Geschwister - Geliebte Rivalen


Seminararbeit, 2005

17 Seiten, Note: 1,9


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Merkmale

3. Geburtsrangplatz und Persönlichkeit
3.1. Erstgeborene und das Entthronungstrauma
3.2. Die „Sandwich-Position“ - Mittlere Kinder
3.3. Letztgeborene – Nesthäkchen

4. Geburt eines zweiten Kindes
4.1. Drei-Phasen-Modell
4.1.1. Erste Phase
4.1.2. Zweite Phase
4.1.3. Dritte Phase
4.2. Rivalität

5. Altersabstand
5.1. Kleiner Altersabstand
5.2. Mittlerer Altersabstand
5.3. Großer Altersabstand
5.4. Günstiger Altersabstand

6. Art der Geschwisterbeziehung
6.1. Enge Identifikation
6.2. Teilidentifikation
6.3. Geringe Identifikation

7. Einzelkinder

8. Schluss

9. Literaturverzeichnis

10. Abbildungsverzeichnis

11. Anlagen

12. Selbständigkeitserklärung

1. Einleitung

„Geschwisterbeziehungen reichen in die

ersten vorsprachlichen Tage der Kindheit zurück und

bestehen oft bis ins hohe Alter.

Sie sind die dauerhaftesten aller Bindungen.

Eltern sterben, Freunde verschwinden, Ehen lösen sich auf.

Aber Geschwister können sich nicht scheiden lassen,

und selbst wenn sie 20 Jahre nicht mehr mit einander sprechen,

bilden Blutsbande und gemeinsame Geschichte ein unauflösliches Band“

(Klagsbrun, 1993)

Beginnend mit diesem Zitat von Francine Klagsbrun (zitiert nach: http.//www.ph-heidelberg.de/wp/roos/ 28.05.2005), möchte ich in dieser Arbeit tiefer auf das Thema Geschwisterbeziehungen eingehen. Anhand verschiedener Forschungs- und Untersuchungsergebnisse möchte ich darauf eingehen, welche Rolle die Geschwisterzahl, der Altersabstand und die Geschwisterkonstellation in der Beziehung spielt.

Weiterhin möchte ich Merkmale verschiedener Beziehungen und den damit verbundenen Zusammenhang mit der Entwicklung und der Sozialisation eines Kindes darstellen. Da Rivalität unter Geschwistern keine Seltenheit ist möchte ich Gründe dafür finden und in diesem Zusammenhang auf die Geburt eines zweiten Kindes eingehen und erläutern wie die Eltern für ein harmonisches Familienklima sorgen können.

Laut der Statistik des statistischen Bundesamtes werden Familien mit Geschwisterkindern immer seltener. Aufgrund dieses Wandels der Familie in der heutigen Zeit und der weitverbreiteten Ein-Kind-Familie möchte ich auch auf das Thema Einzelkind eingehen und untersuchen ob die Vorurteile die über Einzelkinder verbreitet sind, doch Wahrheiten oder ob es wirklich nur Vorurteile sind.

2. Merkmale der Geschwisterbeziehung

Mit dem Begriff „Geschwister“ bezeichnet man Individuen, die über eine teilweise identische genetische Ausstattung verfügen, weil sie dieselbe Mutter bzw. denselben Vater haben und „Beziehung“ heißt, dass zwischen zwei Personen ein zwischenmenschliches Verhältnis existiert.

Die Beziehung zwischen Geschwistern ist eine ganz besondere und besitzt etwas Schicksalhaftes, da sie im Grunde von den Geschwistern nicht frei gewählt wird, sondern sie ohne Wahlfreiheit in die gleiche Familie hineingeboren wurden. Sie müssen Vorlieb nehmen mit den gleichen Eltern, leben in der selben Wohnung, sind beständig zusammen und besitzen ähnliche Dinge. Schon aufgrund dieser Besonderheit besteht und erhält sich die Beziehung zwischen den Geschwistern und hebt sich so von allen andern sozialen Beziehungen, wie Freundschaften, Bekanntschaften oder Partnerschaften ab. Hartmut Kasten bezeichnet die Geschwisterbeziehung deshalb auch zurecht als „die Längste aller Sozialbeziehungen des Menschen“ (Kasten, 2003, S. 152). Durch dieses enge Zusammenleben von klein auf, können Geschwister ein Höchstmaß an Intimität erreichen, wie es in keiner anderen Beziehung noch einmal auftreten kann. Durch die Intensität von Zusammenhörigkeit und Vertrautheit zwischen Geschwistern können sich mehr oder weniger ausgeprägte, ungeschriebene Verpflichtungen, die sich in solidarischen, Anteil nehmendem, hilfsbereitem und hilfreichem Verhalten manifestieren, ergeben (http.//www.ph-heidelberg.de/wp/roos/ 28.05.2005). Typisch für eine Geschwisterbeziehung ist außerdem das gleichzeitige Vorhandensein von intensiven Gefühlen, sowohl positiven als auch negativen. Obwohl Geschwister Liebe und Zuneigung empfinden können sie gleichzeitig auch Ablehnung und Hass empfinden und diese Gefühle in ihren Handlungen ausdrücken. Meist äußert sich dieses Merkmal in einem heftigen Streit, welcher aber nach kurzer Zeit wieder vergessen ist und alles wieder so ist wie es vorher einmal war. Und das ist das schöne an dieser Beziehung, man kann sich streiten wie man will, aber man findet immer wieder zueinander zurück.

