Projektunterricht in der Grundschule - Eine Reflexion des praktischen Handelns anhand eines Beispiels vor dem theoretischen Hintergrund dieser Unterrichtsform


Hausarbeit, 2004
21 Seiten, Note: 1,7

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Projektunterricht
2.1 Was ist Projektunterricht?..
2.2 Woher kommt der Projektunterricht?
2.3 Warum überhaupt Projektunterricht durchführen?
2.4 Das Grundmuster des Projektunterrichts

3. Beobachtung und Reflexion von Projektunterricht
3.1 Wie wurde der Projektunterricht in einer Grundschule umgesetzt?...
3.2 Unterschiede zur Theorie
3.3 Reaktionen und Verhaltensweisen der Schüler...

4. Abschließendes Resümee
4.1 Kritikpunkte an der Projektumsetzung.
4.2 Persönlicher Kommentar.

5. Literaturangaben

1. Einleitung

In meiner hier vorliegenden Hausarbeit werde ich das Thema „Projektunterricht in der Grundschule“ behandeln.

Mein Beweggrund genau dieses dieses Thema zu untersuchen war der eigene Versuch in meinem Praktikum ein Projekt zum Thema „Frösche“ durchzuführen. Auslöser für dieses Thema war der unerwartete Besuch eines Frosches im Klassenzimmer, den ein Junge morgens auf dem Schulweg entdeckt und mit in den Unterricht gebracht hatte. Dies stieß sofort auf reges Interesse bei den Schülern und es kamen mehrere Fragen auf. Da dieses Thema zudem sehr gut in die Jahreszeit passte, schlug ich meiner Mentorin vor, dazu ein Projekt zu starten, worauf ich von ihr direkt eine Zustimmung erhielt. Auch die Schüler waren von der Idee sehr begeistert, nachdem ich sie darauf aufmerksam machte.

In meiner Hausarbeit werde ich daher anfangs einen Einblick in die Methode des Projektunterrichts geben und daraufhin meine Erprobung hinterfragen. Hierbei werde ich die Durchführung, sowie die Beobachtung dieser offenen Unterrichtsform darstellen. Abschließend werde ich ein Resümee ziehen, worin ich meine persönlichen Eindrücke und die Stärken und Schwächen bei der Projektdurchführung schildere.

2. Projektunterricht

2.1 Was ist Projektunterricht?

Der Begriff „Projekt“ steht im Allgemeinen für die Planung und Durchführung eines Vorhabens. Er stammt vom lateinischen „projicere“ ab und bedeutet ,vorauswerfen’, ,planen’, ,entwerfen’, ,sich vornehmen’.

Diese Übersetzungen treffen genau das, was für den Projektunterricht in der Schule typisch ist. Um es mit den Worten von Frey zu sagen: „Eine Gruppe von Lernenden bearbeitet ein Gebiet. Sie plant ihre Arbeiten selbst und führt sie auch aus. In der Regel steht am Ende ein sichtbares Produkt“ (Frey 1996, S. 13).

Zu Beginn eines Projektes muss ein Thema oder ein zu lösendes Problem festgelegt werden. Dieses sollte sich auf Fragestellungen und Probleme aus dem Lebens- und Interessenbereich der Lernenden beziehen oder an eine aktuelle Begebenheit anknüpfen. Aus diesem Grund ist die Aufgabe der Lehrerin hier, bewusst in den Hintergrund zu treten und die Themenfindung der Lerngruppe zu überlassen. Hierbei können Vorschläge oder Anregungen teilweise sinnvolle Hilfen sein. Dewey und Kilpatrick, zwei bedeutende Personen für das heutige Konzept des Projektunterrichts, auf die ich später noch eingehen werde, waren diesbezüglich allerdings unterschiedlicher Meinung. Während für Kilpatrick der Projektunterricht ein „Unternehmen des Kindes“ ist, sieht Dewey ihn eher als ein „gemeinsames Unternehmen von Lehrerin und Schülern“ (Peschel, 1997). Nachvollziehbar ist aber, dass die Handlung, „wenn sie auf Freiwilligkeit statt auf Zwang beruht, einen ungleich größeren Lernerfolg sichert“ (Peschel, 1997).

Wenn man sich schließlich für ein Thema entscheidet, sollte man darauf achten, dass es fächerübergreifend bearbeitet werden kann und so gefasst ist, dass der Unterricht größtenteils auf entdeckendem Lernen beruht. Wichtig ist nämlich zu wissen, dass „das Lernen während des Tuns einen ungleich höheren Stellenwert als die erfolgreiche Verwirklichung des Vorhabens“ hat (Peschel, 1997) oder wie Dewey sagt: „Ein Gramm Erfahrung...ist besser als eine Tonne Theorie“.

Die Dauer eines Projektes variiert, da man zwischen Kleinprojekten, Mittelprojekten und Großprojekten differenziert.

Kleinprojekte, auch Stundenprojekte genannt, werden in einer Zeitspanne von 2 bis 6 Stunden durchgeführt. Da sie sich oft nur auf 2 oder 3 Komponenten beziehen, spricht man hier eher von einem „projektartigen Lernen“.

