Der Zusammenhang von offenem und verdecktem Narzissmus, Extraversion und der Nutzung sozialer Medien


Bachelorarbeit, 2017
92 Seiten, Note: 1.7

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Theorie und Forschungsstand
2.1 Theoretischer Hintergrund
2.1.1 Instagram und Facebook
2.1.2 Narzissmus
2.1.3 Fünf Verhaltensweisen des Narzissmus
2.1.4 Offener und verdeckter Narzissmus
2.1.5 Extraversion
2.1.6 Aktive und passive Nutzung
2.1.7 Selbstpräsentation
2.2 Forschungsstand und Hypothesen
2.3 Ursache und Symptom

3. Methodik
3.1 Stichprobe
3.2 Fragebogen Elemente
3.2.1 Narcissistic Personality Inventory
3.2.2 Hypersensitive Narcissism Scale
3.2.3 NEO-Fünf-Faktoren-Inventar
3.2.4 Instagram und Facebook

4. Empirie
4.1 Deskriptive Statistik
4.1.1 Persönlichkeitsmerkmale
4.1.2 SNS-Nutzung
4.2 Analyse
4.2.1 Persönlichkeitsmerkmale
4.2.2 Persönlichkeitsmerkmale & SNS-Nutzung - Korrelationen
4.2.3 Persönlichkeitsmerkmale & SNS-Nutzung – Hierarchische Regressionen
4.2.4 Abgleich und Beantwortung der Forschungsfrage

5. Diskussion
5.1 Ergebnisinterpretation
5.2 Limitationen
5.2 Ausblick zur weiteren Forschung

Literaturverzeichnis

Anhang
A1: Skalen des Fragebogens
A2: Fragebogen im Teilnehmermodus
A3: Teilnehmer-Rekrutierung & Feedback
A4: Statistische Auswertung

Tabellenverzeichnis

Tabelle 1: Persönlichkeitsmerkmale Korrelationen nach Pearson

Tabelle 2: Partielle Korrelation Persönlichkeitsmerkmale

Tabelle 3: Instagram Korrelationen nach Pearson

Tabelle 4: Instagram Korrelationen nach Kendall-tau-b

Tabelle 5: Facebook Korrelationen nach Pearson

Tabelle 6: Facebook Korrelationen nach Kendall-tau-b

Tabelle 7: Levene-Test

Tabelle 8: t-Test

Tabelle 9: Hierarchische Regression Instagram Bilder pro Monat

Tabelle 10: Hierarchische Regression Instagram Follower pro Monat

Tabelle 11: Hierarchische Regression Instagram Abonnierte pro Monat

Tabelle 12: Hierarchische Regression Instagram Story Nutzung

Tabelle 13: Hierarchische Regression Facebook Status Update Frequenz

Tabelle 14: Hierarchische Regression Facebook Bilder Upload Frequenz

Tabelle 15: Hierarchische Regression Facebook Privatsphäre

Abbildungsverzeichnis

Abbildung 1

Abstract

Die Verbindung des offenen Narzissmus mit der Nutzung von SNSs wurde in der Vergangenheit erforscht mit der Folge eines auftretenden Widerspruchs hinsichtlich einer positiven oder nicht-nachzuweisenden Verbindung der beiden. Aufgrund der Inkonsistenz der bisherigen Ergebnisse und einer weitestgehenden Vernachlässigung des verdeckten Narzissmus, wurde dieser berücksichtigt und darüber hinaus das Persönlichkeitsmerkmal der Extraversion. Zur Überprüfung des Zusammenhangs der Persönlichkeitsmerkmale mit der aktiven Nutzung von Facebook und Instagram wurde eine quantitative Online-Befragung (N = 412) durchgeführt und im Anschluss anhand von Korrelationen und hierarchischen Regressionen ausgewertet. Die Ergebnisse deuten auf eine Negierung der Verbindung sowohl des offenen als auch des verdeckten Narzissmus mit der aktiven Nutzung von Instagram hin. Gleiches konnte für den offenen Narzissmus und die aktive Facebook Nutzung nachgewiesen werden, während der verdeckte Narzissmus hier signifikante Verbindungen aufwies.

The relation between overt narcissism and SNS usage has been well researched and a contradiction can be found concerning a positive or non-existent connection between the two. However, most studies focusing on this relation neglect covert narcissism. This study set out to include the two types of narcissism and furthermore the personal characteristic of extraversion while examining key figures of active usage of Instagram and Facebook. By carrying out a quantitative online survey (N = 412) respondents’ personal characteristics and SNS active usage figures were collated and analyzed on basis of correlations and hierarchical regressions. Results indicate a negation of the relation between both overt and covert narcissism and active usage of Instagram. The same result was found for overt narcissism and active Facebook usage while a significant relation was shown for covert narcissism and active Facebook usage.

1. Einleitung

Hier ein Bild hochgeladen, dort den Status aktualisiert. Wir teilen uns unserem Umfeld über soziale Online-Netzwerke mit und kennen das positive Gefühl auf eben diese Mitteilung eine Rückmeldung zu erhalten und uns in unserem Selbst bestätigt zu fühlen. Doch was zeichnet diejenigen aus, die Gebrauch von dieser Möglichkeit machen, die durch die Verbreitung von Mobilgeräten und mobilem Internet nahezu immer und jeden Orts möglich ist? Dies stellt den Ausgangspunkt der vorliegenden Arbeit dar, welche sich auf die aktive Nutzung von Social Networking Sites (im Folgenden SNSs genannt) und die Persönlichkeitsmerkmale von deren Nutzern1 fokussiert.

Es wurde konstatiert, „dass wir in einem Zeitalter des Narzissmus leben“ (Diamond, 2006, S. 171), welcher hier zunächst „ganz allgemein die Konzentration des seelischen Interesses auf das Selbst“ (Möhler & Resch, 2006, S. 37) bezeichnet, um an späterer Stelle näher definiert zu werden. Twenge und Campbell (2009) erweiterten diese Einschätzung indem sie überspitzt von einer Epidemie des Narzissmus sprachen, was begründet erscheint vor dem Hintergrund eines, in verschiedenen Kulturen nachgewiesenen, allgemeinen Anstiegs des Narzissmus (Cai, Kwan, & Sedikides, 2012; Lee, Benavides, Heo, & Park, 2014; Stewart & Bernhardt, 2010; Twenge, Konrath, Campbell, & Bushman, 2008; Twenge & Foster, 2010). Dies schlug sich unter anderem darin nieder, dass eine Zunahme von selbstreferentiellen Textpassagen in der Pop-Musik zu verzeichnen war (DeWall, Pond, Campbell, & Twenge, 2011), sowie eine signifikante Zunahme der eigenen Wahrnehmung als wichtige Person unter Jugendlichen nachgewiesen werden konnte (Newsom, Archer, Trumbetta, & Gottesman, 2003). Der Anstieg des Narzissmus waren primär zu verzeichnen, bevor sich durch SNSs neue vielfältige technologische Möglichkeiten ergaben verstärkt auf die den Narzissmus charakterisierenden „Taten und körperliche Attribute unverhältnismäßig viel Wert zu legen“ (Broadhurst, 1980 zitiert in Pöldinger, 1987, S. 158). Neben dem Fokus auf dem Narzissmus soll auch das Persönlichkeitsmerkmal der Extraversion Berücksichtigung finden, welches hier zunächst als das Streben nach sozialen Interaktionen beschrieben werden kann und im theoretischen Teil der Arbeit näher erläutert wird. Bei Betrachtung der Nutzung von SNSs und der dieser zugrundeliegenden sozialen Komponente erscheint es unumgänglich die Extraversion zu berücksichtigen aufgrund der Verbindung zwischen dem Kern der SNSs und der Extraversion. Wie auch für den Narzissmus, konnte für die Extraversion bevor die SNSs Popularität erlangten, ein Anstieg in dem Persönlichkeitsmerkmal nachgewiesen werden (Twenge, 2001).

