Internationale Konflikte um Trinkwasser: Fallbeispiele aus dem Nahen und Mittleren Osten


Magisterarbeit, 2003
143 Seiten, Note: 1,7

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Die Ressource Wasser
2.1. Der Wasserhaushalt der Erde
2.1.1. Allgemeines
2.1.2. Der Wasserkreislauf
2.1.3. Verteilung des Wassers auf unserem Planeten
2.1.4. Einflüsse des Klimawandels
2.2. Wasserverbrauch der Menschheit
2.2.1. Wasserbedarf S.21
2.2.2. Verteilung der Vorräte unter den Verbrauchern
2.2.3. Bevölkerungswachstum – der limitierende Faktor
2.2.4. Gewinnung und Speicherung von Wasservorräten
2.2.5. Die Verwendung von Wasser zu industriellen Zwecken
2.2.6. Wasser für die Städte und Haushalte
2.2.7. Wasser in der Landwirtschaft
2.2.8. Lösungsansätze
2.2.9. Privatisierung der Wasserversorgung und Wasser als Handelsware

3. Wasser – Stoff für Konflikte im Nahen und Mittleren Osten
3.1. Auseinandersetzungen um Wasser
3.2. Wasser im internationalen Recht
3.3. Der Indus Water Treaty
3.3.1. Geographische Gegebenheiten
3.3.2. Der Ursprung des Konflikts
Exkurs: Der Kaschmirkonflikt
3.3.3. Die Weltbank als Mediator
3.3.4. Der Vertrag und seine Wirkung
3.4. Wasserverteilung an Euphrat und Tigris
3.4.1. Die Geographie des Zweistromlandes
3.4.2. Geschichtliche Hintergründe
3.4.3. Verschiebung der Machtverhältnisse in Folge des Irakkriegs
3.4.4. Guneydogu Anadolu Projesi (GAP) – das „Südostanatolienprojekt“
3.4.5. Syrische Projekte
3.4.6. Planungen des Irak
3.4.7. Relative Knappheit
3.4.8. Verlauf der Verhandlungen
3.4.9. Völkerrechtliche Positionen und gerechte Verteilung
3.4.10. Ausblick
3.5. Wasserkonflikte im Jordanbecken
3.5.1. Geographische Gegebenheiten
3.5.2. Wasserpolitische Ausgangssituation im Jordanbecken
3.5.3. Frühe Dispute um Wasser
3.5.4. Der Johnston-Plan von 1955
3.5.5. Der Sechstagekrieg im Juni 1967
3.5.6. Wassernutzung in Israel, Jordanien und den Palästinenser-Gebieten
3.5.7. Multilaterale Verhandlungen
3.5.8. Der israelisch-jordanische Friedensvertrag
3.5.9. Autonomie für die Palästinenser
3.5.10. Israels bilaterale Auseinandersetzungen mit Syrien und dem Libanon
3.5.11. Ausblick
3.5.12. Regulierung der Nachfrage und Ausweitung des Angebots

4. Fazit

5. Quellen

6. Literatur

7. Anhang
7.1. Verzeichnis der Abkürzungen

1. Einleitung

Trinkwasser ist neben der Luft zum Atmen das Wichtigste, was der Mensch zum Leben braucht. Ohne Nahrung kann man mehrere Wochen überleben, ohne Wasser nur drei Tage. Außer zum Trinken wird Wasser auch benötigt, um Nahrung zu produzieren, meist in der Landwirtschaft. Reicht die als Niederschlag fallende Menge nicht aus, um die Felder zu bewässern, so muss der Bedarf aus anderen Quellen gedeckt werden. Schon in der Antike wurden raffinierte Bewässerungssysteme konstruiert, die Wasser aus Flüssen und Seen über weite Strecken dorthin transportierten, wo es gebraucht wurde. Damals hing der Fortbestand der Kulturen erheblich davon ab, ob die Wasserversorgung funktionierte oder nicht. Sandra Postel stellt sich die Frage: „Wird es unserer Kultur anders ergehen?“[1] Zur Zeit verbraucht die Menschheit etwa drei- bis viertausend Kubikkilometer im Jahr.[2] Ein Kubikkilometer entspricht 1*1012 Liter oder auch 1000 Millionen Kubikmeter (MKM), die Einheit, in der die Wassermenge eines Flusses oder der Wasserbedarf eines Landes meist angegeben wird.

Derzeit steuert die Welt nach Einschätzung aller Experten auf eine schwere Wasserkrise zu. Der Bedarf der Menschheit wird immer größer, da die Weltbevölkerung wächst und der Lebensstandard der Bevölkerung steigt – besonders in den Entwicklungsländern. Damit verbunden sind höhere Ansprüche an Nahrung, Hygiene, Freizeit, Luxus, etc., was einen höheren Wasserverbrauch nach sich zieht. Doch erst muss der Zugang vor allem der Armen zu Wasserressourcen verbessert werden. In der Tat „ist die Armut eines großen Teils der Weltbevölkerung sowohl ein Symptom als auch eine Ursache der Wasserkrise.“[3]

Nach Angaben der UN hatten um die Jahrtausendwende 1,2 Milliarden Menschen (also jeder fünfte auf der Welt) kein sauberes Trinkwasser. Ca. drei Milliarden lebten ohne Zugang zu sanitären Anlagen. Ein Drittel aller Todesopfer in den Entwicklungsländern sterben an Krankheiten, die auf verschmutztes Wasser zurückzuführen sind, wie Durchfall, Ruhr oder Cholera.[4] Die Krise ist in den Entwicklungsländern schon akut, während es den entwickelten Ländern noch verhältnismäßig gut geht. Doch auch ihnen wird für die Zukunft Wassermangel prophezeit.

Auf dem New Yorker UN-Gipfel 2000 wurden Ziele für das neue Jahrtausend formuliert, und eins davon ist, den Anteil der Menschen, die keinen Zugang zu sauberem Trinkwasser haben, bis 2015 zu halbieren. Es wurde auf dem Weltgipfel für nachhaltige Entwicklung 2002 in Johannesburg um die Vorgabe ergänzt, auch die Zahl der Menschen ohne Anschluss an eine Abwasserentsorgung zu halbieren.[5]

Das Problem ist nicht neu. Bereits seit Ende der 80er Jahre wird die Knappheit des Wassers als Ressource in der Wissenschaft thematisiert. Bis heute gab es eine Vielzahl von Untersuchungen, die sich mit den verschiedensten Aspekten der Materie beschäftigten, von denen hier nur einige genannt sein sollen:

- Verbrauch: Wer nutzt wie viel in welchem Zeitraum?
- soziale und gesundheitliche Folgen von Wasserknappheit
- technische Möglichkeiten zur Gewinnung und Speicherung von Reserven
- Effizienzsteigerung v.a. in der Landwirtschaft
- Wasserqualität
- Erhaltung von Ökosystemen
- außen- und innenpolitische Auswirkungen einer Wasserknappheit

Das Hauptaugenmerk dieser Magisterarbeit liegt auf letzterem Punkt, denn in der internationalen Politik hat Wasser in den letzten dreißig Jahren stark an Bedeutung gewonnen. Heute ist es wertvoller als Gold und strategisch wichtiger als Erdöl. Dass unter den geschilderten Bedingungen in den über 260 internationalen Flussläufen und anderen Gewässern dieser Welt[6] Streit um die Nutzung und den Verbrauch von Wasser ausbrechen kann, ist offenkundig. Anlass dafür können unter anderem die Verschmutzung eines Gewässers durch Nutzung für Schifffahrt o.ä. oder die Stauung, Umleitung und Ableitung eines Flusses bzw. die unkontrollierte Wasserentnahme aus grenzüberschreitenden Gewässern durch mindestens einen Anrainer sein.

Besonders wenn es um Entnahme und Verbrauch in wasserarmen Regionen dieser Welt geht, haben solche Auseinandersetzungen ein enormes Konfliktpotential. Haftendorn nennt Dispute dieser Art Verteilungskonflikte.[7] Sie treten meist auf, wenn ein Anrainer unilaterale Projekte zur Erschließung und Entnahme der Ressource plant und umsetzt, über die andere Anlieger nicht informiert wurden und von denen sie nicht profitieren können.

In meiner Arbeit will ich darstellen, unter welchen Umständen internationale Verteilungskonflikte innerhalb eines Flussbeckens entstehen können, wie sie sich auf das zwischenstaatliche Verhältnis auswirken und welche Lösungsmöglichkeiten es gegebenenfalls gibt. Dabei soll auch der Bezug entstandener Abkommen über Wasser zum Völkerrecht hergestellt werden. Dieses beruft sich vor allem auf die Helsinki-Regeln der International Law Association (ILA) von 1966 und die UN-Convention on the Non-navigational Uses of International Watercourses von 1997. Ein Hauptaugenmerk soll auf der Frage liegen, ob Wasser in kriegerischen Auseinandersetzungen zwischen den Staaten Ursache, Anlass, politisches Druckmittel oder Instrument der Kriegsführung ist bzw. war, oder ob die Wasserfrage unabhängig von politischen Themen behandelt wurde und wird. Auch eventuelle Auswirkungen einer wasserpolitischen Einigung auf das zwischenstaatliche Verhältnis und die politischen Umgangsformen sollen dargestellt werden.

Zu diesem Zweck vergleiche ich drei Fallbeispiele aus der politischen Krisenregion Naher und Mittlerer Osten.[8] Die Verteilung des Indus zwischen Indien und Pakistan wurde 1960 friedlich geregelt, während die Türkei, Syrien und der Irak sich noch nicht über die Nutzung von Euphrat und Tigris sowie die Auswirkungen des großen türkischen Staudammprojekts an beiden Flüssen einig geworden sind. Im Jordanbecken, dem dritten untersuchten Beispiel, sind es vor allem die Wasserrechte der Palästinenser und der jüdischen Siedler in den Autonomiegebieten, die immer noch umstritten sind. Unter anderem die Uneinigkeit bezüglich dieser Frage hat bisher eine friedliche Einigung und die Gründung eines palästinensischen Staates verhindert.

Der Nahe und Mittlere Osten sind prädestiniert für Beobachtungen dieser Art, denn es handelt sich um sehr trockene, aber auch verhältnismäßig dicht besiedelte Regionen, in denen die Armut groß ist und die Bevölkerung außerordentlich schnell wächst. Man geht davon aus, dass die meisten dort angesiedelten Staaten bereits in kürzester Zeit ihren Bedarf an Frischwasser nicht mehr decken können, wenn nicht auf technischer und politischer Ebene kooperiert wird.

