Funktionen und Eigenschaften des Wissenschaftsjournalismus


Seminararbeit, 2005
21 Seiten, Note: 1,7

Leseprobe

Gliederung:

1. Einleitung

2. Funktionen des Wissenschaftsjournalismus und deren Verwirklichung
2.1 Definitorische Abgrenzung des Begriffs Wissenschaftsjournalismus
2.2 Die Lösung des Kommunikationsproblems der Wissenschaft durch den Journalisten
2.3 Das Verhältnis zwischen Wissenschaftler und Journalisten

3. Funktionen des Wissenschaftsjournalismus bezogen auf den Rezipienten
3.1 Vier Argumente für Wissenschaftsjournalismus
3.2 Anforderungen an die Wissenschaftsberichterstattung - Informationstransfer
3.3 Anforderungen an die Wissenschaftsberichterstattung - Bildung und Aufklärung

4. Wissenschaftsjournalismus in der Öffentlichkeit
4.1 Wissenschaftsjournalismus in verschiedenen Medien
4.2 Der Weg zum Wissenschaftsjournalisten

5. Ethik im Wissenschaftsjournalismus
5.1 Journalisten in der Kontroverse
5.2 Lösungsvorschläge und Sichtweisen

6. Fazit

1. Einleitung

Wissenschaft ist ein aufstrebender Bereich unserer Gesellschaft. Diese Hausarbeit befasst sich mit der Frage, ob Medien diese Entwicklung wahrnehmen, sich mit dieser genügend befassen und wenn ja, wie sie umgesetzt wird.

Darüber hinaus soll erörtert werden, wie Wissenschaftsjournalismus verstanden wird. Es sollen seine Facetten und seine Ziele, so wie die Probleme der Wissenschaft, Wissenschaftlern und Rezipienten journalistisch gerecht zu werden, aufgezeigt werden. Auch soll Kritik, an Betrachtungsweisen und an der journalistischen Umsetzung geübt werden. Die Entwicklung und Defizite der gegenwärtigen Wissenschaftsberichterstattung spielen dabei eine entscheidende Rolle.

Es soll ein Einblick in den Beruf des Wissenschaftsjournalisten vermittelt, die Aufgaben der Berichterstattung definiert und Probleme dieses Berufsfeldes erläutert werden.

2. Funktionen des Wissenschaftsjournalismus und deren Verwirklichung

2.1 Definitorische Abgrenzung des Begriffs Wissenschaftsjournalismus

Die Anfänge der Wissenschaftsberichterstattung reichen bis in die ersten Jahrzehnte des letzten Jahrhunderts zurück.[1] Trotz alledem gibt es bis heute keine zusammenhängende Theorie des Wissenschaftsjournalismus. Verschiedene Autoren versuchen dieses Problem zu lösen. Dabei erheben Kommunikationswissenschaftler und Wissenschaftsjournalisten immer wieder Kritik; mit einer Definition würde ein Status quo festgeschrieben werden, welcher die Kluft zwischen den Naturwissenschaften vertiefen würde.[2]

Hier soll auf die Definition eingegangen werden, an welcher sich die Mehrzahl der Journalisten orientiert.[3]

Der Wissenschaftsjournalismus unterscheidet sich vom allgemeinen Journalismus durch seine Spezifikation. Der Wissenschaftsjournalismus bildet einen Teilbereich des Journalismus, wie auch der Sportjournalismus.

Die Aufgabe des Wissenschaftsjournalismus liegt in der Vermittlung von Wissen zwischen dem Wissenschaftler und der Öffentlichkeit. „Traditionell gilt im deutschsprachigen Raum die journalistische Berichterstattung über Naturwissenschaften, Technik und Medizin als Wissenschaftsjournalismus“[4].

Nach Göpfert und Ruß-Mohl ist die Wissenschaft nicht nur Thema des Journalismus, sondern „Wissensressource als Dienstleistung“. Wissenschaftsjournalismus habe demnach das Ziel „Wissenschaftsaussagen zu prüfen und die Gültigkeit bzw. Reichweite von Aussagen zu erklären“[5].

