch der Linie gleichsetzen wird, besonders auch, um sie von den Eigenarten anderer Medien zu unterscheiden.
Schülerinnen und Schüler zeigen von klein an ein großes Interesse am künstlerischen Schaffen und besonders die Handzeichnung steht hierbei im Vordergrund. Im Laufe der Zeit, zeitlich einzuordnen etwa im Übergang zur Pubertät, verlieren viele SuS die Freude am Zeichnen. Dies liegt daran, dass der Anspruch an die eigenen Zeichnungen sich verändert und die SuS eine Unzufriedenheit entwickeln, wenn die angefertigte Arbeit von der Realität abweicht.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Begriffsbestimmung
3. Die Zeichnung als künstlerisches Ausdrucksmittel
4. Zeichnen im Kunstunterricht
4.1 Historischer Exkurs
4.2 Die Verankerung im niedersächsischen Kerncurriculum der Grundschule
5. Zeichentechniken
5.1 Zeichenarten
5.1.1 Bleistiftzeichnung
5.1.2 Buntstiftzeichnung
5.1.3 Kohlezeichnung/Pastellmalerei
5.2 Zeichenmethoden
5.2.1 Schummern
5.2.2 Schraffieren
5.2.3 Experimentelles Zeichnen
5.2.4 Intuitives Zeichnen
5.2.5 „Einlinienfiguren“
6. Fazit
Zielsetzung und Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die Bedeutung des Zeichnens als künstlerisches Ausdrucksmittel und dessen didaktische Relevanz im Kunstunterricht der Grundschule. Ziel ist es, neben theoretischen Grundlagen der Zeichentechniken auch aufzuzeigen, wie unterschiedliche Zugänge zum Zeichnen die individuelle Ausdrucksfähigkeit von Schülerinnen und Schülern fördern können.
- Historische Entwicklung des institutionalisierten Zeichenunterrichts
- Verankerung der Zeichenfähigkeit in curricularen Vorgaben
- Differenzierung zwischen klassischen und experimentellen Zeichenmethoden
- Förderung ganzheitlicher Wahrnehmungs- und Ausdrucksprozesse
- Praktische Umsetzungsmöglichkeiten im schulischen Kontext
Auszug aus dem Buch
5.2.3 Experimentelles Zeichnen
Diese Form des Zeichnens eröffnet auf experimentelle Weise verschiedene zeichnerische Umsetzungsmöglichkeiten. Dadurch werden neue Perspektiven auf den Gegenstand und sich selbst angeregt. Die ganzheitliche Beanspruchung von Körper und Geist soll beim Zeichnen betont werden, um Bewegung und Rhythmus physisch erfahrbar zu machen. Dadurch sollen die beidhändige Ausdrucksfähigkeit und die Geschicklichkeit geschult werden. Johannes Itten führte Anfang der 20er Jahre im Rahmen seiner Lehre zahlreiche experimentelle Zeichenübungen durch. Paul Klee beschrieb dies wie folgt: „Nachdem er einige Gänge gemacht hat, steuert er auf eine Staffelei zu, auf der ein Reißbrett mit einer Lage Schmierpapier steht. Er ergreift eine Kohle, sein Körper sammelt sich, als ob er sich mit Energie ladete, und geht dann plötzlich zweimal nacheinander los. Man sieht die Form zweier energischer Striche, senkrecht und parallel auf dem obersten Schmierbogen, die Schüler werden aufgefordert, das nachzumachen … Dann kommandiert er’s im Takt, dann läßt er dasselbe Exercitium stehend ausüben. Es scheint eine Art Körpermassage damit gemeint zu sein, um die Maschine auf das gefühlsmäßige Funktionieren hin zu schulen“ (zit. nach Kirchner, 2009: 181). Itten strebte hierbei eine Befreiung des Ausdruckvermögens an sowie fluktuierendes Denken (vgl. Itten, 1975: 110).
Das experimentelle Zeichnen soll eine neue Sichtweise auf den Gegenstand ermöglichen, die Wahrnehmung schärfen und das Darstellungsvermögen steigern. Dazu kann blind ertastendes Konturenzeichnen, das Zeichnen teils abgedeckter oder auf dem Kopf stehender Vorlagen, das darstellen von sinnlichen Erfahrungen (beispielsweise Geschmäcker) oder auch das Zeichnen von Gegenständen, ohne den Blick auf das Papier zu richten (vgl. Kirchner, 2009: 182). Das realitätsgetreue Abzeichnen einer Sache steht hierbei nicht im Vordergrund und wird durch eine Vielfalt an Zugängen grundsätzlich relativiert. Dadurch wird der Absolutheitsanspruch der Standardzeichnung aufgehoben (vgl. Peters, 1998: 15).
