Kenneth Burkes "Dramatism". Kommentar und Übersetzung aus dem Englischen


Magisterarbeit, 2006
76 Seiten, Note: 1

Leseprobe

INHALTSVERZEICHNIS

1 Obersetzungsteil
1.1 Vorwort
1.2 Die Aufgabe des Obersetzers zwischen Theorie und Praxis
1.3 Obersetzung

2 Kommentar
2.1 Burkes Motiv ,Gesellschaft"
2.2 Grammatik- Epistemologie - ,Logologie"
2.3 ,Dramatismus" - zwischen Epistemologie und Ontologie
2.4 Burkes Rezeption von Mcluhans Medientheorie
2.5 Schlussbetrachtung und Ausblick

Bibliographie

Anlage

1 Obersetzungsteil

1.1 Vorwort

Bis heute zahlt Kenneth Burke zu den herausragenden amerikanischen Auto­ ren, Kritikern, Theoretikern und Philosophen des 20. Jahrhunderts. Seine The­ orien charakterisieren die einflussreiche Stromung der New Rhetoric, die den Menschen als symbolverwendendes Lebewesen ansieht, das untrennbar vom gesellschaftlichen Kontext zu betrachten ist. Umso unverstandlicher erscheint es, dass bis heute keine Obersetzung seines zentralen Vortrags ,Dramatism" existiert, gehalten 1966 auf dem Second International Symposium on Commu­ nication Theory and Research und 1967 von Lee Thayer1 publiziert.

In den ersten Jahren ab 1931 erarbeitete der junge Autor in seinen ersten vier Buchern seine allgemeinkritische Methode, die sich von den zeitgenossischen Philosophien, Positivismus und ldealismus, abhob. Ab Mitte der vierziger Jahre bis zum Ende der sechziger Jahre wendet sich Burke zunehmend der Rhetorik­ kritik zu, zu der seine bedeutendsten Werke A Grammar of Motives 2 (1945), A Rhetoric of Motives 3 (1950), The Rhetoric of Religion 4 (1961) sowie Language as Symbolic Action 5 (1966) zahlen. Neben seiner Auffassung von Sprache als symbolischer Handlung gehoren auch soziale Grundprinzipien wie die gesell­ schaftliche Koexistenz und Kooperation zu seinen Schwerpunkten. Seine bis dahin separat bestehenden Konzepte wie beispielsweise das ,Pentad", sein Konzept von ,ldentifikation" sowie auch das der , Ordnungsbegriffe" verbinden sich erstmalig in seinem Vortrag ,Dramatism" zu einer koharenten Rhetorik­ philosophie. Diese ist wesentlich gepragt von der dialektischen Beziehung der beiden rhetorischen Systeme ,Logologie" und ,Dramatismus".

lm selbstreflexiven Symbolgebrauch zeigt Burke dem Menschen einen Weg auf, sich fOr die Gleichartigkeit der Menschen im Anderssein zu sensibilisie­ ren. Seine Einheit stiftende Theorie setzt er der Spaltung des amerikanischen Volkes entgegen, die in der ,Great Depression", der gewaltsamen sozial-poli­ tischen Verfolgung kommunistischer Anhanger unter McCarthy sowie der Ent­ wicklung und Verbreitung moderner Massenmedien ihre Auspragung fand. Auch innerhalb der Kunstlerkreise im Greenwich Village, wo Burke lebte, wa­ ren diese zu spuren.

Die folgende Arbeit beleuchtet zunachst die Aufgabe der Obersetzertatigkeit im Allgemeinen, bevor sie anhand des Originaltexts auf Schwierigkeiten im Spe­ ziellen eingeht. Susan Sontag und Walter Benjamin werden aufgrund biogra­ phischer und theoretischer Oberschneidungen zu Burkes Ansichten hinzuge­ zogen. Weitere zentrale Themen des Kommentars sind, neben der Erorterung seiner verschiedenen Konzepte, sowohl seine epistemologisch gepragte ,Lo­ gologie" im Verhaltnis zum ontologisch gepragten Ansatz ,Dramatismus" und die sich im Kontext der New Rhetoric daraus ergebenden Debatten.

In komprimierter, Ieicht abgeanderter AusfOhrung erscheint der Vortrag 1968 als wissenschaftlicher Artikel in der International Encyclopedia of Social Scien­ ces. 6 An manchen Stellen Ieicht verkurzt oder auch erganzt, entspricht diese AusfOhrung dem Abschnitt ,Dramatistische Analyse" im Vortrag. Weder die Einleitung, noch das Kapitel zu Freud und Mcluhan sind vorhanden. Anhand des Vortrags von 1966 setzt Kenneth Burke mit seinem neuen ,-ismus"7 ein Zeichen gegen die sprachliche Reduktion in der Gesellschaft des technologi­ schen Zeitalters. Die Rhetorik wird zum Medium, um Spannungen zwischen gesellschaftlichen Strukturen und personlichen Anspruchen zu Oberbrucken.

Sprachlich bedingte dialektische Wirkungszusammenhange und sogenannte kulturelle ,Akzeptanzrahmen" determinieren und formen so eine gesellschaft­ liche Wirklichkeit, die das Individuum pragt. lnsofern arbeitet Burke fOr die Ver­ meidung von naturwissenschaftlichen Kategorisierungen, da soziale lnterakti­ onen nach Burke nicht mit Begriffen aus dem naturwissenschaftlichen Bereich erklart werden konnen und deren Nomenklatur keine ambivalenten Begriffe kennt.8 Die daraus resultierende Konsequenz ist die Erarbeitung einer eigenen, eben ,dramatistischen" Nomenklatur sowie ein Modell zur begrifflichen Analyse (,Pentad"), durch das ROckschiOsse auf Motive sprachlicher Handlung gezo­ gen werden konnen. Aufbauend auf der rhetorischen Tradition seit Aristoteles deutet die New Rhetoric auf ein anstrebenswertes, handlungsorientiertes Wis­ sen, welches auf der Aufklarung Ober persuasive Handlungsstrukturen basiert. Aile menschlichen Bereiche rhetorischen Handelns sind durch das Agieren in Symbolen und das Reagieren auf sie gepragt. Die interaktive Koexistenz von lndividuen in einer Gesellschaft beruht auf einem bewussten und reflektierten Umgang mit Sprache.

1.2 Die Aufgabe des Obersetzers zwischen Theorie und

Praxis

Die Obersetzung als sensibles Geflecht und der Prozess des Obersetzens selbst werden in ihren technisch-handwerklichen ebenso wie den ideologisch­ moralischen Anforderungen oft unterschatzt. Folgende Austohrung will daher einerseits einige mit Burkes Auffassungen vereinbarte theoretische Bezuge9 erlautern und andererseits anhand der vorliegenden Obersetzung die sich er­ gebenden Problematiken beispielhaft demonstrieren. Dabei mussen auch die rhetorischen Mittel Burkes berucksichtigt werden, da ein Teil der ,Schwierig­ keiten" genuin aus der Vortragssituation resultiert. Selbstverstandlich ist es hier weder moglich, eine vollstandige Diskussion gelaufiger Theorien oder des gesamten der Arbeit zugrunde liegenden Obersetzungsprozesses zu leis­ ten. Dennoch scheint es wichtig, in das theoretische Umfeld einzutohren und somit zugleich moglichen Verstandnisproblemen des Burke'schen Essays entgegenzuwirken.