Mittelprojekte dagegen dauern ein bis zwei Tage oder auch bis zu einer Woche und sind unter den Namen „Projekttage“ oder „Projektwoche“ bekannt. In der Regel ist diese Art von Projekten für die Schule üblich.

Großprojekte oder Jahresprojekte können sich, wie der Name schon sagt, über Jahre erstrecken. In der Schule spielen solche Projekte jedoch keine Rolle, weswegen ich darauf nicht näher eingehen werde.

Um bei dem Thema Zeiteinteilung zu bleiben, sind die Stundengrenzen noch interessant. Im Projektunterricht werden die standardisierten 45-Minuten-Einteilungen nicht beachtet. Es erfolgt eine kontinuierliche Bearbeitung, wobei Pausen an passenden Stellen eingefügt werden. Dadurch wird auch deutlich, dass nicht stundenweise in bestimmten Fächern gearbeitet wird, sondern die Lernenden selbst bestimmen, was sie bearbeiten und somit in welchem Fach sie sich gerade befinden.

Nach der Bearbeitung des Themas sollte am Ende ein Produkt bzw. Ergebnis entstehen, welches in Form einer Präsentation vorgestellt wird.

2.2 Woher kommt der Projektunterricht?

Die Methoden des Projektunterrichts reichen weit in die Geschichte hinein. Knoll behauptet seit einigen Jahren, dass der Begriff des Projektunterrichts nicht aus Amerika oder der Reformpädagogik stamme, sondern seine Ursprünge Anfang des 18. Jahrhunderts in Frankreich fand. Die Studenten der „Académie Royale d’Architecture“ mussten regelmäßig sog. „projets“ einreichen, in denen sie z.B. Pläne für ein Chateau oder ein Grabmal entworfen haben. Diese „projets“ aus der Technik/Architektur setzt Knoll mit dem Unterrichtsbegriff „Projekt“ aus der Pädagogik in Beziehung. Er behauptete: „Es war an der Académie Royale d’Architecture, dass der Begriff Projekt zum ersten Mal im Sinne einer Unterrichtsmethode gebraucht wurde“ (Knoll 1991).

Bekannter ist allerdings, dass die Methode des Projektunterrichts ihren Höhepunkt in der Reformpädagogik durch den großen Philosophen und Pädagogen John Dewey (1859 – 1952) und seinem Schüler William Heard Kilpatrick (1871 – 1965) fand. Dewey war die Person, die „zum ersten Mal unter politischen, philosophischen, lernpsychologischen und pädagogischen Aspekten ein umfassendes Konzept dessen begründete und entwickelte, was wir heute „Projektunterricht“ nennen“ (Gudjons, 2001, S. 74). Er forderte ein „Lernen durch Tun (learning by doing)“ und eine durch praktische Arbeit aufgelockerte Schule, woraufhin Kilpatrick die „Projektmethode“ formulierte und definierte und sie als „planvolles Handeln aus ganzem Herzen, das in einer sozialen Umgebung stattfindet“ beschreibt. Als Kriterien für ein Projekt nennt Dewey 4 Aspekte:

1) Projekte müssen im Interesse der SchülerInnen liegen
2) Projekte müssen sich auf etwas Wesentliches konzentrieren
3) Projekte müssen im Verlauf ihrer Entwicklung Probleme aufzeigen
4) Projekte sollten eine festgelegte Zeitspanne umfassen und „Kontinuität“ besitzen (Speth, 1997).

Diese Aspekte Deweys sind noch heute zentrale Grundlage der Projektmethode, auch wenn einige neue Merkmale hinzugefügt wurden. Aus diesem Grund wird Dewey häufig als Vater der Projektmethode bezeichnet.

2.3 Warum überhaupt Projektunterricht durchführen?

„Die zentrale Idee des offenen Unterrichts ist die konsequente Umsetzung der Erziehungsziele Selbständigkeit und Mündigkeit in entsprechende Unterrichtspraktiken, um „Lernen aus eigener Verantwortung zu fördern, individuelle Entwicklungsziele zuzulassen und methodisch in hohem Maße Selbsttätigkeit oder Selbststeuerung zu ermöglichen“ (Einsiedler, 1985, S.20).“.

Gehen wir nun einmal von der üblichen Situation aus, dass die Schule sich nicht nur das Lernen und die Vermittlung von Informationen zum Ziel gesetzt hat, sondern auch das Erziehen und Zurechtkommen in der Gesellschaft. Sie soll einen Beitrag zur individuellen Entfaltung, gesellschaftlichen Entwicklung und zum Übernehmen konkreter Verantwortung leisten und das Mitgestalten von alltäglichen Situationen erfahrbar machen.

