Diese Arbeit untersucht die didaktische Gestaltung des Unterrichtsfaches Sport und vergleicht hierfür das Konzept des offenen Sportunterrichts mit dem des geschlossenen. Dafür werden auch didaktische Methoden näher beleuchtet.
Kinder, die in die Institution Schule überführt werden und ihren individuellen Weg in eine ungewisse Zukunft antreten, sollen nachhaltig mit der Fähigkeit ausgestattet werden, sich erfolgreich den Hindernissen zu stellen, welche sich auftun werden, wenn sie sich selbst verwirklichen wollen. Doch bevor man ein klares Ziel vor Augen haben kann und dieses verfolgt, sollte man zuerst ein möglichst klares Bild von sich selbst haben. Diesen Prozess der Herausbildung einer Persönlichkeit und Identität gilt es maßgeblich zu unterstützen. Für die Lehrkraft ergibt sich daraufhin die komplexe Aufgabenstellung, ihre Schüler mit den oben genannten Fähigkeiten auszustatten und ihnen gleichzeitig eine Perspektive für die Zukunft zu geben, ihnen also ihre Stärken, Schwächen und Talente zu offenbaren, um ihnen ihren Einstieg in ihr Berufsleben zu erleichtern. Speziell der Schulsport unterscheidet sich jedoch durch seinen Fokus auf Bewegung als vorrangigen Unterrichtsinhalt maßgeblich von anderen Schulfächern.
Daraus ergibt sich ein vielseitiges Potential zur Gestaltung des Geschehens, speziell wenn man vom Konzept der Öffnung von Unterricht Gebrauch macht. Der individuelle Lernprozess und der damit verbundene Entwicklungsstand, welcher von der Institution Schule mit der Bewertung ihrer Leistungen gemessen wird, kann aus Schülersicht auf diese Weise subjektiver, greifbarer und lohnender gestaltet werden.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Offener Sportunterricht als didaktische Alternative
2.1 Gegenüberstellung offener und geschlossener Unterricht
2.2 Mögliche Grade der Öffnung und eine Empfehlung
2.3 Problemorientiertes Unterrichten als didaktische Interventionsmöglichkeit
3. Konzept des freien Bewegungsunterrichtes nach Auras
3.1 Prinzipien des Unterrichtskonzeptes
3.2 Chancen und Gefahren
3.3 Erfahrungen
4. Offener Sportunterricht als Mittel der Sinngebung
5. Schlussbetrachtung
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht die didaktischen Möglichkeiten des Offenen Sportunterrichts als Alternative zum klassischen, lehrerzentrierten Unterricht und analysiert, wie durch eine gezielte Öffnung und problemorientierte Gestaltung die intrinsische Motivation und die individuelle Sinnstiftung der Schüler gefördert werden können.
- Vergleich von geschlossenem und offenem Unterrichtskonzepten
- Einsatz von problemorientiertem Unterrichten als didaktisches Mittel
- Prinzipien und Chancen des freien Bewegungsunterrichts nach Auras
- Die Rolle der Lehrkraft als Lernbegleiter und -berater
- Sinngebung im Sportunterricht und Möglichkeiten der Leistungsbewertung
Auszug aus dem Buch
3.1 Prinzipien des Unterrichtskonzeptes
Thomas Auras, ein entschiedener Anhänger des Offenen Sportunterrichts, empfiehlt Lehrenden das Konzept des freien Bewegungsunterrichtes um die Kluft zwischen den individuell motivierten Bewegungsformen und dem Sportunterricht zu überwinden und so den Schülern eine Möglichkeit zu bieten sich frei zu entfalten. Hierbei werden die Kompetenzen und Interessen der Schüler in den Mittelpunkt gerückt. Sie sollen eigenständig entscheiden, welchen Sport sie im Unterricht treiben wollen. Auf diese Weise verlässt Auras den traditionellen Schüler-Lehrer Dialog und setzt die Idee der „Initiativstunden“ fort. Dies sind speziell vorgesehenen Stunden, in denen im Vorfeld des Sportunterrichtes das Geschehen von den SuS selbst geplant wird. Erste Ansätze für diesen schülerzentrierten Unterricht boten bereits Funke, Heine & Schmerbitz 1979.