Bei der Betrachtung der SNSs werden im Rahmen dieser Bachelorarbeit die Netzwerke Facebook und Instagram herangezogen. Die übergeordnete gesellschaftliche Bedeutung der beiden Netzwerke spiegelt sich in deren weltweiten Nutzerzahlen mit mehr als 2 Milliarden (Facebook) und 700 Millionen (Instagram) wider (Facebook, 2017; Instagram, 2017). Der Erfolg der SNSs, maßgeblich durch den rapiden Anstieg der Nutzerzahlen definiert, deren integraler Bestandteil im Alltagsleben der Nutzer (Ivcevic & Ambady, 2013) sowie deren allgemeine verbreitete Nutzung als primäres Kommunikations- und Networking Tool (Boyd & Ellison, 2007; Valkenburg & Peter, 2009) stellen erste gewichtige Gründe dar, sich dezidiert mit diesen auseinanderzusetzen.

Den SNSs wohnen technologische Möglichkeiten und Strukturen inne, die dem Nutzer eine nahezu komplette Steuerung und Kontrolle seiner Selbst-Präsentation ermöglichen. Der Nutzer kann entscheiden, wann er welche Inhalte veröffentlicht und ist hiermit einem verminderten zeitlichen Druck in der Kommunikation ausgesetzt. Dies ermöglicht ihm eine wohlüberlegte Präsentation seines Selbst auf SNSs und es besteht die Möglichkeit den Adressatenkreis, in Form von Freunden und Followern, selbst festzulegen indem Privatsphäre-Einstellungen reguliert werden. Darüber hinaus können Inhalte durch den Nutzer wieder gelöscht werden, was die Kontrolle erhöht, besonders im Vergleich zu klassischen Kommunikationsformen wie der E-Mail oder dem f2f-Gespräch. SNSs bieten somit dem Nutzer die Möglichkeit mit einfachen Mitteln und geringem Aufwand ein großes Publikum zu erreichen und von eben diesem Bestätigung und Anerkennung zu erfahren. Zieht man vor diesem Hintergrund die Persönlichkeitsmerkmale des Narzissmus und der Extraversion heran, so kann eine bedeutende Beziehung ausgemacht werden. Zum einen ist die Extraversion geprägt durch das Streben nach sozialen Interaktionen. Zum anderen nutzen Narzissten strategisch interpersonelles Verhalten, um ihr übermäßig positives Selbst-Bild aufzubauen und aufrechtzuerhalten (Morf & Rhodewalt, 2001). Es konnte zudem eine Verbindung zwischen dem Narzissmus und der Selbst-Promotion und Selbst-Erhöhung nachgewiesen werden (Wallace & Baumeister, 2002). Berücksichtigt man nun die zuvor erläuterten typischen Merkmale der SNSs, so wird klar, dass SNSs in vielen Belangen ein ideales Werkzeug darstellen, um die Charakteristika der beiden Persönlichkeitsmerkmale zu befriedigen.

Aufbauend auf den dargestellten Zusammenhängen soll im Rahmen dieser Studie die Beziehung zwischen den Persönlichkeitsmerkmalen des Narzissmus, der Extraversion und der Nutzung von SNSs ergründet werden. Zudem findet im theoretischen Bereich das Verhältnis zwischen dem Persönlichkeitsmerkmal des Narzissmus als Ursache und Symptom für die Nutzung von SNSs Berücksichtigung. Es lässt sich somit die folgende übergeordnete Forschungsfrage formulieren:

Inwiefern sind der Narzissmus und die Extraversion mit der SNS-Nutzung verbunden?

Zur Beantwortung der Forschungsfrage wird im theoretischen Teil der Arbeit zunächst zwischen dem offenen und verdeckten Narzissmus differenziert. Im Anschluss daran werden die Extraversion sowie die Merkmale der Selbstpräsentation auf SNSs erläutert. Im weiteren Verlauf werden die Hypothesen, aufbauend auf dem Forschungsstand und dem theoretischen Hintergrund, hergeleitet, um durch die methodische Vorgehensweise und Auswertung beantwortet zu werden.

2. Theorie und Forschungsstand

Im Folgenden wird zunächst der theoretische Hintergrund dargestellt und erläutert. Im Anschluss daran wird der für die vorliegende Arbeit relevante Forschungsstand vorgestellt um auf der Basis von diesem, sowie dem theoretischen Hintergrund, die Hypothesen herzuleiten. Den Abschluss dieses Kapitels bildet eine Gegenüberstellung des Narzissmus als Ursache und Symptom der SNS-Nutzung.

2.1 Theoretischer Hintergrund

Zunächst werden die beiden stellvertretenden SNSs Instagram und Facebook erläutert. Daraufhin werden der allgemeine, der verdeckte und der offene Narzissmus, sowie die Extraversion, beleuchtet. Anschließend werden die aktive und passive Nutzung von SNSs definiert sowie die Möglichkeiten der Selbstpräsentation auf eben diesen dezidiert aufgezeigt.

2.1.1 Instagram und Facebook

Instagram startete seinen Dienst im Jahr 2010 und der Kern dieser Plattform besteht in der Möglichkeit der Nutzer, Fotos und Videos mit einem selbst festgelegten Kreis an Privatpersonen, Gruppen und Unternehmen zu teilen. Einen großen Bekanntheitsgrad erlangte Instagram durch die in die SNS integrierten Filter, welche es dem Nutzer erlauben, Fotos und Videos schnell und effizient zu bearbeiten, bevor sie geteilt werden. Die SNS definiert sich selbst als „home for visual storytelling for everyone from celebrities, newsroom and brands, to teens, musicians and anyone with a creative passion“ (Instagram, 2017). Indem sie sich gegenseitig Nachrichten schicken und die Inhalte anderer liken sowie kommentieren können, interagieren die Nutzer miteinander. Der Nutzer kann anderen Nutzern folgen, was darin resultiert, dass deren Inhalte im eigenen Feed des Nutzers angezeigt werden. Hieraus abgeleitet folgt, dass jeder Nutzer einsehen kann, wie vielen Nutzern er folgt (Abonnierte) und wie viele Nutzer ihm folgen (Follower).

Die SNS Facebook erschien bereits im Jahr 2004 und kann, wie auch Instagram, sowohl von Privatpersonen und Gruppen als auch von Unternehmen genutzt werden. Der Fokus liegt hier nicht nur auf der Verbreitung von bildlichem Material, sondern vielmehr auf einer Erweiterung dieser um die Komponente textlicher Inhalte. So fällt hier das Augenmerk auf ein wesentlich generelleres Nutzungsverhalten mit dem Slogan „Auf Facebook bleibst du mit Menschen in Verbindung und teilst Fotos, Videos und vieles mehr mit ihnen“ (Facebook, 2017). Die Nutzer verknüpfen sich mit einander durch Freundschaftsanfragen, welche in der Regel auf einem vorherigen Kontakt in der realen Welt beruhen und der Nutzer kann einsehen, wie viele Freunde er auf der Plattform hat. Sind zwei Nutzer mit einander befreundet, so werden deren Status Updates, welche aus Bildern, Texten oder beidem bestehen können, im jeweiligen News Feed des anderen Nutzers angezeigt und der Nutzer kann auf diese Inhalte antworten. Hier verfügt der Nutzer über die Möglichkeit differenziert festzulegen, wer seine Status Updates sehen kann und welche Inhalte anderer Nutzer ihm angezeigt werden. Im Gegensatz zu Instagram kann auf Facebook die Reaktion auf ein Status Update vielfältiger ausfallen, da hier u.a. Alternativen zum Like-Button sowie Bilder als Kommentare verwendet werden können.

Zwei neue Funktionen der SNSs stellen die Instagram Stories (Instagram, 2016), eingeführt im August 2016 (ebd., 2016), und die Funktion des Facebook Messenger Dienstes Mein Tag (Becker, 2017), eingeführt Anfang 2017 (Chudnovsky, 2017), dar. Charakteristisch für die beiden Funktionen ist, dass Fotos und Videos in Form einer Geschichte aneinandergereiht werden können, diese jedoch nur 24 Stunden für die anderen Nutzer sichtbar ist und danach automatisch gelöscht wird (Becker, 2017; Instagram, 2016). Diese zeitliche Limitierung steht in starkem Kontrast zu den üblichen Uploads auf den SNSs, welche im Profil des Nutzers konstant einsehbar sind. Die Distribution verläuft ähnlich wie bei dem Upload anderer Inhalte. So sind die Instagram Stories oberhalb zum Feed abrufbar, während Mein Tag horizontal zu den Chatverläufen zu sehen ist. Beide Funktionen erlauben es dem Nutzer die Bilder und Videos zu bearbeiten und hier unter anderem Grafik-Elemente zu integrieren.

