Adam Smith und die Invisible Hand in den postsozialistischen Transformationsstaaten


Seminararbeit, 2005
15 Seiten, Note: 1,0

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Vorgehensweise

3. Der theoretische Hintergrund
3.1. Adam Smith und das Konzept der Invisible Hand
3.2 Die Umsetzung in Osteuropa

4. Wirtschaftliche Entwicklungen in den Transformationsstaaten
4.1 Wirtschaftswachstum - Zwei unterschiedliche Entwicklungen
4.1.1 Das Bruttoinlandsprodukt
4.1.2 Arbeitslosenquote
4.2. Materieller Wohlstand
4.2.1 Pro-Kopf Einkommen
4.2.2 Einkommensarmut

5. Das Versagen der Invisible Hand in Osteuropa

6. Wirtschaftswachstum, Wohlstand und die Rolle des Sozialstaates
6.1 Der Sozialstaat als Bindeglied zwischen Wachstum und Wohlstand
6.2 Der Sozialstaat als Integrationsmittel
6.3 Der Sozialstaat als Wirtschaftsmotor
6.4 Fazit

7. Literatur

Abbildungsverzeichnis:

Tabelle 1 : Reales Bruttoinlandsprodukt 1989-1998

Tabelle 2: Arbeitslosenquote 1990-1997

1. Einleitung

Das Ende des Sozialismus in der Sowjetunion und Osteuropa läutete eine Zeitenwende ein, welche insbesondere für die jeweiligen Bevölkerungen der betroffenen Staaten gravierende Konsequenzen hatte.

Jene Menschen, die es zu Zeiten des Sozialismus gewohnt waren, dass die Bedürfnisse des Einzelnen denen des Kollektivs untergeordnet sind und die nicht in erster Linie in wohlverstandenem Eigeninteresse, sondern zum vermeintlichen Wohle der Gemeinschaft gearbeitet hatten, sind nun einem politischen und wirtschaftlichen Transformationsprozess ausgesetzt, welcher die gewohnten Verhältnisse ins Gegenteil verkehrt. Unter den Vorzeichen des Kapitalismus zählt nunmehr das individuelle Gewinnstreben, das Interesse an der Befriedigung der persönlichen Bedürfnisse. Dahinter steht vor allem die Theorie des Liberalismus und mit ihr das von Adam Smith formulierte Prinzip der „Invisible Hand“, welches davon ausgeht, dass Gemeinwohl und Eigeninteresse keine Gegensätze darstellen, sondern vielmehr das eine aus dem anderen entspringt und somit dem Gemeinwohl am besten gedient sei, wenn jeder nach seinen eigenen Interessen handelt.

Das Versprechen des Liberalismus, dass Eigeninteresse und individuelles Nutzenkalkül zu Wirtschaftswachstum und allgemeinem materiellem Wohlstand führen, scheint sich in Osteuropa und den Staaten der ehemaligen Sowjetunion jedoch nicht zu erfüllen.

Seit dem Zusammenbruch des Sozialismus wächst die Armut in Osteuropa, Russland und den ehemaligen Sowjetrepubliken, von Wirtschaftswachstum kann nur bedingt die Rede sein und wie sich zeigen wird ist dies auch keineswegs zwingend mit einer Anhebung des Lebensstandards und somit mit einer Förderung des materiellen Gemeinwohls verbunden.

Angesichts dieser Tatsachen stellt sich die Frage ob die freie Marktwirtschaft in den ehemals sozialistischen Staaten versagt hat und das Theorem der Invisible Hand eventuell revidiert werden muss.

Liegt Adam Smith falsch, wenn er davon ausgeht, dass von purem Eigeninteresse geleitetes Handeln wirtschaftliches Wachstum hervorruft, welches allgemeinen Wohlstand mit sich bringt und somit das materielle Gemeinwohl fördert? Kann man überhaupt von Wirtschaftswachstum direkt auf materiellen Wohlstand schließen, ohne weitere Faktoren wie etwa soziale Sicherungssysteme mitein zu beziehen?

Selbstverständlich kann in dem engen Rahmen dieser Arbeit weder eine befriedigende Kritik des Liberalismus geleistet, noch die Frage nach den Gründen für die wirtschaftlichen und humanitären Probleme in Osteuropa und Russland umfassend geklärt werden.

Vielmehr soll das Prinzip der Invisible Hand hier als elementarer Baustein der liberalen Wirtschaftstheorie herausgegriffen, und die Grundannahme der Gemeinwohlförderlichkeit des Eigeninteresses im Hinblick auf die postsozialistischen Staaten Osteuropas und der ehemaligen Sowjetunion überprüft werden.

2. Vorgehensweise

Hierfür wird das Konzept der Invisible Hand zunächst kurz erläutert und geklärt welche Rolle es in der aktuellen Systemtransformation der postsozialistischen Staaten spielt, um daraufhin anhand aktueller Wirtschaftsdaten zu untersuchen, ob die von Smith prognostizierte Gemeinwohlförderung in den betreffenden Staaten eingetreten ist.

Die Untersuchung wurde hierbei auf einige wenige Kriterien beschränkt, welche die wirtschaftliche Situation der betroffenen Staaten im Hinblick auf die Fragestellung am deutlichsten illustrieren.

Im Hinblick auf die wirtschaftliche Lage, wird das Bruttoinlandsprodukt und die Arbeitslosenquote untersucht. Zur Illustrierung des Wohlstands wird das durchschnittliche Einkommen, sowie die Anzahl jener Menschen dessen Einkommen unterhalb des Existenzminimums leben, herangezogen.