Um die Bedeutung der Ressource für die Ernährung der Bevölkerung und die komplexen Zusammenhänge zwischen Bevölkerungswachstum, Sicherung der Ernährung, Wassernutzung in der Landwirtschaft, Versalzung der Böden, Verunreinigung durch Nährstoffüberschuss, Speicherung des Wassers und den Gegebenheiten des Naturraums sowie dessen Schutz verstehen zu können, ist es notwendig, sich zunächst mit genau diesen Punkten auseinander zu setzen. Man muss sehr weit ausholen, denn „selbst bei der Ausblendung bestimmter Aspekte (wie z.B. Wasser und Gesundheit, Wasser als Ware, etc.; Anm. des Autors) bleibt die Süßwasserproblematik ein verwirrend vielfältiges Thema, [...] aber für komplexe Fragestellungen gibt es nur selten einfache Antworten, und diese sind fast alle falsch.“[9]

Im ersten Teil der Arbeit beschäftige ich mich mit der Ressource Wasser, ihrem Vorkommen in der Natur und ihrer Nutzung durch den Menschen. Kapitel 2.1. erläutert, wie viel des H2O auf dem „Blauen Planeten“ für den Menschen nutzbar ist. Es beschreibt den natürlichen Wasserkreislauf zwischen Erde und Atmosphäre, stellt die Verteilung von Wasservorräten und Niederschlägen über der Erde dar und erläutert die Einwirkung des Menschen – v.a. durch den Klimawandel – auf beides.

Anschließend wird die Nutzung und der Verbrauch von Wasser durch den Menschen genauer betrachtet. Wie viel Wasser braucht man zum Überleben, und wozu wird es – außer zum Trinken, Kochen und Waschen – noch benötigt? Wie lässt es sich gewinnen und speichern? Was muss beachtet werden, um den aquatischen Lebensräumen und auch denen, die auf Wasser „nur“ sekundär angewiesen sind, keinen ernsthaften ökologischen Schaden zuzufügen? Die Verteilung der nutzbaren Vorräte unter den Verbrauchern Landwirtschaft, Industrie und Privathaushalte wird dargelegt.

Vor allem die Wassernutzung in der Landwirtschaft und ihre Entwicklung in den letzten hundert Jahren – beeinflusst durch die „Grüne Revolution“ der Nachkriegszeit – sind sehr ausführlich beschrieben und nehmen viel Raum ein. Im weltweiten Durchschnitt wird hier am meisten Wasser eingesetzt, und die Sparpotentiale sind am größten. Viele Bewässerungssysteme sind veraltet und marode, die Techniken sind nicht geeignet, die Pflanzen ertragreich und dennoch sparsam zu bewässern, und zudem schadet übermäßiger Einsatz von Wasser der Qualität der Böden. Die Verwendung von Dünger wiederum geht zu Lasten der Wasserqualität und kann daher ebenfalls nicht als Allheilmittel gelten.

Das weltweit bekannteste Phänomen des Wassermissbrauchs zu landwirtschaftlichen Zwecken ist das Aralseesyndrom. Hier löste der von der UdSSR betriebene, äußerst wasserintensive Anbau von Baumwolle eine ökologische, ökonomische und soziale Katastrophe aus, von der sich die zentralasiatischen Republiken, die das Erbe der Sowjetunion angetreten haben, nicht so bald erholen werden.

Landwirtschaft ist jedoch unverzichtbar für die Menschheit, da in diesem Sektor die Nahrung für derzeit über sechs Milliarden Erdenbewohner produziert wird. Da die Bevölkerung weiterhin schnell wächst und ein Ende dieser Entwicklung derzeit nur erahnt werden kann, müssen Lösungen gefunden werden, wie der Verbrauch gedrosselt und der zukünftige Wasserbedarf gedeckt werden kann.

Einige Lösungsansätze werden vorgestellt. Kurzfristig am bedeutendsten ist die Effizienzsteigerung. Wasser muss vor allem in der Landwirtschaft verstärkt so eingesetzt werden, dass mit geringstmöglichem Verbrauch der maximale Gewinn erwirtschaftet wird. Als Anreiz zum Wassersparen wäre ein Subventionsstopp für Wasser im landwirtschaftlichen Sektor sinnvoll. Dann müssten nach und nach alle Bauern auf wassersparende Bewässerungssysteme und –techniken umstellen.

Eine langfristige Lösung muss zum Ziel haben, in den Wasserdefizitgebieten der Erde die Landwirtschaft auf ein Minimum zu beschränken und die betroffenen Länder dazu zu bewegen, die Nahrungsmittel für ihre Bevölkerung zu importieren. Das kann nur funktionieren, wenn die Beziehungen einzelner Staaten zueinander besser werden, sonst würde sich ein Land nur in die Abhängigkeit von anderen begeben, wenn das die letzte Chance wäre, die Wasser- und Nahrungsmittelversorgung aufrecht zu erhalten. Dann ist es für die Wasservorkommen und die auf diese angewiesenen Menschen und anderen Lebewesen jedoch meist zu spät.

Der Privatisierung der Wasserversorgung und dem Handel mit Wasserrechten wird ein eigenes Kapitel gewidmet. Kritiker solcher Mittel sehen darin die Verletzung des angestammten Menschenrechts auf Trinkwasser und freien Zugang dazu. Die Befürworter, also vor allem die Wirtschaft und die Industrienationen, argumentieren dagegen, der Handel mit Wasserrechten sei die einzige Möglichkeit, die Wasserarmut in vielen Entwicklungsländern zu lindern und deren Versorgung aufrechtzuerhalten. Sowohl die G8 als auch die Welthandelsorganisation (WTO) arbeiten mit Hilfe großer Wasserkonzerne wie Ondeo, Veolia Water oder dem deutschen Marktführer RWE derzeit intensiv auf eine umfassende Privatisierung des Wassersektors hin.[10]

Auch das explosionsartige Bevölkerungswachstum wird in einen Wirkungszusammenhang mit Wasser gebracht. Solange die Menschheit kein Mittel gefunden hat, ihr Wachstum zu stoppen oder wenigstens entscheidend zu verlangsamen, können alle Bemühungen, Wasser zu sparen, den Kollaps des Systems in den am schlimmsten betroffenen Ländern nur vorübergehend verhindern. Irgendwann werden die Wasservorräte nicht mehr ausreichen, die Bedürfnisse zu befriedigen. Dass mit wachsendem Wohlstand auch der Verbrauch von Wasser ansteigt, da es oft als Luxusgut wahrgenommen wird, beschleunigt diesen Prozess zusätzlich, und ein Ende ist nicht abzusehen.

Die internationalen Auseinandersetzungen um die Aufteilung und Nutzung grenzüberschreitender Gewässersysteme sind Thema des zweiten Teils der Arbeit. Seit Ende der 1980er Jahre wurde unter Fachleuten und Politikern immer wieder prophezeit, dass in nicht allzu ferner Zukunft Wasser immer häufiger ein Kriegsgrund sein werde. Denn immerhin leben heutzutage ca. 40 Prozent der Menschheit an internationalen Wasserläufen, die wegen der zunehmenden Knappheit immer umkämpfter sind[11] Boutros Ghali, damaliger ägyptischer Außenminister, äußerte sich 1989 in einer Rede vor dem amerikanischen Kongress besorgt über die Sicherheit Ägyptens, die entscheidend vom Umgang der anderen neun Nilanrainer[12] mit dem Wasser des längsten Flusses der Erde abhängig sei. Nach dem zweiten Golfkrieg[13] vermutete Ghali, inzwischen UN-Generalsekretär: „Der nächste Krieg im Nahen Osten wird ein Wasserkrieg sein.“[14] Diese Meinung teilt er mit führenden Politologen, Sozial- und Umweltwissenschaftlern und Ökonomen. Ich will der Frage nachgehen, ob in den von mir betrachteten Fällen die Situation heute noch die gleiche ist, also ob man weiterhin mit einem Krieg um Wasser im Nahen Osten rechnen sollte oder sogar muss.

Zu Anfang des Kapitels gebe ich einen allgemeinen Überblick über verschiedene Ursachen für Wasserkonflikte. Es wird theoretisch und anhand von kurzen Beispielen unterschieden zwischen Nutzungs- und Verteilungskonflikten. Letztere werden noch einmal unterteilt in Konflikte bei relativer bzw. bei absoluter Knappheit. Je nach Art des Streits lassen sich verschiedene Lösungsszenarien entwickeln, die allerdings nur einen sehr groben Rahmen bilden können, da eine Einigung immer die lokalen Besonderheiten berücksichtigen und möglichst genau auf den umstrittenen Fall zugeschnitten sein sollte. Die Aussicht auf Erfolg, also auf ein langlebiges Einvernehmen bezüglich der Wasseraufteilung, steht mit der Art des Konflikts in engem Zusammenhang.

Ein Interimsabkommen oder ein endgültiger Vertrag über die Verteilung einer Ressource muss sich immer auch daran messen lassen, ob er völkerrechtlichen Ansprüchen und Regeln genügt. Diesem zugrunde liegt heute die UN-Konvention von 1997, vorher waren es vor allem die Helsinki-Regeln von 1966. Grundgedanke beider Vereinbarungen ist es, durch multilaterales Joint Management der Wasserressourcen eine möglichst effiziente Nutzung des Wassers in allen Anrainerstaaten zu gewährleisten. Diese Kooperation soll, wenn nötig, Vertrauen zwischen den Konfliktparteien schaffen und einen politischen Einigungsprozess anstoßen. Um nachvollziehen zu können, inwieweit die behandelten Absprachen dementsprechend formuliert sind, werden vor den Fallbeispielen die genannten Konventionen vorgestellt und ihre jeweilige Bedeutung für das internationale Recht erläutert. Auch über Stärken und Schwächen der völkerrechtlichen Vereinbarungen wird zu sprechen sein.

Die Auswahl der Fallbeispiele erfolgte nach inhaltlichen, aber auch nach pragmatischen Kriterien. Warum alle diskutierten Fälle im Nahen bzw. Mittleren Osten angesiedelt sind, habe ich bereits erläutert. In dieser Region, aber auch global gesehen, sind die Konflikte am Jordan und im Becken von Euphrat und Tigris sozusagen „klassische“ Beispiele für internationale Konflikte um Trinkwasser. Sie werden praktisch immer angeführt, wenn es um dieses Thema geht.

Die Aufteilung des Indus zwischen Indien und Pakistan als drittes Beispiel zu wählen erschien mir sinnvoll, da einzelne Elemente aus den beiden anderen Beispielen hier wiederzufinden sind, aber auch neue Aspekte zu finden sind – allen voran natürlich die Tatsache, dass der Streit über die Verteilung des Induswassers seit über 40 Jahren beigelegt ist. So lassen sich gut Gemeinsamkeiten und Unterschiede zwischen den Fallbeispielen herausheben, die womöglich dafür verantwortlich sind, dass in einem Becken Abmachungen getroffen werden können bzw. konnten, die in den beiden anderen wegen der lokalen Unterschiede nicht möglich sind.

Ich beginne mit dem Indus. Nach einer geographischen Beschreibung des Indusbeckens folgt eine Darstellung der historischen Begebenheiten, die nach der Unabhängigkeit vom britischen Empire zum Ausbruch des Konfliktes zwischen den beiden jungen Staaten Indien und Pakistan führten. Eine zentrale Rolle spielte dabei auch der Streit um die Provinz Kaschmir, die beide Länder für sich beanspruchten und die seit dem ersten indisch-pakistanischen Krieg 1947/48 geteilt ist. Da es hierbei jedoch nicht direkt um Wasser ging und geht, wird die Kaschmir-Frage nur in einem Exkurs behandelt.