2.1.2 Narzissmus

Das Persönlichkeitsmerkmal des Narzissmus, dessen Name aus einer griechischen Sage stammt, wurde und wird in verschiedenen Wissenschaften erforscht, deren Erkenntnisse im Folgenden als Grundlage für die Hypothesen-Generierung vorgestellt werden.

Der in der Einleitung kurz definierte Begriff des Narzissmus, welcher abstrakt die Regulation des Selbstwertgefühls von Individuen beschreibt, soll an dieser Stelle näher erläutert werden. So wird nach Deneke und Hilgenstock (2000) bei einer Differenz zwischen der momentanen Befindlichkeit eines Individuums und dessen angestrebtem Idealzustand der Befindlichkeit ein Regulationsprozess in Gang gesetzt, welcher das Ziel eines narzisstischen Gleichgewichts hat. Dies stimmt mit den Überlegungen von Kernberg (1988) überein, der von einem Abgleich zwischen dem Selbst und der Vorstellung des Ideal-Selbst und Ideal-Objekt spricht. Unter Berücksichtigung des Fokus des Individuums stellte Fromm (1980) fest, dass in Bezug auf den Narzissmus „alles und jedes, was keinen Teil der eigenen Person bildet oder nicht Gegenstand der eigenen Bedürfnisse ist, nicht interessiert, keine volle Realität besitzt“ (ebd., S. 180). Verbindet man die beiden Aspekte, so kann man konstatieren, dass die Konzentration auf das Selbst und das Streben nach einem Idealzustand die Hauptcharakteristika des Narzissmus darstellen.

Ursprünglich wurde diesem Prozess ein Modell der Triebbedürfnisse zugrunde gelegt, welches jedoch von einem Modell abgelöst wurde, welches sich auf das Selbst des Individuums und seine Beziehung zu den Selbstobjekten fokussiert (Kohut 1966, 1968, 1973, 1979; Kohut & Wolf, 1978). Ein Selbstobjekt beschreibt „weder ein Selbst noch ein Objekt, sondern es stellt eine Funktion dar, die das Objekt für das Selbst erfüllt“ (Wolf, 1987, S. 28) und dient somit „der Bildung und Aufrechterhaltung des Selbst als einer kohärenten Struktur“ (ebd., S. 28). Zentral sind die Selbstobjekte an dieser Stelle, da sie ein entscheidendes Bindeglied in dem Rückkopplungsprozess zwischen dem Individuum und seiner Umwelt und somit in der Ausbildung des Narzissmus darstellen.

Die Ausprägung des Persönlichkeitsmerkmals Narzissmus erstreckt sich entlang eines Kontinuums von einem normalen bis hin zu einem pathologischen. Zweitgenannter zeichnet sich durch eine übertriebene Ausrichtung und Konzentration des Selbst auf die eigene Person aus (Möhler & Resch, 2006), die das Alltagsleben der betroffenen Personen beeinträchtigt (Bierhoff & Herner, 2006). Der normale Narzissmus hingegen stellt einen natürlichen Prozess dar und ist durch eine „normale Regulation des Selbstwertgefühls gekennzeichnet“ (Kernberg, 1987, S. 13). Dessen Unbedenklichkeit wird durch Hartmann (2006) mit den zugespitzten Worten, dass „ein gewisses Maß an Selbstliebe … zweifellos wünschenswert“ (ebd., S. 12) ist, unterstrichen. An dieser Stelle ist hervorzuheben, dass sich die vorliegende Arbeit nicht auf den pathologischen Narzissmus bezieht, da dessen Erforschung im klinischen Bereich anzusiedeln ist und somit nicht im wissenschaftlichen Hintergrund des Forschers verordnet werden kann.

2.1.3 Fünf Verhaltensweisen des Narzissmus

Indem sich im Rahmen dieser Arbeit auf die aktive und objektive SNS-Nutzung, und somit ein Verhalten der Probanden, fokussiert wird, ist es unumgänglich verschiedene Verhaltensweisen in Bezug auf das Persönlichkeitsmerkmal des Narzissmus näher zu beleuchten. Kohut und Wolf (1978) untergliedern hierzu fünf verschiedene Narzissmus-Typen. Dem ersten Typus gehören „nach Spiegelung hungernde Persönlichkeiten“ (Kohut & Wolf, 1978, S. 677) an. Sie sind charakterisiert durch den Trieb „die Aufmerksamkeit anderer zu erregen“ (ebd., S. 677) und „sich auffällig zur Schau zu stellen“ (Wolf, 1987, S. 34). Durch eben dieses Verhalten wird versucht eine Reaktion des Umfelds hervorzurufen, die das Selbstwertgefühl des Narzissten stützt und stärkt. Narzissten vom zweiten Typus, welche einen „Hunger nach Idealfiguren“ (Wolf, 1987, S. 35) aufweisen, sind „ständig auf der Suche nach anderen, die sie wegen ihres Prestiges, ihrer Macht, ihrer Schönheit, Intelligenz oder ihrer moralischen Größe bewundern können“ (Kohut & Wolf, 1978, S. 678). Dieser Typus erlebt sich selbst als wertvoll, so lange er sich mit den idealisierten Selbstobjekten in Verbindungen bringen und zu diesen aufschauen kann. Drittens wurden die „Alter-Ego hungrigen Persönlichkeiten“ (Wolf, 1987, S.35) identifiziert. Diese streben nach Bestätigung durch ein anderes Selbst, mit welchem sie sich durch ein ähnliches äußeres Erscheinungsbild sowie Meinungs- und Werte-Ansichten verbunden fühlen (ebd., S. 35). Die beschriebenen drei Typen sind dem normalen Narzissmus zuzuordnen, da sie nach Kohut und Wolf (1978) „im Alltagsleben häufig anzutreffen“ (ebd., S. 678) sind und „Varianten der normalen menschlichen Persönlichkeit mit ihren Vorzügen und Defekten“ (ebd., S. 678) darstellen. Dem gegenüber stehen „kontaktvermeidende Persönlichkeiten“ (Kohut & Wolf, 1978, S. 679) und „nach Verschmelzung hungrige Persönlichkeiten“ (Wolf, 1987, S. 35). Diese beiden Typen können dem pathologischen Spektrum zugeschrieben werden und finden daher in dieser Arbeit keine Berücksichtigung.

Betrachtet man die drei relevanten Typen und verbindet diese mit den Charakteristika der SNSs, so können die SNSs als Werkzeug zur Befriedigung der Bestrebungen der Typen ausgemacht werden. Durch die den SNSs innewohnende Möglichkeit ein großes Publikum ansprechen zu können, kann der Nutzer dessen Aufmerksamkeit erregen und sein Selbst durch die Reaktion der Rezipienten spiegeln. Darüber hinaus kann der Nutzer durch die SNSs mit seinen Idealfiguren in einem wesentlich engeren Kontakt stehen, als es in der Offline-Welt in der Regel der Fall ist. So können unter anderem Prominente in ihrem Alltagsleben wesentlich intensiver verfolgt werden. Hier stellen SNSs ein Mittel für den Nutzer dar, auf bisher unbekannte Art und Weise ihren Drang nach Bewunderung konstant zu bedienen und zu befriedigen. Indem auf SNSs das äußere Erscheinungsbild und die Ansichten anderer Nutzer mit wenig Aufwand eingesehen und verfolgt werden können, erlauben sie zudem dem Nutzer die schnelle Bildung und Bestätigung eines Alter-Egos. Neben diesen spezifischen Charakteristika der SNSs wird die Verbindung der SNSs allgemein zu den Typen besonders deutlich vor dem Hintergrund der Aussage von Kohut und Wolf (1978), dass die Typen dazu neigen „einen Ersatz nach dem anderen zu suchen“ (ebd., S. 678). Die von Schnelllebigkeit geprägten SNSs können hier als Nährboden dienen, um schnell und mit wenig Aufwand immer wieder eben diesen Ersatz ausfindig zu machen.

