Die Sukzessionsfrage nach dem Tod von Karl XII von Schweden

Welche Folgen hatte die ungeregelte Nachfolge des Königs für die schwedische Regierung?


Hausarbeit (Hauptseminar), 2017
10 Seiten, Note: 2,3
Anonym

Leseprobe

1 Einleitung

Am 11. Dezember1 1718 erfuhr Ulrika Eleonora vom Tod ihres Bruders, des Königs Karl XII. von Schweden. Dies hatte nicht nur große Auswirkungen auf das Leben der zukünftigen Königin und ihres Mannes sondern bedeutete eine immense Veränderung innerhalb der Regierung Schwedens. Karl XII. war zum Zeitpunkt seines Todes nicht verheiratet und kinderlos, was die Frage aufwarf, wer als rechtmäßiger Thronfolger die Krone Schwedens zugesprochen bekomme. Mögliche Nachfolger waren seine jüngere Schwester Ulrika Eleonora2 und sein Neffe, der Sohn seiner älteren Schwester Hedwig-Sophia3, Karl Friedrich von Holstein4. Laut schwedischer Gesetzgebung erfüllte jedoch keiner der beiden Kandidaten das Erbrecht5. Der Tod Karl XII. und die unklare Nachfolgeregelung führten zu einer großen Umstrukturierungen der schwedischen Verfassung, deren Auswirkungen noch bis in die heutige Zeit spürbar sind. Dieser Wandel zog viele Kompromisse und Einschränkungen der Monarchen zugunsten des Reichsrates mit sich.

Der Schwerpunkt der Arbeit liegt auf den Ereignissen nach dem Tod Karls XII., zwischen den Jahren 1718 und der Thronbesteigung Friedrich von Hessen-Kassel 1720. Es wird dabei bewusst nicht auf die Diskussion und die Umstände des Todes von König Karl eingegangen, da es den Umfang der Arbeit überschreiten würde.

Während sich das zweite Kapitel damit beschäftigt, warum Karl seine Nachfolge nicht geregelt hat und welche Nachfolger in Frage kamen, thematisiert das dritte Kapitel den Weg Ulrika Eleonoras auf den Thron Schwedens, inklusive der Zugeständnisse gegenüber dem Reichsrat, um auf den Thron zu gelangen. Das vierte Kapitel widmet sich dem Nachfolger Ulrika Eleonoras, ihrem Ehemann Friedrich I.6, dabei rückt die Thematik des Friedrich vorgeworfenen Staatsstreiches in den Fokus. Abschließend wird in Kapitel fünf die sogenannte Freiheitszeit erläutert.

Das abschließende Fazit ordnet die Ereignisse ein und beantwortet die Frage: „welche Folgen die ungeregelte Nachfolge für Schweden hatte und ob man beim Tod von Karl XII. von einem Fluch oder einem Segen für Schweden sprechen kann“.

Die Arbeit stützt sich besonders auf die Werke „ König Karl XII. von Schweden“ von Otto Haintz aus dem Jahr 1958 und auf das im Rahmen der Reihe „Die Geschichte in unserer Heimat“ entstandene Werk „Der unbekannte König: Friedrich von Hessen in Schweden“ von Helmut Burmeister aus dem Jahr 2003.

2 Warum regelte König Karl XII. seine Nachfolge nicht ?

König Karl XII. von Schweden war unverheiratet und ohne Kinder. Obwohl er im Krieg häufig genug vom Tode bedroht war und trotz vielfachem Drängen seiner Berater, hat Karl er seine Nachfolge auf dem Thron Schwedens nie geregelt7.

In der Forschung gibt es keine gesicherte Meinung darüber, warum Karl XII. zu diesem doch üblichen Schritt eines absolutistischen Monarchen nicht bereit war. Vielleicht weil er noch nicht ausgeschlossen hatte, mit 36 Jahren, noch einen Erben zu zeugen oder wie gelegentlich vermutet wird, dass er sich sein Land ohne seine Anwesenheit nicht vorstellen konnte8.

Als Kennzeichen für Karls Denken gilt zudem, der unüberwindbarer Wille dagegen, etwas zu bestimmen, das nach ihm kommen würde9. Eine weitere Vermutung liegt darin, dass Karl sich mit seiner Kinderlosigkeit und Ehelosigkeit nicht auseinandersetzten wollte, da er „himself considered he had missed something by not marrying and having a wife and children of his own“10.

Selbst als seine Schwester den Erbprinzen Friedrich von Hessen Kassel heiraten wollte und sie ihn nach seiner Meinung fragte, äußerte er sich nicht dazu, obwohl ihm bewusst gewesen sein muss, dass die Hochzeit Ulrika Eleonora die Thronfolge kosten könnte 11.

In diesem Fall könnte man jedoch auch annehmen, dass Karl sich nicht klar für oder gegen die Hochzeit positionieren wollte, um sowohl die sogenannte Hessische Partei, die sich für Ulrika Eleonora stark machte, als auch die Holsteinische Partei, die sich für den jungen Karl Friedrich von Holstein-Gottorp einsetzte, weiterhin an sich zu binden12.

2.1 Mögliche Nachfolger

Da 1650 das Erbrecht dem Haus Pfalz-Zweibrücken zugesprochen wurde und 1683 der Reichstag das Thronerbe, bei Aussterben aller männlichen Erben, auch weiblicher Linie ermöglichte13, kamen sowohl die jüngere Schwester Karls, Ulrika Eleonora, als auch sein Neffe, der Sohn seiner älteren Schwester Hedwig Sofia14, Karl Friedrich15, in Frage. Jedoch sprach die genaue Auslegung der Gesetzgebung sowohl gegen Ulrika Eleonora als auch gegen Karl Friedrich.