Im Konflikt um die Wasserressourcen des Indus bewegten sich die Fronten zunächst nur sehr wenig, bis sich die Weltbank der Sache annahm und als Vermittler zwischen den Konfliktparteien wirkte. Die dennoch langwierigen Verhandlungen, die zur Unterzeichnung des Indus Water Treaty am 19.09.1960 führten, werden kurz skizziert, und die Ergebnisse, die im Vertrag festgehalten wurden, dargestellt und analysiert. Schließlich folgt eine Diskussion der Fragen, ob die gefundene Regelung dem Problem auch zukünftig angemessen sein wird, ob der Vertrag dem Völkerrecht entspricht, ob er wie erhofft zur friedlichen Beilegung des grundsätzlichen Konflikts zwischen Indien und Pakistan führte und aus welchem Grund er sich als so resistent gegen alle möglichen Schwierigkeiten erwiesen hat. Außerdem wird die wichtige Rolle der Weltbank während des Einigungsprozesses noch einmal hervorgehoben.

Der Streit im Becken von Euphrat und Tigris entzündete sich an den Plänen der Türkei, in Südostanatolien ein Projekt zur Erschließung der Wasserressourcen der beiden großen Ströme Euphrat und Tigris umzusetzen. Nach Fertigstellung soll es 22 Staudämme und 19 Wasserkraftwerke umfassen. Die entstehenden Seen werden eine Fläche von 1660 km² haben, 500 Ortschaften versinken darin, und ca. 355.000 Menschen werden ihre Heimat verlieren.[15] Der Ablauf beider Flüsse wird sich entscheidend verringern. Da jedoch die Unterlieger Syrien und Irak ebenfalls Pläne haben, das Wasser für ihre Projekte zu verwenden, gibt es Auseinandersetzungen über die Verteilung der Ressource. Eigentlich jedoch wäre das Wasser im Zweistromland bei effizientem Umgang damit ausreichend, um alle drei Anrainer zu versorgen, doch es reicht nicht, wenn die Länder ihre unilateralen Projekte ohne Absprachen mit den anderen umsetzen. Da jedoch alle drei Staaten das Ziel der Selbstversorgung mit Nahrungsmitteln verfolgen[16], ist keiner der drei bereit, von seinen Forderungen abzurücken und auf die beiden anderen zuzugehen.

Auch dieses Kapitel beginnt mit der Darstellung der geographischen Gegebenheiten des Euphrat-Tigris-Beckens und der geschichtlichen Hintergründe des politischen Konflikts. Dann werden das türkische „Südostanatolienprojekt“ (GAP) sowie die syrischen und irakischen Projekte zur Bewässerung und Stromerzeugung vorgestellt.

Der Einigungsprozess ist nicht endgültig abgeschlossen. Immer wieder wurden Abflussquoten vereinbart, an die sich Ankara nicht hielt, wenn es nötig schien, politischen Druck auf die Unterlieger auszuüben; so geschehen beispielsweise um Syrien von der Unterstützung der kurdischen Unabhängigkeitsbewegung abzuhalten. Auch während der Besetzung Kuwaits durch den Irak und des anschließenden zweiten Golfkriegs drosselte man den Abfluss.

Gleichzeitig signalisierte die Türkei jedoch auch immer wieder Bereitschaft zur Kooperation. Doch bisher waren weder Syrien noch der Irak bereit, sich wirklich darauf einzulassen, und so dauern die Verhandlungen noch an. Inwieweit dabei das Völkerrecht eine Rolle spielt wird noch zu erörtern sein.

Ein Ausblick für die Zukunft ist schwer, denn seit dem Sturz Saddam Husseins durch die Amerikaner im Frühjahr 2003 ist die politische Zukunft zumindest des Iraks, wenn nicht der ganzen Region, ungewiss. Jegliche Prognose kann also nur unter Vorbehalt gemacht werden.

Der brisanteste Konflikt spielt sich derzeit im Jordanbecken ab. Dort ist die Wasserfrage direkt mit der Existenz des Staates Israel und dem Problem der palästinensischen Autonomie verbunden. Eben wegen der Einbettung der Wasserfrage in die territorialen Streitigkeiten Israels mit allen seinen Nachbarn (mit Ausnahme Ägyptens und – seit 1988 durch den Verzicht König Husseins auf die West Bank – Jordaniens) ist es ungeheuer kompliziert, dieses Problem separat zu lösen. Dementsprechend wurde bisher auch keine endgültige Lösung gefunden.

Nach der geographischen Einführung werden die Auseinadersetzungen bis zum Sechstagekrieg 1967 geschildert, der auch wasserpolitisch eine Zäsur in der Region bedeutet, da Israel seither auf dem Golan die Jordanquellflüsse kontrolliert und in der West Bank Zugriff auf die eminent wichtigen Grundwasserleiter erlangt hat.

Es wird gezeigt, dass das Wasser instrumentalisiert wurde, um politischen Druck auszuüben, und wie die Wasserfrage immer wieder anderen Interessen untergeordnet wurde. Zum Beispiel war die Annahme eines amerikanischen Vermittlungsvorschlages durch Israel im Jahr 1955 genauso politisch motiviert wie die Ablehnung desselben durch die Staaten der Arabischen Liga.

Anschließend wird über die Wassernutzung und die geplanten Wasserbauprojekte Israels, Jordaniens und der Palästinenser seit Anfang der 90er Jahre berichtet. Syrien und der Libanon sollen hier nur kurz Erwähnung finden, da beide Staaten das benötigte Wasser so gut wie nicht aus dem Jordanbecken beziehen.

Die Friedensverhandlungen der 90er Jahre entspannten die Situation etwas. In multilateralen Gesprächen konnten Übereinkünfte in „praktischen“ Fragen wie Umweltschutz, Flüchtlinge oder technische Aspekte der Wassernutzung getroffen werden. Auf bilateraler Ebene schlossen Israel und Jordanien 1994 einen Friedensvertrag ab, der auch die Wasserfrage formal klärte. Der Konflikt mit Syrien und dem Libanon dagegen schwelt noch, und auch in der Palästina-Frage ist man weit von einer endgültigen Lösung entfernt. Obwohl Mitte der 90er erste Fortschritte erzielt wurden, ist es bis heute nicht zu einer Einigung gekommen.

Die wichtigsten Verträge und Abkommen sollen auf ihre Bedeutung bezüglich des Wassers beschrieben und analysiert werden, um eine Einschätzung vornehmen zu können, welche Vorschläge gemacht wurden und als wie realistisch sich diese erwiesen.

Zum Schluss muss noch darüber gesprochen werden, ob – und, wenn ja, welche – Möglichkeiten gefunden wurden, das Wasserangebot in der Region nachhaltig auszuweiten, denn in kürzester Zeit wird im Jordanbecken eine absolute Wasserknappheit herrschen. Diese Tatsache gibt dem Konflikt zusätzliche Brisanz.

Diese Reihenfolge der Beispiele erscheint mir sinnvoll, da sich von Fall zu Fall das hydrologische Konfliktpotential erhöht. Abschließend sollen dann alle drei Fälle auf ihre Gemeinsamkeiten und Unterschiede hin untersucht werden, in der Hoffnung, Indikatoren für Konflikte zu finden, anhand derer sich Vermutungen anstellen lassen, an welchen internationalen Gewässern in Zukunft Spannungen auftreten könnten. Auf diese Weise wird versucht, eine Antwort auf die Frage zu finden, ob der verschiedentlich prognostizierte Krieg um Wasser noch stattfinden wird, oder ob die Menschheit inzwischen eingesehen hat, dass Wasser zu wichtig ist, um sich darüber zu streiten.

Für das Kapitel über die Ressource „Wasser“ liegen als Quellen Publikationen der UNO und ihrer Unterorganisationen (wie z.B. der UNESCO oder der FAO) zugrunde, die sich mit dem Problem des zu geringen Angebots oder der größer werdenden Nachfrage beschäftigen, bzw. mit einzelnen Faktoren, die darauf einwirken (wie Bevölkerungswachstum etc.). Besonders die Veröffentlichungen im Rahmen des Internationalen Jahrs des Süßwassers 2003 nehmen einen bedeutenden Platz ein. Aber auch Ergebnisse anderer Untersuchungen werden herangezogen, um die Problematik der Situation zu belegen, wie beispielsweise der Dritte Bericht des Intergovernmental Panel on Climate Change (IPCC), der Bericht der World Commission on Dams oder verschiedene Studien des Worldwatch Institute und der Weltbank.

Der zweite Teil der Arbeit verwendet unter anderem die internationalen Regelwerke der International Law Association (ILA) und der International Law Commission (ILC) sowie die Convention on the Law of the Non-navigational Uses of International Watercourses der UN vom 21.05.1997 als Quellen. Außerdem berufe ich mich auf die besprochenen Vertragswerke, die im Internet unter der jeweils angegebenen Adresse einzusehen sind.

Die Literatur zum Thema „Wasser“ ist außerordentlich vielfältig. Leider jedoch bieten viele Texte kaum Neuigkeiten, wenn man sich einmal in das Thema eingearbeitet hat. Andere wiederum sind so oberflächlich gehalten, dass sie kaum als Grundlage einer wissenschaftlichen Arbeit dienen können. Eine dritte Gruppe beschäftigt sich eher mit technischen Aspekten, chemischer Gewässergüte, Verbesserungen für Bewässerungssysteme oder anderen Aspekten des breiten Themenfeldes „Wasser“.

Doch auch über internationale Konflikte wurde viel publiziert. Ich habe versucht, mich so weit wie möglich auf aktuelle Texte zu beschränken. Da jedoch die Einschätzung, Wasser könne ein Auslöser für militärische Konflikte sein, heute nicht mehr so weit verbreitet ist wie noch vor zehn Jahren, setzen sich immer weniger Leute damit auseinander. Außerdem fanden die Hauptaktivitäten zur Errichtung des Südostanatolienprojekts im Euphrat-Tigris-Becken ebenso in den 90er Jahren des vorigen Jahrhunderts statt wie die Friedensbemühungen Israels mit seinen Nachbarn. Daher stammen viele wichtige Beiträge zu den beiden Schwerpunkten aus dieser Zeit. Und da der Indus Water Treaty schon über 40 Jahre alt ist, gibt es darüber kaum aktuelle Literatur.

Neuere Texte befassen sich eher mit der Frage, ob Wasser eine Ware werden soll, oder mit neuen Vorschlägen zur Umverteilung vorhandener Ressourcen, und sie diskutieren beispielsweise auch, ob die von Israel gemachten Zugeständnisse an Jordanien oder die Palästinenser eingehalten wurden. Dennoch ist das Thema „Kriege um Wasser“ nach wie vor präsent und taucht – wenn auch mehr am Rande – auch heute immer wieder auf und hat nichts von seiner Brisanz verloren.

