Die Entstehungszeit des Stückes fällt in die Zeit der Sturm und Drang Epoche, in der viele Autoren ihre Empfindungen in ihrer Literatur verarbeiteten. Der überwiegende Teil der Bevölkerung teilte das Gefühl des bedrängten und enttäuschten bürgerlichen Menschen. Einige intellektuelle Vertreter der Aufklärung, darunter auch Lenz, äußerten sich kritisch gegenüber dem Söldnerheer.
Besondere Streitpunkte waren die Anwerbungspraxis und der Soldatenhandel. Der absolutistische Staat wurde von den Aufklärern nicht mehr als Gegner des Bürgerkrieges und Garant für den Frieden verstanden, sondern vielmehr als Verursacher. Lenz favorisierte ein Bürgerheer, das die bürgerliche Ehe und Familie fördern und stützen sollte. Er erhoffte sich davon eine Besserung der Sitten und des gesellschaftlichen Wohlstandes.
Lenz gewährt in seinem Stück "Die Soldaten" einen Einblick in das Privatleben und die Lebensatmosphäre eines Menschen aus der Mittelschicht und seine Sehnsucht nach dem sozialen Aufstieg. Ihm wurde von Zeitgenossen häufig vorgeworfen, er würde dabei die Folgen des Zölibats des Soldatenstandes zu stark fokussieren und deshalb das zentrale soziale Problem des Klassenkonflikts umgehen.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Die Ständegesellschaft im 18. Jahrhundert
2.1 Das Bürgertum erhebt sich gegen den Adel
2.2 Der Soldatenstand im 18. Jahrhundert
3. Der Ständekonflikt in „Die Soldaten“
4. Verhaltensanalyse der Figuren im Konflikt
5. Fazit: „Die Pflanzenschule“ als Lösungsmöglichkeit der Ständekontroverse
Zielsetzung und thematische Schwerpunkte
Die Arbeit untersucht den Ständekonflikt in Jakob Michael Reinhold Lenz’ Drama „Die Soldaten“ und analysiert, wie gesellschaftliche Zwänge, Standesunterschiede und das spezifische Umfeld der Aufklärungsepoche die Handlungen und das tragische Schicksal der Protagonisten maßgeblich beeinflussen.
- Die historische Einordnung der Ständegesellschaft im 18. Jahrhundert.
- Die Analyse des soldatischen Lebens und dessen Auswirkung auf bürgerliche Familienstrukturen.
- Die detaillierte Untersuchung der Figurenpsychologie im Kontext von Standeskonflikten.
- Die kritische Bewertung von Lenz’ Lösungsmodell der „Pflanzenschule“ als gesellschaftliche Reform.
Auszug aus dem Buch
4. Verhaltensanalyse der Figuren im Konflikt
Marie Wesener ist die hübsche Kaufmannstochter des Galanteriehändler Wesener. Ihr Charakter lässt sich mit folgenden Adjektiven treffend beschreiben: lebendig, reizend, offenherzig, treulos, illusionsbefangen und verführbar. Sie verdeutlicht das veränderte Selbstverständnis der Mittelschicht gegenüber der Oberschicht am Ende des 18. Jahrhunderts. Die bisher nicht zur Kenntnis genommenen steigenden gesellschaftlichen Ambitionen brechen plötzlich hervor. Sie wünscht sich etwas Besseres zu sein und träumt von dem sozialen Aufstieg: „Gott! was hab ich denn Böses getan? -- Stolzius – ich lieb dich ja noch – aber wenn ich nun mein Glück besser machen kann – und Papa selber mir den Rat gibt.“
Nachdem sie durch die kurze Affäre mit Desportes „blaues Blut geleckt hat“ möchte sie ihren neuen Lebensstil nicht aufgeben. Doch sie unterschätzt die sozialen Zwänge, die für jeden einzelnen die Standesposition mit sich bringt. Marie ist wandlungsfähig und passt sich den Veränderungen an. Als sie noch davon ausgehtc die Frau von Stolzius zu werden, schreibt sie seiner Mutter einen Brief in dem Stil, wie es sich für eine Tuchhändlers-Gattin gehört. Als sie Desportes als eventuellen Verehrer erkennt, gleicht sie ihre Sprechart der seinigen an und verhöhnt sogar den sozial niedrigeren Stolzius. Diese Verhaltensweise ist charakteristisch für ein Bürgermädchen: Sie unterwirft sich einer Rolle, die sie für ihre Situation angemessen hält. Diese Mannigfaltigkeit zeigt, dass sie ihr Ziel diszipliniert verfolgt und sich ganz bewusst über ihren angepassten Lebensstil hinweg setzt. Die Entfremdung gegenüber ihrer Familie symbolisiert die Trennung von Normen und Erwartungen ihrer Kindheit.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung bettet das Stück in die Epoche des Sturm und Drang ein und thematisiert die autobiographischen Züge sowie die zeitgenössische Kritik am Soldatenstand.