Laut Erbrecht ist es lediglich unverheirateten Frauen möglich, den Thron zu besteigen, da diese Frauen später keine Vermählung eingehen dürfen ohne die Einwilligung der Stände16. Zum Zeitpunkt des Todes Karls XII. war Ulrike Eleonora jedoch bereits mit dem Erbprinzen Friedrich von Hessen-Kassel verheiratet17. Somit schien sie laut Gesetz von dem Erbe ausgeschlossen. Doch auch ihr Gegenspieler Karl Friedrich entsprach nicht vollkommen dem Erbrecht Schwedens, denn da seine Mutter mit dem 1702 gefallenen Herzog Friedrich IV. von Holstein-Gottorp verheiratet war, schloss sie nicht nur sich, sondern auch ihren Sohn von der Erbfolge aus18.

Für Ulrika Eleonoras Thronansprüche spricht, dass Karl XI. bestimmt hatte, dass niemand im Falle der Kinderlosigkeit seines Sohnes den Schwestern die Thronfolge streitig machen dürfe, eine Verfügung, die nach dem Tod der älteren Schwester, den Thron Ulrika Eleonora zuzusprechen schien19. Dagegen spricht jedoch die in allen schwedischen Erlassen geltende nachweisbare Vorrangstellung männlicher Erben20. Aus dieser Sichtweise lasse gerade der Tod von Hedwig Sofia ihren Sohn an die Stelle des Thronfolgers treten.

Diese offensichtlich streitwürdige Situation hätte Karl XII. mit einem Testament klar regeln können, doch er war der Meinung, dass „' här finnes alltid ett hufvud som denna krona passer at', hier wird immer ein Kopf gefunden, auf den diese Krone passt“21. Doch laut seiner eigenen Gesetzgebung war genau das nicht mehr der Fall und es konnte keiner aus der königlichen Linie mehr Schwedens Krone durch Erbrecht erhalten.

3 Ulrika Eleonora - die unrechtmäßige Thronfolgerin?

3.1 Friedrichs Unterstützung – die Anfänge eines langen Planes?

Am 12. Dezember 1718, dem Tag nach dem Tod des Königs, fand nach dem Eintreffen des Erbprinzen von Hessen frühmorgens im Hauptquartier zu Tistedal ein Kriegsrat22 statt23. „In dieser Lage bot sich dem Erbprinz eine Chance, die er bedenkenlos ergriff, um den Thronfolgeanspruch Ulrika Eleonora durchzusetzen und ihren holsteinischen Rivalen um den Königsthron auszumanövrieren“24. Er nahm den Justizrat Paulsen, einen Mitarbeiter von Görtz25 am 14. Dezember fest, der 100 000 Taler Silbermünzen für die Bedürfnisse der Armee mit sich getragen hatte26. Friedrich von Hessen begann nun mit der Verteilung dieser Summe an die hohen Militärs, um sich diese Männer, deren Unterstützung er für die Durchsetzung der Thronfolge seiner Gemahlin nicht verzichten konnte, gefüge zu machen27.

[...]


1 Dem 30. November nach julianischem Kalender.

2 *1688 - † 1741.

3 *1681 - † 1708.

4 *1700 - †1739.

5 Die Grundgesetzte Schwedens. Hrsg: Schwedischer Reichstag: Verfassung, Reichstags-. Geschäftsordnung, Thronfolgegesetz, Pressegesetz. Stockholm, 1975.

6 In der Hausarbeit vor seiner Thronbesteigung auch Friedrich von Hessen-Kassel genannt.

7 Burmeister, Helmut: Der unbekannte König. Friedrich von Hessen in Schweden. Kassel, 2003. S.13.

8 Ebd. S.14.

9 Ebd. S.14.

10 Hatton, R.M.: Charles XII. of Sweden. London and Southampton, 1968. S.522.

11 Vgl.: Burmeister, Helmut: (2003) S.14.

12 Ebd. S.16.

13 Vgl.: Burmeister, Helmut: (2003) S.11.

14 *1681 – 1708.

15 *1700 – 1739.

16 Vgl. Burmeister, Helmut: (2003) S.11.

17 Ebd. S.22.

18 Ebd. S.13.

19 Ebd. S.16.

20 Vgl. Burmeister, Helmut: (2003) S.16.

21 Ebd. S.14.

22 Anwesend waren: Der Erbprinz, der Herzog von Hosltein-Gottorp, die Feldmarschälle Rehnschiöld und Mörner, zwei Generäle, drei Generallleutnants, sechs Generalmajore und der Kommandeur der königlichen Garde.

23 Haintz, Otto: König Karl XII. von Schweden. Berlin, 1958. S.311.

24 Ebd. S.311.

25 *1668 - + 1719. Ein holsteinischer Minister, der in den letzten Regierungsjahren (1715-1718) die Politik von König Karl XII. maßgeblich bestimmte.

26 Ebd. S.311.

27 Ebd S.311.

Ende der Leseprobe aus 10 Seiten

Details

Titel
Die Sukzessionsfrage nach dem Tod von Karl XII von Schweden
Untertitel
Welche Folgen hatte die ungeregelte Nachfolge des Königs für die schwedische Regierung?
Hochschule
Johannes Gutenberg-Universität Mainz
Note
2,3
Jahr
2017
Seiten
10
Katalognummer
V494208
ISBN (eBook)
9783346000590
ISBN (Buch)
9783346000606
Sprache
Deutsch
Schlagworte
sukzessionsfrage, karl, schweden, welche, folgen, nachfolge, königs, regierung
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Anonym, 2017, Die Sukzessionsfrage nach dem Tod von Karl XII von Schweden, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/494208

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