2. Die Ressource Wasser

2.1. Der Wasserhaushalt der Erde

2.1.1. Allgemeines

71,8% unserer Erdoberfläche sind mit Wasser bedeckt. Unter dieser Fläche liegt ein geschätztes Volumen von ca. 1,4 Milliarden km3 Wasser, also 1.400.000.000*1012 l. Das entspricht ungefähr 28 Millionen mal dem Volumen des Bodensees, der neben dem Genfer See der größte Süßwasserspeicher Mitteleuropas ist.[17] Doch nur 2,5% der Gesamtmenge auf dem Globus sind Süßwasser, der Rest ist Meerwasser, zum Trinken und Bewässern von Feldern ungeeignet aufgrund des zu hohen Salzgehaltes. Von diesen 2,5% wiederum bilden 99% das Eis der Polkappen und Gletscher (69%) oder befinden sich als fossiles Grundwasser tief unter der Erdoberfläche (30%).[18] Ungefähr 0,004% sind in der Biosphäre – also in allen Lebewesen – gebunden, der atmosphärische Wasserdampf macht etwa 0,01% des gesamten Süßwassers aus.[19] Verhältnismäßig geringe Mengen werden außerdem der Bodenfeuchte und den Permafrostböden zugeordnet. Der kleine Rest, nur ca. 1% des auf der Erde vorhandenen Süßwassers, befindet sich in Flüssen, Seen und Feuchtgebieten oder ist als „aktives“ – also sich im Rahmen des globalen Wasserkreislaufs erneuerndes – Grundwasser im Boden gespeichert. Dieses eine Prozent des globalen Süßwassers ist für den Menschen verfügbar. Das entspricht einer Menge von etwa 4,9 Millionen km3 oder 4.900.000.000*109 l.[20]

2.1.2. Der Wasserkreislauf

Wasser befindet sich in einem ständigen Kreislauf aus Verdunstung (V), Niederschlag (N) als Regen oder Schnee sowie ober- und unterirdischem Abfluss (A). Aus diesen drei Größen lässt sich mit Hilfe der hydrologischen Grundgleichung N = A + V die meteorologische Wasserbilanz für die ganze Erde (oder auch für nur eine Region) berechnen, die im langzeitlichen globalen Mittel annähernd 0 ergibt[21], da die Menge des Wassers auf der Erde – seit es Wasser gibt – annähernd konstant ist. Die lokalen Unterschiede zwischen Verdunstung, Niederschlag und Abfluss sagen etwas darüber aus, ob in einer Region Wassermangel herrscht oder eine ausreichende Versorgung besteht. In jedem Fall ist festzuhalten, dass Wasser, anders als fossile Energieträger, dem System Erde-Atmosphäre durch anthropogene Nutzung nicht verloren geht. Wasser ist also eine sich erneuernde Ressource.

Von zentraler Bedeutung für die Erneuerung ist der globale Wasserkreislauf. „Verbrauchtes“ Wasser wird ihm nicht entzogen, sondern gelangt irgendwann durch Verdunstung in die Atmosphäre, regnet aus und steht danach – gereinigt von eventuellen Verschmutzungen – wieder zum Gebrauch zur Verfügung, bevor es über kurz oder lang ins Meer zurückgelangt oder bereits vorher verdunstet und den Kreis von neuem durchläuft.

Durch seine baulichen Eingriffe an Flussufern (Begradigung, Kanalisierung) hat der Mensch den natürlichen Abfluss weltweit beeinflusst und ist auf diese Weise zu einem wichtigen Akteur im globalen hydrologischen Kreislauf geworden.[22]

Jährlich verdunsten durch Sonneneinstrahlung über 400.000 km3 Wasser aus Meeren und Oberflächengewässern sowie direkt über dem Boden.[23] Man nennt diesen vor allem in vegetationsarmen Gebieten und über Wasser vorherrschenden Vorgang Evaporation. Er wird neben der Sonneneinstrahlung von der Lufttemperatur, vom Feuchtigkeitsgehalt der bodennahen Luftschicht und von Winden, die einen Austausch der Luftmassen bewirken, beeinflusst.

Die Verdunstung über Vegetation, die den „...physiologischen Wasserhaushalt der Pflanzen...“ reguliert, nennt man Transpiration.[24] Treten beide Verdunstungsarten gemeinsam auf, so spricht man von Evapotranspiration.

Ein Großteil des verdunsteten Wassers regnet über dem Meer wieder ab, über Land fallen jährlich nur etwa 110.000 km3, was ungefähr 20-25% des jährlichen Gesamtniederschlags ausmacht. Dem gegenüber stehen jedoch nur 70.000 km3, die im Jahr über Land verdunsten. Das entspricht ca. 14% der globalen Verdunstung. Der jährliche Überschuss an Niederschlag von 40.000 – 47.000 km3 bildet die sich erneuernden Süßwasserreserven und steht der Menschheit also theoretisch zur Verfügung, ihre Trinkwasservorräte aufzufüllen.[25]

Doch nutzbar ist der Niederschlag nur, solange er in Maßen fällt. Bei hoher Niederschlagsintensität sind die Böden, vor allem die sehr trockenen, oft nicht in der Lage, das viele Wasser aufzunehmen. Dann fließt es oberirdisch und weitestgehend ungenutzt ab und fehlt zur Erneuerung der Grundwasservorräte. Auch werden oft fruchtbare Böden abgetragen, die dann nicht mehr für Ackerbau zu nutzen sind.

Fällt hingegen nur wenig Regen, so ist es, besonders in heißen Regionen, sehr wahrscheinlich, dass das Wasser wieder verdunstet, bevor es in irgendeiner Form, sei es durch den Menschen oder durch Pflanzen bzw. Tiere, genutzt werden kann.

Niederschlag in Form von Schnee hat eine besondere Bedeutung, denn er gelangt nicht sofort in den Kreislauf zurück, sondern frühestens mit der Schneeschmelze im Frühling. Dann ergänzt das nicht mehr gebundene Wasser vor allem äußerst effektiv die Grundwasservorräte, aber auch der Abfluss der Flüsse wird verstärkt. (In Regionen des ewigen Eises bleibt das Wasser sogar für längere Zeit seinem Kreislauf entzogen.)

47.000 km3 – ungefähr 35% – des Jahresniederschlags über Land[26] fließen als Flüsse, Grundwasser oder Schmelzwasser in den Polarregionen wieder ins Meer.[27] Der Löwenanteil von nahezu 40.000 km3 speist die Flüsse bzw. den oberirdischen Abfluss im allgemeinen. Von dieser Menge muss man noch einmal ca. zwei Drittel abziehen, die in Überschwemmungen unkontrolliert abfließen. Somit bleiben letztendlich ungefähr 14.000 km3 bzw. 14.000*1012 l (0,001 % der globalen Gesamtwassermenge) übrig, die der Mensch jedes Jahr effektiv nutzen könnte. Davon entfielen bei einer angenommenen Weltbevölkerung von etwas mehr als sechs Milliarden Menschen auf jeden Einzelnen rund 2.333.333 l im Jahr. Es muss jedoch darauf geachtet werden, dass ein Teil dessen, was man entnehmen könnte, zum Schutz der aquatischen Ökosysteme und zum Erhalt der Wasserqualität im System verbleiben sollte.[28] Außerdem steht nicht die gesamte Menge der sich erneuernden Süßwasservorräte ohne weiteres zur Verfügung. Vielmehr ist ein bedeutender Teil des jährlichen Abflusses für den Menschen nicht erreichbar, und jahreszeitlich bedingte Diskontinuitäten im Abfluss sind ebenfalls zu berücksichtigen. Genaue Zahlen über das letztendlich übrig bleibende nutzbare Volumen gibt es nicht, Schätzungen zufolge beläuft es sich jedoch auf ungefähr 12.500 km3 der ursprünglichen 47.000 km³ im Jahr.[29] Nach Meinung von Experten würde bei gleichmäßiger Verteilung über den Planeten und bei wirtschaftlicher Verwendung selbst diese verhältnismäßig geringe Menge genügen, um die gesamte gegenwärtige Menschheit zwei- bis dreimal mit Trinkwasser zu versorgen.[30]

2.1.3. Verteilung des Wassers auf unserem Planeten

Wie zuletzt angesprochen ist die räumliche und zeitliche Verteilung des Wassers auf der Erde ein gravierendes Problem.[31] Denn nicht alle Menschen haben gleichermaßen die Möglichkeit, ihren Bedarf praktisch zu jeder Tages- oder Nachtzeit decken zu können. Das hat verschiedene Gründe.

Zum einen fällt ein Großteil der Niederschläge in Gegenden, wo wir ihn nicht erreichen und nutzen können, vor allem wie gesagt über den Ozeanen. Doch auch der über Land fallende Regen verteilt sich nicht gleichmäßig über die gesamte Erde. Es gibt drei Regionen, wo es nahezu das ganze Jahr ausreichend regnet, bzw. in der feuchten Jahreszeit genug Niederschlag fällt, dass man in der „Trockenzeit“ nicht unter Wassermangel leiden muss. Das sind die inneren Tropen, von ungefähr 10° nördliche bis 10° südliche Breite, sowie die Westwindzonen der gemäßigten Breiten auf beiden Halbkugeln zwischen 30° und 60° Nord bzw. Süd. Bestimmte Regionen in den dazwischen liegenden Subtropen erhalten zwar zur Regenzeit deutlich mehr Wasser als beispielsweise Mitteleuropa, doch es fehlt oft die Infrastruktur, um den Abfluss zu kontrollieren und es bis zum Gebrauch in ausreichenden Mengen zwischenlagern zu können, ohne dass sich Keime bilden, die es ungenießbar machen würden. Und die Böden sind hier zu trocken, um das Wasser speichern zu können. In Asien beispielsweise fließen zwischen Mai und Oktober 80% des jährlichen Abflusses ab, von denen wiederum mangels geeigneter Infrastruktur nur ein Bruchteil aufgefangen und gelagert bzw. sofort genutzt wird.[32]

Gerade in den Subtropen aber wird Wasser besonders dringend gebraucht. Denn hier ist es beinahe das ganze Jahr so heiß, dass ohne Versorgung mit ausreichend Trinkwasser die Lebensbedingungen für Menschen noch schlechter sind als in anderen Teilen der Erde. Außerdem ist ohne regelmäßige Bewässerung kein Anbau von Nahrungsmitteln möglich.