Die zunehmend hohe Bedeutung der Obersetzung im technologischen und globalisierten Zeitalter wird von Susan Sontag in ihrem Essay ,On Being Translated"10 besonders hervorgehoben, da Sprachbarrieren ein Zusammen­ wachsen der Welt grundsatzlich erschweren, wenn nicht sogar ganz verhin­ dern: ,Translation today is one of the communicational lifelines of our global village".11

Sie unterscheidet deutlich die Obersetzung als ein vom Menschen ausge­ ubtes (Kunst-) Handwerk, von der rein maschinell von Computern, als ,transla­ tion machine", vollzogenen. Letzteres verkorpere ihrer Ansicht nach zwar den ewigen Traum von einer Universalsprache, mit der sich aile Menschen verstan­ digen konnen, doch raumt sie auch ein, dass dieses lnformationsmedium de­ finitive Beschrankungen bezuglich der Feinheiten einer ,literarischen" Oberset­ zung aufweist. Das Programm eines Computers kann lediglich rein faktische Aussagen wortlich erfassen und niemals Stimmungskontexte, vor allem die der Poesie, berucksichtigen:

Of course the poets and fancy prose writers will instantly weigh in with their old la­ ment about what is, inevitably "lost in translation" (rhyme, flavor, wordplay, the grit of dialect) [ . .. ] 12

Neben dieser Utopie einer Universalsprache besteht aber auch das Modell des ,sprachlichen Separatismus", das aussagt, dass aufgrund der bestehenden Viel­ zahl verschiedener Sprachen und Kulturen eine jede mit ihren Eigenarten und Besonderheiten wahrgenommen werden muss und Bestand haben sollte.

Susan Sontag, Walter Benjamin und Kenneth Burke stimmen darin Oberein, die notigen Fahigkeiten des Obersetzers grundlegend in dessen Kompetenz in den jeweiligen Original- und Zielsprachen zu sehen, zu der ein fundiertes Allgemeinwissen im Bezug auf das Thema hinzukommen muss, um Kontexte erschlie13,en zu konnen. Die drei Autoren gehen hinsichtlich der Obersetzung auch aile von zwei moglichen Extrempolen aus, namlich der rein wortlichen oder lexikalischen Obersetzung und der frei dem Sinn nach. Susan Sontag be­ schreibt dies folgendermaßen:

The notion of ideal translation is likely to be submitted to two perennially opposed standards of translation. Minimum adaptation is one. It means that the translation will feel like one: it will preserve, even flaunt, the rhythm, syntax, tone, lexical idiosyn­ crasies or the text in its original language. Full naturalization is the other. It means that the translator must bring the original text wholly "into" the new language, so that, ideally, one does not ever feel one is reading a translation at all.13

Jeder Originaltext reprasentiert schon immer eine vom Autor geleistete Uruber­setzung, der seine Vorstellungen kontextuell und in gewisser Weise ,vor-inter-pretativ" in Worte gefasst hat. Fur Burke besteht eine Urubersetzung bereits im ersten Entstehen von Sprache, bei der ersten Benennung von Natur, die eine ursprungliche sprachliche Reaktion auf ein ,sensationelles" Ereignis darstelle. Sobald man also Sprache gebraucht, fallt man terminologische Entscheidun­ gen und genauso wie man bestimmte Eigenschaften mit einer Situation ver­ bindet, schliet man gleichzeitig andere aus. Jeglicher Sprachgebrauch ist so nach Burke direkt mit einem Ordnungs- und ,Sundenbockprinzip" verbunden, worauf spater im Kommentar noch naher eingegangen wird. Festzuhalten ist jedoch, dass beim Benennen der gewahlte Begriff das ,Negativ" darstellt, wel­ ches im Kontrast zum unbenannten Positiv, der Natur, steht.14

Benjamin wie auch Burke sehen den Ursprung der Sprache in der ,Magie" und die Grundproblematik des Menschen im Obergang bzw. in der Transforma­ tion der , magischen" Sprachpraxis in eine logozentrisch-definitorische.15

Burke entwickelt eine Methode, um die der Sprache zugrunde liegenden Mo­ tive in ihrer Funktion der symbolischen Handlung ausfindig zu machen. Denn jede symbolische Handlung in Form von Sprache reflektiert den Charakter des Handelnden. Durch diesen Vorgang, bei dem auch die entsprechenden Be­ ziehungen der Begriffe untereinander betrachtet werden, wird der Obersetzer gezwungen, den Text als ganzheitlichen Diskurs zu betrachten, der wiederum Bestandteil eines gro eren ist.16 Die Obersetzungsleistung ist somit ganz un­ mittelbar von einer Diskursanalyse sowie der eigenen lnterpretationsleistung des Obersetzers abhangig.

[ . .. ] Gerade in der Wort fUr Wort Obersetzung entfremdet sich der Sinn des Gesag­ ten, denn dieser erschopft sich nach seiner dichterischen Bedeutung fUrs Original nicht in dem Gemeinten, sondern gewinnt diese gerade dadurch, wie das Gemeinte an die Art des Meinens in dem bestimmten Worte gebunden ist.17

Das wortliche Obersetzen muss sich folglich an der ,Art des Meinens", der Art, wie ein Gedanke, der im Bezug auf das, was er ausdrucken mbchte, for­ muliert wird, ausrichten. Benjamin weist jedoch im Gegensatz zu Burke kein handfestes Instrumentarium auf, um dem Obersetzer einen Referenzrahmen zu geben.

Bei Burke hat der Obersetzer drei verschiedene Perspektiven zu beachten: die unablassige Bedeutung der Autorenintention, die Aussage des blo en Textes (den Autor au er Acht gelassen) und die des Obersetzers, der den Text vor sei­ nem personlichen Hintergrund und kulturellen Referenzrahmen betrachtet18. Hierbei ist sich Burke der Kluft bewusst, die zwischen Quelltext und dem Ober­ setzer besteht. Auch Walter Benjamin stellt fest, dass es eine hundertprozen­ tig identische Obersetzung nicht geben kann, da die Unmittelbarkeit der Origi­ nalsprache nicht Obertragbar ist.19

Trotzdem versucht Burke den Obersetzungsprozess anhand von Orientierungs­ punkten greifbarer zu gestalten, indem er das Pentad als Ausgangspunkt nutzt. Bevor mit der Obersetzung begonnen werden kann, muss der Obersetzer die Schlusselbegriffe ausfindig machen und Bezuge zwischen ihnen herstellen, die sich wiederum auf den spateren Obersetzungsprozess produktiv auswirken. Ein Prototyp der Obersetzung kann vor der eigentlichen Obersetzungstatigkeit an­ gefertigt werden, um wiederum Ziele und weitere Entscheidungen im Vorfeld genauer zu definieren. Das Ziel der Obersetzung20 unterscheidet sich dann al­ lerdings moglicherweise vom Ziel des ursprunglichen Textes. Susan Sontags Eindruck in Hinblick auf die Obersetzungen ihrer eigenen Werke gibt sie dies­ bezuglich wie folgt wieder: "I am supervising the death as well as the transpo­ sition of my words."21

In dem Tod ihrer eigenen Formulierungen steckt die Geburt eines neuen Tex­ tes, der auf ihrem aufbaut. Genau in dieser vielseitigen Obersetzungsmoglich­ keit sieht Benjamin wiederum die ,Offenbarung" des Textes, verschiedenartig interpretiert und ausgelegt zu werden. Auch Burke ist ein Vertreter dieses Mul­ tiperspektivismus. Denn die unnahbare Wahrheit besteht immer aus einem Ge­ samtkontext aller lnterpretationen. Sprache unterliegt eben auch der Dynamik der Zeit, ist wandelbar und soli es auch bleiben.