2.1.4 Offener und verdeckter Narzissmus

Besondere Berücksichtigung soll in der vorliegenden Arbeit die Differenzierung des Narzissmus in zwei Typen erfahren. In der frühen klinischen Forschung differenzierten Kernberg (1975, 1986) und Kohut (1977) diesen in den offenen und den verdeckten Narzissmus. Im weiteren Verlauf identifizierte Gabbard (1989) den unbeirrten und hypervigilanten Narzissten, während zuvor Rosenfeld (1981) den dünn- und dickhäutigen Narzissten ausgemacht hatte. Diese klinischen Herleitungen weisen starke inhaltliche Überschneidungen auf, was Wink (1991) dazu veranlasste, die Typologien auf ein erstes nicht-klinisches Sample anzuwenden. Er differenzierte in seiner Studie (1991) die beiden Konstrukte „Vulnerability-Sensitivity“ (ebd., S. 590) und „Grandiosity-Exhibitionism“ (ebd., S. 590) und dessen Ergebnisse waren konsistent mit der Annahme der Typologie eines offenen und verdeckten Narzissmus (ebd., S. 596). Die Sichtweise auf den Narzissmus als orthogonales Konstrukt wurde mehrfach empirisch gestützt und bewiesen (Dickinson & Pincus, 2003; Hendin & Cheek, 1997; Miller et al., 2011; Rathvon & Holmstrom, 1996; Zeigler-Hill, Clark, & Pickard, 2008). In dieser Arbeit wird für die beiden übergeordneten Konstrukte, welche in der Vergangenheit mit unterschiedlichen Begrifflichkeiten adressiert wurden, die Bezeichnung des offenen und verdeckten Narzissmus gewählt, da sie die umfassendste Benennung und Typologie darstellen.

Der offene Narzissmus zeichnet sich nach Wink (1991) durch eine Verbindung zu „aggressiveness, self-assuredness, and the need to be admired by others“ (ebd., S. 596) aus. Dieser ist primär durch den unmittelbaren Ausdruck der eigenen Wichtigkeit sowie des Exhibitionismus geprägt (ebd., S. 591), mit dem Ziel, die Bewunderung des Umfelds hervorzurufen. Darüber hinaus sind in den Handlungen dieses Typen aggressive und dominante Merkmale auszumachen (Miller et al., 2011). Das Auftreten von Personen, die diesem Ende des Spektrums zuzuordnen sind, ist geprägt von sozialer Kompetenz (Miller et al., 2011) und von einem hoch sensiblen Motivations-System, welches sie hin zum gewünschten Idealzustand treibt (Foster & Trimm, 2008). Raskin und Hall (1981) schrieben diesem Typen zudem das Merkmal der Extraversion zu.

Im Gegensatz zum offenen Narzissten zeichnet sich der Verdeckte durch Überempfindlichkeit, Verletzlichkeit, Unsicherheit und einen sozialen Rückzug aus (Dickinson & Pincus, 2003; Hendin & Cheek, 1997; Miller et al., 2011). So ist sein Auftreten durch Schüchternheit und Zaghaftigkeit geprägt (Miller et al., 2011; Wink, 1991). Hendin und Cheek (1997) schreiben diesem Typen einen negativen Zusammenhang mit dem Persönlichkeitsmerkmal der Extraversion zu, was gegensätzlich zum offenen Narzissmus eingestuft werden kann. Jedoch konstatierte Wink (1991), dass die persönlichen Beziehungen des verdeckten Narzissten zeitgleich von „self-indulgence, conceit and arrogance, and an insistince on having their own way“ (ebd., S. 596) geprägt sind.

Die beiden vorgestellten Typen teilen verschiedene Kern-Charakteristika des Narzissmus welche die Missachtung anderer sowie den erhöhten Anspruch gegenüber ihrer Umwelt umfassen (Besser & Priel, 2010; Wink, 1991). Zudem sind beide Typen der Auffassung, dass sie eine besondere Behandlung durch ihr Umfeld erfahren sollten (Miller et al., 2011). Der Kern der Differenz der beiden Typen ist jedoch in der zugrundeliegenden Begründung auszumachen. So ist das Verlangen nach einem besonderen Umgang für den verdeckten Narzissten in seiner Fragilität begründet, während der offene Narzisst diese durch seine Ansicht, dass er besser als sein Umfeld sei, legitimiert (Miller et al., 2011). Somit verstecken verdeckte Narzissten ihre Gefühle und Verhalten hinter einer „facade of inhibition, modesty and concern for others“ (Zeigler-Hill et al., 2008, S. 756), wohingegen offene Narzissten diese offen ausleben.

2.1.5 Extraversion

Nachdem in der Einleitung und im theoretischen Teil zum Narzissmus bereits auf die Extraversion eingegangen wurde, soll sie an dieser Stelle beleuchtet werden. Die Extraversion ist Teil der „Big Five“, welche fünf Eigenschaften umfasst, die als kulturübergreifende und stabile Persönlichkeitskomponenten konstatiert wurden (Angleitner & Ostendorf, 1994; Asendorpf, 2007; Costa & McCrae, 1992). Nach Costa und McCrae (1992) kann die Extraversion allgemein beschrieben werden als die Eigenschaft eines Individuums, nach sozialen Interaktionen zu streben und somit kontaktfreudig zu sein. In einer neueren Studie wurde dies durch Ashton, Lee und Paunonen (2002) gestützt, indem die soziale Aufmerksamkeit als die zentrale Funktion der Extraversion herausgearbeitet wurde. So zeigt sich die Extraversion unter anderem darin, dass Extravertierte durch ihre Selbstdarstellung versuchen, das Interesse ihres Umfelds auf sich zu konzentrieren, um hierdurch viele Kontakte knüpfen zu können (Borkenau & Ostendorf, 1993).

Im Kontext von SNSs muss die Extraversion berücksichtigt werden, da sie für das Verhalten auf diesen von entscheidender Bedeutung ist. So können durch die SNSs soziale Kontakte wesentlich schneller und mit weniger Aufwand geknüpft werden, als es in der Offline-Welt der Fall ist. Zudem kann eine in der Offline-Welt unerreichte Anzahl an sozialen Kontakten aufgebaut werden. So verfügen einzelne Nutzer auf der Plattform Instagram über mehrere Millionen Follower (Socialblade, 2017), deren Interesse im Regelfall auf der Selbstdarstellung des Nutzers liegt. Eine weitere Eigenschaft die SNSs als Medium für Extravertierte herausstellt, ist die Möglichkeit der räumlich und zeitlich unabhängigen sozialen Interaktion. Hier können die Nutzer über Likes, Kommentare und Nachrichten interagieren, ohne jedoch räumlich und zeitlich an einander gebunden zu sein. Diese Art der Interaktion kann nicht mit der physischen Interaktion in der Offline-Welt von Individuen gleichgestellt werden, jedoch ist festzuhalten, dass die vorgestellten Merkmale der SNSs die Eigenschaften eines Extravertierten ansprechen und befriedigen können.

2.1.6 Aktive und passive Nutzung

Im Hinblick auf die Nutzung von SNSs muss eine grundsätzliche Differenzierung vorgenommen werden, da hier zwei verschiedene Nutzungsmerkmale ausgemacht werden können. Auf der einen Seite kann ein aktiver Nutzer der SNSs ausgemacht werden, welcher durch Davenport et al. (2014) als ein „ creator of content (e.g., status updates, tweets, picture posts, likes, comments, etc.)” (ebd., S. 213) charakterisiert wird. Auf der anderen Seite werden „ consumer of content” (ebd., S. 213) identifiziert, welche die kreierten Inhalte rezipieren, ohne jedoch eigene Inhalte zu generieren. Hier ist zu betonen, dass eine strikte Einordung eines Nutzers zu einem der beiden Nutzertypen im Regelfall nicht möglich ist, da zumeist beide Merkmale auftreten und man somit den jeweiligen Nutzer eher eine Tendenz zu einem der Typen zuschreiben kann, als dass eine trennscharfe Zuordnung vollzogen werden kann. Der Fokus dieser Arbeit liegt auf den objektiv nachvollziehbaren und durch den Nutzer einsehbaren Merkmalen seiner SNS-Nutzung. Dies lässt sich aus dem aktiven Prozess des Narzissmus, auf das eigene Selbst konzentriert zu sein und diesen Gefühlszustand regulieren zu wollen, ableiten. So ist zu vermuten, dass die objektiven Merkmale (wie Status Updates und der Upload von Bildern) einen relevanteren Bezugspunkt für den Narzissmus darstellen, als die reine Rezeption von SNS-Inhalten. Zudem schließt der klare Fokus auf die aktive Nutzung eine Verwischung der beiden Typen aus, welche unter anderem durch die Betrachtung der reinen Nutzungszeit von SNSs auftreten kann (Davenport et al., 2014, S. 213).