Der Zugriff auf Frischwasserressourcen ist demnach nicht überall auf der Welt gleich gut möglich. Beispielsweise befinden sich in den asiatischen Reservoirs nur ca. 36% des verfügbaren Süßwassers, doch dort leben immerhin über 60% der Weltbevölkerung, Tendenz steigend. Allein China beherbergt über ein Fünftel der mehr als sechs Milliarden Menschen, doch kann es nur auf 8% des globalen Süßwassers zugreifen.[33] Im Gegensatz dazu leben in Südamerika weniger als 5% der Weltbevölkerung, denen 25% der Frischwasserreserven zur Verfügung stehen. Allein der Amazonas führt 15% allen Flusswassers, doch nur 0,4% der Menschheit leben nahe genug, um davon profitieren zu können.[34] In der (Wasser-) Krisenregion Naher Osten/Nordafrika kommen nach einer Erhebung der Weltbank auf 10% der Erdbevölkerung 2% der globalen Wasservorräte, und zudem gehören die erneuerbaren Wasservorräte der Länder dieser Region weltweit zu den geringsten.[35] Wenn sich in diesem Fall „Naher Osten/Nordafrika“ nur auf die relevanten Flussbecken Nil, Euphrat/Tigris und Jordan/Yarmuk beschränkt, ist die Bevölkerungszahl deutlich zu hoch gegriffen. Dadurch ändert sich allerdings nicht die zentrale Aussage, dass das Verhältnis Bevölkerungszahl/verfügbare Wasserressourcen in einigen Regionen der Welt nicht stimmt.

Genauso wichtig und problematisch wie die natürliche Verteilung der sich erneuernden Ressource Frischwasser ist die ökonomische. Denn wo der Zugriff auf Wasser durch die Natur eingeschränkt wird und zusätzlich mit materiellem Aufwand verbunden ist, trifft das die Armen am härtesten, denn sie können nicht dafür bezahlen. Zu diesem Thema wird in Kapitel 2.2.9. noch mehr zu sagen sein.

2.1.4. Einflüsse des Klimawandels

Ein entscheidender Faktor für die zukünftige Verteilung der Niederschläge auf unserem Planeten ist der vermutlich[36] stattfindende Klimawandel, der den Wasserkreislauf mit beeinträchtigt. Schon heute ist eine Veränderung vieler hydrologisch bedeutender Indikatoren wie Niederschlag, Schneeschmelze, Evapotranspiration oder Höhe des Meeresspiegels zu beobachten, die weitgehend in den letzten hundert Jahren eingetreten sind, und deren Hauptursache eine anthropogen verursachte Klimaveränderung ist.[37] Die Menschheit hat seit Beginn der Industrialisierung einen Anstieg der Treibhausgaskonzentration in der Atmosphäre um 25% verschuldet. Die Treibhausgase lassen die kurzwellige Sonneneinstrahlung ungehindert passieren, absorbieren aber relativ gut die von der Erde ausgehende langwellige Ausstrahlung (Wärmestrahlung). Dadurch beginnen sie, ebenfalls Energie in Form von Wärme auszustrahlen und verstärken auf diese Weise die zur Erde gerichtete sogenannte Atmosphärische Gegenstrahlung, was langfristig einen Temperaturanstieg vor allem in der bodennahen Luftschicht zur Folge hat.[38]

Am bedeutendsten ist der anthropogen verschuldete Anstieg der atmosphärischen Spurengase Kohlendioxid und Methan (CH4) um 31% bzw. sogar 151%. Trotz des geringeren Anstiegs ist CO2 der Hauptverursacher des Treibhauseffekts (Anteil 50%). Es wird bekanntlich durch die Verbrennung fossiler Energieträger wie Erdöl, -gas oder Kohle freigesetzt.[39] Auch die Rodung von Wäldern beeinflusst den CO2-Gehalt der Atmosphäre, denn Bäume absorbieren, wie alle anderen Grünpflanzen auch, Kohlendioxid, das sie zur Photosynthese benötigen. Wird das Holz verbrannt, z.B. bei der Brandrodung, so wird auch das absorbierte CO2 wieder frei. Derzeit werden durch anthropogene Aktivitäten 8*109 t CO2 jährlich freigesetzt.[40]

Methan wird bei der Verbrennung von Erdgas und Biomasse frei. Außerdem entsteht es im Verdauungstrakt von Wiederkäuern durch bakterielle Zersetzung von Zellulose und beim Reisanbau. Die jährliche Gesamtabgabe an die Atmosphäre beläuft sich auf ca. 380 Millionen t. Damit trägt Methan etwa zu 18% zum Treibhauseffekt bei.[41]

Der Treibhauseffekt hat in den letzten 250 Jahren einen mittleren Temperaturanstieg um 1° C nach sich gezogen, und wenn der Ausstoß der Spurengase (neben CO2 und Methan noch Distickstoffoxid und Ozon) ungebremst weitergeht, so ist eine weitere Erhöhung der Temperatur um 1,5°-6° C in den nächsten hundert Jahren zu erwarten, und zwar vor allem in den hohen Breiten.[42]

Über die Auswirkungen ist man sich in Fachkreisen uneins, aber eine Folge davon wird in jedem Fall ein Anstieg der Verdunstung und damit eine Verstärkung des Wasserkreislaufs sein, was mehr Niederschlag nach sich zieht. Es wird erwartet, dass Verdunstung und Niederschläge um 7-15% zunehmen. Doch die Verteilung dieser Niederschläge ist absolut unsicher. Momentan wird davon ausgegangen, dass sich die Gegensätze zwischen trockenen und ausreichend feuchten Regionen weiter verschärfen. Voraussichtlich wird es vor allem in den mittleren und hohen Breiten mehr regnen, eventuell auch in den inneren Tropen. Für die trockenen Subtropen hingegen werden zunehmende Trockenheit und längere Dürreperioden erwartet. Vor allem betroffen werden vermutlich der Nahe und Mittlere Osten, Indien, ganz Afrika, China und das Landesinnere Nordamerikas sein.[43] Im allgemeinen lässt sich sagen, dass meteorologische Extremereignisse und Wetteranomalien wie Überschwemmungen, Orkane und El Niño, aber eben auch Dürren und lang anhaltende Trockenzeiten häufiger auftreten werden.

Eine weitere Folge der Erwärmung wäre, dass Niederschlag im Winter weniger häufig als Schnee fällt, bzw. der gefallene Schnee früher im Jahr schmilzt. Dadurch würden sich die jahreszeitlichen Abflussmuster der Flüsse verändern, konkret wäre der Abfluss im Sommer – der Jahreszeit, in der Wasser am dringendsten benötigt wird – deutlich geringer, während im Winter und Frühling die Hochwassergefahr steigt.[44]

Natürlich stiege auch die Wassertemperatur der Oberflächengewässer selbst. Das Wässer wäre somit anfälliger für Verschmutzung mit Keimen und Krankheitserregern, die in kaltem Wasser nicht oder nur schwer überleben könnten. Vor allem in Entwicklungsländern würde sich daraus ein ernstzunehmendes Problem entwickeln, da es dort weder die finanziellen noch die infrastrukturellen Möglichkeiten gibt, die hygienischen Standards ausreichend zu verbessern. Eine Ausbreitung von Krankheiten, die auf verschmutztes Wasser zurückzuführen sind, wie Amöben, Salmonellen, Cholera und andere Durchfallerkrankungen, wäre die Folge.[45]

Der Meeresspiegel ist in Folge der menschlichen Aktivitäten ebenfalls signifikant angestiegen: Höhere Temperaturen bewirken ein (schnelleres) Schmelzen der Gletscher und Polkappen, was den höheren Wasserstand erklärt. Entscheidend für die Trinkwasserversorgung ist, dass sich durch diesen Anstieg die Gefahr eines Eindringens von Salzwasser in die küstennah gelegenen Süßwasseraquifers erhöht.[46]

Doch wie bereits erwähnt sind diese Auswirkungen nur Vermutungen, die sich auf Versuche mit den derzeit modernsten Klimamodellen gründen. Das sind Modelle ähnlich denen, die zur Wettervorhersage benutzt werden, nur stark vereinfacht, da für diese Berechnungen über längere Zeitperioden enorme Rechenleistungen nötig sind, die auch im Computerzeitalter noch sehr viel Zeit in Anspruch nehmen. Außerdem spielen sich viele klimatisch relevante Prozesse auf so kleinem Raum ab, dass sie von den heutigen Modellen noch nicht erfasst werden können.[47]

Die Modelle wurden getestet, indem man sie anhand von Klimadaten der letzten ca. 250 Jahre das heutige Klima berechnen ließ und je nach Genauigkeit der „Prognose“ Änderungen an den Modellgleichungen vorgenommen hat. So wurde eine höchstmögliche Genauigkeit erreicht, dennoch sind Fehler in den Berechnungen nicht ausgeschlossen.[48]

2.2. Wasserverbrauch der Menschheit

2.2.1. Wasserbedarf

Der Wasserbedarf eines Menschen beinhaltet neben dem täglich zum Trinken und Kochen genutzten Wasser auch die Menge, die zur Produktion der von ihm benötigten Nahrung durch die Landwirtschaft und zur Hygiene verwendet wird. Außerdem wird der industrielle Verbrauch eines Landes anteilsmäßig auf die Bevölkerung umgerechnet. Der gesamte menschliche Wasserbedarf wird in m3 pro Jahr angegeben.[49]

Basierend darauf lässt sich (in m3 pro Kopf und Jahr) angeben, ob bzw. wie sehr ein Land unter Wasserknappheit leidet. Folgende, auf die schwedische Hydrologin Malin Falkenmark zurückgehende Definition[50] – der sogenannte Water Stress Index – ist inzwischen allgemein anerkannt: Hat ein Land mehr als 10.000 m3 Wasser pro Kopf und Jahr zur Verfügung, so herrschen keinerlei Probleme. Ein Wert zwischen 2.000 und 1.700 m3 bedeutet, dass bei länger anhaltenden Trockenperioden eventuell vorübergehende Versorgungsengpässe auftreten können. Eine Verfügbarkeit von unter 1.700 m3 bedeutet Wasserarmut, bei weniger als 1.000 m3 pro Kopf und Jahr (das entspricht 2740 l pro Kopf und Tag) herrscht chronischer Wassermangel. 500 m3 sind das absolute Minimum, das ein Mensch im Jahr benötigt, um sich ökonomisch und sozial überhaupt entfalten zu können.[51]

Als ergänzende Faustregel lässt sich merken, dass ein Land, welches weniger als 5% seiner vorhandenen Ressourcen nutzt, nicht mit Wasserproblemen zu rechnen hat. Ab einer Nutzung von mehr als 20% der Ressourcen haben die aus Wasserknappheit entstehenden Probleme hemmende Wirkung auf die ökonomische Entwicklung des Landes, und wird mehr als ⅓ der Vorräte verbraucht, so wird die wirtschaftspolitische Lage zunehmend kritisch.[52]

Anfang der 90er Jahre litten 26 Länder (mit zusammen 232 Millionen Einwohnern) unter Wasserknappheit[53], 31 sind es bereits heute[54], und bis 2050 werden es nach Schätzungen der UN im günstigsten Fall knapp 2 Milliarden Menschen in 48 Ländern, im ungünstigsten sogar bis zu 7 Milliarden in 60 Staaten sein.[55]

2.2.2. Verteilung der Vorräte unter den Verbrauchern

Die Menschheit entnimmt derzeit etwa „8 Prozent des gesamten jährlichen erneuerbaren Süßwassers, 26 Prozent der jährlichen Evapotranspiration und 54 Prozent des verfügbaren Abflusses“[56], um ihren Wasserbedarf zu decken. Doch bereits in 20 Jahren soll die Nachfrage bedingt durch Bevölkerungswachstum und Steigerung des Lebensstandards weltweit das globale Angebot an Frischwasser um 56% überschreiten.