Denn obwohl die Gestalt des Originals fixiert sein mag, andert sich doch das Sprachverstandnis und somit auch die Auffassung von Ton und der Bedeutung ei­ nes Werkes.22

Schlie lich gibt es keine einheitliche ldentitat des Textes und das Weiterleben des Originals wird nur durch diese Produktionsleistung des Obersetzers ge­ wahrleistet. Anpassungen und Neuschopfungen sind dabei notwendig.

Wie bereits erwahnt, ist insbesondere der poetische Ausdruck- wenigstens zur­ zeit - weder maschinell noch wortwortlich ubersetzbar. Er musses auch nicht sein. Sein Wesen widersetzt sich einer universalsprachlichen Obersetzbarkeit in reine Termini und kann vielmehr nur empfunden oder gefUhlt werden. Fur die Obersetzung bedeutet dies zwangsweise, dass lediglich eine Nachdichtung die­ ses Wesen oder das Ziel in irgendeiner Form in eine neue Sprache transpor­ tieren kann. Fur wissenschaftliche Texte und Vortrage, die grundsatzlich in ir­ gendeiner Weise Universalien ansprechen bzw. behandeln, muss also ebenso grundsatzlich eine Obersetzbarkeit gegeben sein. Allerdings ist der freie Stil Burkes, der teilweise naturlich der vertextlichten Vortragsituation geschuldet ist, aufgrund der vielen BezOge und Quellen, deren Terminologie er auf seine Absicht hin eicht bzw. angleicht, streckenweise eher poetisch als wortlich-wis­ senschaftlich determiniert aufzufassen. Um dies zu Obertragen, mussten bei der Obersetzung an einigen Stellen Kompromisse gefunden werden, die bei­ den Ebenen zugleich gerecht werden.

Als Beispiel konnen hier zwei zentrale Begriffe aus Burkes Pentad dienen.23

Burkes , scene" entsprechen im Deutschen auch in dem von ihm intendierten Sinn gleich mehrere Begriffe. Denkbar ist hier eine Bandbreite, die sich von der relativ wortlichen Obersetzung ,Szene" Ober die ,Szenerie", das ,dramaturgi­ sche Umfeld" bis hin zu , Ort" oder ,Lokalitat" erstreckt. Um die Weite der engli­ schen Semantik von ,scene" und die Anwendbarkeit des Begriffs innerhalb des Vortrags zu erhalten, wird er im Folgenden mit ersterem, also ,Szene" wieder­ gegeben. Beim Begriff ,agency" ist relativ deutlich, dass Burke, wiederum im Kontext seines Vortrags, etwas meint wie die ,Handlungsweise" - analog zu den Wurzeln der Worte ,act" bzw. ,actor". Jedoch ist in der deutschen Debatte um Burke der Begriff ,Hilfsmittel" bereits etabliert24, weshalb an dieser Stelle dieser Obersetzung der Vorzug gegeben wurde. Auch die ,Verhaltnisse" bzw. ,ratios", die Burke zwischen den einzelnen Bestandteilen des Pentads verortet, werden im Englischen einfach mittels Bindestrich aneinandergefOgt und von An­ fOhrungszeichen als Einheit konstituiert. Dieser Nominalisierung entsprechend ist eine ebenso aus drei Worten bestehende Kombination anzudenken, wes­ halb in der vorliegenden Obertragung lediglich das , Beziehungswort" an den Beginn der Phrase gestellt wird. Eine syntaktische Obersetzung mit den zuge­ horigen Artikeln und Prapositionen ist, ebenso wie eine der Abfolge des Eng­ lischen entsprechende, wegen der auch zu berOcksichtigen Lesbarkeit, nicht moglich. Aus beispielsweise der ,scene-act-ratio" wird also weder das ,Verhaltnis zwischen der Szene und dem Handeln" noch das , Szene-Handeln-Verhaltnis", sondern das ,Verhaltnis Szene-Handeln".25

Eine der bislang noch ausgeklammerten Problematiken ist die der jeweiligen historischen Distanz zum Ausgangstext. Der mit rund 40 Jahren nicht zu unter­ schatzende historische Abstand zum Vortrag Burkes erschwert es, die wissen­ schaftliche Terminologie unter dem Gesichtspunkt der akademisch-gesellschaft­ lichen Gepflogenheiten seiner Zeit adaquat in ein zeitgenossisches Deutsch zu Obertragen. Orientiert wurde sich hierbei eher an der Koharenz der jeweiligen Begriffe im Kontext des Burke'schen Vortrags und der heutigen Bedeutung, als an einer wissenschaftlichen Aufarbeitung der Bedeutungsverschiebungen zwi­ schen den sechziger Jahren und heute. Eine aus letzterer Herangehensweise resultierende ,lmitatio" ware Oberdies Burkes Gesamtauffassung vom Men­ schen und seiner Sprache entgegenstehend.26

Abschlier!,end soli hier noch ein wichtiger Verweis auf die Parallelen zwischen Burke und Benjamin nicht unerwahnt bleiben. lnteressanterweise verwendet namlich Burke im letzten Abschnitt seines Vortrags das von Benjamin in oben angefOhrtem Essay ,Die Aufgabe des Obersetzers" benutzte Beispiel des Be­ griffs ,Brat" resp. ,Pain", um seine Vorstellung des , perfekten" Begriffs darzu­ stellen. Eine deutliche Analogie ist also zwischen diesem Terminus und der von Benjamin anvisierten ,reinen Sprache" zu sehen.27

Zuletzt sei noch darauf verwiesen, dass samtliche Zitate im Vortrag Burkes im Folgenden ebenfalls von der Verfasserin Obersetzt wurden. Die Grunde hier­ tor sind einerseits in der obigen Austohrung erlauterten ,Koharenz" des Origi­ naltextes, andererseits in der teilweise ungenauen oder paraphrasierten Zitier­ weise Burkes zu suchen.28

1.3 Übersetzung

Dramatismus

Kenneth Burke

Einleitung

lch finde es bedauernswert, dass Sozialwissenschaftler wie selbstverstandlich die Rhetorik des Aristoteles vernachlassigen. lch sage nicht, Aristoteles hatte das letzte Wort zu dieser Angelegenheit gesprochen. Dennoch unterstelle ich, dass seine eigentliche Herangehensweise an Themen grundlegend korrekt ist. Man konnte neue Themen erganzen und fortschreitend entwickeln. Was man vor 2000 Jahren bekam, war immerhin die Art von Ansatz, auf der prinzipiell aufgebaut werden kann.

Dieser Punkt wirft jedoch ein verwandtes Thema auf. Es handelt sich um zwei Wege, sich Sprachproblemen zu nahern.

lm Bezug auf das ,Spinnen" seines Fachwortschatzes schlug ich in meiner AusfOhrung zu Freud vier Regeln vor. Die erste, auf die ich mich bezog, war die ,Verzeitlichung des Wesentlichen": ,Wenn man nach der Definition der Ur­ sache eines parapsychologischen Symptoms sucht, sollte man immer zuerst nach einem Weg zur Deutung des Patientenproblems im Bezug auf sein zeit­ lich Vorangegangenes suchen (Kindheit, Sauglingsalter, der Mutterleib, oder sogar die 'pranatale' Vorgeschichte)." Der Einfluss dieser Regel wurde sich in der Wahl des ,Vorbewussten" auswirken, wie der Zwischenbereich von ,Be­ wusstem" und , Unbewusstem" genannt wird. Unsere ganzen Vorstellungen des,Ruckschritts" sind weitgehend ein Reflex unserer ldeen vom Fortschritt. So reden wir von vielen Dingen als ,archaisch"; immerhin sind wir ailein schon durch das Atmen ,archaisch". Wir tun das, was unsere Vorvater Tausende von Jahren zuvor taten.