In den Grundschulrichtlinien von 1985 heißt es, dass die Schule „die kindliche Neugier aufnehmen und Raum geben muss für selbständiges Beobachten, Ausprobieren und Entdecken. Kenntnisse und Fertigkeiten sollen den Kindern dabei helfen, ihre Lebenswirklichkeit zu erkunden, zu deuten und zu gestalten. (...) Sie darf sich nicht auf mechanisches Einprägen und Einüben beschränken“ (aus: Emer/Lenzen, 2002, S. 50-51)

Aus den vorherigen Ausführungen kann man nun folgern, dass der Projektunterricht dafür genau das richtige Mittel ist, da man durch ihn lernen kann in einem größeren Rahmen selbständig zu handeln. Durch die alleinige Planung und Durchführung des Projektes durch die Schüler, lernen sie Verantwortung zu übernehmen und in einer Gruppe zu arbeiten und auch andere Meinungen und Vorschläge anzunehmen. Die Schüler sind mehr oder weniger auf sich gestellt und müssen auch mit auftretenden Problemen fertig werden, wodurch sie wiederum Erfahrungen gewinnen und erkennen, dass man aus Problemen lernen kann. Der Projektunterricht zielt darauf ab, „einen vernünftigen kritischen, umsichtigen, handlungsfähigen und –bereiten, an neue Bedingungen anpassungsfähigen Menschen“ zu gewinnen (Peschel 1997).

Ein weiterer Aspekt, den der Projektunterricht verfolgt, ist die besondere Form des praxisnahen Unterrichts. Hier wird die Schule (als Organisationsrahmen) mit der außerschulischen Wirklichkeit (durch den lebensnahen Inhalt) verbunden („Mit der Projektmethode soll versucht werden, die Kluft zwischen der Welt von Schule und der Welt von Nicht-Schule an einigen Orten zu überbrücken“ (Frey 1996, S. 58)). Die Schüler sehen so ihre Arbeit nicht als Zwang an, sondern sind bereit, freiwillig ein für sie interessantes Problem zu bearbeiten.

2.4 Das Grundmuster des Projektunterrichts

Nach dem Projekt-Verlaufsplan von Kilpatrick besteht der Projektunterricht aus vier verschiedenen Phasen: der Zielsetzungsphase, der Planungsphase, der Durchführungsphase und der Beurteilungsphase. In Weiterführung kann man allerdings sieben Phasen unterscheiden, bei der die erste und letzte Phase nicht zum eigentlichen Projekt gehören, aber als Ergänzung sinnvoll sein können.

Im Folgenden beziehe ich mich auf ein idealtypisches Verlaufsmuster des Projektunterrichts und werde zu jeder dieser Phasen eine kurze Beschreibung anführen.

1. Phase: Initiierungsphase

In dieser Phase geht es darum, die Bedingungen für die Entstehung eines Projektes herzustellen.

Dazu gehört an erster Stelle, das Thema zu finden. Hierbei ist es vor allem wichtig, dass sich das Thema, wie bereits im ersten Kapitel gesagt wurde, auf die gesellschaftliche und lebensweltliche Realität der Schüler und Lehrer bezieht. Ideen für ein Projekt können in Klassen, aber auch von einer ganzen Schule oder in einer Schulkonferenz entwickelt werden.

Für projektunerfahrene Gruppen kann die Phase der Rollenreflektierung hilfreich sein, bei der durch die Lehrenden und Lernenden einzelne Rollen und ihre Rollenveränderung während des Projektes beschrieben und besprochen werden.

2. Phase: Projektskizze

Ebenfalls sinnvoll, aber kein Muss, ist die Bildung einer Vorplanungsgruppe. Sie hat die Aufgabe, nach Projektkriterien eine Projektskizze zu einem Thema zu entwickeln, welche den übrigen Schülern später vorgestellt wird. Diese wählen dann aus den verschieden entworfenen Projekten ein Projekt aus, welches sie später durchführen. Die Projektskizze kann allerdings auch von allen Schülern gemeinsam erarbeitet werden.

[...]

Ende der Leseprobe aus 21 Seiten

Details

Titel
Projektunterricht in der Grundschule - Eine Reflexion des praktischen Handelns anhand eines Beispiels vor dem theoretischen Hintergrund dieser Unterrichtsform
Hochschule
Westfälische Wilhelms-Universität Münster
Note
1,7
Autor
Jahr
2004
Seiten
21
Katalognummer
V49449
ISBN (eBook)
9783638459013
Dateigröße
466 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Projektunterricht, Grundschule, Eine, Reflexion, Handelns, Beispiels, Hintergrund, Unterrichtsform
Arbeit zitieren
Janine Kaufmann (Autor), 2004, Projektunterricht in der Grundschule - Eine Reflexion des praktischen Handelns anhand eines Beispiels vor dem theoretischen Hintergrund dieser Unterrichtsform, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/49449

Kommentare

  • Noch keine Kommentare.
Im eBook lesen
Titel: Projektunterricht in der Grundschule - Eine Reflexion des praktischen Handelns anhand eines Beispiels vor dem theoretischen Hintergrund dieser Unterrichtsform


Ihre Arbeit hochladen

Ihre Hausarbeit / Abschlussarbeit:

- Publikation als eBook und Buch
- Hohes Honorar auf die Verkäufe
- Für Sie komplett kostenlos – mit ISBN
- Es dauert nur 5 Minuten
- Jede Arbeit findet Leser

Kostenlos Autor werden