Dabei liegt das Hauptaugenmerk vor allem auf zwei bestimmten Staatengruppen, deren zutiefst unterschiedliche Entwicklung im Rahmen der Transformationsprozesse von besonderem Interesse im Zusammenhang von Transformation und Wirtschaftswachstum sind. Diese beiden Gruppen sind zum einen die sogenannten Visegrad-Staaten (Polen, Tschechien, Slowakei, Slowenien, Ungarn) und zum anderen die Nachfolgestaaten der UdSSR.

Anschließend soll ein kurzer Ausblick auf die Bedeutung sozialer Sicherungssysteme für den Zusammenhang von Eigeninteresse und Gemeinwohl gegeben werden. Auch dieser Ausblick kann hier nur in Form einiger grundlegender Argumentationslinien geschehen und erhebt keineswegs den Anspruch auf Vollständigkeit.

3. Der theoretische Hintergrund

3.1. Adam Smith und das Konzept der Invisible Hand

Adam Smith gilt als einer der Begründer der liberalen Wirtschaftstheorie. In seinem 1776 erschienenen Werk „Der Wohlstand der Nationen“ beschreibt er das Konzept der „Invisible Hand“, welches davon ausgeht, dass dem Gemeinwohl am meisten gedient sei, wenn die Eigeninteressen jedes Individuums betont werden. (Papcke 1997)

Nur wenn der Einzelne persönlichen Gewinn aus seiner Arbeit ziehen kann, wird er diese auch mit dem ihm bestmöglichen Ergebnis abschließen. Wenn nun alle Staatsbürger nur im eigenen Interesse handeln und dabei in einem Konkurrenzverhältnis stehen, welches nicht durch staatliche Eingriffe gestört wird, leisten sie damit –geleitet von einer unsichtbaren Hand- den größtmöglichen Dienst an der Gemeinschaft.(Trapp 1987)

Hierbei handelt es sich doch keineswegs um einen nackten Konkurrenzkampf indem nur die wirtschaftlich Starken überleben. Der Theorie Adam Smith liegt das Prinzip familiärer Solidarität innerhalb einer Großfamilie zu Grunde. Kinder, Alte, Kranke und Arbeitsunfähige werden durch den Familienverband unterstützt. (Eekhoff 2002).

Die in der politischen Theorie häufig als gegensätzliche Begriffe verwendeten Prinzipen von Eigeninteresse und Gemeinwohl finden somit bei Smith zusammen. Mehr noch: sie bedingen einander.

Dieser „semantische Coup des Liberalismus“ (Münkler/Fischer 1999, S.247) stellt damit jedoch nicht nur das Handeln aus Eigeninteresse als gemeinwohlförderlich dar, sondern weist dem Begriff Gemeinwohl auch ganz spezifisch ökonomische Inhalte zu.

3.2 Die Umsetzung in Osteuropa

Dem Konzept der Allgemeinwohlförderlichkeit des Eigeninteresses, steht die Planwirtschaft der sozialistischen Staaten entgegen. In allen Transformationsländern herrschte bis zu Beginn der Neunziger Jahre eine Wirtschaftsform in der alle ökonomischen Entscheidungen nicht im Hinblick auf Markt-Preis-Mechanismen getroffen wurden und die wirtschaftliche Initiative nicht vom Einzelnen und seinem Gewinnstreben ausging, sondern die Güterversorgung von der Zentralverwaltung im angeblichen Interesse Aller, das heißt zum Wohle der Gemeinschaft gesteuert wurde. (Töpfer 1996)

Die sozialistische Wirtschaftsform ist somit das genaue Gegenstück des Prinzips der Invisible Hand. Während Smith das von staatlichen Eingriffen unbeeinflusste Eigeninteresse betont, und behauptet dieses würde am besten der Förderung des Gemeinwohls dienen, wurde in den Planwirtschaften der gesamte Wirtschaftsprozess zentral gelenkt. Es wurde produziert was dem staatlich definierten Gemeinwohl zu dienen schien.

Dies sollte sich nach dem Zusammenbruch des Sozialismus grundlegend ändern. Nun waren die Prämissen des Liberalismus die vorherrschende volkswirtschaftliche Lehrmeinung.

Statt kollektiven Interessen, sollten nun die Interessen der Individuen der Motor für wirtschaftliche Entwicklung sein. (Töpfer 1996)

Dass jedoch auch diese in ihrer Reinform nur bedingt in der Lage sind, breiten Wohlstand zu schaffen zeigen die Wirtschaftsdaten der betreffenden Regionen.

[...]

Ende der Leseprobe aus 15 Seiten

Details

Titel
Adam Smith und die Invisible Hand in den postsozialistischen Transformationsstaaten
Hochschule
Humboldt-Universität zu Berlin  (Institut für Sozialwissenschaften)
Veranstaltung
Gemeinwohl & Gerechtigkeit als politische Leit- und Kampfbegriffe
Note
1,0
Autor
Jahr
2005
Seiten
15
Katalognummer
V49433
ISBN (eBook)
9783638458887
Dateigröße
506 KB
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
Eine Anwendung von Smith's Konzept der unsichtbaren Hand auf Entwicklungstendenzen in den postsozialistischen Staaten Osteuropas und den ehemaligen Sowjetrepubliken.
Schlagworte
Adam, Smith, Invisible, Hand, Transformationsstaaten, Gemeinwohl, Gerechtigkeit, Leit-, Kampfbegriffe
Arbeit zitieren
Jan Peter (Autor), 2005, Adam Smith und die Invisible Hand in den postsozialistischen Transformationsstaaten, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/49433

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