Theodor Storms "Schimmelreiter" - ein Schulklassiker, der gerne auch als typisches Beispiel für die Gattung der Novelle herangezogen wird. Doch kann man Storms Deichgeschichte wirklich als Novelle charakterisieren. Anhand von allgemein befürworteten Novellen-Merkmalen soll "Der Schimmelreiter" in dieser Arbeit der Prüfung unterzogen werden, ob es sich um eine Novelle handelt oder nicht.
Inhaltsverzeichnis
1 Entstehungsgeschichte
2 Inhaltliche Zusammenfassung
3 Novellenmerkmale nach Aust
3.1 Länge
3.2 Begebenheit
3.2.1 „Unerhört“
3.2.2 „Neu“
3.2.3 „Wahr“
3.2.4 „Eine“
3.3 Konzentration
3.3.1 Punkt
a) Wendepunkt
b) Ähnlichkeit zum Drama
3.3.2 Symbol
3.4 Rahmen
3.5 Erzählen nach Mustern
3.6 Sammelbarkeit
4 Novelle oder Roman
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit analysiert Theodor Storms Spätwerk „Der Schimmelreiter“ im Hinblick auf seine Gattungszugehörigkeit. Ziel ist es, mittels literaturwissenschaftlicher Kriterien für Novellen zu prüfen, ob es sich bei dem Werk tatsächlich um eine Novelle handelt oder ob alternative Deutungsansätze existieren.
- Entstehungsgeschichte und biographischer Hintergrund des Werkes.
- Analyse von Novellenmerkmalen nach Hugo Aust am Beispiel des Schimmelreiters.
- Die Rolle von Symbolik und Rahmenstruktur im Erzählaufbau.
- Untersuchung des Spannungsfeldes zwischen Novelle und Roman.
- Diskussion der zentralen Motive und der Bedeutung der Figur Hauke Haien.
Auszug aus dem Buch
3.3.2 Symbol
Auch das Symbolische nimmt in Storms Werk einen weiten Raum ein. Es lassen sich vor allem zwei Leitmotive erkennen, von denen vorher schon einmal die Rede war: das Meer und der Deich. Auf der einen Seite das nicht zu bändigende Element, das stets zerstörerisch und fast immer negativ im „Schimmelreiter“ bewertet wird23 und auf der anderen Seite der Deich, der vom Menschen konstruierte Abwehrmechanismus gegen das Meer.
Symbolisch für Natur und Mensch stehen sich diese beiden gegenüber, so dass schon von „Symbolkonkurrenz“24 gesprochen werden kann, die schließlich im Sieg des Elements endet.
Besonders das Meer und der mit ihm kommende Sturm ziehen sich sowohl durch Rahmen- als auch Binnenhandlung. Bei allen Erzählunterbrechungen wird der Sturm immer wieder erwähnt: „Das Sturmmotiv, [...], durchzieht leitmotivartig die Novelle und dient stets dazu, die bedrohliche Atmosphäre zu verstärken“25. Jedenfalls läßt Storm beide Symbole bewußt zueiander in Konkurrenz treten, um eben dann auch zu zeigen, dass die Beherrschbarkeit der Natur durch den Menschen begrenzt ist.26 Dieses Thema zeigt sich u.a. in der Geburt von Wienke, dem Kind der Haiens, von dem schließlich festgestellt wird, dass es „schwachsinnig“ (S.118) ist, d.h. der Mensch und in diesem Fall Hauke Haien steht dem Schicksal machtlos gegenüber.
Zudem wird die Hybris des Hauke Haien thematisiert, die sich am deutlichsten bei seinem Stolz zeigt, als er bemerkt, dass die Leute den neuen Deich nach seinem Namen nennen (S.110).
Storm arbeitet beim „Schimmelreiter“ mit sehr viel Symbolik, so dass Fasold von einer großen Symbolkraft spricht. Für sie symbolisieren Meer und Deich auch mehr als nur Natur und Mensch. Sie sieht im Meer den Mythos, das Irrationale, das dem Deich als Bild der Aufklärung, des Rationalen und Wissenschaftlichen gegenübersteht.27
Zusammenfassung der Kapitel
1 Entstehungsgeschichte: Beleuchtung der biographischen Hintergründe und der Entstehung von Theodor Storms letztem Werk unter Berücksichtigung der Sturmflutthematik.
2 Inhaltliche Zusammenfassung: Darstellung der Binnenhandlung, die den Lebensweg und den tragischen Aufstieg sowie Fall des Deichgrafen Hauke Haien beschreibt.
3 Novellenmerkmale nach Aust: Untersuchung des Werkes anhand elf definierter Kriterien, um die Eignung der Gattungsbezeichnung Novelle zu bewerten.
4 Novelle oder Roman: Kritische Auseinandersetzung mit der Einordnung des Werkes an der Grenze zwischen Novelle und Roman sowie ein abschließendes Fazit zur Gattungsfrage.
Schlüsselwörter
Theodor Storm, Der Schimmelreiter, Novelle, Literaturanalyse, Hauke Haien, Deichbau, Symbolik, Rahmenhandlung, Gattungstheorie, Hugo Aust, Sturmflut, Roman, Literaturkritik, Nordfriesland, Epik.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser literaturwissenschaftlichen Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht das Werk „Der Schimmelreiter“ von Theodor Storm auf seine gattungsspezifischen Eigenschaften, um wissenschaftlich zu klären, ob es sich bei dem Text primär um eine Novelle handelt.
Was sind die zentralen Themenfelder der Analyse?
Die Analyse konzentriert sich auf die Entstehungsgeschichte, den inhaltlichen Kern, die Anwendung klassischer Novellenmerkmale nach Hugo Aust sowie die symbolische Bedeutung von Elementen wie Meer und Deich.
Welches primäre Ziel verfolgt der Autor?
Das Ziel ist die Prüfung der Gattungszuordnung. Es soll erörtert werden, ob die klassischen Kriterien einer Novelle auf Storms Spätwerk zutreffen oder ob das Werk eher an der Schwelle zum Roman steht.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Der Autor nutzt die Literaturanalyse und wendet eine Checkliste von Kriterien (Novellenmerkmale nach Hugo Aust) systematisch auf den Text an, um eine fundierte Bewertung vorzunehmen.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine inhaltliche Darstellung des Werkes und eine detaillierte Überprüfung verschiedener Kriterien wie Länge, Erzählweise, Symbolik, Wahrheitsanspruch und die komplexe Rahmenstruktur.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind Theodor Storm, Novelle, Gattungstheorie, Hauke Haien, Symbolkonkurrenz, Rahmenhandlung und der Vergleich zwischen Novelle und Roman.
Welche Rolle spielt die Figur des Hauke Haien im Kontext der Novellenanalyse?
Hauke Haien verkörpert das Individuum, dessen Hybris und Rationalität im Konflikt mit einer schwer kontrollierbaren, fast mythischen Umwelt stehen, was maßgeblich für die Gattungsdiskussion ist.
Inwieweit beeinflusst die Rahmenstruktur die Einordnung als Novelle?
Der Autor stellt fest, dass die komplexe Rahmenstruktur mit drei Erzählern ein typisches, aber besonders ausgeprägtes Merkmal der Stormschen Erzählkunst ist, das zur Wahrheitsfindung und Distanzierung im Text beiträgt.
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- Peter Lindhorst (Autor), 2002, Der Schimmelreiter - Eine Novelle?, Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/4938