Die wesentlichen Wasserverbraucher der heutigen Zeit sind die Landwirtschaft, die Industrie und Privathaushalte. Die Anteile jedoch, die von der jeweiligen Gruppe entnommen werden, sind regional sehr verschieden. Einfluss darauf nimmt unter anderem der Stand der Industrialisierung einer Region, ihr Klima, die bevorzugt angebaute Getreidesorte und natürlich die Bevölkerungsdichte des Landstrichs. Auch die Nähe von urbanen Zentren spielt eine Rolle. Während in den Entwicklungsländern die Landwirtschaft bis zu 90% des Wassers beansprucht – den Großteil davon zur Bewässerung – und Industrie und Haushalte sich mit einem kleinen Rest begnügen müssen, ist es bei uns, wie in den meisten Industrieländern, die Industrie, die den größten Anteil des Wassers nutzt, nämlich ungefähr 55-60% der zur Verfügung stehenden Menge. In die Landwirtschaft fließen in Europa dagegen „nur“ 39% der Wasserressourcen.[57]

Im globalen Durchschnitt verbraucht die Landwirtschaft 65-70% der entnommenen Wassermenge, in der Industrie werden (inklusive des zur Stromerzeugung genutzten Wassers) 20-25% verwendet; in die Haushalte fließen weniger als 10%[58], und dennoch ist die Bereitstellung des Wassers für den privaten Gebrauch – v.a. in Großstädten – problematisch und sehr aufwendig, da es ununterbrochen in Trinkwasserqualität zur Verfügung stehen muss.[59]

2.2.3. Bevölkerungswachstum – der limitierende Faktor

Das Bevölkerungswachstum könnte sich zum alles überlagernden Problem der Wasserkrise entwickeln. Man kann noch so nachhaltig und effizient mit der Ressource umgehen, wenn über 10 Milliarden Menschen ernährt und hygienisch versorgt werden müssen, wächst der Wasserverbrauch der Menschheit weiter an, und man kann jetzt noch nicht genau sagen, wann die Vorräte erschöpft sein werden. Daher muss neben dem Kampf um den Erhalt der Ressource Wasser auch der Kampf gegen die Überbevölkerung geführt werden, sonst sind alle noch anzusprechenden „Handlungsansätze [...] langfristig völlig wertlos“.[60] Diesen Gedanken sollte man bei der folgenden Darlegung der verschiedenen Verwendungsarten von Wasser durch die Menschheit immer im Hinterkopf haben, denn er bildet gleichsam die Grenze der Möglichkeiten.

Vor der Industrialisierung – genauer im Jahr 1600 – hatte die Erde 500 Millionen Einwohner, bis 1850 erreichte die Zahl 1 Milliarde, und 100 Jahre später hatte sie sich erneut verdoppelt.[61] Allein im 20. Jh. hat sich die Bevölkerung der Erde verdreifacht und zählt heute über 6 Milliarden Menschen, und in der gleichen Zeit hat sich die Wasserentnahme durch den Menschen versechsfacht.[62] In den nächsten 50 Jahren wird eine weitere Verdopplung der Weltbevölkerung mit entsprechendem Anstieg der Wasserentnahme erwartet. Erst nach 2050 kann eventuell mit einer Einpendelung der Bevölkerung bei ca. 10 Milliarden Erdenbewohner gerechnet werden. Doch selbst dann wird der Lebensstandard und damit der Wasserverbrauch weiter steigen[63], wenn nicht beträchtliche Einsparungen durch fortschrittlichere Technologien und effizientere Nutzung gemacht werden können. Da vor allem die Bevölkerung der Entwicklungsländer zunehmen wird, verschärfen sich auch die hier besonders gravierenden sozialen Gegensätze, die durch Wasserknappheit hervorgerufen werden.

Besonders in den Städten wird die Lage noch problematischer werden, da hier sowohl industrieller als auch privater Bedarf vieler Menschen auf engem Raum gedeckt werden muss. Außerdem wächst wegen der anhaltenden Landflucht in Entwicklungsländern die urbane Bevölkerung im Verhältnis noch schneller als die Weltbevölkerung. Zur Veranschaulichung: Im Jahr 2000 hatte Asien 3.700 Millionen Bewohner, von denen 1.350 Millionen in den Metropolen lebten. 2025 werden es bereits ungefähr 4.740 Millionen sein, und davon 2.400 Millionen in den Städten. Global wird erwartet, dass 2020 um die 60% der Menschheit in urbanen Zentren lebt.[64]

2.2.4. Gewinnung und Speicherung von Wasservorräten

Abhängig davon, an welcher Stelle dem Wasserkreislauf etwas von der Ressource entnommen werden soll, unterscheiden sich die Methoden der Gewinnung. Um aktives oder fossiles Grundwasservorkommen[65] zu fördern müssen Brunnen gebohrt werden, die je nach Tiefe und gewünschter Menge entweder ganz einfach von Hand oder mit Hilfe von meist elektrischen Pumpen betrieben werden können. Die Erfindung der Pumpe gilt somit als bahnbrechend für die großflächige Bewässerungslandwirtschaft des 20. Jh., die sonst wohl nicht in diesem Ausmaß möglich gewesen wäre. Gespeichert werden kann das Wasser in dafür konstruierten Tanks oder anderen Behältern, z.B. eigens zu diesem Zweck angelegten Staubecken.

Einfacher, technisch nicht so aufwendig und daher billiger ist die Nutzung von Oberflächenwasser aus Seen und vor allem Flüssen durch Stauung.

Zwischen 1970 und 1975 – der Hochphase des Staudamm-Baus – wurden weltweit 5.000 Staudämme errichtet, doch seit einigen Jahren werden in Europa und Nordamerika keine Stauseen mehr angelegt, und Entwicklungsländer können nur noch sehr selten mit finanzieller Hilfe der Weltbank rechnen.[66] Man hat die Nachteile dieser Art der Wasserspeicherung erkannt; meist überstiegen nämlich die ökologischen und sozialen Kosten den angestrebten – und großzügig kalkulierten – Nutzen.[67] Neben der einsichtigen Tatsache, dass von ihrer Oberfläche verhältnismäßig viel Wasser verdunstet, wodurch die Salzkonzentration im Wasser ansteigt, wurde bisher vor allem die Verschlammung der Seen durch Sedimentablagerungen unterschätzt. Auf diese Weise nimmt die Speicherkapazität aller Stauseen weltweit jährlich um ca. 1% ab.[68]

Aus sozialer Sicht gehen zunächst Flächen verloren, auf denen dann keine Landwirtschaft mehr betrieben werden kann. Außerdem müssen für beinahe jeden Stausee aus dem Gebiet, das überflutet werden soll, Menschen umgesiedelt werden, die sich dort eine Existenz ermöglicht haben, und deren Integration in ein neues Umfeld sehr schwierig ist und oft nicht gelingt.[69]

Dieses Problem hat man beispielsweise im Rahmen der Planung des kürzlich in Betrieb genommen chinesischen Dreischluchten-Staudamms ausgiebig diskutiert. Schließlich wurden etwa zehn Millionen Menschen umgesiedelt.[70]

Auch in der Türkei wird heftig um Umsiedlung von 355.000 Menschen gestritten. Die Regierung plant im Grenzgebiet zu Syrien und dem Irak das sogenannte „Südostanatolien-Projekt“ (GAP), ein System von 22 Staudämmen und 19 Wasserkraftwerken an Euphrat und Tigris, dessen Herzstück der bereits fertiggestellte Atatürk-Staudamm bilden soll. Das von der Überflutung betroffene Land – ca. 1660 m² – ist Kurdengebiet; die Umsiedlungsproblematik hat also eine zusätzliche politische Dimension. Ankara muss sich den Vorwurf gefallen lassen, den Kurden auf diese Weise ihre Existenzgrundlage zu nehmen und dadurch die Unabhängigkeitsbestrebungen des Volkes zu unterwandern und zu zermürben.[71] In Kapitel 3.4. dieser Arbeit wird darüber genauer berichtet.

Bislang wurden für die über 45.000 gebauten Staudämme schätzungsweise 40 bis 80 Millionen Menschen umgesiedelt und ca. 2 Billionen Dollar ausgegeben.[72]

Die Erfahrung hat gezeigt, dass aufwendige Großprojekte zur Wasserbeschaffung und –speicherung den Anforderungen der heutigen Zeit nicht gerecht werden. Sie sind nicht in der Lage, die Knappheit der Ressource Wasser zu lindern oder gar zu vermeiden. Stattdessen verschlimmern sie meist die ökologischen Schäden, die durch die Knappheit verursacht wurden, und verletzen das Prinzip der Nachhaltigkeit. Kleinräumige und meist traditionelle Methoden der Förderung und Bewässerung dagegen erweisen sich oftmals als zuverlässiger, ökologischer, gerechter und vor allem effizienter in der dauerhaften Bereitstellung von Wasser.

2.2.5. Die Verwendung von Wasser zu industriellen Zwecken

Im globalen Mittel entfällt die Menge von etwas mehr als 20% der Gesamtwasserentnahme auf die Industrie (im Jahr 1995 waren es – nach aktuellen Angaben der UN – 752 km³ weltweit[73]), doch der Anteil variiert von Land zu Land. Er ist abhängig von Bevölkerungszahl und Entwicklungsstand, und auch die Art der erzeugten Güter sowie die Energiegewinnung spielen eine Rolle. In manchen Ländern wie z.B. Deutschland, Finnland oder Belgien liegt die industrielle Entnahme bei um die 80%.[74] In Entwicklungsländern dagegen ist der Anteil mit 10-30% bisher noch wesentlich geringer.

Die Industrie nutzt Wasser in erster Linie zur Kühlung von Anlagen, z.B. in Kraftwerken, seien es nun Atom-, Kohle- oder andere Kraftwerke. Zu diesem Zweck kann dasselbe Wasser auch mehrmals verwendet werden.