Viele solcher anregenden lnhalte konnen vom sprachlich angemessenen Standpunkt, dem Hier und Jetzt, (und) nicht von Sprache als einer von einer frO­ heren Bestimmung , abgeleiteten", behandelt werden. Dies wird meinen Punkt erlautern: Es gibt das interessante Buch The Power of Satire von Robert C. Elliott, mit dem Untertitel Magic, Ritual,Art. Es ist ein sehr empfehlenswertes Buch mit einem au[l,ergewohnlichen Anhang Ober magisches Wunschen und die Rolle des Schamanen in vielen Naturvolkern. Jedoch gibt es zwei ziemlich verschiedene mogliche Verfahrensweisen, betrachtet man die Beziehung von Naturschamanismus und der modernen asthetischen Satire. Man kann die mo­ derne asthetische Satire als ,abgeleitet" aus solchen fruheren Praktiken behan­ deln. Oder man kann fragen, wie jeweils beide jeder Zeit aus den , angebore­ nen" Mitteln zur Sprache ,abgeleitet" worden sind.

Dieser zweite Ansatz erlaubt uns einen geschichtlichen Aspekt beizubehal­ ten, ohne jedoch die asthetische Satire vom magischen Wunschen , abzulei­ ten". Er setzt bei derTatsache an, dass die lnvektive ein immanentes Mittel von Sprache ist. Wenn man Sprache morgen neu erschaffen wurde, hatte man die Hilfsmittel zu loben und zu tadeln (laus et vituperatio). Diese Mittel sind jetzt der Sprache ,natorlich gegeben". Und von diesem Gedanken aus ergibt sich eine vollig andere Art der Ableitung. Wenn wir die lnvektive als sprachliches Mittel haben, dann konnen wir zuruckgehen und sehen, wie diese ,Fahigkeit" in Zeiten funktionierte, in denen die magische Sichtweise vorherrschte und Men­ schen dachten, dass die rituelle Beschworung zum Wohlstand des Stammes beitrage. Unter modernen Bedingungen wird jedoch die Stilistik des Tadelns anders offenbart, als in der asthetischen Satire.

ldealerweise konnte man sich vorstellen, dass eine Geschichte derlei Ent­ wicklungen, auch verschiedene Zwischenstufen enthalten sollte. Tatsache ist, dass man wahl auch eine solche Geschichtsentwicklung hatte, ohne die letzte von der ersten Stufe abzuleiten. Die eigentlich begriffliche Situation ist: Be­ stimmte Sprachmittel werden in unterschiedlichen Weltschemata entsprechend auf unterschiedliche Weise gehandhabt.

Man braucht eine Geschichte derartiger Entwicklungen nicht abzulehnen, vermeidet jedoch auf diese Weise den ,generischen Fehlschluss". Ober die Darstellung hinaus, dass sich die letzte Phase von der ersten ableitet, wurde man die der Sprache natorlichen Mittel, die sich wahrenddessen in verschie­ denen Stufen verschiedenartig auspragen, veranschaulichen.

Um auf meine Definition des Menschen zu sprechen zu kommen: ,Der Mensch ist das symbolverwendende Lebewesen, Erfinder des Negativen, ge­ trennt von seinen natorlichen Bedingungen durch lnstrumente, die er selbst ge-schaffen hat, angetrieben durch den Geist der Hierarchie und verdorben mit Perfektion." Zu dem Begriff ,symbolverwendend" konnte man ,symbolschaf­ fend" und ,symbolmissbrauchend" erganzen. Statt dem ,Erfinder des Negati­ ven" konnte man sagen, ,durch das Negative moralisiert". Des Menschen ein­ zigartiger Beitrag zur Welt ist die Negation. In der Natur gibt es nichts Negatives. Diese Entdeckung verdanke ich Bergson. Jeder Zustand in der Natur ist ein­ fach so, wie er ist; sobald man jedoch etwas erwartet, kann man sagen, ,das ist es nicht." Auf einem Thermometer liest man genau das ab, was es anzeigt. lch kann jedoch auch sagen, dass es keine andere Lesemoglichkeit gibt. Es ist der schnellste Weg uns daran zu erinnern, dass das Negative von rein lingu­ istischer Notzlichkeit ist (und wunderbar, obwohl man wei, wie viel Schaden es anzurichten vermag, da es Schuld verscharft). lch behaupte, dass das ,ei­ gentlich" Negative das mahnend Negative ist und dass das propositional Ne­ gative (,ist nicht") nur eine Anpassung desselben ist. Daher gerat man jedes Mal, wenn sich ein Philosoph mit dem Negativen auf einer ontologischen Ba­ sis beschaftigt, zu Paradoxa wie der Realitat des Nichtseins. Das Negative ist eigentlich nicht fOr diese Art von Arbeit ausgelegt.

Sankt Paul sagte zu seinen Zuhorern oder der versammelten Menge in Athen: ,Wenn ich mich umsehe, sehe ich Tempel fOr viele Gotter. Es gibt auch einen Tempel fOr den unbekannten Gott. Meine Herren, ich verkorpere den un­ bekannten Gott." In Dr. Shockleys Parabel-ahnlicher Sprache machte er beim Ausarbeiten einer Theorie sieben Stationen deutlich. Er nannte sie ,Werkzeuge zum suchenden Denken". Er liejedoch die erste bis zur letzten Station leer. Dann setzte er das Wort ,Handlung" ein. An dieser Stelle sprach er geradezu Demosthenes nach, der nach den Anforderungen eines Orators gefragt wurde und mit einem typisch rhetorischen Kunstgriff der ,Verstarkung" (amplificatio) antwortete, dass die erste Aufgabe des Redners ,handeln, handeln, handeln" sei.

Meine Damen und Herren, ich reprasentiere die Grammatik des Handelns. Wahrend Dr. Shockley den Begriff fOr seine Ziele aufstellte und fortfuhr, muss ich nun fOr meine logischen Ziele an ihm festhalten, mich naher damit beschaf­ tigen, tiefer gehen, um zu versuchen, alles in diesem einen Begriff Enthaltene zu verstehen. Da drau en existiert kein Begriff nur fOr sich, da eine ganze Fa­ milie von Begriffen in ihm enthalten ist.

lch hoffe besonders von Euch zu lernen, wenn es um die Unterscheidung von Handlung und Bewegung geht, die die Tatsache ins Zentrum stellt, dass Hand­ lung nicht auf Bewegung reduziert werden kann. Der Mann, der einen Compu­ ter konstruiert, handelt. Der Computer, den er konstruiert, kann alles andere als sich bewegen. Obwohl der Prozess des Computers Licht auf seinen Erbauer werfen kann, gibt es keine passende Terminologie, um den Macher zu beschrei­ ben. Das ist der Dreh- und Angelpunkt der dramatistischen Position.

