Das Thema dieser Arbeit ist in einem Teilbereich der grundlagen- und experimentell orientierten Bewegungsforschung anzusiedeln. Gegenstand ist die Analyse von Untersuchungen zum Gleichgewicht.
Die experimentell durchgeführten Untersuchungen und Befunde, die hauptsächlich im englischsprachigen Raum und Osteuropa unternommen wurden, stützen sich in der Sportpsychologie auf grundlegende Bewegungsmodelle, in denen funktionelle anatomisch / psychologische Strukturen integriert sind.
Viele der bislang im Bereich der Bewegungssteuerung vorliegenden Arbeiten beschäftigen sich mit den zur Gleichgewichtsregulation grundlegenden Prozessen. Auch diese Arbeit schließt die Erläuterung der grundlegenden Strukturen mit ein.
Zunächst erfolgt die ausführliche Beschreibung der Bewegungsregulation, die den gesamten motorischen Lernprozeß zur Entwicklung der Automatisation und Feinkoordination an einem kybernetischen Modell verdeutlicht. Dies geschieht besonders unter dem Aspekt der Bedeutung des Gleichgewichts für den koordinativen Prozeß. Die an der Bewegungsrealisation beteiligten gehirnphysiologischen Prozesse werden aufgrund der Verflechtung des Gleichgewichts mit der Bewegungsregulation behandelt; das Gleichgewicht versteht sich sowohl als peripheres, als auch zentralnervöses Geschehen. Die an der Gleichgewichtsfähigkeit beteiligten Regelstrukturen des inneren und äußeren Regelkreises, der visuelle, taktile, akustische, kinästhetische und vestibüle Analysator, werden jeweils in selbständigen Punkten hinsichtlich ihrer Funktion erläutert. Besondere Berücksichtigung findet das vestibuläre System, da darauf aus dem Bereich der Forschung bislang lediglich segmentiell Bezug genommen wurde.
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Inhaltsübersicht
1. EINLEITUNG
2. BEWEGUNGSREGULATION UND AM GLEICHGEWICHTSPROZESS BETEILIGTE STRUKTUREN
2.1 ALLGEMEINES BEWEGUNGSKOORDINATIONSMODELL UND DER EINFLUSS DER ANALYSATOREN AUF DAS GLEICHGEWICHT
2.2 GEHIRNANATOMISCHE GRUNDLAGEN
2.3 ZUM KINÄSTHETISCHEN ANALYSATOR
2.4 ZUM TAKTILEN ANALYSATOR
2.5 ZUM OPTISCHEN ANALYSATOR
2.6 ZUM AKUSTISCHEN ANALYSATOR
2.7 ZUM VESTIBULARANALYSATOR ( GLEICHGEWICHTSORGAN )
2.7.1 ASPEKTE DER ENTWICKLUNG
2.7.2 BAU UND FUNKTION DES VESTIBULARANALYSATORS
2.7.2.1 ANATOMISCHE GRUNDLAGEN
2.7.2.2 OPTISCH-VESTIBULÄRE REGULATION UND AKTIVE BLICKMOTORIK
2.7.2.3 STATISCHE UND STATOKINETISCHE REFLEXE
2.7.3 VESTIBULÄRE AUSFALLERSCHEINUNGEN
2.7.4 ZUSAMMENFASSENDER ÜBERBLICK ÜBER AUFNAHME UND VERARBEITUNG VON INFORMATIONEN DES VESTIBULARANALYSATORS
3. THEORETISCHE ASPEKTE ZU GLEICHGEWICHT UND GLEICHGEWICHTSFÄHIGKEIT
3.1 ZUR DEFINITION GLEICHGEWICHT
3.2 ARTEN DES GLEICHGEWICHTS
3.2.1 STATISCHES GLEICHGEWICHT
3.2.2 DYNAMISCHES GLEICHGEWICHT
3.2.3 OBJEKTBEZOGENES GLEICHGEWICHT
3.2.4 ZUSAMMENFASSUNG
3.3 GLEICHGEWICHTSFÄHIGKEIT
4. ZUR MESSUNG DER GLEICHGEWICHTSLEISTUNG
4.1 VERFAHREN
4.2 MESSPROBLEMATIK
4.3 UNTERSUCHUNGEN ZUM STATISCHEN GLEICHGEWICHT
4.3.1 UNTERSUCHUNGEN ZUM STATISCHEN OBJEKTGLEICHGEWICHT
4.3.2 ZUSAMMENFASSUNG
4.4 UNTERSUCHUNGEN ZUM DYNAMISCHEN GLEICHGEWICHT
4.4.1 UNTERSUCHUNGEN ZUM DYNAMISCHEN OBJEKTGLEICHGEWICHT
4.4.2 ZUSAMMENFASSUNG
5. ZUM TRAINING DER GLEICHGEWICHTSFÄHIGKEIT
6. ZUSAMMENFASSENDER ÜBERBLICK
7. LITERATUR
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Diplomarbeit widmet sich der systematischen Analyse des menschlichen Gleichgewichts sowie dessen Regulation im Kontext sportmotorischer Bewegungsabläufe. Ziel der Arbeit ist es, auf Basis grundlagenorientierter Bewegungsmodelle ein tiefgreifendes Verständnis für die beteiligten gehirnanatomischen und sensorischen Strukturen zu entwickeln und die messmethodische Erfassung des statischen und dynamischen Gleichgewichts kritisch zu hinterfragen.
