Linguistische Textanalyse. Reiseführer und Reiseblogs im Vergleich


Hausarbeit, 2018

16 Seiten, Note: 2,0

Anonym


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Textmerkmale eines Reiseführers
Aufbau
Subtexte
Sprachliche Merkmale
Kommunikationssituation
Textfunktion
Thema

3. Textmerkmale eines Reiseblogs

4. Vergleich zwischen Reiseführern und –blogs

5. Fazit

Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Reisen gewinnen heutzutage immer mehr an Bedeutung. Während ältere Generationen Reisen in die unvertraute Ferne eher meiden bzw. gerne immer wieder die gleichen Orte besuchen, wollen jüngere Generationen lieber die Welt entdecken. Durch die Möglichkeit andere Städte, Länder oder sogar Kontinente günstig bereisen zu können, gehören nationale, sowie internationale Reisen mittlerweile zu den größten Favoriten in der Freizeitgestaltung. Abhilfe für ebensolche Reisen schaffen Reiseführer.

Sie haben die Funktion über das gewünschte Reiseziel und seine Besonderheiten zu informieren. Da jeder Reisende unterschiedliche Interessen hat, müssen die Reiseführer eine große Vielfalt von Themengebieten abdecken. Die Vorbereitung einer Städtereise, etwa mit seinen kulturellen Sehenswürdigkeiten, verlangt wiederrum ganz andere Informationen als Geheimtipps für eine ausgefallene Route bei einer Wanderung oder einem Roadtrip. Dadurch erfolgt eine immer größere Spezialisierung der Reiseführer. Die Vielfalt ist schier unendlich und erstreckt sich von Ratgebern über Fahrrad- oder Motorradrouten bis hin zur konkreten Beschreibungen von Ausstellungen in Museen. Darüber hinaus finden sich im Internet vermehrt auch Reiseblogs mit Empfehlungen für etwa schöne Strandabschnitte oder einfache Hilfestellungen, um sich schnell mit lokalen Begebenheiten zurechtzufinden.

Diese Hausarbeit beschäftigt sich mit der besonderen Textsorte „Reiseführer“. Wie beschrieben gibt es eine Vielzahl von verschiedenen Reiseführern, dennoch ähnelt sich der Aufbau, die Art der Sprache und Darstellung der Texte etc. und wird in dieser Hausarbeit beschrieben und analysiert.

Im Folgenden wird auf den Aufbau, die Subtexte, die Sprache, die Kommunikationssituation, das Thema, sowie die Textfunktion von Reiseführern und Reiseblogs eingegangen. Des Weiteren wird herausgearbeitet, ob Reiseblogs die moderne Version der Reiseführer sind, oder ob sie bloß als Unterstützung dienen und diese nicht ersetzen können. Es gibt einige Gemeinsamkeiten, aber natürlich auch große Unterschiede, insbesondere in der sprachlichen Gestaltung, zwischen diesen beiden Arten eines Ratgebers für die Reiseplanung, welche genauer betrachtet werden.

Primäre Quelle für diese Hausarbeit ist das Werk „Textsorten im Deutschen – Linguistische Analysen aus sprachdidaktischer Sicht“ von Christian Fandrych und Maria Thurmair bezogen, die in einem Kapitel gesondert auf die Spezifika der Reiseführer eingehen. Zusätzliche dient das Buch „Linguistische Textanalyse – Eine Einführung in die Grundbegriffe und Methoden“ von Klaus Brinker, Hermann Cölfen und Steffen Pappert als Quelle für die thematische Textanalyse.