Ein Modell im Bewegungsbereich kann herangezogen werden, um Auf­ schiOsse tor den Handlungsbereich zu geben. Nehmen wir beispielsweise an, ich hatte fOnt Punkte (A, B, C, D, E) in einem Bewegungsmodell. Aber meine Handlungsterminologie konnte eine Entsprechung tor D ausgelassen haben. Mein Modell konnte die heuristische Funktion haben, mich dahin zu bringen, im Bewegungsschema nach einer Analogie von D zu schauen. Mit anderen War­ ten, ein Bewegungsmodell kann sogar wirklichkeitsnah brauchbar sein. Man dart jedoch nicht erlauben, dass es wie eine adaquate Stellungnahme zur Sach­ lage verwendet wird.

Es gab schon viele Diskussionen darOber, ob es ein- oder ob es kein ,In­ dividuum" gibt. lch wOrde gerne hervorheben, dass, sobald man diese Bewe­ gungs - Handlungsunterscheidung versteht, bestimmte Betrachtungen ziem­ lich klar werden (aus rein weltlichen Grunden nahm ich an dieser Stelle Thomas von Aquins Auffassung an, dass Materie ein ,Prinzip der Individuation" sei.) Das bedeutet, dass, sobald man die bloe Zentralitat des Nervensystems vor Augen hat, das Individuum als ein Korper in Bewegung zu unterscheiden, wo­ bei meine Zahnschmerzen meine und nicht die eines anderen sind. Wenn ich sterbe, sterbe ich alleine. Sogar wenn ich mit tausenden von Menschen sterbe, so sterbe ich als ein Individuum. Auf dieser Ebene gibt es eine vollstandige so­ wie klare und empirische Trennung, wie man sie sich zwischen einem und dem nachsten Individuum nur wOnschen konnte.

lm Bezug auf dramatistische Tests geht es darum, dass sobald ein Organis­ mus, ein physischer Korper in blo er Bewegung ist, man die ausgereifte Fahig­ keit des Symbolgebrauchs dazu rechnet. Zu ihr gehoren aile Motive, die auch beim Verschmelzen mit Gruppen beinhaltet waren oder was auch immer man als soziale Motivation bezeichnen mochte. lndividualismus mag kommen und gehen, jedoch gibt es einen zwingenden Sinn, demnach das Individuum immer schon wesentlich war. Symbolhaftigkeit betont das physikalische Sein von In-dividualitat dadurch, dass man ihnen richtige Namen gibt und die Rechte auf Eigentum erhebt - ein Autor wie Shakespeare tragt seinen bedeutsamen Teil dazu bei. lch wahne mich auf der sicheren Seite, wenn ich sage, dass Coriola­ nus diese Beschreibung durch und durch erfullt, obwohl nicht einmal sein Name der eigene ist, da er sich von der Eroberung der Stadt Corioli ableitet.

Solch ein Stock veranschaulicht das ,Paradoxon der Substanz", wie ich es nenne, die Art und Weise, wie die Natur von lndividuen in ihre sozialen Bezie­ hungen I Gruppenbeziehungen mit hineinspielt. lch denke, dass das Studium von Stocken in Anbetracht dessen sehr aufschlussreich ist. Das sogenannte ,Paradox der Substanz" ergibt sich in einem Stock daraus, dass kein Charak­ ter ,er selbst" sein kann, ohne dass all die anderen Charaktere ihm dabei hel­ fen, die Rolle einzunehmen, tor die er geschaffen wurde.

Meine Bedenken munden in die Frage: 1st meine Unterscheidung zwischen Handlung und Bewegung zulassig? lch sollte auch bemerken, dass diese Per­ spektive das Bedurfnis beinhaltet einen Schritt Dber bfof!,e Kommunikation hin­ auszumachen. Die meisten Sozialwissenschaftler haben bei dem Problem der Kommunikation aufgehort und vielleicht ist das auch genug tor ihre Ziele. lch jedoch wurde gerne aufzeigen, dass ein weiterer Schritt moglich ist. In meinen Spekulationen Ober kunstlerische Formen begann ich ernsthaft daruber nach­ zudenken, wann ich von der ,Selbstentfaltung" zur ,Kommunikation" Oberging. Lange Zeit arbeitete ich an diesen beiden Konzepten, wie es viele Leute in un­ serem Bereich tun. Schlierslich wurde mir klar, dass hi,er ein dritter Begriff not­ wendig ist.

Betrachte man zum Beispiel Beethovens letzte Quartette, so wird deutlich, dass er bestimmte Ober Selbstentfaltung und Kommunikation hinaus reichende Moglichkeiten erkannte und sie wahrnahm. Daher liegt im Ergreifen dieser Mog­ lichkeiten auch das Prinzip der Vollendung. In begrifflichen Angelegenheiten ist es von diesem Standpunkt aus betrachtet so, dass in unserer heutigen Welt mit ihren vielen Besonderheiten, jede Begrifflichkeit dem Spezialisten eines Fel­ des ein bestimmtes Set von Moglichkeiten nahelegt. Und ob er sich nun Aus­ druck verschafft oder nicht, ob er kommuniziert oder nicht, er beginnt seine Fa­ higkeiten zu entfalten.

lch denke, dass das Prinzip der Vollendung elementar ist, um die heutige Welt zu verstehen. Jede einzelne unserer spezialisierten Nomenklaturen legt eine Bandbreite von Vollendungsmoglichkeiten nahe, die ihrem Feld eigen sind.

Und es gibt in keinem Bereich etwas lntrinsisches, das diese Entwicklung kontrollieren konnte. Wenn ein Autor eine Idee fi.ir ein Buch hat, ruht er nicht, bis er es entwickelt hat. Wenn ein Mensch die Vorstellung von einer Bombe hat, ruht er nicht, bis sie entwickelt ist. Vom Prinzip her besteht kein Unterschied. Jeder macht nichts anderes, als fi.ir sich die Quellen der Begrifflichkeit austin­ dig zu machen und auszuschopfen.

lch bestehe an diesem Punkt vehement darauf, dass die dramatistische Per­ spektive keine Metapher ist. Jahrelang habe ich selbst die dramatistische Per­ spektive als Metapher gesehen, jedoch bin ich heute anspruchsvoller. lch pla­ diere dafi.ir, die Aussage ,Dinge bewegen sich, Personen agieren", wortlich zu nehmen.

Diese Betonung der Handlung impliziert ebenso eine ethische Dimension, da Ethik ein Aspekt von Handlung sowie Handlung ein Aspekt von Ethik ist. Man mag der Moglichkeit wissenschaftlicher Vorhersagen, die die soziale Kontrolle zum Ziel hat, oft zweifelnd gegenuberstehen. Das Risiko, dass entsprechende Ausfi.ihrungen in die falschen Hande geraten, besteht immer. Die Ergebnisse aus den Experimenten sind jedoch oft als eine Art wissenschaftliche Parabel, eine wissenschaftlich belegte Art der Aesop-Fabeln, sehr wertvoll und oft hel­ fen derlei Arbeiten dabei, einen friedlichen Standpunkt im Leben einzuneh­ men. Vieles unseres methodologischen Spekulierens ist ethisch auch aus dem Grund wertvoll, da es dazu beitragt, beide, den Autor und seine Leser, von der Strae fernzuhalten.