Der Wissenschaftsjournalismus ist allerdings nicht mit dem Fachjournalismus zu verwechseln. „Wissenschaftliche Fachzeitschriften, die [...] primär Originalbeiträge der Forscher enthalten, sind nicht Wissenschaftsjournalismus“[6].

Der Wissenschaftsjournalist hat ein eher generalisiertes Wissen. Meist hat er „ein wissenschaftliches, oft naturwissenschaftliches Studium hinter sich“[7]. Er ist „fachlich fundiert, aber (arbeitet) unter allgemein journalistischen Gesichtspunkten“[8]. Er hält sich oft in der Scientific Community auf, schreibt nicht nur für ein bestimmtes Fachpublikum sondern für verschiedene Adressaten und nicht selten auch über Bereiche, bei denen er selbst sich vorerst ein Basiswissen zulegen muss.

2.2 Die Lösung des Kommunikationsproblems der Wissenschaft durch den Journalisten

Die Aufgabe des Wissenschaftsjournalisten liegt primär in der Erläuterung des zu untersuchenden wissenschaftlichen Themas gegenüber der Öffentlichkeit. Er schafft die Kommunikation zwischen Wissenschaftler und Leser.

„Gute Wissenschaftsberichterstattung ist [...] eine Gratwanderung“. Sie “muss den Bedürfnissen der Leser, Hörer und Zuschauer im nötigen Maße entgegenkommen“ und darf dabei „die Herkunft ihrer Themen nicht verleugnen“[9].

Viele Wissenschaftsjournalisten haben schon zu Anfang ihrer Arbeit ein erhebliches Problem durch „mangelndes Zusatzwissen“. Es stellt sich die Frage wie sachkompetente oder auch sachneutrale Experten ausfindig zu machen sind. In Anlehnung an Göpfert kann diese Problematik wie folgt spezifiziert werden:

„Wo erhalte ich in passender Frist und zu akzeptablen Kosten eine knappe Übersicht über den wissenschaftlichen Wissensstand zum fraglichen Thema?“.

Dieses Problem resultiert aus dem nicht vorhanden sein einer „journalistisch brauchbare[n] Wissenschaftsdokumentation (Datenbank)“[10].

Der Wissenschaftsjournalist beschäftigt sich dadurch immer wieder von neuem mit Basisarbeit. Er muss sich in jedes Thema von neuem einarbeiten, wobei der Wissenschaftler sein wichtigster Ansprechpartner ist. Bei der Ausarbeitung des Artikels hat der Wissenschaftsjournalist mehrere Hürden zu überwinden. So müssen beispielshalber die Fachsprache und das enorme Hintergrundwissen, welches der Wissenschaftler in seine Arbeit einfließen lässt, erläutert werden. Daten und Fakten müssen interpretiert und in einen sinnvollen Kontext gebracht werden.

