Diese Arbeit gibt Antworten auf verschiedene Fragen, unter anderem, warum Friedensversuche in Syrien aufgrund der strukturellen Gesellschaft gescheitert sind und, wie man Frieden in einem Land wie Syrien schaffen kann, in dem es viele verschiedene Konfessionen, Kulturen und Ethnien gibt. Vor diesem Hintergrund wird zuerst deutlich gemacht, wie die syrische Gesellschaft nach Kultur, Ethnie und Religion strukturiert ist. Dabei wird dargestellt, welche Rolle die Religion bei der Verschärfung der Lage in Syrien spielt und, wie viele Akutere in den syrischen Bürgerkrieg verwickelt sind. Vor dem Hintergrund, dass der Bürgerkrieg eines Tages ein Ende nimmt und das Regime in Syrien nicht ewig bleibt, wird im letzten Punkt der Fokus darauf gelegt, wie wir uns nachher darauf vorbereiten und wie der Frieden im multireligiösen, kulturellen und ethnischen Syrien anhand des Gesellschaftsvertrags von Thomas Hobbes geschaffen werden kann.
Mit dem Erfolg der Revolution in Tunesien und Ägypten in den Jahren 2010/11, die das Regime zum Sturz gebracht hat, hatte man nicht damit gerechnet, dass die Lage sich so zuspitzen und es zu einem Bürgerkrieg in Syrien kommen könnte. Der Bürgerkrieg in Syrien und dessen Folgen beschäftigen nicht nur die Nachbarländer, sondern auch die politische Gemeinschaft weltweit. Die Resonanz der weltweiten politischen Gemeinschaft geht auf zwei Gründe zurück. Der erste ist die militärische Intervention Russlands, das eine klare Einstellung zur Hilfe des syrischen Regimes hat. Durch diese Intervention wurde der Frieden in Syrien unmöglich und dies hatte zur Folge, dass sich viele Flüchtlinge auf den Weg nach Europa machten. Dies rückt in den zweiten Grund und zwar die Flüchtlingskrise 2015/16.
Zwar suchten viele Syrer Zuflucht entweder in den Nachbarländern oder in Europa, nachdem das syrische Regime gegen das Volk brutal vorging, aber in den Jahren 2015/16 stieg die Flüchtlingszahl an. Dies hatte die Aufmerksamkeit der politischen Gemeinschaft auf die Lage in Syrien zur Folge. Es geht dem Menschen da nicht mehr um die Verwirklichung der revolutionären Forderungen, sondern vielmehr um das Überleben und zukünftigen Perspektiven. Ab diesem Zeitpunkt nahm man die Lage in Syrien ernst und wurde Syrien von der politischen Gemeinschaft Aufmerksamkeit geschenkt. Es wurden zwar Friedensversuche unternommen, die aber gescheitert sind.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Die Struktur der syrischen Gesellschaft
3. Der Weg zum syrischen Aufstand
4. Die regionale Intervention
5. Die russische Intervention
6. Der neue Gesellschaftsvertrag in Syrien
7. Fazit
8. Quelle
Zielsetzung & Themen der Arbeit
Die vorliegende Arbeit untersucht die Ursachen für die Eskalation des syrischen Bürgerkriegs, insbesondere unter Berücksichtigung der komplexen gesellschaftlichen Struktur und der Auswirkungen externer sowie regionaler Interventionen, um abschließend Lösungsansätze für eine friedliche Neuordnung mittels eines Gesellschaftsvertrags nach Thomas Hobbes zu erörtern.
