Interjektionen und Abtönungsphänomene


Seminararbeit, 2001

20 Seiten, Note: 1,3


Leseprobe

Gliederung:

I. Einleitung

II. Interjektionen
1. Begriffsklärung
2. Klassifizierung
2.1. Interjektionen im engeren Sinn
2.2. Sekundäre Interjektionen
2.3. Onomatopoetische Elemente

III. Abtönungsphänomene
1. Sprechakttheorie
2. Verschieden Möglichkeiten der Abtönung
2.1. Sprechersignale, Interjektionen, Gliederungs- und turn-
taking-Signale
2.2. Abtönungspartikeln
2.2.1. ya
2.2.2. pues
2.2.3. que
2.3. Emphatische Vokative
2.4. Kurzfragen
3. Probleme der Abtönung

IV. Fazit

V. Bibliographie

I. Einleitung

Der große Bereich der Gesprächswörter und äquivalenten Verfahren umfasst Gliederungs-, turn-taking-, Kontakt- und Korrektursignale, Überbrückungs-phänomene, Interjektionen und Abtönungsphänomene. Zu den „echten“ Gesprächswörtern zählen alle Wörter, die sich direkt auf Instanzen oder Faktoren der Kommunikation beziehen und somit Teil des textuell-pragmatischen Bereichs sind. Die äquivalenten Verfahren repräsentieren all die Möglichkeiten, bei denen nicht direkt durch einzelne Wörter, sondern durch bestimmte Formulierungen oder Ausdrucksweisen auf die Instanzen und Faktoren der Kommunikation verwiesen wird.[1]

Im Folgenden werde ich die Interjektionen und Abtönungsphänomene herausgreifen und näher untersuchen.

II. Interjektionen

1. Begriffsklärung

Interjektionen gehören zu den auffälligsten Erscheinungen der gesprochenen Sprache, werden aber auch in der geschriebenen Sprache verwendet. Hierbei dienen sie oft der Darstellung von paraverbalem und nonverbalem Verhalten. Sie werden gebraucht, wenn es um Aspekte geht, für die kein geeignetes lexikalisches Material zur Verfügung steht.[2] Beispiele für Interjektionen im Spanischen sind: ah, ajá, bah, caramba, carajo, hala, hola, huy, jo, olé, uf. Im Deutschen gehören zu den Interjektionen Wörter wie: ach, au, he, hoppla, oh, pst.

Eine Ordnung von Interjektionen geschieht nach folgenden inhaltlichen Kriterien: Man unterteilt sie in verschiedene Bereiche wie Frage und Aufforderung, Zustimmung, Ablehnung oder Widerspruch, positive und negative Bewertungen, Indifferenz und Gefühle, wie zum Beispiel Schmerz, Trauer, Empörung, Enttäuschung, Überraschung, Freude oder aber auch körperliche Empfindungen wie Schmerz, Ekel, Müdigkeit oder Frieren. Hieraus wird deutlich, dass im Zentrum der Interjektionen der Ausdruck von Emotionen steht. Einerseits gegenüber dem Gesprächspartner, was man als Affektivität bezeichnet und andererseits gegenüber dem Gesprächsgegenstand, was als Expressivität bezeichnet wird.[3]

Richard Carstensen beschreibt Interjektionen wie folgt. „Die Interjektionen sind... ursprünglich ohne eine Absicht der Mitteilung hervorgebracht, dann aber auch als ein Stilmittel absichtlich gebraucht und traditionell sich weiter vererbend.“[4] Heutzutage dienen sie dem Ausdruck von Empfindungen, jedoch können sie in unterschiedlichen Sprachen verschiedene, teilweise sogar entgegengesetzte Bedeutungen haben. Es sind feste Lautformen, die traditionell erlernt werden und im nationalen Wortschatz zu finden sind. Von Fremden werden sie wie Vokabeln erlernt. Manchmal lassen sich Interjektionen nicht schriftlich darstellen, weil die Schriftzeichen dazu fehlen. Andererseits werden aber auch Laute, für die es keine Schriftzeichen gibt, durch Interjektionen notiert. So wird beispielsweise der Lachlaut durch ah und ha, im Spanischen auch durch ju, dargestellt.[5]

- - su risa era tan grande que el exceso de alegría bañaba sus mejillas de

lágrimas.