2.1.7 Selbstpräsentation

Die Möglichkeit der SNS-Nutzer, sich über Status Updates (Facebook) oder den Upload von Bildern (Instagram) mitzuteilen, birgt verschiedene Charakteristika, welche vor dem Hintergrund der Extraversion und des Narzissmus hervorgehoben werden müssen.

So ist die Art und Weise, in der Nutzer auf eben diese Inhalte eingehen können klar vorgegeben. In Form von Likes und anderen Empathie suggerierenden Buttons kann der Nutzer sein positives Empfinden gegenüber den Inhalten eines anderen Nutzers ausdrücken. Indem die SNSs hierdurch eine deutlich positive Feedback-Struktur und Kultur vorgeben, ist die Wahrscheinlichkeit, dass ein Nutzer auf seinen generierten Inhalt eine positive Rückmeldung erhält, hoch. Hiermit verknüpft ist die Erkenntnis von Valkenburg, Peter und Schouten (2006), die aufzeigten, dass positives Feedback das Selbstwertgefühl und Wohlbefinden des betroffenen Nutzers steigert. Die grundlegende positive Feedback-Struktur der SNSs sowie die damit einhergehende Wirkung auf den Nutzer können einen ersten Anreiz für den Narzissten darstellen, sich über SNSs seinem Umfeld mitzuteilen. An dieser Stelle darf jedoch nicht vernachlässigt werden, dass trotz dieser positiven Feedback-Struktur die Möglichkeit besteht, negative Kommentare zu verfassen, was der angestrebten positiven Rückmeldung des Narzissten entgegenlaufen würde. Jedoch kann der Nutzer im Rahmen der Richtlinien der jeweiligen SNS Kommentare und Rückmeldungen melden, was zu einer Löschung besagter Inhalte führen kann. Dies mindert die Gefahr einer negativen Rückmeldung durch das Umfeld des Nutzers.

Neben der allgemeinen Feedback-Struktur der SNSs soll der Inhalt und seine Distribution durch die Nutzer näher beleuchtet werden. So bieten SNSs dem Nutzer die Möglichkeit, den Zeitpunkt der Verbreitung sowie den Inhalt selbst zu bestimmen, was insbesondere im Vergleich zu klassischen Gesprächsformen wie dem f2f-Gespräch einen hohen Grad an Kontrolle darstellt. Darüber hinaus können Inhalte nach dem Upload auch wieder gelöscht werden, was die Möglichkeit der differenzierten Selbstpräsentation untermauert. Über diesen Grad der Kontrolle verfügt der Nutzer auch, wenn er auf die Rückmeldungen seines Umfelds eingeht. So besteht hier die Möglichkeit, das gewünschte Selbst zu präsentieren, ohne dem zeitlichen Druck ausgesetzt zu sein, der in f2f-Konversationen vorzufinden ist. Hinsichtlich der Inhalte von Facebook Status Updates konnte für den offenen Narzissmus nachgewiesen werden, dass eine stärkere Ausprägung von diesem mit einem höheren Grad der Selbst-Darstellung einhergeht (Winter et al., 2014). Dies verwundert nicht vor dem Hintergrund des aktiven und energischen Auftreten des offenen Narzissten gegenüber seinem Umfeld. Hieraus, und basierend auf seinen Charakteristika, lässt sich auch die Annahme herleiten, dass der offene Narzisst zu einem aktiveren SNS-Verhalten und hier insbesondere zu einer stärkeren Generierung von Inhalten neigt.

Von großer Bedeutung ist zudem das Publikum, welchem sich der jeweilige Nutzer über SNSs präsentiert und hier im Besonderen die Freunde/Follower des jeweiligen Nutzers. Mit einer höheren Anzahl eben dieser erhöht sich auch die Wahrscheinlichkeit auf geteilte Inhalte eine positive und insgesamt mehr Rückmeldung zu erhalten. Darüber hinaus stellt die Anzahl der Freunde/Follower einen Maßstab der Beliebtheit auf der jeweiligen SNS dar und kann somit zur Steigerung des Selbstwertgefühls des Nutzers beitragen. Für den offenen Narzissten ist hier zu vermuten, dass er über eine größere Anzahl an Freunden/Followern verfügt als der verdeckte Narzisst. Dies leitet sich aus seiner positiven Verbindung mit der Extraversion ab, welcher der Drang nach vermehrter sozialer Interaktion innewohnt. Als logische Konsequenz ist demnach ein aktiveres Auftreten mit mehr generierten Inhalten auf den SNSs zu erwarten, welche die Aufmerksamkeit eines größeren Kreises auf sich zieht. Zum anderen erscheint diese Verknüpfung stringent vor dem selbstbewussten und von sozialer Kompetenz geprägten Verhalten der offenen Narzissten. So konnte insgesamt eine positive Verbindung zwischen dem offenen Narzissmus und der Anzahl an Freunden auf SNSs nachgewiesen werden (Bergman, Fearrington, Davenport, & Bergman, 2011; Buffardi & Campbell, 2008; McKinney, Kelly, & Duran, 2012; Winter et al., 2014) wenn auch dieser Zusammenhang für Instagram negiert wurde (Moon, Lee, Lee, Choi, & Sung, 2016). Neben den Freunden/Followern müssen hier im spezifischen in Bezug auf Instagram die abonnierten Instagram Accounts berücksichtigt werden. So bieten die abonnierten Accounts zum einen die Möglichkeit, sich über aktuelle Trends in Kenntnis zu setzen und darüber hinaus mit den abonnierten Accounts über Likes und Kommentare in Kontakt zu treten. Hierdurch bieten sie dem Nutzer auf der einen Seite die Möglichkeit, sein eigenes Auftreten durch die Betrachtung anderer Accounts zu optimieren und darüber hinaus durch die positive Interaktion mit diesen, positives Feedback auf die eigenen Inhalte zu fördern. Aufbauend auf den vorgestellten Charakteristika des offenen Narzissten ist für diesen zu vermuten, dass er über eine größere Anzahl an Abonnierten verfügt, während der verdeckte Narzisst beruhend auf seiner Unsicherheit eine geringere Anzahl verzeichnet.

Im Folgenden wird die Wahl von Instagram und Facebook begründet und der Unterschied der Mitteilung durch Bilder und Texte differenziert. Facebook und Instagram werden betrachtet, da erstgenannte Plattform den Nutzern ein breites Spektrum an Mitteilungsmöglichkeiten offeriert, welches Bilder und Texte umfasst, während Instagram dem Nutzer nur die Möglichkeit der bildlichen Mitteilung bietet. Die Differenzierung in die beiden Mitteilungs-Formen begründet sich in deren nachgewiesenen unterschiedlichen Effekten. So wurde eine Verbindung zwischen der Nutzung von visuellen sozialen Netzwerken und einem Anstieg der Lebenszufriedenheit nachgewiesen, während ein solcher Effekt für die text-basierte Nutzung nicht eintrat (Pittman & Reich, 2016). Dies lässt sich auch auf den Narzissmus übertragen. So kann die Darstellungsmöglichkeit durch ein Bild auf einer von Schnelllebigkeit geprägten SNS einfacher eine Rückmeldung des Umfelds generieren als z.B. ein ausführlicher Text, welcher von den anderen Nutzern verlangt, dass diese für die Rezeption mehr Zeit aufwenden müssen.

Neben den traditionellen Größen der SNS-Nutzung soll auch die der Instagram Stories und der Funktion Mein Tag untersucht werden finden. Diese Integrierung begründet sich in dem in der bisherigen Forschung nicht ergründeten Adaptions-Verhalten der offenen und verdeckten Narzissten. So wird an dieser Stelle erwartet, dass der offene Narzisst neue Funktionen der SNSs eher als Bedürfnis-befriedigende Mittel wahrnehmen wird und aufgrund des erhöhten Selbst-Bildnisses gegenüber seines Umfelds diese auch schneller nutzen wird. Für den verdeckten Narzissten hingegen wird, beruhend auf dem Merkmal der Zaghaftigkeit, davon ausgegangen, dass er neue Funktionen und deren Nutzung zunächst beobachtet und diese nicht sofort selbst aktiv einsetzt.