Dieser Kontext sollte eine „direkte Beziehung zum Orientierungsbedarf des Publikums“[11] beinhalten. Besonders im Zusammenhang mit einem unkundigen Publikum muss der Journalist seinen Schwerpunkt auf die Verknüpfung des Themas mit dem Alltag des Lesers legen. Dies weckt nicht nur Interesse für das Thema, sondern macht es unabhängig von Form des Artikels für den Adressaten leichter verständlich. Die Formulierung und Art der Ausarbeitung des wissenschaftlichen Themas hängt stark davon ab, ob der zu erreichende Leser Laie oder selbst im gleichen Wissenschaftsfeld tätig ist. Dabei ist es dem Journalisten freigestellt, ob er populärwissenschaftlich[12] an das Thema herangeht. Er muss hierbei sein Fachwissen als sprachlich fassbare Wissenschaft für den Leser präsentieren. Die Autoren Göpfert und Ruß-Mohl deklarieren einer dpa-Meldung als häufigste Form des Wissenschaftsjournalismus die dem Leser im Alltag begegnet. In einer teilt ein Forscher mit, dass „ ein Drittel aller deutschen Scheidungskinder durch die Trennung der Eltern bleibende psychische Schäden erleiden“. Die Autoren bezeichnen diese als „ radikal vereinfachende, im Kern aber korrekte Information, die diejenigen erreicht, die es betrifft“[13]. Aber es würden nicht alle Wissenschaftler den „Transfer ihrer Aussagen in scheinbar verfälschende, tatsächlich aber sinnstiftende Kontexte“[14] hinnehmen. Viele lägen Wert auf die Wertschätzung ihrer meist jahrelang dauernden Untersuchungen und erwarten eine angemessene Auseinandersetzung mit dem fraglichen Thema. Wissenschaftsjournalisten, die diesen Wünschen folgen arbeiten meist für ausgewählte Zeitschriften, exemplarisch kann hier die „Bild der Wissenschaft“ aufgeführt werden. In dieser steht nicht der populärwissenschaftliche Aspekt im Vordergrund. Artikel aus wissenschaftlichen Magazinen dieser Art richten sich an Interessierte und vermeiden damit einen Konflikt zwischen dem wissenschaftlichen und einer erzwungene Einordnung in den gegenwärtigen Umweltkontext. Das Mitspracherecht des Forschers hängt demnach zu großen Teilen davon ab, für welche Adressatengruppe die Meldung bestimmt ist. Oft kommt es durch die verschiedenen Vorstellungen der beiden Parteien zu Konflikten, die nur durch Konsensfindung gelöst werden können. Der Begründer der Zeitschrift„Die Naturwissenschaft“, Arnold Berliner kommentiert das problematische Verhältnis mit folgendem Satz “«Ein wissenschaftlicher Autor ist eine Kreuzung einer Mimose mit einem Stachelschwein»“[15] und zielt damit auf die Hervorhebung der Interessenkonflikte so wie das spannungsreiche Verhältnis, mit welchem Wissenschaftsjournalisten umgehen müssen, ab.

2.2 Das Verhältnis zwischen Wissenschaftler und Journalisten

Der Wissenschaftler ist wichtigster Ansprechpartner für den Journalisten. Die Journalisten verfolgen das Ziel die vorhandenen Informationen knapp und „lesernah“ zu formulieren. Sie setzen auf laiengerechte Vereinfachung und Unterhaltsamkeit. Um den Lesern komplizierte Sachverhalte näher zu bringen, ersetzen sie die nüchtern-sachliche Darstellung seitens der Wissenschaftler durch eine bildhaft-konkrete Darstellung,.

Journalisten sollen „Zusammenhänge schnell erfassen und anschaulich wiedergeben können. [...] Gefragt ist die kurze Form. [...] Die Nachrichten müssen die fünf W-Fragen beantworten: wer, wann, was, wo, warum?“[16]. Wissenschaftler hingegen „meiden Vereinfachungen, weil sie oft verfälschend sind“[17]. Sie sind gerne ausführlich, erläutern zu Anfang ihrer Artikel den gegenwärtigen Forschungsstand und bevorzugen „eine eher lange und umfassende Form“[18]. Der Forscher setzt auf eine große Genauigkeit der Sachverhalte in der Berichterstattung. Die unterschiedlichen Vorstellungen der Wissenschaftler und der Journalisten erschweren ihre Zusammenarbeit. „Während Forscher gerne das Wichtigste zuletzt präsentieren, als Quintessenz ihres Forschens und Resultat ihrer Beweisführung, stellt dies der Journalist an den Anfang. Auch Rollenkonflikte tun sich auf: Wissenschaftler sehen Journalisten als reines Sprachrohr, Journalisten hingegen die Forscher vor allem als Informanten – beide wollen deshalb die Kontrolle über den Beitrag behalten.“ Erschwerend kommt hinzu, dass „ etwa 90 Prozent aller Wissenschaftler glauben, sie könnten selbst ihre Ergebnisse veröffentlichen“[19]. „Sie halten den Wissenschaftsjournalismus häufig für ein Nebenprodukt – und erleiden mit dieser Fehleinschätzung oft Schiffbruch mit eigenen Schreibversuchen.“[20]. Generell gilt, dass der Wissenschaftler eine andere Sicht auf seine Arbeit hat als der „Laie“ bzw. der Journalist. Er hat somit andere Vorstellung welche Dinge der Öffentlichkeit zu kommen sollen, dabei erachtet er im Gegensatz zum Journalisten mehr Information als relevant. Darüber hinaus muss sich der Journalist auch nach den Wünschen des Auftraggebers richten und sich an einen zeitlichen Rahmen halten. Dies impliziert, dass der Journalist oft nicht die Möglichkeit hat alle Vorstellungen des Wissenschaftlers bezüglich des wissenschaftsjournalistischen Beitrags zu verwirklichen.