Dramatistische Analyse*

Dramatismus wird (in Webster's Third New International Dictionary) folgen­ derma en definiert: als ,eine Technik zur Analyse von Sprache und Gedanken, mehr gedacht als grundlegende Handlungsweisen, denn als Mittel der lnforma­ tionsubermittlung." Dies ist ein recht hilfreicher Weg, in das Thema einzusteigen, da Dramatismus um die systematische Sicht von Sprache, als einer Spezies ,symbolischen Handelns" gebaut ist. Zugleich wird die groe Bedeutung der Be- grifflichkeit in der Wissensvermittlung, die wiederum unser Konzept von ,Wirk­ lichkeit" formt, nicht gemindert. Dramatismus ist eine Methode begrifflicher Ana­ lyse (und entsprechender Begriffskritik), die geschaffen wurde, um zu zeigen, dass der direkteste Weg, menschliche Beziehungen und Motive zu studieren, Ober ein methodisches Erschlie en von Begriffs-Ciustern und ihren Funktionen fOhrt, was im Schlusselbegriff ,Handlung" beinhaltet ist. ,Handlung" bildet somit ein begriffliches Zentrum, von dem viele damit zusammenhangende Betrach­ tungen erwiesenerma en ,abstrahlen", wie von einem ,Gott-Begriff", von dem ein ganzes Universum von Begriffen ,abgeleitet" wird. Das Studium von Spra­ che ruckt, von diesem Standpunkt betrachtet, in den Fokus einer Sprachphi­ losophie (und einer ,Symbolizitat" im Allgemeinen), die als allgemeine Grund­ lage zur Definition des Menschen, mit entsprechenden Ansichten bezuglich der Probleme menschlicher Beziehungen, geboten wird. Der vorliegende Beitrag wird in erster Linie das dramatistische Anliegen im Hinblick auf Quellen, Be­ schrankungen und Paradoxien der Begrifflichkeit betrachten, die besonders in Verbindung mit der Zuschreibung von Motiven stehen.

Dramatismus konzentriert sich auf Betrachtungen folgender Art: damit es eine Handlung gibt, benotigt man einen Handelnden. Auf ahnliche Weise muss es eine Szene geben, wo der Handelnde agiert. Um in einer Szene zu agie­ ren, muss der Handelnde einige Mittel oder Hilfmittel anwenden. Und es kann kein Handeln im wahrsten Sinne des Wortes geben, wenn es keine Absicht verfolgt. (Das bedeutet, dass wenn eine Stotze nachgibt und man fallt, eine solche Bewegung von Seiten des Handelnden keine Handlung, sondern ein Unfall ist). In A Grammar of Motives (Burke [1945- 1950]) habe ich diese fOnt Termini (Handlung, Szene, Handelnder, Hilfsmittel, Absicht) das dramatistische Pentad genannt. Das Ziel war zu zeigen, wie sich die Funktionen, die sie be­ zeichnen, bei der Motivzuschreibung verhalten. In Verbindung mit der ande­ ren, aber komplementaren Einstellungsanalyse, ist dieses Schema zu Beginn ein Hexad, was auch George Herbert Meads Sozialpsychologie (1938) (siehe seine PhilosophyoftheAct) und I.A. Richards Kunstpsychologie (1959) (siehe Principles of Literary Criticism) darlegen.

Spater werden wir uns der Frage zuwenden, ob der Schlusselbegriff Drama­ tismus wortlich oder metaphorisch gemeint ist. In der Zwischenzeit sollten an­ dere wichtige Dinge Ober die Begriffe selbst festgehalten werden.

Offensichtlich kann, beispielsweise, das Konzept der Szene weiter oder en­ ger gefasst werden (gedacht hinsichtlich einer variierenden Abgrenzung oder eines veranderlichen Umfangs), auch wenn das Verhalten eines Handelnden (,Handlung") so verstanden werden k6nnte, als ereigne es sich vor einem po­ lytheistischen Hintergrund; oder das allumfassende dramaturgische Umfeld als auf einem Gott basierend aufgefasst werden kann; oder der Umfang einer Si­ tuation bis auf naturalistische Grenzen, wie im Darwinismus, beschrankt wer­ den kann; oder man es in Begriffen, wie ,westliche Zivilisation" oder ,Eiisabe­ thanism", ,Kapitalismus" oder ,D-Day", ,10 Downing Street" oder ,auf dieser Zugfahrt" und endlos so weiter versuchen kann zu verorten. Der Hauptpunkt ist, dass jeglicher Wechsel eines Umstands, entsprechend als eine Hand­ lung betrachtet wird, [und] damit zusammenhangend einen Wechsel in der Qualitat der Handlungsmotivation beinhaltet. Solch eine lockere und dennoch zwingende Korrespondenz zwischen Handlung und Szene wird ,Verhaltnis Szene- Handlung" genannt.

All die Begriffe sind zu ahnlichen Beziehungen im Stande. Ein Verhaltnis zwi­ schen ,Absicht- Handlungsweise", beispielsweise, wurde die Logik der ,Wahl der Mittel" betreffen, die Beziehung zwischen Endzwecken und Mitteln (wie der Supreme Court entscheiden konnte, dass das Maeines Notfalls konstitutionell ist, da es in der Unfallsituation angesetzt wurde.) Und ein ,Verhaltnis Handeln­ der- Handlung" wurde die Korrespondenz zwischen einem menschlichen Cha­ rakter und dem Charakter seiner Handlung wiedergeben, (so wie es im Drama, die Prinzipien der formalen Obereinstimmung erfordern, dass jede der drama­ tis personae in ihrem Charakter handelt, obwohl solche Korrespondenzen in Kunst eine ,Perfektion" erlangen, wie sie oft im Leben nicht gefunden wird.) In der eigentlichen Praxis werden solche Verhaltnisse manchmal genutzt, um eine Handlung zu erklaren und manchmal auch, um sie zu rechtfertigen.

David Humes Enquiry Concerning Human Understanding wirft ein vorteilhaf­ tes Licht auf dramatistische ,Verhaltnisse". Seine AusfOhrung beginnt mit der Beobachtung, dass,Moralphilosophie, oder die Wissenschaft Ober die mensch­ liche Natur, auf zwei verschiedene Arten behandelt werden kann." Eine ,be­ trachtet den Menschen als einen primar zum Handeln Geborenen". Die andere wOrde , den Menschen eher im Lichte eines vernOnftigen, statt eines aktiven Wesens sehen, eher bemOht, sein Verstandnis zu Formen, statt sein Verhal­ ten zu kultivieren." An dieser Stelle treffen wir im Wesentlichen auf die Unter­ scheidung zwischen einem sich auf Handeln beziehenden dramatistischen und dem sich auf Wissen beziehenden Ansatz. Denn der Mensch erhalte als , ver­ nOnftiges Wesen", wie Hume sagt, seine eigentliche Nahrung und Pflege durch die Wissenschaft. Allerdings sei ,der Mensch ein ebenso kontaktfreudiges wie auch vernOnftiges Wesen. [ ... ] Der Mensch sei ebenso ein aktives Wesen; und mOsse sich von daher den verschiedenen Notwendigkeiten des menschlichen Lebens, dem Wirtschafts- und Berufsleben unterordnen."