2. Textmerkmale eines Reiseführers

Aufbau

Der Aufbau eines Reiseführers ist immer relativ ähnlich. So enthält jeder Reiseführer zumindest eine, aber oftmals mehrere Karten. Ein ausführliches Inhaltsverzeichnis, das einen zügigen Überblick über die verschiedenen Kapitel gibt. Ein Vorwort, in welchem ein kurzer Einblick in die Inhalte des Reiseführers gegeben werden soll. Ein wichtiger Bestandteil sind auch stets die Hintergrundtexte, danach folgen einzelne Kapitel mit Orientierungstexten, Besichtigungstexten und Ratgebertexten. Am Ende steht üblicherweise ein Glossar, ein Literaturnachweis, Informationen über den Autor, Danksagung an beteiligte Personen, ein Register und ein Bildnachweis. (Vgl. HARTUNG, 20181 ) Vor allem letzteres ist hierbei besonders wichtig, da fast jede Seite mit einem Bild versehen ist, um dem Leser erste Impressionen vermitteln zu können. Reiseführer sind Großtexte, welche aus unterschiedlichen Subtexten bestehen. Diese Subtexte sind zwar in gewisser Weise unabhängig voneinander, stehen aber doch immer in einem Zusammenhang und werden deshalb auch als ein gesamter Text betrachtet und rezipiert. (Vgl. FANDRYCH & THURMAIR, 2011: 52) Auf weitere Details zu den verschiedenen Subtexten wird im folgenden Abschnitt eingegangen.

Subtexte

Ein nicht allzu wichtiger, aber dennoch oft sehr hilfreicher und interessanter Subtext sind die Hintergrundtexte. Sie geben geschichtliche, geografische, anthropologisch- gesellschaftliche, kulturelle, wirtschaftliche oder politische Informationen zum Reiseziel. Dadurch haben diese Hintergrundtexte oftmals Ähnlichkeit mit Texten aus Enzyklopädien, Lehrbüchern oder auch journalistischen Berichten. Dabei wird häufig das historische Präsens als Zeitform genutzt, um etwa die Relevanz eines geschichtlichen Ereignisses besonders betonen zu können. (Vgl. FANDRYCH & THURMAIR, 2011: 62)

Orientierungstexte sind eine weitere Subtextsorte eines Reiseführers und hierbei auch eine der wichtigsten. Wie der Name schon vermuten lässt, sollen sie eine erste Orientierung bei der Planung einer Reise ermöglichen. Hervorgehoben werden hierbei vor allem die attraktiven, besonders interessanten oder auch ungewöhnlichen Merkmale einer Reisedestination. Probleme, etwa sozialer oder gesellschaftlicher Natur, werden eher vernachlässigt. Es soll ein positives Gefühl für eine Reise zum entsprechenden Ziel erzeugt werden. (Vgl. FANDRYCH & THURMAIR, 2011: 55f.) Ein gutes Beispiel hierfür ist das folgende Zitat aus dem bereits erwähnten Reiseführer: „Auf Pokhara sind sie stolz, die Nepalesen. Es ist ihr Urlaubsparadies. … Dafür glänzt Pokhara mit einer traumhaft schönen Natur in der direkten Umgebung.“ (HARTUNG, 2018: 298).

Einen direkten, exakten und intensiven Eindruck eines Reiseziels vermitteln die sogenannten Besichtigungstexte. Sie sind wie ein Guide bei einem Ausflug. So vermitteln sie eine bestimte Wahrnehmung von Objekten und besonderen Aspekten und lenken dadurch in gewisser Weise das Erlebte. Die Besichtigungstexte können die Beschreibung etwa einer Route oder einer Landschaft sein und somit auch zum Beispiel die Wahrnehmung von Besonderheiten verstärken. Die zentrale Aufgabe der Besichtigungstexte ist die Führung durch den Raum. Der Autor muss hierbei dem Leser bereits zu Hause die Möglichkeit geben, seine Route von hieraus direkt planen zu können und andererseits dem Reisenden vor Ort wichtige Details und Tipps vermitteln.