- ¡ Jjujú ! – concluyó gritando con su voz de bronce - ¡Viva Lorío!

(aus Carstensen, S.9)

Wie schon erwähnt, kann ein und dieselbe Interjektion verschiedene Gefühlsregungen ausdrücken. Dies möchte ich am Beispiel der von ah veranschaulichen.

Zum Ausdruck der Freude: ¡ Ah, mi mujer! – exclamó, y una lágrima que se le había

asomada a un ojo parecía irradiarle luz interna.

Zum Ausdruck des Schmerzes: ¡ Ah, si me envidiase...si me envidiase...!

Zum Ausdruck der Erleichterung: ¡ Ah, menos mal! Le contestó el barbaro de Martín.

Zum Ausdruck der Überraschung, des Erstaunens: (Die Köchin öffnet die Tür und findet ihren Herrn in inniger Umarmung mit der Wäscherin) - - y exclamando: ¡ Ah !, volvió a cerrarla.

Zum Ausdruck der Zurückweisung: ¡ Ah, no! – protestó indagnada la infeliz.

Zum Ausdruck der Verstärkung: ah, si; ah ya; ah no (aus Carstensen, S. 20ff.)

2. Klassifizierung

2.1. Interjektionen im engeren Sinn

Interjektionen haben inhaltlich und ausdrucksmäßig einen sehr knappen Charakter, was bei ihrer Verwendung höchste Spontaneität erlaubt. Ihre Kürze fördert außerdem die Dialogizität. Allerdings sind sie deshalb nur bei sehr starker Situationseinbindung und Vertrautheit der Partner kommunikativ akzeptabel und verständlich. Meistens werden sie mit intonatorischem Ausdruck, Gesten oder Mimik verbunden und kommen deswegen nur in face-to-face-Situationen richtig zur Geltung[6]. Diese Verwendung wird im folgenden Beispiel veranschaulicht:

A [ <cómo ves la universidad. y el plan de estudios>1

B [ < huy huy >2

B [ eso es un tema dificilísimo realmente lo que has planteado me parece

[ <no>3

< ? >1,3 < ! >2

(aus Koch/Oesterreicher, S. 65)

Interjektionen sind syntaktisch nicht in Sätze integrierbar, d.h. sie sind nicht in den Satzzusammenhang eingegliedert, sondern einfach „dazwischengeworfen“. Allerdings nehmen sie im Gespräch nicht irgendwelche beliebigen Plätze ein, sondern werden an sog. ”transition-relevance-places“, also Stellen, an denen sie sinnvoll erscheinen, verwendet. Trotzdem kann es passieren, dass Interjektionen auch an ungrammatischen Stellen verwendet werden, also dort, wo sie überhaupt nicht in die Struktur des Satzes passen. Das kann der Fall sein, wenn sie sich auf etwas beziehen, das außerhalb des Gesprächsverlaufes passiert, beispielsweise, wenn der Sprecher während seines turns von einer Wespe gestochen wird und deshalb mitten im Satz „Au“ schreit.[7]

Außerdem sind sie satzäquivalent bzw. satzwertig, d.h. sie können die Funktion von Sätzen, als Äußerungen aufzutreten, übernehmen.[8] Des weiteren sind sie kommunikativ vollwertig und eigenständig und können nach „innen“, abgesehen von ihrer Lautgestalt, nicht weiter segmentiert werden. Somit sind Interjektionen nur einfach gegliedert, nicht wie die übrigen sprachlichen Texte, die doppelt gegliedert sind.[9] Interjektionen können also nur in ihre materiellen Einheiten, aber nicht in Moneme zerlegt werden. Sie sind Symbole, denen zwar ein Inhalt zugeordnet werden kann, deren Ausdrucks- und Inhaltsebene sich aber nicht unterschiedlich gliedern lässt.