Das Konzept des freien, offenen Bewegungsunterrichtes orientiert sich an 4 Prinzipien, die als eine Art Leitfaden, jedoch nicht als konkrete Vorgaben dienen sollen (Auras, 2001, S. 187): Zunächst nennt Auras das Prinzip der inneren Freiheit. Die SuS sollen selbst entscheiden, welche Spiel- und Bewegungsformen sie im Sportunterricht durchführen wollen ohne dabei von einer Lehrperson beeinflusst zu werden. Es sollen sogar Bewegungsformen zugelassen werden, in denen der Lehrende keinen Sinn sieht. Lediglich in Gefahrensituationen soll dieser eingreifen. Auch soll den Kindern frei gestellt werden, keinen Sport zu treiben oder an bestimmten Übungen nicht teilzunehmen, wenn die Angst davor zu groß ist.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung verortet das Thema im bildungstheoretischen Kontext von Wolfgang Klafki und stellt die Relevanz einer Schulsportgestaltung heraus, die den individuellen Lernprozess fördert.
2. Offener Sportunterricht als didaktische Alternative: Dieses Kapitel vergleicht den klassischen geschlossenen Sportunterricht mit offenen Ansätzen und diskutiert Grade der Öffnung sowie problemorientierte Methoden als Interventionsmöglichkeit.
3. Konzept des freien Bewegungsunterrichtes nach Auras: Hier werden die vier Prinzipien von Thomas Auras detailliert erläutert sowie die Chancen, Gefahren und praktischen Erfahrungen dieses spezifischen Konzepts analysiert.
4. Offener Sportunterricht als Mittel der Sinngebung: Das Kapitel untersucht, wie durch die Öffnung des Unterrichts die intrinsische Motivation gesteigert und die individuelle Sinnsuche der Schüler innerhalb des Fachs Sport unterstützt werden kann.
5. Schlussbetrachtung: Die Schlussbetrachtung fasst die Ergebnisse zusammen und reflektiert kritisch über die Herausforderungen bei der praktischen Umsetzung und die Notwendigkeit, das Konzept in andere Unterrichtskonzepte zu integrieren.
Schlüsselwörter
Sportunterricht, Offener Unterricht, Schulsport, Problemorientierung, Freier Bewegungsunterricht, Didaktik, Selbstbestimmung, Sinngebung, Lernmotivation, Thomas Auras, Schülerzentrierung, Leistungsbewertung, Bildungstheorie, Bewegungsexperten.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der didaktischen Konzeption des Offenen Sportunterrichts und dessen Potential, traditionelle, lehrerzentrierte Unterrichtsformen zu ergänzen oder zu ersetzen, um Schülern eine freiere Entfaltung zu ermöglichen.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die Arbeit fokussiert sich auf den Vergleich zwischen geschlossenen und offenen Unterrichtsmodellen, das Konzept des freien Bewegungsunterrichts nach Auras, die Bedeutung von Sinngebung im Sport sowie Möglichkeiten der Notengebung.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das primäre Ziel ist es, den Nutzen des Offenen Sportunterrichts für die Förderung der Schülerpersönlichkeit und die Steigerung der intrinsischen Lernmotivation durch individuelle Sinnstiftung aufzuzeigen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Autorin nutzt eine literaturgestützte, sportpädagogische Analyse, in der sie einschlägige Fachliteratur (u.a. von Klafki, Auras, Kurz) heranzieht, um didaktische Modelle kritisch zu diskutieren.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die methodische Gegenüberstellung, die detaillierte Vorstellung des Konzepts von Auras sowie die theoretische Herleitung, warum Öffnung des Unterrichts zur Sinnstiftung beiträgt.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind insbesondere Offener Sportunterricht, problemorientiertes Lernen, Selbstbestimmung, intrinsische Motivation und Schülerzentrierung.
Wie definiert Auras die Rolle des Lehrers in diesem Konzept?
Der Lehrer tritt vom Status des Anweisenden zurück und fungiert primär als "Bewegungsbegleiter und -berater", der den äußeren Rahmen sichert, während die Schüler als "Bewegungsexperten" agieren.
Warum wird im Dokument das Thema Notengebung angesprochen?
Die Autorin diskutiert die Notengebung, da diese im traditionellen Kontext oft demotivierend wirken kann und schlägt Kompromissmodelle vor, um den Lernprozess und das soziale Verhalten stärker zu berücksichtigen.
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- Larissa Schräder (Author), 2014, Schulsport aus didaktischer Sicht, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/494788