Diese Hausarbeit bildet Maßnahmen zur Verbesserung der Patientensicherheit im Rettungsdienst auf Grundlage einer Literaturarbeit ab. Sie ist in drei Abschnitte gegliedert. Im ersten Abschnitt werden relevante Hintergründe zur Thematik skizziert. Die Beschreibung der möglichen Maßnahmen ist im darauffolgenden Abschnitt dargestellt. In der Diskussion werden die Maßnahmen gegenübergestellt und weitere Problemstellungen sowie Forschungsfragen abgeleitet.
Deutschlandweit arbeiten 63000 Frauen und Männer im Rettungsdienst. Ihr Arbeitsplatz ist ein Hochrisikoarbeitsplatz. Er ist geprägt von nicht planbaren Ereignissen, unvorhersehbaren Gefahrensituationen und Zeitdruck. Zum Teil müssen unter schwierigen Bedingungen, z.B.: fehlende Patienteninformationen, beengte Raumverhältnisse, schlechtes Wetter, Sprachbarrieren, etc. maximale Therapieentscheidungen getroffen und durchgeführt werden. Im Rahmen der Behandlung von Notfallpatienten kommt es somit immer wieder zu Zwischenfällen und Komplikationen. Diese so genannten „Fehler in der Medizin“ gehören zu den zehn häufigsten Todesursachen von Patienten.
70% der entstandenen Zwischenfälle sind auf die Human Factors zurückzuführen und nicht auf mangelndes Fachwissen. Ein hierbei festgestelltes Problem ist, dass häufig nach einem Schuldigen für das Versagen anstatt nach Ursachen für das Entstehen des Fehlers gesucht wird.
Im Gegensatz zur Medizin existieren in anderen Hochrisikobereichen, wie beispielsweise der Luftfahrt, Chemieindustrie oder auch Kernkraftwerken bereits seit langem ausgeprägte Sicherheitskulturen. Es werden Team- und Simulationstrainings von kritischen Abläufen durchgeführt und es gibt klar strukturierte auf Sicherheit optimierte Prozesse.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Theoretischer Hintergrund
2.1 Notfallmedizin
2.2 Berufsfeld Rettungsdienst
2.3 High Responsibility Team
2.4 Patientensicherheit
2.5 Human Factors – Faktor Mensch
2.6 Fehlertheorie nach Reason
3 Methodik
4 Maßnahmen zur Verbesserung der Patientensicherheit
4.1 Crisis Resource Management – CRM
4.2 Simulationstraining
4.3 Checklisten
4.4 Critical incident reporting system - CIRS
5 Diskussion
5.1 Gegenüberstellung der Maßnahmen
5.2 Grundsätze für die Effektivität der Maßnahmen
5.3 Auffälligkeiten der Literaturarbeit und neue Forschungsfragen
6 Fazit
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht, wie Fehler, die auf menschliche Faktoren (Human Factors) zurückzuführen sind, minimiert werden können, um die Patientensicherheit im Rettungsdienst nachhaltig zu erhöhen. Dabei wird analysiert, welche bewährten Ansätze aus anderen Hochrisikobereichen auf den rettungsdienstlichen Alltag übertragen werden können.
- Bedeutung von Human Factors und Fehlertheorien im rettungsdienstlichen Kontext
- Konzept und Anwendung von Crisis Resource Management (CRM)
- Rolle von Simulationstrainings zur Kompetenzentwicklung
- Einsatz und Kategorisierung von Checklisten zur Fehlerreduktion
- Implementierung von anonymisierten Meldesystemen (CIRS)
Auszug aus dem Buch
2.6 Fehlertheorie nach Reason
James Reason, englischer Psychologe, entwickelte in den 90er Jahren die „Fehlertheorie“. Diese Theorie wurde ursprünglich für die Luftfahrt, Großschifffahrt oder auch Kernenergie entwickelt. Seit mehreren Jahren wird sie im medizinischen Bereich angewendet. (Rohe, Beyer, & Gerlach, 2005)
Reason verwendet in seiner Fehlertheorie zentrale Begriffe, welche nachfolgend erläutert werden.