Vor dem Hintergrund der Differenzierung der beiden Typen des Narzissmus ist es notwendig, die im Rahmen der SNS-Nutzung vielfach diskutierten Möglichkeiten der Privatsphäre-Einstellungen zu betrachten. Neben den Annahmen zur Anzahl an Freunden/Followern der beiden Narzissmus-Typen lässt sich eine unterschiedliche Ausprägung hinsichtlich deren Privatsphäre-Einstellungen vermuten. So erscheint es stringent, anzunehmen, dass der offene Narzisst aufgrund des größeren Publikums auf SNSs weniger Wert auf diese Einstellungen legt, da seine Inhalte bereits von einer breiteren Masse an Menschen eingesehen werden können. Diese Annahme konnte durch Ahn, Kwolek und Bowman (2015) gestützt werden, da sie aufzeigten, dass der verdeckte Narzissmus einen signifikant positiven Effekt auf die Absicht, die Privatsphäre auf SNSs kontrollieren zu wollen, hat (ebd., S. 375). Für den offenen Narzissmus konnte hier jedoch keinen Effekt nachgewiesen werden (ebd., S. 375). Neben der reinen Absicht konnte zudem nachgewiesen werden, dass verdeckte Narzissten Aktivitäten auf SNSs vermeiden, welche die Privatsphäre gefährden, während für offene Narzissten keine solche Verbindung aufgezeigt werden konnte (ebd., S. 379). Somit ist für den offenen Narzissten davon auszugehen, dass er den Privatsphäre-Einstellungen einen geringeren Grad an Aufmerksamkeit zuteilwerden lässt, primär beruhend auf seinem Drang ein möglichst großes Publikum anzusprechen. Insofern er sich diesen widmet ist jedoch davon auszugehen, dass diese möglichst extensiv eingestellt werden, um eben jenes große Publikum aufzubauen und aufrechtzuerhalten, was durch Utz und Krämer (2009) für die Öffentlichkeit des Profils nachgewiesen werden konnte. Für den verdeckten Narzissten ist hingegen von einem höheren Grad an Aufmerksamkeit und einer restriktiveren Auslegung seiner Privatsphäre-Einstellungen auszugehen, aufbauend auf seinen Merkmalen der Schüchternheit und des sozialen Rückzugs.

2.2 Forschungsstand und Hypothesen

Neben dem theoretischen Hintergrund können die Ergebnisse verschiedener Studien und ein darin auftretender Widerspruch als Ausgangspunkt der vorliegenden Arbeit benannt werden. Dieser soll durch die Optimierung der in den Ausgangsstudien verwendeten Methoden ergründet werden, was zunächst die Vorstellung des Widerspruchs und die Kritik an der bisherigen Forschung begründet.

In Bezug auf die Verbindung des Persönlichkeitsmerkmals des Narzissmus und der Häufigkeit von Status Updates können auf der einen Seite Studien identifiziert werden, die eine Verbindung nachweisen können. So konnten Ong et al. (2011) feststellen, dass der Narzissmus über die Extraversion die Häufigkeit von Status Updates auf Facebook signifikant hervorsagt. An dieser Stelle muss jedoch kritisiert werden, dass die Frequenz der Status Updates offen abgefragt wurde, um anschließend auf ein wöchentliches Maß umkodiert zu werden. Diese Vorgehensweise erscheint, vor dem Hintergrund der Validität der Daten und vor der Schwierigkeit für die Probanden die Anzahl der Status Updates reliabel zu beziffern, nicht ideal. Im Einklang mit diesem Ergebnis stehen die Befunde von Panek, Nardis und Konrath (2013), sowie Winter et al. (2014), die den Narzissmus als signifikanten Prädiktor für Facebook Status Updates nachweisen konnten. Kritisiert werden muss, dass Winter et al. (2014) nur textliche Status Updates berücksichtigten, während Panek et al. (2013) keine Differenzierung der Status Updates vornahmen. Zudem erfragten Winter et al. (2014) nur das SNS-Verhalten der Probanden der letzten vier Wochen. Dies ermöglicht den Probanden eine validere Aussage hinsichtlich ihres SNS-Verhaltens, beschränkt sich jedoch auf einen sehr kurzen Zeitraum von deren Nutzungsverhalten.

Diesen Ergebnissen stehen Studien gegenüber, die eine Verbindung des Narzissmus und der Frequenz der Status Updates in der zuvor gezeigten Stärke negieren. So stellten Buffardi und Campbell (2008) in Bezug auf Facebook fest, dass der Narzissmus zwar signifikant mit der Quantität an sozialen Interaktionen, bestehend aus der Anzahl an Freunden und kumulierten Wallposts, korrelierte, bei genauerer Betrachtung die kumulierten Wallposts jedoch nur marginal mit dem Narzissmus verbunden waren (ebd., S. 1313). Kritisch müssen hier zudem die kumulierten Wallposts betrachtet werden, da diese nicht nur die eigenen Beiträge des Nutzers erfassen, sondern darüber hinaus auch die seines Umfelds. Diese Berücksichtigung und Integrierung des Umfelds verwischt den Fokus auf die individuelle Verknüpfung der Persönlichkeitsmerkmale und der SNS-Nutzung. Bergman et al. (2011) kamen zu dem gleichen Ergebnis, indem sie auf SNSs allgemein bezogen feststellten, dass der Narzissmus nicht signifikant verbunden war mit der Frequenz der geposteten Status Updates. Hier wurde jedoch, wie auch durch Buffardi und Campbell (2008), keine Differenzierung der jeweiligen Status Updates vorgenommen. Eine eben solche Differenzierung wurde durch große Deters, Mehl und Eid (2014) in Bezug auf Facebook vorgenommen, indem Status Updates nur als Text berücksichtigt wurden. Hier zeigte sich der Narzissmus nicht als signifikanter Prädikator der Status Updating Aktivität. War ein Link oder Foto Teil eines Status Updates so wurde es nicht berücksichtigt. Diese starke Beschränkung des Forschungsgegenstands erscheint unbegründet, da die Uploads von Links und Fotos zentrale Bestandteile der SNS Facebook darstellen und in Bezug auf das Persönlichkeitsmerkmal des Narzissmus nicht außen vorgelassen werden sollten. Evidenz für einen Zusammenhang liefern die Ergebnisse von McKinney et al. (2012), die nachwiesen, dass die Frequenz via Facebook über sich selbst zu posten nicht mit dem Narzissmus verbunden war. Neben dem Fokus auf Facebook und SNSs im Allgemeinen steht zudem die Studie von Moon et al. (2016) im Einklang mit diesen Befunden in Bezug auf Instagram. Diese zeigte eine nicht signifikante Verbindung zwischen dem Narzissmus-Level der Probanden sowie deren Anzahl an geposteten Bildern. Moon et al. (2016) ließen allerdings den Nutzungszeitraum des sozialen Netzwerks Instagram des jeweiligen Probanden unberücksichtigt. Dies zieht einen erheblichen Mangel in der Auswertung der untersuchten Beziehung nach sich, da die Anzahl der geposteten Bilder immer in Relation zu dem Nutzungszeitraum der SNS gesehen werden sollte, um einen validen Vergleich innerhalb der Stichprobe zu ermöglichen.

Es lässt sich festhalten, dass die bisherige Forschung zu keinem klaren Ergebnis kommen konnte hinsichtlich der Beziehung zwischen dem Narzissmus und der Status Update Aktivität (im Falle von Facebook der Status Updates, im Falle von Instagram der Anzahl der geposteten Bilder). Alle der vorgestellten Studien zogen zur Messung des Narzissmus das Narcissistic Personality Inventory (Raskin & Terry, 1988), oder aber kürzere Abwandlungen von diesem, heran. Diese Vorgehensweise erlaubt eine dezidierte Betrachtung des offenen Narzissmus, berücksichtigt jedoch nicht das Konstrukt des verdeckten Narzissmus. Um den dargelegten Widerspruch näher zu beleuchten, soll daher neben dem offenen Narzissmus auch der verdeckte Narzissmus der Probanden herangezogen werden. Die Notwendigkeit dieser differenzierteren Betrachtungsweise wird durch große Deters et al. (2014) mit den Worten „future research would benefit from not exclusively relying on the NPI but should additionally apply measures that distinguish well between different components of narcissism“ (ebd., S. 172) erkannt. Zudem wurde das Persönlichkeitsmerkmal der Extraversion in mehreren Studien nicht berücksichtigt (Bergman et al., 2011; Buffardi & Campbell, 2008; große Deters et al., 2014; McKinney et al., 2012; Moon et al., 2016; Panek et al., 2013). Die Integrierung der Extraversion ist sinnig vor dem Hintergrund, dass deren große Bedeutung für SNS-Verhalten aufgezeigt werden konnte (Correa, Hinsley, & de Zuniga, 2010; Hollenbaugh & Ferris, 2014), sie aber bei Winter et al. (2014) nicht als signifikanter Prädiktor von Status Updates fungierte. Darüber hinaus erscheint es schlüssig aufgrund der Differenzierung in den offenen und verdeckten Narzissmus, die Extraversion als trennendes Element zu berücksichtigen.