2. Die Ständegesellschaft im 18. Jahrhundert: Dieses Kapitel erläutert die starre soziale Hierarchie des 18. Jahrhunderts und die Rolle der verschiedenen Stände innerhalb des absolutistischen Modells.
2.1 Das Bürgertum erhebt sich gegen den Adel: Hier wird der wachsende Unmut der Mittelschicht sowie ihr Streben nach gesellschaftlichem Aufstieg und ihre gleichzeitige Hilflosigkeit gegenüber dem System beschrieben.
2.2 Der Soldatenstand im 18. Jahrhundert: Der Abschnitt beleuchtet die prekäre Lebenssituation der Soldaten, insbesondere das Zölibat und die daraus resultierenden sozialen Spannungen.
3. Der Ständekonflikt in „Die Soldaten“: Die Analyse zeigt auf, wie das Fehlverhalten der einzelnen Charaktere in einer durch Standesschranken determinierten Gesellschaft zu einer Eskalation führt.
4. Verhaltensanalyse der Figuren im Konflikt: Dieses Kapitel untersucht detailliert die psychologische Entwicklung der Protagonisten wie Marie Wesener, Stolzius und Desportes unter dem Druck gesellschaftlicher Normen.
5. Fazit: „Die Pflanzenschule“ als Lösungsmöglichkeit der Ständekontroverse: Das Fazit kritisiert den Vorschlag einer „Pflanzenschule“ als provokatives und letztlich fragwürdiges Reformmodell, das den freien Willen des Einzelnen missachtet.
Schlüsselwörter
Sturm und Drang, Die Soldaten, Jakob Michael Reinhold Lenz, Ständegesellschaft, Soldatenstand, Bürgertum, Adel, Rollenkonflikt, Zölibat, Sozialer Aufstieg, Marie Wesener, Stolzius, Desportes, Pflanzenschule, 18. Jahrhundert.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Hausarbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert den gesellschaftlichen Konflikt zwischen den Ständen im Drama „Die Soldaten“ von J.M.R. Lenz unter besonderer Berücksichtigung der psychologischen Auswirkungen auf die Figuren.
Was sind die zentralen Themenfelder der Analyse?
Zu den zentralen Themen gehören die Ständegesellschaft des 18. Jahrhunderts, das Militärsystem, bürgerliche Aufstiegsaspirationen und die moralische Verrohung durch soziale Zwänge.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Das Ziel ist es, aufzuzeigen, wie das Ineinandergreifen von Standesunterschieden und falschem Ehrgeiz unausweichlich in die Katastrophe führt und inwiefern die Figuren an ihrer Umwelt scheitern.
Welche wissenschaftliche Methode verwendet die Arbeit?
Es wird eine literaturwissenschaftliche Analyse durchgeführt, die das Werk in seinen historischen Kontext einbettet und die Handlungsweisen der Figuren anhand soziologischer und literarischer Theorien deutet.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die historische Einordnung der Ständegesellschaft, die Untersuchung der spezifischen Situation des Militärs sowie eine detaillierte Verhaltensanalyse der Hauptcharaktere.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Typische Begriffe sind Sturm und Drang, Ständekonflikt, Soldatenstand, soziales Aufstiegsstreben und die moralische Läuterung oder das Scheitern des Individuums.
Wie bewertet die Autorin das Konzept der „Pflanzenschule“?
Die Autorin betrachtet die „Pflanzenschule“ kritisch als ein fragwürdiges, beinahe zynisches Reformmodell, das eher der staatlichen Kontrolle und Ausbeutung dient, statt das Problem der Ständekontroverse human zu lösen.
Welche besondere Rolle kommt der Figur des Stolzius zu?
Stolzius fungiert als Gegenpart zu Desportes und durchlebt eine Entwicklung vom sensiblen, leidenden Bürger zum Mörder, was die zerstörerische Kraft des Standeskonflikts und der Eifersucht symbolisiert.
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- Lisa Sofie Mros (Author), 2007, Ständekonflikte bei Jakob Michael Reinhold Lenz´ "Die Soldaten", Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/494621