- Strukturelle Analyse der syrischen Gesellschaft (Religion, Ethnie, Kultur)
- Genese und Eskalation des syrischen Aufstands
- Rolle regionaler Mächte (Saudi-Arabien, Iran) im religiös konnotierten Konflikt
- Einfluss der russischen militärischen Intervention auf die politische Lage
- Entwurf einer friedlichen Zukunft durch einen neuen Gesellschaftsvertrag
Auszug aus dem Buch
2. Die Struktur der syrischen Gesellschaft
Die Struktur der syrischen Gesellschaft ist ganz anders als die der anderen arabischen Gesellschaften. In Syrien zeichnet sich die Gesellschaft durch eine komplexe kulturelle, ethnische und religiöse Zusammensetzung aus. Diese drei verschiedenen Merkmale (Religion, Ethnie und Kultur) sind für die Herausbildung der syrischen Identität von großer Bedeutung und stellen neben der externen Intervention im syrischen Bürgerkrieg von heute die Hauptursache für den Ausbruch und die Zuspitzung des Bürgerkriegs dar.
Das Syrien von Heute ist seit frühgeschichtlicher Zeit Teil des "syrischen" Kulturraums (Bilad al-Scham) und die Wiege zahlreicher Zivilisationen. Es war nicht nur ein wichtiger Bestandteil der sumerischen, akkadischen, assyrischen und phönizischen Zivilisationen des alten Orients, sondern spielte auch in der hellenistischen und römischen Antike eine beachtliche Rolle. Neben dutzenden versunkenen Städten wie Ebla, Ugarit, Apameia, Palmyra oder Bosra bergen die vier großen Städte im Korridor zwischen Küstengebirge und Steppe, Aleppo, Hama, Homs und Damaskus, beeindruckende Zeugnisse dieser historischen Epochen des Altertum. Im Zuge der arabischen islamischen Eroberungen im 7. Jahrhundert wurde Damaskus zwischen 661 und 750 Hauptstadt der ersten islamischen Dynastie der Ommayyaden und damit Zentrum eines Weltreiches, das von Spanien bis nach Zentralasien reichte. Seit dem ist Syrien arabisiert und islamisch geprägt.
Die syrische Gesellschaft setzt sich aus fast 15 religiösen und ethnischen Gruppen zusammen. Neben der arabischen Mehrheit leben Kurden, Armenier, Turkmenen, Tscherkessen, Aramäer und Assyrer in Syrien. Unter den knapp 21 Millionen Einwohnerinnen und Einwohnern bilden die Kurden mit einem Anteil von zehn bis zwölf Prozent die größte ethnische Minderheit. Neben der Ethnie und Kultur spielt die Religion eine essentielle Rolle in der Struktur der syrischen Gesellschaft. Die syrische Bevölkerung unterteilt sich in verschiedene Religionen und Konfessionen. Selbst die muslimische Mehrheit (zwischen 85 und 90 Prozent der Bevölkerung) besteht aus heterogenen religiösen Gruppierungen, darunter Sunniten (rund 73 Prozent der Bevölkerung), Alawiten (10 bis 11 Prozent), Drusen (etwa 3 Prozent), Ismailiten und Schiiten. Syrer christlichen Glaubens werden auf 10 bis 12 Prozent geschätzt. Sie sind ebenfalls stark fragmentiert.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung beleuchtet die Entstehung des syrischen Bürgerkriegs, die Auswirkungen der russischen Intervention sowie die Flüchtlingskrise und stellt die Forschungsfrage nach einer friedlichen Neuordnung durch einen Gesellschaftsvertrag.
2. Die Struktur der syrischen Gesellschaft: Dieses Kapitel beschreibt die komplexe religiöse, ethnische und kulturelle Vielfalt Syriens sowie deren Einfluss auf die nationale Identität und die aktuelle Konfliktdynamik.
3. Der Weg zum syrischen Aufstand: Es wird der friedliche Beginn der syrischen Proteste im Vergleich zu Tunesien und Ägypten sowie die brutale Reaktion des Regimes unter Al-Assad, die den Bürgerkrieg einleitete, analysiert.
4. Die regionale Intervention: Das Kapitel thematisiert die Einmischung regionaler Mächte wie Saudi-Arabien und den Iran, die den Konflikt konfessionell instrumentalisierten und so die Friedensbemühungen untergruben.
5. Die russische Intervention: Hierbei wird die militärische Rolle Russlands analysiert, deren Ziel die Sicherung des Regimes sowie die Schwächung der politischen Stabilität in Europa war.