Die Extraversion, den offenen, und den verdeckten Narzissmus berücksichtigten Brailovskaia und Bierhoff (2012) in ihrer Studie zum sozialen Netzwerk StudiVZ. Die Befunde zeigten eine signifikante positive Korrelation zwischen der Anzahl an Pinnwandeinträgen, dem offenen sowie verdeckten Narzissmus und der Extraversion (ebd., S. 49). Kritisch betrachtet werden muss hier die Verwendung der Pinnwandeinträge, da diese nicht nur vom Nutzer selbst generiert werden konnten, sondern, wie in der Operationalisierung von Buffardi und Campbell (2008), auch von dessen Umfeld. Dies hat zur Folge, dass der Narzissmus nicht nur direkt in Relation zum Online-Verhalten des Nutzers gesetzt wird, sondern vor allem auch zu dem seines Umfelds. Dies erscheint problematisch bei der individuellen Untersuchung eines Persönlichkeitsmerkmals der Probanden. Zudem korrelierten der offene und verdeckte Narzissmus und die Extraversion mit der Anzahl an Fotoalben der Probanden (Brailovskaia & Bierhoff, 2012, S. 49). Dies ist jedoch nur von sehr beschränkter Aussagekraft, da die Alben-Anzahl keinen direkten Schluss auf die tatsächliche Anzahl an Fotos, der eigentlich interessanten Kennzahl, zulässt.

Aufgrund des bestehenden Widerspruchs in der aktuellen Forschung in Bezug auf den Zusammenhang von Narzissmus und objektiven Kriterien der SNSs (Häufigkeit der Uploads) ist es Ziel dieser Studie unter Berücksichtigung der Extraversion sowie der Differenzierung in den offenen und verdeckten Narzissmus diesen Zusammenhang genauer zu ergründen. Es werden anknüpfend an den aktuellen Forschungsstand und auf Basis der dargelegten theoretischen Hintergründe die folgenden Hypothesen hergeleitet:

Hla Je stärker der Grad des offenen Narzissmus, desto größer ist

a) die Anzahl der hochgeladenen Bilder
b) die Anzahl der Follower
c) die Anzahl der Abonnierten auf Instagram.

H1b Je stärker der Grad des verdeckten Narzissmus, desto geringer ist

a) die Anzahl der hochgeladenen Bilder
b) die Anzahl der Follower
c) die Anzahl der Abonnierten auf Instagram.

H2a Je stärker der Grad des offenen Narzissmus, desto stärker ist die aktive Nutzung der Funktionen

a) Instagram Stories
b) Mein Tag.

H2b Je stärker der Grad des verdeckten Narzissmus, desto schwächer ist die Nutzung der Funktionen

a) Instagram Stories
b) Mein Tag.

H3a Je stärker der Grad des offenen Narzissmus, desto häufiger wird auf Facebook

a) der Status geupdatet
b) ein Bild hochgeladen.

H3b Je stärker der Grad des verdeckten Narzissmus, desto seltener wird auf Facebook

a) der Status geupdatet
b) ein Bild hochgeladen.

H4 Je stärker der Grad des offenen Narzissmus, desto mehr Bilder werden im Verhältnis zu Texten hochgeladen.

H5a Je stärker der Grad des offenen Narzissmus, desto weniger restriktiv sind die Privatsphäre-Einstellungen hinsichtlich

a) Instagram
b) Facebook.

H5b Je stärker der Grad des verdeckten Narzissmus, desto restriktiver sind die Privatsphäre-Einstellungen hinsichtlich

a) Instagram
b) Facebook.

Aufbauend auf der nicht einheitlichen Berücksichtigung des Persönlichkeitsmerkmals der Extraversion in den Ausgangsstudien, soll zudem für jede Hypothese überprüft werden, wie sich der betrachtete Zusammenhang bei Kontrolle der Extraversion verhält.

2.3 Ursache und Symptom

Vor dem Hintergrund der gesellschaftlichen Bedeutung der SNS-Nutzung erscheint es nötig, deren Auswirkung auf einer abstrakteren Ebene zu beleuchten. Hierzu wird im Folgenden diskutiert, inwiefern der Narzissmus als Ursache für die SNS-Nutzung oder als Symptom eben dieser eingestuft werden kann. Zunächst werden die beiden Sichtweisen vorgestellt, um im Anschluss eine Zusammenführung der beiden zu erlauben.

Betrachtet man den Narzissmus als Ursache für die Nutzung von SNSs, so ist zunächst deren Beschaffenheit hervorzuheben. Die ideale Beschaffenheit dieser zur Befriedigung eines Narzissten wurde durch Bergman et al. (2011) festgehalten: „While we are not proposing that everyone who uses SNSs is a narcissist, the medium appears to provide the narcissistic individual an ideal opportunity to display vanity, self-promote, manipulate his/her public-image, and gain approval and attention” (ebd., S. 709). Welche Folge diese Beschaffenheit haben kann, zeigte Mehdizadeh (2010) in ihrer Studie welche sich mit der Online-Aktivität hinsichtlich der Status Updates auf Facebook beschäftigte. So wiesen Probanden mit erhöhten Narzissmus-Werten eine stärkere Online Aktivität auf, als diejenigen mit geringeren Werten (ebd., 2010). Über die reine Aktivität hinaus konnten Winter et al. (2014) zeigen, dass narzisstische Probanden mehr Eigen-Auskünfte und Eigenwerbung in ihre Facebook Status Updates integrierten und somit die Beschaffenheit intensiver nutzen. In Bezug auf Instagram stellten McCain et al. (2016) fest, dass der offene Narzissmus die Anzahl der Follower und Likes hervorsagen konnte. Zudem konnte Weiser (2015) eine positive Verbindung zwischen dem offenen Narzissmus und der Selfie-Posting Häufigkeit nachweisen. Zusammenfassend lässt sich festhalten, dass die aktivere Nutzung den Rückschluss zulässt, dass der Narzissmus für eben dieses Verhalten ursprünglich ist.

Betrachtet man hingegen den Narzissmus als Symptom der SNS-Nutzung, so muss die Erkenntnis von Hussain und Pearson (2015) in den Vordergrund gerückt werden, dass die Smartphone Nutzung allgemein den Narzissmus fördert, selbst bei Probanden welche als nicht narzisstisch eingestuft wurden. Indem sie die Smartphone Nutzung als Mittel zur Selbstwert-Steigerung nachwiesen, konnten sie die Nutzung als kausalen Faktor für narzisstischeres Verhalten der Probanden identifizieren (ebd., 2015). Dieser Nachweis unterstützt die Sichtweise, dass der Narzissmus als Symptom der SNS-Nutzung einzustufen ist.

Twenge und Campbell (2009) identifizieren den Narzissmus, aufbauend auf der Studie welche einen Anstieg im Persönlichkeitsmerkmal des Narzissmus nachweist (Twenge et al., 2008) zum einen als Ursache und zum anderen als Symptom der SNS-Nutzung. Diese Einordnung erscheint stringent vor dem wechselseitigen Verhältnis welches zwischen der Ursache und dem Symptom auszumachen ist. So leitet sich die Einstufung als Ursache aus einem aktiveren SNS-Verhalten narzisstischerer Nutzer ab und stellt dieses somit als Ausleben der narzisstischen Bedürfnisse dar. Die Einstufung als Symptom wird hingegen als Effekt der SNS-Nutzung angesehen und leitet sich primär aus einem passiven Nutzungsverhalten ab. Verbindet man die beiden Betrachtungsweisen, so ist der benannte wechselseitige Ablauf auszumachen. Zum einen stellen die strukturellen Merkmale der SNSs einen idealen Rahmen für die Befriedigung der Bedürfnisse eines Narzissten dar. Zum anderen wird das Persönlichkeitsmerkmal des Narzissmus durch die SNS-Nutzung verstärkt. Im erstgenannten Fall wird der Nutzer zur SNS-Nutzung angeregt durch den von ihm angenommenen eintretenden Effekt, während im zweiten Fall der Nutzer durch die Nutzung in seiner Persönlichkeit beeinflusst wird. Es ist offensichtlich, dass die beiden Betrachtungsweisen in einander greifen, da der Nutzer, bei dem der Narzissmus als Ursache ausgemacht werden kann, durch die Nutzung in seinem Persönlichkeitsmerkmal gestärkt wird und somit im Anschluss ein Symptom auszumachen ist. Der Nutzer, bei dem der Narzissmus als Symptom ausgemacht werden kann, wird jedoch auch als logische Konsequenz die SNSs zur Befriedigung seiner narzisstischen Bedürfnisse nutzen können. Hier ist das Symptom als einleitendes Element für die Ursache auszumachen.