Wenn ein sehr heftiger Streit darin endet, dass Geschwister keinen Kontakt mehr miteinander haben, kann die Geschwisterbeziehung trotzdem nicht beendet werden wie eine Freundschaft, weil sie immer fort wirkt und bestehen bleibt.

Eine weitere Besonderheit an der Geschwisterbeziehung ist, dass sich die Charaktere der Geschwister in fast allen Fällen sehr gegensätzlich sind. Neuste Forschungen haben ergeben, dass Geschwister so verschieden sind, weil sie es müssen, in dem Fall ist eine Art Überlebensstrategie, im Kampf um die Gunst der Eltern (Rando & Sentker, 2005, S.13).

3. Geburtsrangplatz und Persönlichkeit

Verschiedene Forschungen gehen davon aus, dass die Stellung in der Geschwisterreihe erheblichen Einfluss auf die Erziehung und Sozialisation des Kindes hat und damit auch die Persönlichkeit des Kindes entscheidend formt.

3.1. Erstgeborene und das Entthronungstrauma

Das erstgeborene Kind ist für die Eltern etwas ganz besonderes und sie geben ihm ihre ungeteilte Aufmerksamkeit, denn sie möchten alles besonders gut machen. Dieser Zustand kann sich, wenn ein zweites Kind geboren wird, ändern und dazu führen, dass das erstgeborene Kind einen Schock erleidet, der lange andauern kann. Der Begründer der Individualpsychologie Alfred Adler nennt diese Erscheinung das Entthronungstrauma. Durch den Verlust der alleinigen elterlichen, vor allem mütterlichen, Aufmerksamkeit kann das erstgeborene Kind dem neuen Geschwisterchen mit Eifersucht, Ablehnung und Aggression begegnen. Aber auch das Verhältnis zur Mutter kann gestört sein, denn das Erstgeborene weiß nicht wie es seiner Mutter gegenübertreten soll. Auf der einen Seite spürt es Misstrauen, auf der anderen Zuneigung. Wenn das Kind merkt, dass es wegen des neuen Kindes nicht mehr so behandelt wird wie vor der Geburt, es sozusagen vom Thron geschubst wurde, kann es schnell dazu kommen, dass es sich wünscht das neue Kind wieder zurückzugeben, so dass alles wieder so ist wie vorher. Erstgeborene Kinder können auch in alte Verhaltensweisen, die sie eigentlich schon längst abgelegt haben, wie der Schnuller oder Einnässen, zurückfallen. Die Ausprägung des Entthronungstraumas hängt natürlich von der Intensität des Einfühlungsvermögens der Eltern ab. Bei der Geburt eines zweiten Kindes kann insbesondere der Vater viel für sein erstgeborenes Kind tun. Er kann, während die Mutter sich um den Säugling kümmert, sich mit dem älteren Kind beschäftigen und ihm seine ungeteilte Aufmerksamkeit geben. Um das Kind auf die Geburt eines zweiten Kindes gut vorzubereiten sollten Eltern ihr Kind an der Schwangerschaft teilhaben lassen. Sie sollten sie am Bauch fühlen lassen, die Fotos von dem Baby im Mutterbauch sehen lassen, um so schon vor der Geburt eine Beziehung zwischen dem Großen und dem Baby herzustellen. So wird er sich bei der Geburt vielmehr freuen, weil er mit erleben konnte wie sein Geschwisterchen heranwächst.

3.2. Die „Sandwich-Position“ – Mittlere Geschwister

Hartmut Kasten ist der Meinung, dass die mittleren Kinder Gefahr laufen, am wenigsten Beachtung und Zuwendung zu erhalten (Kasten, 2003, S. 53). Das älteste und das jüngste Kind haben ihre Eltern für einen gewissen Zeitraum für sich allein, das Älteste vor der Geburt des Zweiten Kindes und das Letztgeborenen, wenn alle anderen Kinder aus dem Elternhaus gezogen sind. Das mittlere Kind dagegen hat die schlechtesten Ausgangsbedingungen. Es ist weder das Nesthäkchen noch Erstgeborener und hat oft das Gefühl, zurückversetzt und vernachlässigt zu werden. Um genauso eine feste Stellung in der Familie zu erhalten, wie die Geschwister, muss es dem mittleren Kind gelingen ein Interessenfeld zu finden, in dem es sich profilieren kann, um dadurch gleichzeitig auch Anerkennung zu erhalten (Kasten, 2003, S. 53). Gelingt auch diese Art der Aufmerksamkeitsgewinnung nicht und stehen auch außerhalb der Familie keine Bezugspersonen zur Verfügung kann dies zum Rückzug und zu negativen Reaktionen führen, z. B. mit Resignation oder Depressionen. Es ist nicht selten, dass sich mittlere Kinder einen ganz anderen Weg suchen, um irgendwie die Aufmerksamkeit der Eltern zu erhalten, sei es durch Aufsässigkeit oder durch Flucht in die Krankheit.