- Grundlagen der Bewegungsregulation und sensorische Informationsverarbeitung
- Neuroanatomische Voraussetzungen der Gleichgewichtserhaltung
- Differenzierung zwischen statischem, dynamischem und objektbezogenem Gleichgewicht
- Kritische Analyse von Testverfahren zur Gleichgewichtsleistung in der Forschung
- Methoden und Trainingsansätze zur Verbesserung der Gleichgewichtsfähigkeit
Auszug aus dem Buch
2.1 ALLGEMEINES BEWEGUNGSKOORDINATIONSMODELL UND DER EINFLUSS DER ANALYSATOREN AUF DAS GLEICHGEWICHT
Die für die Bewegungsregulation verantwortlichen Systeme, die Analysatoren, ermöglichen Realisation und Regulation jeder Bewegung durch sensorische Information und Rückinformation, die Orientierung im Raum und die Korrektur.
Auch PAWLOW sieht in diesen Analysatoren "... jene Teilsysteme der Sensorik ..., die Informationen auf der Grundlage von Signalen jeweils ganz bestimmter Modalität ... empfangen, umkodieren, weiterleiten und aufbereitend verarbeiten" (vgl.: MEINEL & SCHNABEL, 1976).
Die Einordnung der Analysatoren in den bewegungsregulierenden Prozeß wurde in vielerlei Hinsicht unternommen.
Sie sind u.a. bei TSCHAIDSE (1965) in einen Steuerungsprozeß eingeordnet, wobei die innere Rückführung der Information über die Stellglieder der Bewegung (kinästhetische und vestibuläre Rezeptoren) erfolgt.
In Zusammenhang mit dem Reafferenzprinzip (HOLST & MITTELSTAEDT, 1950) und der Rückafferentation (ANOCHIN, 1967), liegen ebenfalls kybernetisch-psychologische Regelkreismodelle zu diesem Thema vor.
Sehr differenziert und gut verständlich ist das allgemeine Bewegungsmodell von MEINEL & SCHNABEL (1976, 66). Dieses Modell bildet die Grundlage der Struktur- und Prozeßmodells von TEIPEL (1979, 46); es basiert ebenfalls auf dem Regelkreisprinzip. Die Person-Umweltbeziehung ist Grundlage der bewegungsregulierenden Information und Rückinformation. Den jeweiligen Analysatoren, dem optischen, akustischen, taktilen, kinästhetischen und statico-dynamischen( Vestibularanalysator ) werden jeweils spezifische Rezeptoren, afferente Nervenbahnen und sensorische Zentren zugeordnet. Das Projektionsfeld aller ankommenden Bahnen befindet sich in der Hirnrinde (vgl. GABEL, 1984). Die Informationsaufnahme über die jeweiligen Analysatoren wird in diesem fundamentalen Modell in einen inneren und äußeren Regelkreis eingeteilt.
Zusammenfassung der Kapitel
1. EINLEITUNG: Die Einleitung steckt den Rahmen der Arbeit ab, indem sie die Bedeutung der Gleichgewichtsforschung innerhalb der experimentellen Bewegungsforschung hervorhebt und den Aufbau der Arbeit erläutert.