Interjektionen haben keinen propositionalen Gehalt, dafür aber illokutionäre Funktion. Sie sind folglich Wörter ohne Darstellungs-, dafür aber mit Kundgabe- und Appellfunktion. Ausgelöst werden sie durch etwas Gesagtes oder ein nicht sprachliches Ereignis. Sie können sich aber auch auf etwas beziehen, das noch gesagt wird bzw. etwas, das noch geschehen wird.[10]

Auffällig ist außerdem die besondere lautliche Gestalt, die Interjektionen aufweisen können. Oft liegt diese außerhalb des phonologischen Systems der Einzelsprache, d.h. es treten Laute auf, die dieses nicht kennt oder die Distributionsregeln werden verletzt. Der Großteil der Interjektionen harmoniert zwar mit dem phonologischen System, aber grundsätzlich besteht die Möglichkeit der Abweichung. Somit sind Interjektionen frei gegenüber dem phonologischen System. Eine wichtige Rolle spielen suprasegmentale Verfahren und Wiederholungsverfahren.[11]

Eine Frage, die sich in Bezug auf Interjektionen in der Literatur des Öfteren stellt (Vgl. Koch/Oesterreicher, S.65, Weydt, Partikeln und Interjektionen, S. 75), ist, ob Interjektionen sprachlich sind. Für ihre Zugehörigkeit zur Sprache spricht einerseits, dass sie mit den Sprechwerkzeugen gebildet werden, also hinsichtlich ihrer Materialität mit Sprache übereinstimmen. Andererseits dienen sie der Kommunikation und sind außerdem arbiträr, so wie die übrigen sprachlichen Zeichen auch. Sie werden intentional gesetzt und sind traditionell gegebene expressive Größen, wobei die Ikonizität eine wichtige Rolle spielt. Dagegen spricht jedoch, dass sie nur einfach gegliedert sind.[12]

[...]


[1] Vgl. Peter Koch/ Wulf Oesterreicher, Gesprochene Sprache in der Romania: Französisch, Italienisch, Spanisch, Romanistische Arbeitshefte, Bd. 31, Tübingen 1990, S. 51.

[2] Vgl. Theodor Lewandowski, Linguistisches Wörterbuch, Bd.2, Heidelberg 41985, S.461.

[3] Vgl. Koch/Oesterreicher, S. 64f.

[4] Richard Carstensen, Die Interjektionen im Romanischen, Bochum 1936, S. 2.

[5] Vgl. Carstensen, S. 8f.

[6] Vgl. Koch/Oesterreicher, S. 65.

[7] Vgl. Harald Weydt (Hrsg.) , Partikeln und Interjektionen, Reihe Germanische Linguistik, Bd. 44, Tübingen 1983, S. 70f.

[8] Vgl. Weydt, Partikeln und Interjektionen, S. 71.

[9] Vgl. Koch/Oesterreicher, S.65.

[10] Vgl. Weydt, Partikeln und Interjektionen, S. 73.

[11] Vgl. Weydt, Partikeln und Interjektionen, S. 74f.

[12] Vgl. Weydt, Partikeln und Interjektionen, S. 75f.

Ende der Leseprobe aus 20 Seiten

Details

Titel
Interjektionen und Abtönungsphänomene
Hochschule
Universität Passau
Veranstaltung
Pro-/Hauptseminar Gesprochenes Spanisch
Note
1,3
Autor
Jahr
2001
Seiten
20
Katalognummer
V49381
ISBN (eBook)
9783638458535
Dateigröße
720 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Interjektionen, Abtönungsphänomene, Pro-/Hauptseminar, Gesprochenes, Spanisch
Arbeit zitieren
Karolin Rammling (Autor), 2001, Interjektionen und Abtönungsphänomene, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/49381

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