3.3. Letztgeborene – Nesthäkchen

Das jüngste Kind in der Familie genießt meist einen Sonderstatus. Es ist der kleine Liebling, der sowohl von Eltern, als auch von Geschwistern umsorgt und beschützt wird. Die letztgeborenen Kinder kennen ihre Position genau und wissen auch welche Strategie sie anwenden müssen, um an ihr Ziel zu kommen. Genauso einfallsreich und lebhaft sind sie auch beim Buhlen um die Gunst der Eltern. Aber Nesthäkchen haben es eigentlich nicht leicht, denn in der Familie ist durch die älteren Geschwister, alles was sie tun und können, schon einmal da gewesen. Die älteren Geschwister helfen dem jüngsten Geschwisterchen bei alltäglichen Dinge, oft kann diese Art Bevormundung aber auch zu einer Unselbständigkeit des Jüngsten führen, da ihm noch nicht so viel zugetraut wird. Den Kleinen fällt es oft sehr schwer aus dem Schatten der großen Geschwister zu treten, so gehen sie auch den Weg über ihr Verhalten und benehmen sich auffälliger und vorlauter als die Geschwister, um sich so zu profilieren.

4. Die Geburt eines zweiten Kindes

Die Geburt eines zweiten Kindes bringt oft große Veränderungen sowohl für die Eltern als auch für das erstgeborene Kind mit sich. Das ältere Kind muss sich daran gewöhnen, nicht mehr der Einzige zu sein und demzufolge nicht mehr die ganze Aufmerksamkeit zu bekommen. Das ältere Kind kann das Neugeborene oft als Rivalen oder Konkurrenten empfinden. Deswegen müssen sich die Eltern auch dahingehend umstellen, dass sie ihre Liebe und Zuneigung jetzt auf zwei Kinder aufteilen müssen.

4.1. Drei – Phasen - Modell nach Kreppner et al., 1982 (zitiert nach Kasten, 1993, S. 20)

Dieses Modell beschreibt die Veränderungen, die in der Familie stattfinden, wenn ein zweites Kind geboren wird und steht im Zusammenhang mit den Entwicklungsfortschritten des jüngeren Geschwisters (Kasten, 1993, S. 20).

4.1.1. Erste Phase

Diese umfasst den Zeitraum von der Geburt des zweiten Kindes bis ungefähr zu seinem 8. Lebensmonat. Eine Aufgabe der Eltern ist es ihren Tagesablauf und auch ihre Handlungsweisen dahingehend umzustellen, dass sie jetzt zwei Kinder zu versorgen haben und diese auch zufrieden zu stellen. Außerdem müssen sie sich bemühen, zwischen den Geschwistern erste Kontakte einzuleiten um eine Beziehung zwischen den beiden herzustellen. Kreppner et al. Stellten fest, dass sich bei der Bewältigung der versorgungs- und hausaltsbezogenen Aufgaben unterschiedliche Formen entwickeln können:

(1) Aufteilung der Kinderversorgung, zum Beispiel kümmert sich die Mutter um das jüngere Kind und der Vater um das ältere Kind
(2) Die Mutter übernimmt schwerpunktmäßig die Versorgung der Kinder, der Vater ist für den Haushalt und die Außenkontakte zuständig
(3) Die Eltern wechseln sich ab, was ihre kinderbezogenen und sonstigen Aktivitäten betrifft.

Zentrale Bedeutung kommt, laut der Forschergruppe, den Bedürfnissen des älteren Kindes nach Zuneigung und Liebe zu. Denn es wird seine Ansprüche hartnäckig behaupten und versuchen sie mit allen Mitteln durchzusetzen, das kann dazu führen, dass sich Eltern vor einem Problem der gerechten Vermittlung und Verteilung stehen (Kasten, 2003, S. 93).

4.1.2. Zweite Phase

In dem Zeitraum vom 8. bis 16./17. Lebensmonat nimmt der Aktionsradius des jüngeren Geschwisters beträchtlich zu. Neben dem Laufen lernen wächst auch das Konfliktpotential zwischen den Geschwistern und es gibt erste Anzeichen von Rivalität und Eifersucht. Für die Eltern sollte dies ein Zeichen sein, dass sie den unterschiedlichen Erwartungen der Kinder unbedingt entsprechen müssen und die Beziehung zwischen den Kinder regeln müssen (Kasten, 1993, S. 21).

[...]

Ende der Leseprobe aus 17 Seiten

Details

Titel
Geschwister - Geliebte Rivalen
Hochschule
Berufsakademie Sachsen in Breitenbrunn  (Sozialpädagogik)
Veranstaltung
Pädagogische Handlungsansätze
Note
1,9
Autor
Jahr
2005
Seiten
17
Katalognummer
V49474
ISBN (eBook)
9783638459228
Dateigröße
576 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Geschwister, Geliebte, Rivalen, Pädagogische, Handlungsansätze
Arbeit zitieren
Susann Colditz (Autor), 2005, Geschwister - Geliebte Rivalen, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/49474

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