Es ist an dieser Stelle nicht notwendig, die vollen lmplikationen dieser Unter­ scheidung, wie sie Hume entwickelt, aufzuweisen. Es genOgt zu sagen, dass Hume nach Art des 18. Jahrhunderts. Ober Geschichte sagt: ,lhr Hauptge­ brauch liegt lediglich darin die andauernden und universellen Prinzipien der menschlichen Natur zu entdecken, indem der Menschen in allerlei Umstanden und Situationen gezeigt wird und wir so mit Material versorgt werden, anhand dessen wir unsere Beobachtungen formen und uns mit den eigentlichen Quel­ len des menschlichen Handelns und Verhaltens vertraut machen konnen." Auf der Grundlage einer derartigen ,Uniformitat menschlicher Motive und Handlun­ gen ebenso wie bei den Vorgangen des Korpers", bauen wir eine Reihe von ,Erwartungen" auf; und diese Erwartungen, die sich von Erfahrungen der ,Ein­ heitlichkeit menschlicher Handlungen" herleiten, leiten uns in den Regeln und Zielen des Lebens. Dann erganzt er eine grausame Fahigkeit:

Wir dOrfen jedoch nicht erwarten, dass diese Einheitlichkeit menschlicher Handlun­ gen soweit getrieben werden sollte, dass aile Menschen unter denselben Umstan­ den immer genau gleich handeln, ohne dass unterschiedlichen Charakteren, Vor­ urteilen und Meinungen Raum gegeben wird. Eine solch detaillierte Einheitlichkeit wird nirgendwo in der Natur gefunden. lm Gegenteil, durch das Beobachten einer gro(l,en Bandbreite von Handlungsweisen verschiedener Menschen, wird es uns er­ moglicht, eine gro(l,ere Spanne von Maximen festzulegen, die immerhin einen Grad von Uniformitat und Regelma(l,igkeit nahe legen.

Vom dramatistischen Standpunkt aus betrachtet, beschaftigt sich Hume hier mit einer Unterscheidung zwischen dem ,Verhaltnis Szene - Handlung" und dem ,Verhaltnis Handelnder- Handlung". lnsofern das Handeln des Menschen anhand von Umstanden, in denen gehandelt wird, interpretiert wird, wurde ihr Verhalten unter die Oberschrift ,Verhaltnis Szene- Handlung" fallen. So­ fern ihr Handeln verschiedene Charaktere offenbart, wurde ihr Verhalten un­ ter die Oberschrift ,Verhaltnis Handelnder- Handlung" fallen. In Krisenzeiten, beispielsweise bei einem Schiffbruch, konnte man in gewisser Weise davon ausgehen, dass das Verhalten aller beteiligten Personen begunstigende Ein­ flusse fUr die Krise hat. Jedoch tut sich in einem solchen ,Verhaltnis Szene­ Handlung" eine Spanne von ,Verhaltnis Handelndem - Handlung" auf, inso­ weit sich ein Mensch als feige erwies, der andere als mutig, ein weiterer als · einfallsreich usw..

Obwohl sich Talcott Parsons in The Structure of Social Action nicht auf ,Dra­ matismus" als solchen bezieht, entfaltet er analytisch und zu soziologischen Zwecken weitgehend dieselbe Reihe begrifflicher Funktionen, die hier ,drama­ tistisch" genannt werden (was sie ihrer Natur verdanken, da sie die Idee des ,Handelns" beinhalten). Daher schreibt er im zweiten Kapitel, zu ,Die Einheit von Handlungssystemen":

Eine ,Handlung" beinhaltet logischer Weise folgendes: (1) Sie beinhaltet einen Agen­ten, einen ,Handelnden". (2) Um sie definieren zu konnen muss die Handlung ein ,Ende" haben und einen zukOnftigen Stand der Dinge, zu dem sich der Handlungs- prozess hin entwickelt. (3) Sie muss in einer ,Situation" initiiert werden, deren Ent­ wicklungstendenzen sich in mehr als einem wichtigen Punkt vom angestrebten Ende, unterscheiden. Diese Situation ist wiederum in zwei Elementen analysierbar: diejeni­ gen Ober die der Handelnde keine Kontrolle hat, die er also nicht andern oder davon abhalten kann geandert zu werden, in Obereinstimmung mit seinem Ende und den­ jenigen Ober die er eine solche Kontrolle hat. Zuerst genanntes wird als Handlungs­ ,Bedingungen" bezeichnet, letzteres sind die ,Mittel". (4) Schlie(l,lich ist ein Bestand- teil der Konzeption dieser Einheit in ihren analytischen Gebrauchen ein bestimmter Modus von Beziehung zwischen den Elementen. Das bedeutet in der Wahl alterna­ tiver Mittel bis zum Schluss, eine ,normative Orientierung" von Handlung.

[...]


1 Kenneth Burke: ,Dramatism". In: Lee Thayer: Communication Concepts and Perspectives. Spartan Books, Washington, 1967.

Diesem Buch liegt das ,Second International Symposium on Communication Theory" and Research" zugrunde, unterstotzt von der University of Missouri, Kansas City, in Ko­ operation mit der National Society for the Study of Communication.

2 Kenneth Burke: Grammar of Motives. University of California Press, Berkeley, 1969.

3 Burke, Kenneth: A Rhetoric of Motives (1945). University of California Press, Berkeley, Los Angeles, 1969.

4 Kenneth Burke: The Rhetoric of Religion- Studies in Logo/ogy (1961). University of California Press, Berkeley, Los Angeles, 1970.

5 Burke, Kenneth: Language as Symbolic Action: Essays on Life, Literature, and Method (1966). University of California Press, Berkeley, Los Angeles, 1966.

6 Vgl. Kenneth Burke:,Dramatism". In: International Encyclopedia of the Social Sciences. Band 7. Hg. von David L. Sills. MacMillan [u.a.], New York, 1968. 8. 445-452.

7 Daniel Bell erklarte Ende der sechziger Jahre mit der Dominanz der Wissenschaft den Tad der , -isms".

8 Vgl. Holocher: , Unterschiedliche lnterpretationsrahmen fUhren demnach zu unterschied­ lichen Auffassungen daruber, was Realitat ist." , Die zentrale 8tellung des 8ubstanzkon­ zeptes unterscheidet dabei Burkes hermeneutischen Ansatz von dem der positivistisch orientierten Wissenschaften. 8treben die letzteren nach einer (Meta-)8prache, die dem Objektbereich moglichst eindeutig zuzuordnen ist, so verfolgt Burke das Ziel, eine Termi­ nologie zu entwickeln, die das Potential an Mehrdeutigkeit, die bei der Verwendung na­ turlicher 8prachen fUr ihn unvermeidbar ist, aufdeckt." In: Hermann Holocher: Anfange der , new rhetoric" . Niemeyer, Tubingen, 1996. 8. 112 u. 8. 116.

9 Wahrend die amerikanische Autorin und Gesellschaftskritikerin Susan Sontag die ge­ nerelle Bedeutung der Ubersetzung in der heutigen Zeit darstellt, setzt Elizabeth Neild sich direkt mit Burkes Auffassungen zu der Thematik auseinander und arbeitet bedeu­ tende theoretische Uberschneidungen mit dem Literaturkritiker und Philosophen Walter Benjamin heraus. Dessen Essay , Die Aufgabe des Ubersetzers" wird daher als dritter Orientierungspunkt dienen.

10 Susan Sontag:,On Being Translated". In: Where the Stress Falls . Essays. Vintage/ Ran­ dom House, London, 2003. 334-347. Sie hielt diese Rede im November 1995 bei der Konferenz zum Thema , Obersetzung" an der Columbia University.

11 Ebd., S. 345.

12 Ebd. S. 345.

13 Ebd. S. 342.

14 Eine deutliche Oberschneidung ergibt sich hier mit dem von Benjamin so genannten, adamitischen" Sprachprinzip.

15 Wahrend Burke jedoch davon ausgeht, dass ein dem Menschen grundsatzlich zu eigen seiendes, fundamentales Sprach- und Erklarungsbedi.irfnis sich zu verschiedenen Zei­ ten in immer wieder neuer Form im jeweiligen Sprachgebrauch widerspiegelt, vertritt Walter Benjamin die Auffassung einer linearen Entwicklungsgeschichte bzw. Sprachevo­ lution, bei der die spateren Stufen immer auf den vorangegangenen gri.inden.