Dies wird auch im folgenden Zitat deutlich: „… Von hier aus führt ein steiler Treppenweg in etwa 30-40 Minuten, an einem kleinen buddhistischen Schrein vorbei, durch einen von Affen bevölkerten Wald, hinauf auf den Hügel zum Stupa.“ (HARTUNG, 2018: 305). Man wird also zum einen mit wertvollen Infomationen versorgt und zum anderen „an die Hand genommen“, wodurch das eigene Verhalten latent beeinflusst wird. Wichtig bei den Besichtigungstexten ist teilweise auch der direkte Bezug zu Karten. Neben diesen exakten Beschreibungen, zählen aber unter anderem auch Bewertungssysteme zu dieser Subtextsorte. So werden etwa Sehenswürdigkeiten mit einer Nummerierung oder einer Sternebewertung versehen, die dem Reiseinteressenten dabei helfen, Prioriäten für einen Städtetrip setzen zu können. Darüber hinaus ist auch eine historisch-narrative Perspektive ein Aspekt, der diese Subtexte zu einem wichtigen Bestandteil eines Reiseführers werden lässt. Die Beschreibungen der Historie einer Sehenswürdigkeit können die Eindrücke des Besuchs zusätzlich intensivieren. Ein passendes Beispiel für eine solche interessante, geschichtliche Information ist etwa „…Die Regierung Nepals stellte in 1959 vor den Chinesen aus ihrer Heimat geflohenenen Menschen Bauland und Material zur Errichtung neuer Siedlungen zur Verfügung. Aus den ehemaligen Flüchtlingssiedlungen sind mittlerweile Dörfer entstanden,…“ (HARTUNG, 2018: 305). Dadurch sind Besichtigungstexte nicht nur zur Vorbereitung einer Reise hilfreich, sondern auch während der Reise stets interessant. (Vgl. FANDRYCH & THURMAIR, 2011: 58-61)

Als die vierte und letzte Sorte der Subtexte eines Reiseführers gelten die Ratgebertexte. Sie geben ganz klassisch Hilfestellung und nützliche Tipps für eine Reise. Dabei bereiten diese Texte eher auf eine realistische Art und Weise auf eine Reise vor. Dazu zählen Ratschläge etwa zu kulturellen Gepflogenheiten wie eine besondere Art der Kleidung, die Handhabung von Trinkgeld oder der Umgang mit Religion. Die Ratgebertexte unterstützen bei generellen Problemen oder häufig auftretenden Fragen. Hier werden also sehr allgemene Lösungsvorschläge statt individuelle Planungsmöglichkeiten beschrieben. (Vgl. FANDRYCH & THURMAIR, 2011: 63f.)

Sprachliche Merkmale

Das wohl wichtigste Merkmal bei der sprachlichen Gestaltung eines Reiseführers ist die Verwendung von Attributen und Appositionen. Dabei unterscheidet man zwischen Adjektivattributen, sowie erweiterten prä- und postnuklearen Attributen. Erst sie vermitteln bei der Beschreibung einer Situation, einer Sehenswürdigkeit oder einer Route die notwendige Vorstellungskraft. Vor allem die Adjektivattribute sprechen einem Objekt oder einer Landschaft eine besondere Eigenschaft zu, wodurch die Aussagen interessanter und aussagekräftiger werden. Dies zeigt auch das folgende Beispiel:

„Südlich des Stupas lädt eine kleine urwürzige Kneipe mit einem schattenspendendem Dach zu einer Erfrischung ein.“ (HARTUNG, 2018: 305). Besonders häufige Anwendung finden solche Adjektivattribute in Orientierungs- und Besichtigungstexten, da sie diesen Subtexten und den darin verwendeten Substantiven eine positive Grundstimmung verleihen. Im obigen Zitat etwa erweitern die Wörter „urwürzige“ und „schattenspendendem“ das Leseerlebnis und auch die Bedeutung der Substantive. So klingt eine urwürzige Kneipe viel einladender und irgendwie gemütlich, als nur der Begriff Kneipe. Ähnliches gilt für das schattenspendende Dach, das durch das Adjektivattribut eine positive, entspannende Eigenschaft zugesprochen bekommt. Pränukleare und postnukleare Attribute, sowie die Appositionen vermitteln interessante Fakten in möglichst knapper und kompakter Form. Sie verschaffen dem Leser weiteres Wissen etwa zur Beschaffenheit, besonderen Eigenschaften oder dem geschichtlichem Hintergrund von Objekten. Anwendung finden sie deshalb am häufigsten in Besichtigungstexten, die, wie oben beschrieben, eben eine subjektive Wahrnehmung schildern.