[...]


[1] Vgl. Matthias Koring „Die Funktion der Wissenschaftsjournalismus“ (Westd. Verl. 1997) S. 11

[2] Vgl. Leo Schmidt „Symbiotischer Wissenschaftsjournalismus“ (Bochum 1989) S. 1

[3] Vgl. Winfried Göpfert/Stefan Ruß-Mohl „Wissenschaftsjournalismus“ (München /Leipzig 2000) S. 10

[4] Stephan Ruß-Mohl „Wissenschaftsjournalismus“ (München 1986)

[5] Winfried Göpfert/Stefan Ruß-Mohl „Wissenschaftsjournalismus“ (München /Leipzig 2000) S. 17

[6] siehe www.wikipedia.de „Wissenschaftsjournalismus“

[7], 8 Winfried Göpfert/Stefan Ruß-Mohl „Wissenschaftsjournalismus“ (München /Leipzig 2000) S. 11

[9] Winfried Göpfert/Stefan Ruß-Mohl „Wissenschaftsjournalismus“ (München /Leipzig 2000) S. 8

[10], [11] Winfried Göpfert/Stefan Ruß-Mohl „Wissenschaftsjournalismus“ (München /Leipzig 2000) S. 19

[12] Der Ausdruck „populärwissenschaftlich“ (eine konkrete „Populärwissenschaft“ als anerkannte Wissenschaft gibt es nicht) steht für Aufbau, Form, Stil und meist auch wissenschaftliches Niveau einer Publikation, die nicht auf Wissenschaftler des dem Thema entsprechenden Fachgebiets, sondern vielmehr auf den interessierten Laien abzielt (www.wikipedia.de „Populärwissenschaftlich“)

[13], 14 Winfried Göpfert/Stefan Ruß-Mohl „Wissenschaftsjournalismus“ (München /Leipzig 2000) S.18

[15] http://www.journalistische-praxis.de/jpwiss.htm

„Mit diesen Worten illustriert Arnold Berliner, der Begründer der Zeitschrift Die Naturwissenschaft, seinem Freund Albert Einstein die fehlende Bereitschaft der Wissenschaftler, allgemein verständliche Texte zu verfassen.“

[16] Winfried Göpfert/Stefan Ruß-Mohl „Wissenschaftsjournalismus“ (München /Leipzig 2000) S.25

[17], 18 Winfried Göpfert/Stefan Ruß-Mohl „Wissenschaftsjournalismus“ (München /Leipzig 2000) S.19

19, 20 Leo – Lingua et Opinio, Veröffentlicht am 16.07.2003:

http://www.tu-chemnitz.de/phil/leo/rahmen.php?seite=r_ausg/schuld_friebel.php

Ende der Leseprobe aus 21 Seiten

Details

Titel
Funktionen und Eigenschaften des Wissenschaftsjournalismus
Hochschule
Rheinisch-Westfälische Technische Hochschule Aachen  (Germanistik)
Veranstaltung
Popularisieren - Schreiben für Medien und Öffentlichkeit
Note
1,7
Autor
Jahr
2005
Seiten
21
Katalognummer
V49468
ISBN (eBook)
9783638459167
ISBN (Buch)
9783656160335
Dateigröße
568 KB
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
Vollständige Zitierung über Fußnoten, daher kein Literaturverzeichnis. Kritisiert wurde inhaltlich lediglich der Aufbau der Einleitung und des Fazits.
Schlagworte
Funktionen, Eigenschaften, Wissenschaftsjournalismus, Popularisieren, Schreiben, Medien
Arbeit zitieren
Nina Bednarz (Autor), 2005, Funktionen und Eigenschaften des Wissenschaftsjournalismus, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/49468

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