Auch in der industriellen Produktion wird Wasser benötigt, beispielsweise in der Papierherstellung oder in der Zementindustrie und in Erdölraffinerien. Diese verarbeitenden Gewerbe sind sehr wasserintensiv, wobei auch hier durch Mehrfachnutzung und Effizienzsteigerung Einsparpotential vorhanden ist.[75]

Der eigentliche Wasserverbrauch in der Industrie ist sehr gering, denn das meiste wird dem Kreislauf nicht längerfristig entzogen, so wie in der Landwirtschaft, sondern nach der Nutzung direkt wieder zugeführt, und zwar meist an der Stelle, an der es ihm auch entnommen wurde. Problematisch ist eher, dass es oft stark verschmutzt und nach der Kühlung in Kraftwerken auch aufgeheizt ist. Nach Schätzungen der UNESCO verschmutzen jährlich 300-500 Millionen t Schwermetalle, Lösungsmittel und toxischer Schlamm sowie organische Stoffe[76] die globalen Wasservorräte. Besonders in den Entwicklungsländern gelangt ein großer Anteil der industriellen Abfälle unbehandelt ins Wasser.[77]

Ein weiterer Verwendungszweck für Wasser ist die Stromerzeugung durch Wasserkraft. Dazu werden entweder Flüsse aufgestaut, wobei der Ablauf aus dem entstandenen Stausee je nach Energiebedarf geregelt wird; diese Methode kommt vor allem in Gebirgsregionen zur Anwendung. Oder es werden Wehre mit Wasserkraftwerken in die Flüsse gebaut, die dann allein durch ihre Bewegungsenergie die Turbinen antreiben. Das ist vor allem bei größeren Flüssen, die eventuell auch bereits kanalisiert sind, üblich. Der Neckar beispielsweise hat auf seiner Länge von 367 km insgesamt 26 Staustufen zur Stromerzeugung.[78] Weltweit liefern ungefähr 45.000 Dämme 19% der global erzeugten Energie. Damit ist Wasserkraft die am weitesten verbreitete regenerative Energiequelle weltweit.[79]

Die zu erwartende Zunahme des Wasserbedarfs der Industrie erklärt sich schon allein durch das Bevölkerungswachstum. Gleichzeitig ist aber auch der steigende Entwicklungsgrad vieler Länder für eine Zunahme verantwortlich. Es wird prognostiziert, dass im Jahr 2025 global gleich viel Wasser in Industrie und Landwirtschaft gebraucht wird. Die Menge wird auf 1.170 km³ pro Jahr geschätzt.[80]

2.2.6. Wasser für die Städte und Haushalte

Die privaten Haushalte brauchen nur den verhältnismäßig kleinen Anteil von ungefähr 8% der sich jährlich erneuernden Trinkwasservorräte. Die Werte für die jeweiligen Länder schwanken nur geringfügig um diesen Wert, zu dem auch das von öffentlichen Einrichtungen und Kleinstbetrieben genutzte Wasser gezählt wird.[81] Das Problem in diesem Fall ist nicht die aufzubietende Menge, sondern vielmehr eine konstant auf Trinkwasserniveau bleibende Qualität, vor allem in Städten und ganz besonders in den urbanen Ballungsräumen der Entwicklungsländer. Hier ist die wasserbauliche Infrastruktur besonders schlecht, sehr veraltet und ursprünglich nicht auf die Versorgung so vieler Menschen angelegt. Neue Leitungssysteme müssten gebaut und bestehende ausgeweitet und erneuert werden. Der Verlust an Wasser durch lecke Rohre beträgt zwischen 40% und 60%. Besonders hoch ist er beispielsweise in Dhaka, Manila oder Seoul mit 62%, 52-64% und 42% des zur Verfügung stehenden Wassers.[82] Die jährliche Menge des Trinkwasserverlustes von Nairobi – Hauptstadt von Kenia, ca. 1,5 Millionen Einwohner[83] – würde ausreichen, um Mombasa, mit etwa 500 000 Einwohnern die zweitgrößte Stadt Kenias, für der gleichen Zeitraum zu versorgen.

Etwas anders gestaltet sich die Lage z.B. in Bangkok und Jakarta. Hier dringt aufgrund niedriger Wasserstände – bedingt durch Übernutzung – salzhaltiges Meerwasser ins Grundwasser ein und gefährdet so die Versorgung.

Als positives Exempel kann beispielsweise Sao Paulo genannt werden: Hier wurde der Wasserverlust in den letzten zehn Jahren um 50% reduziert.

Insgesamt ist zu erwarten, dass die Wasserentnahme durch Haushalte in Europa und Südamerika rückläufig sein wird, während sie in Afrika und Asien weiterhin stark ansteigt.[84] Zu begründen ist der Anstieg durch steigenden Lebensstandard, mit dem auch die Ansprüche an die Wasserversorgung bezüglich Quantität und Qualität steigen. Gleichzeitig wird vor allem in Europa das Sparpotential voll ausgeschöpft, was den Rückgang der Entnahme erklärt. Insgesamt sinkt im globalen Mittel der Pro-Kopf-Wasserverbrauch, doch wegen des Bevölkerungswachstums vor allem in Afrika und Asien steigt der absolute Gesamtverbrauch der Haushalte weiterhin an.[85]

[...]


[1] Vgl. Postel, Sandra L.: Pillar of Sand: Can the Irrigation Miracle Last? Zit. nach Leslie, Jacques (2001): Bis zum letzten Tropfen. Geht der Welt das Wasser aus? Eine Erdumrundung,; in: du (2001). Die Zeitschrift der Kultur, Heft Nr. 714, März 2001: Wasser. Das Thema des Jahrhunderts, Zürich, S.34-44.

[2] Vgl. Urban, Martin (2003): Planet der Durstigen; in: Süddeutsche Zeitung vom 18.03.2003, München.

[3] Deutsche UNESCO-Kommission e.V. (Hg./2003a): Wasser für Menschen, Wasser für Leben. Weltwasserentwicklungsbericht der Vereinten Nationen, Zusammenfassung, Bonn, S.4.

[4] Vgl. Agenda 21, Kap.18d; www.un.org/esa/sustdev/documents/agenda21/english/agenda21chapter18.htm (Zugriff 03.12.2003); sowie, Leslie, J. (2001): Bis zum letzten Tropfen, S.34

[5] Deutsche UNESCO-Kommission e.V.(Hg./2003a): Wasser für Menschen, Wasser für Leben, S.6/7.

[6] Wolf, Aaron T. (2001): Transboundary Waters: Sharing benefits, lessons learned. Thematic Background Paper, Secretariat of the International Conference on Freshwater (Hg./2001), Bonn, S.2.

[7] Vgl. Haftendorn, Helga (2000): Water and international conflict; in: Third World Quarterly, Vol.21, No.1, S.51-68.

[8] Naher Osten: „politisch-geographischer Sammelbegriff für die (außereurop.) Länder am östl. Mittelmeer. Ursprünglich verstand man unter N.O. die Länder des Osman. Reiches, heute meist die arab. Staaten in Vorderasien und Israel, oft einschl. Ägypten, Türkei und Iran.“; Mittlerer Osten: „nicht eindeutig festgelegter Begriff für den östl. Teil der islam. Welt. Im Unterschied zum Nahen Osten (ehem. Osman. Reich) und Fernen Osten (Hinterindien, China, Japan) versteht man unter dem Mittleren Osten Iran, Afghanistan und Vorderindien.“ Vgl. MEYERS Grosses Taschenlexikon in 25 Bänden, Mannheim u.a.7 1999, Bd.15, S.37 bzw. 202.

[9] Vgl. Wissenschaftlicher Beirat der Bundesregierung Globale Umweltveränderungen (WBGU/1998): Welt im Wandel: Wege zu einem nachhaltigen Umgang mit Süßwasser, Jahresgutachten 1997, Berlin u.a., S.21.

[10] Vgl. u.a. Bauchmüller, Michael (2003): Reiche Schlucker; in: Süddeutsche Zeitung vom 24.05.2003, München; sowie Shiva, Vandana (2003): Der Kampf um das blaue Gold. Ursachen und Folgen der Wasserverknappung, Zürich, S.129-153.

[11] Vgl. Wolf, A.T. (2001): Transboundary Waters, S.5.

[12] Neben Ägypten waren 1989 noch der Sudan, Äthiopien, Ruanda, Burundi, die heutige Demokratische Republik Kongo (damals noch Zaire), Tansania, Kenia und Uganda Nilanrainer. Seit der Unabhängigkeit Eritreas von Äthiopien am 24.05.1993 liegen zehn Länder am Nil.

[13] Ich nenne den Krieg zwischen Irak und Iran 1980-1988 den ersten, die Befreiung Kuwaits 1991 den zweiten und den im Rahmen des Kampfes gegen den Terror im Frühjahr 2003 geführten Einmarsch in den Irak den dritten Golfkrieg.

[14] Jacob, Klaus (1999): Kampf ums Wasser, in: Die ZEIT Ausg. 33 1999, Hamburg.

[15] Vgl. Kocher, Victor (2001): Nach der Sintflut; in: du (2001).Die Zeitschrift der Kultur, Heft Nr. 714, März 2001: Wasser. Das Thema des Jahrhunderts, Zürich, S.50-66.

[16] Vgl. Scheumann, Waltina (1998): Streit am Euphrat – Streit um den Euphrat: Stand und Perspektiven der Verhandlungen um die Wasserverteilung; in: Hartje, V. & Ermel, H. (Hg./1998): Wasser – Kultur – Politik. Wechselwirkungen und Optionen, Berlin, S.79-94.

[17] Vgl. Urban, M.(2003): Planet der Durstigen.

[18] Vgl. Facts & Figures zum internationalen Jahr des Süßwassers 2003; in: UNESCO heute. Zeitschrift der Deutschen UNESCO-Kommission (2003b), Nr.1-2, Bonn, S.10-12.

[19] Vgl. de Villiers, Marq (2000): Wasser. Die weltweite Krise um das blaue Gold, München, S.55.

[20] Vgl. Ediger, Wolfhard (1997): Wasser als natürlicher Rohstoff; in: Barandat, Jörg (Hg./1997a): Wasser – Konfrontation oder Kooperation. Ökologische Aspekte von Sicherheit am Beispiel eines weltweit begehrten Rohstoffs, Baden-Baden, S.27-51.

[21] Vgl. Häckel, Hans (1999): Meteorologie, Stuttgart, S.140/141.

[22] Vgl. Deutsche UNESCO-Kommission e.V. (Hg./2003a): Wasser für Menschen, Wasser für Leben. Weltwasserentwicklungsbericht der Vereinten Nationen, Zusammenfassung, Bonn, S.9.

[23] Vgl. Sager, Wilhelm (2001): Wasser, Hamburg, S.15. Nach anderen Schätzungen bzw. Berechnungen beläuft sich die jährlich verdunstende Menge auf 505.000-575.000 km3; vgl. hierzu de Villiers, M. (2000): Wasser, S.56; bzw. WBGU (1998): Jahresgutachten 1997, S.58.

[24] Vgl. Ediger, W. (2001): Wasser als natürlicher Rohstoff, S.28.

[25] In der Literatur finden sich unterschiedliche Werte. Vgl. hierzu u.a. Postel, Sandra L. (1993): Die letzte Oase. Der Kampf um das Wasser. Eine Publikation des Worldwatch Institute, Frankfurt/Main, S.17; Shiklomanov, Igor A. (1993): World fresh water resources; in: Gleick, Peter H. (Hg./1993b): Water in crisis. A guide to the world’s fresh water resources, New York, Oxford, S.13-24.