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung beleuchtet die Bedeutung des Zeichnens als grundlegendes Ausdrucksmittel und thematisiert das nachlassende Interesse von Kindern am Zeichnen im Übergang zur Pubertät.
2. Begriffsbestimmung: Hier wird der Begriff Zeichnen definiert und als zweidimensionale, durch die Hand des Künstlers erschaffene grafische Gestaltung von der Malerei abgegrenzt.
3. Die Zeichnung als künstlerisches Ausdrucksmittel: Dieses Kapitel erörtert die anthropologischen Grundlagen des Zeichnens und wie die Linie als zentrales Element zur kognitiven Konstruktion und Darstellung von Wirklichkeit dient.
4. Zeichnen im Kunstunterricht: Der Abschnitt analysiert den historischen Wandel des Zeichenunterrichts von disziplinierenden Drills hin zur pädagogisch orientierten Kunsterziehung und prüft die curriculare Verankerung in Niedersachsen.
5. Zeichentechniken: Hier werden verschiedene materielle Zeichenarten sowie methodische Ansätze wie Schummern, Schraffieren und experimentelle Formen der Zeichnung detailliert vorgestellt.
6. Fazit: Das Fazit fasst die Vielfalt der zeichnerischen Gestaltungsmittel zusammen und betont die Chancen für den Kunstunterricht, durch verschiedene Zugänge die Ausdrucksmöglichkeiten der Schüler zu erweitern.
Schlüsselwörter
Zeichnen, Handzeichnung, Kunsterziehung, Grundschule, Zeichentechniken, Linie, Kontur, experimentelles Zeichnen, Wahrnehmung, Ausdrucksfähigkeit, Schraffieren, Schummern, künstlerisches Gestalten, Bildhaftes Gestalten, Kerncurriculum.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit dem Medium der Zeichnung im Kontext des Kunstunterrichts der Grundschule und untersucht sowohl die theoretischen Grundlagen als auch praktische methodische Ansätze.
Was sind die zentralen Themenfelder der Arbeit?
Die zentralen Themen sind die historische Entwicklung des Zeichenunterrichts, die fachliche Einordnung der Handzeichnung, curriculare Rahmenbedingungen sowie diverse Zeichentechniken und -methoden.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Ziel ist es, die didaktische Bedeutung des Zeichnens aufzuzeigen und Strategien zu vermitteln, wie durch eine Vielfalt an Zugängen die individuelle künstlerische Ausdrucksfähigkeit gefördert werden kann.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine theoretische Auseinandersetzung, die auf der Analyse von Fachliteratur, historischen Bildungsansätzen und aktuellen Kerncurricula basiert.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Definition des Begriffs Zeichnung, die pädagogische Bedeutung, die historische Entwicklung sowie die detaillierte Vorstellung technischer Fertigkeiten und experimenteller Zeichenübungen.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die wichtigsten Begriffe sind Zeichnen, Handzeichnung, Kunsterziehung, experimentelles Zeichnen, Wahrnehmung und bildhaftes Gestalten.
Welche Rolle spielt die Kunsterzieherbewegung für das heutige Verständnis des Zeichenunterrichts?
Die Kunsterzieherbewegung markierte den Wandel von einem rein disziplinierenden und handwerklichen Drill hin zu einem Fach, das Kunst als pädagogisches Mittel zur Erziehung und Ausdrucksförderung nutzt.
Was unterscheidet das "experimentelle Zeichnen" vom klassischen Abzeichnen?
Während beim klassischen Abzeichnen der Fokus auf der realitätsgetreuen Wiedergabe liegt, nutzt das experimentelle Zeichnen Methoden wie blindes Konturenzeichnen, um Wahrnehmung und Ausdrucksbefreiung in den Mittelpunkt zu rücken.
- Arbeit zitieren
- Valerie Schröder (Autor:in), 2019, Zeichnen. Techniken, Methoden und Anwendung im Unterricht, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/493663