Vgl. Burke ,Dramatismus": , ldealerweise konnte man sich vorstellen, dass eine Ge­ schichte derlei Entwicklungen, auch verschiedene Zwischenstufen enthalten sollte. Tat­ sache ist, dass man wohl auch eine solche Geschichtsentwicklung hatte, ohne die letzte von der ersten Stufe abzuleiten". (S. 13).

16 Ausfi.ihrlich betrachtet wird diese Methode, bzw. das Pentad als ihr zugrunde liegendes Modell, im Kommentar. Gleiches gilt fi.ir Burkes Auffassung von Sprache als symbolische Handlung.

17 Walter Benjamin: Gesammelte Schriften. Band IV, Erster Teil. Suhrkamp, Frankfurt am Main, 1972/1991. S. 17.

18 E.D. Hirsch (Validity in Interpretation. New Haven and London: Yale University Press, 1967) stellt die Autorintention in den Vordergrund, Jacques Derrida (De Ia Grammatolo­ gie. Paris: Editions de Minuit, 1967) betont die Bedeutung der Sprache allein, ohne die Autorintention zu beachten, Roland Barhes (Cirque et verite . Seuil, Paris, 1966) betont den aktiven Teil des lnterpreten beim Prozess.

19 Allerdings sieht Benjamin durchaus die Moglichkeit, in der Zielsprache gewisse Eigen­ schaften oder Eigentomlichkeiten spOrbar zu machen, was sich auf unterschiedlichen Ebenen von der Grammatik Ober den Stil zu einer den Leser evtl.,befremdenden" Wort­ wahl vermittelt. Vgl. Benjamin (IV), S. 18.

20 Neild verweist in ihrem Text auf die unterschiedlichen Obersetzungen von Flauberts Mme Bovary von Francis Steegmuller und Paul de Man. Wahrend ersterer eine moderne, flie­ [!.ende Version des Romans unter Einbeziehung der Umgangssprache anvisierte, sah letzterer die Betonung des Stils, besonders die Kadenzen in Flauberts Text als zentralen Aspekt an. Vgl. Elizabeth Neild: "Kenneth Burke, Discourse, Analysis and Translation". In: Meta. Vol. 31,1986. S. 253-257. Hier: S. 256.

21 Susan Sontag: , On being translated", S. 347.

22 Sven Kramer: Walter Benjamin zur EinfOhrung. Junius, Hamburg, 2003. S. 23.

23 Vorwegnehmend Iauten diese: , Act", ,Agent", , Scene", ,Purpose", ,Agency"- Handeln, Handelnder, Szene, Absicht, Hilfsmittel. Vgl. ,Dramatism" S. 332, ,Dramatismus" S. 18. lm Folgenden werden aile sich direkt auf den Essay von 1967 beziehenden Referenzen in dieser Form angegeben. Die Seitenzahl der deutschen Obersetzung beziehen sich di­ rekt auf das vorliegende Dokument.

24 Vgl. Holocher S. 122.

25 Der nicht auszuschlie ende ,befremdende" Effekt bei der Wahl deutscher Aquivalenz­ begriffe kommt in etwa der Forderung Benjamins nach, etwas von der Originalsprache in der Ubersetzung spurbar zu machen. Dies vollzieht sich in der vorliegenden Uberset­ zung, nicht nur an den genannten Beispielen, sogar auf zwei Arten: Einerseits in der von Benjamin gemeinten, die wirkliche Distanz zwischen Englisch und Deutsch betreffend, und andererseits auf die Erhaltung der oralen Vortragssituation abgezielten.

26 lm Zusammenhang des im Kommentar ausfOhrlicher behandelten Begriffs , symbolische Handlung" sei hier vorweggenommen, dass Burke die , Freiheit" des Menschen im ,poe­ tischen" Sprachgebrauch verankert sieht. Auf die Ubersetzung ubertragen bedeutet dies, dass, wenn ohnehin eine Eins zu Eins Ubersetzung nur innerhalb der Utopie einer Uni­ versalsprache moglich ist, die ,Handlung" des Ubersetzenden eben in der Interpretation zu finden ist. Eine wortwortliche Ubersetzung ware, selbst wenn daraus ein lesbarer Text konstruiert wurde, hochstens eine Emphase der ursprunglichen , Sprachhandlung".

27 Wobei fOr Benjamin die ,reine Sprache" der Ausgangspunkt ist, der mittels einer uto­pischen Universalsprache wiedererlangt werden konne I musse, wahrend fOr Burke der,perfekte Begriff" eine zu jeder Zeit neu anzustrebende Utopie darstellt, also nicht im Ur­ sprung der Sprache schon , einmal" vorhanden war. Beiden gemeinsam ist dennoch die Auffassung, dass in der ,reinen Sprache" bzw. dem ,perfekten Begriff" die sprachliche Form mit der Substanz des jeweiligen ,Dinges an sich" zusammenfallen musse.

28 So beispielweise auf S. 14 in ,Dramatismus" (,Dramatism" S. 329), wo Burke relativ ge­nau die Herkunft seiner ,Interpretation" des Bibelzitats aus der Apostelgeschichte angibt(, St. Paul when in Athens [ ... ]") und sogar in der geschriebenen Fassung AnfOhrungszei­ chen verwendet. Allerdings verwandelt er das in samtlichen zu dieser Thematik gesichte­ ten Bibelfassungen (Einheitsubersetzung, Luther-Bibel, englische Einheitsubersetzung) enthaltende ,ich verkunde I -ige" bzw. ,i proclaim" in ein seinen Zwecken eher entspre­ chendes ,i represent". Daher wurde die Entscheidung getroffen, dass eigentlich gelaufi­ gere deutsche ,ich vertrete" hier mit ,ich reprasentiere" wiederzugeben.

* Der erste Teil dieser Aussage gibt die Substanz eines Artikels zum selben Thema wie­ der, der vorlaufig fUr die International Encyclopaedia of the Social Sciences vorbereitet wurde. Da er meine allgemeine Position reprasentiert, habe ich zusatzliches Material an­ gehangt, welches sich auf die fOr mich besonderen Belange dieses Symposiums bezieht. Demzufolge mogen es manche Leser bevorzugen, mit diesen spezifischen Darstellun­ gen der ,Dramatistischen" Analyse zu beginnen.

Ende der Leseprobe aus 76 Seiten

Details

Titel
Kenneth Burkes "Dramatism". Kommentar und Übersetzung aus dem Englischen
Note
1
Autor
Jahr
2006
Seiten
76
Katalognummer
V494681
ISBN (eBook)
9783346005984
ISBN (Buch)
9783346007209
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Amerikanistik, Allgemeine Rhetorik, Kenneth Burke, Hannah Arendt, Walter Benjamin, The Medium is The Message, The Global Village, Die Kunst der Übersetzung, Jaques Derrida, Dekonstruktivismus, Konstruktivismus, Übersetzung, Susan Sontag, Freud, Aristoteles, Identifikation, Identität, rhetorisches Handeln, Symbolic Action, Interkultur, Sprachreflektion, Koexistenz, Marshall McLuhan, Dramatismus, kulturelle Akzeptanzrahmen
Arbeit zitieren
Sarah Juric (Autor), 2006, Kenneth Burkes "Dramatism". Kommentar und Übersetzung aus dem Englischen, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/494681

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