[26] AL = NL - VL

[27] Vgl. Shiklomanov, Igor A. (1993): World fresh water resources, S.17.

[28] Vgl. Postel, S. (1993): Die letzte Oase, S.18.

[29] Vgl. Postel, S.; Daily, Gretchen C. & Ehrlich, Paul R. (1996): Human Appropriation of Renewable Fresh Water; in: Science, Vol.271, No.5250, S.785-788. Hier findet sich auch eine Erklärung, wie man zu dieser Zahl gelangt ist. Bei der Berechnung wurden die in diesem Text angesprochenen Einschränkungen bei der Entnahme miteinbezogen.

[30] Vgl. Jacob, Klaus (1999): Kampf ums Wasser.

[31] Vgl. Gleick, Peter H. (1993c): An introduction to global fresh water issues; in: ders. (Hg./1993b): Water in crisis. A guide to the world’s fresh water resources, New York, Oxford, S.3-12.

[32] Vgl. Postel, S.; Daily, G. C. & Ehrlich, P. R. (1996): Human Appropriation of Renewable Fresh Water, S.785/786.

[33] Vgl. Postel, S. (1993): Die letzte Oase, S.23.

[34] Vgl. Postel, S.; Daily, G. C. & Ehrlich, P. R. (1996): Human Appropriation of Renewable Fresh Water, S.786.

[35] Vgl. Kocher, V. (2001): Nach der Sintflut, S.54.

[36] Man ist sich in Fachkreisen weitgehend einig darüber, dass ein Klimawandel stattfindet; auch dass er zu einem Großteil vom Menschen verschuldet wurde ist nahezu unumstritten. Über die langfristigen Auswirkungen jedoch wird intensiv diskutiert. Nicht alle sind überzeugt davon, dass ein verstärkter Treibhauseffekt zwangsläufig auch eine langfristige Erwärmung zur Folge hat. Es gibt beispielsweise die Theorie, dass die vermehrte Wolkenbildung, die ein verstärkter Wasserkreislauf – wie er sich bei einer Erwärmung einstellte – verursachen würde, zu einer Abkühlung führen könnte, die die Erwärmung durch den Treibhauseffekt ausgleichen könnte (Erklärung des Treibhauseffekts im Text).

Doch die meisten Autoren vertreten die Auffassung, die im Text geschildert wird. Diese liegt auch den Fachtexten über die globale Süßwasserkrise zugrunde, so dass im Rahmen dieser Arbeit die Diskussion über langfristige Folgen des Treibhauseffekts nicht aufgegriffen wird.

[37] Vgl. Leslie, J. (2001): Bis zum letzten Tropfen, S.39/40.

[38] Vgl. Klöppel, Tobias (2003): Klima im Wandel: die G8-Klimapolitik als Energiepolitik; in: Gstöhl, Sieglinde (Hg./2003): Global Governance und die G8. Gipfelimpulse für Weltwirtschaft und Weltpolitik, Münster, Hamburg, London, S.239-264.

[39] Vgl. IPCC (2001): Dritter IPCC-Bericht: Summary for Policymakers: A Report of Working Group I of the Intergovernmental Panel on Climate Change, Genf, S.7: www.ipcc.ch/pub/spm22-01.pdf.

[40] Vgl. Gleick, P. H. (1993d): Water in the 21st century; in: ders. (Hg./1993b): Water in crisis. A guide to the world’s fresh water resources, New York, Oxford; S.105-113; sowie, S.20-22.

[41] Vgl. Häckel, H. (1999): Meteorologie, S.24.

[42] Vgl. Dritter IPCC-Bericht (2001), S.13.

[43] Vgl. Jacob, K. (1999): Kampf ums Wasser.

[44] Vgl. Leslie, J. (2001): Bis zum letzten Tropfen, S.39; sowie WBGU (1998): Jahresgutachten 1997, S.109/110.

[45] Vgl. WBGU (1998): Jahresgutachten 1997, S.233/234.

[46] Vgl. Gleick, P. H. (1993d): Water in the 21st century; S.106.

[47] Vgl. Gleick, P. H. (1993d): Water in the 21st century, S.107.

[48] Vgl. Häckel, H. (1999): Meteorologie, S.408.

[49] Vgl. Homer-Dixon, Thomas F. (1999): Environment, Scarcity and Violence, Princeton; Ediger, W. (1997): Wasser als natürlicher Rohstoff, S.30/31; Gleick, P.H. (1993d): Water in the 21st century, S.105/106; Postel, S. (1993): Die letzte Oase, S.18; außerdem so gut wie alle andren Publikationen zum Thema.

[50] Vgl. Homer-Dixon, Thomas F. (1999): Environment, Scarcity and Violence, S.66/67; sowie: Postel, S. (1993): Die letzte Oase, S.166.

[51] Vgl. Falkenmark, Malin (1986): Fresh Water: Time for a Modified Approach; in: Ambio, Vol.15, No.4, S.192-200; sowie: dies. (1989): The Massive Water Scarcity now Threatening Africa – Why isn’t it being Adressed?; in: Ambio, Vol.18, No.2, S.112-118.

[52] Vgl. Ediger, W. (1997): Wasser als natürlicher Rohstoff, S.31.

[53] Vgl. Postel, S. (1993): Die letzte Oase, S.18.

[54] Vgl. Koufen, Katharina (2003a): Blaue Bibel; in: Die taz vom 20.03.2003, Berlin.

[55] Vgl. UNESCO-Homepage zum Wasserjahr 2003; International Year of Fresh Water: Facts and Figures: General overview: Water for our future; what are the trends? www.wateryear2003.org.

[56] Vgl. Deutsche UNESCO-Kommission e.V.(Hg./2003a): Wasser für Menschen, Wasser für Leben, S.9.

[57] Vgl. UNESCO-Homepage zum Wasserjahr 2003; International Year of Fresh Water: Facts and Figures: Water Use: The different users – Agriculture, Industry and Energy: www.wateryear2003.org; sowie WBGU (1998): Jahresgutachten 1997, S.75.

[58] Vgl UNESCO-Homepage zum Wasserjahr 2003; Facts and Figures: Water Use: The different users – Agriculture, Industry and Energy; www.wateryear2003.org.

[59] Vgl. Postel, S. (1993): Die letzte Oase, S.7/8.

[60] Vgl. Barandat, Jörg (1993): Wasser. Ein neues Pulverfass? Hamburg, S.42.

[61] Vgl. Stout, Glenn E. (1994): Vision can make a difference: Transboundary issues; in: Isaac, Jad & Shuval, Hillel (Hg./1994): Water and peace in the Middle East. Proceeding of the First Israeli-Palestinian International Academic Conference on Water, Zürich, Switzerland, 10.-13.12.1992, Amsterdam u.a., S.1-6.

[62] Vgl. UNESCO-Homepage der Schweiz: 2003 – Internationales Jahr des Süßwassers, www.unesco.ch/actual-d/internationales_jahr_2003_frame.htm.

[63] Vgl. WBGU (1998): Jahresgutachten 1997, S.19/20.

[64] Vgl. UNESCO-Homepage zum Wasserjahr 2003; Facts and Figures: General overview: Water for our future; what are the trends? www.wateryear2003.org.

[65] Unter aktivem Grundwasser versteht man, dass die Vorräte durch Niederschläge wieder aufgefüllt werden und das Wasser irgendwo als Quelle wieder zu Tage tritt. Fossiles Grundwasser dagegen sammelt sich in langen Prozessen über wasserundurchlässigen Gesteinsschichten o.ä. und bildet sich nur sehr langsam neu.

[66] Vgl. Kocher, V. (2001): Nach der Sintflut, S.66.

[67] Vgl. Shiva, V. (2003): Der Kampf um das blaue Gold, S.105.

[68] Vgl. Leslie, J. (2001): Bis zum letzten Tropfen, S.37.

[69] Vgl UNESCO-Homepage zum Wasserjahr 2003; Facts and Figures: Water Use: The different users – Agriculture, Industry and Energy; www.wateryear2003.org.

[70] Vgl. World Commission on Dams (Hg./2000): Dams and Development, London, S.XVIII.

[71] Vgl. Kocher, V. (2001): Nach der Sintflut, S.52; sowie Stalder, Helmut (2001): Wassermacht und Helfershelfer. Schweizer Turbinen und Exportrisikogarantien; in: du (2001). Die Zeitschrift der Kultur, Heft Nr. 714, März 2001: Wasser. Das Thema des Jahrhunderts, Zürich, S.67.

[72] Vgl. World Commission on Dams (Hg./2000): Dams and Development, S.XVIII.

[73] Vgl UNESCO-Homepage zum Wasserjahr 2003; Facts and Figures: Water Use: The different users – Agriculture, Industry and Energy; www.wateryear2003.org.

[74] Vgl. WBGU (1998): Jahresgutachten 1997, S.75-77.

[75] Ebd., S.77.

[76] Zur Wirkung organischer Substanzen im Wasser wird im Rahmen der Verwendung von Dünger in der Landwirtschaft (Kap. 2.2.8.) noch mehr zu sagen sein.

[77] Vgl UNESCO-Homepage zum Wasserjahr 2003; Facts and Figures: Water Use: The different users – Agriculture, Industry and Energy; www.wateryear2003.org.

[78] Vgl. MEYERS Grosses Taschenlexikon, Bd.15, S.259.

[79] Vgl UNESCO-Homepage zum Wasserjahr 2003; Facts and Figures: Water Use: The different users – Agriculture, Industry and Energy; www.wateryear2003.org.

[80] Vgl UNESCO-Homepage zum Wasserjahr 2003; Facts and Figures: Water Use: The different users – Agriculture, Industry and Energy; www.wateryear2003.org; sowie WBGU (1998): Jahresgutachten 1997, S.84.

[81] Vgl. WBGU (1998): Jahresgutachten 1997, S.77-79.

[82] Vgl. Grefe, Christiane (2003): Wie das Wasser nach Happyland kam; in: Die ZEIT Ausg.35 2003, Hamburg.

[83] Der Fischer Weltalmanach 2002, Frankfurt a.M. 2001, S.449.

[84] Vgl. WBGU (1998): Jahresgutachten 1997, S.85.

[85] Vgl. Vorholz, Fritz (2001): Der geplünderte Planet, in: Die ZEIT Ausg. 29, Hamburg.

Ende der Leseprobe aus 143 Seiten

Details

Titel
Internationale Konflikte um Trinkwasser: Fallbeispiele aus dem Nahen und Mittleren Osten
Hochschule
Humboldt-Universität zu Berlin
Note
1,7
Autor
Jahr
2003
Seiten
143
Katalognummer
V49372
ISBN (eBook)
9783638458450
Dateigröße
1839 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Internationale, Konflikte, Trinkwasser, Fallbeispiele, Nahen, Mittleren, Osten
Arbeit zitieren
Boris Michel (Autor), 2003, Internationale Konflikte um Trinkwasser: Fallbeispiele aus dem Nahen und Mittleren Osten, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/49372

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