Ein weiteres, auffälliges sprachliches Merkmal bei Reiseführern ist die regelmäßige Nutzung von Superlativen. Durch diese Superlative wird durch eine gewisse Übertreibung zusätzliche Aufmerksamkeit erzeugt. Sie sollen die positive Wahrnehmung weiter verstärken und dem Interessenten das Gefühl geben, bei seiner Reise etwas Besonderes zu erleben Für nahezu jedes Objekt kann ein Superlativ verwendet werden, wenn in der Beschreibung eine deutliche Hervorhebung im Text gewünscht ist. Dies wird auch durch folgendes Beispiel deutlich: „Das Wahrzeichen der Stadt aber ist der Anblick des Machhapuchhare, des wohl heiligsten Berges der Nepalesen“ (HARTUNG, 2018: 298).

Neben der kurzen und knappen Beschreibung durch Attribute oder der besonderen Hervorhebung durch Superlative, ist auch die Verwendung von Prädikativkonstruktionen ein bedeutendes sprachliches Gestaltungsmittel für die Textsorte „Reiseführer“. Sie vermitteln einen noch genaueren Einblick etwa in die Beschaffenheit eines Objektes durch die genaue Beschreibung von kleinsten Details.

Zur Vermittlung einer räumichen Orientierung, vor allem in Orientierungstexten, werden die sogenannten Lokal- und Direktionaladverbiale genutzt. Durch diese kann eine Perspektivierung erfolgen. Dem Leser wird das Gefühl vermittelt, als stünde er mit dem Autor in einem Raum und wird von diesem in eine bestimmte Richtung geführt. Um dem Reisenden die Frage „wohin?“ möglichst genau beantworten zu können, sollten die verwendeten Direktionaladverbiale möglichst genau sein. Die Lokaladverbiale wiederrum beschreiben keine Richtung sondern eine konkrete Position. Die Leitfrage lautet hier also „Wo?“. Wo befindet sich eine Sehenswürdigkeit, wo befindet sich das gesuchte Restaurant, wo finde ich die nächste Bahnstation, etc..

Eine weitere Möglichkeit für Orientierung zu sorgen ist die objektive Lagebeschreibung. Sie orientiert sich an Himmelsrichtungen und geografischen Fixpunkten. Typische Phrasen hierfür sind etwa „X liegt in/bei/in der Nähe von … Y“ oder „X erstreckt sich bis Y/nach Y/von Y bis Z/östlich … von Y“. (Vgl. FANDRYCH & THURMAIR, 2011: 67-72)

Kommunikationssituation

Die Kommunikationssituation eines Reiseführers, egal welcher Art, ist stets sehr ähnlich. Es handelt sich um ein sogenanntes asymmetrisches Wissensgefälle, da der Autor deutlich mehr Informationen über das beschriebene Reiseziel besitzt als der Rezipient. Der Handlungsbereich ist öffentlich, das bedeutet, dass jeder Interessierte Zugang zu den Informationen oder dem Wissen des Autors durch den Erwerb des Reiseführers hat.

[...]


1 Der beschriebene Aufbau eines Reiseführers orientiert sich dabei am Reiseführer Nepal von Ray Hartung, der im Rahmen der Seminarpräsentation vorgestellt wurde. Verglichen mit anderen Reiseführern ist dieser Aufbau sehr typisch und wird in dieser Form oft verwendet.

Ende der Leseprobe aus 16 Seiten

Details

Titel
Linguistische Textanalyse. Reiseführer und Reiseblogs im Vergleich
Hochschule
Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg
Note
2,0
Jahr
2018
Seiten
16
Katalognummer
V494084
ISBN (eBook)
9783668981584
ISBN (Buch)
9783668981591
Sprache
Deutsch
Schlagworte
linguistische, textanalyse, textsorte, reiseführer, vergleich, reiseblogs
Arbeit zitieren
Anonym, 2018, Linguistische Textanalyse. Reiseführer und Reiseblogs im Vergleich, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/494084

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