Aktives und latentes menschliches Versagen (active and latent human failures):
„Aktives Versagen sind unsichere Handlungen (Fehler und Verstöße), die von jenem am „scharfen Ende“ des Systems begangen werden ([Rettungsdienstpersonal], […]). Es sind die Menschen an der Schnittstelle Mensch/System, deren Handlungen unmittelbare Auswirkungen haben können bzw. haben.“ (Reason, 1995, zitiert nach Rohe et al., 2005, S.14)
„Latentes Versagen entsteht durch Entscheidungen, die auf den höheren Stufen einer Organisation gefällt werden. Ihre schädigenden Auswirkungen zeigen sich möglicherweise lange nicht, und sie werden erst dann offensichtlich, wenn sie mit lokalen auslösenden Faktoren (…) zusammentreffen und die Sicherheitsbarrieren des Systems durchbrechen.“ (Reason, 1995, zitiert nach Rohe et al., 2005, S.14)
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Diese Einleitung beschreibt den Rettungsdienst als Hochrisikoarbeitsplatz und leitet die Relevanz der Patientensicherheit aus der Problematik menschlicher Fehler ab.
2 Theoretischer Hintergrund: Dieses Kapitel erläutert die Grundlagen der Notfallmedizin, das Berufsfeld, das Konzept des High Responsibility Teams sowie zentrale Theorien zur Fehlerentstehung.
3 Methodik: Hier wird der systematische Ansatz der Literaturrecherche dargelegt, die zur Beantwortung der Forschungsfrage genutzt wurde.
4 Maßnahmen zur Verbesserung der Patientensicherheit: Dieses Kapitel stellt konkrete Instrumente wie CRM, Simulationstraining, Checklisten und CIRS als Lösungsansätze vor.
5 Diskussion: Die Ergebnisse werden kritisch gegenübergestellt und es werden Grundsätze für eine effektive Sicherheitskultur sowie neue Forschungsfragen abgeleitet.
6 Fazit: Das Fazit unterstreicht die Notwendigkeit eines kulturellen Wandels im Rettungsdienst hin zu einer proaktiven Sicherheitskultur durch kontinuierliche Schulungen.
Schlüsselwörter
Patientensicherheit, Rettungsdienst, Human Factors, Crisis Resource Management, CRM, Simulationstraining, Fehlertheorie, James Reason, CIRS, Critical Incident Reporting System, Sicherheitskultur, Fehlervermeidung, Risikomanagement, Notfallmedizin, Teamarbeit.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit beschäftigt sich mit der Verbesserung der Patientensicherheit im Rettungsdienst durch die Identifikation und Reduktion menschlich bedingter Fehler.
Welches sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Felder umfassen Fehlertheorien, das Crew Resource Management, moderne Simulationstrainings, den Einsatz von Checklisten sowie anonymisierte Fehlermeldesysteme.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Ziel ist es, Maßnahmen aufzuzeigen, wie Fehler, die durch menschliche Faktoren begründet sind, minimiert werden können.
Welche wissenschaftliche Methode wurde verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer systematischen Literaturarbeit, bei der Datenbanken wie EBSCO Discovery und Google Scholar genutzt wurden.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Im Hauptteil werden theoretische Grundlagen (Reason-Fehlertheorie) erläutert und praktische Maßnahmen zur Steigerung der Sicherheit im Rettungsdienst detailliert beschrieben.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Kernbegriffe sind Patientensicherheit, Human Factors, CRM, Simulationstraining, CIRS und Sicherheitskultur.
Warum ist der Rettungsdienst ein "High Responsibility Team" (HRT)?
Weil die Teammitglieder in hochkomplexen Situationen Verantwortung für Leben tragen und Fehler oft schwerwiegende, nicht mehr korrigierbare Folgen haben.
Was unterscheidet das CRM von traditionellen Reanimationstrainings?
CRM fokussiert sich stärker auf verhaltenspsychologische Aspekte wie Kommunikation, Teamarbeit und Entscheidungsfindung statt nur auf rein medizinische Fertigkeiten.
Welche Bedeutung hat das CIRS für die Praxis?
Es dient als anonymisiertes Tool zur tiefgreifenden Fehleranalyse, um systembedingte Schwachstellen aufzudecken und daraus nachhaltig zu lernen.
Warum wird eine „negative Schuldkultur“ kritisch betrachtet?
Eine „Culture of Blame“ behindert die Ursachenanalyse, da der Fokus auf Schuldzuweisungen statt auf der Frage liegt, warum ein Fehler im System überhaupt passieren konnte.
- Quote paper
- Ivo Winterstein (Author), 2019, Human Factors im Rettungsdienst. Maßnahmen zur Verbesserung der Patientensicherheit, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/493989