6. Der neue Gesellschaftsvertrag in Syrien: Es wird die theoretische Grundlage nach Thomas Hobbes dargelegt, um durch einen Konsens aller Gruppen einen säkularen und stabilen Staat aufzubauen.
7. Fazit: Das Fazit fasst die Ursachen für die Eskalation zusammen und bekräftigt die Notwendigkeit eines neuen Gesellschaftsvertrags für ein friedliches, multireligiöses Syrien.
8. Quelle: Auflistung der für diese wissenschaftliche Arbeit verwendeten Literatur und Quellen.
Schlüsselwörter
Syrien, Bürgerkrieg, Gesellschaftsvertrag, Thomas Hobbes, Al-Assad-Regime, Russische Intervention, Regionale Intervention, Saudi-Arabien, Iran, Flüchtlingskrise, Arabischer Frühling, Religiöse Vielfalt, Demokratie, Terrorismus, Frieden.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert die Ursachen des syrischen Bürgerkriegs und untersucht, wie eine politische Neuordnung unter Einbeziehung aller ethnischen und religiösen Gruppen auf Basis eines neuen Gesellschaftsvertrags erreicht werden kann.
Was sind die zentralen Themenfelder der Arbeit?
Die Themenfelder umfassen die soziologische Struktur Syriens, die Einflüsse externer und regionaler Mächte sowie die Anwendung der politischen Theorie von Thomas Hobbes auf den gegenwärtigen Konflikt.
Was ist das primäre Ziel der Forschungsarbeit?
Das Ziel ist es, Wege aufzuzeigen, wie nach einem Ende der Kämpfe ein stabiler, säkularer Staat geschaffen werden kann, der die Freiheit und Sicherheit aller Bevölkerungsgruppen gleichermaßen garantiert.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine politikwissenschaftliche Analyse, die historische Kontexte mit theoretischen Modellen der politischen Philosophie (Hobbes'sche Vertragstheorie) kombiniert.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil behandelt die historische und gesellschaftliche Prägung Syriens, den Verlauf des Aufstands, die fatale Rolle regionaler und internationaler Akteure sowie die theoretische Herleitung einer neuen staatlichen Ordnung.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Zentrale Begriffe sind Syrien, Gesellschaftsvertrag, Thomas Hobbes, Bürgerkrieg, Intervention, religiöse Vielfalt und Demokratie.
Warum ist laut der Arbeit ein "Gesellschaftsvertrag" in Syrien notwendig?
Da das derzeitige System seine Legitimität verloren hat, ist ein neuer Vertrag notwendig, um den "Krieg aller gegen alle" zu beenden und eine Ordnung zu schaffen, in der keine Gruppe aufgrund von Religion oder politischer Orientierung benachteiligt wird.
Welche Rolle spielt Russland in der Analyse der Autorin bzw. des Autors?
Russland wird als Akteur identifiziert, der durch militärische Unterstützung des Regimes den Konflikt verlängert und die Flüchtlingskrise nutzt, um politische Instabilität im Westen zu erzeugen.
Wie unterscheidet sich der Aufstand in Syrien laut Text von denen in Tunesien oder Ägypten?
Ein wesentlicher Unterschied liegt in der Brutalität des Regimes gegenüber Minderjährigen zu Beginn der Proteste sowie in der Rolle des syrischen Militärs, das loyal zum Regime stand, anstatt sich auf die Seite der Demonstranten zu schlagen.
Welche Bedeutung kommt den regionalen Mächten Saudi-Arabien und Iran zu?
Beide Mächte werden als Akteure gesehen, die den Konflikt für ihre eigenen machtpolitischen Interessen instrumentalisieren, indem sie religiöse Differenzen (Sunniten vs. Schiiten) zur Destabilisierung nutzen.
- Arbeit zitieren
- Yousry Hammed (Autor:in), 2019, Die syrische Gesellschaftsstruktur. Die Möglichkeit eines neuen Gesellschaftsvertrags nach Thomas Hobbes, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/494275