Somit kann festgehalten werden, dass sowohl der Narzissmus als Ursache für die SNS-Nutzung als auch der Narzissmus als Symptom der SNS-Nutzung identifiziert werden kann und diese in einer sich gegenseitig verstärkenden Beziehung zu stehen scheinen. Eine klare Differenzierung beim jeweiligen Individuum in Ursache oder Symptom hingegen scheint schwierig. So ist die klare Benennung der kausalen Wirkungskette nur schwer festzustellen, da im Regelfall die SNS-Nutzung nicht der einzige Faktor ist, der sich auf das narzisstische Persönlichkeitsmerkmal des Individuums auswirkt. Zudem überprüfen die wenigsten Studien den Langzeiteffekt der SNS-Nutzung, aus welchem eine dezidiertere Ableitung möglich wäre, wie narzisstisch ein Proband vor der SNS-Nutzung war und inwiefern dieses Merkmal im Anschluss durch die Nutzung geprägt wurde.

3. Methodik

Um die in den Hypothesen dargelegte Verbindung zwischen den zwei Subdimensionen des Narzissmus sowie der Extraversion und der SNS-Nutzung der Individuen zu untersuchen wurde eine Online-Befragung durchgeführt. Diese Methode ist gerechtfertigt, da sie als primäres Mittel in den Bezugsstudien Anwendung fand. Hierdurch wird somit zumindest in Teilen eine Vergleichbarkeit mit diesen ermöglicht, was bezüglich des im Forschungstand dargestellten Widerspruchs als zweckmäßig erachtet werden kann. Darüber hinaus kann durch die der Online-Befragung innewohnende Anonymität der Einfluss der sozialen Erwünschtheit reduziert werden (Scholl, 2014, S. 58), was bei einem gesellschaftlich negativ konnotierten Thema wie dem des Narzissmus von großer Bedeutung ist. Zudem ermöglicht die Online Befragung den schnellen und effizienten Zugriff der Probanden auf ihre jeweiligen SNSs, welche im Fokus dieser Arbeit stehen. Die Datenerhebung, welche anhand des Online Fragebogen-Tools „SoSciSurvey“ (Leiner, 2014) durchgeführt wurde, erstreckte sich vom 06.06 bis zum 26.06.2017. Im ersten Teil der Befragung wurde der offene Narzissmus getestet, gefolgt vom Persönlichkeitsmerkmal der Extraversion. Im Anschluss daran wurde der verdeckte Narzissmus getestet und die relevanten SNS-Merkmale erhoben. Im Anhang kann sowohl der Fragebogen in der erläuterten Fassung mit den jeweiligen Bezugsquellen, sowie der Fragebogen welcher im Feld zum Einsatz kam, eingesehen werden.

3.1 Stichprobe

Der Link zur Online Befragung wurde auf der Facebook Seite des Forschers (Anhang 3) gepostet sowie im weiteren Verlauf durch das Schneeballverfahren im sozialen Umfeld des Forschers distribuiert. Es wurden darüber hinaus Freunde, Bekannte und Familienmitglieder via Facebook persönlich kontaktiert, um eine erhöhte Rücklaufquote zu generieren (Anhang 3). Hierbei wurde besonderes Augenmerk daraufgelegt, Personen zu integrieren, die neben einem Facebook Account auch über einen Instagram Account verfügen. Im sozialen Umfeld des Forschers war anhand eines Abgleichs von Facebook und Instagram Nutzern auszumachen, dass die Nutzer entweder beide SNSs nutzen oder nur Erstgenanntes, nicht jedoch nur Zweitgenanntes, was eine Distribution über diese SNS nicht sinnig erschienen ließ. Aufgrund des Forschungshintergrundes wurden nur Probanden berücksichtigt, welche Facebook und/oder Instagram nutzten. Dieses Kriterium führte zum Ausschluss von neun Probanden. Aufgrund des relativ kurzen Bestehens der SNSs Facebook und Instagram wurden insbesondere jüngere Probanden bei der Distribution angesprochen. Dies leitet sich zum einen aus der weniger positiven Einstellung älterer Menschen gegenüber neuen Technologien (Rosen, Whaling, Carrier, Cheever, & Rokkum, 2013, S. 2505), sowie aus der verbreiteten Nutzung der SNSs im jugendlichen und jungen Erwachsenen Alter (SevenOne Media, 2017; We are Social, 2017) ab.

Von insgesamt 415 Probanden, welche den gesamten Fragebogen ausfüllten, konnten weitere drei nicht berücksichtigt werden. Während die maximale Freundesanzahl auf Facebook bei 5000 liegt, gab ein Proband hier einen Wert von 8000 an, was zum Ausschluss seiner Daten führte. Darüber hinaus gaben zwei der Probanden an, Instagram seit einem Zeitpunkt zu nutzen, der nach der Erhebung der Daten liegt, was zum Ausschluss ihrer Werte führte. Somit besteht die finale Stichprobe (N = 412) aus 133 Facebook Nutzern (32.3%) sowie 279 Facebook und Instagram Nutzern (67.7%). Frauen (56.8%, n weiblich = 234) sind im Verhältnis zu Männern (43.2%, n männlich = 178) stärker vertreten. Das durchschnittliche Alter der Probanden betrug 24.3 Jahre (SD = 6.56; n min = 16, n max = 61). Hinsichtlich des Bildungsabschlusses kann eine Überrepräsentation von hochgebildeten Befragten ausgemacht werden: 150 (36.4%) der Probanden verfügten über einen Fachhochschul-/Hochschulabschluss; 226 (54.9%) über das Abitur oder die Hochschulreife und zusätzliche 9 Probanden (2.2%) über das Fachabitur oder die Fachhochschulreife. Die restlichen Probanden waren entweder Schüler (n = 5, 1.2%), besaßen die mittlere Reife, einen Realschul- oder gleichwertigen Abschluss (n = 8, 1.9%), verfügten über eine abgeschlossene Lehre (n = 8, 1.9%) oder hatten eine Ausbildung abgeschlossen (n = 6, 1.5%). In Bezug auf den Berufsstand der Probanden wies die Stichprobe 300 Studenten (72.8%), 69 Angestellte (16.7%), 17 Selbstständige (4.1%), 13 Schüler (3.2%), neun Auszubildende (2.2%) und vier Beamte (1%) auf. Insgesamt konnte somit ein ausgewogenes Geschlechterverhältnis sowie die angestrebte Altersgruppe durch die Stichprobe erfüllt werden.

[...]


1 Im Folgenden wird aus Gründen der sprachlichen Vereinfachung ausschließlich die männliche Form verwendet. Selbstverständlich beziehen sich die Ausführungen dieser Arbeit auf weibliche und männliche Personen.

Ende der Leseprobe aus 92 Seiten

Details

Titel
Der Zusammenhang von offenem und verdecktem Narzissmus, Extraversion und der Nutzung sozialer Medien
Hochschule
Universität Mannheim  (Philosophische Fakultät / Medien- und Kommunikationswissenschaft)
Note
1.7
Autor
Jahr
2017
Seiten
92
Katalognummer
V494679
ISBN (eBook)
9783346002150
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Narzissmus, Instagram, Facebook
Arbeit zitieren
Jakob Krämer (Autor), 2017, Der Zusammenhang von offenem und verdecktem Narzissmus, Extraversion und der Nutzung sozialer Medien, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/494679

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