2. BEWEGUNGSREGULATION UND AM GLEICHGEWICHTSPROZESS BETEILIGTE STRUKTUREN: Dieses Kapitel behandelt die neurophysiologischen Grundlagen und beschreibt die Funktionsweise der fünf zentralen Analysatoren sowie deren Rolle bei der motorischen Steuerung.
3. THEORETISCHE ASPEKTE ZU GLEICHGEWICHT UND GLEICHGEWICHTSFÄHIGKEIT: Hier erfolgt eine theoretische Einordnung und Systematisierung des Gleichgewichtsbegriffs sowie der Differenzierung in statische, dynamische und objektbezogene Komponenten.
4. ZUR MESSUNG DER GLEICHGEWICHTSLEISTUNG: In diesem umfangreichen Hauptteil werden verschiedene wissenschaftliche Messverfahren und deren methodische Problematiken bei der Erfassung von Gleichgewichtsleistungen analysiert.
5. ZUM TRAINING DER GLEICHGEWICHTSFÄHIGKEIT: Das Kapitel widmet sich den methodischen Ansätzen zur gezielten Ausbildung und Optimierung der Gleichgewichtsfähigkeit im medizinischen und sportlichen Bereich.
6. ZUSAMMENFASSENDER ÜBERBLICK: Der Abschluss fasst die wesentlichen Erkenntnisse der Arbeit zusammen und bewertet die Bedeutung der Gleichgewichtsregulation für die motorische Entwicklung.
7. LITERATUR: Ein umfassendes Verzeichnis der verwendeten wissenschaftlichen Quellen und Studien.
Schlüsselwörter
Gleichgewicht, Bewegungsregulation, Vestibularanalysator, Kinästhetik, Taktiler Analysator, Optischer Analysator, Gleichgewichtsfähigkeit, Posturographie, Motorisches Lernen, Biomechanische Analyse, Sensomotorik, Kraftmessplatte, Stabilometer, Statik, Dynamik.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit bietet einen umfassenden Überblick über den aktuellen Forschungsstand zur Analyse des menschlichen Gleichgewichts sowie der regulatorischen Prozesse innerhalb der Sportmotorik.
Was sind die zentralen Themenfelder der Arbeit?
Die zentralen Schwerpunkte liegen auf der neuroanatomischen Basis der Bewegungsregulation, der spezifischen Funktion einzelner Sinnessysteme (Analysatoren) und der methodischen Erfassung von Gleichgewichtsleistungen.
Was ist das primäre Ziel der Forschungsarbeit?
Das primäre Ziel ist die systematische Aufbereitung des Wissens über das Zusammenspiel sensorischer Informationen für die Aufrechterhaltung des Gleichgewichts sowie die kritische Würdigung der Testverfahren in der Sportforschung.
Welche wissenschaftliche Methode wird zur Analyse verwendet?
Es handelt sich um eine strukturierte Übersichtsarbeit, die bestehende wissenschaftliche Literatur, experimentelle Befunde und Modelle aus der Sportpsychologie, Physiologie und Biomechanik synthetisiert.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die theoretische Begriffsbestimmung, die detaillierte Darstellung der Messmethodik von statischen und dynamischen Gleichgewichtsleistungen und deren Anwendung in verschiedenen Untersuchungsszenarien.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren diese Arbeit?
Die Arbeit zeichnet sich durch Begriffe wie Gleichgewicht, Vestibularanalysator, Sensomotorik, Posturographie und motorisches Lernen aus.
Welche Bedeutung kommt dem optischen Analysator bei der Gleichgewichtserhaltung zu?
Der Arbeit zufolge spielt der optische Analysator eine dominante Rolle bei der räumlichen Orientierung, wobei die visuelle Kontrolle bei reduzierten oder unzureichenden kinästhetischen Informationen eine entscheidende Kompensationsfunktion übernimmt.
Wie beeinflussen psychische Faktoren wie Stress die Gleichgewichtsleistung?
Die Auswertungen zeigen, dass psychische Belastungen wie Stress oder Prüfungsangst zu messbaren Veränderungen der Schwankungsparameter führen, da diese Belastungen die muskuläre Anspannung und die energetische Ökonomie des Gleichgewichtsprozesses negativ beeinflussen.
- Quote paper
- Uta Woodum (Author), 1987, Überblick über Untersuchungen zur Analyse des Gleichgewichts, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/4942